Monat: Dezember 2019

Was geht rum? 14. Dezember 2019

Auch vor dem dritten Advent ist es ruhig in Baden-Württemberg: kaum Infekte. Trotz – oder sogar wegen? – der Kälte. Viele Leute gehen in die Städte, shoppen in den Läden und besuchen die Weihnachtsmärkte. Und mit ihnen viele Kinder. Das Wetter macht die Füße kalt. Aber Infekte lösen sie dennoch nicht aus.

„Konsultationsindex“ für Baden-Württemberg bis zur 49. Kalenderwoche. Er zeigt, wie viele Personen wegen akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) eine Praxis aufgesucht haben. Foto: RKI

Das zeigt auch die Statistik des Robert-Koch-Instituts für Anfang Dezember. Der sogenannte Konsultationsindex gibt an, wie viele Menschen (bezogen auf 100.000 Einwohner) in der jeweiligen Woche wegen eines Infektes der Atemwege (akute respiratorische Erkrankung – ARE) eine Praxis aufgesucht haben. Die braune Kurve zeigt die Zahlen des letzten Winters, die rote die des jetzigen Winters. Die hellgrüne gibt die Zahl der Infekte der Säuglinge und Kleinkinder (z.B. Kindergarten) wieder. Während alle Kurven unaufgeregt parallel zur braunen verlaufen, zeigt die dunkelgrüne leicht nach oben: relativ viele Schulkinder (5-14 Jahre) sind also zuletzt erkrankt.

Einzelne Grippeerkrankungen (Influenza) gibt es auch. Aber im Ländle und in ganz Deutschland ist keine Grippewelle in Sicht. Freuen wir uns auf Weihnachten. Es sieht danach aus, dass Freude nur selten durch Infekte gestört wird.

Was geht in der Welt rum? In Äthiopien sind die Region Afar und die Stadt Dire Dawa von Krankheiten betroffen, die dort längere Zeit nicht mehr aufgetreten waren: Dengue-Fieber mit 1195 Fällen seit September sowie Chikungunya mit 54.740 Erkrankungen seit September. In beiden Fällen hilft vorbeugend konsequenter Mückenschutz.

Weniger Fleisch: Günstig für die eigene Gesundheit und die Umwelt

Die Diskussionen über Ernährung und Umwelt sind im vollen Gange. Die meisten Menschen haben realisiert, dass Fleischkonsum weder der Umwelt noch der eigenen Gesundheit helfen. In den USA und Großbritannien will jeder zweite Erwachsene den Fleischkonsum verringern. Ob das umgesetzt wird, scheint eher fraglich. In den genannten Ländern hat der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren sogar um 10% zugenommen.

Den Zusammenhang zwischen Umweltbelastung, eigener Gesundheit und dem Essverhalten hat eine Studie kürzlich beleuchtet. Die Forscher Michael A ClarkMarco Springmann, Jason Hill, und David Tilman von der Universität in Oxford untersuchten das für verschiedene Nahrungsmittel. 

Umweltbelastung und gesundheitliche Folgen für verschiedene Nahrungsmittel: rotes Fleisch (rot), Huhn (rosa), Gemüse (grün) Foto: https://www.pnas.org/content/116/46/23357

Die Tabelle zeigt, dass Fleisch besonders ungünstig ist: Die Belastung der Umwelt durch die Produktion des Fleisches ist riesig (hier ist der Index AREI = 37), während gleichzeitig die Sterberate enorm ansteigt. Praktisch heißt das: wer 50 Gramm Fleisch mehr ist pro Tag als der Durchschnitt hat eine um 41% höhere Sterblichkeit gegenüber Menschen, die eine  normale Kost (Durchschnitt) verzehren.

Auf der Gegenseite steht das Gemüse: 100 Gramm mehr Gemüse stellen keine Belastung der Umwelt dar (AREI = 1) und senken die Sterblichkeitsrate gegenüber dem Durchschnitt um fast 15%. Was der Umwelt gut tut, tut auch unserer Gesundheit gut.

Würde ein Mensch, diese 50 Gramm Fleisch pro Tag weniger verzehren und durch 100 Gramm Gemüse ersetzen, würde der Anteil an Treibhausgas um den Faktor 20 sinken. Der Landverbrauch wäre sogar um den Faktor 100 niedriger. 100 Gramm Gemüse ist jedoch deutlich weniger kalorienhaltig als 50 Gramm Fleisch. Um diesen auszugleichen, müsste die Nahrungsumstellung mit erheblichen Mengen an Gemüse ausgeglichen werden.

Eine weitere, statistisch sehr aufwendige und nicht leicht verständliche Studie um Brent F. King von der Johns Hopkins University hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Mit verschiedenen  Rechenmodellen zeigen sie, welche Effekte geringere und stärkere Nahrungsumstellungen für 140 Länder dieser Erde hätten. So würden die Treibhausgase in den USA um 60% sinken, wenn der Durchschnitts-Amerikaner sich zu 2/3 vegan ernähren und nur selten Fleisch zu sich nehmen würde.

Es liegt also nicht nur an der Politik. Auch wir können einiges verändern. Und langsam anzufangen ist besser als gar nicht. „Ich sollte …..“ sollte gestern gewesen sein. Mit Immanuel Kant könnte man sagen: „Ich kann, weil ich will, was ich muss“.

Lungenentzündung

Wenn wir hören, dass jemand eine Lungenentzündung hat, erschrecken wir meist sehr. Das müssen wir nicht unbedingt. Denn die deutsche Sprache ist bei diesem Thema sehr begrenzt und hat leider nur dieses eine Wort für medizinisch höchst unterschiedliche Krankheitsbilder.

Lungenentzündungen betreffen etwa 300 von 100.000 Kindern und Jugendlichen pro Jahr in Mittel- und Nordeuropa. Das sind in aller Regel Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses, also ambulant, erworben werden: ambulant erworbene Pneumonie von Kindern oder in englisch pCAP: pediatric community-acquired pneumonia.

Allen Lungenentzündungen (medizinisch: Pneumonie) ist gemein, dass die Lungenbläschen (medizinisch: Alveolen), in die die kleinen Bronchien letztlich münden, nicht mit Luft, sondern mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Damit können die Lungenbläschen ihrer Hauptaufgabe, nicht mehr nachkommen:

  1. Austausch von Sauerstoff: Sauerstoff, der über die Nase eingeatmet und dann über die großen Bronchien und die kleinsten Bronchiolen schließlich im Lungenbläschen ankommt. Dort  sollte er über eine hauchdünnen Membran in die kleinsten Blutäderchen abgegeben werden.
  2. Austausch von Kohlendioxid: CO2 sollte umgekehrt von den kleinen Blutäderchen in die Luft abgegeben werden, um dann bei der Ausatmung aus dem Körper entlassen zu werden.

Durch die Flüssigkeit in den Lungenbläschen wird also die Funktion der Lungen eingeschränkt. Das kann in sehr unterschiedlichem Ausmaß der Fall sein.

Als Ursache für Lungenentzündungen kommen Viren und Bakterien (und Pilze) in Frage. Im Kindesalter stehen im Anfang einer Lungenentzündung häufig „normale“ Virusinfektionen, die beispielsweise mit einer obstruktiven Bronchitis beginnen. Aus diesen heraus können sich Lungenentzündungen entwickeln, die sowohl durch Viren, Bakterien und einem Zusammenspiel beider (in etwa 30%) verursacht werden. Es ist also mitnichten so, dass jede Lungenentzündung bakteriell ist und somit ein Antibiotikum nötig wäre.

Als Symptome sind Husten, Fieber und Zunahme der Atemfrequenz recht typisch. Diese müssen nicht immer vorhanden sein. So gibt es schwere Lungenentzündungen auch ohne Husten oder Fieber. Umgekehrt gibt es Atemwegsinfektionen mit Husten und hohem Fieber, ohne dass eine Lungenentzündung vorliegt. Für die Diagnose wichtig ist immer der Zustand des Patienten, das Alter, die Zeichen der Atemnot (Dyspnoe) und die Sauerstoffversorgung. Ergänzend können auch Röntgenuntersuchungen bzw. Labortest weiterhelfen; sie sind aber nicht zwingend nötig. Die Diagnose der Lungenentzündungen wird klinisch gestellt, also durch Untersuchung.

Es gibt unterschiedliche Arten von Lungenentzündung. Sie unterscheiden sich sowohl bei den Symptomen, im Verlauf, im Röntgenbild als auch bei den Komplikationen.

  • Lobärpneumonie
  • Lobärpneumonie Foto: www.anatomybox.com

    Bei dieser Lungenentzündung ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Dadurch zeigt dieser Typ (siehe Röntgenbild rechts) immer einen schweren Verlauf an. Auch die Komplikationen sind hier häufiger.

  • Bronchopneumonie
  • Dieser Typ einer Lungenentzündung beginnt mit einer sehr kräftigen Bronchitis. Ausgehend von dieser Entzündung der  Bronchien, geht diese Infektion langsam an einzelnen verschiedenen Stellen langsam ins Lungengewebe über. Dieser Typ einer Lungenentzündung ist im Kindes- und Jugendalter der weitaus häufigste. Er ist in aller Regel deutlich harmloser als die Lobärpneumonie.
  • Bronchopneumonie. Foto: www.sposterng.netkey.at

  • atypische Pneumonie: Bei diesem Infektionstyp wird das Lungengrundgerüst von der Entzündung betroffen. Die Entzündung findet im Gewebe zwischen den Lungenbläschen statt. Damit wird die Strecke, die der Sauerstoff vom Innenraum der Lungenbläschen bis zur kleinen Arterie durchwandert grösser. Die atypische Pneumonie beginnt meist schleichend mit wenig Fieber (aber häufigen Begleitsymptomen wie Gelenkschmerzen), kann aber schwerwiegend werden.

Da Lungenentzündungen durch Bakterien und Vieren (bzw. Pilze) ausgelöst werden, ist eine Therapie mit Antibiotika nicht zwingend und in vielen Fällen nicht hilfreich. Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen ist zunächst wichtig, dass die Sauerstoffversorgung ausreichend ist. Daneben muss eine ausreichend Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein, Inhalationen sind oft günstig. Ob eine Lungenentzündung zuhause (ambulant) oder in der Klinik behandelt werden sollte, kann der Kinder- und Jugendarzt durch die Untersuchung und die engmaschigen Verlaufskontrollen entscheiden.

Wie komplex die Diagnose und Therapie einer Lungenentzündung sind, zeigt die Leitlinie, die federführend von Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) erstellt wurde. Darin sind die wichtigen Aspekte der Diagnose und Therapie im Detail wiedergegeben.

Was geht rum? 07. Dezember 2019

Infekte der Atemwege sind weiter im Umlauf. Gemessen an der Jahreszeit und den Wetterbedingungen sind es aber erstaunlich wenige. Und es gibt keine, die sich besonders hervortun.

Hingegen nimmt die Zahl der Magen-Darm-Infekte leicht zu. Auch in der letzten Woche traten gehäuft Infektionen mit Noro- und Rotaviren in einzelnen Kindergärten auf.

Die Windpocken zirkulieren weiterhin in Ravensburg. Das ist bei einer Inkubationszeit von zwei Wochen nicht weiter verwunderlich. Hinzu kommt, dass die Ansteckung bereits beginnt, bevor der Ausschlag auftritt. Wer sich nochmals kurz informieren will, findet hier weitere Einzelheiten.  Inzwischen hat sich Freiburg zu einem weiteren Zentrum für Windpocken entwickelt.

Was geht in der Welt rum? In Neuseeland gibt es einen Ausbruch an Masern. Die bei weitem meisten Erkrankungen werden aus Auckland gemeldet: 1708 innerhalb von sechs Monaten. Einige tausend Kilometer nördlich im Pazifik liegt die Südseeinsel Samoa. Von dort sind in den letzten sechs Wochen 3880 Neuerkrankungen gemeldet worden. 55 Menschen sind an den Masern verstorben. Zur Begrenzung haben die Behörden die Gesundheitsnotstand ausgerufen und die Universität, alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Vor einer Reise in die Region sollte der eigene Impfschutz überprüft und die aktuellen Einreisebestimmungen im Internet abgerufen werden.

TIPP Elternratgeber Anaphylaxie

Die schlimmste Ausprägung einer Allergie ist die Anaphylaxie – in Deutsch: der allergische Schock. Dieser stellt eine Überreaktion des Organismus dar, der auf an sich harmlose Stoffe wie Nüsse oder einen Bienenstich unangemessen heftig reagiert. In der Summe hilft er sich selbst überhaupt nicht. Vielmehr verursacht die Überreaktion eine rasche Ausschüttung von aktiven Botenstoffen wie Histamin, die den gesamten Körper in Gefahr bringt. Kurzum: Der Körper reagiert zu heftig und gefährdet sich dabei selbst massiv.

Eine Anaphylaxie kann auf verschiedenste Reize hin erfolgen. Für Kinder und Jugendliche sind dies meist allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (Nüsse, Ei, Fisch und andere), Insektenstiche (vorwiegend Biene oder Wespe) und Medikamente.

Kurz und prägnant sind die wichtigsten Informationen im Elternratgeber Anaphylaxie der GPS (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) zusammengefasst.

Bei Anaphylaxien ist eine enge Zusammenarbeit mit der/m Kinder- und Jugendärztin enorm wichtig. Neben der medizinischen Bewertung geht es auch um verschiedene Fragen: Ist eine Schulung sinnvoll oder notwendig? Sollte der Kindergarten oder die Schule informiert und für einen möglichen Notfall geschult werden? Müssen Medikamente ständig vorgehalten werden?

Kindermusikspieler

Die Stiftung Warentest hat sich im November kritisch mit den Kindermusikspielern befasst. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur einer ist gut.

Dabei handelt es sich um Winzki „Hörbert“, der als einziger die Note 1,8 erhielt (zweiter Platz 3.0). Gleichzeitig ist er mit 239,- € der teuerste. Er arbeitet ohne Internet, die Lautstärke wird als vorbildlich eingestuft. Mit einem Satz Batterien spielt er 57 Stunden lang.

Wie immer lohnt es sich nicht nur die Endergebnisse anzusehen, sondern auch, was im Einzelnen wie bewertet wurde und worauf Eltern beim Kauf eines solchen Gerätes achten sollten.