Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 20. Oktober 2018

Die Infekte der letzten Woche unterscheiden sich kaum von denen in den Wochen zuvor. Weiterhin treten eher leichte Infekte der Atemwege mit Halsweh, Schnupfen und wenig Husten auf.

Neu ist eine Häufung der Borkenflechte, medizinisch Impetigo contagiosum genannt. Dabei handelt es sich um eine Schmierinfektion der Haut, die meist durch Staphylokokken ausgelöst wird. In der Regel bevorzugt sie die Sommermonate. Aber so was ähnliches wie Sommer haben wir ja auch noch. Eine Kontrolle beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll, um die meist nässenden und blasigen Veränderungen der Haut zügig in den Griff zu bekommen.

Was geht in der Welt rum? Das DengueFieber ist in tropischen Ländern dieser Erde ein großes Problem. Momentan sind Venezuela in Südamerika und Réunion im pazifischen Ozean besonders betroffen. Insektenschutz ist bislang die einzig wirksame Möglichkeit sich zu schützen. Im praxisblättle vom August des Jahres finden Sie weitere Informationen.

Was geht rum? 13. Oktober 2018

Die Atemwegsinfekte nehmen weiter zu. Die meisten sind harmloser Art und kommen als Racheninfekte daher. Jetzt ist aber auch die Zeit für den Infektkrupp (Laryngotracheitis) , auch Krupphusten genannt. Kinder, die bereits einmal davon betroffen waren, haben ein höheres Risiko nochmals daran zu erkranken. Das  kann bis zur Pubertät vorkommen. Nicht selten kommen diese Erkrankungen mit Atemnot nach jahrelanger Pause wieder. Es ist also günstig, für einen möglichen Notfall gerüstet zu sein. Der kommt nämlich häufig nach wunderschönen Herbst- oder Frühjahrstagen mitten in der Nacht.

In einer zweiten Welle meldet sich die HandFussMundKrankheit zurück. Bedeutsam ist auch eine Häufung an Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Dieses Krankheit zeigt sich in typischerweise mit lang anhaltendem Fieber und einer Reihe von Beschwerden, die viele Organen betreffen können. Eine Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll, wenn Kinder schwerer erkranken oder das Fieber länger als 3 Tage andauert.

Der goldene Oktober ist eine freundliche Fortsetzung des herrlichen Sommers. Der tut nicht nur den Trauben gut. Dennoch werden die Nächte spürbar länger. Eine gute Gelegenheit, abends mit Kindern wieder am Küchentisch bei Gesellschaftsspielen zusammen zu sitzen oder sich Geschichten vorzulesen. Nebenbei ist dies ein kleiner Hinweis für Kinder, wie spannend Bücher sind. Das kann ein Anreiz für sie sein, selbst mal zu lesen. Ein guter Start für viel Freude  und Sprachkompetenz.

Was geht in der Welt rum? In Madagaskar ist wieder mal die Pest ausgebrochen. Noch sind es wenige Erkrankungen. In den kommenden Wochen wird jedoch viel Niederschlag erwartet und mit ihm steigt das Risiko, dass die Ratten und die Rattenflöhe (die Überträger) sich den menschlichen Siedlungen weiter nähern. In der Stadt Gweru in Simbabwe sind etwa 2000 Menschen seit August an Typhus erkrankt. Weder Madagaskar noch Simbabwe sind klassische Touristendestinationen. Für die wenigen Reisenden ist jedoch ratsam, sich kurzfristig über das spezifische Risiko zu informieren.

Was geht rum? 06. Oktober 2018

Die Atemwegsinfekte kommen – langsam aber sicher. Weiterhin sind es eher harmlose Infekte wie Schnupfen und Husten durch Racheninfektionen. Daneben sind einige Kinder auch an eitriger Angina durch Streptokokken A erkrankt, die auch den Scharlach auslösen können. Kinderkrankheiten sind jedoch nicht gehäuft.

Der Sommer ist langsam auf dem Rückzug und wir träumen an Tagen wie gestern, dass er vielleicht nochmal wiederkommt. So wie er das im September nochmal machte. Da ist der Gedanke an die echte Grippe, die Influenza, noch ganz weit weg. Doch es macht Sinn sich damit zu beschäftigen. Wettervorhersagen sind inzwischen recht präzise. Vorhersagen für das Auftreten der Influenza sind es nicht. Da argumentieren auch die besten Experten mit Informationen aus der Vergangenheit. Und ja, die Impfung gegen die Influenza könnte besser sein. Aber immerhin gibt sie einen ordentlichen Schutz, der genutzt werden kann. In diesem Jahr wird endlich die Vierfachimpfung (tetravalenter Influenzaimpfstoff) unter Einschluss der Typ-B-Varianten zum Standard. Sie macht begründete Hoffnung auf einen besseren Schutz als im letzten Jahr.

Was geht in der Welt rum? Es ist wiederum das West-Nil-Fieber, das in Europa nun auch Länder im Osten erreicht hat. Aus Serbien werden seit Juli 320 Infektionen mit 29 Todesfällen gemeldet, aus Ungarn 190 Erkrankungen mit einem Todesfall. Der Mückenschutz ist die effektivste Maßnahme, um eine Übertragung der Erkrankung zu vermeiden.

Vergiftungen: Herbstzeitlose

Die vermeintlichen Krokusse, die jetzt an vielen Orten sprießen, sind keine verspäteten Frühblüher, sondern typische Vertreter des Herbstes: Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) . Sie drehen den Rhythmus der Natur um.

Im Herbst zeigen sie sich in ihrer herrlichen farbigen Blüte, um nach einer kurzen Winterpause bis zum Frühjahr ihre kräftigen Blätter zu präsentieren. Dann sind sie eine große Gefahr, weil sie von Menschen mit dem Bärlauch verwechselt werden können. Und: Diese Verwechslung könnte tödlich sein.

Die Pflanze enthält verschiedene Alkaloide und als führendes Gift Colchicin. Die Konzentration des Giftes soll in den Blättern besonders hoch sein. Die Gefahr ist schon jetzt hoch, weil sie eine der wenigen blühenden Pflanzen ist, die Kinder anlocken könnten. Die höchste Gefahr lauert aber im Frühjahr. Dann können die frischen Blätter verwechselt werden mit dem beliebten Bärlauch.

Symptome

Die Vergiftung läuft heimtückisch ab. Etwa 2 bis 6 Stunden nach Aufnahme kommt es zu schwerem Erbrechen und massiven Durchfällen. Diese können über einen Schock zum Herz-Kreislaufversagen führen. SEHR GIFTIG.

Therapie

Sofort die nächste Kinderklinik aufsuchen.

Was geht rum? 29. September 2018

Die Atemwege stehen im Zentrum der Infekte der letzten Woche. Neben Rachenentzündungen (Pharyngitis) sind es wie bereits in der letzten Woche Entzündungen der Kehlkopfregion (Laryngitis), die den grössten Teil der Infektionserkrankungen ausmachen. Daneben treten auch Magen-Darm-Infektionen auf.

In Baden-Württemberg sind in den letzten Wochen laut Melderegister die Kinderkrankheiten unregelmäßig verteilt. So scheint Keuchhusten in der Region Rhein-Neckar und den angrenzenden Landkreisen gerade ein Problem darzustellen. Windpocken kommen in fast allen Landkreisen vor, besonders aber im Schwarzwald-Baar-Kreis. In dieser Beziehung paradiesische Zustände herrschen in der Bodenseeregion. Im Bodenseekreis und dem Kreis Biberach zusammen 3 Keuchhustenfälle, im Kreis Ravensburg 4 Windpockenerkrankungen. Im Kreis Sigmaringen gar kein Meldung einer Kinderkrankheit.

Haben viele Schulen bei der Aktion „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ mitgemacht? Ist jetzt leider vorbei. Aber auch ohne Aktion können Eltern ihren Helikopter zuhause parken und den Kindern ein bisschen Freiheit gönnen. Tut auch der Gesundheit gut.

Was geht in der Welt rum? Masern sind nicht nur ein Problem bei uns. Auch exotische Urlaubsdestinationen wie Mauritius können betroffen sein. Dort sind seit März 937 Infektionen aufgetreten, 3 Erkrankte sind verstorben. Eine gute Impfung schützt vor dieser gefährlichen Krankheit, die nicht nur Kinder betrifft.

Nationaler Penicillin-Allergie-Tag in den USA

Täglich haben wir mehrere Gedenktage, an die wir nie denken, weil wir sie nicht bemerken. Neben dem Wolkenkratzertag – ja den gibt es wirklich, nämlich am 03. September – haben wir am 28. September sowohl den internationalen Welt-Tollwut-Tag und den nationalen Penicillin-Allergie-Tag in den USA.

Was soll denn das? Dieser Penicillin-Allergie-Tag wurde eingerichtet, um die echten Allergiker*innen gegen Penicillin von den vermeintlichen zu trennen. Das soll wichtig sein? Ja, das kann sogar lebensrettend sein. Fragen Sie mal in Ihrem Freundeskreis. Ich bin sicher, Sie werden 1 oder 2 Personen finden, die gegen Penicillin „allergisch“ sind. Vielleicht haben sie sogar einen Allergieausweis.

In Wahrheit haben aber in den USA 90 bis 95% aller vermeintlichen Penicillinallergiker gar keine aktuelle Allergie. In Deutschland ist die Rate vergleichbar. Und das ahnen und unterstellen viele Ärzte. Wenn sie also ein Penicillin (oder ein Penicillin ähnliches Antibiotikum) einsetzen, gehen sie davon aus, dass die genannte Diagnose ja meistens doch nicht stimmt. Meistens. Aber eben nicht immer! Kommt es also dazu, dass ein echter Penicillin-Allergiker dringend ein Antibiotikum braucht – beispielsweise bei einer eitrigen Hirnhautentzündung – und der Allergieausweis nicht auffindbar ist, kann das fatale Folgen haben. Wenn der behandelnde Arzt denkt, eine Allergie wird schon nicht vorliegen und das Penicillin verabreicht, ist das schrecklich und für diesen Patienten oft tödlich.

Gerade bei solchen schwerwiegenden Diagnosen muss darauf geachtet werden, dass sie stimmen. Dazu gibt es Allergolog*innen. Diese sollten immer eingeschaltet werden, wenn es um die Frage einer Allergiediagnose geht, die mehr beinhaltet als einen lästigen Heuschnupfen.

Und dazu ruft der Penicillin-Allergie-Tag in den USA auf. Leider nicht in Deutschland, obwohl bei uns vermutlich das gleiche Problem vorliegt.

Giftpflanzen: Schneebeere – kein Problem

Die Schneebeere (Symphoricarpos albus) ist bei Kindern in der Natur als Wurfgeschoss sehr
beliebt. Verspeist wird sie dennoch eher selten. Sonst müssten Kinder ja auf Wurfgeschosse verzichten.

Symptome

Bei Einnahme ab 3-4 Beeren kann es zu Bauchschmerzen oder Erbrechen kommen. Schwere Vergiftungsfälle sind nicht bekannt.

Therapie

In der Regel nicht erforderlich (allenfalls ab 10 Beeren)

Was geht rum? 22. September 2018

Im Südwesten hatte der Sommer in der letzten Woche einen neuen Anlauf genommen. Kinder konnten oft in die Natur gehen und somit war auch das Risiko für Ansteckungen geringer. Effekt: noch immer wenige Infekte. So einfach kann’s manchmal gehen.

Natürlich betrifft das nicht alle gleichermaßen. Die Magen-Darm-Infekte gehen etwas zurück, die Atemwegsinfekte starten langsam. Dies sind besonders Infekte der oberen Luftwege mit trockenem Husten und etwas Heiserkeit (medizinisch: Laryngotracheitis), vermutlich die ersten Vorboten des Infektkrupps (medizinisch: stenosierende Laryngotracheitis).

Und was geht in der Welt rum? In Europa breitet sich in diesem heißen Sommer das West-Nil-Fieber in vielen Ländern aus. Dabei fällt die relativ hohe Sterblichkeit auf. Serbien berichtet von 286 Erkrankungen (29 Todesfälle), Rumänien von 183 (19 Todesfälle), Italien 361 (21 Todesfälle), Griechenland 192 (19 Todesfälle) sowie Frankreich. Selbst aus Österreich werden 13 Fälle berichtet, aber keine tödlichen Verläufe. Mückenschutz ist wichtig. Für weitere Informationen lesen Sie gerne unseren Beitrag zu den Insektenschutzmittel im praxisblättle.

Bericht vom Kongress der Kinder- und Jugendärzte in Leipzig

Foto: DGKJ 2018

Ende letzter Woche fand der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Leipzig statt. Den Kongress haben vier Fachgesellschaften gemeinsam gestaltet. Federführend war die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die in Leipzig ihre 114. Jahrestagung durchführte. Das ist Tradition. Tradition ist auch, dass auch der Berufsverband der Kinderkrankenpflege wie schon seit 4 Jahrzehnten Partner der Veranstaltung war. Gut für alle Eltern zu wissen, dass Kinderärzte mit Kinderkrankenschwestern eng zusammenarbeiten.

Foto: DGKJ 2018

Standen früher Beiträge zu spezifischen Erkrankungen im Vordergrund, standen diesmal eher sozialpolitische Themen im Vordergrund. „Kein Kind wird zurückgelassen„. Obwohl in Deutschland alle Patienten Zugang zur Spitzenmedizin haben, wird diese von vielen aus verschiedenen Gründen nicht wahrgenommen. Der Kongress zeigte in mehreren Beiträgen praktische Wege auf, auch Kindern aus benachteiligten Milieus Angebote für eine gute Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Foto: DGKJ 2018

Auf den Gängen wurden viele weitere aktuellen Themen diskutiert, darunter auch die Telemedizin. Die meisten Ärzte sehen darin eine große Chance, auch wenn in vielen Bereichen der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt unerlässlich bleibt. Der Einzug der Digitalisierung in die Medizin hat längst begonnen, und alle Beteiligten des Gesundheitssystems sind aufgefordert, diesen kritisch zu begleiten und gestalten. Nur so kann sichergestellt werden, dass am Schluss nicht Algorithmen – deren Entstehung und Kontrolle oft im Dunkeln bleibt – über unsere Gesundheit entscheiden.

Foto: DGKJ 2018

Im praxisblättle werden wir in den kommenden Wochen einzelne relevante Themen aufgreifen, die beim Kongress in Leipzig diskutiert wurden.

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.