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Kinder- und Jugendarzt

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„Die Bakterien haben das letzte Wort“

Der Umgang mit Antibiotika ist eine schwierige Sache. Wenn die Medizin und die Patienten nicht zu Veränderungen bereit sind, wird’s schwierig. „Die Bakterien haben das letzte Wort“, so sagte schon Robert Koch.

Abbildung 1. Multiresistente Erreger im Jahre 2013 im Südwesten Deutschlands. Je dunkler die Farbe, um so höher die Rate (wie z.B. in Frankfurt). Foto: aus DIE ZEIT

Wie alles Leben auf diesem Planeten, so sind auch Bakterien anpassungsfähig. Wenn sie also sehr häufig von bestimmten Antibiotika getroffen werden, so gelingt es ihnen irgendwann, dagegen einen Abwehrmechanismus zu entwickeln. Im Endeffekt ist dieses Antibiotikum dann wirkungslos, das Bakterium also resistent gegen dieses spezifische Antibiotikum. Wenn mehrere Antibiotika ein bestimmtes Bakterium nicht mehr bekämpfen können, gilt der Erreger als multirestistent (siehe Abbildung 1). Dieser Begriff wird unterschiedlich gehandhabt. Für die problematischsten Bakterien – die gramnegativen Bakterien mit dünner Zellwand – wird der Begriff dann verwendet, wenn die Bakterien gegen mindestens 3 der 4 möglichen Antibiotikagruppen resistent ist.

In den letzten Jahren ist Zahl der Resistenzen bei grampositiven Bakterien (mit dicker Zellwand) nicht weiter angestiegen, was Mediziner sehr beruhigt. Hingegen gibt es weiter zunehmende Resistenzen bei den gramnegativen Bakterien.

Das Problem ist seit Jahren erkannt und es gibt zunehmende Erfolge. So hat die Diskussion der letzten Jahre nach Einschätzung des Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. Jörg Hacker „…dazu geführt, dass heute zehn bis 20 Prozent weniger Antibiotika verschrieben werden“. Er ergänzt jedoch: „Allerdings geht hier die Schere zwischen Kliniken und Arztpraxen immer weiter auseinander“. Also, dem Erfolg bei den Kliniken stehen zunehmende Problem in der Praxen gegenüber.

Es stellt sich also die Frage: Was sind die Hauptursachen für die Resistenzen?

  • Unzureichende Medikamenteneinnahme. Die effektive Dauer der Einnahme der Antibiotika ist zu kurz, um alle Bakterien abzutöten. Die nicht abgetöteten sind meist diejenigen, die sich besser gegen Antibiotika wehren können. Diese können sich in der Folge wiederum vermehren und sind bei künftigen Anwendungen von Antibiotika resistenter. Es ist also wichtig, dass der Arzt eine ausreichend hohe und zeitlich sinnvolle dosierte Therapie verschreibt. Und: Dass der Patient diese Therapie auch über diese Zeit einnimmt, auch wenn es ihm wieder gut geht. 
  • Zu häufiger Einsatz der Antibiotika. Es ist seit langem bekannt, dass sich Resistenzen weniger entwickeln, wenn Antibiotika seltener eingesetzt werden. Weltweit leuchtendes Beispiel sind die Niederlanden. Aber auch in mittelgroßen Kliniken in Baden-Württemberg lies sich nachweisen, dass weniger Resistenzen bei geringerem Antibiotikaeinsatz auftraten.  
  • Zu sorgloser Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Auch diese Antibiotika erreichen uns über das Fleisch.

Sind wir Menschen dem Problem tatenlos ausgeliefert? Nein. Patienten haben einen grösseren Einfluss auf den Arzt als sie glauben. Sind sie gesund, schimpfen viele über die Antibiotika. Wenn sie aber krank sind, kehrt sich das gerne um. Obwohl sie wissen, dass Antibiotika bei Virusinfektionen nicht helfen können, verlangen sie vom Arzt ein Antibiotikum. Der wiederum möchte gerne als der gnädige Halbgott dastehen und verschreibt es wider besseres Wissen.

Eine kurze Frage würde dem Arzt weiterhelfen um medizinisch freier zu entscheiden: „Meinen Sie, dass ich das Antibiotikum im Moment wirklich brauche?“.

Deutschland steht zusammen mit der Niederlanden, der Schweiz und den skandinavischen Ländern vergleichsweise gut da. Bereits in Zypern und Griechenland ist Verbrauch an Antibiotika doppelt so hoch. In vielen Länder Afrikas und Asiens werden Antibiotika noch häufiger verordnet – sofern ein Patient sie bezahlen kann. Dazu ist häufig auch keine ärztliche Expertise erforderlich.

Geduld, dem Körper bei normalem Krankheitsverlauf die sieben Tage bis zur Genesung zu lassen ist vonnöten. In unserer Kindheit wurde die Ungeduld bis zur Gesundung mit wechselnden Wickeln, Tees und Tröstungen besiegt. Heute gäbe es zusätzlich noch andere unterhaltende Medien.

Zahnpflege: in Deutschland sehr erfolgreich

In der Zeitschrift brandeins wurde im Jahr 2013 berichtet, dass die Zahl der Menschen, die ein Handy besitzen geschätzt 4 Milliarden seien. Aber nur 3,5 Milliarden Menschen besitzen eine Zahnbürste. Heute gibt es fast doppelt so viele (7.5 Milliarden) Mobilfunkverträge weltweit, die Zahl der Zahnbürsten hat sich vermutlich nicht verdoppelt.

Alle Kinder in Deutschland erfahren schon früh, warum Zähneputzen so wichtig ist. Karius und Baktus gehen auf einen norwegischen Film aus dem Jahre 1954 zurück und jedes Kind hat davon gehört. Daneben kommen seit Jahrzehnten Zahnärzte in den Kindergarten, um Kinder für das Thema zu gewinnen.

Die Häufigkeit der frühkindlichen Karies hatte sich zunächst verbessert, stagniert aber seit der Jahrtausendwende wieder. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (letzte Version von 2015) liegt sie für das Milchgebiss bei 7% bis 20%. Hauptursache ist die Saugerflasche-Karies. Nicht statistisch erfasst ist der Gebrauch der Zahnbürste, der in dieser Altersgruppe weiterhin zu gering ist.

Die Karies ab dem Schulalter wird immer seltener. Das belegt der Verlauf des DMF-T-Wertes. Dieser beschreibt die Zahl der kariös zerstörten Zahnflächen (»D« – englisch: decayed), der wegen Karies fehlenden, gezogenen Zähne (»M« – englisch: missing) und die wegen Karies gefüllten Zähne (»F« englisch – filled). Über die letzten Jahrzehnte hat sich dieser weiter vebessert und liegt nun mit einem Wert vom 0.5 auf Platz 1 der G7-Staaten. 81.3% der deutschen Kinder sind komplett kariesfrei. Das sind prima Zahlen, die in den kommenden Jahren gehalten werden sollten.

Was können Eltern unternehmen?

  • Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollten die Zähne regelmässig nach der KAI-Methode geputzt werden; Kaufläche – Außen – Innen. Zahnärzte empfehlen sehr wenig fluoridhaltige Kinderzahnpasta (Fluorid max. 500 ppm) abends vor dem Schlafengehen.
  • Das Gebiss braucht Ruhephasen. Dem Kind sollten nur in Ausnahmefällen Lutscher/ Brezel/ Apfel angeboten werden. Sinnvoll sind bei Kleinkindern eher 5 strukturierte Mahlzeiten
  • Die nächtliche Milchflasche sollte möglichst früh verlassen werden. Viele Kinder trinken schon nach dem ersten Geburtstag lieber aus einer Tasse.
  • Karies wird durch Mutans-Streptokokken unterhalten. Diese Bakterien werden von betroffenen Erwachsenen auf die Kinder übertragen. Deswegen sind sowohl Küsse auf den Mund des Kindes wie auch das Ablecken von Löffeln/ Schnuller sehr problematisch.

Folgen von Karies?

Karies hat nicht nur Folgen für die unmittelbare Zahngesundheit sondern auch für den übrigen Körper. Karies stellt ein wichtiges Risiko für das Auftreten von Schlaganfall, Diabetes mellitus, aber auch Rheuma dar. Wer heute auf die Vorbeugung von Karies achtet, leistet einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit seiner Kinder im Alter.

Was geht rum? 20. Oktober 2018

Die Infekte der letzten Woche unterscheiden sich kaum von denen in den Wochen zuvor. Weiterhin treten eher leichte Infekte der Atemwege mit Halsweh, Schnupfen und wenig Husten auf.

Neu ist eine Häufung der Borkenflechte, medizinisch Impetigo contagiosum genannt. Dabei handelt es sich um eine Schmierinfektion der Haut, die meist durch Staphylokokken ausgelöst wird. In der Regel bevorzugt sie die Sommermonate. Aber so was ähnliches wie Sommer haben wir ja auch noch. Eine Kontrolle beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll, um die meist nässenden und blasigen Veränderungen der Haut zügig in den Griff zu bekommen.

Was geht in der Welt rum? Das DengueFieber ist in tropischen Ländern dieser Erde ein großes Problem. Momentan sind Venezuela in Südamerika und Réunion im pazifischen Ozean besonders betroffen. Insektenschutz ist bislang die einzig wirksame Möglichkeit sich zu schützen. Im praxisblättle vom August des Jahres finden Sie weitere Informationen.

Hier kann man sich in Geduld üben: Dellwarzen

Dellwarzen sind ein lästiges Problem besonders im Schulalter. Es betrifft etwa jedes zehnte Kind. Die schlechte Nachricht: Dellwarzen neigen dazu sich auf der Haut auszubreiten. Die gute Nachricht: sie verschwinden wieder alleine, man muss nur genügend Geduld haben.

Ausgelöst werden die Dellwarzen (Molluscum contagiosum) durch ein DNA-Virus, das den Pockenviren ähnlich ist. Dieses Virus führt zur Ausbildung von kleinen Knoten (Papeln), die in der Mitte eingedellt sind. Daher der Name Dellwarze. Die Übertragung erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt. Da sich der Befall mit diesen Warzen ganz oberflächlich abspielt, kommt es nicht zu einer generellen Immunantwort.

Die Dellwarzen betreffen Kinder sowie Jugendliche und im geringeren Ausmaß auch einmal Erwachsene. Am häufigsten sind sie im Alter von 4 bis 8 Jahren zu beobachten. Man geht davon aus, dass kleine Hauteinrisse die Infektion mit dem Dellwarzen-Virus begünstigen. Insofern verwundert es nicht, dass Kinder mit trockener Haut und ganz besonders Kinder mit Neurodermitis betroffen sind.

Therapie

Eine gute Therapie gibt es nicht. Die beste Therapie heißt abwarten. Denn die Dellwarzen verschwinden immer von alleine, was im Schnitt aber ein Jahr dauert. In glücklichen Fällen sind sie auch schon nach einem Monat weg, bei anderen dauert es aber auch 3 Jahre. Deswegen ist der Druck für den Arzt etwas zu tun häufig sehr groß. Kinder selbst sind wenig gestört, allenfalls von etwas Juckreiz.

Da die Therapie so schwierig ist, gibt es ein riesiges Angebot an Therapien oder solchen die vorgeben zu helfen, aber Eltern nur beschäftigt halten. Der Klassiker ist die Curettage. Dabei wir mit einer scharfen Schlinge die Dellwarzen herausgekratzt. Das sieht immer nach einer Dauerlösung aus, aber selbst bei dieser Therapie ist der Erfolg maximal bei 50% und jeder zweite bekommt einen erneuten Schub mit den Warzen. Ähnliches gilt für die Lasertherapie. Bis zu 6 Monaten nach Entfernung von Dellwarzen, können wieder neue auftauchen. Erst danach kann man sich einer erfolgreichen Therapie sicher sein.

Die übrigen Therapien haben ebenfalls ihre Grenzen, wie eine Übersichtsarbeit von J.C. van der Wouden und Mitarbeitern aus Amsterdam im letzten Jahr zeigte. Einzelheiten sind im Abstract beschrieben.

Vorbeugende Maßnahmen

Wie beschrieben sind Körperkontakte und trockene Haut die zwei wichtigsten Risikofaktoren, Dellwarzen zu bekommen. Mit einfachen Maßnahmen kann man dem entgegenwirken.

  • Kinder mit trockener Haut sollten eine Rückfettung der Haut mit Lotiones oder Cremes bekommen
  • Auf gemeinsame Bäder mit Geschwistern in der Badewanne sollte verzichtet werden, wenn eines der Kinder auch nur eine Dellwarze hat. Selbst für das betroffene Kind ist baden nicht günstig, weil das Virus durch das Wasser an andere nicht betroffene Hautpartien gelangen und dort eine neue Kolonie bilden kann.
  • Duschen ist günstig, weil die Viren direkt weggespült werden
  • Baden im Schwimmbad stellt kein Problem dar, wenn die Desinfektion (z.B. durch Chlorierung) adäquat ist.

Betroffene Kinder können am Sport und im Schwimmunterricht teilnehmen. Sie stellen kein spezielles Risiko für die anderen dar. Insofern besteht auch kein Grund, dieses Thema zu melden. Ungünstig sind die Dellwarzen nur bei Sportarten mit sehr engem Körperkontakt wie beim Ringen. Aber in der Altersgruppe der Ringer gibt es nahezu keine Jugendlichen mehr, die Dellwarzen aufweisen.

Geduld ist der beste Ratgeber bei den Dellwarzen. Und wenn sie versehentlich mal aufgekratzt werde oder stark entzündet sind – was oft vorkommt, bevor sie abfallen – sollte der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, der gut weiterhelfen kann.

Husten – so nervig und doch meist sinnvoll

Husten wird in den nächsten Monaten viele Kinder und Jugendliche treffen. Das ist normal in der kalten Jahreszeit. Und es ist für die Betroffenen ärgerlich. Aber ist Husten wirklich nur ein Ärgernis? Was soll eigentlich Husten bezwecken und wie soll ein Betroffener damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stoßen Luft aus der Lunge wie bei einer Vulkanexplosion. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht es der Körper in aller Regel, ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge zu entfernen. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper echt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Abbildung 1. Bronchialschleimhaut mit Zilien (Flimmerhärchen) und eingelagerten Schleimzellen (Becherzellen).

Der häufigste Auslöser ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt. Infolgedessen sind sie vermehrt durchblutet und dadurch gerötet. Dies führt in der Folge dazu, dass auch die Schleimzellen (Becherzellen; siehe Abbildung 1 rechts) vermehrt aktiv sind und das tun was sie können: sie produzieren Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopf – „…. der Husten löst sich“. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Medikamenten zu tun sondern tritt bei Atemwegsinfektionen regelhaft ein. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur die Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex. Hierdurch wird der  angesammelte Schleim in großen Teilen dann in den Magen transportiert. Dort ist er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und wird in seine Einzelteile zerlegt.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet. Hierbei findet keine bedeutende Schleimproduktion statt. Der Husten ist und bleibt eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter zeigt sich der Infektkrupp mit einem sehr eindrücklichen Husten. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Bereich der Luftröhre. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schließt sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend „feuchter“ wird aber subjektiv immer sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialsystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens kommt es zu einer Verschleimung. Es besteht für eine kurze Zeit eine Überempfindlichkeit der Atemwege, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung hingegen ist die Lobärpneumonie. Auch diese wird in der deutschen Sprache „Lungenentzündung“ genannt. Im Gegensatz zur Bronchopneumonie tritt die Lobärpneumonie aber in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim, der schwer abhustbar ist. Beim Asthma steht die Enge der Atemwege im Vordergrund. Hierbei kann Luft recht gut in die Lunge eindringen. Das Abatmen ist jedoch erschwert, so dass bei den schwereren Verläufen Atemnot durch Überblähung der Lunge auftritt.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten. Dazu zählen Fremdkörper (z.B. Nüsse, die ins Bronchialsystem gelangen). Oder die Reizung der Bronchien durch giftige Gase wie etwa Zigarettenrauch. Eine Reizung der Bronchien kann auch mechanisch durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle) auftreten und sehr unangenehm sein. Zunehmend häufiger wird auch ein funktioneller Husten (etwa als Verlegenheitshusten) festgestellt, bei dem der Betroffene gesunde Atemwege hat, aber aber auf andere oft seelische Belastungen mit Husten reagiert. Die Mukoviszidose ist eine Erkrankungen mit häufig schwerwiegender Entzündung der Bronchien.  …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- ursprünglich nichts mit den Atemwegen zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muss erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was sie suchen. Das Problem ist nur: Alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiesen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken – vermeintlich – zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn die Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das bedeutet also: Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreiten kann.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen. Das brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind.
  • Brustwickel können den quälenden Husten lindern. Wenn Ihr Kind anderer Meinung ist, nehmen sie ihn wieder weg.
  • Mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften des Zimmers) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern.
  • Wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar. Trinken also anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen. Der wird klären, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, sich den Rachen ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: Mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!

Was geht rum? 13. Oktober 2018

Die Atemwegsinfekte nehmen weiter zu. Die meisten sind harmloser Art und kommen als Racheninfekte daher. Jetzt ist aber auch die Zeit für den Infektkrupp (Laryngotracheitis) , auch Krupphusten genannt. Kinder, die bereits einmal davon betroffen waren, haben ein höheres Risiko nochmals daran zu erkranken. Das  kann bis zur Pubertät vorkommen. Nicht selten kommen diese Erkrankungen mit Atemnot nach jahrelanger Pause wieder. Es ist also günstig, für einen möglichen Notfall gerüstet zu sein. Der kommt nämlich häufig nach wunderschönen Herbst- oder Frühjahrstagen mitten in der Nacht.

In einer zweiten Welle meldet sich die HandFussMundKrankheit zurück. Bedeutsam ist auch eine Häufung an Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Dieses Krankheit zeigt sich in typischerweise mit lang anhaltendem Fieber und einer Reihe von Beschwerden, die viele Organen betreffen können. Eine Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll, wenn Kinder schwerer erkranken oder das Fieber länger als 3 Tage andauert.

Der goldene Oktober ist eine freundliche Fortsetzung des herrlichen Sommers. Der tut nicht nur den Trauben gut. Dennoch werden die Nächte spürbar länger. Eine gute Gelegenheit, abends mit Kindern wieder am Küchentisch bei Gesellschaftsspielen zusammen zu sitzen oder sich Geschichten vorzulesen. Nebenbei ist dies ein kleiner Hinweis für Kinder, wie spannend Bücher sind. Das kann ein Anreiz für sie sein, selbst mal zu lesen. Ein guter Start für viel Freude  und Sprachkompetenz.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist wieder mal die Pest ausgebrochen. Noch sind es wenige Erkrankungen. In den kommenden Wochen wird jedoch viel Niederschlag erwartet und mit ihm steigt das Risiko, dass die Ratten und die Rattenflöhe (die Überträger) sich den menschlichen Siedlungen weiter nähern. In der Stadt Gweru in Simbabwe sind etwa 2000 Menschen seit August an Typhus erkrankt. Weder Madagaskar noch Simbabwe sind klassische Touristendestinationen. Für die wenigen Reisenden ist jedoch ratsam, sich kurzfristig über das spezifische Risiko zu informieren.

Wenn das Fieber immer wieder kommt: Fiebersyndrome

Im Herbst beginnt wieder die Zeit der Infekte. Kinder, die gerade einen Platz im Kindergarten ergattert haben, werden nun mit vielen neuen Infekten belohnt. Fieber in der Nacht, Husten den ganzen Tag, Jammern – Kinder und Eltern haben’s nicht leicht. Das kann sich in den kommenden Monaten mehrmals wiederholen. Um die zehn Infekte pro Jahr können durchaus normal sein. Hinzu kommt, dass Kinder von Mai bis September Kinder meist infektfrei sind und sich die Infekte auf nur sieben Monate verteilen. Also kann man von mindestens einem Infekt im Monat ausgehen. Oft stimmt was viele Leute sagen: „…. der ist die halbe Zeit krank“ !

Manchmal sind viele Fieberschübe nicht normal. Das nannte man bisher periodisches Fieber. Heute – mit etwas mehr medizinischer Kenntnis – spricht man eher von einem autoinflammatorischen Syndrom (AIS). Was zeichnet diese Krankheitsgruppe aus:

  • wiederkehrende Fieberschübe
  • Lymphknotenschwellungen
  • Gelenk- oder Kopfschmerzen
  • Ausschläge

Die Unterscheidung zu den üblichen Infektionen (Differentialdiagnose) kann durchaus schwierig sein. Sie ist jedoch wichtig. Denn in Kenntnis der richtigen Diagnose stehen inzwischen immer mehr und bessere Therapien zur Verfügung.

Was läuft bei den AIS im Körper ab? Obwohl diese zu den rheumatischen Erkrankungen zählen, finden sich keine Autoantikörper im Blut der Betroffenen. Den unterschiedlichen autoinflammatorischen Erkrankungen liegt vielmehr eine Abweichung des angeborenen Immunsystems zugrunde. Dr. Toni Hospach aus dem Olgaspital in Stuttgart ist Kinderrheumatologe und damit ein Experte auf dem Gebiet: „Autoinflammatorische Erkrankungen beruhen auf ererbten Gendefekten und treten daher häufig bereits im Säuglingsalter auf. Die einzelnen Autoinflammationssyndrome unterscheiden sich deutlich im Hinblick auf ihre genetische Ursache und die Symptomatik“.

Durch die Störung beim Ablauf von Entzündungen kommt es zu überschießenden Reaktionen an verschiedenen Organen, die Folgeschäden verursachen können. Diese gilt es zu beherrschen. Das hat man früher mit Cortison oder Colchicin – wie beim familiären Mittelmeerfieber – erreicht. Heute kennt man gezielte Therapien, die die Signalwege einer Entzündung bremsen können.

Kinderkrankheit Keuchhusten – gefährlich und stressig

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, kommt aber im Herbst und Winter gehäuft vor.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, „keuchenden“ Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet. Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.

Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten. Auf youtube können Sie den typischen Husten hören und mitfühlen. Die Hustenattacken sind vorwiegend nachts und diese Aufnahme macht nachvollziehbar, wie sehr und lange ein Kind leiden muss. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.

Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese
und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In einigen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere
Ansteckung rasch gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950-ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR!) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem „neuen“ sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: „Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ
schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen“, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). „Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.“ Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre.
Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der „Tetanus-Impfung“ zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollten. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©)-Impfstoffe enthalten.

Damit schützen Erwachsene sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

Abbildung 2: Kinder für den Keuchhustenflug vor der Fokker F. VII A, HB-LBO in Dübendorf. Foto: ETH Zürich

In Ermangelung von Antibiotika (sie wurden erst in den 1940-ger Jahren entwickelt) oder einer effektiven Impfung (ein erster Impfstoff wurde 1933 erprobt) hat man lange Jahre auf Keuchhustenflüge mit offener Kabine gesetzt. Die Überlegungen gibt eine zeitgenössische Bildbeschreibung des Swissair-Marketings wider: „Keuchhustenflüge: werden von der Swissair vom Flugplatz Dübendorf (Anmerkung: bei Zürich) aus durchgeführt. Die Kinder werden bei offenen Kabinenfenstern bis in eine Höhe von ca. 3000 m geführt, wo während längerer Zeit gekreist wird. Die Flugdauer beträgt ca. 1 Stunde. Bei einer Beteiligung von 6 Personen kommt ein Flugpreis von Fr. 50.- pro Passagier zur Anwendung, bei mindestens 8 Personen von Fr. 40.- oder mit einem 2-plätzigen Maschinentyp Fr. 45.- pro Person und Stunde. Die Flüge finden nur bei günstiger Witterung statt. Nach ärztlicher Statistik konnte in 80% der Fälle eine merkliche Besserung oder Heilung des Keuchhustens nach dem Höhenflug festgestellt werden.“ Wegen Flugzeugabstürzen wurden diese Flüge in der Nachkriegszeit bald eingestellt. Nach einer Veröffentlichung von Richard Rehsteiner (Kinderarzt aus St. Gallen) mit dem Titel „Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis“ (Nov. 1946) nutzte man die 1935 neu erbaute Säntisbahn. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem
Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Heute haben wir andere Probleme. Und eine insgesamt gute Therapie. Wir könnten fast allen Kindern helfen, wenn wir die Empfehlungen zur Impfung konsequent umsetzen würden. Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit, aber noch immer nicht harmlos (siehe das Video).

Was geht rum? 06. Oktober 2018

Die Atemwegsinfekte kommen – langsam aber sicher. Weiterhin sind es eher harmlose Infekte wie Schnupfen und Husten durch Racheninfektionen. Daneben sind einige Kinder auch an eitriger Angina durch Streptokokken A erkrankt, die auch den Scharlach auslösen können. Kinderkrankheiten sind jedoch nicht gehäuft.

Der Sommer ist langsam auf dem Rückzug und wir träumen an Tagen wie gestern, dass er vielleicht nochmal wiederkommt. So wie er das im September nochmal machte. Da ist der Gedanke an die echte Grippe, die Influenza, noch ganz weit weg. Doch es macht Sinn sich damit zu beschäftigen. Wettervorhersagen sind inzwischen recht präzise. Vorhersagen für das Auftreten der Influenza sind es nicht. Da argumentieren auch die besten Experten mit Informationen aus der Vergangenheit. Und ja, die Impfung gegen die Influenza könnte besser sein. Aber immerhin gibt sie einen ordentlichen Schutz, der genutzt werden kann. In diesem Jahr wird endlich die Vierfachimpfung (tetravalenter Influenzaimpfstoff) unter Einschluss der Typ-B-Varianten zum Standard. Sie macht begründete Hoffnung auf einen besseren Schutz als im letzten Jahr.

Was geht in der Welt rum? Es ist wiederum das West-Nil-Fieber, das in Europa nun auch Länder im Osten erreicht hat. Aus Serbien werden seit Juli 320 Infektionen mit 29 Todesfällen gemeldet, aus Ungarn 190 Erkrankungen mit einem Todesfall. Der Mückenschutz ist die effektivste Maßnahme, um eine Übertragung der Erkrankung zu vermeiden.

Vergiftungen: Herbstzeitlose

Die vermeintlichen Krokusse, die jetzt an vielen Orten sprießen, sind keine verspäteten Frühblüher, sondern typische Vertreter des Herbstes: Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) . Sie drehen den Rhythmus der Natur um.

Im Herbst zeigen sie sich in ihrer herrlichen farbigen Blüte, um nach einer kurzen Winterpause bis zum Frühjahr ihre kräftigen Blätter zu präsentieren. Dann sind sie eine große Gefahr, weil sie von Menschen mit dem Bärlauch verwechselt werden können. Und: Diese Verwechslung könnte tödlich sein.

Die Pflanze enthält verschiedene Alkaloide und als führendes Gift Colchicin. Die Konzentration des Giftes soll in den Blättern besonders hoch sein. Die Gefahr ist schon jetzt hoch, weil sie eine der wenigen blühenden Pflanzen ist, die Kinder anlocken könnten. Die höchste Gefahr lauert aber im Frühjahr. Dann können die frischen Blätter verwechselt werden mit dem beliebten Bärlauch.

Symptome

Die Vergiftung läuft heimtückisch ab. Etwa 2 bis 6 Stunden nach Aufnahme kommt es zu schwerem Erbrechen und massiven Durchfällen. Diese können über einen Schock zum Herz-Kreislaufversagen führen. SEHR GIFTIG.

Therapie

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