peter
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Kinder- und Jugendarzt

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Was geht rum? 14. September 2019

Der Schulanfang ist geschafft, die meisten Hefte und Stifte sind bereits im Einsatz. Es kann also losgehen. Zumindest dann, wenn ein Lehrer die Klasse betritt. Das ist bei allen schönen Neuerungen in der Bildungslandschaft ja das Problem: Es sind zu wenig Pädagogen da, die die spannenden Aufgaben mit unseren Kindern umsetzen können. Also, seid lieb zu Euren Lehrern! Es sind die einzigen,, die wir haben.

In den Schulen und Kindergärten werden nun auch die Krankheiten ausgetauscht, die unsere Kinder und Jugendlichen in den nächsten Wochen begleiten. Noch geht kaum was Neues rum: Es sind die Magen-Darm-Infektionen, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit und verschiedene kleine Infekte, die krank machen.

Wie bereits erwähnt, sollte jetzt über die Impfungen nachgedacht werden. Jetzt sind die meisten Kinder gesund und sie können problemlos Impfungen nachholen, die noch ausstehen. Ganz besonders wichtig: Keuchhusten, Meningokokken, Pneumokokken.

Was geht in der Welt rum? Aus Äthiopien wird ein Ausbruch von Chikungunya gemeldet. In der Region um Dire Dawa im Osten des Landes, nahe zur Grenze mit Djibouti sollen etwa 20.000 Menschen von dieser Viruserkrankung betroffen sein. Sie geht häufig mit Fieber einher wie eine Grippeerkrankung und zeichnet sich durch typische extrem starke Gelenkschmerzen aus. Übertragen wird sie von Mücken, weswegen ein konsequenter Mückenschutz sinnvoll ist.

Kinder mit Courage

Mal ein ganz anderes Thema. Wir Eltern ermuntern in der Regel unsere Kinder, sich eine eigene Meinung zu bilden. Zu dieser Überzeugung sollen sie auch stehen, selbst wenn widrige Umstände das nicht ganz einfach machen. Dafür gibt es das Wort Courage.

Da mutet eine Geschichte seltsam an, die von Lorenz Maroldt vom Checkpoint (Tagesspiegel) am 29. August 2019 aus Berlin berichtet wurde:

Eine echt krasse Geschichte hat Johanna Sprondel erlebt – ihr Sohn (12) meldete der Polizei, dass vor der Haustür fünf Jugendliche mehrere „Lidl“-Fahrräder demolierten und klauten. Zwischenergebnis: Kein Dank von niemandem, und „da er vor Angst, sie könnten ihn wiedererkennen, seit einer Woche kaum noch schläft, war‘s das mit Courage“. Und es kam noch schlimmer: Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen ihren Sohn wegen „falscher Verdächtigung“ – offenbar hatten sich die fünf anderen abgesprochen. Jetzt teilten ihr die Ermittler mit: Das Verfahren wird eingestellt – nicht etwa wegen erwiesener Unschuld, sondern wegen Strafunmündigkeit. Immerhin meldete sich die Polizei doch noch und fragte nach der Vorgangsnummer: „Wir würden uns das gerne mal anschauen.“ Wir auch – der Checkpoint bleibt dran. 

Die Mutter des Jungen, Frau Sprondel, hat ebenfalls Courage und stellt sich in den sozialen Medien hinter ihren Sohn. Wenn schon staatliche Behörden keinen Mumm haben, so beruhigt es, dass Eltern ihn haben. Der 12-Jährige wird aus der Geschichte einiges lernen. Vermutlich wird er sich beim nächsten Mal aber gut überlegen, ob er zur erlebten Wahrheit steht. Keine gute Lernerfahrung. Hoffen wir, dass die Mutter den Ausgang der Geschichte noch wenden kann.

Vegetarische Ernährung: Was muss im Kindesalter beachtet werden?

Für die Großelterngeneration war das tägliche Stück Fleisch auf dem Teller Ausdruck von Luxus. Später wurde es zur Gewohnheit. In den letzten Jahren wird es zunehmend in Frage gestellt, nachdem verschiedene Studien den Einfluss von Nahrung auf die Gesundheit beschrieben haben.

Spezielle Ernährungsformen sind zuletzt immer bedeutender geworden. Das hat nicht nur Auswirkungen für die Menschen, die das für sich selbst umsetzen. Davon betroffen sind auch Menschen im näheren Umkreis, wie der Familie. Ob ein Erwachsener entscheidet sich vegan zu ernähren oder ob ein Kind vegan ernährt wird sind zwei komplett unterschiedliche Themen. Gut also, dass sich Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendmedizin gemeldet haben und sich wissenschaftlich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Man geht davon aus, dass sich in Deutschland zur Zeit etwa 10% rein vegetarisch und etwa 1% der Menschen vegan ernähren.

Kritische Nährstoffe nach Kersting et al, 2018. Foto: Monatsschrift Kinderheilkunde

In der neuesten Ausgabe der Monatsschrift für Kinderheilkunde setzen sich Hermann Kalhoff, Thomas Lücke und Prof. Dr. Mathilde Kersting aus dem Forschungsdepartment Kinderernährung in Bochum mit dieser Frage auseinander. Sie weisen darauf hin, welche „kritischen Nährstoffe“ bei bestimmten Diäten in verminderter Form auftreten können. Das hat für einen Organismus im Wachstum enorme Bedeutung. Im Detail können Sie sich hier schlau machen.

Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass „überzeugende Argumente für gesundheitliche Vorteile vegetarischer Kostformen gegenüber den bewährten Standards der Ernährung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen…. bisher fehlen“. Sie empfehlen „je nach Strenge der Diät, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen“ und Beratung, um keine Risiken für die Entwicklung der Säuglinge, Kinder und Jugendlichen einzugehen.

Was geht rum? 07. September 2019

Der Herbst hat begonnen- zumindest meteorologisch. Mit den veränderten Wetterverhältnissen ändern sich auch die gesundheitlichen Belastungen für Kinder und Jugendliche. Pollenallergien treten nur noch vereinzelt auf, Zecken beißen spürbar weniger und zum Sonnenbrand reicht es nicht mehr.

Nun beginnt die Zeit der Infekte. Zunächst langsam, aber mit dem Schulanfang spürbar schneller. Die Magen-Darm-Infektionen werden zunächst noch anhalten, angefeuert auch durch Erreger, die aus dem Urlaub irgendwoher mitgebracht wurden. Auch die Erkrankungen mit Campylobacter wie zuletzt im Ortenaukreis haben durchaus noch grössere Chancen. Hier hilft, wie bereits im letzten praxisblättle vermerkt, pingelige Hygiene bei der Zubereitung von Hühnerfleisch.

Die Häufigkeit Atemwegsinfektionen kommen nehmen wieder langsam zu. Daneben treten auch viele Lungenentzündungen auf, die vermutlich auf Mykoplasmen zurückzuführen sind.

Nissen im Haar bei Kopfläusen. Foto: www.bugspray.com

Manches Kind, so ist meine Erfahrung, bringt Kopfläuse als Urlaubserinnerung mit. Es lohnt sich also, den Kopf des Kindes auf Nissen abzusuchen. Geübte können auch versuchen, die Läuse selbst zu finden. Je früher die Kopfläuse behandelt werden, umso einfacher geht’s. Und man vermeidet lange Diskussionen im Freundeskreis und in der Schule oder dem Kindergarten.

Kopflaus. Foto: pixabay, olivierdevoux

Die Kopfläuse bewohnen gezielt den menschlichen, behaart Kopf. Sie haben nichts mit Unsauberkeit zu tun, sondern können von anderen Betroffenen übertragen werden. Diese wissen häufig nichts davon. Denn vom Beginn bis zur sicheren Diagnose dauert es typischerweise viele Wochen. Wen juckt’s? Alle. Aber erst sehr langsam und dann stetig mehr. Für die Therapie lesen Sie bitte den Beitrag des praxisblättle vom letzten Jahr hier.

GIFTIG Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Foto: www.pilz-baden.ch

Pilzvergiftungen sind jetzt natürlich möglich. Genaue Daten, wie häufig sie vorkommen und wen sie betreffen gibt es für Deutschland nicht. Unter den etwa 6000 Pilzarten in Mitteleuropa gelten knapp 200 als giftig. Pilzkenner gehen davon aus, dass 90% aller Vergiftungen auf den grünen Knollenblätterpilz zurückgehen. Bevor man als Laie Pilze zum Verzehr im Wald sammelt, sollte man immer einen Pilzexperten kennen, der sie nachher bestimmt. Und nebenbei sollte man den grünen Knollenblätterpilz kennen, um ihn von vornherein zu vermeiden, insbesondere wenn Kinder beim Sammeln dabei sind.

Was geht in der Welt rum? In einigen europäischen Ländern breitet sich das WestNilFieber weiter aus. Neben Rumänien und Italien ist ganz besonders Griechenland betroffen: 126 gesicherte Erkrankungen und 13 Todesfälle. Konsequenter Mückenschutz ist die beste Maßnahme, um eine Ansteckung zu vermeiden

Zöliakie

Die Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Unverträglichkeit von Gluten – früher auch häufiger Kleber genannt – ausgelöst wird. Als Gluten wird eine Mischung von Eiweißen (Proteinen) in gewissen Getreidesorten bezeichnet. Die Zöliakie wird also durch den Verzehr von Getreide und Getreideprodukten ausgelöst.

Die Ursache für die Unverträglichkeit liegt im Zusammenspiel einer allergischen Reaktion des Darmes mit einer Autoimmunerkrankung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Erkrankung mehr ist als eine Erkrankung des Darmes; auch andere Organe sind betroffen. Als auslösende Getreide gelten: Gerste, Weizen, Dinkel, Hafer, Roggen, Grünkern. Unproblematisch sind Reis, Mais, Hirse, Teff (Grundlage für Injera, ein äthiopisches Fladenbrot). Buchweizen und Quinoa (das Grundnahrungsmittel in der Andenregion) werden ebenfalls gut vertragen, sind auch biologisch betrachte keine Getreide.

Die Häufigkeit der Erkrankung hat über die letzten Jahrzehnte zugenommen. Zugenommen hat infolge deutlich verbesserter Diagnostik auch die Zahl der aufgedeckten Erkrankungen. Neben den typischen Krankheitsbildern (siehe unten) gibt es Verlaufsformen mit geringen oder auch fehlenden Symptomen. Die Zöliakie beginnt häufig im Kinderalter und betrifft mehr Mädchen als Jungen. Je nach Region liegt die Häufigkeit bei 1-3% in Europa. Bei einigen Grundkrankheiten ist das Risiko eine Zöliakie zu entwickeln um bis zu 5-10% erhöht: Diabetes mellitus, Autoimmunthyreoiditis, Trisomie 21, Turner-Syndrom, Williams-Beuren-Syndrom, selektivem IgA-Mangel und Autoimmunhepatitis. Es besteht ein erhöhtes familiäres Risiko.

Neben der Zöliakie gibt es auch eine Weizenallergie, die recht häufig ist. Hierbei besteht eine Allergie gegen Gluten + Weizenproteine. Als dritte Variante gibt es auch eine  Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität, die wissenschaftlich noch umstritten ist. Welche dieser Erkrankungen vorliegt kann der spezialisierte Arzt mit verschiedenen diagnostischen Tests herausfiltern.

Symptome

Bei klassischen Verläufen stehen im Kindesalter die Gedeihstörungen nach Einführung getreidehaltiger Nahrungsmittel am Anfang. Meist kommt es parallel zu Durchfällen (Verstopfung ist aber auch möglich!). Die große Stuhlmenge passt nicht zu der Menge an Nahrung, die das Kind aufnimmt. Die Stühle sind fettig. Viele Eltern berichten, dass ihr Kind zunehmend lustlos und missmutig wurde. Die Lebenslust und Vitalität geht zurück. Beim Zahnarzt fallen manchmal typische Zahnschmelzdefekte auf.

Diese Symptome treten beim Jugendlichen meist deutlich abgeschwächt auf, zumal in diesem Alter Stimmungsschwankungen auch hormonell erklärbar sind.

Diagnosestellung

Typische Darmschleimhaut bei Zöliakie. Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Celiac_disease_-_high_mag.jpg

In den letzten Jahrzehnten war die Diagnose nur mit Hilfe einer Biopsie (Entnahme eines kleinen Stückes Dünndarm) möglich. Diese wurde im Stadium der Erkrankung sowie nach Besserung unter Diät ein zweites Mal durchgeführt. Das Bild der Darmschleimhaut ist typisch und zeigt einen hohen Anteil an Entzündungszellen (T-Lymphozyten).

Inzwischen können verschiedene Laborwerte aus dem Blut – inklusive von genetischen Merkmalen (HLA-DQ2/DQ8) – die Diagnose einer Zöliakie in vielen Fällen bestätigen, so dass die eingreifende Untersuchung der Darmschleimhaut nur noch selten erforderlich ist.

Therapie

Die gute Nachricht ist, dass die Zöliakie mit einer glutenfreien Diät sicher behandelbar ist. Die schlechte Nachricht: dieses Diät ist nicht ganz einfach und verlangt im Alltag von den Betroffenen sehr viel ab. Das beginnt bei der Kennzeichnung der Nahrungsmittel (ist wirklich kein Gluten enthalten?) und reicht bis zum sozialen Druck, der sich beim „gemütlichen Bier“ am Abend bei Jugendlichen ergeben kann.

Eine konsequente Therapie ist von entscheidender Bedeutung. Dadurch kann in erster Linie komplette Beschwerdefreiheit erzielt werden. Bei nicht konsequenter Diät bleibt die Entzündung im Darm in einem gewissen Maße bestehen. Dies kann vielfältige Folgen haben:

  • Die Aufnahme von Nährstoffen ist eingeschränkt. Wenn zu wenig Eisen aufgenommen wird, kommt es über kurz oder lang zu einer Blutarmut (Eisenmangelanämie). In Bezug auf die verminderte Aufnahme von Calcium kann eine Osteoporose die Folge sein.
  • Über Jahrzehnte steigt bei bestehender chronischer Entzündung das Risiko für die Entwicklung eines Darmkrebses.
  • So wie einige Autoimmunerkrankungen (siehe oben; z.B. Diabetes mellitus) das Risiko für die Entwicklung einer Zöliakie steigern, so kann die nicht ausreichend therapierte Zöliakie auch das Risiko für die Entwicklung einer Autoimmunerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus; Hashimoto-Thyreoiditis) darstellen.
  • Bei nicht ausreichend konsequenter Diät ist auch das Risiko für eine Verminderung der Fruchtbarkeit (Fertilitätsstörung) erhöht. So soll bei unklarer Unfruchtbarkeit die Ursache in 8% eine unbekannte oder nicht ausreichend behandelte Zöliakie sein.

Die Zöliakie ist eine lebensverändernde Krankheit. Ihre Behandlung besteht in einer lebenslangen gluten-freien Diät, die hohe Anforderungen im Alltag stellt. Dadurch können aber schwere Folgeerkrankungen verhindert werden.

Die Diagnose der Zöliakie wird in aller Regel durch den Kinder- und Jugendarzt in Kooperation mit Kinder-Gastroenterologen gestellt. Ist die Diagnose klar, steht die Ernährungsberatung an, die durch entsprechend ausgebildete Fachkräfte erfolgt. Für den Alltag ist die Unterstützung durch andere betroffene Familien ganz entscheidend. Hierfür ist die Kontaktaufnahme mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. ein wichtiger Türöffner.

Insektenstiche – heat-it

Das Prinzip ist schon lange bekannt: Hitze vermag die unangenehme Hautreaktion nach einem Insektenstich effektiv zu behandeln. Das Problem: wenn uns ein Insekt gerade gestochen hat, haben wir auf die Schnelle keinen Zugang zu punktueller Hitze.

Im nächsten Jahr gibt es vermutlich eine sinnvolle Innovation: heat-it. Dahinter stecken Studenten des innovativen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Die vier Forscher fanden, dass der Hitzestift – bite away – eine gute Idee sei, die aber im Alltag oft nicht zur Verfügung steht. Wer packt schon regelmäßig einen Stift für seine Naturerlebnisse ein? Also tüftelten sie und gewannen mit ihrem heat-it den Cosima-Wettbewerb im Jahre 2017.

Mit dem Smartphone verbundener heat-it. Foto: www.heatit.de

Der heat-it wird in den Ladeanschluss des Smartphones gesteckt und mit wenigen Klicks vom Smartphone ausgelöst. Dabei wird die Dauer und Intensität der Hitze je nach Art des Insektes und des Hauttyps gesteuert. Das Kurzprogramm fragt auch ab, ob ein Kind oder ein Erwachsener betroffen ist. Damit steht gerade für Kinder eine ungefährliche und wenig belästigende Methode in Aussicht, um den lästigen Juckreiz von Insekten auf ein Minimum zu beschränken.

Nach einigen Schwierigkeiten ihr Produkt zu vermarkten, scheinen sie jetzt Erfolg zu haben. Der Schlüssel dazu war das Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt. Über ihre Homepage fanden sie viele Einzelpersonen, die ihre Idee gut fanden und bereit waren, ihnen Geld hierfür bereit zu stellen. Wenn alles so gut weiter läuft, kann im nächsten Jahr mit dem marktfertigen Produkt gerechnet werden.

Vielleicht ist ab nächstem Jahr ein Insektenstich für Kinder gar nicht mehr so schlimm. Und für Jugendliche und Erwachsene ebenso wenig.

Was geht rum? 31. August 2019

Insektenhotel. Diese wunderbare Entdeckung der letzten Jahre ist ein zarter Versuch dem Insektensterben etwas entgegen zu setzen. Nein, es geht nicht nur um Bienen. Auch die weniger beliebten Tierchen wie Wespen, Schnaken oder Mücken sind gemeint. Das hübscheste Insektenhotel hat aber wohl die Natur: die Sonnenblume. Sie wendet sich bekanntermaßen im Wachstum immer der Sonne zu. Dadurch wird sie rasch erwärmt, was wiederum die Insekten anzieht. Und die helfen beim Bestäuben. Die Natur lehrt uns viel.

Manchmal lehrt sie uns auch das Fürchten. Das macht sie mit kleineren und grösseren Infektionen. Erstere sind die weiterhin verbreiteten Erkrankungen mit Enteroviren wie die Herpangina oder die Hand-Fuß-Mund-Krankheit, die in aller Regel einen harmlosen Verlauf nehmen. Auch wenn sie für die betroffenen Kinder und Jugendlichen unangenehm sind. Daneben stehen im Moment die Magen-Darm-Infektionen im Vordergrund.

Demgegenüber ist das Q-Fieber, das weiterhin im Zollern-Alb-Kreis auftritt, ist um einiges problematischer. Zum einen verläuft diese Krankheit über eine bis zwei Wochen. Zum anderen, glücklicherweise selten, können Komplikationen wie eine schwere Lungenentzündung auftreten. Auch CampylobacterInfektionen können betroffene Kinder und Jugendliche schwer treffen. Diese Erreger fallen meist durch blutigen Stuhlgang, Fieber und Darmkrämpfe auf. Im Moment werden sehr viele Fälle aus der Region von Donaueschingen gemeldet. Gerade in Fleisch von Mast-Hähnchen sind sie – zu –  oft zu finden. Deswegen ist pingelige Hygiene bei der Zubereitung die zentrale Maßnahme um vorzubeugen.

Sehr schwerwiegende Infektionen sind im Moment tatsächlich selten. Das ändert sich aber zu den Herbstmonaten hin. Hohe Risiken stellen dann die Pneumokokken und Meningokokken für alle Kinder und Jugendlichen dar. Besonders gefährdet sind Säuglinge. Deswegen sollten Eltern die Chance nutzen, Ihre Sprösslinge rechtzeitig gegen diese Geiseln der Natur zu impfen und damit zu schützen.

Was geht in der Welt rum? Im Norden Algeriens sind in den letzten Wochen vermehrt Erkrankungen mit Gelbsucht aufgefallen. Es wird angenommen, dass als Ursache Hepatitis A und Hepatitis E in Frage kommen, deren Übertragungsweg vorwiegend über die Nahrungskette geht. Für Touristen ist es ratsam, nur Wasser aus zuvor geschlossenen Flaschen zu trinken und dies auch zum Zähneputzen zu verwenden.

plupp 04: Tuberkulose, Grippe und Masern – früher und heute

Tuberkulose

Todesfälle durch Tuberkolose in Deutschland von 2008 bis 2017. Foto: statista

Todesfälle durch Tuberkulose im deutschen Reich im Jahre 1880 120.000
Todesfälle durch Tuberkolose in Deutschland im Jahre 2017 102
Influenza („Grippe“)

Sterblichkeit nach Alter bei verschiedenen Ausbrüchen der Influenza („Grippe“) in den USA nach GLEZEN WP, 1996 Foto: Publikation von Glezen, 1996

Kindersterblichkeit auf 100.000 durch Influenza in den USA in der Saison 1918/1919 1000,00
Kindersterblichkeit auf 100.000 durch Influenza in den USA in der Saison 2018/2019 0,17
Masern

Todesfälle durch Masern. Foto: CDC, Atlanta

Tote durch Masern weltweit im Jahre 2000 545.000
Tote durch Masern weltweit im Jahre 2017 110.000

TIPP Test über Kinderwagen

Die Stiftung Warentest hat sich wieder einmal dem Thema Kinderwagen gewidmet. Das tut sie bereits seit dem Jahre 1972 und setzte Standards, die sich heute für die Sicherheit der Kinder positiv auswirken. Wie im Testheft vermerkt, waren in dem neuen Test  „so viele Wagen wie ….noch nie gut“. Im Folgenden geben wir eine kleine Übersicht über die Monokinderwagen (Kinderwagen für nur ein Kind) die anregen soll, sich den gesamten Test anzusehen (Stiftung Warentest, August 2019).

Produkt Note Preis Anmerkung
Hauk Saturn R Duoset 2,3 400 Wanne reicht, bis Kind auf Sitz wechseln kann
ABC Design Salsa 4 2,4 700 lässt sich schnell und intuitiv montieren
Bugaboo Fox 2,4 1150 bestes Sonnenverdeck
Joolz Day 3 2,4 900 große Wanne
Joolz Geo 2 2,5 1000 erweiterbar zum Geschwisterwagen
Kinderkraft Moov 2,5 260 günstigster guter Wagen

Was geht rum? 24. August 2019

Auch in der letzten Woche traten nur wenig Infektionen bei Kindern und Jugendlichen im Südwesten auf. Die haben im Moment kaum Chancen sich zu verbreiten. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass gefühlt jeder zweite in Urlaub ausgeflogen ist. Warten wir mal ab, was die Rückkehrer mitbringen werden.

Häufig sind das – sprechen wir es mutig aus – Läuse, genauer: Kopfläuse. Denn sie leben nur auf dem behaarten Kopf des Menschen. Bis die bemerkt werden ist es oft Oktober. Mit den entsprechenden emotionalen Aufrufen aus Kindergarten und Schule. Es kann also durchaus sinnvoll sein nicht nur den Körper nach Zecken, sondern auch den behaarten Kopf der Kinder öfter mal nach Läusen abzusuchen. Bevor Oma diese netten Tiere beim Kuscheln abbekommt und gar nicht glücklich ist.

Weiterhin sind es Magen-Darm-Infektionen, die besonders die Kleinkinder belästigen. Daneben treten Infektionen wie Herpangina und vereinzelt noch Hand-Fuß-Mundkrankheit auf. Als Ursache sind Enteroviren für alle genannten denkbar. Zumindest für die beiden letzt genannten sind dies die gesicherte Ursache.

Q-Fieber (blaue Punkte) und Schafdichte (grüne Flächen) von 2001-2008 in Baden-Württemberg Foto: Landesgesundheitsamt

In der Region Albstadt-Ebingen sind seit Anfang des Monats vermehrt Lungenentzündungen und Fieber aufgetreten. Inzwischen, so meldet das Gesundheitsamt Baden-Württemberg, sind 27 Erkrankungen durch das Q-Fieber gesichert. Der Erreger wird nahezu immer per Aerosol – also über Tröpfchen in der Luft bzw. dem Staub – vom Tier auf den Menschen übertragen. Auf der schwäbischen Alb werden in regelmäßigen Abständen  Erkrankungen beobachtet, die überwiegend auf Schafe zurückgehen. Das Risiko ist bei häufigem Tierkontakt (Landwirte, Jäger) erhöht, es können durchaus aber auch Kinder betroffen sein. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt jedoch nicht vor.

Die meisten Pollen haben sich inzwischen verzogen. Von gewisser Bedeutung sind die Pollen der Ambrosia (Traubenkraut), deren Blüte jetzt eingesetzt hat. Die sind sehr aggressiv, aber die Zahl der Allergiker gegen diese Pollenart ist – noch! – gering.

Was geht in der Welt rum? Auch in Schweden trat in den vergangenen Wochen eine Krankheit auf, die durch Tiere übertragen wird. Die – im Vergleich zum Q-Fieber – deutlich gefährlichere Tularämie geht von Nagetieren aus und wurde bei 212 Personen in verschiedenen Provinzen nachgewiesen. Durch direkten Kontakt mit dem noch lebenden oder bereits toten Tier sowie durch Insekten und Zecken kann eine Übertragung auf Menschen eintreten. Es gibt lokale Formen, die als fieberhafte Wundentzündung auftreten sowie invasive Formen, die dem Typhus ähneln. Eine Behandlung mit Antibiotika ist möglich. Reisende sollten enge Tierkontakte meiden.