Monat: Mai 2018

Antibiotikaverbrauch – mehr ärztliche Kompetenz ist gefragt

Antibiotika sind ein Segen. Eigentlich. Wie bekannt, können antibiotische Medikamente auf die eine oder andere Art die Vermehrung von Bakterien stoppen. Damit helfen sie einem betroffenen Kranken, seine Krankheit leichter oder überhaupt besiegen zu können.

Die entscheidende Frage ist also, handelt es sich beim Auslöser der Erkrankung die behandelt werden soll um Bakterien oder eben doch nicht. Leider gibt es hierfür in vielen Fällen keine klaren Hinweise. Manche Diagnosen wie der Scharlach – mit seinem typischen Ausschlag – sind ein klarer Beweis für eine Erkrankung durch Bakterien. Beim Scharlach ist nur nicht so ganz klar, ob Antibiotika immer sinnvoll und notwendig sind. Andere Erkrankungen wie die Influenza (Grippe) gehen mit sehr hohem Fieber über viele Tage. Menschen sind schwer krank und dennoch: die Ursache sind Viren, keine Bakterien. Es kann aber vorkommen, dass sich auf der Grundlage der Virusinfektion – in diesem Fall einer Influenza – eine Lungenentzündung durch Bakterien aufbaut. Genau an diesem Punkt wird es schwierig. Weder Laborwerte wie das oft beschworene CRP (C-reaktives Protein) , noch ein Röntgenbild und schon gar nicht die Höhe des Fiebers helfen hier in der Beurteilung weiter. Oft ist es so, dass die Gesamtheit vieler Faktoren die Wahrscheinlichkeit für oder gegen Bakterien als Ursache erhöht oder senkt.

Schon medizinische Überlegungen machen den gezielten Einsatz von Antibiotika nicht ganz leicht. Der Umgang mit diesen potenten Arzneimitteln unterliegt noch vielen Einflüssen. Einer ist auch, dass bei schweren Erkrankungen Patienten dieses Medikament oft einfordern und der Arzt dem Druck wider besseres Wissen nachgibt. Auch bei hohem Fieber im Rahmen einer Virusinfektion helfen Antibiotika nicht.

Abbildung 1. DDD für Antibiotika in verschiedenen Ländern. (A -oberer Bildteil) zeigt die Veränderungen im Verbrauch über die Jahre 2000 – 2015 (B unterer Bildteil) zeigt die DDD nach Ländern. Foto: http://www.pnas.org/content/early/2018/03/20/1717295115

Letztlich erstaunt es also nicht, dass der Verbrauch von Antibiotika auch in unterschiedlichen Ländern großen Schwankungen unterliegt. Da hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan. Die umfangreiche Studie von Eili Y Klein und Mitarbeitern ging diesen Fragen nach. Sie untersuchten den Verbrauch anhand der sog DDD: defined daily dose. Das ist die durchschnittliche Dosis eines Medikaments, die für einen Patienten pro Tag benötigt wird. In der Abbildung 1 rechts ist im unteren Teil B die DDD für 1000 Patienten in verschiedenen Ländern aufgeführt. Die Farbe markiert den Wohlstand der Länder. Dabei zeigt sich, dass der Wohlstand nur bedingt mit dem Verbrauch an Antibiotika zu tun hat. Lediglich in den sehr armen Ländern werden aus Armut sehr wenig Antibiotika eingesetzt. Den höchsten Verbrauch an Antibiotika haben die Türkei, Spanien, Griechenland und Frankreich (DDD über 35). Deutschland liegt mit etwa 20 im Mittelfeld. Am besten liegt seit Jahrzehnten schon die Niederlande mit dem gleich hohen Verbrauch wie das Entwicklungsland Bangladesh. Dieser dürfte in den Niederlanden der medizinischen Einsicht, im Bangladesh eher der Armut geschuldet sein.

Antibiotika können lebensrettend sein. Oder komplett überflüssig. Und manchmal auch schädlich. Was für den Patienten in seiner persönlichen Situation günstig ist, muss also immer mit gutem medizinischem Wissen und kritischer Beurteilung abgewogen werden.

Was geht rum? 05. Mai 2018

Der Frühsommer hat in dieser Woche eine kleine Pause bei den Temperaturen eingelegt. Die Infekte sind dennoch auf einem niedrigen Niveau geblieben und ohne besondere Trends.

Ein anderer Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Besonders Jugendliche, auch Schulkinder, werden immer öfter mit Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) vorstellig. Das kommt besonders oft in den warmen Monaten vor. So auch in den letzten Wochen, in denen die Temperaturen wieder deutlich angestiegen sind. Wir werden uns bald mit diesem Thema ausführlicher befassen.

Abbildung 1. Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland im Jahre 2017. Foto RKI-Twitter

Die Erkrankungen an FSME nehmen nach den neuesten Informationen des Robert-Koch-Instituts in Berlin weiter zu. Auffallend ist, dass gut geimpfte Personen davon praktisch nicht betroffen sind. Das heißt auch, dass die Impfung gut wirksam ist. Die Zahl der von FSME betroffenen Landkreise nimmt weiter zu. Thüringen weist nun als erstes Land im Osten eine hohe Anzahl an Zecken auf, die mit dem Virus infiziert ist.

Was geht in der Welt rum? Aus der Schweiz wird ein kurioser Fall einer Tularämie berichtet. Eine Frau war als Joggerin von einem Bussard von hinten angefallen worden, der sie mit seinen Krallen oberflächlich verletzte und ihr diese schwere Krankheit zufügte, die sonst nur Nager und Hasen befällt. Sie benötigte eine mehrwöchige antibiotische Therapie um zu genesen.

Attacken von Bussarden sind auch dem Autor dieses Berichts aus eigener Erfahrung bekannt. Beim Joggen in den Wäldern um Pfullendorf (nördliche Bodenseeregion) wurde er zwischen etwa 1996 und 2000 mehrfach hautnah angegriffen, aber nie verletzt. Die Ursache für das auffällige Verhalten des sonst scheuen, aber großen Greifvogels blieb unklar.

TIPP Mundhygiene

Die Mundhygiene wird selbst bei den Vorsorgeuntersuchungen nur mit wenigen Worten gewürdigt. Dabei ist sie eminent wichtig. Was nun im Einzelnen „richtig“ ist zur Zahnpflege, darüber streiten sich Experten schon seit Jahren. Seien Sie also nicht verwirrt, wenn Sie unterschiedliche und teil widersprüchliche Hinweise für den Gebrauch von Zahnpasta oder die Dauer des Zähneputzens finden. Keine Zweifel bestehen jedoch, dass Zähneputzen zur Mundhygiene unverzichtbar ist.

Zahnpflege

Die Qualität des Zähneputzen zeigt sich nicht in der Anwendungsdauer oder in der Produktion von Schaum, wie man das auf Campingplätzen oft beobachtet. Ein zu häufiges und aggressives Zähneputzen kann sogar das Auftreten von Zahnschäden hervorrufen. Deshalb empfehlen die amerikanischen Zahnärzte lediglich die zweimalige tägliche Zahnpflege mit einer weichen bis mittelharten Zahnbürste. Diese sollte mit einem Druck von 150 Gramm – was dem Gewicht einer Orange entspricht erfolgen. Den Anpressdruck kann man zuhause auf der Küchenwaage testen. Ein bestehender Zahnbelag wird jedenfalls nach mehr als 2 Minuten Putzen und einem Druck von mehr als 150 Gram nicht geringer. Dafür treten jedoch Schäden am Zahnschmelz und an den freiliegenden Zahnhälsen auf.

Süßes?

Wir wollen uns das Leben gelegentlich versüßen. Warum auch nicht? Gönnen wir dies auch unseren Kindern. Auch Kinder dürfen Schokolade und Kuchen essen sowie süße Getränke trinken. Wichtig ist nur, dass der Mund und die Zähne ausreichende Ruhepausen haben. Kinder sollen also – je nach Alter – durchaus über mehrmals 2 Stunden am Tag nichts in den Mund nehmen. Dann hat die Mundhöhle Zeit sich mit Speichel zu reinigen. Ganz besonders ungünstig ist das ständige Nuckeln an irgendetwas – ob Lutscher, Flasche mit Saft oder Brezeln. Wenn Kinder einmal Weinen oder vor Schmerz schreien ist Trost wichtig. Kinder brauchen Trost – den Trost ihrer Eltern und nicht den Trost irgendeines Getränkes.

Mein Kind will die Zähne nicht putzen?

Warum sollte ein Kind Zähne putzen wollen? Woher soll es um die Bedeutung von Karies wissen? Wie soll ein Kind im Alter von 1 Jahr verstehen, dass der Zahnausfall nach Karies seine Schönheit als Jugendlichen stört? Und dass dies zu Frust des Jugendlichen und Erwachsenen führt? Nehmen wir also die Führungsrolle als Erwachsene an. Wir wissen, was mangelnde Mundhygiene bedeutet. Und deswegen opfern wir täglich einige Minuten hierfür. Machen wir also unseren Kindern mit Liebe und Beharrlichkeit klar, dass Zähne einfach geputzt werden müssen.

Aber ich gebe doch die Fluortabletten!

Die Fluortabletten sind kein Ersatz fürs Zähneputzen. Es gibt einige Arbeitsgruppen, die eine Fluoridierung für die gesamte Kleinkinderzeit empfehlen, andere sehen dies eher kritisch. Alle sind sich jedoch darin einig: die alleinige Gabe von Flourid als Tablette reicht nicht aus. Also auch mit Tablette müssen die Zähne geputzt werden.Dann sollte jedoch überlegt werden eine Zahnpasta mit niedrigem Fluoridgehalt zu verwenden.

Wie immer wenn es um Kinder geht, sind Eltern als Vorbild für Ihr Kind entscheidend. Erlebt ein Kind die Eltern beim Zähneputzen, so übernimmt es dieses Verhalten in absehbarer Zeit auch für sich selbst. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Bereich an Ihrem Alltag teilnehmen. Ihr Kind darf also wie selbstverständlich – schon als Säugling – Ihnen beim Zähneputzen zusehen. Das prägt und lässt die Zahnpflege zu etwas ganz Normalem werden, über das man später kaum diskutieren muss.