Monat: Januar 2019

Kurzsichtigkeit und Sonnenlicht

Kurzsichtigkeit (Myopie) wird in der Regel als schicksalhaft angesehen. Und in der Tat ist es so, dass die Erkrankung eine familiäre Häufung zeigt. Insbesondere stellt die Kurzsichtigkeit der Mutter einen Risikofaktor für das Kind dar.

Untersuchungen aus China und Dänemark weisen aber auf einen Umweltfaktor hin, den wir beeinflussen können: das Tageslicht. In der dänischen Untersuchung (Cui et al, 2013) wurde nachgewiesen, dass Kinder im Alter von 8-14 Jahren eine geringere Zunahme der Länge des Augapfels hatten, wenn sie sich im Durchschnitt 2782 Stunden im Tageslicht aufhielten gegenüber denen, die sich nur 1681 Stunden draußen aufhielten. Eine chinesische Untersuchung bei Kindern von 6-12 Jahren kam zum gleichen Ergebnis.

Aktivität draußen ist also nicht nur günstig zur Verhinderung des Übergewichts oder von Asthma sondern auch zur Vorbeugung von Kurzsichtigkeit. Schöner als drinnen vor Bildschirmen zu sitzen ist es allemal.

Ein Grund mehr unseren Kindern den Weg nach draußen schmackhafter zu machen. Das geht auch im Winter.

Tollwutimpfung? Vor jeder Reise eine wichtige Überlegung, gerade für Kinder

Tollwut ist in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgerottet. Aber ist das Problem damit aus der Welt? Mitnichten. In der Welt gibt es viel Tollwut mit erheblichen Folgen. Gerade für Kinder.

Was ist überhaupt Tollwut?

Früher sagten die Menschen, „ich kriege gleich eine Tollwut“ wenn sie sehr erregt waren. Aber die Tollwut (medizinisch: Rabies) ist eine virusbedingte Erkrankung. Weltweit kommt sie in mehr als 150 Ländern vor. Nach den neuesten Schätzungen sind im Jahr 2015 etwa 59.000 Menschen daran verstorben.

Tollwut wird in etwa 99% von erkrankten Hunden bei einem Biss auf den Menschen übertragen. Dabei löst sie eine schwere Hirnentzündung aus. Die Infektion ist für den infizierten Menschen nahezu sicher tödlich, sofern er keinen Impfschutz hat bzw. nach dem Biss keine sofortige aktive (+ ggf. auch passive) Impfung erhält (sog: Postexpositionsprophylaxe (PEP)) erhält. Die Impfung gegen Tollwut ist somit die einzige Maßnahme, die bei der Tollwut vor dem Tod schützt. Die Inkubationszeit bis zum Auftreten von Symptomen beträgt meist 2-3 Monate (!) und zeigt ein Spektrum von einer Woche bis zu einem Jahr.

Wer sollte sich impfen lassen?

Abbildung 1. Häufigkeit von Tollwut nach aktuellen Daten der Jahre 2010 – 2014. Foto: Datenblatt der WHO, 2016

Die Tollwut ist in manchen wenigen Ländern wie Deutschland ausgerottet und kommt einzig in der Antarktis nie vor. In Ländern Afrikas und Asiens – ganz besonders in Indien – ist sie häufig (siehe Abbildung 1). Reisende in diese Länder sollten sich bei einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt individuell beraten lassen, ob eine Impfung für sie wichtig ist. Von allen Menschen die sich durch einen Biss anstecken sind 40% unter 15 Jahre als. Kinder sind weltweit die häufigsten Opfer der Tollwut. Gerade bei Kindern, sollte damit eine Impfung eher großzügig erfolgen, wenn das Tollwut-Risiko für die Reise hoch ist. Dabei spielt das Reiseland weniger eine Rolle als die Art der Reise. Wandeln Sie auf Touristenpfaden (wie beispielsweise eine geführte Rundreise mit Besuch von Kulturdenkmälern) ist das Risiko deutlich niedriger, als beim Besuch von Hilfsprojekten auf dem Land oder in Armenvierteln.

Verhalten im Reiseland

Zuhause in Deutschland haben gerade Kinder ein unverkrampftes Verhältnis zu Tieren. So nähern sie sich auch Hunden sehr schnell und streicheln sie. Hunde in den Ländern Asiens oder Afrikas sind jedoch meist keine Haustiere sondern frei streunende Straßenhunde, die oft ein anderes Verhalten zeigen. Sie erleben freundliche Zuneigung eher selten. Eltern sollten mit ihren Kindern dies vorab besprechen.

Wenn ein Biss erfolgt, sollte die Wunde sofort mit Wasser und Seife gründlich für 15 Minuten ausgewaschen werden. Danach muss ein Arzt aufgesucht werden, um bei Ungeimpften die Impfung einzuleiten. In sehr exotischen Ländern kann es schwierig sein, einen Impfstoff zu bekommen. In diesem Fall empfiehlt es sich mit der Deutschen Botschaft des jeweiligen Landes Kontakt aufzunehmen oder mit einem Arzt in Deutschland, der ggf. mit Hilfe eines Tropeninstituts weiterhelfen kann. Es darf trotz der langen Inkubationszeit keine Zeit verschwendet werden.

In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Oftmals kommt es jedoch zu Lieferengpässen. Deswegen ist es für Reisende ratsam, sich frühzeitig um die Impfung zu kümmern. Bis zum erfolgreichen Abschluss der Impfung (meistens 3 Injektionen) werden 3-4 Wochen benötigt werden. Die Verträglichkeit der Impfung ist gut.

Was geht rum? 26. Januar 2018

Nein, für die Pollen ist es im südlichen Baden-Württemberg weiterhin klar zu kalt. In der Region um Heidelberg und Weinheim – also den Plätzen im Südwesten, an denen sich die ersten Blüten des Jahres zeigen –  ist aber bereits ein leichter Pollenflug festgestellt worden.

Ansonsten sind im trüb-kalten Wetter die Atemwegsinfekte wieder einmal die Sieger über manches Immunsystem. An erster Stelle liegen die Infektionen der oberen Atemwege mit Entzündung der Kehlkopfregion (Laryngitis). Die zeigt sich mit Halsschmerzen, einer gewissen Heiserkeit und einem meist trockenem Husten. Bei manchen Kindern geht diese Infektion – rein räumlich gesehen – etwas tiefer und äußert sich als Krupphusten. Wenn diese Beschwerden für das Kind unangenehm sind bzw. mit auch nur von einer fraglichen Atemnot begleitet sind, sollte ein Kinder- und Jugendarzt zur Einschätzung hinzugezogen werden. Weitere Hinweise finden Sie hier.

Ach ja. Magen-Darm-Infektionen gibt es auch. Sie treten jedoch spürbar seltener auf als die Atemwegsinfekte. Spezielle Häufungen von Erregern sind nicht auszumachen. Wer weitere praktische Hilfe sucht kann sich hier im praxisblättle informieren.

Abbildung 1. Anzahl der Rachenabstriche auf Influenza. Blaue Säule = Abstriche aus Baden-Württemberg. Rote Linie: Anteil der positiven Tests in Prozent Foto: AG Influenza

Wie bereits im praxisblättle erwähnt, nimmt die Influenza – also die echte Grippe – weiter an Fahrt auf. Das zeigt auch die Häufigkeit der untersuchten Rachenabstriche auf Influenza. In diesen – siehe die Abbildung rechts – stellt sich ein rasanter Anstieg der positiven Tests dar. Das bedeutet: Die Ärzte vermuten mehr Influenza (und machen mehr Abstriche) und sie haben auch Recht (im Abstrich lassen sich Influenza-Viren nachweisen). Hoffen wir mal, dass die bisher noch kleine Grippewelle bald in sich zusammenfällt.

Was geht in der Welt rum? Malaria ist ein Dauerproblem besonders im tropischen Afrika. Es gibt jedoch auch andere Orte, die von dieser Geisel betroffen sein können. So die Dominikanische Republik, von vielen Urlaubern als Sonnenparadies sehr geschätzt. Immerhin traten im letzten Jahr 438 Neuinfektionen an Malaria auf, viele davon im Bezirk Santo Domingo Oeste. Urlaubern ist zu empfehlen, sich über das aktuelle Risiko und eventuelle Schutzmaßnahmen von einem Arzt für Reisemedizin informieren zu lassen.

Schlank durch frühes Schlafen

„Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind“. Auch Kurt Tucholsky wusste um die günstige Wirkung des Schlafs. Dass auch Schlaf und Körpergewicht irgendwie zusammen hängen, steht für viele gefühlt fest. Seit das Schlaflabor zur Standarduntersuchung wurde, sind eine Reihe von Zusammenhängen klar geworden, die dieses Gefühl untermauern. Für die Gruppe der Kinder gibt es jedoch leider wenig Literatur.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD), durchgeführt vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), das Anfang der 1960er Jahre von der Schwester des amerikanischen Präsidenten John. F. Kennedy gegründet wurde, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Die SECCYD untersuchte ab 1991 den Einfluss der nicht-mütterlichen Versorgung auf die Entwicklung von 1364 Kinder und ihren Familien ab Geburt. Eine Forschergruppe um Sarah E. Anderson von der Ohio State University (Columbus) konnte inzwischen eine große Gruppe von ihnen (977 Probanden) nachuntersuchen. Für sie lagen Protokolle über Telefoninterviews vor, als diese Probanden durchschnittlich 4,7 Jahre alt waren. Zu dieser Zeit wurde das Schlafverhalten, Schlafrituale und viele weitere Umstände exakt festgehalten. Zusätzlich wurden in der Pubertät (etwa im Alter von 15 Jahren) die Körpermaße der inzwischen jugendlichen Probanden dokumentiert und diese mit dem Schlafverhalten 10 Jahre zuvor in Beziehung gesetzt.

Abbildung 1. Häufigkeit von Übergewicht („obesity“) in Prozent der Gruppe in Bezug auf die Zubett-Geh-Zeiten: links: vor 20:00 Uhr. Mitte: zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rechts: nach 21:00. Foto: Anderson et al, Pediatrics, 2016

In der Studie wurden die Zu-Bett-Geh-Zeiten mit der Häufigkeit von Adipositas (Übergewicht) in Beziehung gesetzt. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt bestanden hier große Unterschiede. In der Gruppe der Kleinkinder, die vor 20:00 Uhr zu Bett ging, lag die Häufigkeit für Übergewicht deutlich niedriger als bei den Kindern, die erst nach 21:00 Uhr zum schlafen gelegt wurden.

Diese Ergebnisse stammen aus einer gut durchgeführten Langzeitstudie. Umso mehr erstaunt, wie deutlich die Unterschiede in der Häufigkeit von Übergewicht in Bezug auf die Zu-Bett-Geh-Zeit waren. Die in der Abbildung dargestellten Unterschiede zwischen „sensiblen“ und „wenig sensiblen“ Müttern (helle bzw. dunkel-graue Säule) waren im Übrigen statistisch nicht sicher (nicht signifikant).

Was lernen wir daraus? Wenn Kleinkinder früher zu Bett gehen, scheint das ein wichtiger Faktor zu sein um künftigem Übergewicht vorzubeugen.

 

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.

Was geht rum? 19. Januar 2019

Abbildung 1. Pollenflugdaten der Haselpollen für Münsterlingen am Bodensee im Jahr 2018. Foto: Allergiezentrum Schweiz

Man mag es kaum glauben. Aber wie in jedem Jahr haben wir schon jetzt bei bestimmten Wetterlagen einen bedeutsamen Pollenflug. Der betrifft die Erlen- und Haselpollen. Im Moment fällt er eher noch gering aus. Das kann sich aber in den kommenden Wochen schnell ändern, wie die Pollenflugdaten für Münsterlingen (Schweiz) aus dem Jahre 2018 zeigen. Es macht also durchaus Sinn, wenn sich Allergiker für die kommenden Wochen darauf vorbereiten und bisher notwendige Notfallmedikamente vorrätig haben.

Sicherlich bedeutsamer bleiben für absehbare Zeit aber die Atemwegsinfektionen. Bisher sind die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg hier noch glimpflich davongekommen. Die leichten Atemwegsinfektionen mit Halsschmerzen und Schnupfen haben sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Über die letzten Tage kamen Infektionen mit akut hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und trockenem Husten dazu – vermutlich die Influenza („echte Grippe“). Genaue Daten über die Häufigkeit liegen naturgemäß noch nicht vor.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal zeigt sich das Dengue-Fieber in vielen tropischen Ländern als sehr aktiv. Waren es in Jamaika im gesamten letzten Jahr 708 Erkrankungen, zählen Malaysia bereits in den ersten 2 Wochen des Jahres 6.246 und Sri Lanka 45.701 erkrankte Personen. Andere Länder Asiens melden vergleichbare Häufigkeiten. Für Touristen ist ein effektiver Mückenschutz tagsüber und in den frühen Abendstunden wichtig. Also zu den Zeiten, in denen die übertragende Tigermücke aktiv ist. Dies ist am effektivsten mit DEET möglich. Eine Übersicht der verschiedenen Mittel findet sich im praxisblättle hier.

Die Masern in Madagaskar sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen liegt eine offizielle Meldung der WHO (Beitrag in englischer Sprache) vor, die sich auf die Informationen bis zum 7. Januar 2018 beziehen. Die Leser des praxisblättle sind ja schon seit längerem informiert. Nach den Zahlen der WHO kommt es zu einem Todesfall unter 501 Erkrankten. Diese Rate ist auch so hoch, weil die Mehrzahl der Kinder in Madagaskar von chronischer Unterernährung betroffen sind. Das ist ziemlich unbekannt weil es keine medienwirksamen Schreckensbilder bringt, ist aber so etwas wie eine Dauerkatastrophe. Und die hat viele Folgen. Eine davon ist, dass diese Kinder keine genügende Abwehr aufbringen um die Masern zu besiegen. In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei Masern um das dreifache niedriger. Das ist schlimm genug. Aber: Impfen hilft gut. Besonders, wenn über 90% der Bevölkerung sicher geimpft ist.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.

Was geht rum? 12. Januar 2019

Wie wäre es, man könnte sich Gesundheit aus dem Supermarkt besorgen, wie auf dem Bild oben zu sehen. In den USA wird sowas gelegentlich suggeriert. Aber zumindest Verbraucher in Europa hätten da meist berechtigte Zweifel.

Sie sehen, dass auch in diesem Januar immer mehr Menschen sich eine Infektion „holen“ und über viele Tage mit Schnupfen und Husten geplagt sind. Abschwellende Nasensprays verschaffen in der Nacht Linderung, tagsüber – bei den größeren Kindern – helfen Bonbons und Honig gegen den Reizhusten. Frische Luft ist wunderbar und manchmal ist es besser etwas Kälte zu ertragen und dadurch eine feuchtere Luft zum Atmen zu haben. Im kuschelig warmen Bett können Eltern ihre Kinder ja einfach fragen, was die Kinder als angenehm empfinden. Oft ist eine Temperatur um die 16 Grad Celsius ein guter Kompromiss.

Gegenüber der Vorwoche hat sich nichts wesentliches geändert. Infektionen der Atemwege sind vorherrschend. Neben den oben beschriebenen einfachen Racheninfekten gibt es auch Bronchitis. Aber weiterhin keine Grippe.

Kinderkrankheiten spielen momentan keine große Rolle für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg. Auch Keuchhusten kommt eher weniger vor. Die gemeldeten Erkrankungen lagen im abgelaufenen Jahr um fast 20% niedriger als im Jahr davor. Das würde auch dazu passen, dass die RSVInfektionen im Gegenzug wohl zunehmen.

Was geht in der Welt rum? Seit einigen Jahren ist es recht ruhig geworden um das Chikungunya-Fieber. Zuletzt war im Jahre 2014 ein Ausbruch in der Karibik (Martinique, Guadeloupe) beobachtet worden, nachdem diese Erkrankung Jahre zuvor auf wenige Orte in der Welt beschränkt war. Aktuell gibt es weltweit Erkrankungen. Einzelne in Mexiko und Honduras, besonders viele aber in Brasilien mit 82382 Infizierten im Jahre 2018. Aus Thailand werden seit November mehr als 2000 Erkrankungen gemeldet, Afrika ist bis auf den Sudan im Moment nicht betroffen. Beim Chikungunya-Fieber handelt es sich um eine Viruserkrankung, die meist mit Fieber verläuft und zu stärksten Gelenkschmerzen führt. Für Deutschland liegen bisher nur die Meldungen von 2017 vor: 33 Erkrankungen. Alle eingeschleppt, denn die Überträger finden sich nur in sub-tropischen Regionen. Eine Impfung gibt es nicht, Mückenschutz steht im Vordergrund.

Jugendschutz – Was geht und was geht nicht?

Jugendliche drängen auf ihre Freiheit. Im Ablösungsprozess von ihren Eltern ist das richtig und wichtig. „Ich bin dann mal weg …..“ hören Eltern so nebenbei und müssen dann die Fragen stellen. Wohin will die/der Jugendliche? Wann kommt sie/er zurück? Mit wem zusammen  ziehen die Jugendlichen los?

Und schnell stehen Eltern unter Druck, weil sie nicht wissen was gesetzlich erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz bezieht sich immer nur auf den sog. öffentlichen Raum. Der private Bereich zuhause ist im Jugendschutzgesetz außen vor – der Staat greift hier nicht vorbeugend ein. Wichtige Eckdaten sollten Eltern bekannt sein, damit sie in diesen unerwarteten Situationen bewusst und informiert handeln können.

Umgang mit Alkohol und Energydrinks

Unter 16 Jahren, dürfen Jugendliche weder im Laden noch bei Festen in der Öffentlichkeit Alkohol jeglicher Art erhalten. Nach dem 16. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag dürfen sie leichtere alkoholische Getränke (Bier, Wein. Sekt) sowohl kaufen als auch trinken. Hochprozentige alkoholische Getränke sind erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt. Energydrinks sind in allen Altersgruppen erlaubt.

Tabakprodukte

Die Abgabe und der Konsum von Tabakwaren sind gemäß Jugendschutzgesetz grundsätzlich unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Aufenthalt in Clubs

Bis zum 16. Geburtstag dürfen Jugendliche nicht alleine auf öffentliche Tanzveranstaltungen gehen. In Begleitung von Eltern bzw. Vormund oder einer anderen erziehungsbeauftragten Person ist dies aber unbegrenzt erlaubt. Eine solche Begleitperson muss 18 Jahre alt sein und kann im Einzelfall von den Eltern vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut werden. Eltern können also eine/n erwachsenen Freund/in beauftragen, ihr jugendliches Kind zu beaufsichtigen. Sinnvoll ist es, diese/n mit dem „Muttizettel“ (siehe Muttizettel-Vorlage) auszustatten.

Insgesamt greift der Staat also behutsam in die Rechte der Eltern ein. Zuhause gibt es fast keine spezifischen Regelungen, die  das Elternrecht begrenzen. Wenn jedoch Dinge geduldet werden, die das geistige und seelische Wohl des Kindes beeinträchtigen, kann der Staat auch hier eingreifen. Das gilt auch für die Nutzung problematischer Internetangebote und Computerspiele.