Kategorie: Krankheitsbilder

Vergiftungen: Schneebeere

Sie kommt in unseren Gärten als Zierpflanze vor: die Schneebeere (Symphoricarpos albus). Für Kinder erscheint sie spannend, weil sich die Beeren mit Geschick knallend ausdrücken lassen („Knallerbse„). Zum essen reizen sie Kinder trotz allem selten.

Die Pflanze gehört zu den Geißblattgewächsen und enthält Saponine.

Symptome

Nach Aufnahme können die Beeren zu Schleimhautreizungen führen. Das bedeutet, dass es in zu Magenschmerzen oder Erbrechen kommen kann. Vergiftungen treten erst bei grösseren Mengen auf.

Daneben sind Hautreizungen durch den Kontakt mit dem Inhalt der Beere möglich.

Therapie

Wenige gegessene Beeren sind sicher unproblematisch. Ab etwa 10 Beeren wird je nach Alter des Kindes eine Giftentfernung empfohlen. Schwere Vergiftungen sind nicht bekannt.

Giftpflanzen: Pfaffenhütchen

Die Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) sind hübsche Sträucher bzw. kleine Bäume mit orange-roten Früchten, die in unseren Gärten heute eher weniger anzutreffen sind. Ihre Schönheit reizt Kinder sie zu pflücken und zu probieren. Ingestionen kommen häufig vor, Vergiftungen sind jedoch eher selten. Die Samen der Früchte enthalten verschiedene Substanzen, so auch Alkaloide und Digitaloide. Neben dem Samen gelten aber auch die Blätter und die Rinde des Pfaffenhütchens als giftig.

Symptome

Im Vordergrund stehen Symptome des Magen-Darm-Traktes: Koliken, Durchfall und Fieber, die bis zu 15 Stunden nach der Aufnahme eintreten können. Daneben sind Leber- und Nierenschäden beschrieben.

Bis zu drei Samen werden problemlos vertragen. Die individuelle kritische Dosis ist jedoch nicht bestimmbar.

Therapie

Wenn maximal 3 Samen eingenommen wurden reicht es aus, zusätzliche Flüssigkeit anzubieten. In allen anderen Fälle (mehr Samen oder unklare Mengen) sollte ein Arzt konsultiert werden. Der muss im Einzelfall entscheiden, ob eine akute Giftentfernung notwendig ist

Vergiftungen: Mahonie

Die Mahonie (Mahonia aquifolium) ist eine Zierpflanze, die aus Nordamerika stammt und inzwischen häufig in unseren Gärten anzutreffen ist.

Die immergrüne Pflanze hat dornig gezahnte Blätter. Im Moment ist sie voller blauer Beeren, die etwas matt sind. Die Beeren haben einen dunkelroten Saft und schmecken sauer. Damit sind sie für Kinder kaum interessant.

Vergiftung

Die Mahonie enthält Berbin – wie übrigens auch die Berberitze.

Symptome

Wenn Kleinkinder große Mengen an Beeren zu sich nehmen kommt es zu Brechdurchfällen. Für grössere Kinder und Erwachsene sind keine Vergiftungssymptome zu erwarten

Therapie

nicht erforderlich.

 

O-Beine

Die Stellung der Beinachse von Kindern und Jugendlichen unterliegt vielen Einflüssen. Ohne Berücksichtigung der vielen, aber meist seltenen Erkrankungen der Knochenentwicklung, stehen besonders die genetischen Aspekte im Vordergrund sowie persönliche Besonderheiten, die die Beinachse beeinflussen.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. med. Peter Helmut Thaller aus München hat sich der Frage von O-Beinen gewidmet und die Ergebnisse im Deutschen Ärzteblatt kürzlich veröffentlicht. Darin stellen sie fest, dass bereits Fußballer ohne gröbere Verletzungen ein erhöhtes Risiko für eine Arthrose haben (1,3-fach), das auch durch die häufig anzutreffenden O-Beine zu erklären ist. Immerhin haben über die Hälfte (55%-63%) der Sportler diese genua vara, wie die Ärzte die O-Beine nennen. Und diese sind ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung einer Arthrose.

Die Forscher konnten die Daten von 1344 Fußballspielern sowie einer Vergleichsgruppe bewerten. Es zeigte sich, dass bereits bei Jugendlichen der Abstand zwischen den Knien bei Fußballern um 1,5 cm grösser war als bei Nichtfußballern. Bei Fußballern wiesen in dieser Altersgruppe 73% eine O-Bein-Stellung auf, bei den nicht sportlich aktiven Menschen waren es nur 40%.

Dr. Thaller und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die einseitige Überbelastung der Wachstumsfugen ober- und unterhalb des Kniegelenkes der Grund für die O-Bein-Stellung ist. Dadurch kommt es zu einem verstärkten Wachstum der Wachstumsfugen an den Außenseiten zuungunsten der Innenseite. Diese einseitigen Belastung kommen beim Fußball im Besonderen bei Seitwärtsbelastungen vor: abrupte Abbremsbewegungen oder Seitbelastungen beim Lauf um Hütchen. Solche Übungen sollten bei Heranwachsenden nicht zu intensiv erfolgen. Daneben sind Ausgleichsübungen wichtig.

Heranwachsende können die Fehlhaltung einige Zeit durch ihre starke Muskulatur ausgleichen. Je stärker aber die O-Beine sind und je älter der einzelne Sportler ist, wird diese Möglichkeit der Kompensation geringer. Dann treten Belastungen des Innenknies auf, die zunehmend zum Knorpelverlust und Meniskusschaden führen. Die Folge ist dann zunehmende Abnutzung der Kniegelenksinnenflächen mit Arthrose.

Fazit

O-Beine sollten soweit möglich durch ausgleichende körperliche Anstrengungen vermieden werden. Sind sie einmal aufgetreten, sollten regelmässige Kontrollen beim Orthopäden erfolgen, um einer Arthrose – ggf. auch durch eine Operation – entgegenzusteuern.

Giftpflanzen: Tollkirsche

Seit dem Altertum ist die Tollkirsche (Atropa belladonna) bekannt. Durch ihre berauschende Wirkung und die Erweiterung der Pupillen wurde sie im Mittelalter gerne als „Partydroge“ eingesetzt. Heute ist sie den meisten Menschen aus der homöopathischen Therapie als Belladonna bekannt.

Die Tollkirsche enthält Atropin und andere sog. Alkaloide, wie sie auch in anderen Pflanzen wie dem Stechapfel vorkommen. Atropin ist ein Anticholinergikum, das in der Medizin (Augentropfen, Anti-Parkinson-Mittel) Anwendung findet.

Symptome

Nach kurzzeitig langsamem Herzschlag kommt es typischerweise zu einem schnellen Herzschlag (Tachykardie). Die Pupillen sind geweitet (Mydriasis), die Stimme wird heiser, die Haut – gut sichtbar auf den Wangen – wird zart-rötlich, die Schleimhäute trocken. Gleichzeitig tritt motorische Unruhe mit Halluzinationen auf. Der Vergiftungsprozess beginnt langsam
und dauert über 8 bis 24 Stunden an.

Vergiftungen

Die Früchte der Tollkirsche sind dunkel und laden zunächst nicht zum Verzehr ein. Aber sie schmecken süß, was Kinder gerne dazu bringt mehrere zu probieren. Häufig werden die Früchte aber in großen Stücken verschluckt, so dass die Giftfreisetzung geringer ausfällt. Eine tödliche Gefahr besteht bei Kindern aber bereits ab 2 bis 5 Beeren. Weil Kinder heute viel weniger in der Natur unterwegs sind, kommen Vergiftungsunfälle durch die Tollkirsche jedoch deutlich seltener vor als früher.

Aktuell sind Atropin-Augentropfen bei weitem problematischer. In aller Regel werden diese beim Augenarzt verwendet, um durch die Erweiterung der Pupillen eine gute Beurteilung des Augenhintergrundes zu ermöglichen. Daneben findet Atropin aber auch Anwendung bei einigen Erkrankungen des Auges und sind dadurch in manchen Haushalten vorrätig. Dort können sie dann von Kindern gefunden und „getestet“ werden.

Therapie

Die Behandlung einer Vergiftung mit Tollkirsche oder Atropin (Augentropfen) sollte immer in einer Klinik erfolgen. Zum einen, weil die Vergiftung möglicherweise extrem gefährlich sein kann, zum anderen, weil die Medizin über ein wirksames Gegenmittel verfügt. Glücklicherweise kommt es hierdurch extrem selten zu Todesfällen.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Wer diese Diagnose zum ersten Mal hört schmunzelt. Oder fragt sich, ob er gerade an der Nase herumgeführt wird. Aber tatsächlich heißt die Krankheit so. Kurz nach ihrer Entdeckung in Neuseeland und Kanada im Jahre 1957 durch CR Robinson und Kollegen wurde diese Erkrankung schlicht nach ihren Hauptsymptomen benannt.

Die Hand-Fuß-Mundkrankheit (HFM) tritt gerne in Schüben im Spätsommer und Herbst auf. Auslöser sind verschiedene Enteroviren der Gruppe A, unter denen die Coxsackie A-16-Viren die wichtigsten sind. Diese Enteroviren sind recht unempfindlich gegen Umwelteinflüsse und kommen im Magen-Darm-Trakt vor.

Der Mensch ist das einzige Reservoir für die Erreger der HFM. Deswegen geschieht eine  Übertragung immer von Mensch zu Mensch. Die Erreger sind sehr ansteckend. Das ist auch der Grund, dass die Erkrankung in Schüben und in aller Regel auch bei jüngeren Kindern – meist unter 10 Jahren – auftritt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) kommt es bei „direktem Kontakt mit Körperflüssigkeiten (Nasen- und Rachensekreten, Speichel, Sekreten aus Bläschen) oder Stuhl und durch Kontakt mit viruskontaminierten Oberflächen“ zur Ansteckung.

Nach einer Inkubationszeit von 3 – 10 Tagen (gelegentlich auch bis zu 30 Tagen) treten zunächst leichtes Fieber und nach 1 bis 2 weiteren Tagen die  typischen Symptome auf:

  • Bläschen an Händen
  • Bläschen an Füssen
  • Bläschen im Mund
  • und manchmal auch anderen Körperregionen

In aller Regel verläuft die Erkrankung mild. Manche Kinder klagen über Schmerzen an den Stellen des Ausschlags, insbesondere aber beim Rennen. Schwerwiegende Komplikationen sind möglich, aber extrem selten. Bei atypischen Verläufen kann es nach etwa 1 Monat zum Verlust von einzelnen Finger- oder Fußnägel kommen, die aber problemlos nachwachsen. Auch für Schwangere ist eine Infektion mit diesen Viren allermeist ohne Bedeutung.

Es besteht keine generelle Meldepflicht in Deutschland. Man schätzt beim RKI, dass in Deutschland pro Jahr 80.000 – 140.000 Erkrankungen mit HFM auftreten.

Eine Therapie ist nicht möglich, eine Impfung existiert nicht. Manchmal können Schmerzmittel erforderlich sein. Bei Schluckschmerzen hilft ein Milch-Speiseeis sehr gut.

TIPP Quallen – Reiseapotheken-Vorschlag für Strandurlauber

Quallen können im Urlaub zum lästigen Ärgernis werden. Für den Biologen stellen Quallen nur ein Entwicklungsstadium von Nesseltieren dar, die sich aus Polypen entwickeln. Letztere sitzen oft auf Korallen und Felsen, wodurch die im Entwicklungszyklus nachfolgenden Quallen sich ebenfalls vorzugsweise an den Küsten aufhalten.

Zu welchem Zeitpunkt sie dort zur Plage werden ist nicht sicher vorherzusehen. Wärme ist in aller Regel günstig für Quallen, aber sie kommen auch in kühleren Gewässern vor. Da der Lebenszyklus bis heute nicht ganz verstanden wird, ist es immer ratsam, im Meer auf Quallen zu achten.

Abbildung 1. Nesselschlauch. Foto: cram.com

Quallen sind in aller Regel schirmartig aufgebaut und haben an ihren Rändern lange Fäden, die sich Tentakeln nennen. Diese sind mit Nesselzellen besetzt, die ein Nervengift enthalten um Beutetiere zu lähmen und dann fressen zu können. Für Menschen ist dieses Nervengift der Quallen schmerzhaft, aber – bis auf die sehr giftige Seewespe, die vor Australien vorkommt – nur selten gefährlich oder gar tödlich. Die Nesselzellen schleudern bei Kontakt einen Nesselschlauch (siehe Abbildung 1) heraus, der das Gift auf den Angreifer freigibt.

Vorbeugung

Ob vermehrt Quallen im Wasser sind kann oft morgens am Strand erahnt werden. Liegen dort viele angeschwemmte Quallen, so dürfte die Zahl der lebenden Quallen im Wasser ebenfalls hoch sein. Ein weiterer Hinweis sind die kleinen „Stiche“, die man merkt wenn man im Meer schwimmt. Schaut man dann auf die Haut sieht man jedoch nichts. Dies ist ein indirektes Zeichen für kleine Tentakeln, die im Meer herumschwimmen und kleinste Giftmengen hier und da auf unsere Haut bringen können.

Berührung mit einer Qualle

Sollte es zu einer schmerzhaften Berührung mit einer Qualle kommen, sind einige Dinge zu beachten. Zunächst muss man sich darüber im Klaren sein, dass viele Nesselschläuche trotz des massiven Schmerzes noch geschlossen sind. Durch behutsames Vorgehen, können wir also den weiteren Schmerz eindämmen. Hierfür empfiehlt es sich in der Strandtasche folgende Utensilien mitzuführen, die zuvor in der Reiseapotheke von zuhause mitgebracht wurden:

  • ein Päckchen Backpulver
  • ein Plastikmesser
  • und: diese beiden Dinge sind immer am Strand mit dabei !

Abbildung 2. Nach Vorbehandlung mit Backpulver entfernter Teil einer portugiesischen Galeere (Physalia physalis). Foto: ptw

Im Falle eines Kontaktes mit einer Qualle bleibt die betroffene Person am/im Meer. Ein Helfer holt Backpulver und das Plastikmesser aus der Badetasche. Am Strand (im Trockenen) wird das Backpulver über der Kontaktstelle auf der Haut eingerieben. Danach werden die Tentakelreste langsam mit dem Plastikmesser seitlich abgeschabt und mit Meerwasser – extrem wichtig! – keine Süßwasserdusche! – abgewaschen (siehe Abbildung 2). Diesen Vorgang kann man mehrfach wiederholen. Kontakt mit Süßwasser würde in diesem Stadium zum Platzen aller Nesselschläuche und zu weiterer Verschlimmerung der Folgen führen.

Wunde

In aller Regel bleibt eine Rötung zurück, die einer Verbrennung Grad 1 entspricht. Hier ist ein Verband nicht sinnvoll, aber

  • Sonnenschutz, am besten durch Kleidung
  • Schmerzbekämpfung, z.B. mit Ibuprofen

Sollten in speziellen Fällen Blasen oder offene Hautwunden wie bei einer Verbrennung Grad 2 entstehen, so ist eine Vorstellung beim Arzt sinnvoll, um die Wunde entsprechend ihrem Verletzungsgrad zu behandeln.

Nach der Akutbehandlung, wenn die Tentakelreste sicher entfernt sind,  darf auch wieder Süßwasser beispielsweise in der Dusche auf die betroffene Haut gebracht werden.

Giftpflanze: Holunder

Der Holunder (Sambucus ebulus), dessen Blüten für Tees oder Sirup sehr geschätzt sind, kann über seine Beeren auch zu Vergiftungssymptomen führen. Die Pflanze ist in Waldlichtungen unserer Region häufig zu finden.

Symptome

Nach Aufnahme besonders unreifer Früchte kann es zu Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und Würgreiz kommen. Dies tritt meist erst bei einer „Handvoll“ Früchten auf und hängt von der Empfindlichkeit des Betroffenen gegenüber den Glykosiden ab, die in den Früchten enthalten sind

Therapie

nur symptomatisch erforderlich. Eine echte Gefährlichkeit besteht nicht.

Stich und Schock: Insektengiftallergie

Nun fliegen sie wieder. Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln. Vielen Menschen sind sie beim Genuss von Speiseeis lästig.

Deutlich gefährlicher als der Stich dieser Insekten sind jedoch Allergien gegen Gifte dieser Insekten. Sie kommen in jedem Lebensalter vor, teilweise auch bei Kleinkindern. Besonders schwerwiegend sind Allergien gegen Bienen und Wespen. Hierbei kann es zum allergischen Schock (Anaphylaxie) kommen, der bei Kindern jedoch nur in einer Häufigkeit von 0.34% auftritt. Erwachsene sind 10 Mal so oft davon bedroht.

Dennoch muss auch bei Kindern in jedem Einzelfall versucht werden, das individuelle Risiko zu klären. Die weitaus meisten Insektengiftallergien zeigen sich als allergische Lokalreaktionen: Um die Einstichstelle bildet sich eine Rötung und Schwellung, die gelegentlich über 10 cm groß wird und länger als einen Tag anhält. Die Stärke der Lokalreaktion kann durch Sofortmaßnahmen direkt nach dem Stich begrenzt werden. Dabei helfen folgende Maßnahmen:

  • Anwendung von Kälte (Eiswürfel) über weniger Minuten.
  • frische Zwiebel aufschneiden und mit leichtem Druck auf die Einstichstelle pressen.
  • die Einstichstelle mehrfach mit Speichel bestreichen

Treten nach einem Stich Allgemeinsymptome auf, sollte sofort ein Arzt bzw. ein Notarzt alarmiert werden. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Nesselsucht (Urtikaria) als einziges Symptom in aller Regel für Kinder nicht bedrohlich. Die im Folgenden genannten Symptome können jedoch ein Alarmzeichen sein und sollten immer dazu führen, umgehend einen Notarzt anzufordern.

  • Atemnot oder Engegefühl im Hals oder in der Brust
  • Schwindel oder Müdigkeit
  • Kribbeln in Händen/ Füßen/ am Kopf
  • Erbrechen.

Ist aber die Reaktion auf einen Insektenstich als Hinweis auf eine mögliche schwere Allergie zu werten? Das sollte im Zweifelsfall mit dem Allergologen geklärt werden. Alle Kinder und Jugendliche, bei denen Hautreaktionen fernab der Einstichstelle oder Allgemeinsymptome (Atemnot, Kribbeln in den Händen u.ä.) auftreten, müssen eine Diagnostik in Bezug auf eine Allergie erfahren. Idealer Zeitpunkt für diese Abklärung ist ein Zeitraum von 3-6 Wochen nach einem Stich, bei sehr schweren Reaktionen ggf. auch früher.

Ziel der medizinischen Abklärung ist es, das individuelle Risiko zu bestimmen. Dazu sind besonders die Angaben über die erlebten Symptome und deren zeitlichen Ablauf wichtig. In aller Regel wird auch ein Allergietest und eine Laboruntersuchung durchgeführt. In wenigen schwierigen Fällen gibt es noch weitergehende Untersuchungen (Intrakutantest; Stichprovokation u.a.), die aber bei Kindern nur selten erforderlich sind.

Die effektivste Therapie einer Allergie ist die spezifische Immuntherapie (SCIT), oft auch als Hypo-/Desensibilisierung bezeichnet. Bei Allergien gegen Biene oder Wespe liegt deren Erfolgsquote bei über 90 Prozent. Vor dem Erfolg steht aber ein gewisser Aufwand in Form von Injektionen, die in etwa monatlichen Abständen für meist 5 Jahre durchgeführt werden. Andere Maßnahmen wie die Gabe von Antihistaminika (Cetirizin u.a.) vermögen allenfalls den Juckreiz nach einem Stich zu mindern. Auch Cortison stellt keine sichere Therapie dar.

Sollte der allergische Notfall – die Anaphylaxie – eintreten, ist das sog. Notfallset zwingend wichtig. Zentral ist hierbei der Adrenalin-Autoinjektor (AA – Notfallspritze). Nur mit diesem lässt sich eine potentiell tödliche Anaphylaxie sicher behandeln. Der Allergologe klärt im Vorfeld die Frage (Indikation), ob ein solcher AA im Einzelfall sinnvoll ist und weist in die praktische Anwendung ein (Anaphylaxie-Notfallplan_). Die weiteren Medikamente (Cortison, Antihistaminika) sind zweitrangig. Im schweren Notfall setzt ihre Wirkung deutlich zu spät ein. Nur das in den Muskel gespritzte Adrenalin über den AA vermag den Kreislaufkollaps sicher zu verhindern. Und im Zweifelsfall muss sich das der Patient selbst spritzen können.

Zusammen mit der Verschreibung des Notfallsets ist auch eine Instruktion (Anaphylaxie-Training) wichtig. Das betroffene Kind und die Eltern müssen in die Handhabung der Medikamente eingewiesen werden. Das betrifft ggf. auch Personen des weiteren Umfeldes wie Großeltern oder Erzieher- und LehrerInnen. Dadurch werden Ängste im Umgang mit der Spritze abgebaut. Eines muss klar sein: Wenn eine schwere Allergie gegen Insektengift vorliegt, so hilft nur die Adrenalin-Spritze. Dafür muss sie erstens vorhanden sein und zweitens ohne Zögern im Notfall (vom betroffenen Kind oder Jugendlichen oder seinen/ihren Umgebungspersonen) auch angewendet werden. Damit können die ersten 15 Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes sicher überbrückt werden.

Man sich durchaus vorbeugend schützen. Dann sollten folgende Dinge beachtet werden:

  • Im Sommer ist es nicht sinnvoll direkt aus Flaschen oder Getränkedosen zu trinken. Unbemerkt könnten Insekten hineingekrochen sein. Also: Getränke immer abdecken oder verschließen. Die Anwendung von Strohalmen ist hilfreich.
  • Abfall und insbesondere Essensreste /Obstreste sollten aus der näheren Umgebung bald entfernt werden. Also: Den Tisch draußen abräumen, sobald die Mahlzeit beendet ist.
  • Parfüm und andere intensive Gerüche locken – ähnlich die Blüten – Insekten an. Sie sollten also draußen vermieden werden. 
  • Auch helle farbenfrohe Kleidung lockt – wie bei den Blüten – die Insekten an. Also eher gedeckte Farben tragen und keine Blumenmuster. Und am besten Kleidung, die viele Körperpartien verdeckt. 
  • Herumfliegende Insekten nicht schlagen. Sie allenfalls mit langsamen Bewegungen in eine andere Richtung lenken. Bei schwülwarmem Wetter sind Insekten oft aggressiver. Dann ist es meistens besser, sich ins Haus zurückzuziehen. 
  • Nicht barfuß laufen. Auch Sandalen und andere offene Schuhe stellen ein erhöhtes Risiko dar. Das gilt besonders beim Rasenmähen, was Insektengift-Allergiker meiden sollten. 
  • Die Wohnungsfenster sollten mit Fliegengitter versehen sein. Ebenso wichtig ist es, Terrassentüren sofort zu schließen. 

Vogelbeere – rote Verführung

Die Vogelbeere wird oft als giftig angesehen. Das stimmt in den meisten Fällen nicht. Nur in sehr großen Mengen kann sie Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Im Moment präsentiert sie sich an vielen Stellen in der Natur mit ihren apfelförmigen kleinen Beeren, die in engen Trauben zusammenhängen.

Die Beeren sind beliebte Nahrung für Insekten und Vögel, daher die Bezeichnung Vogelbeere. Naturmenschen nennen sie eher EberescheSorbus aucuparia). Da sie sehr weit verbreitet ist, auch in höheren Lagen wächst und in Bezug auf Böden sehr bescheiden ist gibt es noch zahlreiche weitere Namen.

Abbildung 1. Apfelförmige Vogelbeeren der Ebersche mit den typischen Blättern

Pflanze

Die Eberesche ist ein bis zu 15 Meter hoher Baum, dessen unpaarig gefiederte Blätter maximal 20 cm lang werden. Die scharlachroten Früchte enthalten in der Regel 3 rötliche Kerne.

Giftige Inhaltsstoffe

Die frischen Beeren sind schwach giftig. Nach dem Abkochen ist der Gehalt an Parasorbinsäure soweit vermindert, dass bedenklichen Beschwerden nicht möglich sind.

Kritische Dosis und Symptome

Erst bei Einnahme erheblicher Mengen an Beeren kann es zu Übelkeit, Erbrechen ausgelöst durch die Parasorbinsäure.

Auch wenn die Vogelbeere durch ihre leuchtenden Früchte Aufmerksamkeit bei Kindern auslösen kann, lassen diese wegen des uninteressanten Geschmacks bald von den Beeren ab. Die Vogelbeere speilt als Giftpflanze bei Kindern fast keine Rolle.