Lungenentzündung: Ist die Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol ungünstig?

Lungenentzündung. Im Vergleich zum linken Bild (Normalbefund) zeigt das rechte Bild eine "Verschattung". Diese zeigt an, dass sich hier vermehrt (eitrige) Flüssigkeit - und eben nicht Luft - in der Lunge befindet. So stellt sich eine schwere Lungenentzündung dar. Foto: www.aboutkidshealth.ca

Dass jedes Handeln meist mehr als nur eine Folgewirkung hat ist keine neue Erkenntnis. Und dennoch wird beispielsweise im Alltag so vorgegangen, als würde ein „Fieberzäpfle“ das Fieber senken – und das wär’s dann.

Das stimmt natürlich nicht. Es ist gut belegt, dass – um beim Beispiel der Fiebersenker zu bleiben – sowohl Ibuprofen wie Paracetamol den komplexen Entzündungsprozess des Körpers mindestens ebenso beeinflussen wie das Fieber.

Eine Studie aus Polen hat sich kürzlich diesem Problem gewidmet. Kinderpneumologen haben über drei Jahre in Warschau alle Kinder mit Zeichen einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (pCAP – pediatric community acquired pneumonia) untersucht. Das sind all die Lungenentzündungen, die zuhause erstmals auftreten und nicht Folge einer stationären Behandlung sind. Nach dieser Zeit verglichen sie jene Kinder, die einen günstigen Krankheitsverlauf hatten (das waren 141 Kinder im Alter von 2 Monaten bis 17 Jahren) mit denen, die eine Komplikation (Pleuraerguss / Pleuraempyem – Flüssigkeit / eitrige Flüssigkeit um die Lunge; Lungenabszess und andere) erlitten hatten. Das waren 62 Kinder. Diese Daten wurden von den Wissenschaftler um Katarzyna Krenke auf mögliche Unterschiede untersucht.

In Bezug auf Alter, Größenentwicklung und soziale Lebensumstände waren beide Gruppen tatsächlich gleich. Interessant war jedoch, dass Kinder mit Komplikationen häufiger Ibuprofen erhalten hatten als solche, die einen normalen Krankheitsverlauf aufwiesen. Die Gabe von Ibuprofen erhöhte statistisch gesehen das Risiko für Komplikationen um den Faktor 3,3. Für Paracetamol ergab sich der gleiche Zusammenhang. Hier war lediglich der Faktor mit 2,6 etwas niedriger.

Die Gabe von Medikamenten zur Fiebersenkung sollte immer mit Bedacht erfolgen. Die Senkung des Fiebers schränkt immer auch die körpereigene Abwehr bis zu einem gewissen Grad ein. Wird Ibuprofen oder Paracetamol zur Behandlung vorn Schmerzen eingesetzt, sollte deswegen bei zunehmendem Bedarf an diesen Medikamenten die Richtigkeit der Diagnose überprüft werden. Nur so wird verhindert, dass die Gesamtdosis an Ibuprofen/ Paracetamol nicht ohne klare Überlegungen gesteigert wird. Ibuprofen und Paracetamol können eben auch eine bedrohliche Diagnose verschleiern. Da schadet es dann, wenn das Fieber zuvor immer schön gesenkt wurde.

Fieber können Kinder oftmals durchaus aushalten. Für Eltern, die ihren Kindern Verdruss ersparen, möchten ist das manchmal schwierig umzusetzen. Sie sollten versuchen, beim Fieber – in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – den Kindern auch ohne fiebersenkende Medikamente zur Seite zu stehen. Wie die Studie zeigt, wird zum Nutzen der Kinder sein.

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