Kategorie: Aktuell

Tuberkolose an einer Schule in Karlsruhe: Grund zur Sorge im Ländle?

Um die Antwort gleich vorab zu geben: NEIN, es besteht für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg kein Grund zur Sorge. Tuberkulose ist eine schlimme Erkrankung und es bleibt wichtig, sie genau im Auge zu behalten. Leider wurde sie nun von vielen Gruppen politisch genutzt um gegen Migranten Stimmung zu machen. Das geben aber die Zahlen überhaupt nicht her.

Bereits im Dezember 2018 konnten Sie im praxisblättle einen Artikel zur Tuberkulose finden, der sich mit den aktuellen Erkrankungszahlen befasst. Neuere Zahlen liegen von Seiten des Robert Koch-Instituts bislang nicht vor.

Die Unterscheidung von Erkrankten und Infizierten ist für viele Nicht-Mediziner verwirrend. Aber für die Betroffenen entscheidend. Wenn Tuberkelbakterien mit einem gesunden Organismus in Kontakt kommen, wird dieser Erreger dort erkannt und der Körper leitet Gegenmaßnahmen ein. Das ganze findet bei völligem Wohlbefinden des Betroffenen statt. Erst eine Laboruntersuchung (IGRA-Test) oder eine Hautreaktion (GT 10) zeigen an, dass eine Infektion stattgefunden haben muss: es handelt sich also um einen Infizierten. Er oder sie ist offensichtlich gesund, aber die Medizin kann nachweisen, dass ein Kontakt zur Tb stattgefunden hat.

Der Erkrankte hat Zeichen einer aktiven Erkrankung. Das kann ein Befall der Lunge sein, der über ein Röntgenbild erfasst wird. Oder, gerade bei Kleinkindern, kann es auch ein Befall von Lymphknoten sein. In diesem Fall bestehen Krankheitszeichen wie Husten, Gewichtsverlust oder Leistungsabfall.

Beide, der Erkrankte wie der Infizierte, benötigen eine Therapie. Sie wird den erkrankten Menschen wieder gesund machen und dem infizierten hilft sie, die Erkrankung nicht zu bekommen. Es ist klar, dass Zahl der Medikamente (bei Tuberkulose sind es zumeist 3 Medikamente parallel) und Dauer der Medikamentengabe sehr unterschiedlich sind.

In Karlsruhe sind laut Pressemitteilung „in der betroffenen Jahrgangsstufe….88 % der Mitschüler infiziert“. Diese sind also nicht erkrankt und brauchen in aller Regel eine medikamentöse Therapie von „nur“ 3-6 Monaten, damit das auch so bleibt. Durch die Untersuchungen an Schülern und Lehrern wurden vier Erkrankte identifiziert. Das ist für die Betroffenen gut, weil sie nun behandelt werden können. Und es ist für sie unangenehm, weil sie ggf. für längere Zeit Medikamente nehmen, isoliert werden müssen und die sozialen Kontakte begrenzt werden.

Was geht rum? 17. August 2019

Noch wollen wir nicht vom Herbst reden. Wir freuen uns über einen Spätsommer, der unser Wetter in andere Bahnen lenkt. Vorbei die Zeit der heftigen Pollenflüge, der Luftbelastungen und der Hitze. Wird jetzt alles besser? Wohl kaum. Nur anders.

Im August sind nur wenige Infektionen unterwegs. Aber das kann sich in einigen Wochen schnell ändern. Viele ansteckende Erkrankungen lieben die Übergangszeit vom Herbst zum Winter, wenn wir in warmen Stuben wieder enger beieinander sitzen. Also schnell mal im Impfheft nachschauen, ob das eigene Kind gegen die verhinderbaren Krankheiten geschützt ist: Keuchhusten? Pneumokokken? Meningokokken? Und natürlich Masern, Mumps und Röteln.

Okay, noch ist Sommer. Weiterhin sind es Magen-Darm-Infektionen und vereinzelt Hand-Fuß-Mund-Krankheit, die – einer kleinen Zahl – von Kindern zu schaffen machen. Insgesamt bleibt der August eine wunderbare Zeit für Kinder und Jugendliche: wenig Infektionen und praktisch keine Allergien. So gut kommt man gesundheitlich selten davon.

Was geht in der Welt rum? Schon vor 10 Wochen haben wir hier berichtet, dass die Röteln in Japan enorm oft vorkommen. Seit damals haben sich die Zahlen verdoppelt. In diesem Jahr wurden bislang 2040 Infektionen festgestellt. Neben Tokio sind viele Präfekturen wie Chiba, Kanagawa und Osaka auf der Insel Honshu und die Präfektur Fukuoka auf der Insel Kyushu besonders betroffen. Was es mit den Röteln auf sich hat und warum die Erkrankung besonders für Schwangere gefährlich sind erfahren Sie im praxisblättle am Montag in einem ausführlichen Beitrag über diese Kinderkrankheit.

Was geht rum? 10. August 2019

Viele Familien aus Baden-Württemberg sind jetzt im Urlaub. Wir daheim Gebliebenen erleben zwar auch Regentage, bleiben aber relaxt. In den Einkaufsmärkten sieht man neben Müttern auch viele Väter, wie sie mit den Kindern fürs Mittagessen einkaufen. In der Natur unternehmen die Familien Fahrradtouren. Und danach wird gegrillt: Stockbrot. Theodor Heuss, unser schwäbischer Bundespräsident kommt einem in den Sinn: „Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein“.

Allergiker können sich glücklich schätzen. Die meisten Pollen sind nur noch in geringer Konzentration in der Luft. Das gilt ganz besonders für die Gräserpollen. Diese können uns aber bis in den Oktober hinein begleiten und kurzfristig in der Nähe von Feldern Probleme bereiten. Stark in der Luft vertreten sind hingegen Pilzsporen. Die wiederum sind für Kinder und Jugendliche von sehr geringer Bedeutung.

Die Zecken-vermittelte FSME ist seit Wochen kein mediales Thema mehr. Tatsächlich liegen die Erkrankungszahlen in Baden-Württemberg unter denen des letzten Jahres. Bislang kommen in diesem Jahr 131 Neuerkrankungen zusammen, davon 12 alleine in der vergangenen Woche. Grund genug, den Impfschutz nochmals zu überprüfen.

Auch die Kinderkrankheiten machen keine Pause. In Freudenstadt wurden in der letzten Woche 6 Neuerkrankungen an Keuchhusten gemeldet. Deutlich höhere Erkrankungszahlen gibt es für die Windpocken aus der Regionen Freiburg und Karlsruhe. Übers Jahr gesehen sind im Ländle 3.683 Kinder und auch ältere Personen hieran erkrankt.

Die Magen-Darm-Infektionen hingegen gehen leicht zurück. Atemwegsinfektionen spielen im Moment kaum eine Rolle.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber ist in nahezu allen tropischen Ländern ein zunehmendes Problem. In den letzten 12 Monaten sind in Tansania (Tanga, Pwani und Daressalam) 6.680 Infektionen festgestellt worden. Noch höher liegen die Zahlen in Singapur. Hier sind im laufenden Jahr 9.321 Menschen neu an Dengue-Fieber erkrankt, nachdem es im Jahr zuvor „nur“ 3.285 waren. Das verwundert durchaus, legt der Stadtstaat doch besonderen Wert auf seine Sauberkeit. Die tagaktiven  Mücken scheint das jedoch wenig zu interessieren. Allen Reisenden ist mangels anderer Möglichkeiten dringend zu raten, einen guten Mückenschutz sicherzustellen.

In Baden-Württemberg wurden übrigens in diesem Jahr 120 Erkrankungen mit Dengue-Fieber gemeldet. Alle Erkrankungen sind importiert. Aber es verwundert nicht, dass sich die Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum im letzten Jahr (53) mehr als verdoppelt haben.

Maximaler Genuss mit Vanille-Eis

In Deutschland steht Vanilleeis auf Platz 1, wenn es darum geht sich ein erfrischendes und kühles Speiseeis zu gönnen. Und das tun wir Deutsche gerne. Immerhin haben wir im letzten Jahr 124 Kugeln Eis pro Person geschleckt.

Die Stiftung Warentest hat sich im neuen Heft (August 2019) der Qualität von Vanille-Speiseeis gewidmet, mit erstaunlichem Ergebnis. Denn viele Eissorten sind von guter Qualität. Natürlich gibt es Vanilleeis, das geschmacklich nicht überzeugt und anderes, das zwar echte Vanille zwar im Namen präsentiert, im Eis selbst aber nur in Spuren des betörenden Gewürzes. Wunderbar ist, dass gutes Eis nicht teuer sein muss. Selbst die Discounter bieten einen Vanillegehalt von 0.21 – 0.23%. Der liegt bei Aldi und Lidl sogar über dem des langjährigen Testsiegers.

Trocknen der Vanille in der Sava-Region im Nord-Osten Madagaskars. Hier liegen Schoten im Wert von weit über 100.000 Euro. Das war im Jahre 2010 noch ganz unbewacht möglich. Heute muss die Vanille bewacht werden. Foto: ptw

Dabei ist Vanille noch immer richtig teuer auf dem Weltmarkt. Als ich im Jahre 2010 erstmals in der Sava-Region im Nord-Osten Madagaskars war, kostete das Kilo Vanille – teilweise direkt von den Bauern – um die 20 Euro. Zwischenzeitlich kletterte der Preis kurzzeitig auf bis auf 700 Euro, um zuletzt wieder leicht abzufallen.

Die Vanille, die ursprünglich aus Mexiko stammt, kommt heute zu 80% von den Inseln des Indischen Ozeans. Dort fehlen dem Gewürz jedoch die spezifischen Insekten, weswegen die Pflanzen einzeln von Hand bestäubt werden müssen. Das ist mühsam und auch stachelig. Eine Arbeit, die viele Kleinbauern verrichten, bevor sie die Schoten verkaufen. In den Wochen vor der Ernte der Vanille kann es dann richtig gefährlich werden. Schützen die Bauern ihre Vanille nicht, wird sie mit Sicherheit gestohlen. Bewachen sie aber auch nachts ihre Ernte, sind Diebe gelegentlich eine Gefahr für Leib und Leben. Das führt inzwischen dazu, dass die Vanille in vielen Fällen zu früh geerntet wird. Damit sinkt ihr Ertrag, und der Preis für die gute Vanilleschoten steigt noch mehr. Die Großhändler – ich traf damals einen, der seine Ernte an einen der zwei grössten Käufer aus den USA vermittelte – haben kein Interesse an einer Verbesserung der Situation. Hauptsache ihr Gewinn stimmt. Und das tut er, egal ob durch die schiere Menge oder den hohen Preis.

Der Geschmack der Vanille ist einmalig. Noch intensiver ist der Duft von Vanille, wenn er in Zeiten der Ernte und Fermentierung über einer ganzen Stadt wie Sambava liegt: Ein unvorstellbarer Rausch der Sinne. Beim Schlecken des Vanilleeis werden meine Sinne immer wieder an dieses unvergessene Erlebnis erinnert – und leider auch an die negativen Folgen, die dieser Juwel unter den Gewürzen auslöst.

Was geht rum? 03. August 2019

Das Sommerwetter geht mit angenehmen Temperaturen weiter. Damit halten sich auch die Gräserpollen in mäßiger Anzahl in der Luft. Nur gelegentlich werden sie von Schauern weggespült. Die Pollen der Sommerkräuter (Spitzwegerich, Brennnessel und Sauerampfer) sind in eher geringen Mengen in der Luft. Anders die Beifußpollen: Sie sind hingegen in vielen Regionen auf dem Höhepunkt. Allergiker sollten bedenken, dass in gewissen Wetterlagen (etwa vor einem Sturm) oder in der Nähe von Feldern die Pollenbelastung plötzlich enorm hoch sein kann. Insofern sollte gerade auf Wanderungen immer ein Notfallmedikament mitgeführt werden.

Die Infekte spielen zum Glück für alle Kinder und Jugendlichen weiter nur die zweite Geige. Dennoch leiden einige Kinder und Jugendliche unter Magen-Darm-Infektionen. Bei den Rotaviren haben sich die Erkrankungszahlen in diesem Jahr gegenüber 2018 fast verdoppelt. Umsetzbare Schutzmaßnahmen gibt es nicht. Natürlich hilft Hygiene. Aber welches Kind kann das vernünftigerweise im Kindergarten oder der Schule noch besser umsetzen? So verwundert es auch nicht, dass in zwei Kindertagesstätten Ausbrüche mit Noroviren zu beobachten waren, die extrem ansteckend sind.

Atemwegsinfekte gibt es auch noch. Dabei handelt es sich meist um Racheninfekte. Aber auch der Keuchhusten zeigte zuletzt eine Häufung. Aus der Region Waldshut wurden in der letzten Woche 7 Neuerkrankungen gemeldet.

Foto: twitter

In Berlin gibt es ab diesem Schuljahr kostenloses Essen für alle Kinder der ersten bis zur sechsten Klasse. Freudig begrüßt das die SPD-Fraktion mit einem Essen, das man seinen Kindern wohl eher nicht auftischen würde – fettige Nudeln und ein paar Spritzer Ketch-up oben drauf. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, ohne dieses spezielle Essen hungrig in den Unterricht zu gehen. Für eine gute Tomatensauce hat es wohl nicht mehr gereicht? Mal sehen, ob irgendwann auch im Ländle kostenloses Schulessen angeboten wird. Ob dann wohl auf Twitter Maultaschen zu sehen sein werden?.

Altersverteilung des West-Nil-Fiebers in Europa im Jahre 2014. Foto: European-Centre-for-Disease-Prevention-and-Control

Was geht in der Welt rum? Mit den sommerlichen Temperaturen hat das West-Nil-Fieber wieder Europa erreicht. Dabei handelt es sich um eine grippeähnliche Erkrankung, die nach einer Inkubationszeit von bis zu 2 Wochen (2-14 Tage) beim Menschen auftreten kann. Der Erreger – das West-Nil-Virus – wird dabei über verschiedene Mücken (Culex, Aedes) von Vögeln auf den Menschen übertragen. Die fieberhafte Erkrankung selbst dauert 3-6 Tage. Betroffen sind eher ältere Menschen, in sehr vielen Fällen verläuft die Erkrankung ohne jegliche Symptome (inapparent). Griechenland erlebt das West-Nil-Fieber seit 2010, in diesem Jahr sind 10 Personen erkrankt. In Italien wurde gerade die erste Infektion aus Padua gemeldet, zwei weitere Fälle und ein Todesfall werden aus Rumänien beschrieben. Eine Impfung gibt es nicht, guter Mückenschutz ist die effektivste Maßnahme. Kinder sind fast nie und Jugendliche eher selten betroffen. Die Komplikationen, in deren Folge die Tödlichkeit anstiegt, betrifft nahezu ausschließlich Personen über 65 Jahre.

In Europa starben im letzten Jahr 170 Personen am West-Nil-Fieber. In Deutschland ist diese Erkrankung bislang noch nie aufgetreten.

Haben wir zu viele Krankenhäuser?

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung fordert, die Zahl der Kliniken in Deutschland von momentan 1400 auf unter 600 zu senken. Durch die Bündelung der Fachkompetenz an weniger Standorten ließen sich, so die Autoren, viele Komplikationen und Todesfälle vermeiden. Letztlich würde durch die Schließung der zumeist kleinen Kliniken die Qualität der Patientenversorgung insgesamt verbessert.

Zahl der Krankenhausbetten pro 1000 Einwohnern in OECD-Ländern. Foto: Handelsblatt

Zu diesem Thema haben sich inzwischen viele Ökonomen und Patientenverbände geäußert, das zuständige Bundesministerium für Gesundheit hält sich bislang zurück. Manche Stimmen vermuten, dort sei man froh, dass diese Diskussion angekurbelt würde. Denn die hoch gepriesenen Fallpauschalen der Kliniken, hätten nicht gehalten was sie versprachen: Das Gesundheitssystem wird immer teurer. Preistreiber Nummer 1 sind die Kliniken.

In der Tat gibt es in Deutschland pro 1000 Patienten mehr Krankenhausbetten als in den meisten Ländern anderer OECD-Staaten.

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist sehr komplex aufgebaut und unterscheidet sich in vielen Details von dem anderer Länder in Europa. Um die Frage nach der richtigen Anzahl von Kliniken zu beurteilen sind einige Faktoren zu beachten:

  • Die Krankenhäuser in Deutschland sind dual finanziert: die Investitionskosten tragen die Bundesländer, die Behandlungskosten werden über die Fallpauschalen mit den Krankenkassen finanziert.
  • Untersuchungen zeigen, dass die Bundesländer die Investitionskosten seit 1991 um 0.5 Milliarden Euro zurückgefahren haben. In den vergangenen 28 Jahren trat damit faktisch ein Wertverlust von 50% ein.
  • In der Folge sind viele kleinere Krankenhäuser sowohl apparativ wie personell nicht ausreichend ausgestattet, weil sie quer-finanzieren müssen: Geld, das aus Behandlungen eingenommen wird, fließt teilweise in Investitionen (z.B. den Kauf eines MRT), die eigentlich von den Ländern getragen werden müssten.
  • Krankenhäuser versuchen, über lukrative Behandlungen die Einnahmen aus den Behandlungen zu steigern. In Chefarztverträgen werden z.B. Orthopäden gezwungen, Mindestmengen für gewisse Untersuchungen (wie Gelenkspiegelungen) zu erbringen.
  • Diesen Investitionsstau in Kliniken gleichen in vielen Fällen die Kommunen aus, wodurch Geld in anderen Bereichen der regionalen Infrastruktur (z.B. Bäder, Fahrradwege) fehlt.

Aus Sicht des Patienten ist die schnelle Erreichbarkeit des Gesundheitssystems wünschenswert. In einem Flächenstaat wie Deutschland ist das in vielen ländlichen Regionen schon heute nur begrenzt gegeben.

  • Das Gesundheitssystem als solches ist ebenfalls dual aufgebaut. Einerseits die ambulante Versorgung: Arztpraxen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Praxen für Physiotherapie, Logotherapie und Ergotherapie. Zum anderen die stationäre Behandlung in den Krankenhäusern. 
  • Die politische Forderung ist: jeder Patient muss in 30 Minuten die nächste Klinik der Grundversorgung erreichen können. Das ist bis heute – selbst bei 1400 Krankenhäusern – nicht gegeben. 
  • Der Wunsch des Patienten ist eine medizinisch optimale Behandlung rund um die Uhr.
  • Für die Krankenhäuser und die ambulante Versorgung stehen nur begrenzt Mitarbeiter zur Verfügung. Dadurch ist gerade auf dem Land die Versorgung auch mit Hausärzten schon heute teilweise schwierig. Und auch Krankenhäuser tun sich schwer, alle Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. 

In der Gesamtsicht wird klar: Durch Drehen an einer einzigen Schraube werden sich enorme Veränderungen für das gesamte System ergeben. Wirtschaftlich betrachtet ist die Schließung mancher Krankenhäuser sicher sinnvoll. Wenn deren Personal dann an die anderen Krankenhäuser geht, würde auch deren Qualität gesteigert werden. Für Städte erscheint das auf den ersten Blick halbwegs umsetzbar. Der Patient muss einfach in eine andere Richtung fahren, aber die Erreichbarkeit der Klinik ist die gleiche. Auf dem Land wird das bedeutend schwieriger. Dort fehlen neben Hausärzten insbesondere Fachärzte. Wenn das regionale Krankenhaus verschwindet, fühlt der Patient auf dem Land sich sozial abgehängt. Er hat schon keinen Autobahnanschluss, keinen Bahnhof – oder gar einen Stundentakt per ÖPNV zur nächsten Stadt – und ein Opernhaus schon gar nicht. Da hängt also viel Emotion am regionalen Krankenhaus. Die Schließung von Krankenhäusern kann also nur gelingen, wenn im gleichen Zuge die ambulante Behandlung vor Ort verbessert wird.

Bleibt am Schluss die Frage: Wie können Politik oder Fachverbände (z.B. Kassenärztliche Vereinigung) Ärzte und medizinische Fachkräfte motivieren, die Versorgung von Einwohnern wunderschöner Schwarzwaldtäler zu übernehmen?. Was kann die medizinischen Fachkräfte bewegen, dort zu leben und zu arbeiten und nicht im lieblichen Freiburg?

Es braucht vermutlich mehr als einen starken Fachminister, um die verschiedenen Interessen miteinander in Einklang zu bringen.

Was geht rum? 27. Juli 2019

Nach kurzer Pause geht das Sommerwetter auch in den Sommerferien mit leicht niedrigeren Temperaturen weiter. Damit bleiben in der kommenden Woche Infektionen wohl das kleinere Problem für Kinder und Jugendliche.

Aufmerksamkeit erfordert das fast tropische Wetter besonders von Eltern kleiner Kinder. Sie sollten mehrere Belastung ihrer Kinder im Tagesablauf bedenken:

  • UV-Strahlung. Sie ist noch immer erheblich und nimmt zum frühen Nachmittag hin zu. Kinder sollten zumindest zwischen 11 Uhr und 15 Uhr eine Kopfbedeckung tragen und an offenen Körperstellen mit einer Sonnencreme (mit LF 30) versorgt sein. Am sichersten ist es, wenn sie in der Wohnung bleiben.
  • Hitze strengt an. Wenn Kinder mit Kindern spielen merken sie das kaum, denn die Freunde sind ihnen wichtiger. Eltern können dann einen schattigen Ort suchen und anbieten. Der sollte besser unter einem Baum – der sogar eine Kühlung ermöglicht – als unter einem Sonnenschirm sein.
  • Wasserbedarf. Der steigt mit der Hitze. Also allen Personen im Haushalt immer wieder Getränke (Wasser) anbieten. Nicht aufdrängen! Keiner muss trinken.
  • Ozon/ Reizgase. Mit der stärksten Sonne erreicht auch die Konzentration mit Reizgasen wie Ozon ihren Höhepunkt. Das ist die Zeit, wo starke körperliche Belastungen ausgesetzt werden sollten. Sport ist gut am Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang.
  • Insekten/ Zecken. Gerade Zecken lieben die warmen Temperaturen. Kinder sollten beim Spiel in der Natur mit entsprechenden Insektenschutzmitteln eingerieben werden. Allabendlich sollte man den Körper auf Zecken absuchen, besonders in den Nischen wie Bauchnabel, Achseln und hinter dem Ohr.
  • Grillen. Immer daran denken, dass Feuer für Kinder sehr reizvoll ist und den Grill gut beobachten, damit nichts passiert.

Die Hitze hat manche gute Seite. Mit der trockenen Witterung geht auch die Zahl der Pollen zurück und Allergiker müssen für die nächste Zeit nur mit mäßigen Belastungen durch Gräserpollen bzw. Pollen des Spitzwegerich rechnen. Das schlimmste ist wohl überstanden. Kurzzeitige starke Belastungen mit Pollen können jedoch bei Gewitter auftreten, weswegen Asthmatiker immer ihre Notfallmedikamente mitführen sollten.

Und was gibt es noch an Infekten? Die Magen-Darm-Erkrankungen gehören im Moment zu den häufigsten Infektionen. Diese sind oft durch Rotaviren ausgelöst. In der Region Karlsruhe und Rhein-Neckar gab es zuletzt mehr Meldungen an Campylobacter-bedingten Darmentzündungen. Campylobacter ist ein Bakterium, das unter den momentanen Umgebungsbedingungen häufiger in Speisen wie Geflügel anzutreffen ist. Zur Vermeidung dieser Erkrankung ist gute Hygiene in der Küche entscheidend.

Was geht in der Welt rum? Selten fällt Kanada durch Infektionen auf, die Reisende bedrohen könnten. In erster Linie sind es Bären, die man in Kanada auf Distanz halten sollte. Nun ist dort ein 21 Jahre alter Mann an Tollwut verstorben, die er sich auf Vancouver Island durch den Biss einer infizierten Fledermaus zugezogen hatte. Tollwut gibt es in diesem riesigen Land im Norden vorwiegend durch Füchse, im Süden durch Stinktiere und Waschbären. Und Fledermäuse gibt es in allen Landesteilen Je nach Reiseverhalten sollte eine Impfung in Erwägung gezogen werden.

Jugendliche fühlen sich wenig ernst genommen

Jeder Erwachsene war einmal jugendlich. Manche vergessen diese Zeit rasch und tun sich später schwer, sich in die Welt der jungen Menschen hinein zu versetzen. Jugendliche von heute haben eine andere Umwelt als ihre Eltern- oder Großelterngeneration. Das Internet und in der Folge die sozialen Medien haben den Alltag Jugendlicher gegenüber der Generation Y entscheidend umgekrempelt. So gesehen ist es auch wenig verwunderlich, dass es für Erwachsene gelegentlich herausfordernd ist, sich vorzustellen, wie Jugendliche heute empfinden.

Diesen Versuch unternimmt die Children’s Worlds+ – Studie, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung unter Leitung der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Andresen von der Universität Frankfurt am Main in Deutschland durchgeführt wurde. Eingebettet ist die Studie in das internationale Projekt Children’s World, das von einer Schweizer Stiftung unterstützt wird. Dieses Projekt wiederum beschäftigt sich mit dem Wohlbefinden von Kindern zwischen acht und zwölf Jahren in über 30 Ländern.

Children’s Worlds+. Einstellungen gegenüber den Lehrern Foto: Children’s Worlds+

In dieser sehr ausführlichen und lesenswerten Studie werden viele Aspekte beleuchtet. In Bezug auf die Schule zeigt sich, dass sich Jugendliche nicht ausreichend ernst genommen fühlen und sich mehr aktive Beteiligung wünschen. Dies zeigt sich auch in der Fridays-for-Future-Bewegung, wo Jugendliche das Thema Klima und eigene Zukunftsperspektiven selbstbewusst und erfolgreich aufgegriffen haben.

Childrens Worlds+-Studie. Wie sehen deutsche Jugendliche ihre Eltern Foto: Childrens Worlds

Das Elternhaus wird deutlich besser beurteilt. Natürlich nimmt der Anteil der Jugendlichen bei der Frage „Meine Eltern erlauben mir genug“ bis zu den 14-Jährigen stetig ab. Für Menschen in der Pubertät, die ihre Umgebung in Frage stellen, ist der Wert aber doch erstaunlich hoch.

Familienministerin Franziska Giffey will sich im Wissen dieser Studie für eine neue Jugendstrategie einsetzen: „Wir wollen, dass sich das gesamte Kabinett verbindlich zur Verantwortung für die Jugend bekennt. Die ganze Bundesregierung muss ihren Teil dazu beitragen, Jugend zu beteiligen, Politik mit und für Jugendliche zu machen.“

Gut so!

TIPP Reiseimpfungen – welche Kosten fallen an?

Fernreisen sind heute richtig günstig. Zumindest für uns in Europa, solange wir bei den Reisezielen nicht allzu exotische Orte aussuchen. So wurden Flüge mit der exklusiven Lufthansa von Paris nach Südafrika kürzlich für 396 € angeboten. Hin und zurück. Reine Flugzeit immerhin 12 Stunden pro Reise. Da ist die Debatte übers Klima für die meisten schnell mal vergessen.

Dazu dann noch die geringen Lebenshaltungskosten in vielen Reiseländern. Die liegen in Südafrika etwa bei der Hälfte der Kosten, die man in Deutschland aufzubringen hätte.

Wenn da nicht die medizinischen Kosten wären. Impfungen und medikamentöse Prophylaxe.  Im beschrieben Falle von Südafrika ist für den Besuch des Kruger-Nationalparks eine Malaria-Prophylaxe geboten, Kosten im günstigsten Fall für sieben Tage Aufenthalt: 136,78 €  (bei Anwendung des Originalpräparates Malarone© – inzwischen gibt es etwa halb so teure Alternativen für Kurzreisen). In anderen Ländern kann es noch teurer werden. Eine Tollwutimpfung, die seit einiger Zeit beispielsweise in Bali wichtig ist, schlägt etwa mit 200 € (bei 3 Injektionen)  zu Buche. Wer dann eine Tour mit Rucksack durch das Hinterland dieser herrlichen Insel mit ihren Reisfeldern vorhat, sollte auch an eine Impfung gegen japanische Encephalitis denken. Wieder Kosten von etwa 200 € . Die Gelbfieber-Impfung (für viele Regionen Afrikas bedeutsam) ist da mit 60-70 € vergleichsweise billig.

Was oft nicht so bekannt ist: Viele Krankenversicherungen übernehmen einen Teil oder in Einzelfällen fast alle Kosten für solche Maßnahmen. Selbst die AOK Baden-Württemberg wird da von vielen Menschen verkannt. Immerhin beteiligt sie sich an den Kosten für reisemedizinisch wichtige Maßnahmen mit bis zu 200 €. Unschlagbar bleibt jedoch die Barmer-Krankenkasse: sie erstattet sämtliche reisemedizinischen Maßnahmen, von der Malaria-Prophylaxe bis hin zur Tollwutimpfung. Für alle Details hilft die Tabelle (Stand: 09. April 2019) des Centrums für Reisemedizin (CRM) weiter, die ständig aktualisiert wird.

Am Schluss ist reisen dann so billig, dass die Frage nach den Konsequenzen fürs Klima drängender wird. Das Umweltministerium in Berlin mag zwar so manche gute Idee haben, bei der Umsetzung sieht es anders aus. Im letzten Jahr 2755 Inlandsflüge der Mitarbeiter des Ministeriums? Ja stimmt, kaum zu glauben. Da kommt einem Gabor Steingart in den Sinn: „Erst kommt das Fliegen, dann die Moral“.

Was geht rum? 20. Juli 2019

Wir haben zwar ein Insektensterben in unserem Land. Dennoch gibt es viele Plagegeister, die uns und unseren Kindern zusetzen. Oftmals werden wir gestochen und haben kein „Mittelchen“ dabei, keine Creme, nichts. Doch eines ist immer bei uns: Speichel. Kurz die Einstichstelle mit Speichel einreiben ist immer günstig und kühlt etwas. Sind wir zuhause, ist meist eine Zwiebel zu Stelle: frische Zwiebel aufschneiden und direkt für einige Minuten auf der Einstichstelle einreiben. Danach aufpassen, dass kein Kind sich den Saft der Zwiebel in die Augen reibt. Viele käufliche Gels oder Cremes haben einen kühlenden Effekt, mehr aber nicht, solange ihnen kein Cortison zugesetzt (…“H“) wurde. Diese Kühlung kann auch ein schlichter Eiswürfel erzeugen.

Besser ist, die Kinder und Jugendlichen (und sich selbst) vorbeugend vor Insektenstichen zu schützen. Dazu gibt es Sprays mit Icaridin oder DEET. Diese sind über Stunden wirkungsvoll. Übrigens auch gegen Zecken, die in diesem Jahr – so die persönliche Erfahrung – sehr bissfreudig sind. Einzelheiten zu den Insektenschutzmitteln finden Sie hier im praxisblättle.

Die Pollen sind auf dem Rückzug. Große Belastungen für Gräserpollen gibt es nur noch in den Höhenlagen des Schwarzwalds oder den Alpen. Im Flachland ist die Belastung allenfalls mäßig. Auch die Pollen der Sommerkräuter fliegen im Moment kaum.

Impetigo contagiosa – Borkenflechte. Foto: pinterest

Der Sommer ist bekanntermaßen keine Infektzeit. Vereinzelt treten Durchfallserkrankungen auf. Typisch für die Jahreszeit ist auch die Impetigo contagiosa, deren deutscher Name wie die „Borkenflechte“ ebenso unbekannt sind wie der Fachbegriff. Dieser beschreibt eine nässende, schuppende und Blasen bildende Hauterkrankung, die durch Bakterien in kleinen Wunden ausgelöst wird. Meist sind Staphylokokken die Ursache, aber auch Streptokokken (die den Scharlach auslösen) können beteiligt sein. Diese Hautinfektion kann sich unter günstigen Bedingungen – Wärme und Feuchtigkeit – rasant ausbreiten. Im Moment stehen die Chancen für den Impetigo also gut, dass er sich ausbreitet, da er eine gewisse Ansteckung hat und das Wetter für ihn arbeit. Die frühzeitige Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll.

Was geht in der Welt rum? In den Tropen bleibt das Dengue-Fieber der Dauerbrenner. Besondere Schwerpunkte sind zur Zeit Tansania (in diesem Jahr 6.350 Infektionen), Réunion (16.000 Neuerkrankungen in diesem Jahr bei 850.000 Einwohnern), Laos (11.560 Neuerkrankungen), Kambodscha (13.000 Erkrankte in diesem Jahr), Brasilien (etwa 600.000 Erkrankungen in diesem Jahr) und die Cook-Inseln (66 Erkrankungen auf der Insel Rarotonga). Für alle Reisenden ist ein guter Mückenschutz tagsüber die wichtigste Schutzmaßnahme. Eine Impfung steht nicht zur Verfügung.

Preisunterschiede in Europa, gemessen am Durchschnitt. Foto: https://de.statista.com/infografik/18501/preisniveau-privater-konsumausgaben-in-europa/

Und noch ein kleiner Hinweis, ob sich auch Ihr Portemonnaie im Urlaub erholen darf oder nicht. Das Preisniveau in Europa klafft heftig. Im Südwesten ist sattsam bekannt, wie teuer die Schweiz ist. Dass Island noch teurer ist, mag man kaum glauben. Aber dorthin zieht es nur wenige. Die vielen Urlauber in der Türkei können sich hingegen freuen. Viel Geld gespart und das in einem Land mit so herrlichem Essen, wunderbaren Landschaften und vielen freundlichen Menschen wie dem neuen Oberbürgermeister von Istanbul.