Armut und mehr

Armut in Deutschland. Es gibt sie, da täuscht auch kein rosaroter Abendhimmel darüber hinweg. Foto: pixabay, mohamed_hassan

Während in den USA ein Präsident lautstark twittert und Menschen verunglimpft, findet dort statt, was Fachleute „The Great Decoupling“ nennen: Breite Bevölkerungsgruppen werden vom Vermögenszuwachs des Landes abgekoppelt. Dazu gibt es prägnante Daten über die Trends der letzten drei Jahrzehnte:

  • Der Reichtum des obersten Prozents der US-Bevölkerung stieg um 21 Billionen Dollar
  • Das „Vermögen“ der ärmeren Hälfte der US-Bevölkerung ging um 900 Milliarden zurück

In den USA haben Milliardäre inzwischen wie George Soros und die Wald-Disney-Erben den Staat aufgefordert: Besteuert uns stärker!

Auch in Deutschland gibt es Armut. Von Armut spricht man hier, wenn ein Haushalt weniger als 60% des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Ein Beispiel: Wenn in einem deutschen Haushalt von zwei Erwachsenen und zwei Kindern netto weniger als 1926 Euro zur Verfügung stehen, sind diese beiden Kinder von Kinderarmut betroffen. In Deutschland gehören 19% aller Kinder in diese Gruppe. Nein, sie müssen nicht wie in vielen tropischen Ländern im Müll nach Essensresten suchen. Hunger ist bei uns nicht das Problem. Aber ihre Teilhabe im Alltag ist bedroht. Ausgaben für zu enge Turnschuhe oder ein Klassenausflug lassen sich nicht so einfach umsetzen, wie bei den anderen. Und der Druck, immer Klamotten einer angesagten Marke zu tragen ist enorm. Dem können Kinder in Armut nicht nachkommen. Sie sind bedroht, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden, weil sie mit diesen Atributen nicht mithalten können.

Oft kommen mehrere Ursachen zusammen, die am Schluss in Armut münden. Und ist eine Familie dort angekommen, wird es schwer, diese Zone wieder zu verlassen. Viele der von Kinderarmut Betroffenen sind Kinder von Alleinerziehenden, meist Mütter. Deren Spagat, den Alltag zwischen finanzieller Sicherung der Kleinfamilie und dem Wohl des Kindes zu schaffen, ist eine maximale Herausforderung, der nicht alle Mütter oder Väter gewachsen sind.

Neben den sozialen Folgen hat die Kinderarmut auch klare Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder. Und auch da greifen viele ursächliche Umstände ineinander, angefangen von der häufig unausgewogenen Ernährung bis hin zu den schlechten Wohnverhältnissen.

Die Unterschiede zwischen arm und reich nehmen seit Jahren in fast allen Ländern zu. Das zeigt der Gini-Index auf, der die Daten für 157 Länder zusammenfasst: Je höher der Index (0 = keine Ungleichheit, 100 = maximale Ungleichheit) , umso ungünstiger ist die Verteilung des Reichtums. In den Tabellen ist in diesem Fall ein hinterer Platz günstig. So liegen die USA auf Platz 39, die Schweiz auf Platz 136, Deutschland auf dem günstigen Platz 144. Besser machen es noch Schweden (152) und am besten die Faröer Inseln (157).

Obwohl Deutschland eigentlich nicht schlecht dasteht, so sind es immerhin 2.5 Millionen Kinder, die hier von Sozialleistungen leben müssen. Das hat häufig Auswirkungen auf die Ernährung, wodurch Übergewicht besonders häufig vorkommt. Der soziale Druck führt auch häufiger zu Auffälligkeiten des ADHS und motorischer Defizite. Sogar die Zahl tödlicher Unfälle ist bei Kindern, die in Armut aufwachsen grösser.

Wir als Gesellschaft haben also eine ständige Aufgabe zu lösen, die teilweise durch Zuwendung von Geld stattfinden kann. Ebenso wichtig ist aber, dass wir im Alltag dazu beitragen, die oft ausgegrenzten Kinder wieder einzubeziehen. Das findet in kleinsten Handlungen und Gesten statt – oder halt nicht, wenn wir in diesen Situationen nicht sensibel sind.

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