Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 15. Dezember 2018

Nebel, Hochnebel, Kälte. Die Zeit der Atemwegsinfekte ist gekommen. Kinder und Jugendliche sind vom einfachen Husten durch trockene Raumluft ebenso betroffen wie von Racheninfekten, Bronchitis und in einzelnen Fällen auch Lungenentzündung (Bronchopneumonie). Immer häufiger tritt auch Fieber auf. Wie damit umzugehen ist beschreibt ein Beitrag im praxisblättle.

Während in allen Landkreisen maximal 2 Erkrankungen an Influenza zu verzeichnen sind, weist die aktuelle Statistik des Landesgesundheitsamtes jeweils 12 Neuerkrankungen für den Landkreis Ravensburg und ebenso viele für den Bodenseekreis aus. Für die Landeshauptstadt Stuttgart sind übrigens keine Neuerkrankungen gemeldet worden.

In der kühlen Jahreszeit werden die Wohnungen gut geheizt. Es wird sehr gemütlich im Haus, aber die Luft leider auch trocken. Das führt im Nebeneffekt auch zu trockener Haut gerade bei Kindern und Jugendlichen, die von Neurodermitis betroffen sind. Es ist ratsam, die Pflege der Haut sehr konsequent und regelmäßig durchzuführen, um Entzündungen mit schwerem Juckreiz und Schmerzen vorzubeugen.

Was geht in der Welt rum? Familien, die über Weihnachten eine Reise nach Südafrika eingeplant haben, sollten sich weitere Informationen zum Thema Tollwut einholen. Dort sind in diesem Jahr 15 Todesfälle gemeldet worden, die alle auf einen Hundebiss hin auftraten. Betroffen waren die Provinz KwaZulu-Natal (Todesfälle), Provinz Eastern Cape (6) und die Provinz Mpumalanga (1). Ein sicherer Schutz ist durch eine aktive Impfung zu erreichen.

Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

Was geht rum? 08. Dezember 2018

Abbildung 1. Konsultationsinzidenz in Deutschland pro 100.000 Einwohner von der KW 40 in 2017 (Anfang Oktober 2017) bis heute. Foto: RKI

In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Atemwegserkrankungen seit Wochen weiter an, wie die Arbeitsgemeinschaft Influenza meldet. So stieg der Praxisindex der Atemwegserkrankungen in den letzten vier Wochen von 92 auf zuletzt 125 (47. KW). Dabei gelten Werte bis 115 als Hintergrundaktivität – also normal. Dieser Trend ist außer in Bayern und Sachsen-Anhalt aber auch in den anderen Bundesländern zu beobachten (siehe Abbildung 1). Es zeigt sich, dass insbesondere die Kinder unter 4 Jahren (rote Linie) erkranken – die Erwachsenen kaum (blaue Linie).

Abbildung 2. Rate an grippeähnlichen Infektionen (ILI) für die Saison 2016/2017 (Kinder: gestrichelt orange), 2017/2018 (Kinder: orange) und jetzt (Kinder: rote Linie). Foto: GrippeWeb

In den untersuchten Proben (Nasen-Rachenabstriche) stehen die Rhinoviren ganz im Vordergrund. Bislang wurden nur einzelne RS-Viren oder Influenza-Viren gefunden. In der 47. Kalenderwoche konnten in Deutschland in 81 untersuchten Proben Grippeviren nachgewiesen werden. Dennoch liegt gerade für Kinder die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI – siehe Abbildung 2) spürbar über dem Niveau der letzten Jahre. Kurz gesagt: die Infektwelle hat für Kinder begonnen, aber noch nicht für Erwachsene.

Daneben gibt es Hinweise, das Keuchhusten (Pertussis) wieder häufiger auftritt. Schon bevor klar ist, ob sich das weiter bestätigt, sollten alle Eltern den Impfschutz ihres Kindes und von sich selbst überprüfen. Auch Erwachsene können an Keuchhusten erkranken – was eine erhebliche Belastung für die Betroffenen ist. Und: ein höchstes Risiko für Kinder, inbesondere Säuglinge. Die Impfung gegen Keuchhusten ist bei abgeschlossenem Impfzyklus hoch wirksam.

Was geht  in der Welt rum? In Japan ist ein Ausbruch an Röteln in Tokio sowie den Präfekturen Chiba, Kanagawa, Aichi, Ibaraki und Saitama auf der Insel Honshu zu beobachten. Seit Beginn des Jahres sind über 2000 Erkrankungsfälle registriert worden. Wichtig ist, den eigenen Impfschutz vor einer Reise nach Japan zu überprüfen.

Inzwischen hat sich die Masern-Endemie in Madagaskar weiter verschärft. Nach der neuesten Meldung von midi-madagasikara von gestern (07.12.2018) sind inzwischen 8215 Erkrankungsfälle bekannt. Davon erhalten 575 Kinder eine Behandlung im Krankenhaus.

HPV-Impfung: Nun auch für Jungen eine Kassenleistung

Ganz aktuell kam gerade von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Nachricht, dass die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) nun auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren eine Kassenleistung ist. Darüber hatte das praxisblättle gerade vor einer Woche berichtet. Der genaue Wortlaut der KBV-Meldung:

Der entsprechende Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist am 30. November in Kraft getreten. Damit übernehmen jetzt alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Impfung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte den Beschluss zur Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie im September gefasst und damit eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) umgesetzt. Diese hatte sich im Juni für die Standardimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV) auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren ausgesprochen. Für Mädchen in diesem Alter ist die HPV-Impfung bereits seit Juli 2007 eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten

Humane Papillomviren können Krebserkrankungen auslösen. Eine Immunisierung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen.

Bei der HPV-Impfung sind im Alter von neun bis 14 Jahren zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Sollte die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht werden, sind insgesamt drei Impfungen erforderlich. Eine Nachholimpfung sollte bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Ziel der HPV-Impfung von Mädchen und Jungen ist die Verringerung von durch HP-Viren hervorgerufenen Tumoren.

Impfung bei U11- sowie J1-Vorsorgeuntersuchung

Für die Impfung bieten sich insbesondere die U11-Vorsorgeuntersuchung (neun bis zehn Jahre) sowie die J1-Vorsorgeuntersuchung (zwölf bis 14 Jahre) an.

Für weitere medizinische Informationen möchten wir auf das praxisblättle vom Juni 2018 verweisen.

Was geht rum? 01. Dezember 2018

Schlendern über die Weihnachtsmärkte. Mein erster Eindruck aus Lindau am Bodensee: Wow, viele Eltern mit vielen Kindern. Sie haben keine Angst vor der Kälte und sie gönnen den Kindern den Spaß am Lichtermeer und den Süßigkeiten. Prima.

Sind wieder da, die Noroviren. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg berichtet, dass seit Mitte Oktober der Erkrankungen zunehmen. Mitte November wurden in einer Woche 148 Erkrankungen gemeldet. Davon waren ganz besonders die Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Die Erkrankung beginnt rasch und heftig mit Erbrechen und Durchfall. Sie hat eine hohe Ansteckungsfähigkeit, weswegen Kinder unter 6 Jahren bei Verdacht auf diese Erkrankung den Kindergarten nicht besuchen dürfen (und auch nicht können!).

Natürlich gibt es neben dieser Magen-Darm-Erkrankung weiterhin Atemwegsinfektionen. Auffallend häufig ist ein massiver Schnupfen, der sehr lästig ist und den Schlaf stört. Racheninfekte sind auch dabei und einige Erkrankungen an Bronchitis.

Was geht in der Welt rum? Das DengueFieber zieht weiter um die Welt und führt zu enormen Erkrankungsfällen. Zuletzt liegen Berichte aus Angola (1340 gemeldete Fälle), Bangladesch (in diesem Jahr fast 10.000 Infektionen) und Guadeloupe in der Karibik vor. Mückenschutz ist die effektivste Maßnahme.

Was geht rum? 24. November 2018

Der kalte und trübe Herbst ist bei uns im Südwesten angekommen. Die feinen Nebeltröpfchen werden geschmacklich spürbar ergänzt von dem, was die Nachbarn und man selbst in den Kamin stecken, um das Haus kuschelig warm zu halten. Alle gemeinsam atmen wir das wieder ein. Und unsere Kinder müssen häufiger husten. Umwelt geht uns offensichtlich alle an.

In dieser Zeit legen auch die Infekte wieder einen Gang zu. Neben den Infektionen mit Adenoviren (Reizhusten, Halsschmerz, Magen-Darm-Beschwerden) kommen jahreszeitlich typisch Atemwegserkrankungen mit obstruktiver Bronchitis hinzu. Der Krupphusten ist bislang noch auffällig selten.

An apple a day, keeps the doctor away“. Noch liegen geschmackvolle Äpfel und intakte Äpfel unter den Bäumen. Ob diese Weisheit wirklich hält was sie verspricht, wissen wir dann im Frühling.

Was geht in der Welt rum? Manchmal sind es keine Infektionen, die die Menschen bedrohen. In Indien, genauer in Neu-Dehli und seiner Umgebung (National Capital Territory of Delhi (NCT)) ist die Umweltbelastung zur Zeit extrem hoch. Das betrifft ganz besonders Kleinkinder, älter Menschen und Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma bronchiale). Diese sollten die Region meiden.

Was geht rum? 17. November 2018

Auch nach den Herbstferien ist die Zahl der Infekte weiterhin eher niedrig. Die Adenoviren stehen mit Racheninfekten und Bindehautentzündungen – teilweise mit begleitenden Bauchschmerzen – weiter im Vordergrund.

Kinderkrankheiten sind momentan nicht auffällig gehäuft. In diesem Jahr ist die Zahl der gemeldeten Erkrankungen bei Mumps konstant gegenüber 2017 (genau 53 Erkrankungen), bei Masern liegt sie doppelt so hoch (100 in 2018, 52 in 2017), während sie bei Keuchhusten niedriger liegt als im letzten Jahr (1899 vs. 2619)

Und was geht in der Welt rum? In Europa tritt in einigen Ländern weiterhin das West-Nil-Fieber auf – wir hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen. In Griechenland, wo einige Touristen noch viel Sonne genießen können sind bislang 313 Fälle aufgetreten.

Keine typischen Reiseländer für Familien sind Äthiopien und Brasilien. Genauso wenig sind dies aber auch typische Länder für Gelbfieber-Erkrankungen. Neue Meldung legen nahe, dass in der Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker (SNNP) in Äthiopien 10 Todesfälle an Gelbfieber zu verzeichnen waren. Einzelne Fälle traten in wieder Brasilien in der Stadt Caraguatatuba (Bundesstaat São Paulo) auf. Eine gezielte Beratung vor einer Reise in diese beiden Länder ist anzuraten.

Autokindersitze

Die technische Entwicklung verläuft rasant, der Zyklus neuer Produkte ist immer schneller. So auch bei den Autokindersitzen, über die ein neuer TEST der Stiftung Warentest im Novemberheft 2018 erschien. Im Folgenden wollen wir die wichtigsten Ergebnisse Ihnen vorstellen.

Interessant ist, dass die Sitze aus dem letzten Test aus dem Jahre 2017 in vielen Belangen besser sind als die neu getesteten. Die neuen Modelle – so der Kommentar der Stiftung Warentest – punkten häufig nur beim Komfort.

Von Geburt an bis 13 kg Körpergewicht

Name Note Preis Anmerkung
Cybex Aton 5 1.6 130 € test 6/2017
Cybex Aton 5 + Aton Base 2 1.7 220 € test 6/2017
Hauck Comfort Fix+ Comfort Fix Isofixbasis 2.1 220 € NEU
Maxi-Cosi CabrioFix 2.1 140 € NEU

Von Geburt an bis 18 kg Körpergewicht

Name Note Preis Anmerkung
Klippan Kiss 2 Plus 2.5 500 test 11/2017

i-Size bis maximal 105 cm Körpergröße

Name Note Preis Anmerkung
 Cybex Aton M i-Size & Base M i-Size  1.6 350 € test 11/2017
 Maxi-Cosi Pebble Plus 1.6 220 € test 11/2017
 Maxi-Cosi Pepple Plus & Isofix-Basis 2wayfix 1.6 440 € test 11/2017
 Britax Römer Baby-Safe2 i-Size + i-Size Base 1.7 350 € NEU
 Joie i-Level 1.7 300 € NEU

Von 9 kg kg bis 18/36 kg Körpergewicht

Name Note Preis Anmerkung
Kiddy Phoenixfix 3 1.7 180 € test 11/2016
Cybex Pallas M SL 1.9 240 € test 6/2017
Joie Traver Shield 1.9 170 € test 6/2018
Kiddy Guardianfix 3 1.9 250 € test 6/2017

Von 15 kg bis 36 kg Körpergewicht

 

 Name Note Preis Anmerkung
 Cybex Solution M-Fix SL  1.7 190 € test 6/2017
 Cybex Solution S-Fix 1.7 190 € NEU
Britax Römer Kidfix SL 1.8 130 € test 11/2015

Was geht rum? 10. November 2018

Kinder und Jugendliche werden den Arzt in den kommenden Wintermonaten häufiger brauchen. Im Bemühen, die Fragen einfacher zu lösen, wird das Internet gerne zu Rate gezogen. Aber Dr. Google wird oft überschätzt. Denn er ist wie ein Krake. Diese gilt als das intelligenteste Weichtier, aber von außen wissen wir wegen der vielen Arme nicht so recht, wo wir dran sind. Wenn Eltern vor dem eigenen Kind mit Fieber oder anderen Symptomen stehen, ist das „Bauchgefühl“ oft der beste Leitfaden. Und wenn dieses sagt, ich weiß nicht so recht, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Fieber? Kann selbst bei über 40 Grad harmlos sein, aber: Fieberfreiheit schließt keine schlimme Krankheit aus. Wenn Sie als Eltern ein ungutes Gefühl haben, dann suchen Sie den Kinder- und Jugendarzt auf. Vielleicht bietet der als Möglichkeit auch Telemedizin an – umso besser. Das könnte gerade bei Infekten eine für beide Seiten sinnvolle Hilfe sein.

Die Infekte im Ländle haben sich kaum geändert. Weiterhin gibt es einzelne Entzündungen der Luftröhre (Tracheitis), aber deutlich weniger als sonst im November. Klimawandel? Vermutlich, denn bei den recht milden Temperaturen sind auch die anderen typischen Infekte dieser Jahreszeit eher selten.

Was geht in der Welt rum? In Vietnam bleibt vermutlich die hohe Zahl der Todesfälle an Tollwut konstant. Bislang sind 67 Menschen daran verstorben, in den letzten drei Jahren waren es 78 (2015), 91 (2016) und 74 Todesfälle im letzten Jahr. Rechtzeitig vor einer Reise nach Vietnam – am besten zwei bis drei Monate zuvor – sollte die Frage einer Impfung gegen Tollwut mit einem Arzt für Reisemedizin besprochen werden.

Migräne – eine neuer Trend für Kinder und Jugendliche?

Kopfschmerzen kommen bei Kindern mit zunehmendem Alter häufiger vor. Sie können verschiedene Ursachen haben. Deswegen steht an erster Stelle eine Vorstellung beim Kinderarzt, der mit Erfragung der Symptome und einer körperlichen Untersuchung die Krankheitsbilder eingrenzen kann.

Es ist inzwischen  unstrittig, dass der Alltag heute durch Internet und Smartphone aktiver geworden ist. Für viele Kinder und Jugendliche ist es mit Stress verbunden, den Ansprüchen von Schule, Eltern, Freunden und weiterer Umgebung gerecht zu werden. Phasen von Langeweile gibt es kaum noch, sie müssen immer präsent sein. Angespannt. Spannungskopfschmerzen sind dadurch sehr häufig und ein Signal des Körpers, dass eine Überforderung – welcher Art auch immer – vorliegt. Diese Erfahrung machen weit mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Migräne ist aber etwas anderes. Die Migräne gehört zu den chronischen Schmerzerkrankungen mit deutlichem genetischen Einfluss. Das zeigen Zwillingsstudien ebenso, wie das Gespräch mit den betroffenen Familien. Welche Symptome treten bei der kindlichen Migräne auf?

  • Starke, oft pulsierende Kopfschmerzen, die rasch zunehmen und das Kind und den Jugendlichen so beeinträchtigen, dass Spiel oder Arbeit meist unterbrochen werden.
  • Einseitige Schmerzen sind typisch, beidseitige Schmerzen sind jedoch auch nicht selten.
  • Begleiterscheinungen wie Erbrechen und Übelkeit sind bei Kindern häufig.
  • Bei Jugendlichen tritt die Lärm- und Lichtempfindlichkeit wie bei Erwachsenen häufiger auf.
  • Manche Kinder erleben – ebenso wie Erwachsene – eine Aura. Diese Vorboten treten in aller Regel vor den Schmerz auf und zeigen sich als Flimmersehen oder auch plötzlicher Sehverlust (meist einseitig), aber auch als Gefühlsstörungen in den Armen oder phantastischen Bildern. 
  • Nach Abschirmung schlafen viele Kinder und Jugendliche ein und erwachen danach meist schmerzfrei.
  • Die Dauer der Attacken liegt bei ein bis drei Stunden, kann aber auch deutlich länger anhalten.

Je nach Häufigkeit – die sehr unterschiedlich ist – ist die Migräne nicht nur wegen der schrecklichen Schmerzen ein Problem. Sie kann auch das soziale Leben einschränken, wenn die Häufigkeit der Migräne zu zunehmenden Schulfehltagen führt.

Abbildung 1. Zunahme der Migräne auf der Grundlage der Daten der KIGG-Studie. Foto: Robert Schlacks, BVKJ Berlin, 2017

In der KIGG-Studie – die beispielsweise auch zu Fragen von Süßgetränken aktuelle Informationen für Deutschland präsentierte – wurde auch die Frage chronischer Schmerzen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der bekannte Trend zur Zunahme der Migräne weiter anhält. Wie Abbildung 1 verdeutlicht, zeigt sich im Zeitraum von nur 6 Jahren ein deutlicher Anstieg der Migräne über alle Altersgruppen, massiv vermehrt aber unter Jugendlichen. Der Autor der Graphik hat die sich ergebenden Fragen gleich formuliert: Schlafdauer? Medienkonsum? Sitzende Tätigkeiten?

Alle Kinder und Jugendlichen, die unter immer wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden, sollten ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen, um Klarheit über die Bedeutung der Schmerzen zu bekommen. Bis dahin gelten folgende Grundsätze:

  • Schmerzmittel sind in aller Regel keine Lösung und sollten nicht eingesetzt werden – also keine Selbstbehandlung 
  • Ein regelmäßiger Lebensrhythmus mit ausreichendem Schlaf ist günstig.
  • Die Nutzung von Medien (Internet, Spielekonsolen, Smartphone) sollte vom betroffenen Kind und Jugendlichen selbst beschränkt werden. Flimmernde Bilder und auch das Blaulicht strengen das Gehirn zusätzlich an.