Migräne – eine neuer Trend für Kinder und Jugendliche?

Migräne. Krachend heftige Kopfschmerzen. Foto: pixabay, TheDigitalArtist

Kopfschmerzen kommen bei Kindern mit zunehmendem Alter häufiger vor. Sie können verschiedene Ursachen haben. Deswegen steht an erster Stelle eine Vorstellung beim Kinderarzt, der mit Erfragung der Symptome und einer körperlichen Untersuchung die Krankheitsbilder eingrenzen kann.

Es ist inzwischen  unstrittig, dass der Alltag heute durch Internet und Smartphone aktiver geworden ist. Für viele Kinder und Jugendliche ist es mit Stress verbunden, den Ansprüchen von Schule, Eltern, Freunden und weiterer Umgebung gerecht zu werden. Phasen von Langeweile gibt es kaum noch, sie müssen immer präsent sein. Angespannt. Spannungskopfschmerzen sind dadurch sehr häufig und ein Signal des Körpers, dass eine Überforderung – welcher Art auch immer – vorliegt. Diese Erfahrung machen weit mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Migräne ist aber etwas anderes. Die Migräne gehört zu den chronischen Schmerzerkrankungen mit deutlichem genetischen Einfluss. Das zeigen Zwillingsstudien ebenso, wie das Gespräch mit den betroffenen Familien. Welche Symptome treten bei der kindlichen Migräne auf?

  • Starke, oft pulsierende Kopfschmerzen, die rasch zunehmen und das Kind und den Jugendlichen so beeinträchtigen, dass Spiel oder Arbeit meist unterbrochen werden.
  • Einseitige Schmerzen sind typisch, beidseitige Schmerzen sind jedoch auch nicht selten.
  • Begleiterscheinungen wie Erbrechen und Übelkeit sind bei Kindern häufig.
  • Bei Jugendlichen tritt die Lärm- und Lichtempfindlichkeit wie bei Erwachsenen häufiger auf.
  • Manche Kinder erleben – ebenso wie Erwachsene – eine Aura. Diese Vorboten treten in aller Regel vor den Schmerz auf und zeigen sich als Flimmersehen oder auch plötzlicher Sehverlust (meist einseitig), aber auch als Gefühlsstörungen in den Armen oder phantastischen Bildern. 
  • Nach Abschirmung schlafen viele Kinder und Jugendliche ein und erwachen danach meist schmerzfrei.
  • Die Dauer der Attacken liegt bei ein bis drei Stunden, kann aber auch deutlich länger anhalten.

Je nach Häufigkeit – die sehr unterschiedlich ist – ist die Migräne nicht nur wegen der schrecklichen Schmerzen ein Problem. Sie kann auch das soziale Leben einschränken, wenn die Häufigkeit der Migräne zu zunehmenden Schulfehltagen führt.

Abbildung 1. Zunahme der Migräne auf der Grundlage der Daten der KIGG-Studie. Foto: Robert Schlacks, BVKJ Berlin, 2017

In der KIGG-Studie – die beispielsweise auch zu Fragen von Süßgetränken aktuelle Informationen für Deutschland präsentierte – wurde auch die Frage chronischer Schmerzen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der bekannte Trend zur Zunahme der Migräne weiter anhält. Wie Abbildung 1 verdeutlicht, zeigt sich im Zeitraum von nur 6 Jahren ein deutlicher Anstieg der Migräne über alle Altersgruppen, massiv vermehrt aber unter Jugendlichen. Der Autor der Graphik hat die sich ergebenden Fragen gleich formuliert: Schlafdauer? Medienkonsum? Sitzende Tätigkeiten?

Alle Kinder und Jugendlichen, die unter immer wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden, sollten ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen, um Klarheit über die Bedeutung der Schmerzen zu bekommen. Bis dahin gelten folgende Grundsätze:

  • Schmerzmittel sind in aller Regel keine Lösung und sollten nicht eingesetzt werden – also keine Selbstbehandlung 
  • Ein regelmäßiger Lebensrhythmus mit ausreichendem Schlaf ist günstig.
  • Die Nutzung von Medien (Internet, Spielekonsolen, Smartphone) sollte vom betroffenen Kind und Jugendlichen selbst beschränkt werden. Flimmernde Bilder und auch das Blaulicht strengen das Gehirn zusätzlich an. 
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