Kategorie: Krankheitsbilder

Wiesengräserdermatitis

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine beeindruckend große Pflanze mit riesigen Blättern von bis zu einem Meter Länge. Der Bärenklau ist keine Giftpflanze. Kinder kommen nicht auf die Idee ihn zu essen. Der Reiz dieser Pflanze liegt für Kinder darin, dass die Stängel beeindruckend groß und innen hohl sind. Beim Spiel in der Natur werden sie deswegen gerne abgerissen und von manchen auch als Blasrohr genutzt. Keine gute Idee!

Abbildung 2. Wiesenkerbel. Foto: ptw

In zarterer Variante und viel häufiger ist der Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – der Buchstabe W macht den kleinen Unterscheid. Der Wiesenbärenklau kommt typischerweise in vielen Wiesen Europas vor und ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine einheimische Pflanze. Er kann leicht mit dem harmlosen und viel häufigeren Wiesenkerbel (Abbildung 1) verwechselt werden, der jedoch locker gefiederte Blätter hat.

Sowohl der Riesen-Bärenklau wieder der Wiesenbärenklau sondern einen Saft ab, wenn die Blätter oder Stängel verletzt werden. Dadurch kann er dann auf die Haut oder Schleimhaut der Lippen treffen. Unter Sonneneinstrahlung führt er dort bald zu blasigen Hautveränderungen (phototoxische Reaktionen), die wie Verbrühungen 2. Grades aussehen. Im Bereich der Lippen ist dies besonders unangenehm. Zu diesen Veränderungen kommt es also, wenn Pflanzensaft + Sonne zusammenwirken.

Symptome

Abbildung 2. Typisches Bild einer Photodermatose durch Wiesenbärenklau. Foto: ptw

An den Stellen, wo Pflanzensaft der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war entwickeln sich bei wenig Sonne eine Rötung. Je nach Menge des Pflanzensaftes und der Strahlung treten deutlichere, teils auch große und pralle  Blasen auf der Haut auf (siehe Abbildung 2 rechts). Im Randbereich ist eine begleitende Entzündung. Der Befund ist teilweise mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Therapie

Behandlung wie bei einer Verbrennung + Gabe eines Schmerzmittels. Eine ärztliche Behandlung ist anzuraten.

Tipp

Suchen Sie in der Umgebung Ihrer Wohnung nach solchen Pflanzen und warnen Sie Ihr Kind davor. Besonders unangenehm sind Blasenbildungen am Mund, wenn Kinder den Pflanzenstängel als Blasrohr benutzen sollten.

Eichenprozessionsspinner

Nun beginnt wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die „Brennhaare“ der Eichenprozessionsspinner. Letzte Woche erschienen in der Presse erste Berichte über mehrere Nester dieser Raupe im Raum Fulda. Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Abbildung 1. Raupenspinnerdermatitis. Foto: deacademic.com

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge (siehe Abbildung 1) können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden. Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Neue Wege in der Therapie von Nahrungsmittelallergien

Allergien gegenüber Nahrungsmitteln sind für Betroffene nicht nur lästig sondern vielfach auch gefährlich. Mit der Allergenverordnung (Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV)) hat sich der Alltag für allergische Kinder und Jugendliche – und deren Eltern ! – zum Besseren gewendet.

Abbildung 1. Prof. Dr. Hugh Sampson, New York.

Eine effektive Therapie einer Nahrungsmittelallergie ist aber immer noch ein Traum. Eine Forschergruppe um den weltweit anerkannten Experten Hugh Sampson aus New York hat einen weiteren Schritt gewagt. Sie untersuchten, ob ein Epikutan-Pflaster mit einer gewissen Menge an Erdnuss-Allergen zu einer höheren Toleranz für verzehrte Erdnüsse bei bekannten Erdnuss-Allergikern bringen würde. Sie untersuchten 221 Personen im Alter von 6-55 Jahren, die in vier Gruppen aufgeteilt entweder 50, 100 oder 250µg Erdnusseiweiß oder Placebo als Pflaster auf die Haut geklebt bekamen. Diese „Pflastertherapie“ wurde ein Jahr lang durchgeführt.

Es zeigte sich dass besonders Kinder im Alter von 6-11 Jahren positiv auf die Therapie ansprachen. Sie vertrugen zu über 50% nach einem Jahr Therapie entweder mehr als die 10-fache Allergendosis oder mehr als 1 Gramm Erdnussallergen. Dieser Effekt war bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht nachweisbar.

Prof. Dr. Sampson – wie immer bescheiden zurückhaltend – fasst zusammen: „Wir fangen  gerade an die Bedeutung des Immunsystems der Haut zu ….. zu verstehen“. Schauen wir mal, ob sich dieser Weg als sinnvoll herausstellt und wir Nahrungsmittellallergien mit einem Pflaster behandeln können.

Nagelbettentzündung – Fußpflege hilft sie zu verhindern

Fußnägel werden gerne vergessen was ein Blick zu Boden im Schwimmbad schnell klar macht. Fingernägel hingegen erfahren seit Jahren höchste Zuwendung. Das bleibt nicht ganz ohne Folgen. Gerade bei Jugendlichen beobachten wir in den letzten Jahren zunehmende Fußprobleme. Mit verändertem Modebewusstsein und Freizeitverhalten sind davon inzwischen auch jüngere Kinder betroffen.

Bis Kinder das Laufen erlernen ist der Fuß ein wichtiges Greifwerkzeug. Sie erinnern sich bestimmt noch daran, als Ihr Kind 6 Monate alt war: Zu dieser Zeit vermögen Kinder mit dem Fuß Gegenstände zu fassen, sie benutzen die Füße als Greifwerkzeuge. Und sie erleben den Fuß auch ganz sinnlich, streicheln mit dem Fuß den eigenen Körper (oder gelegentlich auch den Unterarm des Kinderarztes, der sie gerade untersucht) – und sie nehmen die Füße in den Mund.

Das möchte man später eher nicht mehr tun, wenn der Fuß zum „Geh-Werkzeug“ reduziert und ansonsten wenig beachtet wird. Häufig wird er von Jugendlichen nur noch als lästig erlebt, er hat vielleicht einzelne Stechwarzen, hier und da einen Fußpilz und immer wieder beschwert sich jemand im Hause, dass man Schweißfüße hätte. Schwierig, diesen Teil des Körpers zu mögen. Und es geht doch. Aber wie?

Schweißfüße

Abbildung 1. Die Füsse eines Menschen. Pro Quadratzentimeter sind sie mit bis zu 600 Schweißdrüsen bestückt – je mehr Rotfärbung im Bild, umso dichter stehen die Schweißdrüsen. Foto: http://slideplayer.org/slide/2818504/

Füße haben Schweißdrüsen (siehe Abbildung 1). Die Anzahl der Drüsen ist bei Kindern ebenso groß wie bei den Erwachsenen, insofern haben es die Erwachsenen leichter – der kindliche Schweißfuß „wächst sich aus“. Wenn man ihm eine Chance gibt. Die Schweißdrüsen sondern Sekret ab, das auf die eine oder andere Art abziehen muss. Dazu sind hilfreich:

  • Schuhe, die die Feuchtigkeit entweder speichern können oder leicht abgeben. Aber auch der beste Schuh hat seine Kapazität nach 6 Stunden erreicht und dann ….
  • Wechseln der Schuhe so oft es geht.
  • In Gebäuden offene Hausschuhe nutzen oder barfuß gehen.
  • Tägliches Wechseln der Socken.
  • Regelmässige Fußpflege mit Waschen und auch Anwendung von Lotiones oder ggf. auch Pudern, je nach Hauttyp
  • Turnschuhe sind oft aus künstlichem Material und speichern kaum die Körperflüssigkeit – sie sind aber cool. Sie sollten nur begrenzt benutzt werden (man kann den Unterschied zum „guten Schuh“ leicht selbst feststellen: in Turnschuhen ist es oft sehr warm = wenig Belüftung.
  • ist der Schuh mal von Schweißgeruch befallen trägt man diesen „Makel“ durch die Welt. Fußpflege muss also regelmäßig erfolgen, wenn sie erfolgreich sein soll.

Nagelpflege

Abbildung 2. Schneiden der Nägel. Die Finger des Kindes sind gut fixiert, die Schere wird schräg angesetzt. Das Schneiden erfolgt in einem kleinen, halbmondförmigen Bogen. Foto: https://www.leben-und-erziehen.de/baby/babypflege/naegel-schneiden

Die Fußnägel werden oft sehr radikal geschnitten, was nicht nur schmerzhaft ist, sondern oft auch Folgen wie Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) nach sich zieht. Wie macht man/frau’s richtig?

  • Der Nagel sollte nicht zu kurz geschnitten werden, 1-2 mm dürfen gern als weißer Rand zu sehen sein.
  • der Nagel wird leicht bogenförmig geschnitten entlang der Zehenkuppe (siehe Abbildung 2). Dabei bleiben die Ecken etwas stehen (zum Schutz der seitlichen Nagelplatte) und werden mit der Feile nachträglich abgerundet („Kanten brechen“). Die Spitze
    der Schere sollte also unter keinen Umständen in den seitlichen Nagelbereich eindringen.
  • der Nagelfalz wird mit der Spitze der Nagelfeile (gerne auch seitlich angesetzt) gesäubert. Die Nagelhaut sollte dabei nicht verletzt werden.

Fusswarzen

Sie kommen immer wieder vor, weil Warzenviren an allen Ecken lauern. Das ist nicht weiter schlimm, sofern wir den Viren keine besonders guten Bedingungen schaffen (siehe die Bedingungen, die unter dem Kapitel „Schweißfüße“ aufgeführt sind). Warzen zu entfernen lohnt oft nicht, da sie gerne rasch wieder auftauchen. Und selbst so radikale Methoden wie die
Kryotherapie („Vereisen“) oder die chirurgische Entfernung weisen eine Rezidivrate von über 50% auf. Trockene, gut gepflegte Füße sind auch hier die beste Vorsorge. Und Gelassenheit: viele Kinder weisen im Alter von 6 bis 14 Jahren Warzen auf, die letztlich von selbst verschwinden und keiner weiteren Maßnahme bedürfen, solange sie beim Gehen nicht
störend sind.

Ertrinken – meist lautlos und unspektakulär

Dieser Artikel ist im Internet auf www.ostsee24.net zu finden mit der Freigabe ihn auch hier veröffentlichen zu können. Weil er so eindrücklich die unscheinbare die Gefahr des Ertrinkens schildert, soll er in ganzer Länge erscheinen. 

Was man über das Ertrinken wissen sollte, um die Gefahr für Kinder und Erwachsene zu minimieren.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 400 Menschen durch Ertrinken. In vielen Fällen befinden sich weitere Badegäste in unmittelbarer Nähe und beobachten den Vorgang – weil Sie keine Ahnung haben, was dort gerade passiert. Kein Schreien, kein Winken und kein Gestrampel. Im Gegenteil, es ist ein leiser Tod und passt gar nicht in das durch das Fernsehen vermittelte Bild. Diesem Phänomen ist Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard in New Orleans, in seinem Artikel „Drowning Doesn´t Look Like Drowning” nachgegangen und hat damit für sehr viel Aufsehen gesorgt. Der folgende Artikel ist eine Übersetzung aus dem Original.

Wenn Ertrinken nicht nach Ertrinken aussieht

Ertrinken? Wohl kaum. Der Rettungsschwimmer sprang voll bekleidet von Board und spurtete durch das Wasser. Der ehemalige Rettungsschwimmer ließ das Opfer nicht aus den Augen, als er sich direkt auf die Bootseigentümer zu bewegte, die zwischen ihrem verankerten Sportfischerboot und dem Strand im Wasser schwammen. „Ich glaube, er denkt, du ertrinkst“, sagte der Mann zu seiner Frau. Sie hatten einander mit Wasser bespritzt und sie hatte geschrien, aber nun standen sie nur bis zum Hals im Wasser auf der Sandbank. „Uns geht es gut, was tut er da?“, fragte sie etwas gereizt. „Uns geht es gut!“, rief der Mann und winkte ihm zu, umzukehren, aber der Rettungsschwimmer schwamm unnachgiebig weiter. „Weg da!“, blaffte er, als er zwischen den erstaunten Bootseigentümern entlang spurtete. Direkt hinter ihnen, keine drei Meter entfernt, war ihre neunjährige Tochter gerade im Begriff zu ertrinken. Sicher an der Oberfläche in den Armen des Rettungsschwimmers, brach sie in Tränen aus: „Papa!“ Wie konnte der Rettungsschwimmer aus fünfzehn Metern Entfernung wissen, was der Vater aus nur drei Meter Entfernung nicht erkennen konnte? Ertrinken ist nicht der ungestüme, spritzende Schrei nach Hilfe wie die meisten Menschen erwarten. Der Rettungsschwimmer hatte durch eine fachliche Ausbildung und jahrelange Erfahrung gelernt, Ertrinken zu erkennen. Der Vater hingegen hatte im Fernsehen gelernt, wie es aussieht, wenn jemand ertrinkt. Wenn Sie Zeit auf dem oder am Wasser verbringen, dann sollten Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Freunde/Bekannten wissen, worauf zu achten ist, wenn Menschen ins Wasser gehen. Bis sie „Papa“ schluchzte, hatte sie keinen Ton von sich gegeben. Als ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache überraschte mich diese Geschichte überhaupt nicht. Das Ertrinken ist fast immer ein trügerisch ruhiger Vorgang. Das Winken, Spritzen und Schreien, auf das wir durch die dramatische Konditionierung (Fernsehen) vorbereitet sind, zeigt sich in der Realität nur selten. Die instinktive Reaktion auf das Ertrinken (The Instinctive Drowning Response) – so benannt von Dr. Francesco A. Pia, – ist das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ersticken im Wasser zu vermeiden. Und dies sieht nicht so aus, wie es die meisten Menschen erwarten. Es gibt wenig Gespritze, kein Winken und keine Schreie oder Hilferufe irgendeiner Art. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ruhig und wenig dramatisch das Ertrinken von der Oberfläche aus wirken kann, überdenken Sie Folgendes: Es ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren (direkt nach Verkehrsunfällen) – von den Kindern, die im nächsten Jahr ertrinken werden, werden die Hälfte in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil oder einem anderen Erwachsenen ertrinken. In zehn Prozent dieser Fälle wird der Erwachsene sie sogar beim Ertrinken beobachten und keine Ahnung davon haben, was gerade vor sich geht, denn Ertrinken wirkt nicht wie Ertrinken.

Auf was Sie achten müssen: Anzeichen des Ertrinkens

In einem Artikel im Coast Guard’s On Scene Magazine beschrieb Dr. Pia die instinktive Reaktion auf das Ertrinken so: 1. Außer unter seltenen Umständen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu in der Lage, um Hilfe zu rufen. Das Atmungssystem ist auf das Atmen ausgelegt. Sprache stellt die zweite oder überlagerte Funktion dar. Die Aufgabe des Atmens muss erfüllt sein, bevor die Sprache stattfindet. 2. Der Mund ertrinkender Menschen sinkt abwechselnd unter die Wasseroberfläche und taucht wieder aus dem Wasser auf. Der Mund ertrinkender Menschen befindet sich nicht lange genug über der Wasseroberfläche, um auszuatmen, einzuatmen und um Hilfe zu rufen. Sobald sich der Mund eines Ertrinkenden über der Wasseroberfläche befindet, atmet dieser schnell aus und ein, da sein Mund bereits wieder unter Wasser zu sinken beginnt. 3. Ertrinkende Menschen können keine Hilfe herbeiwinken. Ihre Natur zwingt sie dazu, instinktiv ihre Arme seitlich auszustrecken und von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken. Von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken ermöglicht es Ertrinkenden, ihren Körper nach oben zu drücken, um ihren Mund zum Atmen aus dem Wasser zu heben. 4. Während der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken können Ertrinkende die Bewegung ihrer Arme nicht bewusst steuern. Physiologisch gesehen sind Ertrinkende, die an der Wasseroberfläche kämpfen, nicht in der Lage, das Ertrinken aufzuhalten und bewusste Bewegungen auszuführen, wie beispielsweise das Winken nach Hilfe, die Bewegung auf einen Retter zu oder das Greifen nach einem Rettungsgerät. 5. Von Anfang bis Ende der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken befindet sich der Körper eines Menschen aufrecht im Wasser, ohne Hinweise auf unterstützendes Treten mit den Füßen. Werden sie nicht von einem ausgebildeten Rettungsschwimmer gerettet, können diese Ertrinkenden nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche kämpfen, bevor sie untergehen. Das heißt nicht, dass eine Person, die um Hilfe ruft und um sich schlägt, nicht in ernsthaften Schwierigkeiten ist – sie erlebt eine Wassernotsituation. Eine Wassernotsituation tritt nicht immer vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auf und hält nicht lange an – aber anders als beim wirklichen Ertrinken, können die Betroffenen hier noch an ihrer eigenen Rettung mitwirken. Sie können nach Rettungsleinen oder -ringen usw. greifen.

Weitere Anzeichen des Ertrinkens

Achten Sie auf diese anderen Anzeichen des Ertrinkens, wenn sich Personen im Wasser befinden: * Kopf befindet sich tief im Wasser mit dem Mund auf Höhe der Wasseroberfläche * Kopf ist nach hinten geneigt und der Mund geöffnet * Augen sind glasig und leer und können nicht fokussieren * Augen sind geschlossen * Haare hängen vor der Stirn oder den Augen * Beine werden nicht benutzt – Vertikal * beschleunigte Atmung oder Schnappen nach Luft * versucht, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, kommt aber nicht voran * versucht sich auf den Rücken zu drehen. Sollte also ein Rettungsschwimmer über Bord gehen und es sieht so aus, als wäre alles in Ordnung – seien Sie sich nicht zu sicher. Manchmal ist der einfachste Hinweis darauf, dass jemand ertrinkt, dass er nicht so wirkt, als würde er ertrinken. Es wirkt vielleicht einfach so, als würde er Wasser treten und nach oben auf das Deck sehen.

Wie kann man sich wirklich sicher sein?

Fragen Sie: „Geht es dir gut?“ Wenn er das beantworten kann – geht es ihm wahrscheinlich gut. Wenn er mit einem leeren Blick antwortet – haben Sie vielleicht weniger als 30 Sekunden Zeit, ihn zu retten. Und an die Eltern: Kinder, die im Wasser spielen, machen Lärm. Wenn sie still werden, dann gehen Sie zu ihnen und finden Sie heraus, weshalb.

Antibiotikaverbrauch – mehr ärztliche Kompetenz ist gefragt

Antibiotika sind ein Segen. Eigentlich. Wie bekannt, können antibiotische Medikamente auf die eine oder andere Art die Vermehrung von Bakterien stoppen. Damit helfen sie einem betroffenen Kranken, seine Krankheit leichter oder überhaupt besiegen zu können.

Die entscheidende Frage ist also, handelt es sich beim Auslöser der Erkrankung die behandelt werden soll um Bakterien oder eben doch nicht. Leider gibt es hierfür in vielen Fällen keine klaren Hinweise. Manche Diagnosen wie der Scharlach – mit seinem typischen Ausschlag – sind ein klarer Beweis für eine Erkrankung durch Bakterien. Beim Scharlach ist nur nicht so ganz klar, ob Antibiotika immer sinnvoll und notwendig sind. Andere Erkrankungen wie die Influenza (Grippe) gehen mit sehr hohem Fieber über viele Tage. Menschen sind schwer krank und dennoch: die Ursache sind Viren, keine Bakterien. Es kann aber vorkommen, dass sich auf der Grundlage der Virusinfektion – in diesem Fall einer Influenza – eine Lungenentzündung durch Bakterien aufbaut. Genau an diesem Punkt wird es schwierig. Weder Laborwerte wie das oft beschworene CRP (C-reaktives Protein) , noch ein Röntgenbild und schon gar nicht die Höhe des Fiebers helfen hier in der Beurteilung weiter. Oft ist es so, dass die Gesamtheit vieler Faktoren die Wahrscheinlichkeit für oder gegen Bakterien als Ursache erhöht oder senkt.

Schon medizinische Überlegungen machen den gezielten Einsatz von Antibiotika nicht ganz leicht. Der Umgang mit diesen potenten Arzneimitteln unterliegt noch vielen Einflüssen. Einer ist auch, dass bei schweren Erkrankungen Patienten dieses Medikament oft einfordern und der Arzt dem Druck wider besseres Wissen nachgibt. Auch bei hohem Fieber im Rahmen einer Virusinfektion helfen Antibiotika nicht.

Abbildung 1. DDD für Antibiotika in verschiedenen Ländern. (A -oberer Bildteil) zeigt die Veränderungen im Verbrauch über die Jahre 2000 – 2015 (B unterer Bildteil) zeigt die DDD nach Ländern. Foto: http://www.pnas.org/content/early/2018/03/20/1717295115

Letztlich erstaunt es also nicht, dass der Verbrauch von Antibiotika auch in unterschiedlichen Ländern großen Schwankungen unterliegt. Da hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan. Die umfangreiche Studie von Eili Y Klein und Mitarbeitern ging diesen Fragen nach. Sie untersuchten den Verbrauch anhand der sog DDD: defined daily dose. Das ist die durchschnittliche Dosis eines Medikaments, die für einen Patienten pro Tag benötigt wird. In der Abbildung 1 rechts ist im unteren Teil B die DDD für 1000 Patienten in verschiedenen Ländern aufgeführt. Die Farbe markiert den Wohlstand der Länder. Dabei zeigt sich, dass der Wohlstand nur bedingt mit dem Verbrauch an Antibiotika zu tun hat. Lediglich in den sehr armen Ländern werden aus Armut sehr wenig Antibiotika eingesetzt. Den höchsten Verbrauch an Antibiotika haben die Türkei, Spanien, Griechenland und Frankreich (DDD über 35). Deutschland liegt mit etwa 20 im Mittelfeld. Am besten liegt seit Jahrzehnten schon die Niederlande mit dem gleich hohen Verbrauch wie das Entwicklungsland Bangladesh. Dieser dürfte in den Niederlanden der medizinischen Einsicht, im Bangladesh eher der Armut geschuldet sein.

Antibiotika können lebensrettend sein. Oder komplett überflüssig. Und manchmal auch schädlich. Was für den Patienten in seiner persönlichen Situation günstig ist, muss also immer mit gutem medizinischem Wissen und kritischer Beurteilung abgewogen werden.

Schwer was los

Schweigen bringt nichts. Auch wenn übergewichtige Menschen das manchmal bevorzugen. Jeder kann sehen was los ist und es ist hinlänglich bekannt: Übergewicht kann schwerwiegende Folgen haben. Sehr oft.

Was ist Adipositas?

Es gibt inzwischen eine recht umfangreiche Literatur zum Thema, warum einige Menschen leichter an Gewicht zunehmen als andere. Und dennoch: wer wenig Kalorien zuführt kann nicht dick werden. Ungerecht ist halt nur, dass manche Menschen sehr wohl bei Schokolade und Schweinshaxe zulangen können und trotzdem nicht zunehmen.

Übergewicht wird angenommen, wenn das Körpergewicht in Bezug auf die Körperlänge erhöht ist. Das wird hinreichend genau anhand des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Ein BMI von 25 bis 29.9 wird bei Erwachsenen als Übergewicht bezeichnet, ein BMI von 30 oder mehr als Adipositas. Der BMI für Kinder weicht von den Normalwerten der Erwachsenen ab und kann über spezielle Rechner wie hier leicht bestimmt werden.

Sind die Drüsen schuld?

Abbildung 1. Schema über die genetischen Zusammenhänge bei der Entstehung von Sättigungsgefühl und Hunger. Foto: www.epgonline.org

Schuldige sind immer gut. Die Drüsen? Ja, wer oder was ist denn das? Unser Essverhalten sowie die Regulation von Hunger und Sättigung werden durch sehr viele Faktoren beeinflusst, die in den letzten Jahren zunehmend erforscht wurden. Dabei zeigt sich, dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt (übersichtlich dargestellt in der Abbildung 1). Aber auch der Darm selbst greift regulierend ein. Über verschiedene Mechanismen (mechanische Fühler erfassen die Dehnung des Magens; Hormone des Magen-Darm-Traktes greifen steuernd ein) gibt er Signale zur Beeinflussung von Sättigung und Hunger. Die Darmflora selbst hat auch einen wichtigen Einfluss. Diese Flora ist ein Spiegel unserer Lebensgewohnheiten und verändert sich je nach unserem Essverhalten (z.B. hoher Fleischkonsum versus mediterrane Kost), unseren Lebensbedingungen (körperliche Aktivität; Stillen in der Säuglingszeit) und Krankheitsfaktoren. Das Hormon Leptin ist bei der Steuerung des Fettgewebes wichtig. Beim Anstieg gibt es dem Körper die Information, das Essen einzustellen. Das gelingt jedoch unterschiedlich gut. Bei Menschen mit Adipositas wird in vielen Fällen eine Leptin-Resistenz vermutet. Das würde bedeuten, dass hohe Leptinwerte nicht zum Sättigungsgefühl führen. Somit wären in diesem Fall irgendwie doch die Drüsen schuld.

Also doch die Drüsen, oder was?

Abbildung 2. Schema der Essenskontrolle des menschlichen Körpers. Foto: NaturesSunshine

Im Körper laufen – wie kurz dargestellt – sehr viele Prozesse ab, die die Essensaufnahme regeln. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, wo wir als Menschen heute stehen und wo wir gestern herkamen.

Wenn uns heute nach einem Steak ist, gehen – nein fahren –  wir im besseren Fall zum Metzger oder meistens direkt zum Supermarkt. Dort kaufen wir Fleisch. Ein Akt von wenigen Minuten. Unsere Vorfahren mussten sich anstrengen. Als wir noch Jäger und Sammler waren, mussten unsere Vorfahren lospirschen und versuchen ein Tier zu erlegen. Das verlangte Geschick, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und viel Glück. Und konnte auch das eigene Leben kosten, wenn Bären als Mitkonkurrenten auftraten. Das war keine Zeit für dicke Bäuche.

Was können wir also tun?

An Ratschlägen fehlt es wahrlich nicht. Diese reichen von gewissen Diäten bis hin zu allgemeinen Lebensveränderungen und strengsten Programmen, die den kompletten Alltag bestimmen. Man kann es auch knapper zusammenfassen. Günstig sind:

  • viel Bewegung
  • viel Gemüse / wenig Fleisch bzw. tierisches Fett
  • ein eher regelmäßiges Leben

Was schützt Kinder vor der Adipositas?

Der wichtigste Schutz scheint mir hier zu sein, nur wenig Einfluss zu nehmen. In aller Regel versuchen viele Eltern noch heute, Kinder in den ersten Lebensjahren mit Nahrung zu überhäufen. „Meiner isst richtig gut, da kann ich nicht klagen“ ist eine der Äußerungen die andeutet, dass das Risiko für Adipositas sehr hoch sein wird. Eltern haben von ihren eigenen Eltern gelernt, dass es gut sei viel zu essen. Vor einem Jahrhundert war das tatsächlich so, denn Essen war nicht immer in ausreichenden Mengen verfügbar. Und es war teuer. Das hat sich aber schlagartig verändert und so sollten Eltern nicht darauf achten ob ihr Kind gut isst, sondern sich dann an eine/n Kinderärztin/arzt wenden, wenn sie das Gefühl haben, dass das Essverhalten auffällig ist.

Wenn ein Säugling Hunger hat, schreit er und verlangt nach Nahrung. Dann stillt ihn seine Mutter oder man gibt ihm Flaschennahrung. Und wenn er/sie dann satt ist, beendet man die Fütterung. Es ist wichtig, dieses Sättigungsgefühl des Babys zu akzeptieren und nicht zu versuchen, den letzten Rest von 20 g in der Flasche dem Kind noch aufzudrängen. Nur so bleibt das Gefühl für Hunger und Sättigung ungestört.

Das gilt ebenso in den folgenden Jahren. Kinder spielen im Garten, sind mit ihren Freunden sehr beschäftigt und „haben keine Zeit zum Essen“. Auch dann sollten sie nicht gezwungen werden. „Du musst doch was essen“ …..  Warum eigentlich? Das Hungergefühl kommt. Mal schneller mal weniger schnell. Und wenn das gemeinsame Essen am Tisch ein schönes Ritual ist und das Essen ausreichend schmackhaft, müssen Eltern ohnehin keine Drohungen einsetzen. Denn diese greifen wiederum in den natürlichen Regelkreis Hunger/ Sättigung ein. Ein Kind spürt selbst, wenn es Nahrung braucht.

Und Süßigkeiten? Sind ein Luxus, den die Natur so nicht geschaffen hat außer mit Früchten. Sie sollten also immer nur das „Sahnehäubchen“ sein, also der Abschluss einer Mahlzeit. Und immer was besonderes bleiben. Dann werden sie auch nicht zu einem gesundheitlichen Problem.

Aber Trinken ist total wichtig. Wirklich? Wer behauptet das? Kinder haben hier ebenso ein natürliches Bedürfnis, wie beim Essen. Manche trinken mehr, andere weniger. Eine dritte Gruppe trinkt mal viel, mal wenig. Klar sollte sein, das Standardgetränk ist Wasser. Ob aus der Leitung (bestes Lebensmittel überhaupt außer oft in Bezug auf Nitrit) oder aus einer Glas/ PET-flasche. Das süße Getränk dient der Lust und sollte die Ausnahme bleiben.

Bleibt leider noch die Werbung, die Kinder ganz gezielt anspricht. Als Eltern kommt man nicht an den Burger-Ketten vorbei.

Was mögen Kinder besonders gerne wenn sie nicht eingeschränkt werden? Bewegung. Zunächst sausen sie herum. Nein, sagen Sie nicht „mach mal langsam“. Und seien Sie glücklich, wenn die Hosen dreckig und die Fingernägel schwarz sind. Haben die Kinder – wie auch immer – ihr Tablet in der Hand, ist die Umgebung ruhig, die Fingernägel sind sauber und sie „essen wunderbar“. Wenn Kinder aus dem Garten in die Wohnung gerufen werden müssen ist alles gut. Ruhig am Computer sitzen müssen sie ein ganzes Leben lang. Wenn Ihre Tochter/ Ihr Sohn in einem Hochhaus in Frankfurt am Schreibtisch mit 2 Bildschirmen in 20 Jahren arbeitet, sollte es Träume haben können, wie schön es war im Dreck zu spielen. Dann besteht die Hoffnung, dass das ehemalige Kind zu Trekkingtouren aufbricht und sich nicht der weiteren Zunahme des Gewichts widmet.

Bei allem nie vergessen. Eltern sind ein Vorbild. Schon vor der Geburt des Kindes. Das Kind hört mit, fühlt mit, raucht mit, trinkt mit ………

Und wenn Sie nicht mehr weiterwissen? Fragen Sie Ihren Kinderarzt/ Kinderärztin.

Nahrungsmittelallergie: Kann sie beim Kind verhindert werden?

Zugegeben, der im Folgenden erwähnte Artikel ist für einen Nichtmediziner keine leichte Kost. Deswegen sollen die wesentlichen Ergebnisse hier zusammengefasst werden.

Abbildung 1. GRADE. Der Versuch die Evidenz vorliegender Daten in aktive Empfehlungen umzusetzen. Foto: JACI in Practice

Die Autoren Paul J. Turner, Dianne E. Campbell, Robert J. Boyle und Michael E. Levin aus London, Sydney und Kapstadt haben sich die Mühe gemacht, die neuesten Erkenntnisse über Nahrungsmittelallergien in klare Empfehlungen für Patienten zusammenzufassen. Dabei haben die Autoren von den drei Kontinenten das Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (GRADE) angewandt (schematisch in Abbildung 1 dargestellt)

Was ist günstig?

  • Einnahme von Fischöl in der Schwangerschaft. Dies senkt nachweislich das Risiko für die Entwicklung einer Allergie gegen Ei auf fast die Hälfte. Dies ist mit mässiger Sicherheit erweisen („moderate“).
  • Probiotika in der Ernährung des Säuglings können das Risiko für die Entwicklung einer Milcheiweißallergie senken. Die Belege hierfür werden als gering („low“) eingeschätzt.
  • Erste Einführung von Hühnerei in die Kost des Säuglings im 5. oder 6. Lebensmonat senkt das Risiko für eine Eiallergie fast auf die Hälfte („moderate“)
  • Erste Einführung von Erdnuss in die Kost des Säuglings im 5. – 12. Monat senkt das Risiko für eine Erdnussallergie fast auf ein Drittel („moderate“)

Wofür ist kein Nutzen gesichert?

  • Mütterliche Diät in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Probiotika für die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit.
  • Vorbeugende Ernährung eines Säuglings mit hypoallergener Nahrung (partiell oder extensiv)
  • Prebiotika für den Säugling

Dies sind Empfehlungen aus den angloamerikanischen Ländern. Da unsere Ernährung in Bezug auf die Erdnuss eine andere ist, würde man in Deutschland eher nicht dazu neigen, bewusst die Erdnuss im Säuglingsalter anzubieten. Sollten in der Kost Spuren von Erdnuss enthalten sein, ist das andererseits aber auch nicht unbedingt ein Risiko.