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Kinder- und Jugendarzt

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Was geht rum? 19. Januar 2019

Abbildung 1. Pollenflugdaten der Haselpollen für Münsterlingen am Bodensee im Jahr 2018. Foto: Allergiezentrum Schweiz

Man mag es kaum glauben. Aber wie in jedem Jahr haben wir schon jetzt bei bestimmten Wetterlagen einen bedeutsamen Pollenflug. Der betrifft die Erlen- und Haselpollen. Im Moment fällt er eher noch gering aus. Das kann sich aber in den kommenden Wochen schnell ändern, wie die Pollenflugdaten für Münsterlingen (Schweiz) aus dem Jahre 2018 zeigen. Es macht also durchaus Sinn, wenn sich Allergiker für die kommenden Wochen darauf vorbereiten und bisher notwendige Notfallmedikamente vorrätig haben.

Sicherlich bedeutsamer bleiben für absehbare Zeit aber die Atemwegsinfektionen. Bisher sind die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg hier noch glimpflich davongekommen. Die leichten Atemwegsinfektionen mit Halsschmerzen und Schnupfen haben sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Über die letzten Tage kamen Infektionen mit akut hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und trockenem Husten dazu – vermutlich die Influenza („echte Grippe“). Genaue Daten über die Häufigkeit liegen naturgemäß noch nicht vor.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal zeigt sich das Dengue-Fieber in vielen tropischen Ländern als sehr aktiv. Waren es in Jamaika im gesamten letzten Jahr 708 Erkrankungen, zählen Malaysia bereits in den ersten 2 Wochen des Jahres 6.246 und Sri Lanka 45.701 erkrankte Personen. Andere Länder Asiens melden vergleichbare Häufigkeiten. Für Touristen ist ein effektiver Mückenschutz tagsüber und in den frühen Abendstunden wichtig. Also zu den Zeiten, in denen die übertragende Tigermücke aktiv ist. Dies ist am effektivsten mit DEET möglich. Eine Übersicht der verschiedenen Mittel findet sich im praxisblättle hier.

Die Masern in Madagaskar sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen liegt eine offizielle Meldung der WHO (Beitrag in englischer Sprache) vor, die sich auf die Informationen bis zum 7. Januar 2018 beziehen. Die Leser des praxisblättle sind ja schon seit längerem informiert. Nach den Zahlen der WHO kommt es zu einem Todesfall unter 501 Erkrankten. Diese Rate ist auch so hoch, weil die Mehrzahl der Kinder in Madagaskar von chronischer Unterernährung betroffen sind. Das ist ziemlich unbekannt weil es keine medienwirksamen Schreckensbilder bringt, ist aber so etwas wie eine Dauerkatastrophe. Und die hat viele Folgen. Eine davon ist, dass diese Kinder keine genügende Abwehr aufbringen um die Masern zu besiegen. In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei Masern um das dreifache niedriger. Das ist schlimm genug. Aber: Impfen hilft gut. Besonders, wenn über 90% der Bevölkerung sicher geimpft ist.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.

Was geht rum? 12. Januar 2019

Wie wäre es, man könnte sich Gesundheit aus dem Supermarkt besorgen, wie auf dem Bild oben zu sehen. In den USA wird sowas gelegentlich suggeriert. Aber zumindest Verbraucher in Europa hätten da meist berechtigte Zweifel.

Sie sehen, dass auch in diesem Januar immer mehr Menschen sich eine Infektion „holen“ und über viele Tage mit Schnupfen und Husten geplagt sind. Abschwellende Nasensprays verschaffen in der Nacht Linderung, tagsüber – bei den größeren Kindern – helfen Bonbons und Honig gegen den Reizhusten. Frische Luft ist wunderbar und manchmal ist es besser etwas Kälte zu ertragen und dadurch eine feuchtere Luft zum Atmen zu haben. Im kuschelig warmen Bett können Eltern ihre Kinder ja einfach fragen, was die Kinder als angenehm empfinden. Oft ist eine Temperatur um die 16 Grad Celsius ein guter Kompromiss.

Gegenüber der Vorwoche hat sich nichts wesentliches geändert. Infektionen der Atemwege sind vorherrschend. Neben den oben beschriebenen einfachen Racheninfekten gibt es auch Bronchitis. Aber weiterhin keine Grippe.

Kinderkrankheiten spielen momentan keine große Rolle für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg. Auch Keuchhusten kommt eher weniger vor. Die gemeldeten Erkrankungen lagen im abgelaufenen Jahr um fast 20% niedriger als im Jahr davor. Das würde auch dazu passen, dass die RSVInfektionen im Gegenzug wohl zunehmen.

Was geht in der Welt rum? Seit einigen Jahren ist es recht ruhig geworden um das Chikungunya-Fieber. Zuletzt war im Jahre 2014 ein Ausbruch in der Karibik (Martinique, Guadeloupe) beobachtet worden, nachdem diese Erkrankung Jahre zuvor auf wenige Orte in der Welt beschränkt war. Aktuell gibt es weltweit Erkrankungen. Einzelne in Mexiko und Honduras, besonders viele aber in Brasilien mit 82382 Infizierten im Jahre 2018. Aus Thailand werden seit November mehr als 2000 Erkrankungen gemeldet, Afrika ist bis auf den Sudan im Moment nicht betroffen. Beim Chikungunya-Fieber handelt es sich um eine Viruserkrankung, die meist mit Fieber verläuft und zu stärksten Gelenkschmerzen führt. Für Deutschland liegen bisher nur die Meldungen von 2017 vor: 33 Erkrankungen. Alle eingeschleppt, denn die Überträger finden sich nur in sub-tropischen Regionen. Eine Impfung gibt es nicht, Mückenschutz steht im Vordergrund.

Jugendschutz – Was geht und was geht nicht?

Jugendliche drängen auf ihre Freiheit. Im Ablösungsprozess von ihren Eltern ist das richtig und wichtig. „Ich bin dann mal weg …..“ hören Eltern so nebenbei und müssen dann die Fragen stellen. Wohin will die/der Jugendliche? Wann kommt sie/er zurück? Mit wem zusammen  ziehen die Jugendlichen los?

Und schnell stehen Eltern unter Druck, weil sie nicht wissen was gesetzlich erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz bezieht sich immer nur auf den sog. öffentlichen Raum. Der private Bereich zuhause ist im Jugendschutzgesetz außen vor – der Staat greift hier nicht vorbeugend ein. Wichtige Eckdaten sollten Eltern bekannt sein, damit sie in diesen unerwarteten Situationen bewusst und informiert handeln können.

Umgang mit Alkohol und Energydrinks

Unter 16 Jahren, dürfen Jugendliche weder im Laden noch bei Festen in der Öffentlichkeit Alkohol jeglicher Art erhalten. Nach dem 16. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag dürfen sie leichtere alkoholische Getränke (Bier, Wein. Sekt) sowohl kaufen als auch trinken. Hochprozentige alkoholische Getränke sind erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt. Energydrinks sind in allen Altersgruppen erlaubt.

Tabakprodukte

Die Abgabe und der Konsum von Tabakwaren sind gemäß Jugendschutzgesetz grundsätzlich unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Aufenthalt in Clubs

Bis zum 16. Geburtstag dürfen Jugendliche nicht alleine auf öffentliche Tanzveranstaltungen gehen. In Begleitung von Eltern bzw. Vormund oder einer anderen erziehungsbeauftragten Person ist dies aber unbegrenzt erlaubt. Eine solche Begleitperson muss 18 Jahre alt sein und kann im Einzelfall von den Eltern vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut werden. Eltern können also eine/n erwachsenen Freund/in beauftragen, ihr jugendliches Kind zu beaufsichtigen. Sinnvoll ist es, diese/n mit dem „Muttizettel“ (siehe Muttizettel-Vorlage) auszustatten.

Insgesamt greift der Staat also behutsam in die Rechte der Eltern ein. Zuhause gibt es fast keine spezifischen Regelungen, die  das Elternrecht begrenzen. Wenn jedoch Dinge geduldet werden, die das geistige und seelische Wohl des Kindes beeinträchtigen, kann der Staat auch hier eingreifen. Das gilt auch für die Nutzung problematischer Internetangebote und Computerspiele.

Migration: Im Gesundheitswesen schon lange Alltag

Abbildung 1. Weltweite Migrationsströme im Jahre 2017. Quelle: Steingarts Morning Briefing

Das Thema Migration hat Deutschland im September 2015 auf einen Schlag erreicht. Zuvor wurden Berichte über die Migration in den Nachrichten meist  kaum beachtet. Dabei gab es zu allen Zeiten Menschen auf der Erde, die ihre Heimat aus unterschiedlichsten Gründen verlassen haben und an andere Orte gezogen sind. In den letzten Jahren stand Europa mehr im Zentrum als zuvor. Und dennoch: Die größten Migrationen finden noch immer innerhalb Asiens statt, wie die nebenstehende Graphik verdeutlicht.

Das gilt ebenso für Ärzte. Und nicht erst seit heute. In früheren Jahrzehnten waren die Bewegungen oftmals politisch geprägt. So sind vor vielen Jahrzehnten aus „Bruderländern“ viele Ärzte nach Kuba geschickt worden, um dort die Revolution zu unterstützen. Inzwischen hat sich das geändert. Nun sendet Kuba Ärzte in die Welt. Nach Angaben der Regierung sollen momentan 15.000 Ärzte in Venezuela tätig sein, in Afrika seien es 2166 Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Politisch ist dort wenig zu gewinnen. Heute regiert in vielen Fällen das Geld. In Afrika errichtet China häufig Kliniken, um einen guten Ruf in der Bevölkerung zu bekommen. Dieser wird genutzt, um günstig an Bodenschätze und Land zu kommen. Ein komplexes Thema.

Abbildung 2. Migrationsbewegungen im europäischen Gesundheitswesen im Jahre 2012. ROT Patientenbewegungen, BLAU Ärzte und Pflegekräfte, die nach Deutschland kamen GRÜN Ärzte und Pflegekräfte, die Deutschland verlassen haben. Foto: Deutsches Ärzteblatt

Für Europa fasst die nebenstehende Abbildung die Migrationsströme im Gesundheitssektor der letzten Jahre gut zusammen. Dabei wird klar, dass die Migration nicht nur Ärzte und Ärztinnen, sondern auch Mitarbeiter aus dem Pflegebereich und Patienten umfasst. Aus verschiedenen Gründen – meist ist es Geld – sind Menschen bereit lange Wege auf sich zu nehmen. Patienten suchen günstigere Behandlungen im Ausland (Zahnersatz, Hüftoperationen). Pflegepersonal und Ärzte zieht es in Länder mit besser geregelten Arbeitszeiten (z.B. Schweiz) und/ oder besserer Bezahlung. Ärzte aus anderen europäischen Ländern besetzen die freigewordenen Stellen. Nicht vermerkt ist, dass eine hohe Zahl von europäischen Ärzten aus Ländern wie den USA nach einigen Jahren auch wieder zurückkommen.

Abbildung 3. Anteil der Ärzte eines Landes, die im Ausland ausgebildet wurden bezogen auf das Jahr 2015 oder früher. Quelle: Statista

Der Anteil von „ausländischen Ärzten“ – also Ärzten, die nicht im Land ihrer Tätigkeit geboren wurden, ist in Europa sehr unterschiedlich. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 3. So sind in der Türkei und Italien gerade mal 0.2% bzw. 0.8% im Ausland ausgebildete Ärzte. Ganz anders in Großbritannien und der Schweiz mit 27%. Spitzenreiter aber sind Norwegen (38.1%) und Irland (39%).

Es zeigt sich also, dass viele Länder Europas in Bezug auf Mitarbeiter im Gesundheitswesen eng verflochten sind. Das macht Trennungen – wie die Verhandlungen beim Brexit zeigen –  so kompliziert.

Was geht rum? 05. Januar 2019

Langsam weichen die langen Nächte. Die Kälte eher nicht. Wir bleiben also noch einige Wochen eng zusammen in unseren Wohnungen. Oder – wie die Schüler – in gut beheizten Schulen. Alles Orte, um gegenseitig Viren auszutauschen, die unserem Immunsystem neue Impulse geben. Oder, die uns krankmachen.

So in der vergangenen Woche. Es hat den Anschein, dass Atemwegsinfektionen bedingt durch RS-Viren (respiratory syncytial virus, RSV) langsam zunehmen. Infekte mit diesem Erreger können für Säuglinge und Kleinkinder sehr heftig verlaufen. Das Fieber ist eher nicht sehr hoch (38.5° bis 39.5° Celsius). Typischerweise tritt aber eine Bronchitis der kleinen Atemwege – deswegen Bronchiolitis genannt – auf, wodurch die Atmung erschwert wird. Nicht so selten kommt es hierbei zur Trinkschwäche. Spätestens dann sollte das Kind einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden um zu entscheiden, ob eine Behandlung in der Klinik erforderlich ist. Meist ist in dieser Situation auch die Versorgung mit Sauerstoff erschwert.

Bei den anderen – eher harmlosen – Atemwegsinfektionen (Schnupfen, Rachenentzündung) treten manchmal auch Entzündungen der Bindehäute auf. Mittelohrentzündungen sind saisonal wieder häufiger.

Was geht in der Welt rum? Ausbrüche von Keuchhusten werden aus Australien gemeldet. Dort sind mehrere Regionen betroffen: New South Wales, wo im Oktober 2018 etwa 800 Personen erkrankten. Ein Säugling – gerade einmal 32 Tage alt – verstarb an Keuchhusten. Keuchhusten ist gerade für Säuglinge extrem gefährlich. Geschützt sind sie bis zur erfolgreichen Umsetzung einer Impfung nur dann, wenn alle Personen in der engeren Umgebung selbst sicher geschützt sind. Sei es, dass sie Keuchhusten in den 2 – 3 Jahrzehnten zuvor selbst durchgemacht haben oder, dass sie zumindest alle 10 Jahre dagegen geimpft werden.

Allergie gegen Hunde

Hundehaltung ist nicht unüblich dieser Tage. In Europa halten laut Untersuchungen zwischen 9.8% und 34.8% aller Haushalte einen Hund, abhängig vom jeweiligen Land. In den USA sind es 30.4%. Kurzum, in nahezu jedem 3. Haushalt lebt heute ein Hund in Europa oder den USA.

Wenn chronische Atemwegsbeschwerden wie Husten oder Schnupfen bestehen, kommt die Frage nach der Ursache auf. Im Kinder- und Jugendlichenalter ist dabei die Hausstaubmilbe das häufigste Allergen, sofern eine Allergie als Ursache vermutet wird. Aber Tierhaare spielen auch eine wichtige Rolle, besonders die von Katzen und Hunden.

Deswegen wird in diesen Fällen beim Allergie-Hauttest in aller Regel zusätzlich zu den Hausstaubmilben auch auf Katzen- und Hundeallergene untersucht. Dort zeigt sich häufiger eine positive Reaktion. Das Problem ist nun, diese richtig zu bewerten. Denn eine positive Reaktion im Hauttest ist noch lange kein Beweis für eine bedeutsame Allergie.

In einer aufwändigen Studie hat nun ein Forschungsteam um Ulrika Käck von den Universitäten in Stockholm und Uppsala (Schweden) diese Frage weiter untersucht. Sie führten bei 60 Kindern und Jugendlichen mit positivem Allergie-Hauttest auf Hundehaare im Alter von 10 bis 18 Jahren zusätzlich kontrollierte Provokationen durch. Dabei wurden verschiedene Allergene des Hundes über ein Spray in die Nase eingebracht.

Im Ergebnis zeigte sich, dass von diesen 60 Probanden nur 25 im nasalen Test reagierten. Von diesen wiederum hatte aber lediglich einer zuhause einen Hund. Die anderen 24 Personen berichteten jedoch, beim Zusammenkommen mit einem Hund akuten Schnupfen zu bekommen. Spezielle Bluttests ergaben nun zusätzliche Informationen, um die echten Allergiker herauszufischen.

Fazit

Der Allergie-Haustest gibt erste wichtige Informationen, aber selten eine Diagnose in Bezug auf die Bedeutung von Allergien bei einem Patienten. Gerade bei den Allergenen gegen Hunden ist eine korrekte Diagnose eine Herausforderung, die aber durch spezielle Tests für den Experten – einen Allergologen – kein Problem darstellt.

Fragen Sie also Ihren Allergologen.

Sylvester ….. echte Freunde oder Facebook

Heute ist Sylvester. Den Abend verbringe ich mit echten Freunden. Wir treffen uns und haben viel Spaß bei gemeinsamen Spielen. Monopoly natürlich nicht, es geht ja nicht um Macht und Überlegenheit oder gar Streit. Es gibt inzwischen so viele Spiele wie Wizzard oder Qwirkle, die allen gemeinsam Spaß machen, alle zum Lachen bringen und bei denen es manchmal sogar witziger ist zu verlieren. Zumindest ist es keine Schande.

Heute um Mitternacht werden vermutlich die Computer der sozialen Medien wie Facebook auf Hochtouren laufen. Da senden dann Menschen weltweit ihre aber(?)-witzigen Bilder aus dem wahren Leben an Tausende von Freunden, die sie oftmals gar nicht richtig kennen.

Abbildung 1. Werbeumsätze von Facebook. Quelle: Handelsblatt

Facebook hat ja auch mal angefangen als Plattform für Freunde –  junge Freunde. Seit Jahren wollen nun auch die Alten jung sein: Sie tragen Kopfhörer, machen einen auf cool und sind auf Facebook. Obwohl: Facebook wird immer älter. Die Jungen springen zunehmend ab und haben andere Kommunikations-Plattformen.

Und eines sollte klar sein. Facebook ist nicht für uns. Sondern für den Profit bestimmter Leute. Dafür müssen wir User halt Werbung ertragen. So wird ein amerikanischer Nutzer im Jahre 2018 nach neuen Berechnungen 102,30 US Dollar eingespielt haben. Unsere Adressen und unsere Daten sind viel wert. Nur bekommen andere den Ertrag, indem sie uns ein paar Häppchen vorsetzen und wir überglücklich hineinbeißen.

Experten haben herausgefunden, dass jeder Mensch – gemäß neuesten Untersuchungen – 3,7 echte Freunde im Durchschnitt hat (brandeins 12/18). Die stehen wahrscheinlich mit ihm auf dem Balkon und genießen gemeinsam den Beginn des neuen Jahres. Auf Facebook kann ich verzichten. Solange die Freunde um mich herum sind.

Was geht rum? 29. Dezember 2018

Der Trend zunehmender Atemwegserkrankungen setzt sich fort. Das wird deutlich, wenn man sich die neuesten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza ansieht. Diese liegen nun erstmals gezielt auch für Baden-Württemberg vor.

Abbildung 1. Dargestellt ist für verschiedene Altersgruppen, wie häufig sie sich beim Arzt vorgestellt haben. Die Kurve der 0 bis 4 Jahre alten Kinder (leuchtend grün) ist oben im Diagramm zu sehen, darunter die Kurve der 5 bis 14 Jahre alten Kinder (dunkelgrün). Die durchgehende Kurve (braun) zeigt die Daten aller Patienten der letzten Grippesaison. Foto: RKI

 

Aus der Darstellung (Abbildung 1) wird deutlich, dass die Atemwegsinfekte weiterhin zunehmen. Gegenüber dem Vorjahr liegen sie jedoch im erwarteten Bereich. Einzelne Grippefälle (Influenza) wurden in Baden-Württemberg gesichert, eine Grippewelle liegt jedoch nicht vor.

Im Wesentlichen treten momentan Atemwegsinfektionen durch Rhinoviren ausgelöst auf. Diese sind für den Einzelnen sehr lästig (Schnupfen, Husten, nächtliche Schlafstörungen, Müdigkeit), aber kaum gefährlich.

Infektionen der Atemwege sowie Verschlechterungen bei Erkrankungen wie Mukoviszidose und Asthma bronchiale werden durch viele Faktoren begünstigt. Unter diesen kommt dem Feinstaub eine zunehmende Rolle zu. Seit dem Dieselskandal ist dies fast schon Allgemeinwissen. Ab kommendem Jahr soll die Belastung der Luft durch Fahrverbote bekämpft werden. Fast einfacher erscheint es da, an Sylvester das Feuerwerk einzuschränken. Wie das Umweltbundesamt mitteilt, entspricht die durch Feuerwerk ausgelöste Menge an Sylvester 15.5% der Jahresbelastung an Feinstaub, die der Straßenverkehr in Deutschland verursacht.

In Bezug auf Kinderkrankheiten gibt es in Baden-Württemberg keine Trends.

Was geht in der Welt rum? Masern – und kein Ende. Die Zahl der Masernerkrankungen in Israel für 2018 liegt bereits bei 2700 Personen. Wie jetzt bekannt wurde, saß eine ansteckender  Passagier im Flug LY 356 der israelischen Fluggesellschaft EL AL, der am 16. Dezember 2018 um 19:30 Frankfurt verließ. Ehrenwert, dass eine Fluggesellschaft das bekannt gibt. Das darf auch als indirekter Hinweis zur Sicherstellung eines guten Impfschutzes angesehen werden. Aus Madagaskar gibt es keinen solchen Hinweis, aber die gemeldeten Erkrankungsfälle steigen weiter massiv an. Das Gesundheitsministerium gab bekannt, dass in den letzten 3 Monaten bis zum 21. Dezember insgesamt 15049 Menschen an Masern erkrankt seinen. Fast zwei Drittel kommen aus Antananarivo, der Hauptstadt, während die anderen Großstädte (Toamasina und Mahajunga) deutlich weniger betroffen sind.