Monat: August 2018

O-Beine

Die Stellung der Beinachse von Kindern und Jugendlichen unterliegt vielen Einflüssen. Ohne Berücksichtigung der vielen, aber meist seltenen Erkrankungen der Knochenentwicklung, stehen besonders die genetischen Aspekte im Vordergrund sowie persönliche Besonderheiten, die die Beinachse beeinflussen.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. med. Peter Helmut Thaller aus München hat sich der Frage von O-Beinen gewidmet und die Ergebnisse im Deutschen Ärzteblatt kürzlich veröffentlicht. Darin stellen sie fest, dass bereits Fußballer ohne gröbere Verletzungen ein erhöhtes Risiko für eine Arthrose haben (1,3-fach), das auch durch die häufig anzutreffenden O-Beine zu erklären ist. Immerhin haben über die Hälfte (55%-63%) der Sportler diese genua vara, wie die Ärzte die O-Beine nennen. Und diese sind ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung einer Arthrose.

Die Forscher konnten die Daten von 1344 Fußballspielern sowie einer Vergleichsgruppe bewerten. Es zeigte sich, dass bereits bei Jugendlichen der Abstand zwischen den Knien bei Fußballern um 1,5 cm grösser war als bei Nichtfußballern. Bei Fußballern wiesen in dieser Altersgruppe 73% eine O-Bein-Stellung auf, bei den nicht sportlich aktiven Menschen waren es nur 40%.

Dr. Thaller und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die einseitige Überbelastung der Wachstumsfugen ober- und unterhalb des Kniegelenkes der Grund für die O-Bein-Stellung ist. Dadurch kommt es zu einem verstärkten Wachstum der Wachstumsfugen an den Außenseiten zuungunsten der Innenseite. Diese einseitigen Belastung kommen beim Fußball im Besonderen bei Seitwärtsbelastungen vor: abrupte Abbremsbewegungen oder Seitbelastungen beim Lauf um Hütchen. Solche Übungen sollten bei Heranwachsenden nicht zu intensiv erfolgen. Daneben sind Ausgleichsübungen wichtig.

Heranwachsende können die Fehlhaltung einige Zeit durch ihre starke Muskulatur ausgleichen. Je stärker aber die O-Beine sind und je älter der einzelne Sportler ist, wird diese Möglichkeit der Kompensation geringer. Dann treten Belastungen des Innenknies auf, die zunehmend zum Knorpelverlust und Meniskusschaden führen. Die Folge ist dann zunehmende Abnutzung der Kniegelenksinnenflächen mit Arthrose.

Fazit

O-Beine sollten soweit möglich durch ausgleichende körperliche Anstrengungen vermieden werden. Sind sie einmal aufgetreten, sollten regelmässige Kontrollen beim Orthopäden erfolgen, um einer Arthrose – ggf. auch durch eine Operation – entgegenzusteuern.

Was geht rum? 04. August 2018

Die Hitzewelle geht weiter. Wer zuhause im Ländle bleibt, ist Temperaturen ausgesetzt, die in anderen Jahren nur aus Spanien und Griechenland gemeldet wurden.

Glücklicherweise sind in diesen Tagen auch die Zahl der Infektionen sehr gering.So fair ist die Natur, dass die Kinder nicht noch im Bett die Außentemperaturen toppen müssen – 35 Grad sind genug. Die wenigen Infekte betreffen Durchfall und Herpangina. Insektenstiche sind auch ein Problem. Besonders wenn gekratzt wird und eine Hautinfektion hinzukommt. Also immer nach Insektenstich wenige Minuten kühlen. Noch besser sind Repellentien (wie Autan© family und andere), die das Risiko gestochen zu werden verringern.

Die Pollen dürsten weiter. Das ist günstig für alle Allergiker, die nur geringe Probleme im Südwesten zu befürchten haben. Gräserpollen fliegen in geringer Zahl. In der Nähe von frisch gemähten Feldern und bei einer rasanten Fahrt mit dem Motorrad können sie stark konzentriert vorkommen, ansonsten stellen sie kein echtes Problem dar. Der Beifuß steht noch ….. bei Fuß. Pollen gibt er noch nicht in die Lüfte ab.

Aber wie sollen wir mit der Hitze umgehen? Immerhin ist zu erwarten, dass sich  die Hitzewelle weitere fünf bis sechs Tage fortsetzt. Dazu im Folgenden ein paar Hinweise, die vermutlich allen bekannt sind:

  • Umstellung des Tagesablaufs. Trotz der Ferien ist es sinnvoll früh morgens aufzustehen und die Aufgaben des Tages in den kühleren Stunden zu erledigen. Dann sollte eine Siesta sein – etwa von 12 Uhr bis 17 Uhr – bevor man den Abend bei angenehmen Temperaturen genießen kann.
  • Morgens sollte die Wohnung kräftig gelüftet werden. Je nach Lage ist es sinnvoll, die Fenster gegen 11 Uhr zu schließen oder zu kippen. Ab da kommt nur noch heiße Luft in die Wohnung.
  • Mit der Sonne nehmen die Mengen an giftigen Gasen wie Ozon wieder zu. Diese beginnen ab 11 Uhr mehr zu werden bis in die frühen Abendstunden. In der Wohnung selbst bleibt die Konzentration niedriger, solange keine zu starke Belüftung von außen kommt. Ozon reizt die Atemwege („trockener Hals“, Reizhusten) und kann die Auslösung von Asthma begünstigen. 
  • Natürlich brauchen wir mehr Flüssigkeitszufuhr. Ausreichend Wasser sollte immer im Zentrum der Wohnung stehen, so dass die Kinder beherzt zugreifen können. Man muss sie nur daran erinnern, wenn sie Kopfschmerzen klagen oder zulange wild gespielt haben.
  • Sonnenschutz bleibt wichtig, wenngleich die Sonne nur noch so stark scheint wie im Mai: Mütze, Sonnencreme – in aller Regel mit LF 30.

Was geht in der Welt rum? Wirklich bedeutsam für Touristen außerhalb Europas ist das Dengue-Fieber. Im Moment sind die hotspots Laos, Cuba und Réunion im Indischen Ozean. Mückenschutz tagsüber ist bislang die effektiveste Möglichkeit sich zu schützen. Das Denguefieber kann für Schwangere und ältere Menschen ab 60 Jahren gefährlich sein, für alle anderen Menschen ist es eine ärgerliche fieberhafte, manchmal sehr heftige Krankheit, die in vielem einer Influenza ähnelt.

 

Giftpflanzen: Tollkirsche

Seit dem Altertum ist die Tollkirsche (Atropa belladonna) bekannt. Durch ihre berauschende Wirkung und die Erweiterung der Pupillen wurde sie im Mittelalter gerne als „Partydroge“ eingesetzt. Heute ist sie den meisten Menschen aus der homöopathischen Therapie als Belladonna bekannt.

Die Tollkirsche enthält Atropin und andere sog. Alkaloide, wie sie auch in anderen Pflanzen wie dem Stechapfel vorkommen. Atropin ist ein Anticholinergikum, das in der Medizin (Augentropfen, Anti-Parkinson-Mittel) Anwendung findet.

Symptome

Nach kurzzeitig langsamem Herzschlag kommt es typischerweise zu einem schnellen Herzschlag (Tachykardie). Die Pupillen sind geweitet (Mydriasis), die Stimme wird heiser, die Haut – gut sichtbar auf den Wangen – wird zart-rötlich, die Schleimhäute trocken. Gleichzeitig tritt motorische Unruhe mit Halluzinationen auf. Der Vergiftungsprozess beginnt langsam
und dauert über 8 bis 24 Stunden an.

Vergiftungen

Die Früchte der Tollkirsche sind dunkel und laden zunächst nicht zum Verzehr ein. Aber sie schmecken süß, was Kinder gerne dazu bringt mehrere zu probieren. Häufig werden die Früchte aber in großen Stücken verschluckt, so dass die Giftfreisetzung geringer ausfällt. Eine tödliche Gefahr besteht bei Kindern aber bereits ab 2 bis 5 Beeren. Weil Kinder heute viel weniger in der Natur unterwegs sind, kommen Vergiftungsunfälle durch die Tollkirsche jedoch deutlich seltener vor als früher.

Aktuell sind Atropin-Augentropfen bei weitem problematischer. In aller Regel werden diese beim Augenarzt verwendet, um durch die Erweiterung der Pupillen eine gute Beurteilung des Augenhintergrundes zu ermöglichen. Daneben findet Atropin aber auch Anwendung bei einigen Erkrankungen des Auges und sind dadurch in manchen Haushalten vorrätig. Dort können sie dann von Kindern gefunden und „getestet“ werden.

Therapie

Die Behandlung einer Vergiftung mit Tollkirsche oder Atropin (Augentropfen) sollte immer in einer Klinik erfolgen. Zum einen, weil die Vergiftung möglicherweise extrem gefährlich sein kann, zum anderen, weil die Medizin über ein wirksames Gegenmittel verfügt. Glücklicherweise kommt es hierdurch extrem selten zu Todesfällen.