Monat: April 2018

Sonne, liebe Sonne

Der April ist in jedem Jahr ein spannender Monat. Meteorologisch spüren wir den Wechsel vom Winter zum Sommerwetter. Die aufkommende Wärme bringt uns von der Nordsee immer wieder Regenwolken, aber sie ist auch so stark, dass sie die allgemein feuchte Luft schnell trocknen kann.

Nach dem langen Winter freuen sich alle Menschen auf die „ersten Sonnenstrahlen“, die die Haut wunderbar wärmen. Die Luft ist kühl und die Sonne ist sehr angenehm. Dabei wird von den meisten Menschen vergessen, dass die UV-Strahlung schon erheblich ist. Vermutlich kommt dieser Beitrag bereits zu spät und so mancher hat bereits seinen ersten Sonnenbrand. Wie denn das?

Die Stärke der UV-Strahlung wird mit dem UV-Index (UVI) gemessen. Dieser gibt mit einer Zahl an, wie stark die UV-Strahlung für einen bestimmten Ort ist. In der Nacht liegt der Wert bei 0, tags kann er je nach Region in der Welt auf gesundheitsschädliche Werte von über 11 bis 12 steigen. Leider gibt es für einzelne Regionen in Europa keine kontinuierlichen Messdaten. Der Blick auf die Daten von New York zeigt den Verlauf des UVI übers Jahr. New York liegt etwa auf

Abbildung 1. UV-Index für New York City. Die Kurven zeigen, dass das tägliche Maximum kurz nach Mittag auftritt. Je nach Jahreszeit liegt es tiefer (grüner Bereich) oder sehr hoch (tiefroter Bereich). Den grössten Anstieg zeigt der rote Balken zwischen dem 1. März und 1. April an. Foto: wikipedia

der Höhe von Barcelona bzw. Neapel. Die UV-Index-Werte können also nicht direkt auf Deutschland übertragen werden. Was die nebenstehende Abbildung 1 aber deutlich macht ist, dass der grösste Anstieg der UV-Strahlung auf der nördlichen Erdhalbkugel zwischen dem 1. März und 1. April stattfindet.

Abbildung 2. Prognose des UV-Index am 07. April 2018 in Zentraleuropa. Foto: weatheronline.co.uk

Auch wenn uns das kühle Lüftchen durchaus angenehm ist, sollten wir gerade im April wegen der UV-Strahlung aufpassen. Immerhin werden schon Werte von bis zu UVI 6 im Süden Deutschlands (siehe Abbildung 2 rechts) erreicht. Ab Mai ist die UV-Strahlung zwar stärker, unsere Haut hat sich aber schon etwas angepasst und wir vertragen „mehr Sonne“.

Gerade auch für empfindliche Menschen mit „Sonnenallergie“ (natürlich gibt es keine echte Allergie gegen Sonne) sollten ihre Haut langsam an die stärker werdende Sonne heranführen. Das spart der Haut (Krebsrisiko nach Sonnenbrand) und dem betroffenen Menschen (Ausschlag + nächtlicher Juckreiz + Schmerz) Stress.

Was geht rum? 07. April 2018

Der Frühling kommt doch noch. Der Bärlauch oben im Bild – noch im März fotografiert – ist ein untrüglicher Bote. Und eine feine Bereicherung der Küche zu dem. Für die Belastung mit Infektionen bedeutet das herzlich wenig. Auch im schönen Frühling können Infekte noch sehr verbreitet sein. Echte Infektwellen kommen bis in den Juni hinein vor.

Zunächst erholen wir uns alle von der massiven Grippewelle. Nachdem die RS-Viren lange Zeit kaum auftraten, kommen sie als die kleinen Nachfolger der Influenza. Sie verursachen Probleme der Atemwege meist mit obstruktiver Bronchitis bei Säuglingen und Kleinkindern. Parallel hierzu tritt häufig ein Sauerstoffmangel hinzu, so dass sich stationäre Behandlungen manchmal nicht vermeiden lassen. Weiterhin gibt es Krupphusten – typisch für die Jahreszeit.

Der April macht was er will. Alter Spruch, oft aber wahr. Nach einem kurzen Intermezzo mit Regen kommt die sonnig-warme Witterung den Pollen entgegen. Experten rechnen an diesem Wochenende mit dem ersten Birkenpollenflug am Bodensee. Allergiebetroffene sollten nun spätestens in ihren Medizinschrank schauen, ob sie für den Notfall gerüstet sind.

Und was geht in der Welt rum? Das Center for Disease Control an Prevention (CDC) aus den USA berichtet, dass mit dem Abklingen der ersten Welle der Influenza (Grippe) ein zweites Influenza-Virus B aufgetreten sei, das insbesondere Kinder betrifft.

Krupphusten

Im Frühjahr sind Erkrankungen an „Krupphusten“ (Infektkrupp, stenosiernde Laryngotrachitis, Croup) wieder gehäuft. Dieser Krupp, wie er oft vereinfachend genannt wird, ist meistens durch Viren (Adenoviren, RS-Viren, Parainfluenza-Viren) ausgelöst. Er betrifft vorwiegend Kleinkinder von drei bis sechs Jahren, die eine gewisse Neigung hierfür haben. Diese Gruppe von Kindern kann bis zur Pubertät mehrfach davon betroffen sein. Das Wetter spielt meist auch eine Rolle. Der Krupp tritt vermehrt bei Hochdruckwetter auf, wenn sich nach einer klaren Nacht – vor einem sonnigen Tag  –  Morgennebel über das Land legen.

Abbildung 1. Krupphusten. Rot dargestellt ist die Einengung der oberen Luftwege im Bereich des Larynx. Foto: www.kidshealth.org

Das Problem beim Krupp ist eine Entzündung und Schwellung unterhalb der Stimmbänder. Diese sind selbst meist auch betroffen, so dass viele Kinder eine heisere Stimme haben und wegen der Schmerzen eher wenig reden (oder Schreien!). Die Schwellung in der Luftröhre führt zu einer Enge der Einatmung („inspiratorischer Stridor“), die in Einzelfällen erheblich sein kann und zu Atemnot führt.

Günstig ist feucht-warme Luft, Schmerzbekämpfung und Beruhigung der Kinder. Hilfreiche Medikamente gibt es kaum. Bei schwerer Atemnot sollte Cortison eingesetzt werden, das zu einer Abschwellung der Schleimhäute innert 30 Minuten führt. Aus praktischen Gründen eignen sich bei Kindern hierfür ein Saft (z.B. Celestamine©) oder Zäpfchen (z.B. Rectodelt©). Letztere Medikamente sollten mit Vorsicht eingesetzt, aber für alle Kruppkindern vorgehalten werden.

Smartphone oder Schlamm?

Das Internet hat die Welt in zwei Jahrzehnten umgekrempelt. Das bestreitet kaum einer. Ob dies aber gut sei oder eher negative Folgen hat ist wird eifrig diskutiert. Der Facebook-Skandal im letzten Monat hat allem eine neue Dimension gegeben. Aber das soll hier erstmal kein Thema sein.

Die Vorteile der engeren Vernetzung von Menschen über Computer oder Mobiltelephon bringen es mit sich, dass wir auch leichter und leiser – unbemerkt – überwacht und kontrolliert werden können. Wer ist dieser big brother, der uns steuern will? Selbst große Unternehmen und Regierungen werden durch Cyberattacken erfolgreich angegriffen. Aber auch wir alle sind für die ungebetenen Gäste interessant. Wir werden ausspioniert, unser Kaufverhalten wird untersucht und die Daten an Firmen verkauft, die uns dann spezifischer locken kann. Das ist nun mal das Geschäft vieler, ob sie nun Facebook heißen oder Payback.

Als ich mir vor knapp 30 Jahren meinen ersten Computer zulegte, lachten alle meine Freunde, weil ich mir eine riesige Festplatte mit 64 kB leistete. Ja, 64 kB – nichts für heutige Begriffe –  schien damals Speicherplatz für die Ewigkeit zu bieten. Ein EDV-Betreuer in der Praxis meinte 10 Jahre später, das Internet sei etwas für Spezialisten und nichts für unsereins. Zwei Jahre danach im Jahre 1998 hatte ich mit Hilfe meines Sohnes die Homepage www.kids-doxx.de (inzwischen im Ruhemodus) hochgeladen. So schnell kann man sich irren.

Was auffällt: diese elektronische Veränderung ist längst im Säuglingszimmer angekommen. Wurde früher dem schreienden Säugling schon mal der Hausschlüssel hingehalten, ist es heute das Smartphone. Kleinkinder werden mit dem ipad schon mal ruhig gehalten wenn Besuch kommt. Aber ist das gut? Internet eröffnet Möglichkeiten und Chancen. Eltern wird nahegelegt ihr Kind möglichst frühzeitig mit diesen Medien vertraut zu machen. „Man kann nicht früh genug anfangen, die Technik verstehen zu lernen“ ist zu hören. Ich widerspreche.

Eines ist sicher. Unsere Kinder werden schon in der Schule und bald danach im Arbeitsleben sehr viel mit elektronischen Medien zu tun haben – ob sie wollen oder nicht. Das sollte zur Folge haben, dass wir ihnen in den ersten Jahren ihres Lebens diese Geräte eben nicht anbieten. So können sie Erfahrungen über Sehen/ Hören/ Riechen/ Fühlen und andere Sinne machen, die im späteren Leben nicht mehr nachgeholt werden können. Auch nicht mit einem „Ergo-Rezept“.

Schlamm und Matsch ist so eine Ur-Erfahrung. Vor unserer Haustüre im Pfrunger Ried geht das sehr leicht. Kinder können über matschige Wege hüpfen, Wasser kanalisieren oder morsche Bäume verschieben, die in torfiger Erde verschwinden. Erinnern Sie sich noch, wie gerne Sie im Dreck gespielt haben? Ich schon. Und auch, dass es danach gerne mal Ärger zuhause gab. Und am nächsten Tag haben wir uns wieder schmutzig gemacht, im Dreck gewühlt, Würmer gesucht und auch mit Schlamm aufeinander geworfen. Das mögen Kinder heute ebenso. Sie müssen nur die Chance dazu geboten bekommen. Auch beim Backen im zähen Teig mantschen ….. wie herrlich. Eine wunderbar sinnliche und beim Naschen schmackhafte Erfahrung, die es locker mit den Reizen eines Smartphones aufnimmt.

In unserer ländlichen Region fehlt manchem vielleicht ein Opernhaus (mir nicht!). Aber unsere Kinder haben ein Paradies vor der Haustüre. Gönnen wir es ihnen! Lassen wir sie bei Wind und Wetter spielen und sinnliche Erfahrungen sammeln die heute Spaß machen und später kaum nachgeholt werden können. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen entwickeln sich Kreativität und Wissen. Und lernen wir aus den Erfahrungen in Korea, wo die digitale Technik (Samsung!) Kindern schon lange zugänglich ist. Dort beobachtet man zunehmend Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Ebenso auch emotionale Verflachung und allgemeine Abstumpfung. Man nennt das dort schon digitale Demenz.

Das ist übrigens auch für Eltern eine einmalige Chance mitzumachen. Genießen Sie die sinnliche Erfahrung.