Monat: Februar 2018

TIPP Madenwürmer: ärgerlich, aber nicht schlimm

Manchen ekelt allein der Gedanke. Dennoch können Würmer unseren Darm befallen, sich einnisten und auch Beschwerden verursachen. Bei Kindern ist das gar nicht mal so selten. Die bei weitem häufigsten Würmer – die Madenwürmer – sind letztlich eher harmlose Mitbewohner, sofern sie nicht die Appendix befallen und damit zum Bild einer „Blinddarmentzündung“ und zur Operation derselben führen.

Madenwürmer sind die am häufigsten auftretenden Würmer und befallen jeden zweiten Menschen irgendwann einmal. Sie sind weißlich, zwischen 3 und 13 mm lang und kaum einen Millimeter dick und werden manches Mal in Gruppen auf den Ausscheidungen des Darmes gesehen (siehe Abbildung 2). In vielen Fällen bzw. zu Beginn des Darmbefalls sind sie diskreter und äußern sich zunächst nur durch lästigen Juckreiz am After, besonders nachts.

Abbildung 1. Eier der Madenwürmer. So stellen sie sich im sog Analfilm unter dem Mikroskop dar. Foto: Center for Disease Control (CDC)

Die Aufnahme der Wurmeier (siehe Abbildung 1) erfolgt meist durch von Madenwürmer befallene Nahrungsmittel über den Mund (oral). Eine Infektion durch Inhalation (inhalativ) aus Staub ist jedoch auch möglich. Die Eier kommen letztlich im Magen an, werden dort aufgeweicht und beginnen sich bereits nach wenigen Stunden im Zwölffingerdarm (Duodenum) geschlechtlich weiter zu entwickeln. Nach der Wanderung durch den Dünndarm siedeln sie sich in der Region der Bauhin’schen Klappe im Blinddarm (Ceocum) an und vermehren sich dort. Nach der Paarung stirbt das – kleinere – Männchen ab, das Weibchen bewegt sich in Richtung After und legt dort vorzugsweise nachts in den Falten Tausende von Eiern ab bevor es auch stirbt. Durch den Juckreiz kommen die Eier häufig unter die Fingernägel des betroffenen Menschen, von wo sie wieder durch Fingerkauen aufgenommen werden. Damit beginnt der Zyklus von vorne.

Abbildung 1. Madenwürmer. Foto: http://digestivedetective.com.au

Die Diagnose wird über den sog. Analfilm gestellt. Hierbei werden morgens mit Hilfe eines Klebestreifens die Wurmeier vom After abgezogen und unter dem Mikroskop untersucht. Wenn Würmer gesichtet wurden ist eine weiter Untersuchung nicht erforderlich. Bei einem negativen Ausfall des Analfilms sollte dieser Test insgesamt 3 mal wiederholt werden. Im Analfilm lassen sich die Wurmeier meist sehr einfach darstellen (siehe Abbildung 1).

Die Therapie ist in den meisten Fällen einfach, umfasst aber eine Reihe von begleitenden Verhaltensregeln um erfolgreich zu sein:

  • Pyrantel (Helmex©) in einmaliger Dosis, das teilweise nach 2 und 4 Wochen nochmals verabreicht wird
  • Nagelpflege. Die Fingernägel müssen kurz geschnitten und glatt gefeilt werden
  • Nach jedem Stuhlgang gründliches Händewaschen mit Fingerbürste (unter den Nägeln bürsten)
  • Wechseln der Unterwäsche zweimal täglich
  • Wechseln der Bett- und Nachtwäsche vor und nach Therapie
  • Bettwäsche nicht ausschütteln
  • Alle Wäsche bei mindestens 60 Grad waschen
  • Staub um das Bett saugen (Vorsicht: Im Staub können Wurmeier sein, die inhaliert werden können)

Von vielen Mikrobiologen wird die zeitgleiche Behandlung aller Haushaltsmitglieder empfohlen, weil es häufig symptomfreie Menschen gibt, die dennoch von Madenwürmern befallen sind. Alternativ sollten in jedem Falle alle Menschen in einem Haushalt mit dem Analfilm auf Wurmeier untersucht werden.

Aktuell: Kongressbericht der Kinderpneumologen in Wien

In Wien fand letzte Woche die Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) statt. Die GPP vertritt alle Spezialisten für Lungenerkrankungen im Kindesalter (Kinderpneumologen) aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Das Motto in diesem Jahr:  „Grenzen der Evidenz-basierten Medizin„.

Die Evidenzbasierte Medizin (EbM) versucht „… individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen. Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch epidemiologischen Gesichtspunkten“ (Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.). Damit hat sie die Bedeutung von persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen („Eminenz“) zugunsten wissenschaftlich belegter Daten verschoben.

Der Begriff personalisierte Medizin steht jedoch nicht im Gegensatz dazu. Dieser suggeriert zwar auf den ersten Blick eine Rückkehr zu den individuellen Besonderheiten eines Patienten. Damit sind jedoch nicht psychische und soziale Besonderheiten gemeint, sondern biochemische Marker im Besonderen. Diese sollen dabei helfen, dem Patienten eine maßgeschneiderte Therapie zukommen zu lassen. Der Begriff bezieht sich häufig auf genetische Informationen.

Ein Beispiel aus der Kinderpneumologie kann das Thema erhellen: Die Stärke der bronchialen Entzündung lässt sich mittels Fractional exhaled Nitric Oxide (FeNO) bestimmen. Der Wert dieses Gases ist bei unbehandeltem allergischem Asthma aufgrund der starken Entzündung der Bronchien besonders hoch. Findet nun eine Therapie mit Fluticason (inhalierbares Cortison) statt, so geht der Wert wieder in den Normalbereich zurück. Untersucht man hingegen Kinder, bei denen das Asthma vorwiegend durch Virusinfektionen ausgelöst wird, so ist sowohl der FeNO-Wert niedrig also auch Wirkung von Fluticason auf die virusgesteuerte Entzündung der Bronchien. Mit gewissen Einschränkungen kann also durch die Bestimmung von FeNO gezeigt werden, ob eine Therapie mit Fluticason wirksam ist. Das bedeutet in der Praxis, dass man zunächst nur bei Patienten diese Therapie einsetzt, bei denen FeNO hoch ist. Nur bei diesen besteht auch eine hohe Chance, mit dieser Cortisontherapie Nutzen zu stiften. Mithin werden also Erkenntnisse aus der Evidenz-basierten Medizin durch diesen FeNO-Parameter personalisiert.

Der Kongress behandelte viele aktuelle Themen, die ebenfalls Grenzen der EbM aufzeigen. Wenngleich andere. Zum Beispiel die Schadstoffbelastungen. Dabei zeigt sich, dass manche Erkenntnisse unbestritten sind. Andere Bereiche sind bislang nicht erforscht.

Prof. Dr. Neuberger (Wien) zeigte nochmals die Bedeutung des Nikotins auf. Obwohl die Tabakindustrie immer wieder Wege sucht, ihre Kunden beim Glimmstängel zu halten sei weder die E-Zigarette noch die Shisha (Wasserpfeife) eine echte Alternative. Beide erhalten durch ihren Gehalt an Nikotin die Sucht. Letztere führe auch zu deutlicher Inhalation von Teer und Schwermetallen. Krebserregende Substanzen sind bei allen vorhanden. Oder wie es Prof. Dr. Keilholz ( Kommissarischer Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers in Berlin) formulierte: „Wenn niemand rauchen würde, wäre die Hälfte der Krebserkrankungen weg“.

Abbildung 1. Wie viele Menschen sterben an Folgen der Umweltbelastungen weltweit? Es sind vorwiegend Menschen in den Tropen (dunkelrot gefärbte Regionen). Foto: CNN

Die Umweltbedingungen im Alltag und ihre Auswirkungen auf die kindliche Lunge wurden von Prof. Dr. Frischer (Wien) beleuchtet. Dabei fällt auf, dass wir in Europa – global gesehen (siehe Abbildung 1) – in einer Oase leben. Die Belastung mit Luftschadstoffen durch Industrie, Verkehr und Haushalte wirken sich dennoch auf die Gesundheit aus.

In Europa kommen neben den Stickoxiden (NOx) immer mehr die kleinen Partikel in den Fokus. Gerade die PM10 (alle Partikel mit einem Durchmesser von 10 µm oder kleiner) bis hin zu den Nanopartikeln stellen ein besonders hohes Risiko dar, da sie bis in die tiefen

Abbildung 2. Das Leben an einer verkehrsreichen Strasse entspricht dem Risiko 10 Zigaretten pro Tag zu inhalieren. Dieses Risiko geht zurück je weiter wir von einer Strasse entfernt wohnen oder arbeiten. Foto: WHO, van der Zee et al.

Atemwege vordringen können. In diesem Zusammenhang ist die Gefährlichkeit der Nanopartikel noch unklar, die von den Lungenbläschen ausgehend weiter ins Gewebe eindringen können. So hat es in Europa wie in den USA eine Relevanz, wie nahe wir an dieser Belastung dran sind (Abbildung 2). Auch das Wachstum der kindlichen Lunge bleibt unter diesen schlechten Bedingungen zurück. Aber: Wenn die Luftqualität wieder besser wird, erholt es sich wieder. Ein gutes Argument, die Umweltbedingungen hier und in der Welt schnell zu verbessern.

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Abbildung 3. Inzidenz der Tuberkulose getrennt nach Kindern und Erwachsenen in den Jahren 2002–2016. Foto: Robert-Koch-Institut, Berlin

In der Kinderpneumologie sind Infektionen ein zentrales Thema. Prof. Dr. Riedler (Schwarzach) stellte die neuen Leitlinien in der Diagnose und Therapie der Lungenentzündungen vor, die im Alltag (also nicht in der Klinik – sog. community-acquired pneumonia CAP) erworben wurden. Hier hat sich inzwischen durchgesetzt, dass der Einsatz von Antibiotika seltener notwendig ist.

Die Vorträge von Prof. Dr. Kampmann (London) und PD Dr. Barker (Berlin) zum Thema Tuberkulose haben ebenfalls einige Mythen beendet. Sie zeigten, dass die Neuerkrankungen von Kindern an Tuberkulose in Deutschland noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau liegen. Die Migration der letzten Jahre hat bei den Kindern lediglich einem geringen Anstieg ausgelöst (Abbildung 3). Wichtige Aspekte der Therapie wurden diskutiert, besonders auch die Behandlung der multiresistenten Erreger.

Wieder einmal ein erhellender Kongress der Kinderpneumologen. Die Bandbreite der Vorträge und Seminare war riesig. Auch politisch heikle Themen wie die Dieselaffäre wurden diskutiert, aber auf wissenschaftlicher Grundlage, was der Sache angemessen ist. Politisch bleiben noch viele Wünsche offen. Einer der wichtigsten ist wohl der, wie der massiven Luftverschmutzung und deren Folgen in Asien und Afrika zu begegnen sein wird. In Deutschland, Österreich und der Schweiz – wo genügende gesellschaftliche Strukturen vorhanden sind – sollten wir bald anfangen.

Pfeiffer’sches Drüsenfieber – krank vom küssen

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber ist eine virale Erkrankung mit extrem unterschiedlichen Verlaufsformen. Bei vielen Menschen – besonderes bei kleinen Kindern – verläuft die Erkrankung unbemerkt oder wie ein leichter Infekt. In seltenen Fällen kann sie aber als extrem schwere Erkrankung auftreten mit Fieber über einige Wochen und dabei lebensgefährlich sein.

Die Ansteckung erfolgt häufig über Speichel. Deswegen wird das Pfeiffer’sche Drüsenfieber auch die Kusskrankheit (Englisch: kissing-disease) genannt. Im medizinischen Bereich ist der Begriff infektiöse Mononukleose üblich. Ansteckungen als Schmier- und Tröpfcheninfektion wird ebenso vermutet. Da die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung (Inkubationszeit) sehr variabel ist, ist die auslösende Quelle meist nicht zu bestimmen. Einige Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass auch Genesene den Erreger – das Epstein-Barr-Virus – noch ausscheiden und damit andere anstecken können. Das gibt es auch bei anderen Erkrankungen wie den Ringelröteln, weil sich ansteckende Menschen vollauf gesund fühlen und für andere nicht als krank zu erkennen sind.

Das Krankheitsbild selbst ist sehr variabel. Typisch ist Fieber über mehr als 5 Tage, eine oft deutliche Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich sowie eine Angina (Rötung der Mandeln mit Belägen). Daneben tauchen auch Ausschläge und viele weitere andere Symptome auf. Wenn bei falscher Einschätzung der Erkrankung Antibiotika zur Behandlung der Angina eingesetzt werden, sind die Ausschläge fast sicher. In diesen Fällen betreffen sie meist den Körperstamm und sind sehr unangenehm. Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichter Husten sind weitere Symptome. Die Milz ist häufig massiv vergrößert und ein sehr hilfreiches Zeichen, die Krankheit frühzeitig zu vermuten.

Die Diagnose kann durch Laboruntersuchungen gesichert werden.

Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Ausreichende Schonung – oft über einige Wochen – ist wichtig.

Die Gesundung kann altersabhängig länger dauern. Gerade bei Jugendlichen dauert es oft Wochen, bis sie sich wieder gut fühlen und voll leistungsfähig sind.

TIPP Zahnpflege bei Kindern

Zähneputzen ist eine wichtige Maßnahme zum Erhalt unserer Zahngesundheit. Soweit, so gut. So putzt auch jeder Deutsche die Zähne zwei Mal täglich. Und dennoch zeigt eine Studie der Universität Witten/ Herdecke und der AXA-Versicherung, dass zu viele Menschen „unfreiwillig Mut zu Lücke“ haben. So bringt es deren Leiter Prof. Dr. Stefan Zimmer auf den Punkt. Sie putzen falsch und riskieren damit große Zahnprobleme.

Etwa 57% der Menschen würden die Zähne mit kreisenden Bewegungen und damit technisch falsch putzen, weil mit dieser Technik häufig Bakterien unter das Zahnfleisch geschoben würden. Dadurch entstehen Zahnfleischentzündungen. Die richtige Technik umfasse fegende und rüttelnde Bewegungen, die unter Schonung des Zahnfleisches die Zahnbeläge ideal entfernen. Auf diese Art hatten aber nur 32% der Befragten die Zähne gereinigt. Warum das so ist? Die Autoren um Prof. Dr. Zimmer vermuten, dass die meisten Menschen die Zähne so putzen, wie man es ihnen vor Jahrzehnten beigebracht hatte.

Was ist beim Zähneputzen zu beachten?

  • Zähneputzen sollte immer konzentriert erfolgen, also ohne begleitende Tätigkeit. Gerade Jugendliche z.B. würden aber zu 31% aber in der Wohnung herumlaufen und anderes tun.
  • Ausreichende Dauer der Zahnreinigung von mindestens 3 Minuten. Soviel Zeit nahmen sich jedoch nur 40% der Befragten
  • Täglicher Einsatz von Hilfsmitteln wie Zahnseide zum Reinigen der Zahnzwischenräume. Auch hier: 59% haben zwar Zahnseide, sie verwenden sie aber nur in 11% regelmäßig täglich.
  • Professionelle Zahnreinigung ist sinnvoll. Sie ist 44% der Befragten aber zu teuer.

Was können Eltern tun?

  • Kinder können die Zahnreinigung im Schnitt erst im Alter von 9 Jahren selbstverantwortlich übernehmen. Zuvor sollten Eltern ihr Kinder in das Zähneputzen einführen und immer die Zähne nachputzen (bes. im hinteren Teil des Gebisses)
  • Gerade für die hinteren Zähne kann eine elektrische Zahnbürste sinnvoll sein. Bedingt durch die Enge ist das manuelle „Fegen und Rütteln“ an dieser Stelle des kindlichen Gebisses schwierig. 
  • Gezieltes Putzen und Reinigen auch der Zahnzwischenräume
  • Der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt ab dem 3. Lebensjahr.

Die Untersuchung der Uni Herdecke zeigt nochmals eindrücklich, welch großes Potential durch gute Zahnpflege noch zu heben ist. Karies ist meist die Folge von unzureichender oder oder unregelmäßiger Zahnpflege. Dem nicht behandelten Karies folgen später das erhöhte Risiko für viele internistische Erkrankungen (Diabetes mellitus, Herzinfarkt und Rheuma).

Behutsames, aber klares Heranführen an eine gute Zahnpflege für das Kind hat also einen enormen Stellenwert auch für die Gesundheit im späteren Leben.

TIPP Lausen ohne Gift – aber mit viel Zeit

In regelmäßigen Abständen werden Eltern mit dem Problem der Läuse konfrontiert. Meist betrifft das Kinder im Kindergarten oder der Grundschule. Im Deutschen Ärzteblatt ist hierzu eine Übersichtsarbeit von Laura Meister und Falk Ochsendorf von der Universitätshautklinik in Frankfurt erschienen, die einige wichtige Details zu diesem Thema genauer fasst:

  • Wie bereits seit Jahren bekannt, kommt es bei der Behandlung auf die konsequente und korrekte Lokalbehandlung des Kopfes an.
  • Die Umgebungsbehandlung (Haarbürsten, Boden, Kuscheltiere) ist in den allermeisten Fällen bedeutungslos. Die aufgewendete Zeit hierfür sollte zugunsten der korrekten Behandlung des Kopfes verringert werden.
  • Es gibt 3 therapeutische Ansätze: die neurotoxischen Lokaltherapeutika (u.a. Infectopedicul©), die Lokaltherapie mit Dimeticonen (u.a. Nyda L©) sowie die Technik des „feuchten Auskämmens“, die im Folgenden beschrieben wird. Diese ist – ohne Chemie ! – sicher erfolgreich, verlangt aber einen Zeiteinsatz, der bei grösseren Familien schwer zu bewältigen ist.

Technik des „feuchten Auskämmens“ * 

  • Haarwäsche mit einem normalen Shampoo durchführen
  • Großzügiges Auftragen einer Haarspülung („Conditioner“) um die Haare zu glätten, zu „entwirren“ und auch die festhaftenden Eier entfernen zu können.
  • Durchkämmen des Haars mit einem Kamm mit gröberen Zinken, um es zu glätten.
  • Wenn der Kamm problemlos ohne zu „ziepen“ durch das Haar gleitet: Wechsel auf einen Läusekamm.
  • Die Zähne des Kamms müssen an der Basis des Haars eingesetzt werden, die Zinken berühren die Kopfhaut und dann Durchziehen der Haarsträhnen bis ans Ende.
  • Nach jedem Strich: Suche nach Läusen auf dem Kamm und Entfernen (abreiben oder abspülen), wenn diese vorhanden sind.
  • Systematisches Durchkämmen der Kopfhaut von Sektion zu Sektion.
  • Abspülen der Spülung mit Wasser. Zeitbedarf bis hierher: 10 Minuten (kurzes Haar) bis 30 Minuten (langes Haar).
  • Nochmals systematisches Durchkämmen der nassen Haare, um gegebenenfalls verbliebene Läuse zu entfernen.

Unter den drei Verfahren, die Läuse loszuwerden ist das feuchte Auskämmen das eleganteste. Aber es kostet Zeit und Aufmerksamkeit, um alle betroffenen Haarabschnitte von möglichen Läusen zu befreien.

* zitiert nach Meister, Laura; Ochsendorf, Falk; Dtsch Arztebl Int 2016; 113(45): 763-71; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0763

Was geht rum? 17. Februar 2018

Infekte haben im Moment ein leichtes Spiel. Draußen tanzt das Wetter einen Wiener Walzer von Sonne zu Schneestürmen. Die Menschen müssen und wollen sich enger zusammenkuscheln – und haben das an der Fastnacht gemacht. Das gibt den Viren die Chancen, die sie brauchen um die Barriere der Nasenschleimhaut zu überwinden. Das nennt sich zwar Erkältung, ist aber ein Virusinfekt.

Dies ist die Zeit der Grippe. Das sind die Infekte, die Husten machen, Schnupfen und Fieber. Aber viel mehr, als man glauben wollte. Die „Grippe“ – besser Influenza genannt – macht richtig krank: quälender Reizhusten, Kopfschmerzen, die nicht so recht schwinden wollen, oft hohes Fieber, das sich schlecht senken lässt und eine unsägliche Schlappheit. Die Influenza wirft alle um. Selbst jene, die sonst bei Schnupfen noch voll fit sind. Und sie dauert in dieser Schwere oft fünf Tage. Medikamente helfen nur wenig. Schmerzmittel können lindern, wenn die Kopf- und Gliederschmerzen unerträglich werden (meist Paracetamol oder Ibuprofen). Gut ist auch die Nase freizuhalten  – so gut es geht. Aber: abschwellende Nasentropfen führen gerne zum Nasenbluten. Und was hilft beim Husten: viel Trinken (egal ob kalt oder warm), grössere Kinder und Jugendliche können Bonbons lutschen, um den Hustenreiz zu stillen. Honig (am besten direkt vom Löffel), ist gut wirksam gegen den abendlichen Hustenreiz. Medikamente versprechen deutlich mehr als sie letztlich halten können.

Wie in der letzten Woche ist die Influenza führend unter den akuten Erkrankungen. Lange haben die Ringelröteln sich regional im Südwesten kräftig ausgebreitet, nun kommen sie nur noch vereinzelt vor.

An Kinderkrankheiten trat eine einzelne Erkrankung mit Windpocken auf.

Und was geht in der Welt rum? In Südafrika kam es in den vergangenen Wochen zu einem Ausbruch von Listeriose. Betroffen sind alle Provinzen, besonders Gauteng (59%) gefolgt von Western Cape (13%) und KwaZulu-Natal (7%). Unter den 820 festgestellten Erkrankten sind 82 Todesfälle aufgetreten. Die Infektionsquelle ist noch nicht ausgemacht. Die Erreger sind Bakterien, kommen bei Tieren vor und werden über Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch) übertragen. Besonders stark betroffen sind Säuglinge. Reisende mit Kindern sollten vor Abreise sich zum aktuellen Stand informieren. Als Therapie stehen Antibiotika zur Verfügung.

Viele Leser des praxisblättle wünschen sich, „Was geht rum“ öfter und regelmäßig hier zu vorzufinden. Dem will ich gerne nachkommen. Dabei wird mich künftig Sven Supper unterstützen, der mein Nachfolger als Kinder- und Jugendarzt in Pfullendorf ist. Schon mal herzlichen Dank an dieser Stelle!

Impfung gegen Meningokokken schützt auch vor Gonorrhoe

Dass die Impfung gegen einen Krankheitserreger gleichzeitig gegen einen zweiten erfolgreich wirksam sein kann ist neu. Hinweise hierfür finden sich in einer Studie aus Neuseeland.

Abbildung 1. Meningokokken. Diese Bakterien gehören zu den Diplokokken – also immer zwei sind beieinander. Foto: RKI

Dort wurde zwischen 2004 und 2006 eine Impfung gegen eine Untergruppe von Meningokokken B (siehe Abb. 1) angeboten. Diese konnten sich Jugendliche und Heranwachsende unter 20 Jahren geben lassen, da diese Altersgruppe besonders von diesem speziellen Erreger bedroht waren. Schnell zeigte sich, dass die Neuerkrankungen mit diesen speziellen Meningokokken durch die Impfung auf unter 10% abgesunken waren. Daraufhin stellte die Behörde das erfolgreiche Impfprogramm wieder ein. Die Erkrankung an dieser Untergruppe der Meningokokken B tritt bis heute nur noch sporadisch auf. Also ein voller Erfolg.

Abbildung 2: Gonokokken. Diese Bakterien gehören zu den Diplokokken. Immer zwei treten gemeinsam auf. Foto: CDC, Atlanta

Nun hat eine Forschergruppe um Dr. Helen Petousis-Harris bemerkt, dass seit Anwendung dieser Impfungen die Zahl von Geschlechtskrankheiten mit Chlamydien klar zugenommen, jedoch solche mit Gonokokken (siehe Abb. 2) ebenso deutlich abgenommen haben. Gonokokken sind die Erreger der Gonorrhoe und mit den Meningokokken verwandet. Ihr Ähnlichkeit in der Struktur liegt bei 80-90%. Die Forscher fanden heraus, dass die Patienten, die (gegen diese speziellen Meningokokken B) geimpft worden waren um 31% seltener an der ebenfalls schwerwiegenden Geschlechtskrankheit Gonorrhoe erkrankten als die Ungeimpften.

Damit eröffnet sich vielleicht ein neuer Ansatz, bisher unbesiegbare Erreger erfolgreich auf indirektem Wege bekämpfen zu können.

TIPP Bernstein schadet der Gesundheit Ihrer Kinder

Bernstein. Ihm werden wahre Wunderwirkungen zugeschrieben: „….spendet Lebenskraft, beruhigt das Gemüt, lindert Ängste, Sorgen und Albträume“, um nur einige zu nennen. Man hat das Gefühl, man müsse kein Geld mehr verdienen, keine Wohnung zu mieten oder Essen einzukaufen. Einfach den Bernstein auf die Brust legen und alles wird gut. Heilsversprechen.

Alle sehen wir uns danach. Nach dem großen Glück. Nur, Bernsteinketten bringen es nicht. Vor diesen Ketten muss man warnen. Sie bringen das Risiko einer Strangulierung mit sich. Da mag es das Heilsversprechen geben, Bernstein habe eine Wirkung gegen „Zahnen“. Aber trotz vielfacher Hoffnungen: Belege hierfür gibt es nicht.

Aus den Canada liegt inzwischen eine aktuelle Veröffentlichung von Catherine Cox und Kollegen vor, in der eine beinahe tödliche Strangulation vorgestellt wird.

Strangulationsunfälle bei Säuglingen sind erstaunlich häufig, wie eine Studie von Carrie K Shapiro-Mendoza und Kollegen vom CDC in Atlanta in ihren Studien zeigen konnten. Das Team untersuchte für die Jahre 1984 bis 2004 diese Todesursache. Dabei wurden 233 Strangulationsunfälle gesichert, die aus 119 Notfallkliniken in den USA gemeldet wurden. Demnach lag die Zahl der Todesfälle im Jahre 1984 bei 2.8 Kindern auf 100.000 Lebendgeburten. Danach stieg sie kontinuierlich an um zuletzt bei 12.5 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten zu liegen. Eine höchst erschreckende Quote, die in Deutschland kaum anders sein dürfte.

Immer wieder wird über das „Zahnen“ diskutiert. Eltern in den westlichen Ländern schreiben dabei dem Bernstein eine helfende Wirkung zu, die aber nicht belegt ist. Positive Effekte konnten nicht belegt werden, wie auch ein Artikel in der New York Times zeigt.

Gemessen daran, dass ein Nutzen dieser Kette nicht belegt ist, wohl aber das Risiko, kann weiterhin nur dringend gewarnt werden, diese potentiell tödlichen Ketten Säuglingen anzulegen. Wunder geschehen einfach selten

Schwiegermutter und Kinderzahl? Ja, da gibt’s was.

Großeltern sind für viele Familien im Lebensalltag nicht wegzudenken. Sie betreuen die Kinder, wenn Eltern arbeiten und häufig auch, um sie zu entlasten. Damit ermöglichen sie eine andere Familienplanung, denn sie sind im Notfall für Eltern erreichbar.

Das steht im Gegensatz zum früheren Bild der bösen Schwiegermutter, die vor über 200 Jahren von den Gebrüdern Grimm beschrieben wurde. Aber dennoch werden sie heute noch so erlebt. Der geliebte Sohn ist ausgezogen und in ihrer Einsamkeit fangen sie an zu nerven, um Aufmerksamkeit zu bekommen: ungefragte Ratschläge für Haushalt und Kindererziehung, ständige Anrufe und Besuche. So kann die Beziehung zur Schwiegermutter ordentlich belastet werden.

Tabelle 1. Darstellung der Daten der einzelnen Länder. Foto: Originaltabelle aus Huber S et al., 2017

Forscher vom Departement für Anthropologie der Universität Wien haben sich nun wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder werteten die Daten von nahezu 2,5 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren aus 14 Ländern aus (siehe Tabelle 1 rechts). Dabei zeigte sich, dass nur knapp 13% aller Mütter in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrer eigenen oder der Schwiegermutter lebten. Die Mehrheit lebte als Kernfamilie ohne die Elterngeneration. In den USA waren das 97,11% (Daten von 1980), im Irak waren es aber nur 45,67% aller Frauen, die alleine mit ihrem Ehemann und den Kindern lebten (Daten von 1997) .

Tabelle 2. Alter der Mutter (x-Achse) und Kinderzahl (log – Darstellung in y-Achse). Nur die Eltern leben im Haushalt (schwarze Kurve) , die Mutter der Mutter lebt im Haushalt (grüne Kurve), die Mutter der Vaters lebt im Haushalt (rote Kurve). Foto: aus Studie von Huber S et al., 2017

In allen durchgerechneten Modellen fanden die Forscher, dass in allen Ländern außer im Irak (wo die meisten Familien zusammen Mutter und/oder Schwiegermutter im Haus lebten) vergleichbare Verhältnisse vorlagen: Mehr Kinder hatten Familien, wenn Eltern ohne Mütter oder Schwiegermütter im Haushalt lebten (siehe Tabelle 2 rechts). Hingegen führte bessere Bildung (beider Partner) sowie Leben in der Stadt zu einer geringeren Kinderzahl.

Ergänzend muss hinzugefügt werden: Die Daten stammten aus verschiedenen Epochen – zwischen 1973 (Pakistan) und 2010 (Sambia). Europäische Länder waren nur gering vertreten. Nur Griechenland und Rumänien. Klar ist auch, dass kulturelle Einflüsse nur schwer statistisch fassbar sind.

Dennoch, der Effekt der Mütter/ Schwiegermütter auf die Zahl der Kinder einer Familie ist gut belegt. Wie man das deuten soll, bleibt einer breiten Diskussion vorbehalten.

Kinderrechte nicht vergessen, Herr Gabriel!

Heute ist Samstag. Sonntagsreden kommen also erst morgen. Wir können also Klartext reden. Unser Außenminister, der sich den Ruf erwarb, ein guter Diplomat zu sein, geriet in die Schlagzeilen. Er will das Amt behalten. So war es ihm wohl versprochen worden – Demokratie hat Grenzen. Da kommt Ärger auf, wenn statt dessen Herr Schulz zulangen will.

Aber dann kommt von Sigmar Gabriel noch der Satz: „„Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: ‚Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht‘.“

Geht’s noch? Warum muss ein erfahrener Politiker seine 5-jährige Tochter zitieren, um seinem Gegner einen Schlag unter die Gürtellinie zu versetzen? Hat er dieses Zitat mit ihr vorher abgesprochen? Ist das respektvoll? Kurt Beck, einer seiner Vorgänger im Amt, hatte vor 12 Jahren den Obdachlosen Henrico B. angegriffen: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job“. Haben SPD-Vorsitzende also ein Bartproblem?

Vermutlich nicht. Aber wenn Menschenrechte gerade in der SPD zu Recht im Zentrum stehen, sollte ein Politiker wie Sigmar Gabriel es ebenso halten wie Kurt Beck: Eine Entschuldigung bei seiner Tochter Marie wäre angebracht.

Er hat sie instrumentalisiert und in eine zentrale politische Aktion hineingezogen. Ob er ihr Vertrauen missbraucht hat kann nur er selbst wissen. Mir fällt dazu Kurt Tucholsky ein: „Nichts ist schöner und nichts erfordert mehr Charakter als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“……Nein. Marie darf nicht in einem politischen Streit als Waffe instrumentalisiert werden.

Apropos. Was sagt der Koalitionsvertrag eigentlich über Kinderrechte?