Monat: Juni 2018

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Was geht rum? 02. Juni 2018

Der Hochsommer kam in diesem Jahr schon im Mai (wärmster Mai seit 1889). Mit ihm sind die Allergien – ganz vorne die gegen die Gräserpollen – auf einem Höhepunkt. Der hohe Pollenflug wird am Wochenende nach dem Regen wieder Fahrt aufnehmen. Wenn das Wetter weiterhin fast tropisch bleibt, werden uns die Pollenbelastungen noch eine Weile erhalten bleiben.

Das Landesgesundheitsamt meldet, dass verstärkt Masern in Baden-Württemberg auftreten. Bis Mitte Mai waren es 54 Erkrankungen, darunter 36 Kinder. In Köln beobachtet man ebenfalls Mai einen regionalen Ausbruch mit bislang 68 Erkrankungen. Leider ist vielen Menschen die Brutalität dieser Kinderkrankheit nicht klar. Immerhin kommt auf etwa 1000 Erkrankungen ein Todesfall. Die Zahl der Komplikationen an verschiedenen Organen ist noch weitaus höher. Wohl dem, der aus dieser Krankheit heil rauskommt. Impfen ist die zentrale Vorbeugung.

Natürlich gibt es viele weitere Infektionen. Allen voran eine Bindehautentzündung, die viele Kinder betrifft und nach wenigen Tagen abheilt. Eine antibiotische Therapie mit Augentropfen ist nur in Einzelfällen sinnvoll. In aller Regel handelt es sich um einen „Schnupfen der Augen“. Der ist durchaus ansteckend (wie ein Schnupfen ja auch) aber doch ungefährlich. Daneben treten auch verschiedene Hautausschläge wie der sog. Stropholus infantum auf. Hier ist eine Klärung beim Arzt sinnvoll, wenn der Ausschlag Juckreiz hervorruft, mit weiteren Beschwerden wie Fieber verknüpft ist oder einige Tage anhält.

Was geht in der Welt rum? Nördlich von Denver (Weld county und Larimer county)  in den USA wurde beobachtet, dass mehr Stinktiere und Fledermäuse als üblich von Tollwut befallen sind. Menschen sind bislang nicht erkrankt. Diese Information von den amerikanischen Gesundheitsbehörden kann aber ein zarter Hinweis sein, dass bei Kontakt mit fremden Tieren manchmal Vorsicht geboten ist.