Kategorie: Krankheitsbilder

Tuberkolose an einer Schule in Karlsruhe: Grund zur Sorge im Ländle?

Um die Antwort gleich vorab zu geben: NEIN, es besteht für die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg kein Grund zur Sorge. Tuberkulose ist eine schlimme Erkrankung und es bleibt wichtig, sie genau im Auge zu behalten. Leider wurde sie nun von vielen Gruppen politisch genutzt um gegen Migranten Stimmung zu machen. Das geben aber die Zahlen überhaupt nicht her.

Bereits im Dezember 2018 konnten Sie im praxisblättle einen Artikel zur Tuberkulose finden, der sich mit den aktuellen Erkrankungszahlen befasst. Neuere Zahlen liegen von Seiten des Robert Koch-Instituts bislang nicht vor.

Die Unterscheidung von Erkrankten und Infizierten ist für viele Nicht-Mediziner verwirrend. Aber für die Betroffenen entscheidend. Wenn Tuberkelbakterien mit einem gesunden Organismus in Kontakt kommen, wird dieser Erreger dort erkannt und der Körper leitet Gegenmaßnahmen ein. Das ganze findet bei völligem Wohlbefinden des Betroffenen statt. Erst eine Laboruntersuchung (IGRA-Test) oder eine Hautreaktion (GT 10) zeigen an, dass eine Infektion stattgefunden haben muss: es handelt sich also um einen Infizierten. Er oder sie ist offensichtlich gesund, aber die Medizin kann nachweisen, dass ein Kontakt zur Tb stattgefunden hat.

Der Erkrankte hat Zeichen einer aktiven Erkrankung. Das kann ein Befall der Lunge sein, der über ein Röntgenbild erfasst wird. Oder, gerade bei Kleinkindern, kann es auch ein Befall von Lymphknoten sein. In diesem Fall bestehen Krankheitszeichen wie Husten, Gewichtsverlust oder Leistungsabfall.

Beide, der Erkrankte wie der Infizierte, benötigen eine Therapie. Sie wird den erkrankten Menschen wieder gesund machen und dem infizierten hilft sie, die Erkrankung nicht zu bekommen. Es ist klar, dass Zahl der Medikamente (bei Tuberkulose sind es zumeist 3 Medikamente parallel) und Dauer der Medikamentengabe sehr unterschiedlich sind.

In Karlsruhe sind laut Pressemitteilung „in der betroffenen Jahrgangsstufe….88 % der Mitschüler infiziert“. Diese sind also nicht erkrankt und brauchen in aller Regel eine medikamentöse Therapie von „nur“ 3-6 Monaten, damit das auch so bleibt. Durch die Untersuchungen an Schülern und Lehrern wurden vier Erkrankte identifiziert. Das ist für die Betroffenen gut, weil sie nun behandelt werden können. Und es ist für sie unangenehm, weil sie ggf. für längere Zeit Medikamente nehmen, isoliert werden müssen und die sozialen Kontakte begrenzt werden.

Kinderkrankheit: Röteln

Gegenüber den anderen Kinderkrankheiten – insbesondere den Masern – sind die Röteln seit Jahren weit weg vom allgemeinen Interesse.

Ausgelöst werden sie durch das Röteln-Virus. Dieses breitet sich durch Tröpfcheninfektion aus. Das kann beim Sprechen passieren, aber deutlich stärker beim Niesen oder Husten oder beim Küssen. Die Ansteckung beginnt beim Infizierten etwa 1 Woche vor Ausbruch des Ausschlags und dauert bis eine Woche nach dessen Abklingen an. Sie geht also über zwei Wochen. Hinzu kommt, dass die Röteln als Krankheit in jedem zweiten Fall nicht erkannt wird. Das Risiko von einem Infizierten angesteckt zu werden ist also enorm hoch und in Schule oder Kindergarten kann man diesem Risiko praktisch nicht entfliehen.

Die Krankheit selbst ist für Kinder kein großes Problem. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen zeigt sich zunächst ein kleinfleckiger Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt. Das erinnert zunächst an Masern, weswegen die Röteln im englischen Sprachraum auch „german measles“ heißen, da sie von einem Deutschen entdeckt wurden. Dieser Ausschlag breitet sich auf die Wangen und schließlich auf den ganzen Körper aus. Die einzelnen Flecken (Effloreszenzen) verschmelzen nicht miteinander. Nach knapp 3 Tagen bildet sich der Ausschlag zurück. Bei vielen Erkrankungen ist er im Übrigen so schwach ausgeprägt, dass eine Erkrankung überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Parallel mit dem Ausschlag treten teils schmerzhafte vergrößerte Lymphknoten im Nackenbereich und hinter den Ohren auf.

Jugendliche müssen häufig mit mehr Symptomen rechnen: Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und entzündete Bindehäute. Besonders bei Frauen können auch Gelenkschwellungen und -schmerzen (Finger/ Hand/ Knie) hinzukommen. Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Beschwerden bei Röteln zu.

Die bei weitem schlimmste Komplikation bei Röteln ist die Rötelnembryopathie. Erkrankt eine Frau in den ersten 12 Schwangerschaftswochen an Röteln, so werden die Viren auf den Embryo übertragen, die in über 60% schwer erkrankt: Augenschäden, Taubheit, Herzfehlern und Hirnschädigungen sind die Folge. Wegen dieser extremen Erkrankung ist es so wichtig, die Röteln auszurotten, obwohl die Erkrankung für Kinder eigentlich ein Klacks ist.

Im klassischen Fall kann die Diagnose von einem Kinder- und Jugendarzt einfach gestellt werden. Häufig ist der Ausschlag aber so diskret oder er wurde überhaupt nicht gesehen, dass die Diagnose nur über Laborwerte gestellt werden kann. In jedem Fall wird die Immunität von Schwangeren immer bestimmt, um das potentielle Risiko für die Rötelnembryopathie sicher auszuschließen. Immerhin 3% aller Frauen haben keinen sicher nachweisbaren Schutz.

Zur Vermeidung der Röteln ist die Impfung die entscheidende Maßnahme. Sie gibt es nun seit fast 40 Jahren. Meist erfolgt die Impfung gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Mumps – sog. MMR-Impfung. Diese Impfung wird im Regelfall zweimal durchgeführt.

Verstopfung beim Säugling

„Mein Baby schreit und kann nicht mehr“. Wenn Säuglinge in der Praxis des Kinder- und Jugendarztes vorgestellt werden deutet dieser Satz schon auf eine Verstopfung hin. Das Kind ist von Krämpfen geplagt und mit ihm seine Eltern.

Von chronischer Verstopfung (medizinisch: Obstipation) sprechen Ärzte, wenn es sich um Beschwerden handelt, die länger als 2 Wochen anhalten. Häufig handelt es sich dabei um eine funktionelle Obstipation. Bei dieser besteht keine organische Auffälligkeit. Vielmehr versucht das Kind aus Angst vor einem schmerzhaften Stuhlgang diesen zu vermeiden. In der Folge staut sich der Stuhlgang im Enddarm. Dadurch wird jedoch das Problem mit dem Schmerz immer grösser. Auslöser für diesen Teufelskreis sind im Säuglingsalter manchmal kleine Einrisse am After oder aber Nahrungsumstellungen, in deren Folge sich die Stuhlkonsistenz ändern kann.

Eine Verstopfung des Säuglings sollte immer eine Untersuchung bei der Kinderärztin/ dem Kinderarzt nach sich ziehen. Nur diese/r kann klären, ob eine organische Ursache in Frage kommt. Hinweise hierfür können beispielsweise Gedeihstörungen oder auch Blutauflagerungen sein. Diese liegen jedoch ausgesprochen selten vor.

In den weitaus meisten Fällen besteht – medizinisch gesehen – kein gravierendes Problem. Es geht dann darum, den Säugling von den starken Schmerzen schnell und möglichst schonend zu befreien: Abführmaßnahmen (medizinisch: Desimpaktion). Um den gestressten Säugling nicht weiter zu belasten, verzichtet man meistens auf die Gabe von Zäpfchen, wie man sie früher in diesen Situationen gerne eingesetzt hat. Heute behandelt die Säuglinge oft oral (also über Arzneien, die als Saft/Lösung gegeben werden können). Hierzu bietet sich Makrogol 400 an, das für Säuglinge ab 6 Monaten als Laxbene© junior im Handel erhältlich ist. Die Dosierung sollte je nach Situation mit der Kinderärztin/ dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Weitere Maßnahmen erfolgen meist parallel: Pflege des Anus (zumeist: weniger cremen), Anpassung der Nahrung und Getränke. Alle diese Umstellungen müssen meist für viele Wochen oder Monate beibehalten werden, bis sich die zuvor bestehenden Probleme zurückgebildet haben. So ist es wichtig, dass der deutlich erweiterte Enddarm wieder seine normal Größe hat, bevor man die Medikamente absetzt. Andernfalls wird die Obstipation häufig zur Achterbahnfahrt, die für Kinder sehr unangenehm und für deren Gesundheit nicht förderlich ist. Gedult ist gefragt – gerade dann, wenn alle Schwierigkeiten gelöst erscheinen.

Kinderkrankheit: Ringelröteln („fünfte Krankheit“)

Eine neuere Kinderkrankheit stellen die Ringelröteln (medizinisch: Erythema infectiosum) dar. Der Ausschlag war schon lange bekannt. Schon vor über 200 Jahren hatte man die Krankheiten mit Ausschlägen gegeneinander abgegrenzt: die Masern (1. Krankheit), Scharlach (2. Krankheit), Röteln (3. Krankheit), Rubeola scarlatinosa („schwacher Scharlach“, 4. Krankheit). In diesem Zusammenhang hat der englische Arzt Clement Dukes diese Krankheit „fünfte Krankheit“ genannt.

Die genaue Beschreibung des Krankheitsbildes gelang erst 1983. Damals konnte belegt werden, dass das zuvor per Zufall entdeckte Parvovirus B19 der Auslöser dieser Krankheit ist.

In vielen Fällen verlaufen die Ringelröteln ohne Symptome und unbemerkt. Im klassischen Fall kommt es zu leichten Symptomen eines Atemwegsinfektes, gefolgt vom typischen Ausschlag: Im Beginn meist stärkere und symmetrische Rötung der Wangen („Ohrfeigenkrankheit“). Später folgt ein zunächst punktartiger Ausschlag (daher der Begriff „….röteln“), dessen Flecken immer größer werden und zuletzt girlandenförmig zusammenfließen ((„Ringel …“). Dieser Hautausschlag ist am besten an den Streckseiten der Oberarme, aber auch an Unterarmen und Oberschenkeln zu sehen. Er kann wenige Stunden, manchmal aber auch viele Tage (und Wochen) andauern. Die Stärke des Ausschlags wechselst häufig und ist bei Sonnenschein oder Erregung in der Regel stärker ausgeprägt. Typischerweise geht es Kindern fast immer gut, Jugendliche können gelegentlich etwas schlapp sein.

Neben dem Ausschlag tritt meist eine sehr milde Blutarmut auf, die sich aber praktisch bei Gesunden nicht auswirkt. Ganz selten treten leichte Gelenkschmerzen auf, die jedoch ohne weitere Behandlung folgenlos abklingen.

Eine Therapie der Ringelröteln ist nicht erforderlich.

Eine Impfung gegen Ringelröteln gibt es nicht.

Die einzig wichtige Problematik ist, dass Ringelröteln – wenn sie bei einer Schwangeren auftreten – auf das werdende Kind übertragen werden können. Dort befällt das Virus die roten Blutkörperchen (was es bei den grösseren Kindern auch macht, aber ohne erkennbare Auswirkungen). Das ungeborene Kind erleidet hierdurch häufig einen deutlichen Verlust an roten Blutkörperchen. Das kann schwere Komplikationen bis zum Tod zur Folge haben. Treten Ringelröteln auf, müssen Schwangere in der Umgebung unbedingt darauf hingewiesen werden. In aller Regel wird dann überprüft, ob sie diese Krankheit bereits durchgemacht haben. Ist dies der Fall, treten keine Probleme auf. Andernfalls muss das weitere Vorgehen individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden.

Kurzes Zungenbändchen: Ursache für Stillprobleme und mehr

Als ich vor fast 30 Jahren in einer Belegabteilung meine erste Vorsorgeuntersuchung U2 durchführte, wurde ich von der Säuglingsschwester auf das Problem des verkürzten Zungenbändchens hingewiesen. In den Jahren zuvor in der Klinik, hatten wir das nie beachtet. Ich lernte, die Kappung des zarten und kaum durchbluteten Bändchens ist sehr einfach und scheint auch fürs Baby schmerzlos zu sein: geübt ausgeführt, schreit kein Säugling.

Beim Schreien ist das kurze Zungenbändchen einfach zu sehen. Das Zungenbändchen selbst ist nicht schmerzhaft. Foto: unbekannt

Aber sollte man das straffe Zungenbändchen wirklich durchtrennen? Die meisten Kinderärzte, die ich kenne, haben das damals genauso abgelehnt wie heute. Vermutlich, weil ein Kinderarzt ungern zur Schere greift und man das Problem für drittrangig hält.

Jetzt ist eine Arbeit aus der Universitäts-Kinderklinik in Freiburg zu diesem Alltagsthema erschienen. Darin beschreiben die Autoren um Sara-Maria Schlatter eine vergleichende Untersuchung, die vor wenigen Jahren in der Klinik stattfand. Sie beobachteten 776 Mutter-Kind-Paare und stellten 345 Kinder mit Stillproblemen den anderen ohne solche gegenüber. Insgesamt wiesen 116 Kinder ein kurzes Zungenbändchen auf, bei 30 von ihnen wurde das Bändchen durchtrennt.

Es zeigte sich, dass 55% der Kinder mit straffem Zungenbändchen Stillprobleme zeigten gegenüber 42% bei den Kindern ohne Zungenbändchen. Für alle Babys mit Stillproblemen war auffällig, dass die Stillzeiten kürzer waren und häufiger das Fläschchen gegeben wurde. Das bedeutet auch, dass deren Mütter deutlich mehr Aufwand hatten. Deswegen verwundert es nicht, dass bei einer Nachbeobachtung zweieinhalb Wochen später 20% der Kinder mit Stillproblemen komplett aufs Fläschchen umgestellt waren. Bei den Kindern ohne Stillprobleme waren es nur 2%.

In der genauen Analyse zeigte sich, dass das Risiko für schwere Stillprobleme bei Kindern mit kurzem Zungenbändchen 2,6 Mal höher war. Die Autoren sehen dies als Beleg dafür, dass das kurze Zungenbändchen ein bedeutsames Stillproblem auslösen kann und schlagen vor, gezielt bei der Vorsorgeuntersuchung U2 alle Säuglinge daraufhin zu untersuchen und das Bändchen ggf. zu durchtrennen.

Damit besteht nun wissenschaftlich fundiert eine klare Begründung für die Durchtrennung des verkürzten Zungenbändchens. Meines Erachtens gibt es jedoch weitere Gründe, die dafür sprechen. Zum einen ist bekannt, dass in der weiteren Entwicklung das Zungenbändchen besser durchblutet und dicker wird. Dadurch kommt es in der Folge häufig zu einen Zahnlücke in der Mitte des Unterkiefers, die nicht dem Schönheitsideal entspricht. Unwichtig? Wohl kaum, wenn man die enormen Behandlungszahlen der Kieferorthopäden betrachtet.

Ein kurzes Zungenbändchen schränkt auch die Beweglichkeit der Zunge mehr oder weniger ein. Das hat nach den vorliegenden Informationen keinen Einfluss auf die Sprache. Wohl aber auf das Zungenspiel beim Küssen. Unwichtig? Das möge jeder selbst für sich beantworten.

Kinderkrankheit: Mumps

Eine der klassischen Kinderkrankheiten ist Mumps, früher auch gerne Ziegenpeter genannt. Typisch für eine Kinderkrankheit ist, dass nach der Erkrankung eine lebenslanger Schutz (Immunität) bestehen bleibt.

Häufigkeit des Mumps im Jahre 2017 nach Datenlage des RKI. Foto: statista.de

Auslöser des Mumps ist das Mumpsvirus, das nur beim Menschen vorkommt. Übertragen wird es als Tröpfcheninfektion, durch direkten körperlichen Kontakt, aber auch indirekt über Gegenstände wie Löffel, die mit dem Virus benetzt sind. Mumpserkrankungen traten früher im Winter oder Frühjahr häufiger auf, kommen inzwischen aber ganzjährig vor. Bei noch nicht ausreichender Durchimpfung tritt Mumps weiterhin in Deutschland mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr auf. In Baden-Württemberg waren bis Anfang Juli 30 Neuerkrankungen gemeldet worden. Damit bleibt die Häufigkeit aufs Jahr gesehen mit knapp 60 Fällen gleich hoch wie in den Jahren zuvor.

Mumps tritt nach einer Inkubationszeit von 2 1/2 Wochen (meist 16-18 Tage) auf und betrifft den ganzen Körper. Auffälligstes Symptom ist die Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), die in 70-80% beidseitig auftritt und 3 bis 8 Tage lang andauert. Bei jedem zehnten Kind sind auch andere Speicheldrüsen betroffen. Diese typischen Symptome betreffen die älteren Kinder. Viele jüngeren Kinder machen die Infektion hingegen durch, ohne dass Krankheitszeichen auftreten: „inapparent“ nennen das die Mediziner. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass mindestens 30-40% aller Infektionen unbemerkt verlaufen.

Wenn jemand an Mumps erkrankt, ist er etwa 2 Tage vor Ausbruch der Erkrankung – also vor Auftreten der Schwellung vor dem Ohr – ansteckend. Die Ansteckung bleibt bis 4 Tage nach Symptombeginn hoch. Insgesamt kann die Ansteckung bereits 7 Tage vor Auftreten der Drüsenschwellung bis 9 Tage danach, also über 14 Tage betragen. Klar ist auch, dass nur die Impfung schützt. Tritt in einer Schulklasse also Mumps auf, haben sich bereits mehrere Kinder angesteckt bevor klar ist, dass es sich um Mumps handelt.

Viele Komplikationen sind beim Mumps möglich. Weitaus am häufigsten sind Komplikationen des zentralen Nervensystems. So kommt es bei bis zu 10% der Erkrankten zu einer aseptischen Meningitis, also einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung. Diese heilt praktisch immer folgenlos aus. Die viel seltenere Hirnentzündung (Enzephalitis) kann in 1.5% auch tödlich verlaufen. Recht typisch ist auch eine Taubheit, die bei 4% der Erkrankten vorkommt. In den meisten Fällen ist sie nur vorübergehend. Auf 20.000 Mumpserkrankungen kommt es in 1 Fall zu einer bleibenden einseitigen Taubheit. In aller Regel zeigen sich alle diese Komplikationen 4-5 Tage nach Auftreten der Ohrdrüsenschwellung.

Von vielen Menschen sehr gefürchtet ist die Entzündung des Hodens (Orchitis). Diese tritt immerhin in 15-30% mit Mumps beim erwachsenen Mann auf und ist bei jedem vierten beidseitig. Die Zeugungsfähigkeit ist meist nicht bedroht, wenngleich die Spermien bei 25% der Betroffenen in der Folge auffällig bleiben. Die erwachsene Frau ist in 30% von einer Entzündung der Brustdrüse betroffen und in 5% von einer Entzündung der Eierstöcke.

Die Diagnose „Mumps“ ist bei typischem Verlauf einfach zu stellen. Manchmal kann die Erkrankung zunächst symptomfrei verlaufen und sich nur über eine der Komplikationen äußern. In diesen Fällen gibt es Laboruntersuchungen, um Mumps als Ursache zu bestätigen.

Eine spezifische Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Bereits erkrankte Kinder und Jugendliche können mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

Wegen der fehlenden Therapie bleibt die Impfung die einzige Option, diese Kinderkrankheit zu verhindern. Die Impfung erfolgt – meist gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Röteln als MMR – in zwei Schritten: Die erste Impfung wird momentan im Alter von 11-14 Monaten empfohlen, die zweite mit 15-23 Monaten bei einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen den beiden Injektionen.

Impfungen in der Schwangerschaft

Die Diskussion über Impfungen ist in Deutschland angekommen. Gut so. Da macht es auch Sinn, einige Überlegungen zu Impfungen in der Schwangerschaft zu diskutieren, die für die besonders gefährdeten jungen Säuglinge bedeutsam sind.

Lange Jahrzehnte waren Impfungen in der Schwangerschaft schlicht tabu. Das war auch sinnvoll, denn es lagen nur spärliche Informationen zu diesem Thema vor. Das hat sich inzwischen geändert. Obwohl weiterhin Impfungen in der Schwangerschaft nur auf’s Nötigste beschränkt werden, gibt es Daten, die Abweichungen davon anregen. Kürzlich hat sich hierzu die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. geäußert.

Tetanus

Eine Impfung gegen Tetanus „in der Schwangerschaft gilt als unbedenklich, sowohl für die Mutter als auch für das neugeborene Kind“, schreibt die Kommission.

Influenza („Grippe“)

Hier schreibt die Kommission, dass „für Schwangere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wegen eines Grundleidens …..die Influenzaimpfung zum Eigenschutz unabhängig von der Schwangerschaftsphase in jedem Trimenon empfohlen“ wird. In vielen Ländern wie der USA und der Schweiz wird die Impfung generell in der Schwangerschaft empfohlen.

Pertussis (Keuchhusten)

Um die steigende Zahl der Keuchhustenfälle im frühen Säuglingsalter zu verhindern, haben die USA und Großbritannien im Jahr 2012 erstmals eine Keuchhustenimpfung für Schwangere eingeführt. Im Wissen, dass die vom Immunsystem der Mutter gebildeten Antikörper (Abwehrstoffe) auf das Baby im Mutterleib übergehen, hoffte man erfolgreich zu sein. Das gelang auch. Dabei wurde eine Schutzrate von 93% für Säuglinge in den ersten beiden Lebensmonaten ermittelt. Neue Untersuchungen aus Kalifornien zeigen darüber hinaus, dass jene Säuglinge, die trotzdem erkranken, einen abgeschwächten Krankheitsverlauf haben.

Die Impfung wird inzwischen in der USA, Großbritannien und der Schweiz angewendet. Bislang steht jedoch noch kein reiner Keuchhustenimpfstoff zur Verfügung. Deswegen wird ein kombinierter Impfstoff (Tdap) verwandt. Für Deutschland liegen noch keine allgemein gültigen Empfehlungen für eine Keuchhusten-Impfung von Schwangeren vor. Jedoch wird seit Jahren empfohlen, dass sich die Umgebung (Familie) vor Geburt eines Säuglings einen sicheren Schutz gegen Keuchhusten aufbauen soll, um dadurch das neugeborene Kind indirekt zu schützen.

Antoine de Saint Exupery. Foto: Patrizio Paolinelli

Somit sind einige felsenfeste Überzeugungen beim Impfen in Bewegung geraten. Dabei kommt einem Antoine de Saint-Exupery in den Sinn: Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Frühzeitiges Training nach Gehirnerschütterung meist sinnvoll

Sport ist gut für die Gesundheit. Aber er ist auch mit Verletzungsrisiken verbunden. In jeder Sportschau ist zu sehen, wie der Schädel beim Kopfball oder Fouls deftige Erschütterungen hinnehmen muss. Im günstigsten Fall sind das einfache Schädelprellungen. Aber gerade auch Fußballer – natürlich noch mehr Boxer – erleiden dabei auch eine Gehirnerschütterung.

In Deutschland sind jedes Jahr – unabhängig vom Auslöser – 70.000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren von Schädel-Hirn-Traumata (SHT) betroffen.

Da die Grenzen zwischen den einzelnen Schweregraden der Verletzung fließend sein können, neigen viele Ärzte im Einzelfall zur Vorsicht. Die früher verordnete strikte Bettruhe von 2 Tagen ist längst verlassen. Aber noch heute gibt es eine große Unsicherheit, wie schnell sportlich aktive Kinder und Jugendliche wieder an körperliche Belastung herangeführt werden sollen.

Eine Studie der State University of New York in Buffalo untersuchte jugendliche Sportler nach einer Gehirnerschütterung. Die eine Hälfte der Betroffenen erhielt – als Placebo – 20-minütiges Stretching täglich, die andere Gruppe ein ebenfalls 20-minütiges aerobes Training. Dabei fanden die Forscher um John J. Leddy heraus, dass die Erholungsphase in der ersten Gruppe (Stretching) nach 17 Tagen abgeschlossen war, während dies bei der aktiven Gruppe schon nach 13 Tagen der Fall war. Darüber hinaus waren in der Stretching-Gruppe nach einem Monat 7 Jugendliche noch nicht beschwerdefrei, während es in der aktiven Gruppe nur 2 waren (was statistisch aber nicht bedeutsam war).

Insgesamt unterstützt die Studie folgendes Vorgehen nach einer Gehirnerschütterung:

  • Schonung nach dem Trauma für 24 bis 48 Stunden.
  • danach langsame Steigerung des körperliches Trainings.
  • bis zur vollständigen Erholung kein Sport mit direktem Körper-Kontakt (wie Fußball, Handball).

Die Maßnahmen sollten immer kinder- und jugendärztlich überwacht werden. Nur so können abweichende Verläufe rechtzeitig erkannt werden.

Malaria

In den Tropen ist weiterhin die Malaria die tödlichste und somit wichtigste Erkrankung, mit der sich Reisende auseinandersetzen müssen. Sie kommt nur in den Tropen vor. Bei dieser Krankheit vermutete man früher, dass sie durch schlechte Luft (mal aria – italienisch: „schlechte Luft“) übertragen würde, wodurch eine Stadt, die sicher frei von Malaria war Buenos Aires (spanisch: „gute Lüfte“) genannt wurde.

Der Malaria ist nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung ausgesetzt. Entsprechend hoch ist die Bedrohung insbesondere für Kinder in den Tropen. 90% der Erkrankungs- und Todesfälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Insgesamt erkranken seit Jahren über 200 Millionen Menschen an einer Malaria. Die Todesfälle betreffen überwiegend Kinder unter 5 Jahren (70%). Im Jahr 2017 sind an der Malaria 435.000 Menschen in 91 Ländern verstorben.

Die Ursache für Malaria sind sog. Plasmodien. Diese Erreger werden durch die tropische Anophelesmücke übertragen. Sie ist nachtaktiv, tagsüber besteht also auch in den Tropen nahezu kein Risiko sich anzustecken. Etwa 10 bis 15 Tage nach dem Stich treten Symptome auf: meist als hohes Fieber (wie bei einer schweren Influenza), Kopfschmerz und Erbrechen. In
Einzelfällen kann aber auch ein schwerer Durchfall das erste Symptom sein. Danach breitet sich die Erkrankung rasch aus.

Die Malaria-Erreger befallen die roten Blutkörperchen, die dabei rasch zerfallen und mit den Abfallprodukten die Entzündung weiter beschleunigen. Im Weiteren kommt es oft zu Störung des Kreislaufes. Das trifft besonders das Gehirn, wo die kleinen Äderchen (Mikrozirkulation) verstopfen, was zu neurologischen Problemen, Koma und schließlich zum Tod führen kann.

In Deutschland wurden bis zum Jahr 2015 etwa 500 – 600 Malaria-Infektionen diagnostiziert. Seit 2015 – teilweise bedingt durch die hohe Anzahl von Geflüchteten – liegt die Zahl konstant bei über 1000 Erkrankungen pro Jahr. Durch die Inkubationszeit von 2 Wochen treten viele Erkrankungen von Reisenden erst bei deren Rückkehr nach Deutschland auf.

Vorbeugung (Expositionsprophylaxe)

Über viele Jahre wurden erfolglos Impfstoffe getestet. Seit April 2019 wird in Malawi ein neuer Impfstoff erstmals beim Menschen getestet, der 30% der Erkrankungen verhindern soll. Unabhängig davon wird aber auch Geimpften geraten, sie wie schon bisher zu schützen. Dabei gilt folgendes Vorgehen:

  • Moskitonetze, am besten mit Insektenschutzmittel imprägniert (z.B. Permethrin):
  • Mückenschutz auf der Haut mit mückenabweisenden Mittel wie DEET in Konzentrationen von 30-50% (z.B. in Nobite® Hautspray, Care Plus®, Anti Brumm forte®) – für Einzelheiten lesen Sie gerne den Beitrag im praxisblättle über Insektenschutzmittel.
  • Fliegengitter im Hotelzimmer (oder noch besser Klimaanlage im geschlossenen Raum).
  • Schutz durch Tragen entsprechender Kleidung (langärmelig,imprägnierte Stoffe), z.B. mit Nobite® Kleidung einsprühen

Chemoprophylaxe

Je nach Reiseland oder Art der Reise ist für viele Länder neben der Expositionsprophylaxe (Moskitonetz, Mückenschutz) zusätzlich auch eine Prophylaxe durch Medikamente erforderlich, falls es trotz Mückenschutz zu einem Stichereignis kommen sollte. Eine Liste der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) gibt hier eine erste Orientierung. Ein Gespräch mit einem Reise- oder Tropenmediziner ist jedoch vor einer Reise in die Tropen dringend zu empfehlen.

Alle Maßnahmen sollten vor jeder Reise in eine tropisches Land eingehend mit einem erfahrenen Arzt (z.B. Reisemediziner) individuell abgesprochen werden. Je nach bereistem Land, aktueller Gefährdungslage und der persönlichen Gesundheitssituation sind die Empfehlungen unterschiedlich. In den letzten Jahrzehnten traten schwere Verläufe von Malaria in Deutschland praktisch nur bei Reisenden auf, die diese Regeln missachtet haben. Dabei sollte immer beachtet werden, dass trotz erheblicher Anstrengungen (Melinda und Bill Gates-Stiftung) auch heute noch über 200 Millionen Menschen weltweit pro Jahr erkranken und hast eine halbe Million Menschen daran versterben

Detaillierte Informationen finden sich in der Broschüre der DTG (Stand Mai 2018).

Käse im Kleinkindesalter schützt vor Neurodermitis

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung. Häufig beginnt sie bereits im Säuglingsalter und ist wegen ihres typischen Juckreizes eine schwere Belastung für das betroffene Kind und seine Eltern. Wegen der vielschichtigen Ursachen ist eine hilfreiche Therapie eine große und wichtige Herausforderung.

Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass die Umgebung vor und nach Geburt einen bedeutenden Einfluss auf die Neurodermitis – oder atopische Dermatitis (AD) wie wir Mediziner sagen – hat. Dazu zählt auch der Ort, an dem Kinder aufwachsen. Als günstig hat sich das Leben auf dem Bauernhof erwiesen mit engem Kontakt zu Tieren und Konsum von Milchprodukten.

Eine wichtige Studie in der Erforschung der allergischen Erkrankungen von Kindern ist die PASTURE study, die seit 2002 Kinder aus ländlichen Regionen in Europa (Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, Schweiz) fortlaufend untersucht, um das Risiko für eine atopische Dermatitis (AD) besser zu verstehen. Im Rahmen dieser Studie wurden 931 Kinder von Geburt bis zum Alter von 6 Jahren beobachtet in Bezug auf den Konsum von Käse.

Dabei zeigte sich, dass der Verzehr von Käse im Alter von 18 Monaten einen schützenden Effekt in Bezug auf das Auftreten einer Neurodermitis hatte. Das Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankung war für Kinder, die Käse gegessen hatten um 36% geringer als bei denen die keinen Käse aßen. Gerade Kinder, die verschiedene Käse aßen (das galt insbesondere für die französischen Kinder) hatten einen besonders guten Effekt. In aller Regel wurde Käse 1 bis 6 Mal pro Woche verzehrt.

Der Käsekonsum verringerte auch das Risiko für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie um fast 50%. Es zeigte sich auch eine günstige Tendenz in Bezug auf die Entwicklung von Asthma und Heuschnupfen. Der Effekt war aber statistisch nicht eindeutig.

Die PASTURE – Studie belegt also, dass der Verzehr von Käse im Alter von etwa 18 Monaten günstig ist, um die Entwicklung von Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie zu verhindern.