Monat: Juli 2019

Kinderkrankheit: Mumps

Eine der klassischen Kinderkrankheiten ist Mumps, früher auch gerne Ziegenpeter genannt. Typisch für eine Kinderkrankheit ist, dass nach der Erkrankung eine lebenslanger Schutz (Immunität) bestehen bleibt.

Häufigkeit des Mumps im Jahre 2017 nach Datenlage des RKI. Foto: statista.de

Auslöser des Mumps ist das Mumpsvirus, das nur beim Menschen vorkommt. Übertragen wird es als Tröpfcheninfektion, durch direkten körperlichen Kontakt, aber auch indirekt über Gegenstände wie Löffel, die mit dem Virus benetzt sind. Mumpserkrankungen traten früher im Winter oder Frühjahr häufiger auf, kommen inzwischen aber ganzjährig vor. Bei noch nicht ausreichender Durchimpfung tritt Mumps weiterhin in Deutschland mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr auf. In Baden-Württemberg waren bis Anfang Juli 30 Neuerkrankungen gemeldet worden. Damit bleibt die Häufigkeit aufs Jahr gesehen mit knapp 60 Fällen gleich hoch wie in den Jahren zuvor.

Mumps tritt nach einer Inkubationszeit von 2 1/2 Wochen (meist 16-18 Tage) auf und betrifft den ganzen Körper. Auffälligstes Symptom ist die Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), die in 70-80% beidseitig auftritt und 3 bis 8 Tage lang andauert. Bei jedem zehnten Kind sind auch andere Speicheldrüsen betroffen. Diese typischen Symptome betreffen die älteren Kinder. Viele jüngeren Kinder machen die Infektion hingegen durch, ohne dass Krankheitszeichen auftreten: „inapparent“ nennen das die Mediziner. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass mindestens 30-40% aller Infektionen unbemerkt verlaufen.

Wenn jemand an Mumps erkrankt, ist er etwa 2 Tage vor Ausbruch der Erkrankung – also vor Auftreten der Schwellung vor dem Ohr – ansteckend. Die Ansteckung bleibt bis 4 Tage nach Symptombeginn hoch. Insgesamt kann die Ansteckung bereits 7 Tage vor Auftreten der Drüsenschwellung bis 9 Tage danach, also über 14 Tage betragen. Klar ist auch, dass nur die Impfung schützt. Tritt in einer Schulklasse also Mumps auf, haben sich bereits mehrere Kinder angesteckt bevor klar ist, dass es sich um Mumps handelt.

Viele Komplikationen sind beim Mumps möglich. Weitaus am häufigsten sind Komplikationen des zentralen Nervensystems. So kommt es bei bis zu 10% der Erkrankten zu einer aseptischen Meningitis, also einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung. Diese heilt praktisch immer folgenlos aus. Die viel seltenere Hirnentzündung (Enzephalitis) kann in 1.5% auch tödlich verlaufen. Recht typisch ist auch eine Taubheit, die bei 4% der Erkrankten vorkommt. In den meisten Fällen ist sie nur vorübergehend. Auf 20.000 Mumpserkrankungen kommt es in 1 Fall zu einer bleibenden einseitigen Taubheit. In aller Regel zeigen sich alle diese Komplikationen 4-5 Tage nach Auftreten der Ohrdrüsenschwellung.

Von vielen Menschen sehr gefürchtet ist die Entzündung des Hodens (Orchitis). Diese tritt immerhin in 15-30% mit Mumps beim erwachsenen Mann auf und ist bei jedem vierten beidseitig. Die Zeugungsfähigkeit ist meist nicht bedroht, wenngleich die Spermien bei 25% der Betroffenen in der Folge auffällig bleiben. Die erwachsene Frau ist in 30% von einer Entzündung der Brustdrüse betroffen und in 5% von einer Entzündung der Eierstöcke.

Die Diagnose „Mumps“ ist bei typischem Verlauf einfach zu stellen. Manchmal kann die Erkrankung zunächst symptomfrei verlaufen und sich nur über eine der Komplikationen äußern. In diesen Fällen gibt es Laboruntersuchungen, um Mumps als Ursache zu bestätigen.

Eine spezifische Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Bereits erkrankte Kinder und Jugendliche können mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

Wegen der fehlenden Therapie bleibt die Impfung die einzige Option, diese Kinderkrankheit zu verhindern. Die Impfung erfolgt – meist gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Röteln als MMR – in zwei Schritten: Die erste Impfung wird momentan im Alter von 11-14 Monaten empfohlen, die zweite mit 15-23 Monaten bei einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen den beiden Injektionen.

Was geht rum? 27. Juli 2019

Nach kurzer Pause geht das Sommerwetter auch in den Sommerferien mit leicht niedrigeren Temperaturen weiter. Damit bleiben in der kommenden Woche Infektionen wohl das kleinere Problem für Kinder und Jugendliche.

Aufmerksamkeit erfordert das fast tropische Wetter besonders von Eltern kleiner Kinder. Sie sollten mehrere Belastung ihrer Kinder im Tagesablauf bedenken:

  • UV-Strahlung. Sie ist noch immer erheblich und nimmt zum frühen Nachmittag hin zu. Kinder sollten zumindest zwischen 11 Uhr und 15 Uhr eine Kopfbedeckung tragen und an offenen Körperstellen mit einer Sonnencreme (mit LF 30) versorgt sein. Am sichersten ist es, wenn sie in der Wohnung bleiben.
  • Hitze strengt an. Wenn Kinder mit Kindern spielen merken sie das kaum, denn die Freunde sind ihnen wichtiger. Eltern können dann einen schattigen Ort suchen und anbieten. Der sollte besser unter einem Baum – der sogar eine Kühlung ermöglicht – als unter einem Sonnenschirm sein.
  • Wasserbedarf. Der steigt mit der Hitze. Also allen Personen im Haushalt immer wieder Getränke (Wasser) anbieten. Nicht aufdrängen! Keiner muss trinken.
  • Ozon/ Reizgase. Mit der stärksten Sonne erreicht auch die Konzentration mit Reizgasen wie Ozon ihren Höhepunkt. Das ist die Zeit, wo starke körperliche Belastungen ausgesetzt werden sollten. Sport ist gut am Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang.
  • Insekten/ Zecken. Gerade Zecken lieben die warmen Temperaturen. Kinder sollten beim Spiel in der Natur mit entsprechenden Insektenschutzmitteln eingerieben werden. Allabendlich sollte man den Körper auf Zecken absuchen, besonders in den Nischen wie Bauchnabel, Achseln und hinter dem Ohr.
  • Grillen. Immer daran denken, dass Feuer für Kinder sehr reizvoll ist und den Grill gut beobachten, damit nichts passiert.

Die Hitze hat manche gute Seite. Mit der trockenen Witterung geht auch die Zahl der Pollen zurück und Allergiker müssen für die nächste Zeit nur mit mäßigen Belastungen durch Gräserpollen bzw. Pollen des Spitzwegerich rechnen. Das schlimmste ist wohl überstanden. Kurzzeitige starke Belastungen mit Pollen können jedoch bei Gewitter auftreten, weswegen Asthmatiker immer ihre Notfallmedikamente mitführen sollten.

Und was gibt es noch an Infekten? Die Magen-Darm-Erkrankungen gehören im Moment zu den häufigsten Infektionen. Diese sind oft durch Rotaviren ausgelöst. In der Region Karlsruhe und Rhein-Neckar gab es zuletzt mehr Meldungen an Campylobacter-bedingten Darmentzündungen. Campylobacter ist ein Bakterium, das unter den momentanen Umgebungsbedingungen häufiger in Speisen wie Geflügel anzutreffen ist. Zur Vermeidung dieser Erkrankung ist gute Hygiene in der Küche entscheidend.

Was geht in der Welt rum? Selten fällt Kanada durch Infektionen auf, die Reisende bedrohen könnten. In erster Linie sind es Bären, die man in Kanada auf Distanz halten sollte. Nun ist dort ein 21 Jahre alter Mann an Tollwut verstorben, die er sich auf Vancouver Island durch den Biss einer infizierten Fledermaus zugezogen hatte. Tollwut gibt es in diesem riesigen Land im Norden vorwiegend durch Füchse, im Süden durch Stinktiere und Waschbären. Und Fledermäuse gibt es in allen Landesteilen Je nach Reiseverhalten sollte eine Impfung in Erwägung gezogen werden.

Jugendliche fühlen sich wenig ernst genommen

Jeder Erwachsene war einmal jugendlich. Manche vergessen diese Zeit rasch und tun sich später schwer, sich in die Welt der jungen Menschen hinein zu versetzen. Jugendliche von heute haben eine andere Umwelt als ihre Eltern- oder Großelterngeneration. Das Internet und in der Folge die sozialen Medien haben den Alltag Jugendlicher gegenüber der Generation Y entscheidend umgekrempelt. So gesehen ist es auch wenig verwunderlich, dass es für Erwachsene gelegentlich herausfordernd ist, sich vorzustellen, wie Jugendliche heute empfinden.

Diesen Versuch unternimmt die Children’s Worlds+ – Studie, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung unter Leitung der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Andresen von der Universität Frankfurt am Main in Deutschland durchgeführt wurde. Eingebettet ist die Studie in das internationale Projekt Children’s World, das von einer Schweizer Stiftung unterstützt wird. Dieses Projekt wiederum beschäftigt sich mit dem Wohlbefinden von Kindern zwischen acht und zwölf Jahren in über 30 Ländern.

Children’s Worlds+. Einstellungen gegenüber den Lehrern Foto: Children’s Worlds+

In dieser sehr ausführlichen und lesenswerten Studie werden viele Aspekte beleuchtet. In Bezug auf die Schule zeigt sich, dass sich Jugendliche nicht ausreichend ernst genommen fühlen und sich mehr aktive Beteiligung wünschen. Dies zeigt sich auch in der Fridays-for-Future-Bewegung, wo Jugendliche das Thema Klima und eigene Zukunftsperspektiven selbstbewusst und erfolgreich aufgegriffen haben.

Childrens Worlds+-Studie. Wie sehen deutsche Jugendliche ihre Eltern Foto: Childrens Worlds

Das Elternhaus wird deutlich besser beurteilt. Natürlich nimmt der Anteil der Jugendlichen bei der Frage „Meine Eltern erlauben mir genug“ bis zu den 14-Jährigen stetig ab. Für Menschen in der Pubertät, die ihre Umgebung in Frage stellen, ist der Wert aber doch erstaunlich hoch.

Familienministerin Franziska Giffey will sich im Wissen dieser Studie für eine neue Jugendstrategie einsetzen: „Wir wollen, dass sich das gesamte Kabinett verbindlich zur Verantwortung für die Jugend bekennt. Die ganze Bundesregierung muss ihren Teil dazu beitragen, Jugend zu beteiligen, Politik mit und für Jugendliche zu machen.“

Gut so!

TIPP Reiseimpfungen – welche Kosten fallen an?

Fernreisen sind heute richtig günstig. Zumindest für uns in Europa, solange wir bei den Reisezielen nicht allzu exotische Orte aussuchen. So wurden Flüge mit der exklusiven Lufthansa von Paris nach Südafrika kürzlich für 396 € angeboten. Hin und zurück. Reine Flugzeit immerhin 12 Stunden pro Reise. Da ist die Debatte übers Klima für die meisten schnell mal vergessen.

Dazu dann noch die geringen Lebenshaltungskosten in vielen Reiseländern. Die liegen in Südafrika etwa bei der Hälfte der Kosten, die man in Deutschland aufzubringen hätte.

Wenn da nicht die medizinischen Kosten wären. Impfungen und medikamentöse Prophylaxe.  Im beschrieben Falle von Südafrika ist für den Besuch des Kruger-Nationalparks eine Malaria-Prophylaxe geboten, Kosten im günstigsten Fall für sieben Tage Aufenthalt: 136,78 €  (bei Anwendung des Originalpräparates Malarone© – inzwischen gibt es etwa halb so teure Alternativen für Kurzreisen). In anderen Ländern kann es noch teurer werden. Eine Tollwutimpfung, die seit einiger Zeit beispielsweise in Bali wichtig ist, schlägt etwa mit 200 € (bei 3 Injektionen)  zu Buche. Wer dann eine Tour mit Rucksack durch das Hinterland dieser herrlichen Insel mit ihren Reisfeldern vorhat, sollte auch an eine Impfung gegen japanische Encephalitis denken. Wieder Kosten von etwa 200 € . Die Gelbfieber-Impfung (für viele Regionen Afrikas bedeutsam) ist da mit 60-70 € vergleichsweise billig.

Was oft nicht so bekannt ist: Viele Krankenversicherungen übernehmen einen Teil oder in Einzelfällen fast alle Kosten für solche Maßnahmen. Selbst die AOK Baden-Württemberg wird da von vielen Menschen verkannt. Immerhin beteiligt sie sich an den Kosten für reisemedizinisch wichtige Maßnahmen mit bis zu 200 €. Unschlagbar bleibt jedoch die Barmer-Krankenkasse: sie erstattet sämtliche reisemedizinischen Maßnahmen, von der Malaria-Prophylaxe bis hin zur Tollwutimpfung. Für alle Details hilft die Tabelle (Stand: 09. April 2019) des Centrums für Reisemedizin (CRM) weiter, die ständig aktualisiert wird.

Am Schluss ist reisen dann so billig, dass die Frage nach den Konsequenzen fürs Klima drängender wird. Das Umweltministerium in Berlin mag zwar so manche gute Idee haben, bei der Umsetzung sieht es anders aus. Im letzten Jahr 2755 Inlandsflüge der Mitarbeiter des Ministeriums? Ja stimmt, kaum zu glauben. Da kommt einem Gabor Steingart in den Sinn: „Erst kommt das Fliegen, dann die Moral“.

Was geht rum? 20. Juli 2019

Wir haben zwar ein Insektensterben in unserem Land. Dennoch gibt es viele Plagegeister, die uns und unseren Kindern zusetzen. Oftmals werden wir gestochen und haben kein „Mittelchen“ dabei, keine Creme, nichts. Doch eines ist immer bei uns: Speichel. Kurz die Einstichstelle mit Speichel einreiben ist immer günstig und kühlt etwas. Sind wir zuhause, ist meist eine Zwiebel zu Stelle: frische Zwiebel aufschneiden und direkt für einige Minuten auf der Einstichstelle einreiben. Danach aufpassen, dass kein Kind sich den Saft der Zwiebel in die Augen reibt. Viele käufliche Gels oder Cremes haben einen kühlenden Effekt, mehr aber nicht, solange ihnen kein Cortison zugesetzt (…“H“) wurde. Diese Kühlung kann auch ein schlichter Eiswürfel erzeugen.

Besser ist, die Kinder und Jugendlichen (und sich selbst) vorbeugend vor Insektenstichen zu schützen. Dazu gibt es Sprays mit Icaridin oder DEET. Diese sind über Stunden wirkungsvoll. Übrigens auch gegen Zecken, die in diesem Jahr – so die persönliche Erfahrung – sehr bissfreudig sind. Einzelheiten zu den Insektenschutzmitteln finden Sie hier im praxisblättle.

Die Pollen sind auf dem Rückzug. Große Belastungen für Gräserpollen gibt es nur noch in den Höhenlagen des Schwarzwalds oder den Alpen. Im Flachland ist die Belastung allenfalls mäßig. Auch die Pollen der Sommerkräuter fliegen im Moment kaum.

Impetigo contagiosa – Borkenflechte. Foto: pinterest

Der Sommer ist bekanntermaßen keine Infektzeit. Vereinzelt treten Durchfallserkrankungen auf. Typisch für die Jahreszeit ist auch die Impetigo contagiosa, deren deutscher Name wie die „Borkenflechte“ ebenso unbekannt sind wie der Fachbegriff. Dieser beschreibt eine nässende, schuppende und Blasen bildende Hauterkrankung, die durch Bakterien in kleinen Wunden ausgelöst wird. Meist sind Staphylokokken die Ursache, aber auch Streptokokken (die den Scharlach auslösen) können beteiligt sein. Diese Hautinfektion kann sich unter günstigen Bedingungen – Wärme und Feuchtigkeit – rasant ausbreiten. Im Moment stehen die Chancen für den Impetigo also gut, dass er sich ausbreitet, da er eine gewisse Ansteckung hat und das Wetter für ihn arbeit. Die frühzeitige Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll.

Was geht in der Welt rum? In den Tropen bleibt das Dengue-Fieber der Dauerbrenner. Besondere Schwerpunkte sind zur Zeit Tansania (in diesem Jahr 6.350 Infektionen), Réunion (16.000 Neuerkrankungen in diesem Jahr bei 850.000 Einwohnern), Laos (11.560 Neuerkrankungen), Kambodscha (13.000 Erkrankte in diesem Jahr), Brasilien (etwa 600.000 Erkrankungen in diesem Jahr) und die Cook-Inseln (66 Erkrankungen auf der Insel Rarotonga). Für alle Reisenden ist ein guter Mückenschutz tagsüber die wichtigste Schutzmaßnahme. Eine Impfung steht nicht zur Verfügung.

Preisunterschiede in Europa, gemessen am Durchschnitt. Foto: https://de.statista.com/infografik/18501/preisniveau-privater-konsumausgaben-in-europa/

Und noch ein kleiner Hinweis, ob sich auch Ihr Portemonnaie im Urlaub erholen darf oder nicht. Das Preisniveau in Europa klafft heftig. Im Südwesten ist sattsam bekannt, wie teuer die Schweiz ist. Dass Island noch teurer ist, mag man kaum glauben. Aber dorthin zieht es nur wenige. Die vielen Urlauber in der Türkei können sich hingegen freuen. Viel Geld gespart und das in einem Land mit so herrlichem Essen, wunderbaren Landschaften und vielen freundlichen Menschen wie dem neuen Oberbürgermeister von Istanbul.

Ist die Homöopathie noch zeitgemäß?

Die Homöopathie genießt seit jeher im Südwesten Deutschlands eine hohe Popularität. Diese Behandlungsmethode geht auf Samuel Hahnemann (1755 – 1843) zurück, der als Arzt, Chemiker und Schriftsteller aktiv war. In einer Zeit, als noch der Aderlass eine gängige Therapie bei schweren Erkrankungen war, hat er auf eine sanfte Medizin gesetzt. Damit war er auch ein Vertreter der romantischen Medizin, die die Einheit von Natur und Geist beschwor.

Das Todesjahr von Hahnemann ist auch das Geburtsjahr von Robert Koch. Dieser Arzt, Mikrobiologe und Hygieniker hat das Verständnis von Infektionskrankheiten parallel mit anderen zeitgenössischen Ärzten wie Louis Pasteur komplett revolutioniert. Erst mit deren Erkenntnissen war die Entwicklung von Antibiotika denkbar, die wiederum eine erfolgreiche Therapie von Krankheiten wie Scharlach oder Diphtherie ermöglichten.

Nach über 150 Jahren naturwissenschaftlicher Medizin stellt sich heute die Frage, ob eine  Homöopathie, die wie vor 225 Jahren denkt, in unserer Zeit noch eine ausreichende Begründung hat. Erst vor wenigen Wochen hat sich Jan Böhmermann unverwechselbar ironisch und sarkastisch dazu verbreitet. Auch aus der Politik kommen vermehrt Kommentare, dass die Homöopathie nicht mehr zeitgemäß sei.

Für Patienten bietet die Homöopathie den Charme, dass der Behandler im Erstgespräch sich über ein bis zwei Stunden intensiv mit den Symptomen des Patienten auseinandersetzt. Der Patient erfährt also eine enorme Zuwendung, die er bei keinem Hausarzt oder Orthopäden erleben wird. Aber reicht alleine Zuwendung und Sich-Zeit-Nehmen aus als Argument für eine gute Medizin? Und reicht es aus, dass eine Arznei selbst keine Nebenwirkungen hat? Muss eine Arznei nicht in erster Linie eine klar nachweisbare Wirkung belegen?

Es ist durchaus verwirrend, dass für alle Medikamente ein wissenschaftlich begründeter Wirkstoffnachweis verlangt wird, während für die Homöopathie Erfahrungsberichte ausreichend sind. Der Bremer Versorgungsforscher Prof. Dr. Norbert Schmacke hat diese verblüffenden Diskrepanzen in seinem Buch eingehend dargelegt.

So hat inzwischen der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Prof. Dr. Karl Lauterbach von den gesetzlichen Krankenkassen gefordert, die freiwillige Kostenerstattung von Homöopathie zu verbieten. „Er wolle zwar keinen Glaubenskrieg anzetteln, sagte er dem „Tagesspiegel“. Doch auch für freiwillige Leistungen der Versicherer müsse das Kriterium gelten, dass sie wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll zu sein hätten.“ Die Behandlungsmethoden der Homöopathie bedeuteten eine Abkehr von der Wissenschaft. Immerhin lag der Umsatz für homöopathische Medikamente im Jahre 2018 bei 670 Millionen Euro. Der Linken-Politiker Harald Weinberg hält die Debatte für überzogen, weil die homöopathischen Arzneien ohnehin billig seien. Dabei geht es nicht um die Frage was ist günstig, sondern was wirkt.

Auch in Frankreich droht die Abschaffung der Erstattung von Homöopathie nach einer vernichtenden Expertise der Obersten Gesundheitsbehörde.

Homöopathie. Foto: Swiss Medical Weekly

Ärzte werden beim Ausstellen von Rezepten für Homöopathika von widersprüchlichen Gefühlen geleitet wie eine Veröffentlichung des Swiss Medical Weekly (früher: Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift) zeigt. Darin setzen sich Stephan Markun und Mitarbeiter mit den Einstellungen von Ärzten gegenüber homöopathischen Arzneien auseinander. Sie vergleichen darin die Antworten von Ärzten, die Homöopathika verschreiben („prescriber“) und solchen, die es nicht tun („non-prescriber“). Selbst überzeugte Homöopathie-Anhänger – im Kanton Zürich sollen es etwa 10% der Ärzte sein – vertreten darin die Ansicht, dass der Placebo-Effekt durch diese Arzneien unterstützt wird. In der Studie erwarten in der Gruppe der Verschreiber auch nur die Hälfte einen spezifischen Effekt.

Die Diskussion über die Homöopathie ist auf verschiedenen Ebenen eröffnet.

TIPP Wie finde ich leckeres Eis ?

An diesen heißen Tagen kann neben dem Freibädern und Seen oft nur noch ein Eis weiterhelfen. Das sehen wohl alle Deutschen so. Denn immerhin soll jeder von Ihnen 124 Kugeln Eis im Jahr schlecken.

Wie òrange by Handelsblatt berichtet, ist beim Eis jedoch nicht nur der Preis unterschiedlich. Enorm sind auch die Qualitätsunterschiede. So gibt es zwar 9000 Eisdielen in Deutschland, aber nur ein gutes Drittel davon stellt Eis selbst her. Trotz der vielen Eisdielen: Das meiste Geld (81%) für Eis wird in Supermärkten, an Tankstellen oder Kiosken ausgegeben.

Interessant ist, dass der Preis fürs Eis sich in Eisdielen nach dem Gewicht berechnet, während die Industrie die Eismenge in Litern – also nach dem Volumen – bemisst. Dort wird einfach viel Luft ins Eis gepresst. Das macht die Süßspeise angenehm cremig für den Verbraucher und angenehm ertragreich für die Industrie.

Im Beitrag von òrange gibt einer der was davon versteht noch einen Tipp: Franco Collura vom Eiscafé Belluno in Düsseldorf verrät, dass die gute Qualität von Eis beim Pistazieneis am besten zu erkennen ist. Ist es hellgrün, so käme es vermutlich aus der Dose. Das frisch hergestellte Eis sollte durch ein „leichtes grün bis helles braun“ gekennzeichnet sein.

Was geht rum? 13. Juli 2019

Nach den heißen Tagen im Juni hat der Sommer eine kurze Pause eingelegt. An den wenigen heißen Tagen im Juli bestand weiterhin eine starke Konzentration von Gräserpollen, die bei Regen und Kälte jedoch spürbar zurückging. Die Pollen von Spitzwegerich und Sauerampfer spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.

Magen-Darm-Infektionen gibt es zu jeder Jahreszeit. Im Moment treten weiterhin Infektionen durch Rotaviren auf, die alle Altersgruppen betreffen. Gemeldet wurden in diesem Jahr bislang 1758 Erkrankungen in Baden-Württemberg (im Vorjahr waren es zu dieser Zeit 941). Ein Schutz ist kaum möglich, besteht das Risiko für eine Ansteckung doch bereits bevor Symptome auftreten. Im Übrigen spiegeln die gemeldeten Fälle nur einen verschwindenden Teil der Erkrankten wider, deren Zahl in Wirklichkeit eher das zehnfache betragen dürfte. Im Gegensatz zu den Rotaviren, sind die Salmonellen – eine bakterielle Erkrankung des Darmes – häufig nicht „ganz ohne“. In der vergangenen Woche stieg deren Häufigkeit um weitere 55 Fälle auf nun 630 Erkrankungen in diesem Jahr. Die Salmonellen-Erkrankung fällt in der Regel zunächst durch extreme Bauchkrämpfe sowie in der Folge grünlich-schleimige Stühle auf, die oft auch blutig sind. Betroffene sind meist abgeschlagen, bei Kleinkindern kann es bei Erbrechen und Durchfälle schnell zu Austrockungserscheinungen kommen. Vorbeugend sollte beachtet werden, dass Salmonellen häufig im Geflügel vorkommen. Bei dessen Zubereitung sollte eine strenge Hygiene eingehalten werden. Ebenfalls risikobehaftet ist nicht ordnungsgemäß gelagertes Speiseeis. Details wie man sich schützen kann beschreibt das Robert-Koch-Institut hier.

Bei den Atemwegserkrankungen sind seit einigen Wochen keine Besonderheiten zu beobachten. Sie gehen tendenziell weiter zurück. Vorwiegend sind es Enterovirus-Erkrankungen wie die Herpangina die auftreten.

Was geht in der Welt rum? Die Zecken übertragen nicht nur bei uns die FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Diese Viren bzw. damit verwandte Viren treten auch im gesamten Osten Europas und in Asien auf. Dort wird die Hirnentzündung durch die nah verwandten RSSE (Russian-springsummer-encephalitis)- Viren ausgelöst. Besonders betroffen ist Russland und hier besonders stark die bewaldeten RSSE-Gürtel in Sibirien, dem Ural und Fernost. Andere Gebiete haben eine geringere Belastung an Viren. Aber selbst die  Region um Moskau ist ein RSSE-Endemiegebiet. Für alle Reisenden nach Russland ist insofern ein Impfschutz insofern dringend zu empfehlen. Die in Deutschland erhältliche FSME-Impfung ist auch gegen die RSSE-Viren wirksam.

Reiseapotheke: Vorbereitung auf den Urlaub

Bald beginnt in Baden-Württemberg der Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub. Damit können auch unerwartete Probleme bei einem verzögerten Rückflug (z.B. infolge Pleite der Airline) vermieden werden. Es ist wichtig, Medikamente auf dem Flug im Handgepäck mitzuführen, da das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen kann! Für einige Arzneien verlangen die Grenzbehörden die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung. Dies gilt im Wesentlichen für Betäubungsmittel. Darunter fallen auch Arzneien wie Methylphenidat (z.B. Ritalin©).

Notfallmedikamente

Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur© oder Vomex©. Diese sind eine letzte Reserve und helfen weniger, als viele Menschen meinen. Wenn sie angewendet werden, dann als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Warum, das so ist lesen Sie hier. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.

Magen-Darm-Erkrankung

Erbricht ein Kind, so verliert es viele Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium). Die Therapie besteht also darin, diese dem Körper wieder zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird. Oder auch mit Apfelschorle, die die Kinder meist besser zu sich nehmen.

Durchfall? Dagegen gibt es tatsächlich auch Medikamente. Der Durchfall ist aber zunächst eine sinnvolle – wenngleich unangenehme – Begleiterscheinung von Magen-Darm-Infektionen. Sollte der dann extrem schlimm sein, ist es besser einen Arzt aufzusuchen. Zumal die verfügbaren Arzneien gegen Durchfall gerade für Kinder erhebliche Nebenwirkungen haben können. Also: kein Durchfallmedikament in die Reiseapotheke.

Schmerz- und Fiebermittel

Schmerzen können Kinder und Jugendliche im Urlaub schnell mal ereilen. So etwa Ohrschmerzen, bedingt durch eine Schwimmbad-Otitis (Entzündung des äußeren Gehörgangs), die sehr schmerzhaft ist. Hierfür ist es sinnvoll Medikamente wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© ,Dolormin©) dabei zu haben. Je nach Alter des Kindes müssen Eltern aber vorsichtig sein, diese Arzneien nicht zu oft einzusetzen. Je jünger das Kind ist, umso eher sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das ist nicht anders als zuhause, obwohl die Suche nach einem Arzt im Ausland schwieriger sein kann. In exotischen Ländern sind neben den Hotels auch die deutschen Botschaften als Ratgeber oft wichtig.

Verletzungen

Sie gehören zu den häufigen medizinischen „Notfällen“. Neben einem klassischen Pflaster ist ein Desinfektionsmittel wie Octenisept© wichtig. Verbandsmaterial kann in Apotheken und auch Drogeriemärkten günstig gekauft werden. Kleine Wunden lassen sich nach Desinfektion mit unterschiedlich großen Heftpflastern gut versorgen. So kann Hansaplast sensitiv© schon für unter 2€ einkaufen.

Mullbinden und eine Pinzette sind meist auch sinnvoll.

Mittel vor und nach Insektenstichen

Sie können gerade nachts ganz lästig sein: Insektenstiche. Zur Vorbeugung gibt es einige Präparate auf dem Markt. Für Kinder ist Europa meist  Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray) gut geeignet. Weitere Möglichkeiten finden Sie im praxisblättle hier beschrieben.

Wenn der Stich juckt hilft in der Regel nur eine cortisonhaltige Salbe. Dazu gibt es einige Salben auf dem Markt. Sie enthalten immer Hydrocort (0.25 – 0.5%).

Reisen in tropische Länder

Je nach Reiseland sind hier zusätzliche Medikamente sinnvoll. Dies sollte mit einem Arzt für Reisemedizin vorher abgeklärt werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

TIPP Reise-Krankenversicherung für den Urlaub

Bald sind Ferien und die gesamte Familie freut sich. Um diese Freude im Krankheitsfall nicht zu trüben, ist eine Reisekrankenversicherung in aller Regel ratsam.

Warum braucht eine Familie eine Reise-Krankenversicherung?

Innerhalb der Europäischen Union und in Ländern mit einem Sozialversicherungsabkommen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist die im Ausland angefallenen Kosten für stationäre und ambulante Behandlung. Das wichtige Wort ist meist. Manchmal wird nur der Teil bezahlt, der auch in Deutschland angefallen wäre. Bei manchen Krankenkassen werden zusätzlich Verwaltungsgebühren in Rechnung gestellt.

Behandlungskosten im Krankenhaus können schnell über 10.000 Euro betragen und werden von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt.

Richtig schwerwiegend sind Rücktransporte aus dem Ausland. Gerade bei Verkehrsunfällen können schwere Knochenverletzungen auftreten, die hierzulande leichter und oft besser operiert werden können. Auch andere plötzlich auftretende Erkrankungen wie schwerste Infektionen, Hirntumoren oder Krampfanfälle können so neben dem menschlich persönlichen Schicksalsschlag schnell zu finanziellen Katastrophen führen.

Noch schwieriger wird’s außerhalb der europäischen Länder. Dann werden von den Ärzten in den betreffenden Ländern immer Privatrechnungen gestellt, die teilweise happig sein können. Verständigungs- und Sprachschwierigkeiten tun ein weiteres. Gute Medizin ist bei weitem nicht in allen Ländern so günstig zu haben wie bei uns.

Kosten der Reise-Krankenversicherung?

Die Kosten sind teilweise sehr günstig. So gibt es Anbieter, die für eine Familienversicherung nur 20 Euro berechnen bei einer Urlaubsdauer bis 56 Tagen. Nähere Hinweise zu einzelnen Versicherern finden sich im Test-Heft der Stiftung Warentest (Juni 2019).

Wer sollte sich versichern lassen?

Diese Versicherung ist für alle gesetzlich Versicherten wichtig. Je nach Vertrag, brauchen aber auch privatversicherte Kinder und Jugendliche einen ergänzenden Schutz durch die Reise-Krankenversicherung. Hier gilt es, die Versicherungsbedingungen in Bezug auf Reisen zu studieren. Oft sind kürzere Reisen mitversichert, Rücktransporte aber eher nicht.