Monat: Mai 2019

Grill und heißer Kaffee: Verbrennungen im Kindesalter

Daran denken ist alles. Mit etwas Wissen und einigen Überlegungen kann man Kinder vor Verbrühungen und Verbrennungen ziemlich gut schützen. Die erste Überlegung: die schlimmen und schmerzhaften Verbrennungen betreffen vornehmlich Kinder im Entdeckungsalter. Entdecker müssen Risiken eingehen. Und wir Eltern sollten das nie vergessen.

Feuer ist auch im digitalen Zeitalter für Kinder faszinierend. Das sollten alle Grill-Chefs wissen, wenn sie in den kommenden Tagen aktiv werden. Und: Vom Feuer gehen Temperaturen von über 1000 Grad Celsius aus.

Weniger heiß ist das siedende Öl in einer Friteuse. Mit seinen etwa 200 Grad legt es sich aber auf die Haut und kann deutlich länger einwirken. Denn hier ist mit dem Wegziehen des betroffenen Körperteils nur ein Teil des Problems erledigt. Das heiße Fett auf der Haut wirkt nach.

Ähnlich geht es mit kochendem Wasser. Das hat zwar „nur“ etwa 100 Grad Celsius an Temperatur, aber es kommt an vielen Stellen im Haushalt vor und kann in alle Ritzen fließen.

Sofortmaßnahmen?

Diese sind ähnlich wie bei anderen Notfällen auch. Wenn es sich um eine große oder sehr schwere Verbrühung/ Verbrennung (z.B. Gesicht, Hände, Genitale) bei Kindern handelt, sollte immer ein Krankenwagen meist mit Notarzt (besonders bei Säuglingen) gerufen werden. Ruhe bewahren:

  1. Löschen (einer Brandstelle bzw. Ausschalten des Unfallverursachers)
  2. Kühlen 
  3. Notruf – 112 (Rettungsdienst, Notarzt)

Maßnahmen zu Kühlung

Hier ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Verbrennung oder Verbrühung handelt

Verbrühung

  • sofortige Kühlung der verbrühten Hautbezirke mit handwarmem (nicht eiskaltem!) Wasser für 10 – 15 Minuten.
  • Während der Kühlung Entfernung der Kleidung (ggf. Schuhe), sofern sich die Stoffe gut entfernen lassen. Ansonsten mit handwarmem Wasser weiter kühlen.
  • offene Wunden dann mit einem sauberen, feuchten Tuch bedecken bis der Notarzt eintrifft.
  • Säuglinge: bei großflächigen Verbrühungen (> 15%) nicht kühlen! Und den Notarzt rufen!

Verbrennung

  • Verbrennungsquelle ausschalten (z.B. Grill).
  • brennenden Patienten mit Decken auf dem Boden wälzen, bis die Flammen erstickt sind.

Was kann eine Familie vorbeugend machen?

Allgemeine Maßnahmen

  • Feuerlöscher für die eigene Wohnung anschaffen.
  • frühe Aufklärung der Kinder über Risiken.
  • Diskrete Kontrolle, ob Kinder die Gefahr im Alltag erkennen: Herd, Schwedenofen, Bügeleisen.

Spezielle Maßnahmen

  • keine Tischdecken – ein Kind könnte daran ziehen, und sich dabei mit Heißgetränken gefährden.
  • heißer Tee oder Kaffee nur in geschlossenen (!) Thermoskannen (dadurch bleibt er nebenbei auch heiß).
  • keine herunterhängenden Kabel bei Wasserkochern (in der Küche Steckdosen auf Arbeitshöhe benutzen bzw. anbringen lassen).
  • Bügeleisen nie unbeaufsichtigt auf Bügelbrett stehen lassen: massive Verbrennungsgefahr Ä(glatte Fläche ist einladend) und Verletzungsgefahr (großes Gewicht von oben). Herunterhängendes Kabel! 
  • Der Herd ist mit einem Gitter gesichert
  • Gekocht wird – wenn möglich – nur an den hinteren Flammen/ Herdplatten. Dabei sind die Pfannengriffe zur Seite gerichtet.
  • Heißes Fett wird durch Abdecken auf einer nicht heißen Herdplatte langsam abgekühlt – nie unter Wasser: massive Verbrühungsgefahr für Eltern und Kinder.
  • Kind darf sich nur in Begleitung Erwachsener am Gartengrill aufhalten.
  • Streichhölzer und Feuerzeug sollten für Kinder nicht erreichbar sein.
  • Was in der Mikrowelle aufgewärmt ist hat oft eine unregelmäßige Verteilung der Temperatur. Alles – vom Milchfläschle bis zum aufgewärmten Brei – muss so lange umgerührt werden, bis keine überhitzten Bezirke mehr im Essen sind.

Kinder sollten so früh wie möglich über Gefahren im Haushalt aufgeklärt werden. Das beginnt beim Feuer. Streichhölzer oder Feuerzeug sollten unerreichbar sein. Wie wir aber von den Affen wissen, so kommen auch Kinder auf pfiffige Ideen, die Schwellen zu überwinden. Wichtiger bleibt also immer das Vorbild der Eltern, besonders bei so beeindruckenden Feuerspektakeln wie an Sylvester oder am Grill. Erwachsene müssen sich dessen bewusst sein, dass ihr eigener Alkoholpegel bei Festen gerne zu besonders großzügigem Verhalten führt, was von Kindern falsch gedeutet werden kann.

Thermische Solaranlagen führen in Sommermonaten gerne dazu, dass innerhalb weniger Stunden das Warmwasser des Hauses plötzlich deutlich heißer ist als sonst. Dabei sind Temperaturen über 90° Celsius möglich. Aus diesem Grund sollten Mischbatterien nach Gebrauch immer in die Kalt-Position zurückgedreht werden.

Tomaten-Ketchup

Was ist das Lieblingsessen von Kindern? Das habe ich Kinder bei Vorsorgeuntersuchungen recht oft gefragt. In den meisten Fällen war es „Pommes ….. mit Ketchup“, wie sie leicht verzögert ergänzten. Dann war ich draußen. Bei Ketchup endet für mich der Genuss.

Für Sie als Eltern will ich aber die wesentlichen Ergebnisse der Stiftung Warentest zur Leibspeise der Kinder kurz aufführen (Test aus dem Mai 2019). Dort erreichen immerhin neun Produkte die Note 2.0, in den meisten Fällen ist der Kauf eines guten Produkts also gar nicht schwierig.

Name Note Preis pro 100 ml Anmerkung
Alnatura Tomaten Ketchup 1,6 0,36 € bestes Testergebnis, Bio
Bio Zentrale Biokids TK 2,0 0,60 € Bio
Denn’s Biomarkt Dennree 2,0 0,54 € Bio
Lidl Kania Tomaten Ketchup 2,0 0,16 €
Rapunzel Tomaten Ketchup 2,0 0,62 € beste chemische Qualität; Bio
Rewe Ja Tomaten Ketchup 2,0 0,16 €
Werder Feinkost Tomaten K 2,0 0,29 €
Werder Feinkost Tomaten K 2,0 0,34 €
Werder FK TK ohne Zuckerz. 2,0 0,31 €

 

 

Was geht rum? 25. Mai 2019

Frühling. Alle Menschen drängen nach draußen. E-Scooter sind in den Metropolen auch dabei. Was meinen Sie als Eltern? Sollen sie auf den Gehsteigen fahren dürfen? Oder muss man die zarten und leisen Gefährte neben den Autos fahren lassen? Werden Kinder gefährdet? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Mit dem wärmeren Wetter drängt es auch Kinder und Jugendliche nach draußen. Roller oder Fahrrad fahren, schaukeln, auf dem Fußballplatz bolzen. Jede körperliche Aktivität tut der Seele gut, kann aber auch ein Risiko darstellen. Also Helm auf beim Fahrradfahren, Vorsicht vor Verbrennungen am heimischen Grill. Und in vollen Zügen genießen.

Der Eichenprozessionsspinner macht wieder von sich reden. In Bretten mussten kürzlich zwei Schulen geschlossen werden, nachdem bei Schülern typische Symptome an Haut und Atemwegen aufgetreten waren. In der Nähe wurde der Befall eines Baumes mit den Raupen dieses Schmetterlings gefunden. Hier finden Sie im praxisblättle hierzu einen Beitrag aus dem letzten Jahr.

Die Gräserpollen haben für die kommenden Wochen Hochzeit. Allergiker können sich recht gut helfen, wenn sie folgende Maßnahmen – zumindest so gut es geht – umsetzen:

  • abendliches Duschen, um die Pollen von der Haut abzuwaschen. Das verhindert nebenbei auch durch Pollen ausgelöste Hautausschläge
  • Bei starkem Pollenflug sollte das Fenster im Schlafzimmer nur von 21:00 bis am Morgen um 05:00 Uhr geöffnet sein. Schon dann beginnt ein bedeutsamer Pollenflug
  • Gräserallergiker mähen nicht den Rasen. Das müssen andere Familienmitglieder übernehmen
  • Mit offenem Verdeck oder auf dem Motorrad zu fahren macht echt Spaß. Ein Allergiker muss überlegen, ob der nachfolgende Stress dafür eingegangen werden sollte. Oder ob eventuell sogar ein schweres Asthma ausgelöst werden kann. Eltern sollten diese Entscheidung für Ihre Kinder abwägen.

Ja, auch im Frühling gibt es noch Infekte. Da sind einmal die MagenDarmErkrankungen, die  noch immer recht oft vorkommen. Daneben spielen die Zecken eine größere Rolle. Immerhin sind in der vergangenen Woche 7 FSME-Erkrankungen im Ländle neu aufgetreten. Das HantaVirus ist mit 30 Neuerkrankungen Erschreckend bedeutsam. In der Summe aber spielen Infekte aber kaum eine Rolle. Gut so!

Was geht in der Welt rum? Auf den Malediven ist das ChikungunyaFieber ausgebrochen. Über 800 Personen sind in diesem Jahr bereits erkrankt. Das Chikungunya-Virus führt meist zu einer grippeähnlichen fieberhaften Erkrankung, die sich durch extreme Gelenkschmerzen zeigt. Diese können über längere Zeit anhalten. Eine Impfung gibt es nicht, konsequenter Mückenschutz – tagsüber- ist die wichtigste Maßnahme.

HPV Impf-Faktenblatt des RKI – Informationen nicht nur zum Gebärmutterhalskrebs

Impfmüdigkeit ist ein Thema, das seit Monaten die Gemüter bewegt. Dabei werden manchmal Gräben – Impfpflicht oder lieber doch nicht – aufgeworfen, die so nicht unbedingt hilfreich sind. Meine Erfahrung war immer, dass echte Impfgegner sehr selten sind. Viel häufiger bin ich Eltern begegnet, die einfach viele Fragen hatten und durch Informationen im Internet häufig mehr verwirrt wurden, als dass sie Hilfe gefunden hätten.

Es fällt auf, dass im Internet nahezu alle Graphiken zum Thema Impfen von Impf-Skeptikern erstellt wurden. Diese sind meist durch Verzerrung der Skalen so aufbereitet, dass sie dem Ziel der Verwirrung dienlich sind. So ist es bis heute fast nicht möglich, gut fundierte Zahlen interessierten Menschen zu zeigen. Bisher bleib also immer die Frage, warum gute Wissenschaftler ihre Informationen nicht so aufarbeiten, dass sie auch ein Laie schnell und bildlich angenehm verstehen kann? Wäre das nicht eine Aufgabe, die gut besetzte staatliche Behörden übernehmen könnten?

Da ist es eine erfreuliche Überraschung, dass sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin der Aufgabe gestellt hat, ein knappes, aber informatives Faktenblatt zu einer Impfung zu erstellen. Das erste! Das Faktenblatt-HPV informiert schnörkellos und wissenschaftlich gut begründet über die Infektionen mit HPV, ihre Folgen (wie Gebärmutterhalskrebs und Analkarzinome) und die Impfung gegen die Erkrankung.

Ein guter Anfang!

Infekt- und Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe sind für Eltern und die betroffenen Kinder ein großer Schrecken. Und dennoch sind sie in den allermeisten Fällen nicht so schlimm wie sie im ersten Moment erscheinen.

Heute sprechen Mediziner meist vom Infektkrampf, weil dieser im Zusammenhang mit einem Infekt auftritt. Fieber muss nicht zwingend dabei sein, kann aber. Der Begriff Fieberkrampf alleine, schließt also die anderen Infektkrämpfe aus, die ohne Fieber auftreten.

Von Infektkrämpfen betroffen sind Kinder im Alter 6 Monaten bis 5 Jahren. In dieser Altersgruppe ist das kein seltenes Ereignis: 2 – 5% der Kinder erleiden einmal einen Infektkrampf, also nahezu jedes 20. Kind. Der Auslöser für den Krampf ist unbekannt. Gut bekannt ist hingegen, das dieser Krampfanfall häufig das erste Zeichen einer Infektionskrankheit ist. Nachdem Kinder zunächst etwas quengelig sein mögen und etwas lustloser, kommt – noch bevor Eltern das richtig bemerken können – mit dem ersten Anstieg des Fiebers gleich der Krampfanfall:

  • in der Regel symmetrische Zuckungen von Armen und Beinen
  • Verdrehen der Augen
  • die Kinder sind nicht ansprechbar
  • die Dauer des Krampfes liegt (ohne Maßnahmen) häufig bei 2 bis 3 Minuten

Abbildung 1. Nach der Impfung sinusförmiger Verlauf des Risikos für Infektkrämpfe.

Gehäuft treten Infektkrämpfe beim Dreitagefieber (Exanthema subitum auf). Auch nach Impfungen kann das Risiko kurzzeitig erhöht sein, um danach – wie in der nebenstehenden Abbildung gezeigt – ebenso kurzzeitig erniedrigt zu sein.

In seltenen Fällen können auch komplizierte Infektkrämpfe auftreten, die einer weitergehenden Untersuchung bedürfen. Folgende Faktoren können ein erhöhtes Risiko darstellen und führen zur Diagnose „komplizierter Infektkrampf“:

  • Dauer des Krampfes > 20 Minuten
  • wiederholte Krampfanfälle beim gleichen Infekt
  • einseitiges Krampfmuster („fokaler Krampf“)

Im Gegensatz zur Epilepsie, treten die Infektkrämpfe nur im Zusammenhang mit einer Infektion auf. Die Epilepsie hingegen zeigt in aller Regel Anfälle, die unabhängig davon stattfinden. Das spätere Epilepsierisiko für Kinder mit Infektkrämpfen liegt bei 2 – 4%. Auch wenn beide Krankheitsbilder Krämpfe machen, spricht man beim Infektkrampf nicht von einer Epilepsie.

Therapie

Im Zusammenhang mit einem Fieberkrampf äußern Eltern immer wieder die Sorge, dass sie doch lieber „ein Fieberzäpfchen vorher gegeben hätten“. Auch manche Ärzte empfehlen dies den Eltern. Dieses Vorgehen erzeugt bei den Eltern oft große Schuldgefühle, weil sie den ersten Fieberanstieg immer verpassen (müssen). Dieser Moment kann nicht von außen präzise erfasst werden. Studien belegen im Übrigen, dass Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen den Krampf nicht verhindern würden.

Viel wichtiger sind die Sofortmaßnahmen, die beim Auftreten eines Krampfes ergriffen werden sollten:

  1. Sturzrisiko: beim Anfall das Kind umgehend auf den abgepolsterten Boden legen
  2. Kind in Seitenlage bringen, um bei möglichem Erbrechen eine Erstickungsgefahr zu vermeiden (Aspirationsrisiko)
  3. wenn möglich: Dauer des Anfalls messen (auf die Uhr schauen). Subjektiv sind 2 Minuten Krampfdauer beim eigenen Kind sehr lang
  4. wenn möglich: kurzes Video in Bezug auf das Krampfmuster (z.B. durch eine weitere anwesende Person)
  5. danach Kinder- und Jugendarzt (tagsüber) oder Notdienst (nachts) informieren

Während des Krampfes ist es sinnvoll, dass die Eltern bei ihrem Kind sind und es beobachten. So gut wie immer kommt der Anfall nach wenigen Minuten spontan zu einem Ende. Danach sollte der Kinder- und Jugendarzt/in (tagsüber) aufgesucht werden. Er/sie kennt das Kind am besten und kann und kann am besten einschätzen, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. In aller Regel ist das nicht der Fall.

Tritt ein Krampfanfall bei einem Säugling (besonders wenn er jünger als 6 Monate ist) während Fieber auf, muss diese Untersuchung umgehend erfolgen. In diesem Alter kann ein Krampfanfall auch das erste Zeichen einer Hirnhautentzündung sein.

Was geht rum? 18. Mai 2019

Verkehrssicherheit ist wieder ein Thema seit vermehrt E-Scooter und E-Bikes auf die Straßen und die Bürgersteige in Deutschland drängen. Die Frage, wer nun auf dem Bürgersteig fahren darf ohne die Fußgänger – und hier ganz besonders die Kinder – zu gefährden wird nun in aller Breite diskutiert. Gut so.

Abbildung 1. Verkehrstote auf den Straßen der USA. Seit 2010 ist das Risiko für Fußgänger sprunghaft gestiegen. Foto: Economist

Erschreckend ist eine Statistik, die der Economist in dieser Woche veröffentlichte. Diese befasst sich mit den getöteten Fußgängern im Straßenverkehr. Bezogen auf die gefahrenen Meilen amerikanischer Autos ist demnach das Risiko für Fußgänger im Verkehr getötet zu werden seit dem Jahr 2009 klar angestiegen. Dem Economist liegen Zahlen des Start-up-Unternehmens Zendrive vor, das die Nutzung des Smartphones im Auto im vergangenen Jahr nachvollziehen konnte. Demzufolge soll das Handy bei 60% aller Fahrten verbotenerweise zum Einsatz kommen. Das würde auch die Graphik erklären. Denn das erste iphone kam in den USA im Jahr 2007 heraus. Danach folgte ein Siegeszug der Smartphones. Heute gibt es in den USA fast so viele Smartphones (260 Millionen) wie Einwohner. Es sind vermutlich nicht nur die elektrisch betriebenen Roller und Räder die unsere Kinder bedrohen. Wir selber als Autofahrer sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko, besonders, wenn wir so nebenbei das Handy nutzen sollten.

Eine ständige Belästigung – und ganz selten auch eine echte Gefahr – stellen Infektionen für Kinder dar. Im Moment sind das besonders die Enterokokken, wie letzte Woche auch: Hand-Fuß-Mund-Krankheit und Herpangina sind die wichtigsten Vertreter. Einer Ansteckung haben Kinder unter 10 Jahren wenig entgegenzusetzen, da sie diesen Erkrankungen noch nicht so oft begegnet sind. Eine Impfung gibt es nicht, eine direkt wirksame Therapie auch nicht. Es lohnt auch nicht, Kinder „davor zu schützen“, indem man sie nicht in die Kindertagesstätte oder zu Freunden gehen lässt. Ihr Körper soll durchaus lernen, mit diesen Enteroviren umzugehen. Das geht leider nur, wenn man die Krankheit – hoffentlich in schwacher Form – durchmacht.

Eine weitere Erkrankung mit Ausschlag macht noch die Runde: die Ringelröteln. Dies ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die jedoch von den meisten Kindern ohne spürbare Probleme durchgemacht wird – bis auf den Ausschlag.

Abbildung 2. Krankheitshäufigkeit (Inzidenz) des Hantavirus in Bezug auf die gemeldeten Fälle der Landkreise mit Stand 6. Mai 2019. Foto: LGA Baden-Württemberg

Von den Hantaviren werden fürs Ländle enorm hohe Zahlen gemeldet: Allein 30 Neuerkrankungen in der letzten Woche gegenüber 11 Erkrankungen in den ersten 19 Wochen des letzten Jahres. Betroffen sind inbesondere die Landkreise auf der Schwäbischen Alb. Hier im praxisblättle finden Sie weitere Informationen, wie man das Risiko für eine Ansteckung mit dem Hantavirus deutlich verringern kann. Für Kinder durchaus wichtig!

Die Saison der Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus geht in diesem Jahr recht lange. Nachdem in der letzten Woche 121 neue Erkrankungen gemeldet wurden, liegen die Erkrankungszahlen im Vergleich zum letzten Jahr fast beim doppelten.

Abbildung 3. Gräserpollenflug der Region Münsterlingen. Foto: pollenundallergie.ch

Ach so die Pollen! Für sie läuft’s zum Glück aller Allergiker nicht so gut. Nun wird es zwar etwas wärmer. Die Meteorologen sagen aber auch öfter Regen voraus, so dass die Belastung mit Gräserpollen weiterhin eher gering bleiben dürfte.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber setzt seinen Siegeszug weiter fort. Davon betroffen sind auch verschiedene Touristendestinationen. Allen voran Brasilien (mit  282.414 Neu-Infektionen alleine in diesem Jahr), die Dominikanische Republik (1.400 Erkrankungen in 2019), Französisch Polynesien (39 Erkrankungen), die Malediven (1.900 Erkrankungen), die Philippinen (59.140 Erkrankungen), Tansania (1.122 Erkrankungen) und Réunion mit 9.200 Infektionen in diesem Jahr. Einzige effektive Schutzmaßnahme ist der Mückenschutz. Für Einzelheiten schauen Sie gerne nochmals hier im praxisblättle nach.

Mama, mir ist schlecht – Reisekrankheit

In meiner Kindheit war das noch der Normalzustand: Einsteigen ins Auto, Fahrt über die vor 50
Jahren recht kurvigen und holprigen Straßen. Und nach wenigen Kilometern musste angehalten werden. Wir Kinder erleichterten uns am Straßenrand. Auf der weiteren Fahrt wiederholte sich das alle 30 bis 40 Kilometer.

Heute hat man dafür einen Namen, Reisekrankheit, medizinisch auch Kinetose genannt.
Die kommt heute jedoch selten vor. Kinder wachsen mit dem Auto auf. Vielen dient es fast schon als Schlafmittel. Und so verwundert es kaum, dass sie damit gut zurecht kommen.

Gibt es hilfreiche Medikamente?

Die Schwierigkeit bei der Reisekrankheit ist, dass hier viele verschiedene Reize im Gehirn ungünstig verschaltet werden. Dementsprechend wären auch unterschiedliche Arzneien notwendig, um gezielt und sicher zu helfen. Momentan kommen zwei davon häufiger zur Anwendung:

Scopolamin. Das ist als Anticholinergikum ein Gift, das aus Nachtschattengewächsen gewonnen wird. In niedriger Dosierung führt es zu leichter Hemmung des Brechzentrums und zur Beruhigung. Es kommt als transdermales Pflaster (TTS-S) zur Anwendung. Das Pflaster muss 6-8 Stunden vor drohender Reisekrankheit eingesetzt werden und wirkt dann nahezu 3 Tage lang. Wegen des hohen Risikos für Halluzinationen sind die Pflaster für Kinder überhaupt nicht (laut Herstellerangaben unter 10 Jahren nicht zugelassen) und für Jugendliche sinnvollerweise erst ab 16 Jahren geeignet.

Als zweite Arznei zeigt Dimenhydrinat (Vomex A©, Vomacur©) eine gewisse Wirkung, die aber auch bei unter 50% liegt. Wie bereits im praxisblättle beschrieben, ist der Einsatz dieser Substanz für Kinder und Jugendliche eher ungünstig.

Was tun, wenn Kinder doch unter der Reisekrankheit leiden und es ihnen oft übel wird?

Während der Autofahrt zu lesen oder in ein Tablet zu schauen ist ungünstig. Besser ist es, die Aufmerksamkeit des Kindes auf Dinge in weiterer Entfernung zu lenken. Dazu bieten sich Spiele an, damit Kinder angeregt werden dies zu tun. Zum Beispiel: „Wie viele Autos auf unserer Straße sind rot?“. Oder später das klassische Spiel mit den Tee-Kesselchen für die Älteren. Dabei gilt es Worte mit Doppelbedeutungen zu finden: „Maus“ – die Maus als Tier oder die Computermaus. Meist beschreibt ein Spieler was er sieht, etwa „Auf meinem Tee-Kesselchen wachsen Pflanzen“ = „Erde“. In diesem Fall die Erde vom Acker, aber Erde steht auch für
die Erdkugel.

Kinder müssen aus Sicherheitsgründen auf der Rückbank sitzen. Diejenigen, denen es gerne beim Fahren übel wird, sollten in die Mitte platziert werden. Dann können sie ihren Blick problemlos in die Ferne richten. Zum Seitenfenster hinauszuschauen ist ungünstig. Und: frische Luft ist immer gut.

Fazit. Weil die Reisekrankheit durch komplexe unterschiedliche Prozesse entsteht, gibt es bis heute keine einfache Therapie. Eine solche ist in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten. Die verfügbaren Medikamente sind eher schwach wirksam und weisen für Kinder (und Jugendliche) ein sehr ungünstiges Spektrum an unerwünschten Wirkungen (wie Halluzinationen) auf. Deswegen stehen weiterhin die Verhaltensmaßnahmen ganz im Vordergrund.

Insektenstiche und Allergie

In den kommenden Wochen wird das Problem der Mückenstiche zunehmen. Wir beobachten in den letzten Jahren zwar einen deutlichen Rückgang an Insekten, dennoch können zum Beispiel Stechmücken an lauen Abenden draußen sehr lästig sein.

Abbildung 1: Quaddel. Foto: ptw

Dabei ist es häufig nicht der Stich an sich der so lästig ist, sondern meist die allergische Spätreaktion, die ihm folgt. Diese Reaktion tritt frühestens 8 Stunden später auf und zeigt sich mit einer deutlichen Schwellung/ Quaddel (meist > 30 mm) und Juckreiz. Gerade bei kleineren Kindern, die mit dem Juckreiz schlecht zurechtkommen, treten bald Kratzspuren und manchmal auch Entzündungsreaktionen in der Folge auf.

Wie kann man sich vor Insektenstichen schützen?

Eine alte Frage. Einen perfekten Schutz gibt es nicht. Sofern technisch und finanziell möglich, sind Schnakengitter in der Wohnung sehr wirksam. Ansonsten ist die Anwendung von Repellents sinnvoll. Das beste hierbei ist DEET (z.B. Anti-Brumm®, zu 75 ml etwa 8 Euro). Dieser Stoff wirkt sicher über 4 Stunden, ist leicht klebrig auf der Haut und wird deutlich besser vertragen als bislang angenommen. Vorsicht nur im Gesicht und an Händen, weil er zu Reizungen der Bindehäute führen kann und Kinder mit den Händen gerne mal ins Gesicht fassen. Mit der Anwendung kann man bei Kindern ab 3 Jahren beginnen. Nicht ganz so gut wirksam, aber gerade für kleine Kinder besser verträglich ist Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray – z.Zt. bei Discountern momentan im Angebot für 3,99 € pro 100 ml). Für genauere Informationen können Sie auf’s praxisblättle vom August 2018 zurückgreifen. .

….und wenn der Stich frisch aufgetreten ist?

Dann ist die Anwendung einer aufgeschnittenen Zwiebel für 5 min auf der Einstichstelle gut wirksam. Alternativ kann Speichel oder auch Kälte (Eiswürfel) die Zwiebel ersetzen – wer hat schon immer eine Zwiebel bei sich? Das berühmte Fenistil© Gel jedoch hat über einen kurzen kühlenden Effekt hinaus keine Wirkung.

…. und wenn die Schwellung bereits da ist?

Dann kann nur noch eine Cortisonsalbe helfen. Antihistaminika sind nicht wirksam. Der Einsatz von Cortison sollte jedoch auch bei diesen kleinen Flächen auf schwere Stiche begrenzt bleiben.

Können Insektenstiche gefährlich werden?

Manche Insekten wie Bienen und Wespen können – ähnlich wie Nahrungsmittel oder Medikamente – eine schwere Allergie hervorrufen. Diese zeigt sich vielfach durch akute Körperreaktionen nach Einstich, die über das übliche Maß hinausgehen. So kann die Einstichstelle deutlich anschwellen (was meist kein großes medizinisches Problem darstellt), es können aber auch Reaktionen an anderen Organen hervorgerufen werden. Um diese korrekt zu bewerten, sollte zeitnah ein Kinderallergologe aufgesucht werden. Dieser kann durch gezielte Nachfragen, Allergietests und gelegentlich auch Bluttests das Risiko für kommende Insektenstiche abschätzen.

Manche Kinder können bereits im frühen Kleinkindesalter eine solche schwere Allergie entwickeln. Dann besteht auch das Risiko für einen allergischen Schock. Das nennen wir in der Medizin Anaphylaxie. Diese betrifft in Europa immerhin einen von 300 Menschen, darunter 23% Kinder. Kürzlich wurden von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) Hinweise veröffentlicht, wie Eltern ihre Kinder hiervor schützen können.

Was geht rum? 11. Mai 2019

In der Natur ist der Aufbruch zu spüren. Es grünt, es duftet, es blüht. Damit verbunden bewegen sich – weitgehend für unser Auge unsichtbar – Pollen durch die Lüfte. Noch ist die Zeit für die große Attacke nicht ganz gekommen. Es war zu kühl und hat zuviel geregnet. Das zeigt die Grafik zum Pollenflug der Gräser am Oberrhein (Abbildung 1) sehr klar.

Gräserpollenflug der letzten Woche am Oberrhein (Basel). Foto: pullenundallergie.ch

Die aktuellen Wettervorhersagen deuten aber an, dass sich das Wetter ab Sonntag zum Besseren wendet. Aber nicht für die Allergiker. Sie müssen dann mit einem Anstieg des Pollenflugs rechnen.

Infektionen gibt es auch jetzt noch, aber deutlich weniger und andere als noch vor einem Monat. Zur Zeit sind dies – verursacht durch sog. Enteroviren – die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (näheres hierzu in einem früheren Beitrag des praxisblättle’s). Daneben treten vermehrt Erkrankungen auf, die an den Keuchhusten erinnern: Parapertussis. Ursache sind ebenfalls Bakterien. Das Krankheitsbild verläuft in aller Regel jedoch schwächer als beim Keuchhusten.

Wie bereits geschrieben, sind Zecken schon seit Wochen aktiv. Das spiegelt sich auch in den Meldungen der FSME wieder. So sind alleine in der letzten Woche 5 Neuerkrankungen in Baden-Württemberg gemeldet worden. So viele, wie in den ersten fünf Monaten des Jahres 2018. Damit stieg die Zahl der Neuerkrankungen auf 12. Für alle nochmals eine Erinnerung, dass die FSME-Impfung günstig sein könnte. Diese ist ganz besonders für Erwachsene bedeutsam. Für Einzelheiten rufen Sie gerne nochmals den Beitrag im praxisblättle vom letzten Jahr auf. Was da drin steht ist zwar ein Jahr alt, aber auch in diesem Jahr unverändert aktuell.

Was geht in der Welt rum? Unser – an Einwohnern – kleiner Nachbar Schweiz hat das gleiche Problem wie unser Ländle: die Masern. Waren im letzten Jahr noch 49 Menschen davon betroffen,, sind es in diesem Jahr bereits 155 (in 2019 zwei Todesfälle!). Hört sich zunächst harmlos an. Aber bei einer Bevölkerung von 8.5 Millionen ist das immerhin ein Masernfall auf 55.000 Menschen. In 4 Monaten! In Baden-Württemberg sind es mit 1 Fall auf 182.000 Einwohner deutlich weniger Erkrankungen. Deutlich erschreckender ist da Madagaskar, wo im letzten halben Jahr eine Masernerkrankung auf 175 Menschen zu beklagen war. Wie gut, wenn sich ein Land ein gutes Gesundheitssystem leistet – und leisten kann.

Ein Klassiker bei Kindern: Apfelschorle im Test

Sie hat sich bei den Kindern einen festen Platz gesichert: die Apfelschorle. Obst, also auch der Apfel, ist für Kinder immer gut. Uns weil’s nicht zu süß sein soll, greifen Eltern gerne auf eine Mischung mit Wasser zurück.

Die Stiftung Warentest hat sich in einem Test mit diesem Getränk beschäftigt. Zunächst hat sie verschiedene Fertig-Schorlen untersucht und eher enttäuschende Ergebnisse gefunden. Für Baden-Württemberg sind folgende Ergebnisse – im positiven Sinne – Interessant:

Name Zucker Note Preis/Liter Anmerkung
ALDI Süd Goldfit 28,0 g 2,6 0,48 € Geschmack befriedigend
LIDL Solevita 29,0 g 2,6 0,48 € Geschmack befriedigend
NETTO StarDrink 28,0 2,6 0,48 € Geschmack befriedigend
EDEKA Gut&Günstig 28,0 2,7 0,46 € Geschmack befriedigend
PROVIANT naturtrüb 30,5 2,7 3,00 € teuer, Geschmack sehr gut

Die Untersuchung zeigt aber auch, dass der Zuckergehalt im Apfelsaft – bezogen auf 500 ml – bei 54 Gramm liegt. Das ist sogar mehr als bei Coca-Cola (50 Gramm – laut Stiftung Warentest). Bei der fertigen Apfelschorle (siehe Tabelle) liegt der Zuckergehalt bei 28 Gramm. Die Schorle kann auch zuhause selbst gemischt werden, dann lässt sich der Zuckergehalt mit einem  Mischungsverhältnis von 1:3 sogar auf 14 Gramm senken.

Abbildung 1. Zuckergehalt verschiedener Getränke Foto: Gyula Trebitsch Schule Tonndorf

Aus medizinischer Sicht kann die Apfelsaftschorle (in einer Mischung von 1 Teil Apfelsaft + 3 Teile Wasser) im Rahmen der Rehydratation nach Erbrechen sinnvoll sein. Einmal ist dieses Getränk den Kindern gut bekannt. Zum anderen enthält es Zucker (was in dieser Situation für den Körper wichtig ist) und Mineralien (was noch wichtiger ist) und ist isotonisch. Es ist zwar nicht ganz so ideal wie eine Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), hat aber den großen Vorteil: Kinder trinken die Apfelsaftschorle gerne.

Sicher ist, dass jedes Süßgetränk wie die Apfelschorle zuhause für Kinder wie Eltern die Ausnahme sein sollte. Nicht nur, dass mit dem Getränk erhebliche Kalorien zugeführt werden. Gerade bei Kindern, die immer mal wieder trinken, wird auch das Risiko für Karies deutlich gesteigert.

Besser als jeder Apfelsaft oder jede Apfelschorle ist in jedem Fall: ein frischer Apfel zum Reinbeißen