Kategorie: Krankheitsbilder

Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

HPV-Impfung – Krebs vermeiden!

Bisher läuft diese Impfung unter dem sperrigen Namen „Gebärmutterhalskrebsimpfung“. Schwer auszusprechen und mühsam fehlerfrei zu schreiben. Nebenbei ist das Wort auch nicht korrekt. Denn die genannte Impfung hilft gegen Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs, Analkrebs, Peniskrebs, Zungen-/Rachen-/Halskrebs. Und Gebärmutterhalskrebs und Peniskrebs schließen sich sicher aus. Was nun?

Wir Mediziner nennen diese Impfung HPV-Impfung. Humanes (menschlich) – Papilloma (warzenartiger Tumor) –Virus. Von diesen HP-Viren gibt es viele Untertypen, 12 davon sind mit einem hohen Risiko verbunden nach Jahrzehnten zu bösartigen Tumoren zu führen. Die Übertragung ist fast ausschließlich sexuell über Haut oder Schleimhäute. Oft findet die Infektion in den ersten Jahren sexueller Aktivität statt. Sie betrifft immerhin 80% aller Menschen.

Oft kommen Informationen über Impfstoffe von Impfstoffherstellern (Pharmafirmen). Das hinterlässt ein Gschmäckle. Bei diesem Impfstoff gegen HP-Viren liegt nun ein unabhängiger und informativer Flyer des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte vor. Verständlich in der Sprache und klar klärt er über den Sinn und mögliche Risiken dieser Impfung auf. Er sei allen empfohlen, die sich über diese wichtige Chance, Krebs zu verhindern informieren wollen.

Pneumokokkenimpfung – Hilft sie meinem Baby?

Nach der Geburt müssen Eltern in kurzer Zeit viele Dinge entscheiden. Wir Kinder- und Jugendärzte sind uns dessen bewusst, dass gerade bei der Vorsorgeuntersuchung U3 im Alter von 3 – 6 Wochen enorm viele Entscheidungen anstehen. Diese betreffen Fragen der Ernährung, des Schlafrhythmus, der Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes und ……. der Impfungen.

Abbildung von Pneumokokken (rot dargestellt) im Elektronenmikroskop. Foto: TU Braunschweig

Den Tetanuserreger, ja den kennen alle Eltern. Aber Pneumokokken? Das sind auch Bakterien, die als semmelförmiges Pärchen – sog. Diplokokken – auftreten. Das Besondere an ihnen ist, dass sich die Pneumokokken (medizinisch korrekt: Strepotococcus pneumoniae) durch eine dicke Kapsel sehr gut gegen Angriffe von Antibiotika und des Immunsystems wehren können. Und dass es von ihnen nahezu 100 Varianten (sog. Serotypen) gibt. Pneumokokken kommen im Rachen vor und machen meistens nichts. Sie können sich aber durch Vermehrung ausbreiten und zu Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen führen. Besonders gefürchtet sind die invasiven Erkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD). Hierbei dringen die Erreger in sterile Räume des Körpers ein und führen zu schwersten Erkrankungen: Blutvergiftung (medizinisch: Sepsis) und Hirnhautentzündungen (medizinisch: Meningitis). Bei diesen Erkrankungen zeigen sie eine besondere Schwere des Verlaufs, besonders für Kinder in den ersten Lebensjahren und ältere Menschen ab 60 Jahren. 

Seit Jahrzehnten wurde versucht, diesem teilweise schrecklichen Erreger mit Impfungen entgegenzutreten. Dabei zeigte sich, dass der eine Impfstoff (Polysacharidimpfstoff– PPSV23) bei Kindern nahezu bedeutungslos und nicht half, diese IPDs – also die schweren Erkrankungen – zu verhindern. Um die Jahrtausendwende wurde ein neuartiger konjugierter Impfstoff (PCV-7) entwickelt, der erfolgreich seit 2006 allen Kindern unter 2 Jahren Lebensalter empfohlen wird. Die Entwicklung ging seither weiter. Nachdem zunächst nur 7 Serotypen im Impfstoff vertreten waren, sind es inzwischen 13 (PCV-13).

Inzwischen liegt eine Untersuchung von Raphael Weinberger (LMU München) und Mitarbeitern vor, die den Nutzen dieser Maßnahme untersucht haben. Es zeigte sich, dass gegenüber den Jahren vor Einführung der Pneumokkenimpfungen für Kinder unter 2 Jahren (2016) die Zahl der invasiven und schweren Erkrankungen an Pneumokokken (IPD) etwa um die Hälfte abgenommen haben. Die schwierige Frage bleibt, ob andere Serotypen – die nicht im Impfstoff enthalten sind – im Gegenzug in den nächsten Jahren mehr an Bedeutung gewinnen.

Im Moment kann also mit der Impfung gegen Pneumokokken in den ersten zwei Lebensjahren die Hälfte der schweren Infektionen (Blutvergiftung, Hirnhautentzündung) verhindert werden. Ein klare Empfehlung. Aufgabe der Medizin wird es sein, die künftige Entwicklung der Pneumokokken gut im Auge zu behalten, damit der momentan gute Schutz auch in Zukunft noch erreicht wird.

Schlafstörungen im Kindesalter

Viele Menschen klagen über einen schlechten Schlaf, wenn man sie morgens direkt danach fragt. Dass auch Kinder und Jugendliche davon betroffen sein können, ist deutlich weniger bekannt. Kinder mögen sich manchmal schlecht fühlen, sie jammern oder zicken herum. Warum sie das machen, bleibt ihnen selbst und der Umgebung aber oft unklar. Gerade kleine Kinder nehmen den schlechten Schlaf nicht so deutlich wahr, weil sie meist keine Vergleichsmöglichkeit haben und auch sprachlich oft nicht in der Lage sind, ihr Empfinden zu beschreiben. Dazu braucht es häufig den Kinder- und Jugendarzt, der einen ersten Verdacht hat und Experten zu Rate ziehen kann.

Abbildung 1. Schlafdauer in Abhängigkeit vom Alter (nach Iglowstein, 2003). Foto: Schlarb, Universität Bielefeld

Zunächst stellt sich die Frage: Wie lange schläft ein Kind? Das ist altersabhängig und recht gut erforscht. Wie die nebenstehende Graphik (Abbildung 1) zeigt, gibt es gerade bei Säuglingen und Kleinkindern sehr große Unterschiede in Bezug auf die Schlafdauer. Im Alter von 6 Lebensmonaten ist beispielsweise eine Schlafdauer von 8.8 Stunden am Tag ebenso noch normal, wie eine von 13.2 Stunden.

Abbildung 2. Einschlaf- und Durchschlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit vom Alter. Foto: Schlarb, Universität Bielefeld

Schlafstörungen können sich als Einschlaf- und/oder Durchschlafstörungen zeigen. Diese sind im Kindesalter nicht so selten, wie man zunächst vermuten würde (siehe Abbildung 2). Säuglinge sind besonders betroffen und Jugendliche auch, wie Frau Prof. Dr. Schlarb aus Bielefeld beim Kongress der deutschen Kinderärzte (DGKJ) in Leipzig betonte.

Hinweise auf Schlafstörungen können gerade bei grösseren Kindern und Jugendlichen vom Patienten selbst kommen. Ansonsten können Tagesmüdigkeit, Lustlosigkeit, aber auch Unruhe und Konzentrationsstörungen auf die Diagnose hinweisen. Sogar aggressives Verhalten kann ein Hinweis auf chronischen Schlafmangel sein. Ein Schlafprotokoll, die eingehende Untersuchung durch den Kinder- und Jugendarzt sowie in Einzelfällen spezielle Untersuchungen wie die Polysomnographie sind in der Lage, die zugrunde liegende Problematik zu klären. Dabei kommen als Ursache psychische Belastungen häufig vor, aber auch obstruktive Störungen der Atmung mit und ohne Schnarchen (Schlafapnoe-Syndrom) und Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel u.a.).

Eine zentrale Ursache für Schlafstörungen unter Jugendlichen stellt das Smartphone dar. So zeigte eine Studie von A. Schweizer und Kollegen aus Lausanne (Schweiz) im letzten Jahr, dass Kinder, die ein Smartphone erhalten in der Folge weniger schlafen und mehr Schlafprobleme haben. Klar ist, Jugendliche müssen heute nahezu ein Smartphone haben, um in der Peer-Group dazu zu gehören (über die verschiedenen „sozialen“ Medien). Aber es ist für sie auch wichtig, den Umgang mit diesem Gerät zu lernen und dabei auf die Hilfe der Eltern setzen zu können. Auch wenn dann der Satz fällt „Mama/ Papa du nervst“. Gelegentlich ist das eben ein Teil elterlicher Fürsorge.

Manchmal sind es gut bekannte Faktoren, die zu Schlafstörungen führen. Diese sollten soweit möglich vermieden werden:

  • Elektronischer Medienkonsum (TV, Smartphone, Internet, Spielekonsolen), besonders in den Stunden vor dem Zubettgehen. Dabei ist auch das Blaulicht ein weiterer störender Faktor, der soweit möglich ausgeschaltet werden sollte.
  • Anregende Getränke / Genussmittel: Kaffee, Schwarztee, Energy-Drinks, Alkohol, schwarze Schokolade
  • Umgebungsfaktoren: Hitze, Kälte, Lärm, Nässe
  • Stress, Hektik, Streit, Schlaf erzwingen wollen, Prüfungen
  • zu hohe Anspannung vor dem Schlaf (Sport, Krimi u.ä.)
  • zu langer Tagesschlaf

Günstig hingegen sind folgende Maßnahmen:

  • keine technischen Medien im Schlafzimmer
  • ab 15 Uhr keine anregenden Getränke oder Genussmittel
  • Dunkler, gut temperierter (um die 16 Grad) und ruhiger Schlafraum
  • ruhige Tätigkeiten in den letzten 2 Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen
  • Nap (oft „powernap“ genannt) tagsüber, aber unter 20 Minuten Dauer

Es liegt was in der Luft …. Feinstaub trifft alle, besonders die Kinder!

Luft wird nur durch Belastungen wie etwa Rauch oder Sand sichtbar. Aber schon die unsichtbare Luft enthält oft Stoffe, die die Gesundheit aller Menschen massiv belasten können. Die Affäre um Dieselautos hat dies nochmals gezeigt. Obwohl es hierbei mehr um den vertuschten Betrug als um die Belastung für die Gesundheit ging.

Es gibt zunehmende Belastungen für die Gesundheit aller Menschen. Sie treffen ganz besonders die jungen Menschen. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) hat für das Jahr 2015 berechnet, dass weltweit eine Million Kinder im Alter unter 5 Jahren an einer Infektion der unteren Atemwege (LRI) verstorben sind. Zu diesen Infektionen gehören neben der Lungenentzündung auch die Verengungen der kleinsten Atemwege (Bronchiolitis) und Asthma bronchiale.

Abbildung 1. Sterblichkeit durch die Umwelt-Luft-Belastungen weltweit. Je dunkler eine Region gezeichnet ist, umso höher (jeweils bezogen auf 1000 qkm Fläche) ist die Zahl der Todesfälle, die über weltweiten den Durchschnitt hinausgehen. Foto: The Lancet

In einem Atmosphärenchemiemodell haben kürzlich die drei Forscher Jos Lelieveld, Andy Haines und Andrea Pozzer aus Mainz und London nun berechnet, welchen Einfluss die Umweltbelastungen auf die Gesundheit weltweit haben. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der angesehenen medizinischen Zeitschrift The Lancet veröffentlicht. Die wesentlichen Bedrohungen für Erkrankung und Tod gehen vom Ozon und ganz besonders vom Feinstaub aus. Bei letzterem sind vorwiegend die Teilchen bedeutsam, die extrem klein sind (Durchmesser bis maximal 2.5 µm – PM2.5) und die somit bis in die tiefen Atemwege gelangen können. Dort, im empfindlichsten Teil der Lunge, können sie bedeutsame Schäden anrichten.

Sie fanden heraus, dass im Jahre 2015 weltweit 237.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren an den Folgen der Feinstaubbelastung mit nachfolgenden unteren Atemwegsinfektionen (LRI) verstarben. Davon 107.000 im dicht besiedelten Asien und 128.000 in Afrika. Diese Todesfälle durch Feinstaubbelastung für die Atemwege sind weltweit für 18% des Verlusts an Lebenserwartung verantwortlich.

Sind unsere Kinder nun diesen Gefahren immer schutzlos ausgesetzt? Die Autoren betonen in diesem Zusammenhang, dass sehr wohl Besserung möglich ist. In Bezug auf die besonders Armen aber nur durch eine Mischung von drei Maßnahmen:

  1. massive Reduktion der Feinstaubbelastung
  2. Bekämpfung des Hungers, der die Abwehr des Körpers gegen vielfältige Belastungen – auch Infektionen –  herabsetze
  3. gezielte Behandlung umweltbezogener Gesundheitsstörungen

Dass dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt, zeigt die momentane Belastung mit Feinstaub. Weltweit stieg die Belastung mit PM2.5 von 40.5 µg/m3 seit dem Jahr 2010 auf 44.0 µg/m3 im Jahre 2015 – also in nur fünf Jahren. Auf welch dramatischem Niveau wir uns bereits bewegen zeigt die Einschätzung der WHO. Sie sieht alle Werte über 10 µg/m3 als kritisch an, der unbedenkliche Schwellenwert liegt bei 2.4 µg/m3. Weltweit liegt der Feinstaubwert momentan also beim 18-fachen des Unbedenklichen.

Abbildung 2. Quellen der Umweltbelastungen für Todesfälle. Die Prozentzahlen geben den Anteil des Umweltschädigers an den Todesfällen an Foto: The Lancet

Die Luftbelastungen sind je nach Land sehr unterschiedlich, wie die nebenstehende Abbildung für die USA und Indien zeigt. So ist die Hauptquelle für die Umweltbelastung in Indien der Energieaufwand im Wohnbereich (Kochen und Heizen), der in den USA relativ deutlich geringer ist. Umgekehrt wirken sich in den USA Landwirtschaft und Verkehr stärker aus.

Abbildung 3. Erhöhung der Sterberate bezogen auf 1000 Kinder unter dem Alter von 5 Jahren pro Jahr. Foto: The Lancet

Aus den spezifischen Belastungen einzelner Länder folgen auch unterschiedliche Risiken für die Kinder. Weltweit sterben auf 1000 Kinder pro Jahr 0.37 Kinder unter 5 Jahren. Die Graphik rechts – entnommen der zitierten Studie – zeigt, welche Sterblichkeit durch die Luftbelastung in den verschiedenen Ländern für Kinder im Alter unter 5 Jahren hinzukommt. Die ersten acht Plätze belegen Länder aus Afrika unter all den armen Ländern. Wer unter 5 Jahre alt ist und arm, leidet unter der Umweltbelastung am meisten.

Die Umweltbelastung mit Feinstaub hat auch erhebliche Folgen für Erwachsene: Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenkrebs sind die wichtigsten. Durch die Erwachsenen erhöht sich die Zahl der Opfer von Feinstaub um nochmals mehr als 4 Millionen Menschen jährlich.

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten. Und, wie die Untersuchung zeigt, hat unser Verhalten in vieler Hinsicht Folgen für Menschen, die wir nicht kennen und die weit weg von uns leben. Grund genug, im Kleinen zu beginnen, die Umweltbelastung zu begrenzen. Ein Fahrrad kann beispielsweise auch ohne Sonnenschein benutzt werden.

Migräne – eine neuer Trend für Kinder und Jugendliche?

Kopfschmerzen kommen bei Kindern mit zunehmendem Alter häufiger vor. Sie können verschiedene Ursachen haben. Deswegen steht an erster Stelle eine Vorstellung beim Kinderarzt, der mit Erfragung der Symptome und einer körperlichen Untersuchung die Krankheitsbilder eingrenzen kann.

Es ist inzwischen  unstrittig, dass der Alltag heute durch Internet und Smartphone aktiver geworden ist. Für viele Kinder und Jugendliche ist es mit Stress verbunden, den Ansprüchen von Schule, Eltern, Freunden und weiterer Umgebung gerecht zu werden. Phasen von Langeweile gibt es kaum noch, sie müssen immer präsent sein. Angespannt. Spannungskopfschmerzen sind dadurch sehr häufig und ein Signal des Körpers, dass eine Überforderung – welcher Art auch immer – vorliegt. Diese Erfahrung machen weit mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Migräne ist aber etwas anderes. Die Migräne gehört zu den chronischen Schmerzerkrankungen mit deutlichem genetischen Einfluss. Das zeigen Zwillingsstudien ebenso, wie das Gespräch mit den betroffenen Familien. Welche Symptome treten bei der kindlichen Migräne auf?

  • Starke, oft pulsierende Kopfschmerzen, die rasch zunehmen und das Kind und den Jugendlichen so beeinträchtigen, dass Spiel oder Arbeit meist unterbrochen werden.
  • Einseitige Schmerzen sind typisch, beidseitige Schmerzen sind jedoch auch nicht selten.
  • Begleiterscheinungen wie Erbrechen und Übelkeit sind bei Kindern häufig.
  • Bei Jugendlichen tritt die Lärm- und Lichtempfindlichkeit wie bei Erwachsenen häufiger auf.
  • Manche Kinder erleben – ebenso wie Erwachsene – eine Aura. Diese Vorboten treten in aller Regel vor den Schmerz auf und zeigen sich als Flimmersehen oder auch plötzlicher Sehverlust (meist einseitig), aber auch als Gefühlsstörungen in den Armen oder phantastischen Bildern. 
  • Nach Abschirmung schlafen viele Kinder und Jugendliche ein und erwachen danach meist schmerzfrei.
  • Die Dauer der Attacken liegt bei ein bis drei Stunden, kann aber auch deutlich länger anhalten.

Je nach Häufigkeit – die sehr unterschiedlich ist – ist die Migräne nicht nur wegen der schrecklichen Schmerzen ein Problem. Sie kann auch das soziale Leben einschränken, wenn die Häufigkeit der Migräne zu zunehmenden Schulfehltagen führt.

Abbildung 1. Zunahme der Migräne auf der Grundlage der Daten der KIGG-Studie. Foto: Robert Schlacks, BVKJ Berlin, 2017

In der KIGG-Studie – die beispielsweise auch zu Fragen von Süßgetränken aktuelle Informationen für Deutschland präsentierte – wurde auch die Frage chronischer Schmerzen untersucht. Dabei zeigte sich, dass der bekannte Trend zur Zunahme der Migräne weiter anhält. Wie Abbildung 1 verdeutlicht, zeigt sich im Zeitraum von nur 6 Jahren ein deutlicher Anstieg der Migräne über alle Altersgruppen, massiv vermehrt aber unter Jugendlichen. Der Autor der Graphik hat die sich ergebenden Fragen gleich formuliert: Schlafdauer? Medienkonsum? Sitzende Tätigkeiten?

Alle Kinder und Jugendlichen, die unter immer wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden, sollten ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen, um Klarheit über die Bedeutung der Schmerzen zu bekommen. Bis dahin gelten folgende Grundsätze:

  • Schmerzmittel sind in aller Regel keine Lösung und sollten nicht eingesetzt werden – also keine Selbstbehandlung 
  • Ein regelmäßiger Lebensrhythmus mit ausreichendem Schlaf ist günstig.
  • Die Nutzung von Medien (Internet, Spielekonsolen, Smartphone) sollte vom betroffenen Kind und Jugendlichen selbst beschränkt werden. Flimmernde Bilder und auch das Blaulicht strengen das Gehirn zusätzlich an. 

Plötzlicher unerklärter Säuglingstod

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein besonderer Glücksmoment im Leben. Doch diesem speziellen Tag folgten in der Geschichte der Menschheit vermutlich immer Perioden, die Eltern sehr belasteten. Früher – und heute noch in vielen Ländern Afrikas – kam die Sorge, ob das Kind angesichts von Not und Hunger die ersten Wochen und Monate überleben würde. Im Herzen Europas von heute müssen Eltern fürchten, dass ihr strahlendes Neugeborenes vielleicht am plötzlichen Kindstod sterben muss.

Der plötzliche Kindstod, oft auch SIDS (sudden infant death syndrom) genannt, ist in den vergangenen Jahrzehnten tief im Bewusstsein von Eltern verankert worden. Mit der Aufklärung wollten Mediziner dazu betragen, dass die Häufigkeit dieses heimtückischen Todes schnell gesenkt würde. Heute wird der Begriff SUDI (sudden unexpected death in infancy) verwendet, der auf die Unerklärlichkeit dieses Todes hinweist. Bis heute gibt es keine einfache und schlüssige Erklärung. Es ist zu vermuten, dass viele Faktoren zusammenwirken.

Abbildung 1. SIDS-Daten von 1979 bis 2017 aus Hamburg . Foto Jan P. Sperhake, DGKJ Leipzig 2018

Ganz wichtig ist aber zu wissen, dass die Häufigkeit dieses schrecklichen Todes massiv zurückgegangen ist, seit sich die Medizin intensiv damit auseinandersetzte. Die Daten aus Hamburg sind besonders aussagekräftig, weil dort am UKE (Universitätsklinikum Eppendorf) die Daten aller Todesfälle des Stadtstaates erfasst werden. Wie die nebenstehende Abbildung (Abb. 1) zeigt, ging die Häufigkeit des SUDI von 1979 bis 2017 von etwa 2.5 Todesfällen auf 1000 Neugeborene auf unter 0.25 Todesfälle zurück. Ein riesiger Erfolg!

Was hat dazu geführt? In den letzten 30 Jahren wurden zum einen Risikofaktoren für das Auftreten des plötzlichen Säuglingstodes identifiziert und – noch wichtiger – den Eltern vermittelt. Diese haben die Hinweise dann auch mehrheitlich umgesetzt, was eine riesige Leistung ist. Aus heutiger Sicht sind folgende Risikofaktoren besonders wichtig. Vermieden werden sollte:

  • Bauchlage (und Seitenlage) als Schlafposition.
  • Rauchen während der Schwangerschaft ….
  • …. und in der Umgebung des Kindes
  • Isolierende Kleidung, Bedeckung, Decken, Kissen.
  • „Bed-sharing“ (siehe im nächsten Abschnitt)
  • Nicht-Stillen

Abbildung 2. „The Family Bed“. Foto: amason.com

In den letzten Jahren ist das Bed-sharing vielen Eltern wichtig geworden: Die Eltern schlafen im gleichen Bett wie ihre Kinder. Das wurde vor 100 Jahren aus Not (Familien hatten meist nur ein einziges Bett) und vor 50 Jahren aus Überzeugung gemacht, wie das nebenstehende Buch verdeutlicht. Heute ist unstrittig, dass das Bed-sharing für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten am gefährlichsten ist: Je nach Studie liegt das Risiko für plötzlichen Säuglingstod 9-12 x höher! Danach sinkt es deutlich ab. Aus dieser Sicht empfehlen die Kinder- und Jugendärzte, den Säugling in seinem eigenen Bettchen im Schlafzimmer der Eltern zu haben und außer morgens zum Kuscheln, nicht ins Elternbett zu holen.

Der plötzliche Säuglingstod ist weiterhin ein enormes Risiko für Kinder in den ersten Lebensmonaten. Bei Beachtung einiger Faktoren, lässt sich dieses Risiko um über 90% absenken.

Kinderkrankheit Windpocken – es juckt so schrecklich

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten:
Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten, steckten sie sich schnell an. Diese Infektionskrankheiten traten somit sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die viele Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr mit diesem Virus. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-
Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos.

Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.
Die Windpocken haben das Wort „Wind“ in ihrem Namen, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem „Wind“ über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich.

Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach
unten (siehe Bild rechts mit dem typischen „Sternhimmelmuster“). Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei
von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten. In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale
Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen) angewandt, um den Juckreiz weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen, die eine Immunschwäche haben. Für diese kann die Windpockenerkrankung lebensgefährlich sein. Aus Fairness sollten also folgende Regeln für die Zeit der Ansteckung gelten:

  • Kein Kontakt zu Schwangeren. Das betrifft ganz besonders Schwangere, die kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen. Das Risiko für das Neugeborene an der Infektion zu sterben ist enorm.
  • Immungeschwächte wie Menschen unter Chemotherapie oder mit schweren Immundefekten
  • Alle Krankenhauspatienten. An Windpocken Erkrankte sollten niemals ein Krankenhaus aufsuchen, sofern dies nicht aus medizinischen Gründen notwendig ist und das Krankenhaus über die Erkrankung informiert ist. 
  • Alle Orte, an denen sich Risikopersonen (wie Immungeschwächte) aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr müssen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je
jünger die Kinder erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinder- und Jugendärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von
etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Zahnpflege: in Deutschland sehr erfolgreich

In der Zeitschrift brandeins wurde im Jahr 2013 berichtet, dass die Zahl der Menschen, die ein Handy besitzen geschätzt 4 Milliarden seien. Aber nur 3,5 Milliarden Menschen besitzen eine Zahnbürste. Heute gibt es fast doppelt so viele (7.5 Milliarden) Mobilfunkverträge weltweit, die Zahl der Zahnbürsten hat sich vermutlich nicht verdoppelt.

Alle Kinder in Deutschland erfahren schon früh, warum Zähneputzen so wichtig ist. Karius und Baktus gehen auf einen norwegischen Film aus dem Jahre 1954 zurück und jedes Kind hat davon gehört. Daneben kommen seit Jahrzehnten Zahnärzte in den Kindergarten, um Kinder für das Thema zu gewinnen.

Die Häufigkeit der frühkindlichen Karies hatte sich zunächst verbessert, stagniert aber seit der Jahrtausendwende wieder. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (letzte Version von 2015) liegt sie für das Milchgebiss bei 7% bis 20%. Hauptursache ist die Saugerflasche-Karies. Nicht statistisch erfasst ist der Gebrauch der Zahnbürste, der in dieser Altersgruppe weiterhin zu gering ist.

Die Karies ab dem Schulalter wird immer seltener. Das belegt der Verlauf des DMF-T-Wertes. Dieser beschreibt die Zahl der kariös zerstörten Zahnflächen (»D« – englisch: decayed), der wegen Karies fehlenden, gezogenen Zähne (»M« – englisch: missing) und die wegen Karies gefüllten Zähne (»F« englisch – filled). Über die letzten Jahrzehnte hat sich dieser weiter vebessert und liegt nun mit einem Wert vom 0.5 auf Platz 1 der G7-Staaten. 81.3% der deutschen Kinder sind komplett kariesfrei. Das sind prima Zahlen, die in den kommenden Jahren gehalten werden sollten.

Was können Eltern unternehmen?

  • Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollten die Zähne regelmässig nach der KAI-Methode geputzt werden; Kaufläche – Außen – Innen. Zahnärzte empfehlen sehr wenig fluoridhaltige Kinderzahnpasta (Fluorid max. 500 ppm) abends vor dem Schlafengehen.
  • Das Gebiss braucht Ruhephasen. Dem Kind sollten nur in Ausnahmefällen Lutscher/ Brezel/ Apfel angeboten werden. Sinnvoll sind bei Kleinkindern eher 5 strukturierte Mahlzeiten
  • Die nächtliche Milchflasche sollte möglichst früh verlassen werden. Viele Kinder trinken schon nach dem ersten Geburtstag lieber aus einer Tasse.
  • Karies wird durch Mutans-Streptokokken unterhalten. Diese Bakterien werden von betroffenen Erwachsenen auf die Kinder übertragen. Deswegen sind sowohl Küsse auf den Mund des Kindes wie auch das Ablecken von Löffeln/ Schnuller sehr problematisch.

Folgen von Karies?

Karies hat nicht nur Folgen für die unmittelbare Zahngesundheit sondern auch für den übrigen Körper. Karies stellt ein wichtiges Risiko für das Auftreten von Schlaganfall, Diabetes mellitus, aber auch Rheuma dar. Wer heute auf die Vorbeugung von Karies achtet, leistet einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit seiner Kinder im Alter.

Hier kann man sich in Geduld üben: Dellwarzen

Dellwarzen sind ein lästiges Problem besonders im Schulalter. Es betrifft etwa jedes zehnte Kind. Die schlechte Nachricht: Dellwarzen neigen dazu sich auf der Haut auszubreiten. Die gute Nachricht: sie verschwinden wieder alleine, man muss nur genügend Geduld haben.

Ausgelöst werden die Dellwarzen (Molluscum contagiosum) durch ein DNA-Virus, das den Pockenviren ähnlich ist. Dieses Virus führt zur Ausbildung von kleinen Knoten (Papeln), die in der Mitte eingedellt sind. Daher der Name Dellwarze. Die Übertragung erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt. Da sich der Befall mit diesen Warzen ganz oberflächlich abspielt, kommt es nicht zu einer generellen Immunantwort.

Die Dellwarzen betreffen Kinder sowie Jugendliche und im geringeren Ausmaß auch einmal Erwachsene. Am häufigsten sind sie im Alter von 4 bis 8 Jahren zu beobachten. Man geht davon aus, dass kleine Hauteinrisse die Infektion mit dem Dellwarzen-Virus begünstigen. Insofern verwundert es nicht, dass Kinder mit trockener Haut und ganz besonders Kinder mit Neurodermitis betroffen sind.

Therapie

Eine gute Therapie gibt es nicht. Die beste Therapie heißt abwarten. Denn die Dellwarzen verschwinden immer von alleine, was im Schnitt aber ein Jahr dauert. In glücklichen Fällen sind sie auch schon nach einem Monat weg, bei anderen dauert es aber auch 3 Jahre. Deswegen ist der Druck für den Arzt etwas zu tun häufig sehr groß. Kinder selbst sind wenig gestört, allenfalls von etwas Juckreiz.

Da die Therapie so schwierig ist, gibt es ein riesiges Angebot an Therapien oder solchen die vorgeben zu helfen, aber Eltern nur beschäftigt halten. Der Klassiker ist die Curettage. Dabei wir mit einer scharfen Schlinge die Dellwarzen herausgekratzt. Das sieht immer nach einer Dauerlösung aus, aber selbst bei dieser Therapie ist der Erfolg maximal bei 50% und jeder zweite bekommt einen erneuten Schub mit den Warzen. Ähnliches gilt für die Lasertherapie. Bis zu 6 Monaten nach Entfernung von Dellwarzen, können wieder neue auftauchen. Erst danach kann man sich einer erfolgreichen Therapie sicher sein.

Die übrigen Therapien haben ebenfalls ihre Grenzen, wie eine Übersichtsarbeit von J.C. van der Wouden und Mitarbeitern aus Amsterdam im letzten Jahr zeigte. Einzelheiten sind im Abstract beschrieben.

Vorbeugende Maßnahmen

Wie beschrieben sind Körperkontakte und trockene Haut die zwei wichtigsten Risikofaktoren, Dellwarzen zu bekommen. Mit einfachen Maßnahmen kann man dem entgegenwirken.

  • Kinder mit trockener Haut sollten eine Rückfettung der Haut mit Lotiones oder Cremes bekommen
  • Auf gemeinsame Bäder mit Geschwistern in der Badewanne sollte verzichtet werden, wenn eines der Kinder auch nur eine Dellwarze hat. Selbst für das betroffene Kind ist baden nicht günstig, weil das Virus durch das Wasser an andere nicht betroffene Hautpartien gelangen und dort eine neue Kolonie bilden kann.
  • Duschen ist günstig, weil die Viren direkt weggespült werden
  • Baden im Schwimmbad stellt kein Problem dar, wenn die Desinfektion (z.B. durch Chlorierung) adäquat ist.

Betroffene Kinder können am Sport und im Schwimmunterricht teilnehmen. Sie stellen kein spezielles Risiko für die anderen dar. Insofern besteht auch kein Grund, dieses Thema zu melden. Ungünstig sind die Dellwarzen nur bei Sportarten mit sehr engem Körperkontakt wie beim Ringen. Aber in der Altersgruppe der Ringer gibt es nahezu keine Jugendlichen mehr, die Dellwarzen aufweisen.

Geduld ist der beste Ratgeber bei den Dellwarzen. Und wenn sie versehentlich mal aufgekratzt werde oder stark entzündet sind – was oft vorkommt, bevor sie abfallen – sollte der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden, der gut weiterhelfen kann.