Monat: Januar 2018

TIPP Wie wende ich Zäpfchen an?

Das Thema stellt sich allen Eltern. Nach vielen Wochen voller Gesundheit, fängt ein sonst zufriedener Säugling jämmerlich an zu schreien. Kein Hunger, das ahnen sie, sondern Schmerz. Das helfende Medikament ist ein Zäpfchen, das sich medizinisch Suppositorium  nennt. Das stammt vom Lateinischen supponere (darunterlegen) und dieser Wortstamm hilft auch als  Grundlage für andere Sprachen (Englisch: suppository, Französisch: suppositoire, Spanisch: suppositorio, Italienisch: supposta) – nur, wenn Sie mal im Urlaub sind.

Warum überhaupt Zäpfchen?

Gerade Säuglinge sind bei Schmerz sehr untröstlich. Sie schreien lauthals und an die Zufuhr eines Saftes oder einer Tablette ist nicht zu denken. Solange das so ist, sind die Suppositorien eine wichtige Darreichungsform von Medikamenten.

Da sie andererseits aber die unsicherste Variante der Medikamentengabe darstellt, sollte so früh wie möglich auf andere Darreichungsformen wie Säfte (oder später Tabletten) umgestellt werden.

Warum haben die Zäpfchen diese Form?

Die Form ist industriell vorgegeben (siehe Bild oben). Leider verführt sie die meisten Eltern zur nicht optimalen Anwendung.

Warum also das Zäpfchen mit der stumpfen Seite zuerst einführen?

Wie so oft im Leben befasst sich kaum jemand mit den häufigen Dingen des Lebens, das scheint zu banal zu sein. Die heutigen Erkenntnisse gehen in aller Regel auf Abd-El-Maeboud zurück, der im höchst geschätzten Medizinjournal Lancet im Jahre 1991 eine Studie veröffentlichte. Darin empfiehlt er die Anwendung von Zäpfchen mit der Spitze nach hinten. Damit soll sichergestellt werden, dass die Zäpfchen nicht zu weit in den Darm vordringen. Würden sie das tun, so würde der Wirkstoff über die Leber abgebaut bevor er hilfreich ansetzen könnte. Denn nur das letzte Stück des Darmes ist mit seinen Adern direkt an die Hohlvene angebunden. Und nur von diesem kurzen Stück des Darmes aus gelangen die medizinischen Substanzen direkt über die unter Hohlvene und das Herz in alle Organe. Unter Umgehung der Leber.

Praktische Tipps zur Anwendung

Trotz Schmerz, Fieber oder Krampfanfall besteht bei der Anwendung von Suppositorien nie ein Grund zu Hektik. Ruhe und Einfühlungsvermögen sind wichtig, um die Einführung des Zäpfchens nicht zum Horrorerlebnis für das Kind werden zu lassen.

Wie wir alle wissen, ist der After eine hoch sensible Region. Also handeln wir danach:

  • Zuerst umfassen wir das Zäpfchen mit unsern Fingern und setzen die stumpfe Seite mit leichtem Druck auf den After.
  • Nach wenigen Sekunden schmilzt die Oberfläche des Suppositoriums an.
  • Dann reizen wir mit leichten Bewegungen den After, der sich darunter langsam öffnet.
  • Es dauert wenige Sekunden und das Zäpfchen gleitet unter dem zarten Druck in den Mastdarm.
  • Wenn die Spitze kaum mehr an Analring zu sehen ist, haben wir es richtig gemacht. Bitte nicht mit dem Finger hinterher schieben!

Die Wirkung des Zäpfchens ist in Bezug auf Schmerz oder Fieber erst nach etwa 30 Minuten zu erwarten. Geduld ist also nochmals gefordert.

 

praxisblättle im neuen Gewand

Das praxisblättle wandelt sich wieder einmal. Klare, grössere und oft mehrere Bilder in den Beiträgen werden es Ihnen leichter machen an die gewünschten Informationen zu kommen.

Was auch neu ist: „Was geht rum?“ wird künftig allgemeine Trends von Krankheiten in Baden-Württemberg, Deutschland und in der Welt behandeln. Regionale Informationen über die Entwicklungen von Krankheiten im Oberen Linzgau werden die Ausnahme bleiben.Und: Diese Reihe kommt nicht mehr regelmässig, sondern aktuell. wenn etwas rumgeht.

Neu hinzu kommt die Kategorie TIPPS. Hier können Sie praktische Hinweise zu Alltagsproblemen von Eltern finden. Es wird einfacher, sich schnell mal durchzuzappen, wenn im Alltag eine Frage auftaucht, die einer praktischen Antwort bedarf.

Ab sofort können Sie uns auch Ihre Meinung mitteilen. Schritt um Schritt wird ein Forum entstehen, das auch Diskussionen erlaubt zu den angestoßenen Themen.

Aber erstmal bitten wir um etwas Geduld. Denn diese Seite muss Stück um Stück aufgebaut werden, bis sie wieder den Gehalt des bisherigen praxisblättle als Nachschlagewerk hat.

TIPP Nasensauger, ein lohnendes Wagnis

Säuglinge sind in unseren Breiten häufig durch Sekret in der Nase geplagt. Das ist nicht weiter verwunderlich. Zum einen führt die enge und kleine Nase schnell dazu, dass sich Sekret verdickt und hängen bleibt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die trockene Luft besonders in den Wintermonaten, wenn durch die Wärme in den Innenräumen die Luftfeuchtigkeit zurückgeht. Und natürlich gibt es noch so manche Infekte, die letztlich das Hauptproblem darstellen.

Einen Säugling kann man nicht zum Schnäuzen ermuntern. Wie also soll man dem Baby helfen, den nervigen Schleim loszuwerden? Manchmal gelingt dies im vorderen Nasenabschnitt mit gezwirbelter Watte oder einem sanften Druck von der Seite, der den Schleim nach außen befördert. Als Arzt empfehlen wir die Kochsalz-Nasentropfen (mit physiologischer Kochsalzlösung von 0.09%). Doch diese funktionieren nur als Spülung. Das bedeutet: Wenn beide Nasenflügel voller Kochsalzlösung sind, muss das Kind zwangsläufig die Nase nach vorne oder hinten entleeren. Nicht sehr angenehm, aber effektiv.

Verlegte Nase

Die Nasenatmung eines Säuglings kann durch zwei Umstände verlegt werden. Zum einen mechanisch durch Sekret, Fremdkörper oder durch verdickte Choanen (sie bilden den hinteren Ausgang der Nase). Zum anderen kann sie durch Schwellung der Nasenschleimhäute verlegt sein. Diese tritt regelhaft bei jedem Infekt auf, aber auch durch ungünstige Umgebungsbedingungen (trockene Luft und chemische Reize wie Parfum oder Öle) und weitere Faktoren wie Allergien oder kleine Teilchen in der Luft.

Anwendung von Nasensaugern

Nasensauger erscheinen genial, wenn Sekret die Nasenatmung verlegt. Aber nicht bei Schwellung der Nasenschleimhäute. Das können die meisten Eltern durch eine Blick von unten in die Nase ohne weitere Eingriffe schnell beurteilen.

Nasensauger, der über den Staubsaugere betreiben wird. Foto: Medinaris©

Kürzlich wurde mir ein elektrisch betriebener Sauger von einer Mutter und ihrem Kind begeistert in der Praxis vorgeführt (siehe Bild rechts). Deswegen möchte ich andere Eltern auf diese Möglichkeit der Entfernung von Nasensekret hinweisen.Leider gibt es bislang keine neutralen Tests zu diesen Nasensaugern. Die Nennung und Reihenfolge der nachfolgend aufgeführten Sauger ist also rein zufällig (Preisangaben Stand Mai 2017):

  • Medinaris©                  23.60€    wird an den Staubsauger angeschlossen
  • OLAF©                           66.29€    handlich
  • Nosiboo©                      139.00€   handlich, regelbar, aber teuer
  • Omoron Duo Baby©   105.90€  bekannter Hersteller, teuer

Sollten Tests zu den Nasensaugern – am besten durch die neutrale Stiftung WARENTEST – erfolgen, werden wir Ihnen die Ergebnisse mitteilen. Auf den ersten Blick, scheinen sie aber eine gute und meist einfach umsetzbare Hilfe für Säuglinge und ihre Eltern zu sein.

Bildquelle: Abbildung Nasensauger von Medinaris

Tränengangsverengung beim Säugling

Nicht selten kommen Babys zu Welt und haben tränende Augen. Dieses Phänomen zeigt sich am ersten Lebenstag bei 70% der Neugeborenen.

Bei den meisten verschwindet das tränende Auge bereits in den ersten 4 Lebenswochen, so dass nur etwa 6% aller Neugeborenen über diese Zeit hinaus ein “überlaufendes Auge” haben. In seltenen Fällen sind auch beide Augen betroffen. Ursächlich ist meist die sog. HasnerMembran, die den Tränengang bei seiner Mündung in den unteren Nasengang verengt (siehe Bild rechts, Prof. Neuhann, München).

Bei tränendem Auge in den ersten Lebenswochen ist diese Diagnose sehr wahrscheinlich. In jedem Fall sollte der Kinderarzt zu Rate gezogen werden, um andere Diagnosen (z.B. eine akute eitrige Entzündung der Bindehäute, die in diesem Alter durchaus gefährlich werden könnte) auszuschließen.

Eine Therapie ist in aller Regel nicht notwendig. Das Auge kann mehrfach am Tag von den oft schmierigen Belägen befreit werden. Dazu sollte die Mutter/ der Vater zunächst die eigenen Hände waschen (besser: desinfizieren) und mit physiologischer Kochsalzlösung (NaCl 0.9%) auswischen.

In aller Regel führt die Entwicklung des Tränengang dazu, dass sich das Problem des engen Tränenkanals in den ersten Monaten spontan löst. Dann ist das Auge zunehmend nicht mehr nässend und tränt nur noch bei Infekten.