Kategorie: Aktuell

Kinderkrankheit Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum)

Das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) ist eine Infektionskrankheit, die ähnlich wie Masern hoch ansteckend ist. Ausgelöst wird es durch das durch das Humane Herpes Virus 6 (HHV-6).

Bedingt durch seine hohe Ansteckungsfähigkeit, tritt das Drei-Tage-Fieber häufig bereits im Säuglingsalter, spätestens aber im Kleinkindesalter auf. Dabei breitet es sich in regionalen Wellen aus. Wenn es also rumgeht, betrifft es schnell alle kleinen Kinder einer Region.

Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen tritt plötzlich sehr hohes Fieber (um 40° Celsius) auf fast ohne andere Krankheitszeichen. So ist der Rachen ist nur leicht gerötet. Manche Kinder sind stärker beeinträchtigt, die meisten trinken aber noch recht gut. In aller Regel verschwindet das Fieber im Laufe des vierten Tages innerhalb weniger Stunden, worauf der typische masernähnlich Ausschlag auftritt, der manchmal nur schwach und auch nur kurzzeitig zu sehen ist. Manchmal wird der Ausschlag überhaupt nicht festgestellt, wenn er nachts im Schlaf auftritt. Wenn er zu sehen ist, dann im Bereich der Brust, am Bauch und am Rücken. Damit ist die Diagnose sicher und es geht dem Kind deutlich besser. Bis zur vollen Genesung können aber manchmal noch einige Tage vergehen.

Beim Drei-Tage-Fieber kann auch eine Mittelohrentzündung auftreten. Recht typisch ist, dass bei dieser Krankheit mit sehr hohem Fieber das Risiko für Fieberkrämpfe erhöht ist. Das einmal durchgemachte Drei-Tage-Fieber tritt im weiteren Leben nicht mehr auf. Deswegen ist es eine Kinderkrankheit – die erste Kinderkrankheit.

Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Fiebersenkende Medikamente (Paracetamol, Ibuprofen) sind gelegentlich sinnvoll, um den Stress für das Kind zu reduzieren. Nicht sinnvoll sind Versuche, das Fieber verhindern zu wollen und „vollständig“ zu senken.

Eine Impfung gegen das Drei-Tage-Fieber gibt es nicht.

Was geht rum? 20. April 2019

Der Frühling ist da. Angenehme Temperaturen, zwitschernde Vögel, bunte Vielfalt an Blumen. Aber nicht nur die Blumen blühen, sondern auch Allergie auslösende Gräser, Büsche und Bäume. Und nicht zu vergessen die Zecken. Sie kommen zu voller Aktivität. In dieser Hinsicht haben sich seit letzter Woche keine grundlegenden Änderungen ergeben. Nur sind Pollen und Zecken noch aktiver als zuvor.

Abbildung 1. Flug der Birkenpollen im März und April 2019 (schwarze Balken) gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (graue Fläche). Foto: pollenundallergie.ch

Was beim Ganzen oft in den Hintergrund gerät: die Sonne. Sie wärmt so herrlich und tut der Seele so gut. Aber, sie hat schon jetzt eine enorme Kraft. Für uns und unsere Kinder müssen wir also auch an den Sonnenschutz denken. Immerhin ist die Sonne heute so stark wie am 20. August, also mitten in den Sommerferien. Jetzt sind die Temperaturen halt angenehmer. Wie Sonnenschutz gut umsetzbar ist, finden Sie hier.

Abbildung 2: Praxisindex für Atemwegserkrankungen. Die rote Kurve (Saison 2018/2019) hat wie in den Vorjahren fast das Normalniveau wieder unterschritten. Die Infektwelle ist vorbei. Foto: AG Influenza

So bunt wie die Natur im April ist auch das Spektrum an Infektionskrankheiten. Die Grippe (Influenza) hat sich nahezu verabschiedet. Mit Ihr auch die anderen Infekte, wie die Abbildung 2 zeigt, ging der Praxisindex – er vermittelt die Veränderung bei den Atemwegserkrankungen – deutlich unter das Normalniveau zurück. Die Infektwelle ist zu Ende.

Die Zahl der Rotavirusinfektionen nimmt ebenfalls wieder ab. Weiterhin treten jedoch die einfachen Luftwegsinfekte auf, die selten von Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen begleitet sind. Streptokokkeninfektionen sowie vereinzelt Scharlach sind noch immer zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Mit Frankreich verbindet uns Deutsche ja eine enge Kooperation und Freundschaft. Leider sind wir auch bei den Masern auf einer Linie. In diesem Jahr sind in Frankreich bereits 573 Menschen daran erkrankt. Ganz besonders viele im Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) mit 53 Erkrankungen. Dort leben nur 800 Einwohner – aber übers Jahr kommen 300.000 Touristen. Die sollten sich vorher über den Stand ihrer Impfungen gute Gedanken machen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertage.

Eine App für Pollen-Allergiker

Mit dem Frühlingsbeginn in dieser Woche werden in Baden-Württemberg täglich mehr Menschen von Pollenallergie geplagt. Je nach Höhenlage sind entweder die Birkenpollen (eher in mittlerern Lagen) oder gar schon die Gräserpollen (Oberrhein) bedeutsam vertreten.

Vor ziemlich genau 20 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der WHO die ARIA-Initiative von Experten ins Leben gerufen: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA) befasst sich seither wissenschaftlich mit dem allergischen Schnupfen und seinen Auswirkungen auf das Asthma. Die internationalen Experten von ARIA haben über die letzten Jahrzehnte viele Schritte in der weltweiten Harmonisierung von Diagnostik und Therapie von Allergien in die Wege geleitet.

Rechtzeitig sind nun im März 2019 im Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) die neuen Schritte der ARIA  (Phase 4) veröffentlicht worden. Darin wird auch eine neue App vorgestellt, die über die letzten Jahre entwickelt in in einem Pilotversuch getestet wurde.

Wo gibt es mehr Informationen über die App? Allergy Diary

Abbildung 1: Allergy Diary App. Foto: allergydiary.com

Die anonymisierte App kann momentan in 23 Ländern (16 EU-Länder, Schweiz, Türkei, Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko) in 17 Sprachen genutzt werden. Bislang sind Informationen zum Asthma noch nicht implementiert. Dies ist aber geplant. Ein wichtiges Tool für alle Allergiker – gerade auch für Jugendliche, die mit dieser App mehr Informationen über ihre Allergie sammeln können. Damit kann der Allergologe später eine gezieltere Therapie ansetzen.

Spaß auf dem Trampolin

Die Temperaturen steigen und viele Kinder drängt es nach draußen. Um die neuen Kräfte durch Luftsprünge zu testen, sind Trampoline wunderbar.

Gerade rechtzeitig hat sich auch die Stiftung Warentest mit dem Thema befasst und die Sprungtücher auf ihre Sicherheit hin getestet. Überzeugt hat sie nach eigenen Angaben jedes zweite Modell (siehe Tabelle weiter unten).

Die allermeisten Kinder – gerade wenn sie körperlich geschickt sind – haben riesig Spaß daran, mit dem Trampolin in die Lüfte zu springen. Für die anderen, weniger geschickten, kann das Trampolin eine gute Möglichkeit sein, diese Freude – langsam – zu erfahren und ein besseres Körpergefühl sowie Koordination zu erlernen. Es dürfte jedoch klar sein, dass solch ausgelassene Bewegungen nicht immer gut gehen müssen.

Vor dem Kauf eines Trampolin sollten Eltern also einige grundsätzliche Fragen bedenken.

  • Wenn Kinder gemeinsam im Trampolin springen, kann der unterschiedliche Rhythmus dazu führen, dass sie sich ins Gehege kommen und zusammenstoßen.
  • Gerade bei Kindern mit unterschiedlicher Geschicklichkeit oder deutlich unterschiedlichem Körpergewicht erhöht sich dieses Risiko, weil das ungeschicktere oder leichtere Kind vom anderen „mitgerissen“ wird.
  • Beim Springen mehrerer Kinder ist eine Aufsicht durch Erwachsene sinnvoll, um ein Entgleiten des freudigen Spiels zu verhindern

In der Kinderarztpraxis sind Verletzungen durch das Trampolin seit über 10 Jahren regelmäßig und häufig zu beobachten. Oft kommt es durch die oben genannten Bedingungen dazu, dass ein Kind auf das seitliche Gestänge des Trampolins schlägt oder gar auf den Boden außerhalb. Frakturen sind nicht selten die Folge. Dabei sind Unterarmfrakturen am häufigsten, aber auch schwierige Oberarmfrakturen und Oberschenkelfrakturen kommen vor.

Ein Trampolin macht fast immer viel Freude. Damit das so bleibt, sollten Eltern also ihre Kinder immer dann beaufsichtigen, wenn sie gemeinsam im Trampolin sind. Und, sie sollten ein gutes Gerät anschaffen. Hierzu mag die folgende Tabelle einzelne Anregungen (Auszug aus dem TEST-heft vom April 2019) geben:

Name Note Preis Anmerkung
Springfree Medium Round R79 1,6 1300 € bestes Testergebnis
Hudora Fantastic 300V 1,8 380 € Randabdeckung innerhalb Netz
Decathlon Domyos Essential 300 1,9 190 € UV-Licht gefährdet Festigkeit Matte
Salta Comfort Edition 305 cm 2,0 265 € Randabdeckung innerhalb Netz
Exit Elegant Premium + DL-S-Netz 2,2 530 € Randabdeckung innerhalb Netz

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Abbildung 1. Meldezahlen für Rotavirusinfektionen beim RKI für die Jahre 2010 bis 2015. Foto: Docplayer

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!

Vitamin D ersetzt die Sonne nicht!

Die Rolle und Bedeutung des Vitamin D ist seit vielen Jahren eines der Top-Themen in der medizinischen Wissenschaft. Dabei kommt es aber in den Medien häufig zu Vereinfachungen. Engagierte Laien und Mediziner bringen manche Krankheiten mit zu niedrigen Vitamin-D-Blutspiegeln in Beziehung und schlagen dann vor: Nehmt Vitamin D. Aber ist das gerechtfertigt oder gar sinnvoll?

Vitamin D wurde lange Zeit nur als bedeutsames Hormon im Zusammenhang mit dem Knochenstoffwechsel gesehen. Inzwischen ist klar, dass seine Rolle ungleich umfangreicher ist. Diese umfasst auch Krebserkrankungen (relativ gute Daten zum Dickdarm-Krebs), Diabetes mellitus und die Schwangerschaft. Ganz besonders diskutiert wird aber der Zusammenhang von niedrigem Vitamin-D-Spiegeln mit Autoimmunerkrankungen und Infektionen. Die Studienlage ist jedoch so uneinheitlich, dass sich bislang in dieser Frage kein anerkannter Wissenschaftler für die generelle Einnahme von Vitamin D ausspricht.

Eine australische Studie hat sich kürzlich der Überlegung gewidmet, ob Vitamin-D-Gabe oder Sonnenlicht günstig sei, um Neurodermitis (atopisches Ekzem) im Säuglingsalter zu verhindern. Dazu wurden von den Wissenschaftlern um Kristina Rueter und Mitarbeitern aus Australien insgesamt 195 Kinder ab Geburt für 6 Monate untersucht. Dabei erhielt die Hälfte der Kinder 400 µg Vitamin D täglich (ähnlich wie bei uns in Deutschland), die andere Hälfte bekam ein Placebo. Darüber hinaus wurde bei einigen Kindern mit einem UV-Dosimeter die tägliche Dosis an UV-Licht der Sonne gemessen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass bei Kindern mit Neurodermitis die UV-Dosis im Mittel von 555 J/m2 deutlich geringer war als bei Kindern, die während der Studie keine Neurodermitis entwickelt hatten (998 J/m2). Fast noch interessanter ist, dass die Vitamin-D-Spiegel erwartungsgemäß in der Placebo-Gruppe niedrig und in der anderen hoch waren. Dies hatte aber keinerlei Einfluss auf die Neurodermitis.

Abbildung 1. Was spricht für, was spricht gegen Sonnenlicht als therapeutischer Faktor. Foto: JACI, Yoshiaki Matsushima et al.

In ihrem Editorial kamen die Autoren um Yoshiaki Matsushima aus Japan zum Schluss: Vitamin D kann die Sonne nicht ersetzen. Dabei bleiben auch viele Fragen offen. Diese haben sie in einer Graphik (siehe Abbildung 1, in Englisch) dargestellt.

Die Vitamin-D-Geschichte geht also weiter. Und es bleibt dabei: Außer für Säuglinge bis zum 2. Geburtstag gibt es nur in Ausnahmefällen Gründe, zusätzliches Vitamin D einzunehmen.

Es gibt nun aber einen ersten wissenschaftlicher Hinweis, dass Spaziergänge mit dem Säugling günstig sein könnten bei der Vermeidung von Neurodermitis. Und vermutlich nicht nur das.

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!

Allergiker in der Familie: Welche Pflanzen im Garten sind erlaubt?

Die Pollenzeit hat auch in diesem Jahr bereits im Januar begonnen. Inzwischen haben sich zu den Haselpollen vielerorts auch die Birkenpollen gesellt. Damit ist die Gruppe der betroffenen Allergiker nun viel größer. Denn die Birke zählt neben den Gräsern zu den bedeutendsten Allergenen in Baden-Württemberg.

In den Praxen kommt damit öfter die Frage auf: „Welche Pflanzen dürfen wir eigentlich im Garten haben, ohne unserem allergischen Kind zu schaden?“. Hierbei sollten einige Umweltfaktoren bedacht werden.

Pollen sind je nach Pflanzenart unterschiedlich aufgebaut. Dementsprechend ändert sich auch deren Flugverhalten. So können viele Pollenarten wie die Birkenpollen bei günstigen Winden über Strecken von über 500 Kilometer fliegen. Andere Pollen – besonders die vieler Nadelbäume oder auch Raps – sind so schwer, dass sie nur in einem eng umgrenzten Raum von wenigen Metern für den Menschen bedeutsam sind.

Fazit: Einzelne Pollen können extrem weit fliegen. Diesen kann man sich nicht entziehen, wohl aber die Belastung verringern, wenn sie nicht im eigenen Garten wachsen. Andere Pollen fliegen schlecht. So zum Beispiel die Pollen der Kiefer, die 56-84 µm groß (Birke: 16-31 µm) und somit auch schwer sind. Die Pollen des Raps werden meist von den Bienen mit Honig benetzt und verkleben, so dass sie allenfalls 10 Meter weit fliegen.

Der Klimawandel hat sich in den letzten Jahrzehnten auf den Pollenflug ausgewirkt. Die Gräserpollen fliegen 11 Tage, die Haselpollen gar 21 Tage früher im Jahr als noch im Jahre 1980. Dies ist durch die veränderten Temperaturen bedingt.

Fazit: Die Pollenflugzeiten beginnen Mitte Januar und reichen (am Oberrhein) bis in den Dezember. Pollenallergien werden unsere Kinder bald ganzjährig begleiten.

Aber auch das Kohlenstoffdioxid (CO2) wirkt sich aus. Kohlenstoffdioxid regt das Wachstum von Pflanzen an. So wurde zuletzt in den USA durch Jennifer Albertine und Mitarbeiter von der Harvard University nachgewiesen, dass hierdurch die Konzentration der Gräserpollen um etwa 50% in den letzten Jahren angestiegen ist. Dieser Anstieg wird durch Ozon, das eher wachstumshemmend wirkt, kaum negativ beeinflusst.

Fazit: Wir müssen damit rechnen, dass der fortschreitende Klimawandel über Kohlenstoffdioxid das Wachstum der Pflanzen und mithin auch der Pollenkonzentrationen beschleunigt.

Die Pollenbelastung in Europa ist in den verschiedenen Ländern und Regionen Europas unterschiedlich. In Baden-Württemberg sind die Gräserpollen und die Birkenpollen die Hauptverursacher von Allergien. Weitere bedeutsame Pollen kommen von Eschen-, Hasel-, Erlen- und Beifuß. Pollen vom Traubenkraut  (Ambrosia) sind wegen ihrer Aggressivität besonders gefürchtet, spielen bislang zahlenmäßig aber noch eine untergeordnete Rolle.

Fazit: Schwerpunkt bei der Prävention von Pollenbelastungen sollte darauf liegen, die besonders relevanten Allergene im engeren Umfeld zu vermeiden:

  • keine Birken im eigenen Garten
  • der Rasen sollte immer recht kurz gehalten werden
  • eine natürlich Magerwiese ist im heimischen Garten nicht günstig

Es gibt keine Pflanzen, die rundum problemlos wären. Rosen können über die Stacheln verletzten, Goldregen ist hochgiftig. In Bezug auf die Pollenbelastung sollten im eigenen Garten idealerweise keine Haselsträucher und Birken stehen. Der Rasen sollte häufig gemäht werden, damit keine bedeutsame Gräserblüte entsteht.

Was geht rum? 30. März 2019

Im Ländle ist der Frühling eingetroffen. Geringere Minustemperaturen am Morgen ändern nichts daran. Es blüht bunt allerorten.

Damit sind auch zahlreiche Pollen in der Luft. Die bedeutsamsten dieser Tage sind die  Birkenpollen. Am Oberrhein haben sie bereits Mitte dieser Woche starke Konzentrationswerte erreicht, wie die Abbildung 1 zeigt. Zum Wochenende werden die Konzentration auch in anderen Landesteilen weiter ansteigen und alle Allergiker erreichen, die gegen diese Frühblüher empfindlich sind. Für alle betroffenen Kinder und Jugendliche ist es vermutlich sinnvoll spätestens jetzt mit der Therapie eines Antihistaminikums einzusetzen. Auch dann, wenn in den höher gelegenen Orten, die Birkenpollen noch kaum präsent sind.

Abbildung 1. Birkenpollenflug in Basel. Die Farben symbolisieren die Konzentration der Pollen in der Luft. Die graue Fläche stellt die mittlere Belastung für die letzten 10 Jahre dar. Die aktuellen Werte sind als schwarze Säulen markiert. Foto: www.pollenundallergie.ch

Die Winterinfekte sind weiter auf dem Rückmarsch. Manche Kinder und Jugendliche sind noch immer nicht ganz gesund, da sich die Infekte oft über lange Zeit hinziehen.

Neu hinzugekommen sind regional vermehrte Erkrankungen mit Pfeiffer’schem Drüsenfieber (Mononukleose). Oft sind Jugendliche davon betroffen, aber auch Kleinkinder, die in Einzelfällen Fieber über Tage bis eine Woche haben und sich sehr krank fühlen. Windpocken zeigen gerade im Kreis Konstanz und der Region Mannheim eine Häufung. Daneben treten aktuell auch wieder Erkrankungen an Streptokokken und Scharlach auf.

Magen-Darm-Infektionen – meist der harmloseren Art – sind ganzjährig zu beobachten. Die Zahl der Norovirus-Infektionen ging zuletzt zurück, während Rotaviren in den letzten Wochen an Bedeutung zunahmen.

Was geht in der Welt rum? Die Tollwut ist eine Bedrohung in vielen Ländern. Eher unbekannt ist, dass sie auch in Südafrika vorkommt. Im letzten Jahr sind 16 Menschen daran verstorben, in diesem Jahr sind zwei Infektionen gesichert. Wie in den meisten anderen Ländern (z.B. Indonesien) auch ist der Hund meist der Überträger. Die Frage, ob für eine Reise diese Impfung wichtig ist, sollte mit einem Arzt für Reisemedizin / Tropenmediziner Monate vor Antritt der Reise geklärt werden.

Übergewicht: „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“

Dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland von Übergewicht betroffen sind, ist seit langem bekannt. Ebenso lange wird darüber debattiert und gestritten, ob und wie man das verhindern kann. Und, welchen Beitrag die Politik hierzu leisten kann.

Nun wurde vor wenigen Wochen vom Bundesministerium Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) der Ernährungsreport 2019 veröffentlicht. Zuvor hatte die verantwortliche Ministerin, Julia Klöckner, die konkreten Ziele benannt: Senkung des Zuckergehalts …

  • in Frühstücksflocken um durchschnittlich 20%
  • in Softdrinks um 15%
  • in Kinder-Joghurts um 10%

Weitere Schritte sind auf freiwilliger Basis angedacht. So sind bestimmte Verhaltensregeln der deutschen Werbewirtschaft betreffend die Werbung für Kinder angedacht.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat inzwischen hierzu Stellung genommen und kritisiert zum einen die zu geringe Reduktion des Zuckers in Nahrungsmitteln. So würde der durchschnittliche Zuckergehalt in Cornflakes von jetzt 43 Gramm auf 100 g –  trotz dieser Maßnahme – künftig weiterhin über 30 Gramm Zucker liegen. Auch der Austausch der Saccharose (Kristallzucker) durch billig hergestellten Maissirup sieht er kritisch. Dessen Isoglucose oder HFCS (High Fructose Corn Syrup genannt) hat einen besonders hohen Anteil an Fructose mit einer höheren Süßkraft. Dadurch bleibt der hohe Süßgeschmack für die konsumierenden Kinder und Jugendlichen unverändert. Sie lernten also nicht, sich mit weniger Süße zu begnügen. Die verwendete Fructose (Fruchtzucker) würde darüber hinaus die Leber schädigen.

Insgesamt ist diese Innovationsstrategie ein erster Ansatz in die richtige Richtung. Aber in Anbetracht der Bedeutung des Problems bei weitem nicht ausreichend. Zum einen ist die Reduktion von Zucker oder Fett ungenügend. Zum anderen ist die Zielsetzung erst für 2025 gesetzt. Erst für diesen Zeitpunkt hat sich „die Lebensmittelwirtschaft … verpflichtet …… (die) konkreten Reduktionsziele zu erreichen“. Bis dahin ist ein heute 2-jähriges Kind, das zunehmend eigene Vorstellungen von Ernährung entwickelt, bereits 8 Jahre alt. Und gerade in diesem Alter beginnt häufig die Karriere des Übergewichts.

Sehr viel schöne Worte werden in den Papieren zu diesem Thema verloren. Taten sind nur wenige geplant. Und es braucht zu lange Zeit bis diese dürftigen Maßnahmen greifen. Die politischen Rahmenbedingungen, Übergewicht zu verhindern, sind keine effektive Hilfe für die Kinder und Jugendliche.