„Mein Kind läuft schon !“

Alleine die Treppe hinabbalancieren. Das Mädchen hat Spaß daran und wiederholt es oft. Ohne Aufforderung. Ein spontaner Hinweis auf eine gute motorische Entwicklung. Foto: ptw

„Mein Kind läuft schon“. Manche Eltern kommen zur Vorsorge U6 und berichten, dass das gleichaltrige Kind von Freunden schon sicher und frei laufe. Sie selbst sind betrübt, weil ihr eigenes Kind „noch nicht so weit“ sei. Schon immer beruhige ich diese Eltern, weil mir kein Zusammenhang zwischen frühen motorischen Schritten und – beispielsweise – höherer Intelligenz bekannt war.

Nun hat sich eine Arbeitsgruppe um Oskar G. Jenni von der Abteilung Entwicklungspädiatrie des Kinderspitals Zürich dieser Frage angenommen. Sie untersuchten 119 Jungen und 103 Mädchen bis nach der Pubertät und fanden keinen Zusammenhang zwischen motorischer Geschicklichkeit oder Intelligenz und frühem freien Laufen. Sie bestätigten damit wissenschaftlich die bestens bekannte Erfahrung, dass Kinder zwischen 8 und 20 Monaten frei laufen lernen. Eine enorme Spanne für normale Entwicklung.

Entwicklungsprobleme sind in Ansätzen oft schon mit 12 Monaten für Kinderärzte erkennbar. In diesen fraglichen Situationen untersuchen wir die weitere Entwicklung nicht erst bei der U7 (im Alter von 24 Monaten) sondern bereits 3 oder 6 Monate später. Dadurch lassen sich entwicklungsverzögerte Kinder von Kindern mit regelrechter Entwicklung rechtzeitig erfassen. Wenn ein Kind früh läuft erfreut die oftmals die nähere Umgebung. Aber erst das Gesamtbild vieler anderer Faktoren kann Rückschlüsse darüber erlauben, ob Probleme zu erwarten sind.

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