Kategorie: Aktuell

Was geht rum? 23. Februar 2019

Bald kommt es zum Stresstest für die Infektionen. In den vielen Narrennestern von Baden-Württemberg wird sich zeigen, welche Kraft die Viren noch haben. Oder umgekehrt, wie gut die Kinder und Jugendlichen inzwischen ihr Immunsystem auf Trab gebracht haben.

Zunächst sind die Atemwegserkrankungen noch immer auf einem hohen Niveau, aber deutlich niedriger als im letzten Jahr. Eine Grippewelle wie im letzten Jahr scheint es für Baden-Württemberg nicht mehr zu geben, wie die Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza andeuten.

Abbildung 1. Nachweis von Influenzaviren durch PCR in Baden-Württemberg je Kalenderwoche in der Saison 2018/2019. Foto: AGI

Leider sind jedoch die Erkrankungen mit dem RSVirus noch immer sehr bedeutsam. Diese Infektionen sind für viele der betroffenen Säuglinge eine enorme Belastung. Oft dauert die Erkrankung bis zu 10 Tagen, ohne dass Arzneimittel zur Verfügung stünden, die Dauer zu verkürzen. Solche Arzneien gibt es für die sog. banalen Infekte bekanntermaßen auch nicht. Da sind jedoch so Mittel wie hinliegen und sich ausruhen oder ein Löffel Honig zur Hustenlinderung möglich.

Letzte Woche trat eine Häufung an obstruktiven Bronchitiden auf. Bei diesem Typ von Entzündung der Bronchialschleimhaut steht die Schwellung im Vordergrund. In der Folge kommt die Luft einfacher in das Bronchialsystem hinein als wieder hinaus. Hörbare Folge: eine pfeifende Atmung. Für das betroffene Kind spürbare Folge: Atemnot. Inhalationen sind meist sehr hilfreich. In jedem Fall sollte ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden.

Das schöne Wetter und die jahreszeitlich milden Temperaturen arbeiten den Pollen weiter in die Hände. Am Oberrhein sind die Pollenbelastungen durch Haselpollen bereits auf mäßigem Niveau. Für die kommende Woche wird mit weiterer Zunahme des Pollenflugs gerechnet. Allergiker sollten sich darauf einstellen und eventuell erforderliche Medikamente bereit halten.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde zeigt das Dengue-Fieber weiterhin wozu es fähig ist. Da erscheinen die Erkrankungszahlen beim Coronavirus sehr gering. In Oman sind dort seit Ende Januar diesen Jahre 10 Infektionen sowie 4 Todesfälle festgestellt worden. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist, sich von Dremedaren fernzuhalten.

Was geht rum? 16. Februar 2019

Die Infektwelle geht weiter. Und sie wird weiterhin beherrscht von den Erkrankungen der Atemwege. Neben den unspezifischen Infekten treten weiterhin bei den Säuglingen gehäuft RSVirus-Infektionen auf. Im Kindergartenalter zeigt sich Krupphusten gehäuft. Die Influenza hingegen scheint sich auf dem Rückzug zu befinden. In manchen Regionen von Baden-Württemberg spielt sie aber noch eine bedeutsame Rolle.

In zwei Wochen ist Fasnet/Fasching. Selten im Jahr sind soviele Personen in den Häusern eng beieinander. Diese Zeit nutzen viele Viren, um den Menschen nochmal richtig zuzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass den Influenza- und RS-Viren bis dahin die Kraft für eine neue Welle ausgegangen ist.

Bei allem Husten und Schnupfen dürfen die MagenDarmInfektionen nicht vergessen werden. Sie sind noch immer sehr häufig. Während die Rotaviren sich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, liegt die Zahl der NorovirenInfektionen etwa 30% höher als letztes Jahr um diese Zeit.

Auch wenn das schöne Wetter der letzten Tage die ansteckenden Krankheiten nicht verjagen konnte, so tat es uns allen einfach gut. Leider auch den Pollen von Erle und Hasel, die die ersten Strahlen als Wachstumssignal verstanden haben und sich auf den Weg in die Lüfte machten. Sie werden an diesem Wochenende einigen allergischen Menschen zusetzen.

Was geht in der Welt rum? Manche Erkrankungen beschränken sich auf gewisse Länder. Es dürfte wohl mehr an der zunehmenden Reisefreudigkeit der Menschen als am Klimawandel liegen, dass diese virtuellen Begrenzungen für Erreger im Schwinden sind. Das Dengue-Fieber ist das deutlichste Beispiel (siehe das Was-geht-rum der letzten Woche). Aber auch Gelbfieber zeigt diese Tendenz. Zuletzt in Brasilien, wo seit Dezember letzten Jahres 36 Erkrankungen bestätigt wurden mit bislang acht Todesfällen. Die meisten Infektionen traten im Süden des Bundesstaates São Paolo auf. Gelbfieber hat im Gegensatz zur „Gelbsucht“ – die besser als Hepatitis bezeichnet werden sollte – eine enorme Gefährlichkeit. Bei Reisen in den Süden Brasiliens sollte vorher mit einem reisemedizinisch versierten Arzt die Frage einer Impfung gegen diese Erkrankung geklärt werden. Wer bereits schon mal gegen Gelbfieber geimpft wurde, ist auf der sicheren Seite: eine Impfung schützt.

Was geht rum? 09. Februar 2019

Die Infekte ziehen weiter durchs Land. Die Influenza („Grippe“) ist in diesem Winter auch dabei. Diesmal aber eher als Begleiter und nicht als Hauptdarsteller unter den Infekten. Diese Aufgabe haben im Moment die – nicht näher zu bestimmenden – Virusinfekte übernommen. Sie verursachen Halsschmerzen und natürlich Husten. Dieser ist zu oftmals so trocken, dass er zeitweise zum Krupphusten wird. Und: es sind viele Kinder und Jugendliche von diesen Infekten betroffen. Im Übrigen spielt auch das RS-Virus – besonders in der Gruppe der Kleinsten – leider noch eine große Rolle.

Abbildung 1. Wetter, gestern in Ihringen am Kaiserstuhl. Foto: meteomedia

Folgendes Zeichen der Hoffnung auf den kommenden Frühling ist zugleich ein Hinweis auf harte Zeiten für Allergiker: Am Oberrhein stiegen die Temperaturen gestern erstmals wieder auf zweistellige Werte an. In Ihringen am Kaiserstuhl waren es am frühen Nachmittag 10,7 Grad Celsius. Auch Erlen und Haseln das finden gut. Ein leichter Pollenflug wird kurzzeitig einsetzen.

Obwohl in vielen Regionen von Baden-Württemberg noch Schnee liegt: Jetzt ist die Zeit noch günstig, sich gegen FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis) – also „gegen die Zecke“ – impfen zu lassen. Für weitere Informationen verweisen wir auf das praxisblättle vom März letzten Jahres.

Was geht in der Welt rum? Die höchste Infektionsgefahr – nach den Durchfallserkrankungen – besteht für Touristen wohl durch das Dengue-Fieber. Das ist weltweit auf dem Vormarsch. Mit regional unterschiedlichen Häufigkeiten. Sind es seit Anfang dieses Jahres in Kambodscha 15.240 und in Malaysia 15.790 Neuerkrankungen, so sind die Zahlen für die Karibik deutlich niedriger: in Jamaika 339, Guadeloupe 23 (seit November 2018) und Dominikanische Republik 40 (nur erste Januarwoche 2019). Dem Touristen stellt sich dennoch das Problem, dass er sich auch tags vor Mücken schützen muss. Damit ist die Unbeschwertheit im Urlaub ein Stückchen kleiner.

Vor zwei Tagen meldete die New York Times einen Ausbruch von Masern im Staat Washington (Nordwesten der USA). In dieser Region leben viele Impfgegner.

Grell leuchtende Schulranzen: ein Stück Sicherheit

Zum Glück für die Kinder, dass es die Stiftung Warentest gibt. Sie nimmt sich vieler für Eltern wichtiger Themen an, beginnend von den Babymatratzen bis zu den Schulranzen. Letztere sind ein Schwerpunktthema im Februarheft 2019.

Schlimm genug dass in der Dämmerung gerne die grauen Autos unbeleuchtet durch die Gegend fahren. Dass ich selbst die Straße sehe, heißt noch lange nicht, dass mich die anderen auch wahrnehmen. Herrschen doch gerade am Morgen und am Abend die Grautöne vor. Und genau dann, wenn der Tag anbricht, brechen auch die Kinder in die Schule auf. Und sie sollten unbedingt gesehen werden. Bei den einigen Herstellern von Schulranzen hat sich das niedergeschlagen. Viele sind inzwischen mit grellen Farben ausgestattet.

Doch im Test haben nur acht der 22 Ranzen ein gutes Ergebnis erzielt. Wir wollen sie kurz vorstellen:

Produktname Note Preis Anmerkung
Ergobag Cubo: Neo Edition Illumibär GUT 1,7 259€ für Erstklässler geeignet
Ergobag Pack: Neo Edition Strahlebär GUT 1,7 259€ leuchtet tags am besten
Scout Alpha Commander (DIN) GUT 1,9 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step 2 in 1: Pegasus Dream (DIN) GUT 1,9 229€ Rücklehne einstellbar
Scout Genius: World Cup (DIN) GUT 2,0 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step Touch2: Space Pirat (DIN) GUT 2,0 219€ günstigstes Set
McNeill Ergo Primero Champ (DIN) GUT 2,1 249€ auch für kleine Erstklässler
McNeill Ergo Light Pure Libelle (DIN) GUT 2,3 239€ im Dunkeln mäßig sichtbar

Der Preis aller GUT-getesteten Ranzen liegt klar über 200 EURO. Das eine Menge Geld. Die Investition ist aus Sicherheitsgründen kaum zu vermeiden. Gerade beim Tohuwabohu, das vor vielen Schulen vorherrscht, gibt man gehetzten und wenig achtsamen Autofahrer-Eltern ein zusätzliches Signal, die herumspringenden Kinder sicher zu erkennen.

Endlich! Zahnärztliche Vorsorge bei Kleinkindern als Kassenleistung

Es geschieht manchmal was Gutes und kaum einer bemerkt es. So Ende Januar 2019, als der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen als Kassenleistung genehmigte. „Wir sind froh, dass diese Präventionslücke endlich geschlossen wird“ erklärte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. Die Regelung soll ab 1. Juli 2019 in Kraft treten.

Welche Angebote gibt es nun für Kleinkinder?

  • Schon seit wenigen Jahren soll der Kinder- und Jugendarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen auf die Bedeutung des Zahnarztes hinweisen. Warum das schon mit 6 Monaten erfolgen soll bleibt ein Rätsel, wenn der Zahnarzt in den Mund des Säuglings schaut und allermeist keinen Zahn findet.
  • Bis zum vollendeten 33. Lebensmonat sind drei zahnärztliche zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen vorgesehen, inklusive eingehender Untersuchung, Beratung der Eltern und Anleitung zum täglichen Zähneputzen beim Kleinkind.
  • Kleinkinder haben einen Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal im Halbjahr

Sinnvolle Maßnahmen, um möglichst früh im Leben eine konsequente Zahnpflege auf den Weg zu bringen. Dies wird seit einiger Zeit von den Zahnärzten empfohlen, wie der Ratgeber der Bundeszahnärztekammer zeigt.

Auch wenn sich vieles gebessert hat, liegt die Rate der Milchzahnkaries noch immer bei 15%. Nuckelflaschen und später zucker- bzw. säurehaltige Getränke sind die Hauptursachen.

Was geht rum? 02. Februar 2019

Manche Eltern würden rufen: „Pass auf, dass Du nicht krank wirst….“. Aber Vögeln ist das schnuppe. Sie spüren vermutlich ohnehin nichts, weil die Natur vorgesorgt hat. Es bleibt ohnehin genug Arbeit, um sich über den Winter zu bringen.

Abbildung 1. Louis Pasteur. Foto: www.thefamousbirthdays.com

Auch Menschen bekommen nur in seltenen Fällen den letzten Schubs, um infolge der Kälte krank zu werden. Infektionen kommen – das haben uns bereits Robert Koch und Louis Pasteur vor über 140 Jahren bewiesen – über Viren und Bakterien in unseren Körper. Diese werden meist durch enge Kontakte direkt oder indirekt über Nutzung von beispielsweise Türklinken weitergereicht. Wochenlang ist fast nichts passiert, aber jetzt geht die Grippewelle weiter. Bleibt zu hoffen, dass die Impfung in diesem Jahr gut komponiert war und somit hilfreich sein wird. Ansonsten sind unsere Mittel, die schlimme Influenza abzuwehren sehr begrenzt.

 

Abbildung 2. Zahl der gemeldeten Erkrankungen an Influenza (mehrere Nachweismethoden). Foto: AG Influenza

Welche Bedeutung die Influenza momentan in Baden-Württemberg hat, wird aus der An zahl der positiven Nachweise ersichtlich. Diese Daten wurden  in der letzten Januarwoche erhoben. Es zeigt sich bereits ein kleiner Rückgang der gemeldeten Grippe-Erkrankungen. Dieser Trend scheint sich weiter fortzusetzen. Ja, die Influenza ist im Lande. Aber nein, sie spielt keine so große Rolle, wie beispielsweise vor einem Jahr.

Abbildung 3. Zahl der RS-Virusnachweise in Baden-Württemberg je Kalenderwoche. Foto: AG Influenza

Was spürbar häufiger wurde, ist die Zahl der Infektionen mit RS-Virus (RSV). Diese Infektion, deren Zunahme wir an dieser Stelle schon vor 3 Wochen erwähnten, betrifft besonders Säuglinge und Kleinkinder. Die neuen Zahlen für Baden-Württemberg sind eindeutig, obwohl sie in absoluten Zahlen deutlich geringer sind als bei der Influenza. Nach RSV wird auch nur bei Kindern im ersten oder zweiten Lebensjahr geschaut. Das RS-Virus führt oft zur Verengung der kleinsten Bronchien (Bronchiolitis) und zeigt sich gegen Therapien sehr hartnäckig. Da es sich um ein Virus handelt, sind Antibiotika nicht sinnvoll. Manchmal sind jedoch stationäre Behandlungen erforderlich, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

Trotz allem sind die Mehrzahl der auftretenden Krankheiten keine Influenza. Zum Glück. So gibt es schon seit Wochen Magen-Darm-Infektionen, beginnend mit kurzzeitigem Erbrechen mit nachfolgendem Durchfall. Schwere Verläufe treten hier kaum auf.

Was geht in der Welt rum? In Malaysia sind seit Mitte 2017 inzwischen 17 Menschen an der Tollwut (siehe auch den Beitrag im praxisblättle von Angang der Woche) verstorben. Bei mindestens 10 Menschen wurde als Ursache ein Hundebiss bestätigt. Die Gesundheitsbehörden gaben bekannt, dass bei 66 Hunden und einer Katze eine Infektion festgestellt werden konnte. Es wird vermutet, dass die Infektion durch streunende Hunde aus Indonesien eingeschleppt wurde. Dort gibt es landesweit seit Jahren viele Tollwuterkrankungen, auch auf der Touristeninsel Bali.

Was geht rum? 26. Januar 2018

Nein, für die Pollen ist es im südlichen Baden-Württemberg weiterhin klar zu kalt. In der Region um Heidelberg und Weinheim – also den Plätzen im Südwesten, an denen sich die ersten Blüten des Jahres zeigen –  ist aber bereits ein leichter Pollenflug festgestellt worden.

Ansonsten sind im trüb-kalten Wetter die Atemwegsinfekte wieder einmal die Sieger über manches Immunsystem. An erster Stelle liegen die Infektionen der oberen Atemwege mit Entzündung der Kehlkopfregion (Laryngitis). Die zeigt sich mit Halsschmerzen, einer gewissen Heiserkeit und einem meist trockenem Husten. Bei manchen Kindern geht diese Infektion – rein räumlich gesehen – etwas tiefer und äußert sich als Krupphusten. Wenn diese Beschwerden für das Kind unangenehm sind bzw. mit auch nur von einer fraglichen Atemnot begleitet sind, sollte ein Kinder- und Jugendarzt zur Einschätzung hinzugezogen werden. Weitere Hinweise finden Sie hier.

Ach ja. Magen-Darm-Infektionen gibt es auch. Sie treten jedoch spürbar seltener auf als die Atemwegsinfekte. Spezielle Häufungen von Erregern sind nicht auszumachen. Wer weitere praktische Hilfe sucht kann sich hier im praxisblättle informieren.

Abbildung 1. Anzahl der Rachenabstriche auf Influenza. Blaue Säule = Abstriche aus Baden-Württemberg. Rote Linie: Anteil der positiven Tests in Prozent Foto: AG Influenza

Wie bereits im praxisblättle erwähnt, nimmt die Influenza – also die echte Grippe – weiter an Fahrt auf. Das zeigt auch die Häufigkeit der untersuchten Rachenabstriche auf Influenza. In diesen – siehe die Abbildung rechts – stellt sich ein rasanter Anstieg der positiven Tests dar. Das bedeutet: Die Ärzte vermuten mehr Influenza (und machen mehr Abstriche) und sie haben auch Recht (im Abstrich lassen sich Influenza-Viren nachweisen). Hoffen wir mal, dass die bisher noch kleine Grippewelle bald in sich zusammenfällt.

Was geht in der Welt rum? Malaria ist ein Dauerproblem besonders im tropischen Afrika. Es gibt jedoch auch andere Orte, die von dieser Geisel betroffen sein können. So die Dominikanische Republik, von vielen Urlaubern als Sonnenparadies sehr geschätzt. Immerhin traten im letzten Jahr 438 Neuinfektionen an Malaria auf, viele davon im Bezirk Santo Domingo Oeste. Urlaubern ist zu empfehlen, sich über das aktuelle Risiko und eventuelle Schutzmaßnahmen von einem Arzt für Reisemedizin informieren zu lassen.

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.

Was geht rum? 19. Januar 2019

Abbildung 1. Pollenflugdaten der Haselpollen für Münsterlingen am Bodensee im Jahr 2018. Foto: Allergiezentrum Schweiz

Man mag es kaum glauben. Aber wie in jedem Jahr haben wir schon jetzt bei bestimmten Wetterlagen einen bedeutsamen Pollenflug. Der betrifft die Erlen- und Haselpollen. Im Moment fällt er eher noch gering aus. Das kann sich aber in den kommenden Wochen schnell ändern, wie die Pollenflugdaten für Münsterlingen (Schweiz) aus dem Jahre 2018 zeigen. Es macht also durchaus Sinn, wenn sich Allergiker für die kommenden Wochen darauf vorbereiten und bisher notwendige Notfallmedikamente vorrätig haben.

Sicherlich bedeutsamer bleiben für absehbare Zeit aber die Atemwegsinfektionen. Bisher sind die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg hier noch glimpflich davongekommen. Die leichten Atemwegsinfektionen mit Halsschmerzen und Schnupfen haben sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Über die letzten Tage kamen Infektionen mit akut hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und trockenem Husten dazu – vermutlich die Influenza („echte Grippe“). Genaue Daten über die Häufigkeit liegen naturgemäß noch nicht vor.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal zeigt sich das Dengue-Fieber in vielen tropischen Ländern als sehr aktiv. Waren es in Jamaika im gesamten letzten Jahr 708 Erkrankungen, zählen Malaysia bereits in den ersten 2 Wochen des Jahres 6.246 und Sri Lanka 45.701 erkrankte Personen. Andere Länder Asiens melden vergleichbare Häufigkeiten. Für Touristen ist ein effektiver Mückenschutz tagsüber und in den frühen Abendstunden wichtig. Also zu den Zeiten, in denen die übertragende Tigermücke aktiv ist. Dies ist am effektivsten mit DEET möglich. Eine Übersicht der verschiedenen Mittel findet sich im praxisblättle hier.

Die Masern in Madagaskar sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen liegt eine offizielle Meldung der WHO (Beitrag in englischer Sprache) vor, die sich auf die Informationen bis zum 7. Januar 2018 beziehen. Die Leser des praxisblättle sind ja schon seit längerem informiert. Nach den Zahlen der WHO kommt es zu einem Todesfall unter 501 Erkrankten. Diese Rate ist auch so hoch, weil die Mehrzahl der Kinder in Madagaskar von chronischer Unterernährung betroffen sind. Das ist ziemlich unbekannt weil es keine medienwirksamen Schreckensbilder bringt, ist aber so etwas wie eine Dauerkatastrophe. Und die hat viele Folgen. Eine davon ist, dass diese Kinder keine genügende Abwehr aufbringen um die Masern zu besiegen. In Deutschland liegt die Sterblichkeitsrate bei Masern um das dreifache niedriger. Das ist schlimm genug. Aber: Impfen hilft gut. Besonders, wenn über 90% der Bevölkerung sicher geimpft ist.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.