Sicher mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs – ein Traum?

Fahrrad in der Stadt. Foto: ptw

Ich habe den Eindruck, dass in den skandinavischen Ländern freier geforscht wird, wenn es darum geht den Alltag angenehmer zu machen. Das fing für mich vor Jahrzehnten bei der Sicherheit von Autos an (Volvo, Saab) und zieht sich bis heute durch.

Rad-„Autobahn“ in Kopenhagen. Foto: www.radzeit.de

Ich schaue nach Kopenhagen. Dort wird seit Jahren daran getüftelt, die Stadtwelt für alle Menschen sicherer und enspannter zu machen. So bekommen beispielsweise Fahrräder einen Freiraum, den sie sonst nicht haben. Fahrradtouren in der Stadt sind entspannt zu machen. Und für die Menschen im Alltag gibt es eine Art „Autobahn“ für Fahrräder und viele weitere  Erleichterungen. Dadurch ist das Rad übers ganze Jahr attraktiv und inzwischen für die Mobilität der Bewohner Kopenhagens wichtiger als das Auto geworden.

Der Berliner Tagesspiegel kam zum Schluss, etwas ähnliches auch in Berlin anzuregen. Er hat sich dieser Frage genähert und erstmal einen interaktiven Radmesser für Berlin erstellt. Diese Seite ist sehr spannend, weil sie das komplexe Problem von Unfällen sehr pfiffig angeht. Denn im Regelfall werden Radfahrer bedrängt und damit gefährdet, ohne sich zur Wehr setzen zu können. Und genau hier will der Radmesser Informationen sammeln und sichert mit ausgetüftelter Technik die exakten Daten.

Und was kam raus? Über 100 Probanden waren während 2 Monaten in den verschiedenen  Bezirken unserer Hauptstadt unterwegs. Von ihren Rädern aus wurden 16.700 Überholvorgänge gemessen und verarbeitet.

  • 56% der Überholvorgänge waren dichter als der vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Meter
  • wären alle die Verstösse geahndet worden, wären 282.060 € fällig gewesen
  • War ein Kind auf dem Fahrrad, hielten die Autofahrer einen geringen Mehrabstand von 8,4 cm ein. Gesetzlich sind aber 2,0 Meter – also weitere 50 cm – vorgeschrieben.
  • wer weit rechts fährt, wird dichter überholt
  • Aufgemalte Fahrradwege (Schutzstreifen und Radfahrstreifen) haben einen kleinen Effekt. 59% der Überholvorgänge auf Straßen ohne Radinfrastruktur sind zu dicht, bei Schutzstreifen sind es 51%, bei Radfahrstreifen 48%, auf Busspuren 44%. Auf baulich getrennten Radwegen wird man nie zu dicht von Autos überholt.

Diese Zusammenfassung der Daten aus dem checkpoint zeigt, dass die Risiken für Radfahrer in Berlin momentan sehr hoch sind. Das wird auf der Homepage auch noch mit aktuellen Videos aus dem Straßenverkehr belegt. Ab jetzt wird daran gearbeitet das zu ändern, um Fahrrad-Fahren auch in Berlin so angenehm zu machen wie in Kopenhagen.

Auf dem Lande dürfte das Risiko kaum geringer sein. Eine Radinfrastruktur vermisst man häufig, so dass nur baulich getrennte Radwege zwischen einigen Ortschaften ein vergnügliches Radfahren ermöglichen.

Immerhin liegen nun erste Daten vor, die zeigen, dass in vielen Fällen die Autos zu dicht am Fahrrad vorbeiziehen. Damit das weniger passiert, sollten Fahrradfahren nicht zu weit rechts fahren. Das ist eine erste kleine Information, die unseren Kindern im Straßenverkehr ein bisschen mehr Sicherheit bringt.

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