Kategorie: Krankheitsbilder

Lungenentzündung

Wenn wir hören, dass jemand eine Lungenentzündung hat, erschrecken wir meist sehr. Das müssen wir nicht unbedingt. Denn die deutsche Sprache ist bei diesem Thema sehr begrenzt und hat leider nur dieses eine Wort für medizinisch höchst unterschiedliche Krankheitsbilder.

Lungenentzündungen betreffen etwa 300 von 100.000 Kindern und Jugendlichen pro Jahr in Mittel- und Nordeuropa. Das sind in aller Regel Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses, also ambulant, erworben werden: ambulant erworbene Pneumonie von Kindern oder in englisch pCAP: pediatric community-acquired pneumonia.

Allen Lungenentzündungen (medizinisch: Pneumonie) ist gemein, dass die Lungenbläschen (medizinisch: Alveolen), in die die kleinen Bronchien letztlich münden, nicht mit Luft, sondern mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Damit können die Lungenbläschen ihrer Hauptaufgabe, nicht mehr nachkommen:

  1. Austausch von Sauerstoff: Sauerstoff, der über die Nase eingeatmet und dann über die großen Bronchien und die kleinsten Bronchiolen schließlich im Lungenbläschen ankommt. Dort  sollte er über eine hauchdünnen Membran in die kleinsten Blutäderchen abgegeben werden.
  2. Austausch von Kohlendioxid: CO2 sollte umgekehrt von den kleinen Blutäderchen in die Luft abgegeben werden, um dann bei der Ausatmung aus dem Körper entlassen zu werden.

Durch die Flüssigkeit in den Lungenbläschen wird also die Funktion der Lungen eingeschränkt. Das kann in sehr unterschiedlichem Ausmaß der Fall sein.

Als Ursache für Lungenentzündungen kommen Viren und Bakterien (und Pilze) in Frage. Im Kindesalter stehen im Anfang einer Lungenentzündung häufig „normale“ Virusinfektionen, die beispielsweise mit einer obstruktiven Bronchitis beginnen. Aus diesen heraus können sich Lungenentzündungen entwickeln, die sowohl durch Viren, Bakterien und einem Zusammenspiel beider (in etwa 30%) verursacht werden. Es ist also mitnichten so, dass jede Lungenentzündung bakteriell ist und somit ein Antibiotikum nötig wäre.

Als Symptome sind Husten, Fieber und Zunahme der Atemfrequenz recht typisch. Diese müssen nicht immer vorhanden sein. So gibt es schwere Lungenentzündungen auch ohne Husten oder Fieber. Umgekehrt gibt es Atemwegsinfektionen mit Husten und hohem Fieber, ohne dass eine Lungenentzündung vorliegt. Für die Diagnose wichtig ist immer der Zustand des Patienten, das Alter, die Zeichen der Atemnot (Dyspnoe) und die Sauerstoffversorgung. Ergänzend können auch Röntgenuntersuchungen bzw. Labortest weiterhelfen; sie sind aber nicht zwingend nötig. Die Diagnose der Lungenentzündungen wird klinisch gestellt, also durch Untersuchung.

Es gibt unterschiedliche Arten von Lungenentzündung. Sie unterscheiden sich sowohl bei den Symptomen, im Verlauf, im Röntgenbild als auch bei den Komplikationen.

  • Lobärpneumonie
  • Lobärpneumonie Foto: www.anatomybox.com

    Bei dieser Lungenentzündung ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Dadurch zeigt dieser Typ (siehe Röntgenbild rechts) immer einen schweren Verlauf an. Auch die Komplikationen sind hier häufiger.

  • Bronchopneumonie
  • Dieser Typ einer Lungenentzündung beginnt mit einer sehr kräftigen Bronchitis. Ausgehend von dieser Entzündung der  Bronchien, geht diese Infektion langsam an einzelnen verschiedenen Stellen langsam ins Lungengewebe über. Dieser Typ einer Lungenentzündung ist im Kindes- und Jugendalter der weitaus häufigste. Er ist in aller Regel deutlich harmloser als die Lobärpneumonie.
  • Bronchopneumonie. Foto: www.sposterng.netkey.at

  • atypische Pneumonie: Bei diesem Infektionstyp wird das Lungengrundgerüst von der Entzündung betroffen. Die Entzündung findet im Gewebe zwischen den Lungenbläschen statt. Damit wird die Strecke, die der Sauerstoff vom Innenraum der Lungenbläschen bis zur kleinen Arterie durchwandert grösser. Die atypische Pneumonie beginnt meist schleichend mit wenig Fieber (aber häufigen Begleitsymptomen wie Gelenkschmerzen), kann aber schwerwiegend werden.

Da Lungenentzündungen durch Bakterien und Vieren (bzw. Pilze) ausgelöst werden, ist eine Therapie mit Antibiotika nicht zwingend und in vielen Fällen nicht hilfreich. Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen ist zunächst wichtig, dass die Sauerstoffversorgung ausreichend ist. Daneben muss eine ausreichend Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein, Inhalationen sind oft günstig. Ob eine Lungenentzündung zuhause (ambulant) oder in der Klinik behandelt werden sollte, kann der Kinder- und Jugendarzt durch die Untersuchung und die engmaschigen Verlaufskontrollen entscheiden.

Wie komplex die Diagnose und Therapie einer Lungenentzündung sind, zeigt die Leitlinie, die federführend von Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) erstellt wurde. Darin sind die wichtigen Aspekte der Diagnose und Therapie im Detail wiedergegeben.

TIPP Elternratgeber Anaphylaxie

Die schlimmste Ausprägung einer Allergie ist die Anaphylaxie – in Deutsch: der allergische Schock. Dieser stellt eine Überreaktion des Organismus dar, der auf an sich harmlose Stoffe wie Nüsse oder einen Bienenstich unangemessen heftig reagiert. In der Summe hilft er sich selbst überhaupt nicht. Vielmehr verursacht die Überreaktion eine rasche Ausschüttung von aktiven Botenstoffen wie Histamin, die den gesamten Körper in Gefahr bringt. Kurzum: Der Körper reagiert zu heftig und gefährdet sich dabei selbst massiv.

Eine Anaphylaxie kann auf verschiedenste Reize hin erfolgen. Für Kinder und Jugendliche sind dies meist allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (Nüsse, Ei, Fisch und andere), Insektenstiche (vorwiegend Biene oder Wespe) und Medikamente.

Kurz und prägnant sind die wichtigsten Informationen im Elternratgeber Anaphylaxie der GPS (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) zusammengefasst.

Bei Anaphylaxien ist eine enge Zusammenarbeit mit der/m Kinder- und Jugendärztin enorm wichtig. Neben der medizinischen Bewertung geht es auch um verschiedene Fragen: Ist eine Schulung sinnvoll oder notwendig? Sollte der Kindergarten oder die Schule informiert und für einen möglichen Notfall geschult werden? Müssen Medikamente ständig vorgehalten werden?

Hyposensibilisierung

In diesem Jahr haben wieder viele Kinder und Jugendlich das erste Mal gemerkt, dass sie allergisch sind. Plötzlich war der Sommer nicht mehr so spaßig wie sonst. Die Augen tränten, die Nase lief oder es plagte sie ein nerviger Husten.

Eine akute Therapie mit Antihistaminika wie Cetirizin oder lokale Augentropfen wie DNCG wurden vermutlich eingesetzt. Damit wurde auch klar, wie mühsam es sein kann, einigermaßen beschwerdefrei über Wochen oder Monate mit einer Allergie zu leben.

Kann ich meine Allergie erfolgreich behandeln?

So oder ähnlich lauten die Fragen, die Schulkinder oder Jugendliche in dieser Situation an den Kinder- und Jugendarzt richten. Und von dem kommt meist ein …. JEIN. Die Beschwerden ein für alle mal zu beseitigen, das gelingt kaum – also NEIN. Aber JA, es gibt eine Therapie, die an der Ursache ansetzt. Die spezifische Immuntherapie. Diese ist sehr erfolgreich, beim einen mehr, beim anderen weniger. Bei einer Allergie gegen Biene mit hervorragendem Erfolg, bei Allergien gegen Pollen und Milben mit guten Erfolg, gegen Schimmelpilze eher dürftige Ergebnisse.

Spezifische Immuntherapie

Heute nennen Mediziner die Hyposensibilisierung meist spezifische Immuntherapie (SIT). Andere nennen sie noch Desensibilisierung – und alle meinen das gleiche. Diese Therapie ist über hundert Jahre alt und beruht auf dem Prinzip, dem Körper das Allergen (bei einer Gräser-Pollen-Allergie also die Gräserpollen) zunächst in sehr geringer Dosis zuzuführen, um diese schrittweise bei guter Verträglichkeit zu steigern. Damit versucht man beim Organismus im Idealfall eine Toleranz auszulösen. Im Idealfall würde beispielsweise der Gräserpollenallergiker im Sommer beschwerdefrei die schönen Tage genießen können. Diese Erfolge gibt es. Meistens – bei etwa 90% – kann jedoch „nur“ eine spürbare Linderung der Beschwerden erreicht werden. Und: Durch die Behandlung wird auch das Risiko gesenkt, weitere Verschlimmerungen zu erfahren. So kann die spezifische Immuntherapie das Risiko für die Entwicklung eines Asthma deutlich senken. Auch das Risiko, eine weitere Allergie zu entwickeln ist spürbar geringer.

Wer sich weiter informieren will: Die wichtigsten Punkte sind in einem Elternratgeber der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) gut zusammengefasst.

Bitte wenden Sie sich mit ihrem allergischen Kind an Ihren Kinder- und Jugendarzt und lassen Sie sich individuell beraten, ob für Ihr Kind – bzw. für Dich als Jugendlicher – eine Therapie sinnvoll und möglich ist.

Cortison bei akutem Krupphusten?

Der Krupphusten, das war in den letzten Wochen bereits bei „Was geht rum“ zu lesen, ist eine Erkrankung, die sich oft in den Frühjahrs- und Herbstmonaten März bzw. November zeigt. Das heimtückische an dieser Krankheit ist, dass sie sich nicht langsam anmeldet, sondern häufig von einer auf die andere Minute mit bellendem Husten, Atemnot und Halsschmerz ein Kind überfällt. Schwere Notfälle sind selten, kommen aber vor. In jedem Fall ist das Auftreten des Krupphustens für das Kind und seine Eltern besorgniserregend.

Die akute Atemnot zwingt Eltern in vielen Fällen zum schnellen Handeln. Was können Sie tun?

  • Ruhe bewahren. Das ist die erste und schwierigste Aufgabe. Denn nicht nur die Eltern haben Angst, auch das Kind. Und es ist zunächst wichtig dem Kind zu zeigen, dass die eigenen Eltern das Problem im Griff haben. Dann geht alles schon besser, denn die Eltern helfen immer am besten. Das weiß ein Kind. Also auch wenns extrem schwerfällt: Ruhe bewahren.
  • Feuchte und gute Luft anbieten. Das geht am schnellsten, wenn Eltern das Kind in dicke Decken einwickeln und mit ihm auf dem Arm nach draußen gehen und dort das Kind unterhalten: mit dem Kind über den Sternenhimmel oder andere nette Dinge reden. Alternativ kann man auch im Bad einen kräftigen Dampf erzeugen (Duschbrause aufdrehen), sich auf eine kuschelige Decke setzen und Kinderbücher ansehen.
  • Gute Atmosphäre schaffen. Ablenkung ist wichtig. Das Kind atmet schlecht, das ist klar, also sollte das nicht lange beredet werden. Getränke anbieten, an schöne Tageserlebnisse erinnern. Oftmals bessert sich darunter die Atemnot schon nach 10 – 20 Minuten. Also, eine gewisse Geduld ist auch wichtig.
  • Sollten diese Maßnahmen keine Besserung bringen, ist Cortison die einfachste Maßnahme, die schnell und effektiv eingesetzt werden kann. Dabei kann es sein, dass die Wirkung verzögert eintritt. Fünf Minuten sind es sicher, es können aber auch 20 Minuten sein. Deswegen sollten Eltern Cortison-Ängste zurückstellen – aber das wird Eltern in der Situation schnell bewusst.

Erst kürzlich hat eine Forschergruppe um CM Parker und MN Cooper aus Australien in einer Studie belegt, dass das Cortison Prednisolon (z.B. in Rectodelt©) dem Dexamathason (z.B. in Fortecortin©) gleichwertig sind. Das gibt erstmals eine wissenschaftlich sichere Grundlage für die Anwendung von Prednisolon.

In der Praxis bzw. Kliniken stehen noch weitere Therapien (spezielle Inhalationen, Medikamente per Infusion) zur Verfügung, die in aller Regel für zuhause nicht praktikabel sind.

Wenn Eltern wegen des Krupphustens in Sorge sind, so sollten sie erst die o.g. Maßnahmen durchführen und dann einen Kinder- und Jugendarzt kontaktieren. Gerade auch beim Krupphusten kann die Telemedizin sehr hilfreich sein, wenn die betreffende Ärztin/ Arzt hört, wie das Kind atmet. Dann kann sie/er die Situation besser einschätzen und die Eltern umgehend beraten, was zu tun ist.

Wenn ein Kind bereits einen Krupphusten hinter sich hat, sind folgende vorbeugenden Maßnahmen sinnvoll:

  • Vorhalten eines Notfallmedikaments nach Absprache mit der Kinderärztin / Kinderarzt
  • Notfall-Telefonnummern (Kinderärztin / Kinderarzt; Notfalldienst; Telemedizin) ins Haustelefon einprogrammieren bzw. als Notiz ans schwarze Brett
  • Babysitter instruieren, was bei einem möglich nächsten Kruppanfall zu machen ist.

…immer mehr Übergewicht

Zumindest in den reichen Ländern der Welt wird soviel über Ernährung gesprochen wie noch nie. Und dennoch: Es gab weltweit noch nie so viele Extreme beim Körpergewicht von Kindern und Jugendlichen wie gerade heute.

Der Zeitgeist bei uns beschäftigt sich mit Diäten aller Art, manche haben fast einen religiösen Charakter. Vegetarisch zu essen ist lange verankert, vegan ist für viele hippe Menschen schon fast Pflicht. Ganz im Trend ist SuperFood, wobei dessen Zusammensetzung dadurch auffällt, dass die meisten Nahrungsmittel echte Exoten sind: Gojibeeren, Hanf, Chiasamen, Matcha … eben all das, was erst mühsam mit dem Flugzeug herbeigeschafft wurde. Ist da nicht auch eine Klimadebatte?

Auch wenn die Debatte über gesunde Ernährung uns medial gut unterhält, sind es weltweit drei Probleme, die unsere Kinder betreffen – der „triple burden of malnutrition„, wie es die UNICEF zusammenfasst:

  • Unterernährung
  • versteckter Hunger
  • Übergewicht

Oder anderes zusammengefasst. Kinder und Jugendliche bekommen weltweit gesehen oft entweder zu wenig Nahrung (die sie bräuchten) oder zuviel an Nahrung (die sie nicht brauchen).

Problem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Ländern. Foto: Economist

In allen Ländern, auch in den ärmeren (!), ist Übergewicht ein zunehmend wichtiges Problem. Seit den 1970’ger Jahren hat sich die Zahl der Übergewichtigen in der Altersgruppe 10 bis 19 Jahren zumindest verzehnfacht. In den ärmeren Ländern sind die Kinder aus den wohlhabenderen Familien davon betroffen, in den reicheren Ländern tendenziell eher die Kinder aus ärmeren Familien.

Für die USA ist es so, dass nahezu 20% der Jugendlichen aus ärmeren Familien übergewichtig sind, während es in den bessergestellten Familien nur 10% sind.

Ernährungszustand der Kinder unter 5 Jahren weltweit: STUNTING (zurückgebliebene Entwicklung), WASTING (Auszehrung) OVERWEIGHT (Übergewicht) Foto: UNICEF, SOWC-2019.pdf

Aber es sind nicht nur die Jugendlichen betroffen. Auch bei den unter 5 Jahre alten Kindern nimmt Übergewicht erschreckend zu. Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der übergewichtigen Kinder unter 5 Jahre um 44% zugenommen. Die Trends zeigen an, dass sich über die nächsten 10 Jahre keine Besserung einstellen dürfte.

Vermutlich ist es sinnvoll, die Ernährung unsere Kinder und Jugendlichen von Seiten der Eltern  entspannter anzugehen. Dabei sollten – außer bei bestimmten Krankheitsbildern – die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen. Verweigert ein Kind, den Teller leer zu essen – okay! Versuche, es zu überreden sind nicht hilfreich. Das wissen wir aus den eigenen Kindheitserinnerungen. Ebenso wenig erfolgreich ist es Kinder auf vermeintlich „gesunde“ Nahrung hinzuweisen. Wie immer: das gute Vorbild zählt. Wenn ein Baby beim Essen wenig gestört wird, wird es vermutlich auch später beim Essen gelassen sein. Und klar, den Hamburger werden alle irgendwann essen wollen. Sollen sie doch. Aber wir Eltern sollten uns nicht bei den Kindern einschmeicheln und sie zu den Fast-Food-Kett hinführen.

Wie gesagt. Das Vorbild zählt. Und ist bei der verwirrenden Vielfalt und der medialen Berieselung (inklusive Werbung!) in der Bedeutung langfristig nicht zu unterschätzen.

Nuss-Allergien bei Kinder immer häufiger

Wenn das Thema Allergie es bis in die Schlagzeilen des Economist schafft, dann ist offensichtlich was los. The Economist ist eine sehr seriöse britische Wochenzeitung mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Politik. Es kommt also selten vor, dass sie sich um ein medizinisches Thema kümmert.

Entwicklung von Allergien gegen Nüsse im Kindesalter. LINKS Notaufnahmen in US-Kliniken wegen allergischer Reaktion RECHTS Darstellung der Häufigkeit von Erdnussallergien in Prozent des Geburtsjahrgangs. Foto: The Economist

Wie die Grafik (links) zeigt nehmen schwere allergische Reaktionen („Anaphylaxie„) gegen Nahrungsmittel wie Milch oder Ei in den USA seit etwa 15 Jahren nur langsam zu. Demgegenüber steigt die Zahl der Notfälle mit Atemnot und Hautschwellungen seit 10 Jahren für viele Nüsse dramatisch an.

Für Deutschland stellt sich die Situation – noch? – anders dar. Hier ist die Erdnuss nur teilweise im Ernährungsplan angekommen und die Allergien gegen dieses Allergen sind vergleichsweise gering, wenn man die Häufigkeiten mit denen der USA oder Israel vergleicht. Aber auch bei uns zeigt sich ein Trend zu häufigeren Allergien gegen Nuss-Allergene.

Fast zeitgleich kam von der Gesellschaft Pädiatrische Allergologie (GPA) ein Elternratgeber zu den Baumnussallergien heraus. Darin sind die momentan wichtigsten Informationen für Kinder und Jugendliche in Deutschland übersichtlich zusammengefasst.

Bald gibt es vielleicht neue Möglichkeiten der Behandlung. In den USA zeigte die Studie eines neuen Typs einer oralen Hyposensibilisierung, dass Betroffene bereits nach einer 6-monatigen Therapie mit AR101 (Palforzia©) – so heißt die Therapie – mehrheitlich 600 mg Erdnussallergen vertragen. Das sind immerhin zwei Nüsse pro Tag – eine ganze Menge für jemanden, der zuvor schon bei Geruch von Erdnuss erste Symptome durchmachte. In den USA erwartet man die Zulassung für Anfang kommenden Jahres.

ADHS: Risiko im Straßenverkehr

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS) hat für viele Familien im Alltag eine enorme Bedeutung. Eltern von ADHS-Kindern und -Jugendlichen wird im Alltag Einfühlungsvermögen, Geduld und auch Zeit abverlangt, wenn sie ihrem Kind gerecht werden wollen. Und fast immer bleibt bei ihnen das Gefühl zurück, zu versagen und den vielfältigen Anforderung nicht gerecht werden zu können.

Aber enorm viele Eltern machen es richtig gut. Obwohl sie mit sich selbst nicht zufrieden sind. Perfekte Eltern gibt es zum Glück nicht, auch nicht bei Kindern, die vom ADHS betroffen sind. Diese meist gute Betreuung zuhause ist enorm wichtig. Zunächst, weil sich die betroffenen Kinder dann auch angenommen und geliebt spüren. Und weil sie mit diesem Gefühl und den erlebten Erfolgen viele weitere Herausforderungen angehen und damit Fortschritte erzielen können.

Das ist wichtig. Mangelnde Konzentration und eingeschränkte Impulskontrolle können durchaus Folgen haben, wie eine neue Studie zeigt. Dabei wurde das Verhalten nach Erwerb des Führerscheins von ADHS-Jugendlichen mit dem einer Kontrollgruppe verglichen. Die Forschungsgruppe aus Philadelphia (USA) um Allison E Curry konnte dabei die Daten von 14.936 Jugendlichen (Geburtsjahrgänge 1987 – 1997) mit den Daten der Verkehrsüberwachung des Bundesstaates New Jersey abgleichen. Dabei zeigte sich, dass die Unfallraten bei ADHS-Jugendlichen und -Heranwachsenden gegenüber nicht Betroffenen um 62% höher lagen. Besonders auffallend war, dass das Risiko für alkoholbedingte Unfälle mehr als verdoppelt (OR 2.1) war.

Die Untersuchung macht deutlich, dass die Schwierigkeiten bei ADHS weit über den schulischen Erfolg oder Misserfolg hinaus reichen. Noch gibt es keine offiziellen Empfehlungen. Aber es macht mit diesem Hintergrundwissen Sinn, das Verhalten im Straßenverkehr früh zu üben. Das fängst schon vor der beliebten Fahrradprüfung in der Grundschule an.

Lichen sclerosus

Der Name Lichen sclerosus ist etwas schwerfällig. So nennt sich eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die ganz überwiegend die Genitalregion betrifft. Übersetzt aus dem griechischen heißt der Begriff harte Flechte, was die Hauterkrankung ganz gut beschreibt.

Nicht-genitaler Lichen sclerosus bei einem älteren Menschen. Foto: www.diseaseshows.com

Der Lichen sclerosus kommt im Kindesalter deutlich häufiger vor als gedacht. Er zeigt sich im Genitalbereich durch eine weitgehend scharf begrenzte Entzündung der Haut, die leicht perlmuttartig glänzt, sich trocken anfühlt und diskret gerötet ist. Bei Mädchen kommt sie häufiger vor und betrifft meist die Dammregion (Perinaeum), von wo sich der Ausschlag sowohl zum After hin aber noch mehr zu den Schamlippen bis hin zur Klitoris ausbreiten kann. Die betroffene Haut schrumpft etwas, was im weiteren Verlauf zu Narben führen kann. Das kommt bei Kindern sehr selten vor. Das bedeutendste Symptom ist hier der Juckreiz, wodurch Kinder immer wieder in die Genitalregion fassen oder auf dem Hintern herumrutschen. Für einen erfahrenen Kinder- und Jugendarzt ist die Diagnose nicht schwierig, wenn er auf dieses Symptom hingewiesen wird.

Auch Jungen sind davon betroffen. Bei ist meist die Vorhaut des Penis (Präputium) und die Eichel betroffen. Dadurch, dass sich die entzündete Haut des Lichen sclerosus zusammenzieht, entsteht bei Jungen häufig eine Phimose, also eine Vorhautverengung.

Die Ursache des Lichen sclerosus ist unbekannt. Das verstärkte familiäre Vorkommen weist auf eine genetische Mitverursachung hin. Die immunologischen Veränderungen wiederum zeigen, dass der Erkrankung vermutlich ein Autoimmun-Mechanismus zugrunde liegt. Inwieweit falsche Hautpflege ein weiterer Faktor ist, ist unbekannt. Da die Genitalregion mit großer Scham belegt ist, ist es oftmals üblich, viel Seife dort anzuwenden. Davon kann in jedem Fall nur abgeraten werden. Auch die massenhafte Anwendung von Salben aller Art sind sicherlich nicht als günstig anzusehen.

Die Therapie erfolgt mit im Kindesalter zumeist mit einer Cortison-haltigen Creme. Dabei ist Erfahrung notwendig, um unter den Hunderten von Cortison-Präparaten das passende auszuwählen. Auch die Art der Anwendung und insbesondere die Dauer muss individuell angepasst werden.

Der Verlauf des Lichen sclerosus kann durchaus über viele Monate gehen und mühsam sein. Im Kindesalter – gerade zur Pubertät hin – heilt die Hauterkrankung glücklicherweise meistens aus.

Tödliches Risiko für Erkrankungen mit Meningokokken

Besonders im ersten Lebensjahr finden viele Impfungen statt. Das geht darauf zurück, dass wir KinderärztInnen dem kindlichen Organismus Informationen geben wollen, die er noch nicht hat bzw. haben kann.

Das gesund geborene Kind hat beispielsweise noch nie Kontakt zu Meningokokken gehabt. Diese Bakterien können zu schwersten Erkrankungen führen. Mit einer Impfung lässt sich ein großer Teil verhindern. Die Information, die eine Impfung vermittelt regt den kindlichen Körper an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, um bei Kontakt mit dieser Erkrankung gewappnet zu sein.

Aber wie hoch ist das Risiko einer Meningokokkeninfektion?

Kürzlich sind die neuesten Daten für das Jahr 2018 im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 295 Menschen – vorwiegend Kinder und Jugendliche – im letzten Jahr mit Meningokokken erkrankt sind. Von diesen starben 34 Kinder, also knapp 12% (im Vorjahr 23 Kinder). Bei 237 Kinder und Jugendlichen konnte der Erreger ermittelt werden. In 139 Fällen (59%) waren es Meningokokken der Serogruppe B.

Über die letzten Jahrzehnte sind die Erkrankungen durch Meningokokken insgesamt spürbar zurückgegangen. Für die Kinder bis 11 Jahre beispielsweise trat im Jahr 2018 noch eine einzige Infektion mit Meningokokken C auf – im Jahr 2006 waren es noch 48 Erkrankungen gewesen. Das geht vermutlich im Wesentlichen auf die Impfung gegen Meningokokken C zurück, die bereits seit 13 Jahren von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, Berlin) empfohlen wird.

Bei den Meningokokken der Gruppe B waren es im letzten Jahr noch 36 Erkrankungen gegenüber 109 Erkrankungen im Jahr 2006. Dieser Typ B der Meningokokken kommt in unseren Breiten schon immer häufiger vor als die anderen und betrifft in vielen Fällen bereits junge Säuglinge.

Wer sich durch weitere Datenberge über die Impfungen durcharbeiten möchte, kann hier den Link zum Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2018 öffnen.

Wann soll ich mich gegen Influenza impfen lassen?

Meist im September kommen die neuen Impfstoffe gegen Influenza (Grippe) auf den Markt. Aber, soll man sich dann sofort impfen lassen? Und auch die eigenen Kinder?

Das Problem bei den Impfungen gegen die Influenza besteht ja darin, dass sie zwar wirksam sind, aber nicht so gut wie beispielsweise Impfstoffe gegen Masern. Wir alle wünschen uns also dass die Grippeimpfung besser wäre. So erkranken manche Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene obwohl sie geimpft wurden. Andererseits erkranken manche nicht Geimpfte nicht. Das löst dann regelmäßig Diskussionen aus, die nicht sehr zielführend sind.

Zur Frage des schwindenden Impfschutzes hat sich eine Arbeitsgruppe um Jill M Ferdinands vom U.S. Department of Health and Human Services gebildet. In ihrer Studie untersuchten sie die Wirksamkeit der Impfung bei Personen ab 9 Jahren in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Impfung.

In ihrer Studie fanden die Forscher eine abnehmende Wirksamkeit der Grippeimpfung mit zunehmender Zeit nach der Impfung. Am besten war die Wirksamkeit der Impfung kurze Zeit nach der Impfung. Für das Influenza A-Virus (H3N2) und das B-Virus war die Wirksamkeit bereits nach einem Monat 7% niedriger. Für das Influenza A-Virus (H1N1) ging die Wirksamkeit in der gleichen Zeit um 6-11% zurück.

Wie bereits bekannt, ist es also sinnvoll sich kurz vor der erwarteten Grippesaison impfen zu lassen. Da die erste Grippewelle in aller Regel aber nicht vor Dezember stattfindet, scheint eine Impfung im später Oktober oder November die beste Strategie zu sein.

Sollten auch die eigenen Kinder geimpft werden? Die offiziellen Empfehlungen unterscheiden sich in vielen Ländern. In Deutschland wird die Impfung chronisch Kranken und alten Menschen empfohlen. Es ist jedoch erwiesen, dass die Grippe-Impfung gerade bei Kindern besonders gut wirksam ist. Das macht eine Impfung von Kindern und Jugendlichen trotz allem sinnvoll.

Eines ist jedenfalls sicher: Bei allen berechtigten Zweifeln, lohnt eine Influenza-Impfung. Auch wenn man nicht immer den idealen Impfzeitpunkt findet. Um die persönlichen Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen, sollten Sie die Frage einer Impfung gegen die Grippe (Influenza) schon jetzt mit Ihrem Arzt besprechen.