Monat: November 2019

Was geht rum? 30. November 2019

Erster Advent. Vor lauter Lichterketten, süßen Liedern aus Lautsprecherboxen und dem Black Friday ist vielen nicht mehr so ganz klar, worum es in den kommenden Wochen eigentlich geht. Medial reduziert sich vieles darauf zu kaufen (Hauptmotivation für Verkäufer aller Art) und zu schenken. Aber wem soll ich schenken? Und was? Und was schenkt die/der andere mir – reicht da mein Geschenk überhaupt aus? Und, wie schenken Eltern? Wohlstand kann so anstrengend sein.

Kürzlich hat sich der Wiener Psychotherapeut Hans-Otto Thomashoff zu Wort gemeldet. Für ihn scheint übertriebenes Verwöhnen oder Schenken oft weniger dem Glück der Kinder als der Selbstinszenierung der Eltern zu dienen. Oftmals hätten sie auch wenig Zeit für ihren Nachwuchs. Damit sei die Grundlage für ein schlechtes Gewissen gelegt. Die Eltern fühlten sich im Übrigen oftmals in einer Konkurrenzsituation mit anderen Eltern im Kindergarten oder der Schule: „Alle wollen die besseren Eltern für die perfekten Vorzeigekinder sein“, meint Thomashoff. Das zu erkennen und in den nächsten Wochen umzusetzen dürfte wohl schwierig sein. Aber wir können ja mit kleinen Schritten anfangen, oder?

Bei den Infektionen halten sich weiter die Atemwegsinfekte auf Platz eins. Dabei steht eine lästige Infektion mit Heiserkeit im Vordergrund, die man medizinisch als Laryngitis bezeichnet. Lästig ist sie besonders dadurch, dass sie nahezu zwei Wochen andauert. Angenehm ist hingegen, dass die Zahl der Infekte weiterhin eher gering ist.

Die Region um Ravensburg war in der letzten Woche führend bei den Kinderkrankheiten im Ländle. Etwa 20% aller Erkrankungen an Keuchhusten (7 von 44 Fällen) und Windpocken (19 von 101 Fällen) traten hier auf.

Was geht in der Welt rum? Wieder ist es das Dengue-Fieber, das die Schlagzeilen bestimmt. Zwei Urlaubsdestinationen deutscher Reisender sind besonders betroffen: Dominikanische Republik mit mehr als 16.000 Erkrankungen (34 Todesfälle) und Vietnam mit sogar über 240.000 Erkrankungen (50 Todesfällen). Es existiert keine empfehlenswerte Impfung. Somit bleibt der Mückenschutz die wichtigste vorbeugende Maßnahme.

TIPP Informationen für Jugendliche: gemeinsam verhüten

Für Jugendliche ist die Entdeckung der Sexualität ein zentrales Thema. In ihrer Entwicklung zum Erwachsenen stellen sich ihnen viele Fragen stellen. Mit den Antworten ist das manchmal schwieriger. Denn viele Themen sind emotional sehr besetzt und – wie man heute oft sagt – „peinlich“.

Das sind sie natürlich nicht. Aber es erfordert häufig doch einigen Mut, die oft intimen Fragen zu stellen. Deswegen ist es immer gut, wenn die eigene Mutter und der Vater schon frühzeitig zeigen, dass sie sich auch als Ansprechpartner in Fragen der Sexualität verstehen. Das kann die Schule nur teilweise.

Für die Fragen, die danach noch bleiben, gibt es gute Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und natürlich können junge Menschen auch online wichtige Informationen abrufen. Diese Institution ist sehr seriös, die Informationen verlässlich und seit vielen Jahren so aufgebaut, dass sie von Jugendlichen gut angenommen werden können.

Ein konkreter Einstieg bei Fragen zur eigenen Sexualität kann also sein:

  • Anonyme und kostenlose Beratung („Nummer gegen Kummer“): 0800 111 0333, jeweils Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr
  • oder auch „Nummer gegen Kummer“ über www.kinderundjugendtelefon.de
  • oder Broschüren wie SEX ’n’tipps: kostenlos per Mail:  order@bzga.de
  • …..oder eben klassisch die eigenen Eltern und die/der Kinder- und Jugendärztin

Vorsicht beim Kauf von Akustik- Spielzeug: Schadstoffe und mangelnde Sicherheit

Schon in einem Monat ist Weihnachten. Fußgängerzonen sind traumhaft beleuchtet, die Werbung attackiert uns – natürlich smart – mit unwiderstehlichen Angeboten gerade auch für Kinder.

Da ist es ganz gut, dass die Stiftung Warentest in ihrem neuen Heft (Dezember 2019) auf Risiken von Akustik-Spielzeug aufmerksam macht. Eltern sind also gut beraten, wenn sie vor den großen Weihnachtseinkäufen ein Blick ins neue Heft werfen (ab Seite 78).

Neben empfehlenswerten Produkten – ganz vorne liegt der Klassiker Barbie – wird vom Kauf einiger Geräte abgeraten. Diese stammen von so angesehenen Marken wie Revell.

Übrigens: alle Produkte sind in China (oder in einem unbekannten Land) hergestellt. Egal ob sie eine gute oder eine mangelhafte Qualität aufweisen. „Made in ….“ sagt also nichts darüber aus, wie gut das Produkt ist.

Was geht rum? 23. November 2019

Kühle Tage im Herbst. Nebel, Hochnebel. Tagelang ist der Himmel trübe. Das sind die Zeiten, in den der Kachelofen geheizt wird und – je nach verwendetem Brennmaterial – mehr oder weniger dicke Schwaden den Kamin verlassen. Sie ziehen in Folge der Nebel schlecht ab und belasten die Atemwege nicht nur von Kindern und Jugendlichen. Asthma und Krupphusten sind häufige Folgen.

Im Moment erkranken Kinder in Baden-Württemberg an verschiedenen Atemwegsinfekten. Unter ihnen fällt die weiter zunehmende Häufigkeit an Krupphusten (auch Infektkrupp, Pseudokrupp und manchmal verkürzt Krupp genannt) auf sowie gehäufte – und auch schwere – Lungenentzündungen. Letztere betreffen mehr Schul- als Kleinkinder.

Um den Husten zu mildern, sollte die Raumluft in den Häusern durch Stoßlüften frisch gehalten werden: Fenster für wenige Minuten öffnen, jedoch kein Kippen der Fenster. Bei einer Zimmertemperatur von 20-22 Grad Celsius ist es zum einen warm genug in der Wohnung und zum anderen ist die Luft nicht gar so trocken. Alle hustenden Menschen spüren, dass kältere und damit feuchtere Luft angenehmer ist als wärmere. Weniger zu heizen ist also meist besser.

Die Magen-Darm-Erkrankungen sind naturgemäß seltener in diesen Herbsttagen, aber nicht ganz zu unterschätzen. Die Noroviren betreffen weiterhin einige Kindergärten. Sogar die Rotaviren, die eigentlich eher wenig aktiv sein sollten, haben in einem Kindergarten in Baden-Württemberg 28 Personen betroffen. Die bakteriellen Erkrankungen mit Salmonellen und Campylobacter hingegen liegen in der Häufigkeit im Jahresmittel. Insgesamt kein Anlass für Sorgen bei den Eltern. Die Möglichkeiten sich der viralen Erreger (Noro- und Rotaviren) zu erwehren sind leider begrenzt.

Was geht in der Welt rum? das Dengue-Fieber hat in den letzten Jahrzehnten die ganze Welt erobert. Trotzdem findet es kaum Erwähnung, wenn es um Reisen nach Afrika geht. Zu sehr stehen hier schwerwiegenderen Krankheiten wie Malaria und Schistosomiasis im Vordergrund. Die aktuellen Meldungen zeigen, dass Dengue durchaus auch in Afrika bedeutsam ist: In Burkina Faso sind in diesem Jahr 5530 Erkrankungen registriert worden (24 Todesfälle), auf der wenig besiedelten Insel La Réunion sind es gar 18.060 Erkrankungen im Jahre 2019 bei 14 gesicherten Sterbefällen. Mückenschutz ist weiterhin die einzig mögliche Maßnahme der Vorbeugung.

Hyposensibilisierung

In diesem Jahr haben wieder viele Kinder und Jugendlich das erste Mal gemerkt, dass sie allergisch sind. Plötzlich war der Sommer nicht mehr so spaßig wie sonst. Die Augen tränten, die Nase lief oder es plagte sie ein nerviger Husten.

Eine akute Therapie mit Antihistaminika wie Cetirizin oder lokale Augentropfen wie DNCG wurden vermutlich eingesetzt. Damit wurde auch klar, wie mühsam es sein kann, einigermaßen beschwerdefrei über Wochen oder Monate mit einer Allergie zu leben.

Kann ich meine Allergie erfolgreich behandeln?

So oder ähnlich lauten die Fragen, die Schulkinder oder Jugendliche in dieser Situation an den Kinder- und Jugendarzt richten. Und von dem kommt meist ein …. JEIN. Die Beschwerden ein für alle mal zu beseitigen, das gelingt kaum – also NEIN. Aber JA, es gibt eine Therapie, die an der Ursache ansetzt. Die spezifische Immuntherapie. Diese ist sehr erfolgreich, beim einen mehr, beim anderen weniger. Bei einer Allergie gegen Biene mit hervorragendem Erfolg, bei Allergien gegen Pollen und Milben mit guten Erfolg, gegen Schimmelpilze eher dürftige Ergebnisse.

Spezifische Immuntherapie

Heute nennen Mediziner die Hyposensibilisierung meist spezifische Immuntherapie (SIT). Andere nennen sie noch Desensibilisierung – und alle meinen das gleiche. Diese Therapie ist über hundert Jahre alt und beruht auf dem Prinzip, dem Körper das Allergen (bei einer Gräser-Pollen-Allergie also die Gräserpollen) zunächst in sehr geringer Dosis zuzuführen, um diese schrittweise bei guter Verträglichkeit zu steigern. Damit versucht man beim Organismus im Idealfall eine Toleranz auszulösen. Im Idealfall würde beispielsweise der Gräserpollenallergiker im Sommer beschwerdefrei die schönen Tage genießen können. Diese Erfolge gibt es. Meistens – bei etwa 90% – kann jedoch „nur“ eine spürbare Linderung der Beschwerden erreicht werden. Und: Durch die Behandlung wird auch das Risiko gesenkt, weitere Verschlimmerungen zu erfahren. So kann die spezifische Immuntherapie das Risiko für die Entwicklung eines Asthma deutlich senken. Auch das Risiko, eine weitere Allergie zu entwickeln ist spürbar geringer.

Wer sich weiter informieren will: Die wichtigsten Punkte sind in einem Elternratgeber der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) gut zusammengefasst.

Bitte wenden Sie sich mit ihrem allergischen Kind an Ihren Kinder- und Jugendarzt und lassen Sie sich individuell beraten, ob für Ihr Kind – bzw. für Dich als Jugendlicher – eine Therapie sinnvoll und möglich ist.

Parks machen glücklich

Viele Menschen würden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass der Aufenthalt draußen in der Natur das Wohlbefinden verbessert. Aber gut belegt ist das bis heute noch nicht. Manches ist bekannt. So, dass Kinder, die in einer grünen Umgebung aufwachsen weniger häufig Depressionen entwickeln.

San Francisco und seine Parks, unterteilt in die großen regional Parks und die kleineren Nachbarschafts-Parks wie Spielplätze. Foto: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pan3.10045

Eine aktuelle Studie der Universität von Vermont hat sich mit einem pfiffigen Experiment der Frage genähert. Für ihre Untersuchung wählten die Forscher um Aaron J. Schwartz die Stadt San Francisco, weil in dieser städtischen Umgebung besonders viele Parks zu finden sind. Dort sammelten sie alle Twitter-Nachrichten, die von Mai bis August 2016 aus einem der Parks gesendet wurden und die dazugehörigen persönlichen tweets der User, die wenige Stunden zuvor und danach angesendet wurden. So kamen fast 5000 Profile zusammen. Diese wurden mit einem sog. Hedonometer analysiert, das die emotionale Stimmung einer Nachricht messen kann, ohne dass persönliche Inhalte offengelegt werden. Das Hedonometer misst über 10.000 englische Worte und ordnet sie in einer Skala von 1 (am wenigsten glücklich) bis 9 (am glücklichsten) ein. Dieses Instrument ist bereits in vielen Studien erfolgreich eingesetzt worden.

„Gefühlsmessung“ vor, beim und nach einem Parkbesuch. Foto: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/pan3.10045

Die Autoren konnten zeigen, dass die tweets, die während des Parkbesuchs aufgezeichnet wurden um 4% glücklicher waren als zuvor oder danach. Der Effekt wurde in grösseren und grüneren Parks. Die positiven Gefühlen hielten – verglichen mit einer Periode von 6 Stunden vor dem Parkbesuch – vier Stunden lang an. Die Parkbesucher waren waren weniger „Ich“-bezogen. So ging die Nutzung des Worts „me“ um 38% zurück.

Die Studie zeigt eindrücklich, dass der Aufenthalt im Grünen Auswirkungen auf die Gefühlslage hat. Auch in Deutschland ist der Trend in die Städte ungebrochen. Diskussionen über die Mieten bzw. die Deckelung von Mieten in Berlin sind Ausdruck dieses Trends. Der ist so rasant, dass der Druck groß ist, auch Grünflächen zu bebauen, um Wohnraum zu schaffen. Ein typisches Beispiel ist der ehemalige Flughafen Tempelhof in Berlin, eine zentrumsnahe riesige Grünfläche, die immer wieder in den Fokus solcher Überlegungen rückte. Diese Studie zeigt nun, dass dann zwar mehr Wohnraum vorhanden wäre, aber die emotionale Befindlichkeit der Bewohner leiden würde.

Gerade für Kinder und Jugendliche hätten weniger Grünflächen enorme Auswirkungen. Trotz sozialer Medien treffen sie sich weiterhin gerne auch draußen, wo sie weniger der Kontrolle der Eltern und anderer Erwachsener ausgesetzt sind. Und offensichtlich ganz nebenbei ihre emotionale Stimmung aufhellen.

Was geht rum? 16. November 2019

Die Atemwegsinfekte werden in den kommenden Monaten Kinder und Jugendliche besonders häufig ans Bett fesseln. Bereits seit Oktober sind sie deutlich klar häufiger aufgetreten, liegen aber im Vergleich zu den letzten beiden Jahren auf gleichem Niveau.

Welche und wie viele Personen haben den Arzt wegen Atemwegsinfektionen aufgesucht? Das gibt diese Graphik unterteilt nach Altersgruppen für die letzten Wochen wider. Foto: AG Influenza

Das zeigt auch diese graphische Darstellung. Ganz häufig suchen Eltern mit bis zu 4-jährigen Kindern (hellgrüne Kurve) die Praxis auf. Diese jungen Kinder haben noch nicht viele Abwehrstoffe gegen die verschiedenen Infektionen, sind also im Infektalter. Sie nehmen alles mit was sich bietet und werden bis zu 12 Mal im Jahr krank, ohne dass diese Zahl auf eine Immunstörung hinweisen müsste.

Durchfallserkrankungen gibt es ganzjährig. Die Rotaviren sind für Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg kaum mehr bedeutsam. Dafür gibt es zahlreiche Ausbrüche mit Noroviren in Kindergärten, besonders in der Region Offenburg. In einer Einrichtung sind 17 Personen betroffen, was die enorme Ansteckung belegt.

Im Kreis Ravensburg gehen gerade die Windpocken herum. Aus der letzten Woche sind 19 Fälle gemeldet worden.

Was geht in der Welt rum? Nicht nur Infektionskrankheiten stellen eine Belastung für Fernreisende dar. Immer öfter werden in den immer grösser werdenden Metropolen der Erde Luftbelastungen zum Risiko. Momentan ist Neu Delhi in Indien ganz besonders betroffen. Neben dem bekannten Stadtverkehr sorgt das Abbrennen von Ernteresten in Regionen um die Stadt für erheblich Feinstaubbelastungen. Diese stellen für Kleinkinder und alte Menschen ein erhebliches Risiko dar. Solche Personen sollten die Stadt im Moment komplett vermeiden.

Entsorgung von Medikamenten

Die Frage taucht in der Praxis täglich auf: Wohin mit den abgelaufenen Arzneimitteln oder den übrig gebliebenen Medikamenten nach einer Erkrankung? Eines ist klar: nicht in die Kanalisation. Denn dort müssten diese chemischen Substanzen mühsam dem Wasser wieder entzogen werden, was nur mit hohem Aufwand funktioniert. Wenn das nicht gelingt, stellen sie ein Risiko für die Qualität des Trinkwassers dar.

Es gibt eine Reihe von Substanzen, die – übers Trinkwasser verbreitet – hormonaktiv sind oder werden können. Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat hierzu eine Zusammenfassung unter dem Titel „Hormonaktive Substanzen im Wasser“ erstellt. Erschreckend.

Welche Möglichkeiten es gibt, gute Wasserqualität sicherzustellen und was das kostet, dazu nimmt ein Papier Stellung, das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. in Auftrag gegeben hat.

Wie man regional am besten entsorgt, dazu gibt diese Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Hinweise.

 

 

Cortison bei akutem Krupphusten?

Der Krupphusten, das war in den letzten Wochen bereits bei „Was geht rum“ zu lesen, ist eine Erkrankung, die sich oft in den Frühjahrs- und Herbstmonaten März bzw. November zeigt. Das heimtückische an dieser Krankheit ist, dass sie sich nicht langsam anmeldet, sondern häufig von einer auf die andere Minute mit bellendem Husten, Atemnot und Halsschmerz ein Kind überfällt. Schwere Notfälle sind selten, kommen aber vor. In jedem Fall ist das Auftreten des Krupphustens für das Kind und seine Eltern besorgniserregend.

Die akute Atemnot zwingt Eltern in vielen Fällen zum schnellen Handeln. Was können Sie tun?

  • Ruhe bewahren. Das ist die erste und schwierigste Aufgabe. Denn nicht nur die Eltern haben Angst, auch das Kind. Und es ist zunächst wichtig dem Kind zu zeigen, dass die eigenen Eltern das Problem im Griff haben. Dann geht alles schon besser, denn die Eltern helfen immer am besten. Das weiß ein Kind. Also auch wenns extrem schwerfällt: Ruhe bewahren.
  • Feuchte und gute Luft anbieten. Das geht am schnellsten, wenn Eltern das Kind in dicke Decken einwickeln und mit ihm auf dem Arm nach draußen gehen und dort das Kind unterhalten: mit dem Kind über den Sternenhimmel oder andere nette Dinge reden. Alternativ kann man auch im Bad einen kräftigen Dampf erzeugen (Duschbrause aufdrehen), sich auf eine kuschelige Decke setzen und Kinderbücher ansehen.
  • Gute Atmosphäre schaffen. Ablenkung ist wichtig. Das Kind atmet schlecht, das ist klar, also sollte das nicht lange beredet werden. Getränke anbieten, an schöne Tageserlebnisse erinnern. Oftmals bessert sich darunter die Atemnot schon nach 10 – 20 Minuten. Also, eine gewisse Geduld ist auch wichtig.
  • Sollten diese Maßnahmen keine Besserung bringen, ist Cortison die einfachste Maßnahme, die schnell und effektiv eingesetzt werden kann. Dabei kann es sein, dass die Wirkung verzögert eintritt. Fünf Minuten sind es sicher, es können aber auch 20 Minuten sein. Deswegen sollten Eltern Cortison-Ängste zurückstellen – aber das wird Eltern in der Situation schnell bewusst.

Erst kürzlich hat eine Forschergruppe um CM Parker und MN Cooper aus Australien in einer Studie belegt, dass das Cortison Prednisolon (z.B. in Rectodelt©) dem Dexamathason (z.B. in Fortecortin©) gleichwertig sind. Das gibt erstmals eine wissenschaftlich sichere Grundlage für die Anwendung von Prednisolon.

In der Praxis bzw. Kliniken stehen noch weitere Therapien (spezielle Inhalationen, Medikamente per Infusion) zur Verfügung, die in aller Regel für zuhause nicht praktikabel sind.

Wenn Eltern wegen des Krupphustens in Sorge sind, so sollten sie erst die o.g. Maßnahmen durchführen und dann einen Kinder- und Jugendarzt kontaktieren. Gerade auch beim Krupphusten kann die Telemedizin sehr hilfreich sein, wenn die betreffende Ärztin/ Arzt hört, wie das Kind atmet. Dann kann sie/er die Situation besser einschätzen und die Eltern umgehend beraten, was zu tun ist.

Wenn ein Kind bereits einen Krupphusten hinter sich hat, sind folgende vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll:

  • Vorhalten eines Notfallmedikaments nach Absprache mit der Kinderärztin / Kinderarzt
  • Notfall-Telefonnummern (Kinderärztin / Kinderarzt; Notfalldienst; Telemedizin) ins Haustelefon einprogrammieren bzw. als Notiz ans schwarze Brett
  • Babysitter instruieren, was bei einem möglich nächsten Kruppanfall zu machen ist.

Was geht rum? 09. November 2019

Die Atemwegsinfekte bleiben für die Kinder und Jugendlichen im Ländle die wichtigsten Infektionen im Moment. Das Spektrum reicht von den einfachen Racheninfekten (Pharyngitis) – die glücklicherweise immer im Vordergrund stehen – bis hin zu Lungenentzündungen.

Dazwischen kommen Erkrankungen mit Krupphusten bei den Klein- und Schulkindern, die häufig beängstigend sind. Davon sind mehr Kinder betroffen als noch letzte Woche. In zwei Tagen, am Montag Morgen, finden Sie hier im praxisblättle weitere Informationen hierzu.

Weiterhin ist das Norovirus unterwegs. Von einem Ausbruch mit mehreren Erkrankungen sind 3 Kindertagesstätten in Baden-Württemberg betroffen.

Was geht in der Welt rum? In Nigeria gibt es in einigen Bundesstaaten Ausbrüche von Gelbfieber. Landesweit wurden über 2800 Verdachtsfälle gemeldet. Dabei erstaunt, dass nur 87 Todesfälle registriert wurden, da in aller Regel die Sterblichkeit bei 10-20% (Robert-Koch-Institut, Berlin) liegt. Für viele tropische Länder besteht eine Impfpflicht für Personen ab 9 Monate Lebensalter. Diese Impfpflicht ist medizinisch bestens begründet, wie man an diesen Zahlen nochmals ersehen kann.