Monat: September 2018

TIPP Kopfläuse – schonende Behandlung

Es gibt nur wenige Familien, die von Kopfläusen verschont bleiben. Das ist kein Wunder, befallen diese Tierchen in Deutschland doch 600 bis 1000 von 10.000 Kindern – kurzum jedes zehnte Kind, jedes Jahr. Das führt dann regelmäßig zu großer Unruhe und Sorge unter Eltern, Erziehern und Lehrern. Alle – und Ärzte sind davon nicht verschont – juckt es schon beim Gedanken, Kopfläuse könnten unsere Mitbewohner sein.

Ein Grund zu Beruhigung ist vielleicht, dass sich die Kopflaus (Pediculus capitis) nur auf dem behaarten menschlichen Kopf wohlfühlt und sonst nirgends. Es ist sogar so, dass sie auf die Nahrung der Kopfhaut dringend angewiesen ist, sonst versterben Kopfläuse innert 24 – 48 Stunden. Was sie auch nicht mögen ist Hitze: 55 Grad Celsius tötet sie ab. Leider tun diese Temperaturen aber auch unserem Kopf nicht gut, sonst wäre dies eine einfache Methode, Läuse zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang wurden bereits Trockenhauben als Therapiemethode getestet und erwiesen sich als nicht praktikabel.

Untersuchungen zeigen nun, dass das Auffinden von Nissen alleine kein Grund zur Besorgnis darstellen sollte. In einer australischen Studie an 1729 Schulkindern konnte gezeigt werden, dass von den 91 Kindern die Nissen an ihren Haaren aufwiesen nur 31% auch tatsächlich Läuse hatten. Im weiteren Verlauf zeigten sich bei den Kindern mit alleinigem Nissenbefall nach 2 Wochen wiederum nur in 18% Kopfläuse. Es ist schon lange bekannt, dass nur Nissen, die weniger als 1 cm von der Kopfhaut entfernt an einem Haar anhaften noch leben und somit für Nachwuchs von Läusen sorgen können; alle anderen Nissen sind nur leere Hülsen die anzeigen, dass einmal Läuse die Kopfhaut befallen hatten.

Unter diesen Bedingungen hat die amerikanische Gesellschaft für Kinderheilkunde (AAP) mit anderen Gesundheitsorganisationen der USA den Umgang mit Kopflausbefall überarbeitet. Barbara L. Frankowski hat die Grundlagen für diese Entscheidung in der angesehenen Zeitschrift Pediatrics im Jahre 2010 veröffentlicht. Darin wird die „keine – Nissen – Politik“ klar verlassen und zur Entfernung von Nissen nur deshalb geraten, um eine Verwirrung der Umgebung zu verhindern. Auch hat es sich nicht als sinnvoll erwiesen eine gesamte Klasse über den Kopflausbefall eines Mitschülers zu informieren. Diese Hinweise führten – wie aus unserer Erfahrung in Pfullendorf bekannt – zu großer Verunsicherung. Sie trugen aber nicht zur Vorbeugung bei anderen Kindern bei. Wichtig bleibt die korrekte und konsequente Therapie des Kopflausbefalls am Tag der Diagnose. Dann kann ein Kind auch am Folgetag wieder zur Schule / Kindergarten gehen.

Es gibt inzwischen einige Therapieansätze. Im klassischen Fall erfolgt die Behandlung in den letzten Jahren mit Dimeticon (Nyda© L, Jacutin© Pedicul Fluid, EtoPril©). Dimeticon führt zum Ersticken der Läuse und hat kaum unerwünschte Wirkungen. Früher – und in Deutschland noch gut wirksam – wurde Permethrin (InfectoPedicul©) und Pyrethrum (Goldgeist© forte) in der Regel angewandt. Letzteres wurde aus den Blüten der Chrysanthemen (Tanacetum cinerariifolium) gewonnen (siehe Titelbild aus Ruanda). Diese Arzneien können zu leichten Hautreizungen führen.

Mit etwas Zeitaufwand können Eltern ihre Kinder – und ggf. auch sich selbst – mit der Methode des feuchten Auskämmens behandeln, die wir im praxisblättle bereits vorgestellt haben.

Kopfläuse sind keine Krankheitsüberträger (wie zum Beispiel Zecken) und stellen somit kein Gesundheitsrisiko für die Umgebung dar. Man sollte alles daran setzen, dass Kinder nach adäquater Therapie schon am nächsten Tag wieder die Schule / den Kindergarten besuchen. Kinder der engsten Umgebung (Geschwister) werden meistens mitbehandelt. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist erfahren Sie von bei ihrem Kinder- und Jugendarzt.

Wer weitergehende Detailinformationen sucht, kann diese im Merkblatt des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg finden.

Giftpflanzen: Eibe

Die Eibe (Taxus baccata) gehört zu den sehr giftigen Pflanzen und war schon im Altertum als
„Todesbaum“ bekannt. Zwar haben die Nadeln eine höhere Giftigkeit durch das enthaltene Taxin. Aber die schönen Samen sind für Kinder natürlich lockender. Insofern treten Vergiftungen im Kindesalter fast ausschließlich durch die Samen („Beeren“) auf.

Symptome

Nach etwa einer Stunde treten Übelkeit, Schwindel und Bauchschmerzen auf. Danach kommt es zu Bewusstlosigkeit, Rotfärbung der Lippen und schnellem Herzschlag (Tachykardie). Im weiteren Verlauf und bei entsprechend hoher Dosis sinkt der Blutdruck ab und der Tod tritt ein.

Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich

Maßnahmen

Bei bis zu 3 zerkauten Beeren ist außer Flüssigkeitsgabe keine weitere Maßnahme erforderlich. Bei mehr als 3 Beeren – und bei unklarer eingenommener Menge – sollte auf jeden Fall die Giftzentrale kontaktiert werden. Unbedingt zu beachten ist, dass zwischen Einnahme der Beeren und den Symptomen etwa 1 Stunde vergeht! Da Kinder meist nach 1 Beere vom Verzehr ablassen und die Beeren meist nicht zerkauen, treten fast ausschließlich schwache Symptome auf – auch wenn die Pflanze prinzipiell tödlich sein kann.

Wegen der Giftigkeit der Pflanze muss im Zweifelsfall lieber „überreagiert“ werden, wenn die Einnahme bzw. die Zahl der eingenommenen Beeren/ Pflanzenanteile unsicher ist.

Was geht rum? 01. September 2018

Die Pollenflugzeit ist nun beendet. Manchmal können kurze Wärmephasen den Flug einzelner Gräserpollen nochmals anregen, was bis in den Oktober vorkommen kann. Das betrifft dann jedoch vielleicht 1% der Allergiker. Und die wissen schon lange, dass sie schwere Allergiker sind und sind entsprechend gerüstet. Pollen-Überraschungen sind also nicht mehr zu erwarten.

Bald werden aber die Infekte neue Akzente setzen. In der vergangenen Woche hielten sie sich aber weiterhin zurück: Einzelne Magen-Darm-Infektionen mit Durchfall sowie Erkrankungen an Hand-Fuß-Mundkrankheit. Daneben wurden auch wenige Infektionen mit Streptokokken gesehen sowie – als letzte Hinweise auf die Hitzewelle – Entzündungen des Gehörgangs (Otitis externa).

Was geht in der Welt rum? Im Süden des Kongo (DR Kongo) sind laut Angaben des Gesundheitsministeriums 70 Erkrankungen an Gelbfieber aufgetreten. Gegen diese Erkrankung gibt es eine hoch effektive Impfung, die nur einmal im Leben durchgeführt werden muss. Gelbfiebererkrankungen wurden zuletzt auch aus Französisch Guayana gemeldet. Leider wird diese Erkrankung oftmals mit „Gelbsucht“ verwechselt, worunter meist eine Hepatitis A – also eine infektiöse und in aller Regel langfristig harmlose Lebererkrankung verstanden wird. Gelbfieber ist jedoch eine extrem gefährliche Erkrankung, gegen die sich jeder impfen sollte, der in ein ausgewiesenes Risikogebiet begibt. Dazu zählen auch viele typische Feriendestinationen.