Verstopfung beim Säugling

Mäandernder Fluss - aufgeweitet wie bei der Obstipation. Foto: ptw

„Mein Baby schreit und kann nicht mehr“. Wenn Säuglinge in der Praxis des Kinder- und Jugendarztes vorgestellt werden deutet dieser Satz schon auf eine Verstopfung hin. Das Kind ist von Krämpfen geplagt und mit ihm seine Eltern.

Von chronischer Verstopfung (medizinisch: Obstipation) sprechen Ärzte, wenn es sich um Beschwerden handelt, die länger als 2 Wochen anhalten. Häufig handelt es sich dabei um eine funktionelle Obstipation. Bei dieser besteht keine organische Auffälligkeit. Vielmehr versucht das Kind aus Angst vor einem schmerzhaften Stuhlgang diesen zu vermeiden. In der Folge staut sich der Stuhlgang im Enddarm. Dadurch wird jedoch das Problem mit dem Schmerz immer grösser. Auslöser für diesen Teufelskreis sind im Säuglingsalter manchmal kleine Einrisse am After oder aber Nahrungsumstellungen, in deren Folge sich die Stuhlkonsistenz ändern kann.

Eine Verstopfung des Säuglings sollte immer eine Untersuchung bei der Kinderärztin/ dem Kinderarzt nach sich ziehen. Nur diese/r kann klären, ob eine organische Ursache in Frage kommt. Hinweise hierfür können beispielsweise Gedeihstörungen oder auch Blutauflagerungen sein. Diese liegen jedoch ausgesprochen selten vor.

In den weitaus meisten Fällen besteht – medizinisch gesehen – kein gravierendes Problem. Es geht dann darum, den Säugling von den starken Schmerzen schnell und möglichst schonend zu befreien: Abführmaßnahmen (medizinisch: Desimpaktion). Um den gestressten Säugling nicht weiter zu belasten, verzichtet man meistens auf die Gabe von Zäpfchen, wie man sie früher in diesen Situationen gerne eingesetzt hat. Heute behandelt die Säuglinge oft oral (also über Arzneien, die als Saft/Lösung gegeben werden können). Hierzu bietet sich Makrogol 400 an, das für Säuglinge ab 6 Monaten als Laxbene© junior im Handel erhältlich ist. Die Dosierung sollte je nach Situation mit der Kinderärztin/ dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Weitere Maßnahmen erfolgen meist parallel: Pflege des Anus (zumeist: weniger cremen), Anpassung der Nahrung und Getränke. Alle diese Umstellungen müssen meist für viele Wochen oder Monate beibehalten werden, bis sich die zuvor bestehenden Probleme zurückgebildet haben. So ist es wichtig, dass der deutlich erweiterte Enddarm wieder seine normal Größe hat, bevor man die Medikamente absetzt. Andernfalls wird die Obstipation häufig zur Achterbahnfahrt, die für Kinder sehr unangenehm und für deren Gesundheit nicht förderlich ist. Gedult ist gefragt – gerade dann, wenn alle Schwierigkeiten gelöst erscheinen.

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