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Kinder- und Jugendarzt

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Bald kommen wieder die Zecken – Risiko: Neuroborreliose

Vermutlich sind es nur noch Tage, bis die ersten Zecken wieder aktiver werden und sich auf Nahrungssuche begeben. Da kommen ihnen dann wandernde Menschen und Hunde gerade Recht.

Es wird geschätzt, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 200.000 Menschen an einer Borreliose erkranken. Unter diesen erkranken 3% – 15% an einer Neuroborreliose. Das bedeutet, dass die Erkrankung auch das Gehirn (zentrale Nervensystem) betrifft, teilweise mit entsprechend unangenehmen Folgen. Davon sind besonders Kleinkinder betroffen. Man vermutet einen Zusammenhang damit, dass junge Kinder gerne im Hals-/Kopfbereich von den Zecken gebissen werden.

Wichtig: Der Zeckenbiss wird nur von etwa 1 Drittel aller Betroffenen bemerkt. Wenn die anderen 2 Drittel erkranken, bringen sie somit ihre Symptome nicht mit einem Zeckenbiss in Verbindung. Wer keine Zecke an seinem Körper gesehen hat, kann also dennoch von einer Borreliose betroffen sein.

Wichtig: Zwischen einem Zeckenbiss und den ersten Symptomen einer Neuro-Borreliose vergehen nur sehr wenige Wochen.

In Europa zeigt sich eine neurologische Erkrankung im Rahmen der Lyme-Borreliose bei Kindern meist als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis). Diese ist in über der Hälfte der Fälle von einer Hirnnervenlähmung (Fazialisparese) begleitet.

Wichtig: Die Lähmung eines Hirnnerven (Fazialisparese) ist bei Kindern oft das erste Symptom, das auf eine Neuro-Borreliose hinweist.

Die Hirnhautentzündung verläuft bei Kindern vielmals ohne schwere Symptome. Häufig bestehen Kopfschmerzen und Müdigkeit, manchmal auch Übelkeit und Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Borreliose sollte im Zweifelsfall eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) erfolgen, um gezielt behandeln zu können. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika – in vielen Fällen oral – und ist bei frühzeitigem Beginn in den meisten Fällen erfolgreich. Nur in maximal 2% aller Kinder mit Neuro-Borreliosen treten nach Monaten oder Jahren Spätschäden auf.

Zecken auf der Haut sollten – wenn möglich – in den ersten 12 Stunden entfernt werden. Damit kann das Risiko für eine Infektion, also auch für eine Neuroborreliose, deutlich gesenkt werden.

Wichtig: Ab dem Frühjahr sollten Kinder jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen von ihren Eltern auf Zecken untersucht werden. Dabei ist es wichtig „kuschelige Körperpartien“ zu untersuchen, in die sich die Zecke gerne zurückzieht: behaarter Kopf, hinterm Ohr, Achselhöhle, Nabel, Genitalregion.

Wichtig: Zur Entfernung wird empfohlen, die Zecke mit einer Pinzette möglichst tief (also knapp über der Haut) zu fassen und senkrecht nach oben herauszuziehen. Alternativ: die Streichelmethode.

Was geht rum? 23. Februar 2019

Bald kommt es zum Stresstest für die Infektionen. In den vielen Narrennestern von Baden-Württemberg wird sich zeigen, welche Kraft die Viren noch haben. Oder umgekehrt, wie gut die Kinder und Jugendlichen inzwischen ihr Immunsystem auf Trab gebracht haben.

Zunächst sind die Atemwegserkrankungen noch immer auf einem hohen Niveau, aber deutlich niedriger als im letzten Jahr. Eine Grippewelle wie im letzten Jahr scheint es für Baden-Württemberg nicht mehr zu geben, wie die Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza andeuten.

Abbildung 1. Nachweis von Influenzaviren durch PCR in Baden-Württemberg je Kalenderwoche in der Saison 2018/2019. Foto: AGI

Leider sind jedoch die Erkrankungen mit dem RSVirus noch immer sehr bedeutsam. Diese Infektionen sind für viele der betroffenen Säuglinge eine enorme Belastung. Oft dauert die Erkrankung bis zu 10 Tagen, ohne dass Arzneimittel zur Verfügung stünden, die Dauer zu verkürzen. Solche Arzneien gibt es für die sog. banalen Infekte bekanntermaßen auch nicht. Da sind jedoch so Mittel wie hinliegen und sich ausruhen oder ein Löffel Honig zur Hustenlinderung möglich.

Letzte Woche trat eine Häufung an obstruktiven Bronchitiden auf. Bei diesem Typ von Entzündung der Bronchialschleimhaut steht die Schwellung im Vordergrund. In der Folge kommt die Luft einfacher in das Bronchialsystem hinein als wieder hinaus. Hörbare Folge: eine pfeifende Atmung. Für das betroffene Kind spürbare Folge: Atemnot. Inhalationen sind meist sehr hilfreich. In jedem Fall sollte ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden.

Das schöne Wetter und die jahreszeitlich milden Temperaturen arbeiten den Pollen weiter in die Hände. Am Oberrhein sind die Pollenbelastungen durch Haselpollen bereits auf mäßigem Niveau. Für die kommende Woche wird mit weiterer Zunahme des Pollenflugs gerechnet. Allergiker sollten sich darauf einstellen und eventuell erforderliche Medikamente bereit halten.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde zeigt das Dengue-Fieber weiterhin wozu es fähig ist. Da erscheinen die Erkrankungszahlen beim Coronavirus sehr gering. In Oman sind dort seit Ende Januar diesen Jahre 10 Infektionen sowie 4 Todesfälle festgestellt worden. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist, sich von Dremedaren fernzuhalten.

Hundebiss – nicht so selten

Bis zum 18. Geburtstag wird jedes zweite Kind von einem Hund gebissen. Also kein seltenes
Ereignis. Meistens sind es Kleinkinder, die sich gegenüber einem Hund nicht eindeutig verhalten und bei ihm eine – aus Sicht des Menschen – unangemessene Reaktion auslösen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie hat kürzlich nochmals darauf hingewiesen, dass Kinder zu über 90% von Hunden aus dem nahen sozialen Umfeld gebissen werden. Diese Situationen entstehen also kaum in fremder Umgebung, sondern meist im eigenen Haushalt, der unmittelbaren Nachbarschaft oder bei Freunden.

Bei inzwischen über 5 Millionen Hunden in Deutschland ergibt sich dieses Missverständnis von Mensch und Hund immer häufiger.

Was ist wichtig?

  • Bisse von Hunden sollten immer dem Arzt vorgestellt werden. Oberflächlich harmlos aussehende Verletzungen können in der Tiefe ausgedehnte Quetschungen verursacht haben, die sich durch den bakteriell belasteten Speichel des Hundes häufig infizieren.
  • Der Arzt muss auch seltene Wundinfektionen wie Tetanus, Gasbrand oder eine Blutvergiftung in die Überlegungen einbeziehen. Oftmals ist die Gabe eines geeigneten Antibiotikums sinnvoll.
  • Vorbeugend ist es wichtig, dass Kinder nie mit Hunden alleine gelassen werden. Das gilt auch gegenüber kleinen Hunden, die durchaus bedeutsame Verletzungen setzen könnten.
  • Vor Urlaubsreisen sollten Eltern mit ihren Kindern besprechen, dass es in vielen Ländern der Erde frei laufende Straßenhunde gibt, die ein völlig anderes Verhalten zeigen können, als die bisher bekannten Hunde zuhause. Und dass auch Tollwut vorkommen könnte.

Wenn Lehrer in Stress kommen: Chronisch kranke Kinder

In der Schule arbeiten nicht nur Lehrer. Schon immer gibt es Hausmeister, Reinigungspersonal und seit einigen Jahren auch Sozialarbeiter und Psychologen. Was es in aller Regel noch nicht gibt: Schulgesundheitsfachkräfte. Also spezialisierte Fachkräfte, die Kindern und Jugendlichen in Sachen Gesundheit zur Seite stehen.

„Ich habe Bauchweh“. Diese Aussage führt Kinder meist ins sog. Krankenzimmer. Dort werden sie nach kurzer Betreuung von den Eltern abgeholt oder – wenn es ganz dringend ist – auch mal vom Lehrer zum Kinder- und Jugendarzt gebracht. Politisch gut geregelt ist das nicht unbedingt.

Praktisch keine Hilfe steht bereit, wenn chronisch kranke Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen. So vertritt das Kultusministerium in Baden-Württemberg den Standpunkt, dass für eine medizinische Assistenz die Krankenkassen in der Pflicht seien. Diese wiederum zeigen sich in aller Regel zugeknöpft, wenn es um die Erstattung von Extrakosten geht, die durch ausgebildete Kräfte vor Ort in der Schule erbracht werden müssen.

Aber das Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Heute wird eine einfache Lungenentzündung (Bronchopneumonie) mit Unterstützung des niedergelassenen Kinder- und Jugendarztes zuhause behandelt. Das dauert meist um die drei Tage. Die gleiche Krankheit führte vor 50 Jahren noch zu einem Krankenhausaufenthalt mit Isolation für mehrere Wochen. Eltern durften vom Balkon des Krankenhauses durch die Fenster ihre Kinder sehen, sie konnten an die Scheiben klopfen, aber sie nicht in den Arm nehmen.

Das ist heute anders, weil Eltern Assistenzaufgaben übernommen haben. Heute haben alle Eltern gute Grundkenntnisse in der Medizin und der Arzt kann sich darauf verlassen, dass sie die Therapie – grosso modo – zuhause entsprechend gut durchführen.

Hinzu kommt, dass die medizinische Therapie erheblich komplexer wurde. Das erleichtert das Leben von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus, Epilepsie oder Asthma bronchiale erheblich. Andererseits verlangt es aber auch eine exakte und oftmals aufwendige Mitarbeit Dritter, weil ansonsten schwere Krankheit mit Krankenhausaufenthalt drohen.

Und jetzt haben wir die Ganztagsschule mit dem Anspruch, dass die Schule für ein Drittel des Tages der Lebensmittelpunkt für Kinder ist. In dieser Situation muss die Schule auch die Aufgaben übernehmen, die Eltern sonst zu Hause erfüllen. Eine Rückstufung der Schüler in spezielle Förderschulen wäre hier eine Diskriminierung und würde die Laufbahn des Kindes oder Jugendlichen gefährden. Trotz allem kommt so etwas auch heute noch vor. Die Lehrer sehen diesen Widerspruch klar und lösen die Problematik, indem sie kurzerhand auch medizinische Aufgaben übernehmen. Damit kommen sie aber in juristische Grauzonen und fühlen sich darüber hinaus überfordert, weil ihnen für diese medizinische Aufgabe die Ausbildung fehlt. Dabei geht es oft nicht nur um eine Tablette (die regelmäßig verabreicht werden muss), sondern auch um eine Notfallspritze, die beispielsweise ein Kind mit einer schweren Nussallergie im allergischen Notfall schnell braucht.

Im Moment ist gerade in Baden-Württemberg noch keine umfassende Regelung gefunden. Für Eltern bleibt damit die Aufgabe, bei den verschiedenen chronischen Erkrankungen mit dem jeweiligen Lehrer Kontakt aufzunehmen und um Unterstützung zu bitten:

  • Bei Kindern mit Diabetes mellitus: Dass man ihnen einen Rückzugsort für die Durchführung der Blutzuckermessung und der Injektion der Insulindosis gewährt.
  • Bei Asthma bronchiale: Dass der Lehrer kurz nachfragt, ob vor akuter Belastung im Sport das Notfallspray inhaliert wurde.
  • Bei schweren Allergien: Dass der Lehrer bereit ist, an einer Kurzschulung beim Kinder- und Jugendarzt teilzunehmen, um im Notfall im Umgang mit dem Adrenalin-Injektor sicher zu sein.
  • Bei Epilepsie: Dass das Notfallmedikament sicher (im Lehrerzimmer?) gelagert werden kann und alle Fachlehrer damit umzugehen wissen. 
  • Bei den vielen weiteren Erkrankungen wie Mukoviszidose werden die Anforderungen an die Schule nochmals höher und komplizierter.

Eine gute Zusammenarbeit von Eltern, Kinder- und Jugendarzt und Schule ist möglich. Sie erfordert aber einen erheblichen Aufwand aller Beteiligter und eine gute schriftliche Dokumentation der medizinischen Hilfsmaßnahmen.

Mit einer spezialisierten Schulgesundheitsfachkraft wären die differenzierten Aufgaben in guten Händen. Eltern und Lehrer sollten ihre Möglichkeiten nutzen, diese beim Kultusministerium einzufordern. „Wir sind ein reiches Land …..“ heißt es an dieser Stelle immer. Wichtiger ist aber, dass wir ethische Ansprüche an uns selbst haben müssten, damit unsere Kinder mit den speziellen Bedürfnissen ein weitgehend normales Leben führen können. Das wäre dann echte Inklusion – leider auch wieder so ein überstrapaziertes Wort.

Was geht rum? 16. Februar 2019

Die Infektwelle geht weiter. Und sie wird weiterhin beherrscht von den Erkrankungen der Atemwege. Neben den unspezifischen Infekten treten weiterhin bei den Säuglingen gehäuft RSVirus-Infektionen auf. Im Kindergartenalter zeigt sich Krupphusten gehäuft. Die Influenza hingegen scheint sich auf dem Rückzug zu befinden. In manchen Regionen von Baden-Württemberg spielt sie aber noch eine bedeutsame Rolle.

In zwei Wochen ist Fasnet/Fasching. Selten im Jahr sind soviele Personen in den Häusern eng beieinander. Diese Zeit nutzen viele Viren, um den Menschen nochmal richtig zuzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass den Influenza- und RS-Viren bis dahin die Kraft für eine neue Welle ausgegangen ist.

Bei allem Husten und Schnupfen dürfen die MagenDarmInfektionen nicht vergessen werden. Sie sind noch immer sehr häufig. Während die Rotaviren sich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, liegt die Zahl der NorovirenInfektionen etwa 30% höher als letztes Jahr um diese Zeit.

Auch wenn das schöne Wetter der letzten Tage die ansteckenden Krankheiten nicht verjagen konnte, so tat es uns allen einfach gut. Leider auch den Pollen von Erle und Hasel, die die ersten Strahlen als Wachstumssignal verstanden haben und sich auf den Weg in die Lüfte machten. Sie werden an diesem Wochenende einigen allergischen Menschen zusetzen.

Was geht in der Welt rum? Manche Erkrankungen beschränken sich auf gewisse Länder. Es dürfte wohl mehr an der zunehmenden Reisefreudigkeit der Menschen als am Klimawandel liegen, dass diese virtuellen Begrenzungen für Erreger im Schwinden sind. Das Dengue-Fieber ist das deutlichste Beispiel (siehe das Was-geht-rum der letzten Woche). Aber auch Gelbfieber zeigt diese Tendenz. Zuletzt in Brasilien, wo seit Dezember letzten Jahres 36 Erkrankungen bestätigt wurden mit bislang acht Todesfällen. Die meisten Infektionen traten im Süden des Bundesstaates São Paolo auf. Gelbfieber hat im Gegensatz zur „Gelbsucht“ – die besser als Hepatitis bezeichnet werden sollte – eine enorme Gefährlichkeit. Bei Reisen in den Süden Brasiliens sollte vorher mit einem reisemedizinisch versierten Arzt die Frage einer Impfung gegen diese Erkrankung geklärt werden. Wer bereits schon mal gegen Gelbfieber geimpft wurde, ist auf der sicheren Seite: eine Impfung schützt.

Blutungen nach Mandeloperationen

Winterzeit. Infektzeit. Zusammen mit der Neigung Infektionen der Atemwege entwickeln viele Kleinkinder auch eine Vergrößerung ihrer Mandeln (Tonsillen).

Abbildung 1. Tonsillenhyperplasie. Beide Gaumenmandeln berühren sich „kissing tonsils“, die Restöffnung wird durch das Zäpfchen (oben in der Mitte) verlegt.

In einigen Fällen kann diese Tonsillenhyperplasie (so nennt sich die Mandelvergrößerung medizinisch) zu weiteren Problemen führen: einmal dadurch, dass in den vergrößerten Mandeln äußerlich nicht sichtbare Eiterherde auftreten die immer wieder zu teilweise heftigen eitrigen Entzündungen des Organs führen. Zum anderen durch die Größe an sich. Betroffene Kinder haben eine durch die großen Mandeln eine Einengung der oberen Atemwege. Das lässt sie in den meist auffällig schnarchen. Ein weitere Folge kann die mangelnde Sauerstoffunterversorgung sein: obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom. Dieses Krankheitsbild hat wiederum Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und teilweise schwere Kieferverformungen zur Folge.

Ist ein Schlaf-Apnoe-Syndrom durch zu große Mandeln gesichert, ist meist eine Entfernung der Mandeln (sog. Tonsillektomie) wichtig. Diese Operation ist jedoch mit dem Risiko von  Nachblutungen verbunden, weswegen man die Indikation zur Operation sehr streng stellt. In den Jahren 2006 und 2007 sind in Österreich 5 Kinder an einer solchen Blutung verstorben. Dies führte dort einerseits zu strengeren Richtlinien und zur „Österreichischen Tonsillenstudie 2010„, einer großangelegten prospektiven Studie, die die Risiken beleuchtet. Darin setzen sich die Autoren um Stefanie Sarny und Mitarbeiter von der Universitäts-HNO-Klinik in Graz (Österreich) mit dem Thema auseinander.

Untersucht wurde die Häufigkeit von Nachblutungen nach 4437 Tonsillektomien (komplette Entfernung beider Gaumenmandeln). Es zeigte sich, dass bei den 946 Operationen im Kindesalter die Rate an Nachblutungen mit 9.2% für Kinder unter 12 Jahren lagen. Bei Erwachsenen war das Risiko mit einer Rate von 15.8% fast doppelt so hoch. Männliche Patienten waren mehr gefährdet. Ähnliche Daten liegen auch aus Großbritannien vor. Die Art der Operationstechnik spielte für das Risiko eine entscheidende Rolle.

Fazit:

Eine Entfernung der Mandeln kann für einige Kinder – gerade mit obstruktivem Schlaf-Apnoe-Syndrom ein Segen sein. Wegen der Risiken ist jedoch vor der Tonsillektomie eine sorgfältige Abwägung wichtig, ob ein sicherer medizinischer Grund für diesen Typ der Operation vorliegt. Als Alternative gibt es auch die Tonsillotomie, bei der die Gaumenmandel lediglich gekappt werden. Das Blutungsrisiko hierbei ist deutlich geringer. Diese Operation ist jedoch nicht für alle Problemstellungen gleichermaßen geeignet.

„Mein Kind ist so oft krank, da sollten endlich mal die Mandeln raus genommen werden“ ist jedoch in keinem Fall ein Grund für eine Operation.

Fitness-Studio für Kinder?

Fitness ist seit Jahren in – nicht nur bei Muskelprotzen. Das Fitnessstudio ist im Breitensport
angekommen. Aber ist dieser Sport auch für Kinder geeignet?

Dazu hat der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Michael Fröhlich von der TU Kaiserslautern Stellung bezogen. In seinem Buch „Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen: Hintergründe, Trainingspläne, Übungen“ – erschienen in zweiter Auflage 2011 – und in weiteren Veröffentlichungen geht er auf viele Aspekte von Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen ein.

Während man vor 30 Jahren aufgrund spärlicher Informationen noch vorsichtig war, weiß man heute mehr. Natürlich ist das Fitnessstudio nicht für eine unkontrollierte Nutzung durch Kinder geeignet. Aber unter Anleitung können auch Kinder ab dem Alter von etwa 11 Jahren an Geräte herangeführt werden. Dazu bemerkt Prof. Dr. Fröhlich in seiner Arbeit: “ …. koordinative
Fertigkeitsbasis ausbilden; Aufnahme eines speziellen Ausdauertrainings ist zu empfehlen,
Aufnahme eines gerätegestützten Krafttrainings nur im Verbund geeigneter Geräte, ansonsten sind funktionsgymnastische Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen empfehlenswert“.

Manche Kinder und Jugendliche reizt es, durch Kraftübungen ihre Grenzen auszuloten. Sie stehen damit jedoch im hohen Risiko, sich zu schnell und zu große Gewichte mit teilweise ungünstiger Belastung von Knochen und Gelenken zuzumuten. Anleitung und regelmäßige Kontrolle durch ausgebildete Trainer ist also Grundvoraussetzung für Kraftübungen.

Im Fitnessstudio herrscht eine erstaunliche Toleranz. Kraftprotze akzeptieren die Dicken und die Alten und umgekehrt. Gerade deswegen haben auch Jugendliche, die sonst nicht so sportlich sind gute Chance dort sportlich einzusteigen.

Krafttraining hat manche günstigen Aspekte. Für adipöse Kinder und Jugendliche kann es ein guter Einstieg in den Fettabbau sein. Rücken- und Bauchübungen können helfen, Haltungsstörungen abzubauen, die durch langes Sitzen in Schule und am Bildschirm an Bedeutung zunehmen. Hierfür gibt es einzelne Studien wie die von Avery D Faigenbaum und Mitarbeitern von der Universität Massachusetts in Boston. Sie haben den Einfluss eines kurzzeitigen Trainings sogar bei Kindern von 5 bis 12 Jahren untersucht. Für dies Altersgruppe kommt ein Krafttraining aber nur unter spezieller fachlicher Anleitung (Kinder-Therapeuten) und nur sehr kurzfristig in Frage.

Übrigens: Zuhause erstmal mit Liegestützen oder Kniebeugen anzufangen ist nicht günstig. Meist ist der Reiz für Ungeübte zu hoch. Dadurch können vielfache Probleme an Gelenken und am Halteapparat ausgelöst werden. Gerade bei allen Kraftübungen ist eine fachlich kompetente Anleitung Grundvoraussetzung.

Was geht rum? 09. Februar 2019

Die Infekte ziehen weiter durchs Land. Die Influenza („Grippe“) ist in diesem Winter auch dabei. Diesmal aber eher als Begleiter und nicht als Hauptdarsteller unter den Infekten. Diese Aufgabe haben im Moment die – nicht näher zu bestimmenden – Virusinfekte übernommen. Sie verursachen Halsschmerzen und natürlich Husten. Dieser ist zu oftmals so trocken, dass er zeitweise zum Krupphusten wird. Und: es sind viele Kinder und Jugendliche von diesen Infekten betroffen. Im Übrigen spielt auch das RS-Virus – besonders in der Gruppe der Kleinsten – leider noch eine große Rolle.

Abbildung 1. Wetter, gestern in Ihringen am Kaiserstuhl. Foto: meteomedia

Folgendes Zeichen der Hoffnung auf den kommenden Frühling ist zugleich ein Hinweis auf harte Zeiten für Allergiker: Am Oberrhein stiegen die Temperaturen gestern erstmals wieder auf zweistellige Werte an. In Ihringen am Kaiserstuhl waren es am frühen Nachmittag 10,7 Grad Celsius. Auch Erlen und Haseln das finden gut. Ein leichter Pollenflug wird kurzzeitig einsetzen.

Obwohl in vielen Regionen von Baden-Württemberg noch Schnee liegt: Jetzt ist die Zeit noch günstig, sich gegen FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis) – also „gegen die Zecke“ – impfen zu lassen. Für weitere Informationen verweisen wir auf das praxisblättle vom März letzten Jahres.

Was geht in der Welt rum? Die höchste Infektionsgefahr – nach den Durchfallserkrankungen – besteht für Touristen wohl durch das Dengue-Fieber. Das ist weltweit auf dem Vormarsch. Mit regional unterschiedlichen Häufigkeiten. Sind es seit Anfang dieses Jahres in Kambodscha 15.240 und in Malaysia 15.790 Neuerkrankungen, so sind die Zahlen für die Karibik deutlich niedriger: in Jamaika 339, Guadeloupe 23 (seit November 2018) und Dominikanische Republik 40 (nur erste Januarwoche 2019). Dem Touristen stellt sich dennoch das Problem, dass er sich auch tags vor Mücken schützen muss. Damit ist die Unbeschwertheit im Urlaub ein Stückchen kleiner.

Vor zwei Tagen meldete die New York Times einen Ausbruch von Masern im Staat Washington (Nordwesten der USA). In dieser Region leben viele Impfgegner.

Grell leuchtende Schulranzen: ein Stück Sicherheit

Zum Glück für die Kinder, dass es die Stiftung Warentest gibt. Sie nimmt sich vieler für Eltern wichtiger Themen an, beginnend von den Babymatratzen bis zu den Schulranzen. Letztere sind ein Schwerpunktthema im Februarheft 2019.

Schlimm genug dass in der Dämmerung gerne die grauen Autos unbeleuchtet durch die Gegend fahren. Dass ich selbst die Straße sehe, heißt noch lange nicht, dass mich die anderen auch wahrnehmen. Herrschen doch gerade am Morgen und am Abend die Grautöne vor. Und genau dann, wenn der Tag anbricht, brechen auch die Kinder in die Schule auf. Und sie sollten unbedingt gesehen werden. Bei den einigen Herstellern von Schulranzen hat sich das niedergeschlagen. Viele sind inzwischen mit grellen Farben ausgestattet.

Doch im Test haben nur acht der 22 Ranzen ein gutes Ergebnis erzielt. Wir wollen sie kurz vorstellen:

Produktname Note Preis Anmerkung
Ergobag Cubo: Neo Edition Illumibär GUT 1,7 259€ für Erstklässler geeignet
Ergobag Pack: Neo Edition Strahlebär GUT 1,7 259€ leuchtet tags am besten
Scout Alpha Commander (DIN) GUT 1,9 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step 2 in 1: Pegasus Dream (DIN) GUT 1,9 229€ Rücklehne einstellbar
Scout Genius: World Cup (DIN) GUT 2,0 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step Touch2: Space Pirat (DIN) GUT 2,0 219€ günstigstes Set
McNeill Ergo Primero Champ (DIN) GUT 2,1 249€ auch für kleine Erstklässler
McNeill Ergo Light Pure Libelle (DIN) GUT 2,3 239€ im Dunkeln mäßig sichtbar

Der Preis aller GUT-getesteten Ranzen liegt klar über 200 EURO. Das eine Menge Geld. Die Investition ist aus Sicherheitsgründen kaum zu vermeiden. Gerade beim Tohuwabohu, das vor vielen Schulen vorherrscht, gibt man gehetzten und wenig achtsamen Autofahrer-Eltern ein zusätzliches Signal, die herumspringenden Kinder sicher zu erkennen.

Endlich! Zahnärztliche Vorsorge bei Kleinkindern als Kassenleistung

Es geschieht manchmal was Gutes und kaum einer bemerkt es. So Ende Januar 2019, als der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen als Kassenleistung genehmigte. „Wir sind froh, dass diese Präventionslücke endlich geschlossen wird“ erklärte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. Die Regelung soll ab 1. Juli 2019 in Kraft treten.

Welche Angebote gibt es nun für Kleinkinder?

  • Schon seit wenigen Jahren soll der Kinder- und Jugendarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen auf die Bedeutung des Zahnarztes hinweisen. Warum das schon mit 6 Monaten erfolgen soll bleibt ein Rätsel, wenn der Zahnarzt in den Mund des Säuglings schaut und allermeist keinen Zahn findet.
  • Bis zum vollendeten 33. Lebensmonat sind drei zahnärztliche zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen vorgesehen, inklusive eingehender Untersuchung, Beratung der Eltern und Anleitung zum täglichen Zähneputzen beim Kleinkind.
  • Kleinkinder haben einen Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal im Halbjahr

Sinnvolle Maßnahmen, um möglichst früh im Leben eine konsequente Zahnpflege auf den Weg zu bringen. Dies wird seit einiger Zeit von den Zahnärzten empfohlen, wie der Ratgeber der Bundeszahnärztekammer zeigt.

Auch wenn sich vieles gebessert hat, liegt die Rate der Milchzahnkaries noch immer bei 15%. Nuckelflaschen und später zucker- bzw. säurehaltige Getränke sind die Hauptursachen.