Monat: Mai 2018

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.

Neue Wege in der Therapie von Nahrungsmittelallergien

Allergien gegenüber Nahrungsmitteln sind für Betroffene nicht nur lästig sondern vielfach auch gefährlich. Mit der Allergenverordnung (Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV)) hat sich der Alltag für allergische Kinder und Jugendliche – und deren Eltern ! – zum Besseren gewendet.

Abbildung 1. Prof. Dr. Hugh Sampson, New York.

Eine effektive Therapie einer Nahrungsmittelallergie ist aber immer noch ein Traum. Eine Forschergruppe um den weltweit anerkannten Experten Hugh Sampson aus New York hat einen weiteren Schritt gewagt. Sie untersuchten, ob ein Epikutan-Pflaster mit einer gewissen Menge an Erdnuss-Allergen zu einer höheren Toleranz für verzehrte Erdnüsse bei bekannten Erdnuss-Allergikern bringen würde. Sie untersuchten 221 Personen im Alter von 6-55 Jahren, die in vier Gruppen aufgeteilt entweder 50, 100 oder 250µg Erdnusseiweiß oder Placebo als Pflaster auf die Haut geklebt bekamen. Diese „Pflastertherapie“ wurde ein Jahr lang durchgeführt.

Es zeigte sich dass besonders Kinder im Alter von 6-11 Jahren positiv auf die Therapie ansprachen. Sie vertrugen zu über 50% nach einem Jahr Therapie entweder mehr als die 10-fache Allergendosis oder mehr als 1 Gramm Erdnussallergen. Dieser Effekt war bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht nachweisbar.

Prof. Dr. Sampson – wie immer bescheiden zurückhaltend – fasst zusammen: „Wir fangen  gerade an die Bedeutung des Immunsystems der Haut zu ….. zu verstehen“. Schauen wir mal, ob sich dieser Weg als sinnvoll herausstellt und wir Nahrungsmittellallergien mit einem Pflaster behandeln können.

Was geht rum? 26. Mai 2018

Das schöne Wetter ist zurück. Und mit ihm der Pollenflug. Im Südwesten werden die Gräserpollenkonzentrationen einen ersten Höhepunkt erreichen. Sehr hohe Belastungen sind am Samstag und Sonntag zu erwarten. Für die Wochenendausflüge sollte eine Sonnenbrille mit im Gepäck sein. Im Auto – das erscheint im ersten Moment seltsam bei dem herrlichen Wetter – sollte bei geschlossenen Fenstern die Klimaanlage eingeschaltet sein. Alle Asthmatiker müssen ihr Notfallmedikament (meist Salbutamol) mit sich führen. Auch wenn am frühen Morgen nichts zu spüren ist, können verschiedene Faktoren noch zu schweren Asthmaanfällen tagsüber führen.

Wir halten uns länger draußen auf. Damit sinkt das Risiko für Infektionen. Weiterhin gibt es vereinzelte Atemwegsinfekte und Magen-Darm-Infekte. Aber keinen Trend.

Abbildung 1. Mit verschiedenen Präventionskampagnen warnt Paulinchen e.V. vor den Gefahren durch heiße Flüssigkeiten, Oberflächen, Feuer, Strom und Säuren.

Und es ist wieder Zeit zum Grillen. Feuer fasziniert Kinder. Je nach Alter und Verständnis dürfen sie unter Aufsicht der Erwachsenen mithelfen. Alleine sollte man sie aber nie an die Feuerstellen lassen. Besonders dann nicht, wenn das Feuer nicht so richtig brennt. Das lädt Kinder ein, es irgendwie neu zu entfachen. Manches Mal mit schlimmen Folgen. Am besten man informiert sich zuvor bei Paulinchen e.V.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal Brasilien. Dort ist weiterhin das Gelbfieber noch nicht im Griff. Jetzt kommt noch die Tollwut hinzu. Nach Bissen von Vampirfledermäusen sind in den letzten 2 Wochen 12 Menschen im Bundesstaat Pará erkrankt – und sechs von ihnen verstorben. Als Tourist ist es sinnvoll, sich vor der Reise über die aktuelle Situation zu informieren.

Nagelbettentzündung – Fußpflege hilft sie zu verhindern

Fußnägel werden gerne vergessen was ein Blick zu Boden im Schwimmbad schnell klar macht. Fingernägel hingegen erfahren seit Jahren höchste Zuwendung. Das bleibt nicht ganz ohne Folgen. Gerade bei Jugendlichen beobachten wir in den letzten Jahren zunehmende Fußprobleme. Mit verändertem Modebewusstsein und Freizeitverhalten sind davon inzwischen auch jüngere Kinder betroffen.

Bis Kinder das Laufen erlernen ist der Fuß ein wichtiges Greifwerkzeug. Sie erinnern sich bestimmt noch daran, als Ihr Kind 6 Monate alt war: Zu dieser Zeit vermögen Kinder mit dem Fuß Gegenstände zu fassen, sie benutzen die Füße als Greifwerkzeuge. Und sie erleben den Fuß auch ganz sinnlich, streicheln mit dem Fuß den eigenen Körper (oder gelegentlich auch den Unterarm des Kinderarztes, der sie gerade untersucht) – und sie nehmen die Füße in den Mund.

Das möchte man später eher nicht mehr tun, wenn der Fuß zum „Geh-Werkzeug“ reduziert und ansonsten wenig beachtet wird. Häufig wird er von Jugendlichen nur noch als lästig erlebt, er hat vielleicht einzelne Stechwarzen, hier und da einen Fußpilz und immer wieder beschwert sich jemand im Hause, dass man Schweißfüße hätte. Schwierig, diesen Teil des Körpers zu mögen. Und es geht doch. Aber wie?

Schweißfüße

Abbildung 1. Die Füsse eines Menschen. Pro Quadratzentimeter sind sie mit bis zu 600 Schweißdrüsen bestückt – je mehr Rotfärbung im Bild, umso dichter stehen die Schweißdrüsen. Foto: http://slideplayer.org/slide/2818504/

Füße haben Schweißdrüsen (siehe Abbildung 1). Die Anzahl der Drüsen ist bei Kindern ebenso groß wie bei den Erwachsenen, insofern haben es die Erwachsenen leichter – der kindliche Schweißfuß „wächst sich aus“. Wenn man ihm eine Chance gibt. Die Schweißdrüsen sondern Sekret ab, das auf die eine oder andere Art abziehen muss. Dazu sind hilfreich:

  • Schuhe, die die Feuchtigkeit entweder speichern können oder leicht abgeben. Aber auch der beste Schuh hat seine Kapazität nach 6 Stunden erreicht und dann ….
  • Wechseln der Schuhe so oft es geht.
  • In Gebäuden offene Hausschuhe nutzen oder barfuß gehen.
  • Tägliches Wechseln der Socken.
  • Regelmässige Fußpflege mit Waschen und auch Anwendung von Lotiones oder ggf. auch Pudern, je nach Hauttyp
  • Turnschuhe sind oft aus künstlichem Material und speichern kaum die Körperflüssigkeit – sie sind aber cool. Sie sollten nur begrenzt benutzt werden (man kann den Unterschied zum „guten Schuh“ leicht selbst feststellen: in Turnschuhen ist es oft sehr warm = wenig Belüftung.
  • ist der Schuh mal von Schweißgeruch befallen trägt man diesen „Makel“ durch die Welt. Fußpflege muss also regelmäßig erfolgen, wenn sie erfolgreich sein soll.

Nagelpflege

Abbildung 2. Schneiden der Nägel. Die Finger des Kindes sind gut fixiert, die Schere wird schräg angesetzt. Das Schneiden erfolgt in einem kleinen, halbmondförmigen Bogen. Foto: https://www.leben-und-erziehen.de/baby/babypflege/naegel-schneiden

Die Fußnägel werden oft sehr radikal geschnitten, was nicht nur schmerzhaft ist, sondern oft auch Folgen wie Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) nach sich zieht. Wie macht man/frau’s richtig?

  • Der Nagel sollte nicht zu kurz geschnitten werden, 1-2 mm dürfen gern als weißer Rand zu sehen sein.
  • der Nagel wird leicht bogenförmig geschnitten entlang der Zehenkuppe (siehe Abbildung 2). Dabei bleiben die Ecken etwas stehen (zum Schutz der seitlichen Nagelplatte) und werden mit der Feile nachträglich abgerundet („Kanten brechen“). Die Spitze
    der Schere sollte also unter keinen Umständen in den seitlichen Nagelbereich eindringen.
  • der Nagelfalz wird mit der Spitze der Nagelfeile (gerne auch seitlich angesetzt) gesäubert. Die Nagelhaut sollte dabei nicht verletzt werden.

Fusswarzen

Sie kommen immer wieder vor, weil Warzenviren an allen Ecken lauern. Das ist nicht weiter schlimm, sofern wir den Viren keine besonders guten Bedingungen schaffen (siehe die Bedingungen, die unter dem Kapitel „Schweißfüße“ aufgeführt sind). Warzen zu entfernen lohnt oft nicht, da sie gerne rasch wieder auftauchen. Und selbst so radikale Methoden wie die
Kryotherapie („Vereisen“) oder die chirurgische Entfernung weisen eine Rezidivrate von über 50% auf. Trockene, gut gepflegte Füße sind auch hier die beste Vorsorge. Und Gelassenheit: viele Kinder weisen im Alter von 6 bis 14 Jahren Warzen auf, die letztlich von selbst verschwinden und keiner weiteren Maßnahme bedürfen, solange sie beim Gehen nicht
störend sind.

TIPP Lesestart – App

Lesen ist ein entscheidender Meilenstein für die Entwicklung von Menschen – ob jung oder alt. Viele Kinder werden schon früh neugierig. Gelangweilt im Auto sehen sie die Buchstabenfolgen E X I T oder S T O P und bemerken, dass solche Zeichen eine Bedeutung für uns Erwachsene haben. Sie fragen nach, und lesen das erste Wort. Mit dem Lesen erwacht neues Interesse und die Sprache entwickelt sich schnell weiter.

Abbildung 1. APP Lesestart

Die STIFTUNG LESEN und das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben vor vielen Jahren eine Kampagne gestartet mit dem Ziel Eltern zu unterstützen, ihre Kinder ans Lesen heranzuführen. Dabei spielen auch digitale Formate eine Rolle, wie verschiedene APPs, mit denen Kinder der Zugang zum Lesen erleichtert wird. Wir finden: das ist eine prima Sache!

Eine gute Hilfe für alle Eltern. Diese steht übrigens auch in Englisch, Polnisch, Türkisch und Russisch zur Verfügung.

Was geht rum? 19. Mai 2018

Pfingsten. Langes Wochenende. Zeit, die Natur mit ihrem kräftigen Grün und den herrlichen Düften nach dem Regen zu genießen.

In der letzten Woche sind die Pollen durch die vielen Schauer weggewaschen worden. Das betrifft im Besonderen die Gräserpollen. Jetzt, bei leicht höheren Temperaturen und Sonnenschein beginnen sie erneut ihren Flug aufzunehmen. Es ist also wieder sinnvoll, von Allergien betroffene Schleimhäute zu schützen (zum Beispiel mit einer Sonnenbrille besonders bei Fahrtwind oder abendlichem Abwaschen der Pollen am Körper durch Duschen). Diese allergieauslösenden Pollen sind für das Auge nicht erkennbar. Die sichtbaren gelben Pollen der Nadelbäume sind inzwischen weggeschwemmt worden. Sie haben die Landschaft verfärbt, aber nahezu keine allergischen Probleme verursacht.

Infekte verharren für Kinder und Jugendliche glücklicherweise im Südwesten auf einem niedrigen Niveau. Zu beobachten sind weiterhin gehäufte Erkrankungen an Bindehautentzündungen sowie akute Verschlechterungen bei Kindern und Jugendlichen, die an Asthma bronchiale erkrankt sind.

Bedeutsamer als die Infekte ist bald der Faktor „schönes Wetter„. Das führt zu Sonnenbränden, zu Unfällen beim Grillen und allergischen Problemen. Und natürlich zu munteren Zecken, die darauf warten, Menschen um etwas Blut zu erleichtern und nebenbei Krankheiten weiterzugeben.

Und was geht in der Welt rum? In den Medien werden besonders die drei Fälle von Ebola-Fieber in der DR Kongo erwähnt, was für Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg im Moment ohne Bedeutung ist. Wichtiger ist für sie vielleicht, dass es Ausbrüche von Hepatitis A in den USA (Salt Lake und Utah County) gibt. Es gibt eine hochwirksame und gut verträgliche Impfung für USA-Reisende und Austauschschüler, die oftmals auch von den Krankenkassen übernommen wird.

Dicke Luft

Der Dieselskandal ist seit einem Jahr ein Top-Thema. Der eigentliche Skandal ist aber, dass Dieselfahrzeuge über die letzten Jahrzehnte steuerlich gefördert wurden. Dabei war längst bekannt was der Dieselmotor anrichten kann.

Zum Beispiel Pollenallergie in Japan. Dort wurde bereits 1986 die erste wissenschaftliche Arbeit von M. Muranaka und Kollegen zum Thema Dieselpartikel und Allergie im angesehenen Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) veröffentlicht. Diese bezog sich auf Untersuchungen an Mäusen. Eine zweite Publikation ein Jahr später von der gleichen Forschergruppe erhärtete nochmals im Tierversuch das Risiko. Sie folgerten, dass diese Daten wohl auch für Menschen bedeutsam seien.

Abbildung 1. Darstellung der IgE-Produktion von reinen B-Zellen in Anwesenheit von IL-4 plus CD40-Zellen Bezug auf Umgebungsbedingungen mit oder ohne PAH-DEP (DEP: Diesel exhaust particle). Foto: JACI, 1995

Takenaka und Mitarbeiter veröffentlichten schließlich 1995 die im Experiment nachgewiesenen Effekte am Menschen. Diese betreffen Dieselpartikel bzw. polyaromatische Hydrocarbone (PAHs = PAK: polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) aus den Dieselabgasen im Bereich der menschlichen Atemwege (siehe Abbildung 1).

Namhafte Allergologen und Immunologen haben also schon vor 23 Jahren schlüssig belegt, dass Dieselabgase negative Auswirkungen auf die Atemwege des Menschen haben. Über diese 23 Jahre lief die steuerliche Förderung der Dieselfahrzeuge in Deutschland munter weiter. Es bleibt der Eindruck, dass nichts unternommen wurde, um die Situation in über 2 Jahrzehnten zu verbessern.

Der Dieselmotor bleibt trotz allem eine gute Erfindung. Ein Vierteljahrhundert jedoch ungenutzt verstreichen zu lassen und nichts zu unternehmen, um den Abgasausstoß zu verringern ist erschreckend. Da beruhigt es auch nicht, dass heute alle alles besser wissen.

Abbildung 2. Luftqualität in Baden-Württemberg. Im Kästchen oben die aktuellen Daten von Reutlingen. Die weiteren Messstellen sind markiert, wobei die Farbe grün gute Werte anzeigt. Um Sigmaringen gibt es über weite Gebiete keine Messdaten. Foto: aqicn.org/map/stuttgart/de/

Immerhin. Die Gesellschaft ist etwas lernfähig. In Berlin gibt es eine Informationsseite, die den Menschen in der Hauptstadt zeigt, was so in der Luft liegt. Für Baden-Württemberg gibt es ebenfalls Daten (siehe Abbildung 2), die kontinuierlich gemessen und im Internet abrufbar sind. Ein erster  Anfang zur Transparenz ist also gemacht.

TIPP Urlaubsapotheke

Bald gehen viele Familien in den Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das Wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub lang ist. Damit können auch unerwartete Probleme beim Warten auf den Rückflug (Flugstornierung – denken Sie an Air Berlin im letzten Jahr) vermieden werden. Diese Dauer-Medikamente werden im Handgepäck mitgeführt. Das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen! Also Medikamente immer „am Mann“ – oder der Frau.

Notfallmedikamente

  • Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur©. Diese sollte immer als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.
  • Magen-Darm-Erkrankung. Hier ist es wichtig Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium) dem Körper zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird.
  • Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© oder Dolormin©).
  • Für gefährdete Kinder sind antiallergische Medikamente vielleicht wichtig. Dies gilt für schwere Allergien (Tierhaare, Insektengifte) wie auch für Pollenallergien. Hier ist es sinnvoll vor Reiseantritt das Risiko mit dem behandelnden Kinderarzt auszuloten.
  • Sonnenschutzmittel. Der wichtigste Sonnenschutz bleibt der Schatten, die Mütze und ein T-Shirt. Ansonsten sind je nach Reiseland Sonnenschutzmittel mit etwa SF 30 bei Kindern sinnvoll. Diese müssen mehrfach am Tag großzügig aufgetragen werden. Also genügende Mengen einpacken!
  • Je nach Reiseland sind sog. Repellentien wichtig. z.B. um Zecken abzuhalten (Osteuropa) oder Mücken (Südeuropa) oder gar tropische Erkrankungen.
  • Desinfektionsmittel wie Octenisept© sollten immer mitgeführt werden sowie Verbandsmaterial.

Allgemeine Hinweise

  • Fieberthermometer sind gerade bei kleinen Kindern sinnvoll.
  • Medizinische Dokumente (z.B. Impfpass, Allergie- oder Diabetikerausweis)

Im Einzelfall ist es sinnvoll den Kinder- und Jugendarzt einige Wochen vor Antritt des Urlaubs zu kontaktieren, um individuelle (bei speziellen Krankheiten) oder spezifische (bei speziellen Reiseländern) Fragen vor der Reise in Ruhe zu klären. Dabei sollte auch Zeit sein, um fehlende Impfungen nachzuholen.

Für einige Medikamente müssen ggf. Bescheinigungen ausgestellt werden für die Mitnahme im Handgepäck (z.B. Flüssigkeiten über 100 ml)  bzw. die Einreise im Zielland.

Was geht rum? 12. Mai 2018

Der Pollenflug der letzten Woche war imposant. Die Stäube, die sich über das Land legten und unserem heilig’s Blechle den Glanz nahmen stammten jedoch großteils von Nadelbäumen. Diese Pollen sind größer und schwerer. Das erlaubt ihnen keine lockeren Flüge durchs Land, weswegen Allergien dagegen eher selten sind. Hingegen fliegen die Gräserpollen – unerkannt aber von den Allergikern umso mehr gespürt – an den warmen Tagen wie gestern und heute im Südwesten. Beim Ausflug die Sonnenbrille nicht vergessen. Und abends nochmals duschen, um die Pollen abzuwaschen. Das sollte sich auch ein Schwabe leisten.

Infekte der Atemwege haben wieder leicht zugenommen. Diese sind häufig mit einer Entzündung der Luftröhre (Tracheitis) verbunden, was zu heißerem und insgesamt trockenem Husten führt. Natürlich gibt es auch einige Erkrankte mit Durchfall, aber viele sind davon nicht betroffen.

Was geht in der Welt rum? Aus Malaysia werden viele Fälle von Tollwut (Rabies) berichtet. In den letzten neun Monaten sind daran acht Menschen verstorben, zuletzt am 2. Mai dieses Jahres ein Junge von 8 Jahren. Zum Schutz vor Tollwut gibt es eine gut wirksame Impfung. Ob sie bei Fernreisen im Einzelfall sinnvoll ist, sollte rechtzeitig vor Antritt einer Fernreise mit einem Reise- oder Tropenmediziner besprochen werden.

Ertrinken – meist lautlos und unspektakulär

Dieser Artikel ist im Internet auf www.ostsee24.net zu finden mit der Freigabe ihn auch hier veröffentlichen zu können. Weil er so eindrücklich die unscheinbare die Gefahr des Ertrinkens schildert, soll er in ganzer Länge erscheinen. 

Was man über das Ertrinken wissen sollte, um die Gefahr für Kinder und Erwachsene zu minimieren.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 400 Menschen durch Ertrinken. In vielen Fällen befinden sich weitere Badegäste in unmittelbarer Nähe und beobachten den Vorgang – weil Sie keine Ahnung haben, was dort gerade passiert. Kein Schreien, kein Winken und kein Gestrampel. Im Gegenteil, es ist ein leiser Tod und passt gar nicht in das durch das Fernsehen vermittelte Bild. Diesem Phänomen ist Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard in New Orleans, in seinem Artikel „Drowning Doesn´t Look Like Drowning” nachgegangen und hat damit für sehr viel Aufsehen gesorgt. Der folgende Artikel ist eine Übersetzung aus dem Original.

Wenn Ertrinken nicht nach Ertrinken aussieht

Ertrinken? Wohl kaum. Der Rettungsschwimmer sprang voll bekleidet von Board und spurtete durch das Wasser. Der ehemalige Rettungsschwimmer ließ das Opfer nicht aus den Augen, als er sich direkt auf die Bootseigentümer zu bewegte, die zwischen ihrem verankerten Sportfischerboot und dem Strand im Wasser schwammen. „Ich glaube, er denkt, du ertrinkst“, sagte der Mann zu seiner Frau. Sie hatten einander mit Wasser bespritzt und sie hatte geschrien, aber nun standen sie nur bis zum Hals im Wasser auf der Sandbank. „Uns geht es gut, was tut er da?“, fragte sie etwas gereizt. „Uns geht es gut!“, rief der Mann und winkte ihm zu, umzukehren, aber der Rettungsschwimmer schwamm unnachgiebig weiter. „Weg da!“, blaffte er, als er zwischen den erstaunten Bootseigentümern entlang spurtete. Direkt hinter ihnen, keine drei Meter entfernt, war ihre neunjährige Tochter gerade im Begriff zu ertrinken. Sicher an der Oberfläche in den Armen des Rettungsschwimmers, brach sie in Tränen aus: „Papa!“ Wie konnte der Rettungsschwimmer aus fünfzehn Metern Entfernung wissen, was der Vater aus nur drei Meter Entfernung nicht erkennen konnte? Ertrinken ist nicht der ungestüme, spritzende Schrei nach Hilfe wie die meisten Menschen erwarten. Der Rettungsschwimmer hatte durch eine fachliche Ausbildung und jahrelange Erfahrung gelernt, Ertrinken zu erkennen. Der Vater hingegen hatte im Fernsehen gelernt, wie es aussieht, wenn jemand ertrinkt. Wenn Sie Zeit auf dem oder am Wasser verbringen, dann sollten Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Freunde/Bekannten wissen, worauf zu achten ist, wenn Menschen ins Wasser gehen. Bis sie „Papa“ schluchzte, hatte sie keinen Ton von sich gegeben. Als ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache überraschte mich diese Geschichte überhaupt nicht. Das Ertrinken ist fast immer ein trügerisch ruhiger Vorgang. Das Winken, Spritzen und Schreien, auf das wir durch die dramatische Konditionierung (Fernsehen) vorbereitet sind, zeigt sich in der Realität nur selten. Die instinktive Reaktion auf das Ertrinken (The Instinctive Drowning Response) – so benannt von Dr. Francesco A. Pia, – ist das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ersticken im Wasser zu vermeiden. Und dies sieht nicht so aus, wie es die meisten Menschen erwarten. Es gibt wenig Gespritze, kein Winken und keine Schreie oder Hilferufe irgendeiner Art. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ruhig und wenig dramatisch das Ertrinken von der Oberfläche aus wirken kann, überdenken Sie Folgendes: Es ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren (direkt nach Verkehrsunfällen) – von den Kindern, die im nächsten Jahr ertrinken werden, werden die Hälfte in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil oder einem anderen Erwachsenen ertrinken. In zehn Prozent dieser Fälle wird der Erwachsene sie sogar beim Ertrinken beobachten und keine Ahnung davon haben, was gerade vor sich geht, denn Ertrinken wirkt nicht wie Ertrinken.

Auf was Sie achten müssen: Anzeichen des Ertrinkens

In einem Artikel im Coast Guard’s On Scene Magazine beschrieb Dr. Pia die instinktive Reaktion auf das Ertrinken so: 1. Außer unter seltenen Umständen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu in der Lage, um Hilfe zu rufen. Das Atmungssystem ist auf das Atmen ausgelegt. Sprache stellt die zweite oder überlagerte Funktion dar. Die Aufgabe des Atmens muss erfüllt sein, bevor die Sprache stattfindet. 2. Der Mund ertrinkender Menschen sinkt abwechselnd unter die Wasseroberfläche und taucht wieder aus dem Wasser auf. Der Mund ertrinkender Menschen befindet sich nicht lange genug über der Wasseroberfläche, um auszuatmen, einzuatmen und um Hilfe zu rufen. Sobald sich der Mund eines Ertrinkenden über der Wasseroberfläche befindet, atmet dieser schnell aus und ein, da sein Mund bereits wieder unter Wasser zu sinken beginnt. 3. Ertrinkende Menschen können keine Hilfe herbeiwinken. Ihre Natur zwingt sie dazu, instinktiv ihre Arme seitlich auszustrecken und von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken. Von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken ermöglicht es Ertrinkenden, ihren Körper nach oben zu drücken, um ihren Mund zum Atmen aus dem Wasser zu heben. 4. Während der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken können Ertrinkende die Bewegung ihrer Arme nicht bewusst steuern. Physiologisch gesehen sind Ertrinkende, die an der Wasseroberfläche kämpfen, nicht in der Lage, das Ertrinken aufzuhalten und bewusste Bewegungen auszuführen, wie beispielsweise das Winken nach Hilfe, die Bewegung auf einen Retter zu oder das Greifen nach einem Rettungsgerät. 5. Von Anfang bis Ende der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken befindet sich der Körper eines Menschen aufrecht im Wasser, ohne Hinweise auf unterstützendes Treten mit den Füßen. Werden sie nicht von einem ausgebildeten Rettungsschwimmer gerettet, können diese Ertrinkenden nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche kämpfen, bevor sie untergehen. Das heißt nicht, dass eine Person, die um Hilfe ruft und um sich schlägt, nicht in ernsthaften Schwierigkeiten ist – sie erlebt eine Wassernotsituation. Eine Wassernotsituation tritt nicht immer vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auf und hält nicht lange an – aber anders als beim wirklichen Ertrinken, können die Betroffenen hier noch an ihrer eigenen Rettung mitwirken. Sie können nach Rettungsleinen oder -ringen usw. greifen.

Weitere Anzeichen des Ertrinkens

Achten Sie auf diese anderen Anzeichen des Ertrinkens, wenn sich Personen im Wasser befinden: * Kopf befindet sich tief im Wasser mit dem Mund auf Höhe der Wasseroberfläche * Kopf ist nach hinten geneigt und der Mund geöffnet * Augen sind glasig und leer und können nicht fokussieren * Augen sind geschlossen * Haare hängen vor der Stirn oder den Augen * Beine werden nicht benutzt – Vertikal * beschleunigte Atmung oder Schnappen nach Luft * versucht, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, kommt aber nicht voran * versucht sich auf den Rücken zu drehen. Sollte also ein Rettungsschwimmer über Bord gehen und es sieht so aus, als wäre alles in Ordnung – seien Sie sich nicht zu sicher. Manchmal ist der einfachste Hinweis darauf, dass jemand ertrinkt, dass er nicht so wirkt, als würde er ertrinken. Es wirkt vielleicht einfach so, als würde er Wasser treten und nach oben auf das Deck sehen.

Wie kann man sich wirklich sicher sein?

Fragen Sie: „Geht es dir gut?“ Wenn er das beantworten kann – geht es ihm wahrscheinlich gut. Wenn er mit einem leeren Blick antwortet – haben Sie vielleicht weniger als 30 Sekunden Zeit, ihn zu retten. Und an die Eltern: Kinder, die im Wasser spielen, machen Lärm. Wenn sie still werden, dann gehen Sie zu ihnen und finden Sie heraus, weshalb.