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Kinder- und Jugendarzt

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Was geht rum? 22. September 2018

Im Südwesten hatte der Sommer in der letzten Woche einen neuen Anlauf genommen. Kinder konnten oft in die Natur gehen und somit war auch das Risiko für Ansteckungen geringer. Effekt: noch immer wenige Infekte. So einfach kann’s manchmal gehen.

Natürlich betrifft das nicht alle gleichermaßen. Die Magen-Darm-Infekte gehen etwas zurück, die Atemwegsinfekte starten langsam. Dies sind besonders Infekte der oberen Luftwege mit trockenem Husten und etwas Heiserkeit (medizinisch: Laryngotracheitis), vermutlich die ersten Vorboten des Infektkrupps (medizinisch: stenosierende Laryngotracheitis).

Und was geht in der Welt rum? In Europa breitet sich in diesem heißen Sommer das West-Nil-Fieber in vielen Ländern aus. Dabei fällt die relativ hohe Sterblichkeit auf. Serbien berichtet von 286 Erkrankungen (29 Todesfälle), Rumänien von 183 (19 Todesfälle), Italien 361 (21 Todesfälle), Griechenland 192 (19 Todesfälle) sowie Frankreich. Selbst aus Österreich werden 13 Fälle berichtet, aber keine tödlichen Verläufe. Mückenschutz ist wichtig. Für weitere Informationen lesen Sie gerne unseren Beitrag zu den Insektenschutzmittel im praxisblättle.

Bericht vom Kongress der Kinder- und Jugendärzte in Leipzig

Foto: DGKJ 2018

Ende letzter Woche fand der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig statt. Den Kongress haben vier Fachgesellschaften gemeinsam gestaltet. Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die in Leipzig ihre 114. Jahrestagung durchführte. Das ist Tradition. Tradition ist auch, dass auch der Berufsverband der Kinderkrankenpflege wie schon seit 4 Jahrzehnten Partner der Veranstaltung war. Gut für alle Eltern zu wissen, dass Kinderärzte mit Kinderkrankenschwestern eng zusammenarbeiten.

Foto: DGKJ 2018

Standen früher Beiträge zu spezifischen Erkrankungen im Vordergrund, standen diesmal eher sozialpolitische Themen im Vordergrund. „Kein Kind wird zurückgelassen„. Obwohl in Deutschland alle Patienten Zugang zur Spitzenmedizin haben, wird diese von vielen aus verschiedenen Gründen nicht wahrgenommen. Der Kongress zeigte in mehreren Beiträgen praktische Wege auf, auch Kindern aus benachteiligten Milieus Angebote für eine gute Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Foto: DGKJ 2018

Auf den Gängen wurden viele weitere aktuellen Themen diskutiert, darunter auch die Telemedizin. Die meisten Ärzte sehen darin eine große Chance, auch wenn in vielen Bereichen der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt unerlässlich bleibt. Der Einzug der Digitalisierung in die Medizin hat längst begonnen, und alle Beteiligten des Gesundheitssystems sind aufgefordert, diesen kritisch zu begleiten und gestalten. Nur so kann sichergestellt werden, dass am Schluss nicht Algorithmen – deren Entstehung und Kontrolle oft im Dunkeln bleibt – über unsere Gesundheit entscheiden.

Foto: DGKJ 2018

Im praxisblättle werden wir in den kommenden Wochen einzelne relevante Themen aufgreifen, die beim Kongress in Leipzig diskutiert wurden.

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.

Was geht rum? 15. September 2018

Der Herbst hält im Südwesten langsam Einzug und mit ihm kommen bald wieder mehr Infektionen. Deswegen haben wir in dieser Woche auch einen Beitrag zum Fieber ins praxisblättle eingestellt. Dort können Eltern manche grundsätzlichen Informationen finden, was Fieber bedeutet und wie man damit umgeht, wenn das eigene Kind dadurch geplagt wird.

In Baden-Württemberg sind Infektionserkrankungen momentan noch selten. Mit dem Schulbeginn vor wenigen Tagen wird sich das vermutlich ändern. In den vergangenen Wochen traten Durchfallserkrankungen häufiger auf. Vermutlich lag das an der Wärme, die uns so lange begleitet hat. In Baden-Württemberg lagen die Erkrankungen an Salmonellose und Shigellose um etwa 30% höher als im Jahr zuvor. An diese Magen-Darm-Erkrankungen sollte gedacht werden, wenn der Durchfall von Fieber oder auffälligen Darmkrämpfen begleitet wird.

In Bezug auf die Atemwege stehen weiter die Herpangina und die unspezifische Reizung der Bronchien (bronchiale Hyperreagibilität) im Vordergrund.

Und was geht in der Welt rum? Aus Algerien werden seit Mitte August mehr als 215 Verdachtsfälle an Cholera gemeldet, inzwischen sind 83 davon bestätigt. Zwei Menschen verstarben an dieser schweren Infektion mit Durchfällen. Betroffen sind verschiedene Provinzen um Algier. Gute Hygiene ist ein guter Schutz. Eine gute Impfung steht ebenfalls zur Verfügung.

Fieber

Mit dem beginnenden Herbst kommt bald wieder die Zeit der Infektionen. Diese sind in vielen Fällen von Fieber begleitet, das den Kindern Stress und Eltern Angst macht. Dennoch: Fieber ist keine Krankheit. Es ist ein wichtiges Symptom, mit dem der Körper eine Fehlermeldung signalisiert – ähnlich wie die Kontrollleuchte in einem Auto.

Krankheiten bei denen Fieber auftritt sind sehr häufig. Mit Abstand am häufigsten tritt Fieber bei Infektionen mit Viren oder Bakterien auf. Diese Krankheitserreger können Stoffe freisetzen, die im Gehirn eine Veränderung des „Temperatur-Sollwertes“ herbeiführen. Das Gehirn (genauer die Region des Hypothalamus im Gehirn) gibt dem Körper dann beispielsweise den Befehl, statt einer Körpertemperatur von 37 Grad für eine Körpertemperatur von 39.2 Grad zu sorgen. Falls diese Veränderung rasch eintreten soll, kann der Körper dies mit einem Schüttelfrost „erreichen“. Durch die Muskelzuckungen wird der Körper einfach schneller warm. Aber auch andere Krankheiten können Fieber machen: Rheuma, Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder auch das sog. „Heufieber“, also der allergische Heuschnupfen. Fieber ist also nicht immer Zeichen für eine Infektion.

Wie messe ich die Körpertemperatur?

Die normale Körpertemperatur sollte im After (rektal) gemessen morgens in Ruhe immer unter 37.5 Grad Celsius liegen. Diese Messung ist die genauste. Rektale Temperaturen über 38.0 Grad sind immer auffällig und bedürfen einer Erklärung. Einigermaßen zuverlässig ist die Messung unter der Zunge, alle anderen Messungen weisen höhere Unsicherheiten auf. Bei der Messung mit dem Ohrthermometer wird oft eine zu niedrige Temperatur gemessen, wenn es nicht gelingt, das Trommelfell sicher anzupeilen.

Ist jede erhöhte Temperatur immer auch Fieber?

Nein. In den meisten Situationen ist der Sollwert des Gehirns korrekt, das Gehirn sagt also dem Körper: Halte die Temperatur bei 37 Grad. Es kann jedoch vorkommen, dass es dem Körper nicht gelingt, die auftretende Wärme abzugeben, wie bei einer Kissenschlacht. Es wird dann zu viel Wärme produziert und die Wärmeabfuhr ist vielleicht durch Wassermangel (z.B. hat ein Kind vor Aufregung auf dem Geburtstagsfest zu wenig getrunken) nicht ausreichend möglich. Auch Durst kann also die Temperatur ansteigen lassen, weil die Flüssigkeitsmenge für ein kräftiges Schwitzen nicht mehr ausreicht. Das nennt man medizinisch dann nicht Fieber, sondern HyperthermieIn diesem Fall will also der Hypothalamus dass die Temperatur bei 37 Grad liegt, aber der Körper kann das nicht umsetzen. Ein anderes Beispiel für eine Hyperthermie ist das zu warm angezogene Kind („….. es könnte sich erkälten“). Oder der Bauer, der im Sommer eine Wiese mit der Sense mäht und sich erschöpft unter einen Baum setzt. Wenn er dann Schatten hat und etwas trinkt, kommt die Temperatur von vielleicht 39 Grad innerhalb kurzer Zeit wieder auf Normalwerte zurück. Ohne dies zu messen spürt der Bauer, dass er wieder weitermachen kann.

Ist Fieber sinnvoll?

Im Infekt meistens. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Fieber zur Abwehr von Erregern wirksam ist. Aber es kann auch negative Folgen haben. Der Körper ist beim Fieber hohen Anstrengungen des Kreislaufs ausgesetzt. Fieber führt – wie wir alle erlebt haben – auch zu subjektiven Missempfindungen mit Angstträumen. Bei Kleinkindern können auch Fieberkrämpfe auftreten.

Was muss ich bei Fieber machen?

Zunächst muss mit den anderen Symptomen zusammen entschieden werden, ob Gefahr im Verzug ist. Fieber alleine ist meist kein Problem. Wenn aber zusätzlich Schläfrigkeit des Kindes auftritt, kann dies im schlimmsten Fall auch der Beginn einer Hirnhautentzündung sein. Bei grösseren Kindern und Jugendlichen ist das meist einfach zu klären, bei Kleinkindern sollte im Zweifelsfall ein Kinder- und Jugendarzt hinzugezogen werden.

Handelt es sich um einen „einfachen“ Infekt ist zunächst Flüssigkeitszufuhr wichtig. Daneben sollte das Kind warm zugedeckt werden, wenn sich sein Körper eher kalt anfühlt. Es sollte jedoch eher aufgedeckt werden, wenn es zu schwitzen beginnt. Das ist dann in aller Regel ein Hinweis auf die einsetzende Fiebersenkung. Unterstützend sinnvoll können Wadenwickel sein, wenn das Kind sie annimmt und die Beine warm sind (!).

….. und Medikamente?

Sie sind oft hilfreich, um unangenehmen Folgen des Fiebers entgegenzuwirken. So senken Arzneien wie Paracetamol (ben-u-ron© und andere) oder auch Ibuprofen (Dolormin©, Nurofen©) den erhöhten Sollwert im Gehirn. Der Körper bekommt also den Befehl „von oben“, statt beispielsweise 39.2°C die Temperatur auf 38.3°C zurückzufahren. Das Fieber sinkt. Meist aber nur für wenige Stunden. Aber das ist für den Kranken schon angenehm. Vergessen Sie dabei nie, wie Sie sich selbst mit Fieber fühlten! Diese Medikamente sind je nach Alter bei Temperaturen von 39.5 bis 40.5 Grad Celsius oft sinnvoll, aber teilweise auch bei geringeren Temperaturen, wenn gleichzeitig Schmerzen geklagt werden. Denn dagegen ist Paracetamol oder Ibuprofen auch hilfreich. Es ist auch verständlich, dass Fieber in der Einsamkeit der Nacht schlimmer ist, als wenn um das Kind herum tagsüber viel Ablenkung ist. Also, im Zweifelsfall zur Nacht eher mal großzügiger sein – und am Tag eher „geiziger“, wenn das Kind unter guter Beobachtung steht.

Gibt es Nebenwirkungen?

Ja. Deswegen sollte auch nicht bei jeder Temperaturerhöhung ein Medikament gegeben werden. Sie sind aber zum Glück selten. Unerwünschte Wirkungen treten bei einer Überdosis auf. Eine schwerwiegende Nebenwirkung von Paracetamol ist Fieber, also genau das, was wir eigentlich behandeln wollen. Das heißt, es kann schwierig sein, zu erkennen, ob das Fieber Krankheitszeichen oder bereits eine Nebenwirkung bei Überdosis ist. Wenn Sie die verordnete Dosis nicht überschreiten und z.B. Paracetamol maximal 3 Mal in der angegebenen Dosis am Tag geben, kann Ihrem Kind aber nichts passieren. Häufige Gabe von Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen über Jahre hat weitere, teils schwere Folgen. Das ist aber eher ein Problem von Erwachsenen.

Fazit

Wenn Ihr Kind also Fieber hat beachten Sie immer auch die anderen Zeichen: Wie geht es meinem Kind? Ist es wesensverändert oder jammert es nur über die Symptome Husten/ Schnupfen? Habe ich eine Erklärung für das Fieber? Eine Vorstellung beim Arzt ist umso wichtiger, je kleiner das Kind ist, also insbesondere bei Säuglingen. Im Zweifelsfall einfach beim Kinder- und Jugendarzt anrufen und nachfragen.

Giftpflanzen: Lorbeerkirsche

Wegen seines kräftigen Grüns übers ganze Jahr ist die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) in unseren Breiten eine sehr beliebte Gartenpflanze. Der bis zu 8 Meter hohe Strauch trägt im Herbst Früchte, die Vögel wie Kinder gleichmassen anziehen können. Für Deutschland sind weit mehr als 1000 Fälle einer Vergiftung dokumentiert.

Die Pflanze enthält besonders in den Blättern und den Samen Glykoside. Im Fruchtfleisch ist der Gehalt dieses Giftes hingegen geringer.

Symptome

Im Vordergrund stehen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit und Erbrechen. Daneben auch Gesichtsrötung, Kratzen im Hals und Kopfschmerzen.

Therapie

Bei weniger als 3 – 4 Früchten besteht kein Risiko. Darüber hinaus gehende Mengen können Beschwerden auslösen und es sollte der Arzt bzw. die Vergiftungszentrale eingeschaltet werden. Dort kann dann das individuelle Risiko und die Notwendigkeit einer Therapie beurteilt werden.

Was geht rum? 08. September 2018

Die Sommerferien sind zu Ende. Die Kinder aus Baden-Württemberg gehen ab Montag wieder zur Schule. „Soll ich mein Kind zur Sicherheit in die Schule fahren?“ Doch dazu später.

Denn Ihre erste Frage ist ja: „Was geht rum“? Welche Infekte gibt es im Südwesten? Wird sich mein Kind in den kommenden Tagen anstecken und direkt bei Schulbeginn krank sein? Dann könnte es viel verpassen. Zum Beispiel einen Platz im Klassenzimmer neben einem Freund. Aber keine Sorge, viele Infekte gibt es noch nicht. Und die, die es gibt, werfen Schulkinder in aller Regel nicht um.

Schlimmer ist da der Schulweg. Eine Berliner Mutter brachte es auf den Punkt: „Eltern fahren ihre Kinder zur Schule, damit sie von Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, nicht umgefahren werden“. Die Statistik widerspricht diesen Elternängsten. Denn bei den Grundschülern (in der Statistik die Kinder zwischen 6 und 9 Jahren) verunfallen die meisten in einem PKW (41.6%), so das statistische Bundesamt mit Bezug auf das Jahr 2016. Als Fußgänger verunglücken 29.8 Prozent, als Fahrradfahrer jedes vierte Kind. Das Auto stellt also keinen Schutz vor Unfällen dar.

Eltern können für Kinder ein Wegbereiter sein. Da Kinder im Grundschulalter situativ lernen, ist es sinnvoll, den künftigen Schulweg mehrfach gemeinsam zu gehen, um Gefahrenquellen zu erkennen und den Kindern damit mehr Sicherheit zu geben. Dieser Vertrauensvorschuss ist für Kinder eine Anerkennung durch die Eltern („Stärkung des Selbstvertrauens“). Nebenbei sind sie auf dem Schulweg unter sich und können Dinge bereden, die im Auto sicher nicht zur Sprache kommen. Dinge, die Eltern nichts angehen. Auch Kinder haben Geheimnisse.

Abbildung 1. Verunglückte bzw. getötete Kinder im Straßenverkehr: helle Säule im Jahr 2015, dunkle Säulen im Jahr 2016. Quelle: Statistisches Bundesamt

Das Fahrrad ist eher kritisch zu sehen. Klar, die meisten Kinder können damit umgehen. Es fällt ihnen als Grundschüler im Pulk mit anderen Kindern aber schwer, die massiven Risiken des übrigen Verkehrs angemessen zu bewerten. Das können die Kinder von 10-14 Jahren besser. Und dennoch verunglücken diese jungen Menschen am häufigsten mit dem Fahrrad (47.1%; statistisches Bundesamt). Also: Kinder – durch eigenes Beispiel – überzeugen, immer einen Fahrradhelm zu tragen und immer ein Licht vorne und hinten anhaben. Auch wenn die Sonne noch so scheint. Den Schwaben unter ihnen sei’s nochmal betont: „Des bizzele Schtrom koscht fascht nix“. Die meisten Unfälle passieren übrigens zwischen 7 und 8 Uhr morgens.

Mit den ersten Nebeln beginnt langsam der Stress für gereizte Atemwege. Das nennt sich medizinisch bronchiale Hyperreagibilität und wird durch verschiedene Reize ausgelöst. Ganz typisch ist kalt-feuchte Luft. Kinder und Jugendliche müssen dann immer wieder husten, räuspern sich und zeigen gerne auch mal nachts Hustenattacken. Das sollte dann beim Arzt abgeklärt werden, damit ein Übergang in ein Asthma erkannt und bei Notwendigkeit auch eine Therapie eingeleitet wird.

Und was geht in der Welt rum? in Namibia gibt es seit Wochen einen Ausbruch an Hepatitis E. Diese infektiöse Lebererkrankung wird über kontaminierte Nahrungsmittel (oft Fleisch) übertragen – ähnlich wie die Hepatitis A – und verläuft wie diese in aller Regel auch gutartig. Dabei kommt es zur Gelbsucht (Ikterus), Übelkeit und Bauchschmerzen. Betroffen sind neben einigen Bezirken der Hauptstadt Windhoek die Regionen Erongo, Khomas, Omusati und Oshana. Die wichtigste Maßnahme ist Beachtung der Hygiene beim Essen (wie bei der Vorbeugung von Hepatitis A). Eine Impfung steht bei uns nicht zur Verfügung. Eine chinesische Impfung soll gute Ergebnisse zeigen, ist aber im Westen nicht verfügbar.

TIPP Kopfläuse – schonende Behandlung

Es gibt nur wenige Familien, die von Kopfläusen verschont bleiben. Das ist kein Wunder, befallen diese Tierchen in Deutschland doch 600 bis 1000 von 10.000 Kindern – kurzum jedes zehnte Kind, jedes Jahr. Das führt dann regelmäßig zu großer Unruhe und Sorge unter Eltern, Erziehern und Lehrern. Alle – und Ärzte sind davon nicht verschont – juckt es schon beim Gedanken, Kopfläuse könnten unsere Mitbewohner sein.

Ein Grund zu Beruhigung ist vielleicht, dass sich die Kopflaus (Pediculus capitis) nur auf dem behaarten menschlichen Kopf wohlfühlt und sonst nirgends. Es ist sogar so, dass sie auf die Nahrung der Kopfhaut dringend angewiesen ist, sonst versterben Kopfläuse innert 24 – 48 Stunden. Was sie auch nicht mögen ist Hitze: 55 Grad Celsius tötet sie ab. Leider tun diese Temperaturen aber auch unserem Kopf nicht gut, sonst wäre dies eine einfache Methode, Läuse zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang wurden bereits Trockenhauben als Therapiemethode getestet und erwiesen sich als nicht praktikabel.

Untersuchungen zeigen nun, dass das Auffinden von Nissen alleine kein Grund zur Besorgnis darstellen sollte. In einer australischen Studie an 1729 Schulkindern konnte gezeigt werden, dass von den 91 Kindern die Nissen an ihren Haaren aufwiesen nur 31% auch tatsächlich Läuse hatten. Im weiteren Verlauf zeigten sich bei den Kindern mit alleinigem Nissenbefall nach 2 Wochen wiederum nur in 18% Kopfläuse. Es ist schon lange bekannt, dass nur Nissen, die weniger als 1 cm von der Kopfhaut entfernt an einem Haar anhaften noch leben und somit für Nachwuchs von Läusen sorgen können; alle anderen Nissen sind nur leere Hülsen die anzeigen, dass einmal Läuse die Kopfhaut befallen hatten.

Unter diesen Bedingungen hat die amerikanische Gesellschaft für Kinderheilkunde (AAP) mit anderen Gesundheitsorganisationen der USA den Umgang mit Kopflausbefall überarbeitet. Barbara L. Frankowski hat die Grundlagen für diese Entscheidung in der angesehenen Zeitschrift Pediatrics im Jahre 2010 veröffentlicht. Darin wird die „keine – Nissen – Politik“ klar verlassen und zur Entfernung von Nissen nur deshalb geraten, um eine Verwirrung der Umgebung zu verhindern. Auch hat es sich nicht als sinnvoll erwiesen eine gesamte Klasse über den Kopflausbefall eines Mitschülers zu informieren. Diese Hinweise führten – wie aus unserer Erfahrung in Pfullendorf bekannt – zu großer Verunsicherung. Sie trugen aber nicht zur Vorbeugung bei anderen Kindern bei. Wichtig bleibt die korrekte und konsequente Therapie des Kopflausbefalls am Tag der Diagnose. Dann kann ein Kind auch am Folgetag wieder zur Schule / Kindergarten gehen.

Es gibt inzwischen einige Therapieansätze. Im klassischen Fall erfolgt die Behandlung in den letzten Jahren mit Dimeticon (Nyda© L, Jacutin© Pedicul Fluid, EtoPril©). Dimeticon führt zum Ersticken der Läuse und hat kaum unerwünschte Wirkungen. Früher – und in Deutschland noch gut wirksam – wurde Permethrin (InfectoPedicul©) und Pyrethrum (Goldgeist© forte) in der Regel angewandt. Letzteres wurde aus den Blüten der Chrysanthemen (Tanacetum cinerariifolium) gewonnen (siehe Titelbild aus Ruanda). Diese Arzneien können zu leichten Hautreizungen führen.

Mit etwas Zeitaufwand können Eltern ihre Kinder – und ggf. auch sich selbst – mit der Methode des feuchten Auskämmens behandeln, die wir im praxisblättle bereits vorgestellt haben.

Kopfläuse sind keine Krankheitsüberträger (wie zum Beispiel Zecken) und stellen somit kein Gesundheitsrisiko für die Umgebung dar. Man sollte alles daran setzen, dass Kinder nach adäquater Therapie schon am nächsten Tag wieder die Schule / den Kindergarten besuchen. Kinder der engsten Umgebung (Geschwister) werden meistens mitbehandelt. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist erfahren Sie von bei ihrem Kinder- und Jugendarzt.

Wer weitergehende Detailinformationen sucht, kann diese im Merkblatt des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg finden.

Giftpflanzen: Eibe

Die Eibe (Taxus baccata) gehört zu den sehr giftigen Pflanzen und war schon im Altertum als
„Todesbaum“ bekannt. Zwar haben die Nadeln eine höhere Giftigkeit durch das enthaltene Taxin. Aber die schönen Samen sind für Kinder natürlich lockender. Insofern treten Vergiftungen im Kindesalter fast ausschließlich durch die Samen („Beeren“) auf.

Symptome

Nach etwa einer Stunde treten Übelkeit, Schwindel und Bauchschmerzen auf. Danach kommt es zu Bewusstlosigkeit, Rotfärbung der Lippen und schnellem Herzschlag (Tachykardie). Im weiteren Verlauf und bei entsprechend hoher Dosis sinkt der Blutdruck ab und der Tod tritt ein.

Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich

Maßnahmen

Bei bis zu 3 zerkauten Beeren ist außer Flüssigkeitsgabe keine weitere Maßnahme erforderlich. Bei mehr als 3 Beeren – und bei unklarer eingenommener Menge – sollte auf jeden Fall die Giftzentrale kontaktiert werden. Unbedingt zu beachten ist, dass zwischen Einnahme der Beeren und den Symptomen etwa 1 Stunde vergeht! Da Kinder meist nach 1 Beere vom Verzehr ablassen und die Beeren meist nicht zerkauen, treten fast ausschließlich schwache Symptome auf – auch wenn die Pflanze prinzipiell tödlich sein kann.

Wegen der Giftigkeit der Pflanze muss im Zweifelsfall lieber „überreagiert“ werden, wenn die Einnahme bzw. die Zahl der eingenommenen Beeren/ Pflanzenanteile unsicher ist.

Was geht rum? 01. September 2018

Die Pollenflugzeit ist nun beendet. Manchmal können kurze Wärmephasen den Flug einzelner Gräserpollen nochmals anregen, was bis in den Oktober vorkommen kann. Das betrifft dann jedoch vielleicht 1% der Allergiker. Und die wissen schon lange, dass sie schwere Allergiker sind und sind entsprechend gerüstet. Pollen-Überraschungen sind also nicht mehr zu erwarten.

Bald werden aber die Infekte neue Akzente setzen. In der vergangenen Woche hielten sie sich aber weiterhin zurück: Einzelne Magen-Darm-Infektionen mit Durchfall sowie Erkrankungen an Hand-Fuß-Mundkrankheit. Daneben wurden auch wenige Infektionen mit Streptokokken gesehen sowie – als letzte Hinweise auf die Hitzewelle – Entzündungen des Gehörgangs (Otitis externa).

Was geht in der Welt rum? Im Süden des Kongo (DR Kongo) sind laut Angaben des Gesundheitsministeriums 70 Erkrankungen an Gelbfieber aufgetreten. Gegen diese Erkrankung gibt es eine hoch effektive Impfung, die nur einmal im Leben durchgeführt werden muss. Gelbfiebererkrankungen wurden zuletzt auch aus Französisch Guayana gemeldet. Leider wird diese Erkrankung oftmals mit „Gelbsucht“ verwechselt, worunter meist eine Hepatitis A – also eine infektiöse und in aller Regel langfristig harmlose Lebererkrankung verstanden wird. Gelbfieber ist jedoch eine extrem gefährliche Erkrankung, gegen die sich jeder impfen sollte, der in ein ausgewiesenes Risikogebiet begibt. Dazu zählen auch viele typische Feriendestinationen.