Antibiotikaeinsatz in Deutschland

Bakterien sehen bei naher Betrachtung oft hübsch aus. Das ändert nichts daran, dass manche von ihnen gefährlich sind. Aber lange nicht all. Foto: pixabay, qimono

Wenn es um Krankheiten geht, ist ein Lieblingsthema bei den Gesunden der Einsatz von Antibiotika. Der sei viel zu hoch und man „wird vollgepumpt“, ist da zu hören. Gut gebrüllt. Und wenn die gleichen Leute mit ihrem fiebrigen Kind vor dem Kinderarzt stehen: Dann ist unbedingt und sofort ein Antibiotikum nötig.

Wichtig, das sei hier nur am Rande genannt, ist immer eine gut gesicherte Diagnose. Antibiotika sind wunderbare Medikamente, wenn der Körper den Angriff von Bakterien selbst nicht mehr meistern kann. Aber auch nur dann. In vielen Fällen kann sich der Körper auch bakteriellen Infektionen gut entgegenstellen.

Im Vergleich zu anderen Ländern setzen deutsche Ärzte schon seit vielen Jahren Antibiotika meistens sorgsam ein. Sparsamer unter den reichen Ländern sind nur die Schweiz, Japan, Schweden, Singapur und ganz besonders die Niederlande.

Verordnung von Antibiotika in Deutschland, bezogen auf 1000 Versicherte pro Jahr im Jahre 2018. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Große Unterschiede gibt es allerdings innerhalb Deutschlands. Die nebenstehende Graphik zeigt die Häufigkeit von Verordnungen von Antibiotika. Je heller die KV-Bezirke umso weniger Antibiotika wurden verordnet. Am wenigsten in Sachsen, am meisten im Saarland. Insgesamt fällt eine Dreiteilung auf: geringer Verbrauch in den Ost-Ländern, mittlerer Verbrauch im Süden (Bayern und Baden-Württemberg), hoher Verbrauch im Westen.

 

 

 

Verordnung von Antibiotika nach Alter. Es fällt ein Rückgang der Versordnungen über alle Altersgruppen vom Jahr 2010 bis zum Jahre 2018 auf. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Das erfreulichste Ergebnis ist, dass trotz verbesserter Gesundheitsversorgung, die Verordnungen an Antibiotika seit dem Jahr 2010 kontinuierlich zurückgehen. Die Grundlage für diese Zahlen stammen von den kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Dort wurden alle über Rezept (Verordnung) im ambulanten Sektor verschriebenen Antibiotika erfasst, die „systemisch“ einzunehmen waren. Dabei handelt es sich um Medikamente, die den gesamten Körper betreffen und die häufig als Saft (Kinder), Tabletten, Kapseln oder Dragée eingenommen werden.

Verordnung von Antibiotika nach Altersgruppen. Der höchste Verbrauch zeigt sich im Alter der vielen Infekte (2-5 Jahre). In allen Altersgruppen gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Die Verordnung von Antibiotika in Deutschland kann sicher noch weiter verbessert werden. Man darf davon ausgehen, dass die Unterschiede innerhalb des Landes nichts mit unterschiedlichen Krankheitshäufigkeiten zu tun haben. Für zu viele Menschen sind Antibiotika Medikament, die bei Infekten mit hohem Fieber eingesetzt werden sollten. Wichtiger als das Fieber ist jedoch die Frage, ob es sich um einen Infekte durch Bakterien handelt: dann helfen Antibiotika. Oder ob es sich um eine Virusinfektion handelt. Die kann manchmal auch extrem schlimm sein, aber das Antibiotikum ist nicht hilfreich. Manchmal sogar schädlich.

Also erstmal: gut abgesicherte Diagnose. Dann kann bei bakteriellen Infektionen das Antibiotikum hilfreich sein, sofern der Organismus des Kindes der Schwer der Infektion nicht gewachsen ist oder wenn Langzeitfolgen bei zu langsamer Genesung zu erwarten sind.

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