Kategorie: Krankheitsbilder

Husten – so nervig und doch meist sinnvoll

Husten wird in den nächsten Monaten viele Kinder und Jugendliche treffen. Das ist normal in der kalten Jahreszeit. Und es ist für die Betroffenen ärgerlich. Aber ist Husten wirklich nur ein Ärgernis? Was soll eigentlich Husten bezwecken und wie soll ein Betroffener damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stoßen Luft aus der Lunge wie bei einer Vulkanexplosion. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht es der Körper in aller Regel, ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge zu entfernen. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper echt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Abbildung 1. Bronchialschleimhaut mit Zilien (Flimmerhärchen) und eingelagerten Schleimzellen (Becherzellen).

Der häufigste Auslöser ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt. Infolgedessen sind sie vermehrt durchblutet und dadurch gerötet. Dies führt in der Folge dazu, dass auch die Schleimzellen (Becherzellen; siehe Abbildung 1 rechts) vermehrt aktiv sind und das tun was sie können: sie produzieren Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopf – „…. der Husten löst sich“. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Medikamenten zu tun sondern tritt bei Atemwegsinfektionen regelhaft ein. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur die Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex. Hierdurch wird der  angesammelte Schleim in großen Teilen dann in den Magen transportiert. Dort ist er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und wird in seine Einzelteile zerlegt.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet. Hierbei findet keine bedeutende Schleimproduktion statt. Der Husten ist und bleibt eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter zeigt sich der Infektkrupp mit einem sehr eindrücklichen Husten. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Bereich der Luftröhre. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schließt sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend „feuchter“ wird aber subjektiv immer sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialsystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens kommt es zu einer Verschleimung. Es besteht für eine kurze Zeit eine Überempfindlichkeit der Atemwege, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung hingegen ist die Lobärpneumonie. Auch diese wird in der deutschen Sprache „Lungenentzündung“ genannt. Im Gegensatz zur Bronchopneumonie tritt die Lobärpneumonie aber in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim, der schwer abhustbar ist. Beim Asthma steht die Enge der Atemwege im Vordergrund. Hierbei kann Luft recht gut in die Lunge eindringen. Das Abatmen ist jedoch erschwert, so dass bei den schwereren Verläufen Atemnot durch Überblähung der Lunge auftritt.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten. Dazu zählen Fremdkörper (z.B. Nüsse, die ins Bronchialsystem gelangen). Oder die Reizung der Bronchien durch giftige Gase wie etwa Zigarettenrauch. Eine Reizung der Bronchien kann auch mechanisch durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle) auftreten und sehr unangenehm sein. Zunehmend häufiger wird auch ein funktioneller Husten (etwa als Verlegenheitshusten) festgestellt, bei dem der Betroffene gesunde Atemwege hat, aber aber auf andere oft seelische Belastungen mit Husten reagiert. Die Mukoviszidose ist eine Erkrankungen mit häufig schwerwiegender Entzündung der Bronchien.  …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- ursprünglich nichts mit den Atemwegen zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muss erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was sie suchen. Das Problem ist nur: Alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiesen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken – vermeintlich – zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn die Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das bedeutet also: Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreiten kann.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen. Das brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind.
  • Brustwickel können den quälenden Husten lindern. Wenn Ihr Kind anderer Meinung ist, nehmen sie ihn wieder weg.
  • Mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften des Zimmers) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern.
  • Wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar. Trinken also anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen. Der wird klären, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, sich den Rachen ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: Mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!

Wenn das Fieber immer wieder kommt: Fiebersyndrome

Im Herbst beginnt wieder die Zeit der Infekte. Kinder, die gerade einen Platz im Kindergarten ergattert haben, werden nun mit vielen neuen Infekten belohnt. Fieber in der Nacht, Husten den ganzen Tag, Jammern – Kinder und Eltern haben’s nicht leicht. Das kann sich in den kommenden Monaten mehrmals wiederholen. Um die zehn Infekte pro Jahr können durchaus normal sein. Hinzu kommt, dass Kinder von Mai bis September Kinder meist infektfrei sind und sich die Infekte auf nur sieben Monate verteilen. Also kann man von mindestens einem Infekt im Monat ausgehen. Oft stimmt was viele Leute sagen: „…. der ist die halbe Zeit krank“ !

Manchmal sind viele Fieberschübe nicht normal. Das nannte man bisher periodisches Fieber. Heute – mit etwas mehr medizinischer Kenntnis – spricht man eher von einem autoinflammatorischen Syndrom (AIS). Was zeichnet diese Krankheitsgruppe aus:

  • wiederkehrende Fieberschübe
  • Lymphknotenschwellungen
  • Gelenk- oder Kopfschmerzen
  • Ausschläge

Die Unterscheidung zu den üblichen Infektionen (Differentialdiagnose) kann durchaus schwierig sein. Sie ist jedoch wichtig. Denn in Kenntnis der richtigen Diagnose stehen inzwischen immer mehr und bessere Therapien zur Verfügung.

Was läuft bei den AIS im Körper ab? Obwohl diese zu den rheumatischen Erkrankungen zählen, finden sich keine Autoantikörper im Blut der Betroffenen. Den unterschiedlichen autoinflammatorischen Erkrankungen liegt vielmehr eine Abweichung des angeborenen Immunsystems zugrunde. Dr. Toni Hospach aus dem Olgaspital in Stuttgart ist Kinderrheumatologe und damit ein Experte auf dem Gebiet: „Autoinflammatorische Erkrankungen beruhen auf ererbten Gendefekten und treten daher häufig bereits im Säuglingsalter auf. Die einzelnen Autoinflammationssyndrome unterscheiden sich deutlich im Hinblick auf ihre genetische Ursache und die Symptomatik“.

Durch die Störung beim Ablauf von Entzündungen kommt es zu überschießenden Reaktionen an verschiedenen Organen, die Folgeschäden verursachen können. Diese gilt es zu beherrschen. Das hat man früher mit Cortison oder Colchicin – wie beim familiären Mittelmeerfieber – erreicht. Heute kennt man gezielte Therapien, die die Signalwege einer Entzündung bremsen können.

Kinderkrankheit Keuchhusten – gefährlich und stressig

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, kommt aber im Herbst und Winter gehäuft vor.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, „keuchenden“ Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet. Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.

Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten. Auf youtube können Sie den typischen Husten hören und mitfühlen. Die Hustenattacken sind vorwiegend nachts und diese Aufnahme macht nachvollziehbar, wie sehr und lange ein Kind leiden muss. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.

Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese
und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In einigen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere
Ansteckung rasch gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950-ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR!) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem „neuen“ sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: „Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ
schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen“, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). „Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.“ Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre.
Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der „Tetanus-Impfung“ zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollten. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©)-Impfstoffe enthalten.

Damit schützen Erwachsene sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

Abbildung 2: Kinder für den Keuchhustenflug vor der Fokker F. VII A, HB-LBO in Dübendorf. Foto: ETH Zürich

In Ermangelung von Antibiotika (sie wurden erst in den 1940-ger Jahren entwickelt) oder einer effektiven Impfung (ein erster Impfstoff wurde 1933 erprobt) hat man lange Jahre auf Keuchhustenflüge mit offener Kabine gesetzt. Die Überlegungen gibt eine zeitgenössische Bildbeschreibung des Swissair-Marketings wider: „Keuchhustenflüge: werden von der Swissair vom Flugplatz Dübendorf (Anmerkung: bei Zürich) aus durchgeführt. Die Kinder werden bei offenen Kabinenfenstern bis in eine Höhe von ca. 3000 m geführt, wo während längerer Zeit gekreist wird. Die Flugdauer beträgt ca. 1 Stunde. Bei einer Beteiligung von 6 Personen kommt ein Flugpreis von Fr. 50.- pro Passagier zur Anwendung, bei mindestens 8 Personen von Fr. 40.- oder mit einem 2-plätzigen Maschinentyp Fr. 45.- pro Person und Stunde. Die Flüge finden nur bei günstiger Witterung statt. Nach ärztlicher Statistik konnte in 80% der Fälle eine merkliche Besserung oder Heilung des Keuchhustens nach dem Höhenflug festgestellt werden.“ Wegen Flugzeugabstürzen wurden diese Flüge in der Nachkriegszeit bald eingestellt. Nach einer Veröffentlichung von Richard Rehsteiner (Kinderarzt aus St. Gallen) mit dem Titel „Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis“ (Nov. 1946) nutzte man die 1935 neu erbaute Säntisbahn. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem
Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Heute haben wir andere Probleme. Und eine insgesamt gute Therapie. Wir könnten fast allen Kindern helfen, wenn wir die Empfehlungen zur Impfung konsequent umsetzen würden. Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit, aber noch immer nicht harmlos (siehe das Video).

Überempfindlichkeit der Atemwege

„Mensch, sei nicht so überempfindlich!“. Diesen Satz hört man gerne mal, wenn jemand auf eine kleine unbedachte Äußerung hin mit heftigen Worten reagiert. Wenn also Auslöser und Reaktion nicht zusammenpassen.

Ähnlich ist das bei der Überempfindlichkeit der Atemwege, medizinisch als bronchiale Hyperreagibilität (BHR) oder nasale Hyperreagibilität (NHR) bezeichnet, wenn die Schleimhäute der Nase betroffen sind. In diesem Fall sind die Schleimhäute zu empfindlich. Denn sie ertragen manche „normale“ Alltagsbelastung in der Luft nicht mehr, die ein Mensch in der Regel ohne Symptome überstehen würde.

Symptomatik

Das häufigste Symptome ist ein meist trockener Husten, ausgelöst durch einen alltäglichen Reiz. Auslöser können sein:

  • Kalte (und oft auch feuchte) Luft. Der Nebel im November ist ein typisches Beispiel, aber auch eiskalte Luft in den Wintermonaten.
  • Sehr trockene Luft wie in den Flugzeugen bei hoher Höhe.
  • Parfüm, Küchendämpfe und andere Gerüche in der Einatemluft.
  • Dabei ist das Allgemeinbefinden kaum beeinträchtigt.

Weitere Symptome können auch ein Räuspern oder ein Räuspertic in der Folge sein.

Ursachen

Verschiedene Auslöser kommen für die BHR infrage. Im Kindes- und Jugendlichenalter sind es häufig Atemwegsinfekte, die nach Abklingen aller Symptome für meist 4 bis 6 Wochen überempfindliche Bronchien zurücklassen. Keuchhusten hinterlässt sogar eine Monate andauernde BHR. Manchmal können Atemwegsinfekte (wie z.B. die von RS-Viren ausgelösten) auch ein potente Quelle für eine Überempfindlichkeit sein, die lange anhält und eventuell in ein Asthma bronchiale übergeht.

Für Kinder ist ein wesentlicher Auslöser die Rauchbelastung durch Zigaretten (SHS – second-hand-smoking) in der Wohnung. Raucher selbst haben eine schwere Form der BHR, die sich bei der morgendlichen Zigarette mit heftigem Abhusten zeigt. Interessant ist, dass selbst der (vielleicht schon lange verstorbene) rauchende Opa sich negativ auf die Atemwege seine Enkel auswirkt. Das heißt, durch genetische Veränderungen ist eine Überempfindlichkeit der Bronchien bei ihnen häufiger, selbst wenn die eigenen Eltern nie rauchten.

Abbildung 1. Bedeutung von Zigarettenrauch und Umweltgasen. Foto: Lung White Book, WHO, 2016

Zur BHR können auch schlecht gelüftete Räume, Parfümerien, Schreinereien und natürlich Lackierwerkstätten beitragen. Deren Bedeutung für Kinder und Jugendliche ist begrenzt. Aber, Autoabgase spielen eine grössere Rolle, da Kinder mit ihren Atemorganen näher an an Autoabgasen dran und diesen deutlicher ausgesetzt sind („Dieselgate“). Dennoch: Zigarettenrauch ist bedeutsamer.

Dazu kommen noch viele giftige Gase als Auslöser. Oder Stäube (auf Dachböden, Scheunen), Faserteilchen (Glaswolle, Mineralwolle) oder Pollenflug (unabhängig von der Allergie).

Verursachung

Alle die genannten Reize lösen auf die eine oder andere Art eine Entzündung der bronchialen Schleimhaut aus. Diese hat verschiedene Folgen. Zunächst können durch die nicht intakte, dünnere Schleimhaut die in den Bronchien liegenden Nervenfasern leichter gereizt werden, was Husten auslöst. Zum anderen führt die Entzündung über die Zeit zum Verlust einzelner Bronchialzellen, die durch sog. Becherzellen ersetzt werden. Letztere produzieren den vermehrten Schleim, tragen aber nicht mehr zur Abwehr und zum Abtransport des Schelims in den Atemwegen bei.

Therapie

Je nach Dauer und Auslöser kann eine Inhalationstherapie sinnvoll sein (z.B. mit einem inhalierbaren Cortison)

Vorbeugung

Abbildung 2: Dauer des Stoßlüftens in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Foto: co2online, Berlin

Reine Luft ist eine sehr gut wirksame und einfache Vorbeugung. Keine Rauchbelästigung für das Kind: nicht im Haus, nicht im Auto, nicht bei Festen. Immer wieder an die frische Luft gehen, im Sommer wie im Winter. Die Wohnung sollte immer wieder gelüftet werden (Stoßlüften !).

Luftbefeuchter? Nein. Sie mögen die Luft im geringen Ausmaß befeuchten, werden aber bald zur „Schimmelpilzschleuder“ und somit zu einem gravierenden Gesundheitsproblem. Nebenbei sind sie teuer.

Und bei den vielen praktischen Fragen? Wenden Sie sich an Ihren Kinder- und Jugendarzt. Oder, wenn der sich unsicher ist, in Absprache mit dem Kinderarzt an eine Kinderpneumolog*in. Das sind die Spezialisten für Atemwegsprobleme bei Kindern und Jugendlichen.

Ein lang anhaltender „Reizhusten“ kann auch mal ein beginnendes Asthma sein und sollte in jedem Fall abgeklärt werden. Und für ein solches Asthma spielt im Kindesalter häufig auch Allergie eine große Rolle.

Giftpflanzen: Schneebeere – kein Problem

Die Schneebeere (Symphoricarpos albus) ist bei Kindern in der Natur als Wurfgeschoss sehr
beliebt. Verspeist wird sie dennoch eher selten. Sonst müssten Kinder ja auf Wurfgeschosse verzichten.

Symptome

Bei Einnahme ab 3-4 Beeren kann es zu Bauchschmerzen oder Erbrechen kommen. Schwere Vergiftungsfälle sind nicht bekannt.

Therapie

In der Regel nicht erforderlich (allenfalls ab 10 Beeren)

Fieber

Mit dem beginnenden Herbst kommt bald wieder die Zeit der Infektionen. Diese sind in vielen Fällen von Fieber begleitet, das den Kindern Stress und Eltern Angst macht. Dennoch: Fieber ist keine Krankheit. Es ist ein wichtiges Symptom, mit dem der Körper eine Fehlermeldung signalisiert – ähnlich wie die Kontrollleuchte in einem Auto.

Krankheiten bei denen Fieber auftritt sind sehr häufig. Mit Abstand am häufigsten tritt Fieber bei Infektionen mit Viren oder Bakterien auf. Diese Krankheitserreger können Stoffe freisetzen, die im Gehirn eine Veränderung des „Temperatur-Sollwertes“ herbeiführen. Das Gehirn (genauer die Region des Hypothalamus im Gehirn) gibt dem Körper dann beispielsweise den Befehl, statt einer Körpertemperatur von 37 Grad für eine Körpertemperatur von 39.2 Grad zu sorgen. Falls diese Veränderung rasch eintreten soll, kann der Körper dies mit einem Schüttelfrost „erreichen“. Durch die Muskelzuckungen wird der Körper einfach schneller warm. Aber auch andere Krankheiten können Fieber machen: Rheuma, Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder auch das sog. „Heufieber“, also der allergische Heuschnupfen. Fieber ist also nicht immer Zeichen für eine Infektion.

Wie messe ich die Körpertemperatur?

Die normale Körpertemperatur sollte im After (rektal) gemessen morgens in Ruhe immer unter 37.5 Grad Celsius liegen. Diese Messung ist die genauste. Rektale Temperaturen über 38.0 Grad sind immer auffällig und bedürfen einer Erklärung. Einigermaßen zuverlässig ist die Messung unter der Zunge, alle anderen Messungen weisen höhere Unsicherheiten auf. Bei der Messung mit dem Ohrthermometer wird oft eine zu niedrige Temperatur gemessen, wenn es nicht gelingt, das Trommelfell sicher anzupeilen.

Ist jede erhöhte Temperatur immer auch Fieber?

Nein. In den meisten Situationen ist der Sollwert des Gehirns korrekt, das Gehirn sagt also dem Körper: Halte die Temperatur bei 37 Grad. Es kann jedoch vorkommen, dass es dem Körper nicht gelingt, die auftretende Wärme abzugeben, wie bei einer Kissenschlacht. Es wird dann zu viel Wärme produziert und die Wärmeabfuhr ist vielleicht durch Wassermangel (z.B. hat ein Kind vor Aufregung auf dem Geburtstagsfest zu wenig getrunken) nicht ausreichend möglich. Auch Durst kann also die Temperatur ansteigen lassen, weil die Flüssigkeitsmenge für ein kräftiges Schwitzen nicht mehr ausreicht. Das nennt man medizinisch dann nicht Fieber, sondern HyperthermieIn diesem Fall will also der Hypothalamus dass die Temperatur bei 37 Grad liegt, aber der Körper kann das nicht umsetzen. Ein anderes Beispiel für eine Hyperthermie ist das zu warm angezogene Kind („….. es könnte sich erkälten“). Oder der Bauer, der im Sommer eine Wiese mit der Sense mäht und sich erschöpft unter einen Baum setzt. Wenn er dann Schatten hat und etwas trinkt, kommt die Temperatur von vielleicht 39 Grad innerhalb kurzer Zeit wieder auf Normalwerte zurück. Ohne dies zu messen spürt der Bauer, dass er wieder weitermachen kann.

Ist Fieber sinnvoll?

Im Infekt meistens. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Fieber zur Abwehr von Erregern wirksam ist. Aber es kann auch negative Folgen haben. Der Körper ist beim Fieber hohen Anstrengungen des Kreislaufs ausgesetzt. Fieber führt – wie wir alle erlebt haben – auch zu subjektiven Missempfindungen mit Angstträumen. Bei Kleinkindern können auch Fieberkrämpfe auftreten.

Was muss ich bei Fieber machen?

Zunächst muss mit den anderen Symptomen zusammen entschieden werden, ob Gefahr im Verzug ist. Fieber alleine ist meist kein Problem. Wenn aber zusätzlich Schläfrigkeit des Kindes auftritt, kann dies im schlimmsten Fall auch der Beginn einer Hirnhautentzündung sein. Bei grösseren Kindern und Jugendlichen ist das meist einfach zu klären, bei Kleinkindern sollte im Zweifelsfall ein Kinder- und Jugendarzt hinzugezogen werden.

Handelt es sich um einen „einfachen“ Infekt ist zunächst Flüssigkeitszufuhr wichtig. Daneben sollte das Kind warm zugedeckt werden, wenn sich sein Körper eher kalt anfühlt. Es sollte jedoch eher aufgedeckt werden, wenn es zu schwitzen beginnt. Das ist dann in aller Regel ein Hinweis auf die einsetzende Fiebersenkung. Unterstützend sinnvoll können Wadenwickel sein, wenn das Kind sie annimmt und die Beine warm sind (!).

….. und Medikamente?

Sie sind oft hilfreich, um unangenehmen Folgen des Fiebers entgegenzuwirken. So senken Arzneien wie Paracetamol (ben-u-ron© und andere) oder auch Ibuprofen (Dolormin©, Nurofen©) den erhöhten Sollwert im Gehirn. Der Körper bekommt also den Befehl „von oben“, statt beispielsweise 39.2°C die Temperatur auf 38.3°C zurückzufahren. Das Fieber sinkt. Meist aber nur für wenige Stunden. Aber das ist für den Kranken schon angenehm. Vergessen Sie dabei nie, wie Sie sich selbst mit Fieber fühlten! Diese Medikamente sind je nach Alter bei Temperaturen von 39.5 bis 40.5 Grad Celsius oft sinnvoll, aber teilweise auch bei geringeren Temperaturen, wenn gleichzeitig Schmerzen geklagt werden. Denn dagegen ist Paracetamol oder Ibuprofen auch hilfreich. Es ist auch verständlich, dass Fieber in der Einsamkeit der Nacht schlimmer ist, als wenn um das Kind herum tagsüber viel Ablenkung ist. Also, im Zweifelsfall zur Nacht eher mal großzügiger sein – und am Tag eher „geiziger“, wenn das Kind unter guter Beobachtung steht.

Gibt es Nebenwirkungen?

Ja. Deswegen sollte auch nicht bei jeder Temperaturerhöhung ein Medikament gegeben werden. Sie sind aber zum Glück selten. Unerwünschte Wirkungen treten bei einer Überdosis auf. Eine schwerwiegende Nebenwirkung von Paracetamol ist Fieber, also genau das, was wir eigentlich behandeln wollen. Das heißt, es kann schwierig sein, zu erkennen, ob das Fieber Krankheitszeichen oder bereits eine Nebenwirkung bei Überdosis ist. Wenn Sie die verordnete Dosis nicht überschreiten und z.B. Paracetamol maximal 3 Mal in der angegebenen Dosis am Tag geben, kann Ihrem Kind aber nichts passieren. Häufige Gabe von Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen über Jahre hat weitere, teils schwere Folgen. Das ist aber eher ein Problem von Erwachsenen.

Fazit

Wenn Ihr Kind also Fieber hat beachten Sie immer auch die anderen Zeichen: Wie geht es meinem Kind? Ist es wesensverändert oder jammert es nur über die Symptome Husten/ Schnupfen? Habe ich eine Erklärung für das Fieber? Eine Vorstellung beim Arzt ist umso wichtiger, je kleiner das Kind ist, also insbesondere bei Säuglingen. Im Zweifelsfall einfach beim Kinder- und Jugendarzt anrufen und nachfragen.

Giftpflanzen: Lorbeerkirsche

Wegen seines kräftigen Grüns übers ganze Jahr ist die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) in unseren Breiten eine sehr beliebte Gartenpflanze. Der bis zu 8 Meter hohe Strauch trägt im Herbst Früchte, die Vögel wie Kinder gleichmassen anziehen können. Für Deutschland sind weit mehr als 1000 Fälle einer Vergiftung dokumentiert.

Die Pflanze enthält besonders in den Blättern und den Samen Glykoside. Im Fruchtfleisch ist der Gehalt dieses Giftes hingegen geringer.

Symptome

Im Vordergrund stehen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit und Erbrechen. Daneben auch Gesichtsrötung, Kratzen im Hals und Kopfschmerzen.

Therapie

Bei weniger als 3 – 4 Früchten besteht kein Risiko. Darüber hinaus gehende Mengen können Beschwerden auslösen und es sollte der Arzt bzw. die Vergiftungszentrale eingeschaltet werden. Dort kann dann das individuelle Risiko und die Notwendigkeit einer Therapie beurteilt werden.

TIPP Kopfläuse – schonende Behandlung

Es gibt nur wenige Familien, die von Kopfläusen verschont bleiben. Das ist kein Wunder, befallen diese Tierchen in Deutschland doch 600 bis 1000 von 10.000 Kindern – kurzum jedes zehnte Kind, jedes Jahr. Das führt dann regelmäßig zu großer Unruhe und Sorge unter Eltern, Erziehern und Lehrern. Alle – und Ärzte sind davon nicht verschont – juckt es schon beim Gedanken, Kopfläuse könnten unsere Mitbewohner sein.

Ein Grund zu Beruhigung ist vielleicht, dass sich die Kopflaus (Pediculus capitis) nur auf dem behaarten menschlichen Kopf wohlfühlt und sonst nirgends. Es ist sogar so, dass sie auf die Nahrung der Kopfhaut dringend angewiesen ist, sonst versterben Kopfläuse innert 24 – 48 Stunden. Was sie auch nicht mögen ist Hitze: 55 Grad Celsius tötet sie ab. Leider tun diese Temperaturen aber auch unserem Kopf nicht gut, sonst wäre dies eine einfache Methode, Läuse zu bekämpfen. In diesem Zusammenhang wurden bereits Trockenhauben als Therapiemethode getestet und erwiesen sich als nicht praktikabel.

Untersuchungen zeigen nun, dass das Auffinden von Nissen alleine kein Grund zur Besorgnis darstellen sollte. In einer australischen Studie an 1729 Schulkindern konnte gezeigt werden, dass von den 91 Kindern die Nissen an ihren Haaren aufwiesen nur 31% auch tatsächlich Läuse hatten. Im weiteren Verlauf zeigten sich bei den Kindern mit alleinigem Nissenbefall nach 2 Wochen wiederum nur in 18% Kopfläuse. Es ist schon lange bekannt, dass nur Nissen, die weniger als 1 cm von der Kopfhaut entfernt an einem Haar anhaften noch leben und somit für Nachwuchs von Läusen sorgen können; alle anderen Nissen sind nur leere Hülsen die anzeigen, dass einmal Läuse die Kopfhaut befallen hatten.

Unter diesen Bedingungen hat die amerikanische Gesellschaft für Kinderheilkunde (AAP) mit anderen Gesundheitsorganisationen der USA den Umgang mit Kopflausbefall überarbeitet. Barbara L. Frankowski hat die Grundlagen für diese Entscheidung in der angesehenen Zeitschrift Pediatrics im Jahre 2010 veröffentlicht. Darin wird die „keine – Nissen – Politik“ klar verlassen und zur Entfernung von Nissen nur deshalb geraten, um eine Verwirrung der Umgebung zu verhindern. Auch hat es sich nicht als sinnvoll erwiesen eine gesamte Klasse über den Kopflausbefall eines Mitschülers zu informieren. Diese Hinweise führten – wie aus unserer Erfahrung in Pfullendorf bekannt – zu großer Verunsicherung. Sie trugen aber nicht zur Vorbeugung bei anderen Kindern bei. Wichtig bleibt die korrekte und konsequente Therapie des Kopflausbefalls am Tag der Diagnose. Dann kann ein Kind auch am Folgetag wieder zur Schule / Kindergarten gehen.

Es gibt inzwischen einige Therapieansätze. Im klassischen Fall erfolgt die Behandlung in den letzten Jahren mit Dimeticon (Nyda© L, Jacutin© Pedicul Fluid, EtoPril©). Dimeticon führt zum Ersticken der Läuse und hat kaum unerwünschte Wirkungen. Früher – und in Deutschland noch gut wirksam – wurde Permethrin (InfectoPedicul©) und Pyrethrum (Goldgeist© forte) in der Regel angewandt. Letzteres wurde aus den Blüten der Chrysanthemen (Tanacetum cinerariifolium) gewonnen (siehe Titelbild aus Ruanda). Diese Arzneien können zu leichten Hautreizungen führen.

Mit etwas Zeitaufwand können Eltern ihre Kinder – und ggf. auch sich selbst – mit der Methode des feuchten Auskämmens behandeln, die wir im praxisblättle bereits vorgestellt haben.

Kopfläuse sind keine Krankheitsüberträger (wie zum Beispiel Zecken) und stellen somit kein Gesundheitsrisiko für die Umgebung dar. Man sollte alles daran setzen, dass Kinder nach adäquater Therapie schon am nächsten Tag wieder die Schule / den Kindergarten besuchen. Kinder der engsten Umgebung (Geschwister) werden meistens mitbehandelt. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist erfahren Sie von bei ihrem Kinder- und Jugendarzt.

Wer weitergehende Detailinformationen sucht, kann diese im Merkblatt des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg finden.

Giftpflanzen: Eibe

Die Eibe (Taxus baccata) gehört zu den sehr giftigen Pflanzen und war schon im Altertum als
„Todesbaum“ bekannt. Zwar haben die Nadeln eine höhere Giftigkeit durch das enthaltene Taxin. Aber die schönen Samen sind für Kinder natürlich lockender. Insofern treten Vergiftungen im Kindesalter fast ausschließlich durch die Samen („Beeren“) auf.

Symptome

Nach etwa einer Stunde treten Übelkeit, Schwindel und Bauchschmerzen auf. Danach kommt es zu Bewusstlosigkeit, Rotfärbung der Lippen und schnellem Herzschlag (Tachykardie). Im weiteren Verlauf und bei entsprechend hoher Dosis sinkt der Blutdruck ab und der Tod tritt ein.

Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich

Maßnahmen

Bei bis zu 3 zerkauten Beeren ist außer Flüssigkeitsgabe keine weitere Maßnahme erforderlich. Bei mehr als 3 Beeren – und bei unklarer eingenommener Menge – sollte auf jeden Fall die Giftzentrale kontaktiert werden. Unbedingt zu beachten ist, dass zwischen Einnahme der Beeren und den Symptomen etwa 1 Stunde vergeht! Da Kinder meist nach 1 Beere vom Verzehr ablassen und die Beeren meist nicht zerkauen, treten fast ausschließlich schwache Symptome auf – auch wenn die Pflanze prinzipiell tödlich sein kann.

Wegen der Giftigkeit der Pflanze muss im Zweifelsfall lieber „überreagiert“ werden, wenn die Einnahme bzw. die Zahl der eingenommenen Beeren/ Pflanzenanteile unsicher ist.

Dengue-Fieber: Ist eine Impfung günstig?

Das Denguefieber ist eine fieberhafte Erkrankung, die in den letzten Jahrzehnten rasch weltweit an Bedeutung zugenommen hat. Inzwischen leben 40% der Weltbevölkerung in über 100 Ländern mit dem Risiko an dieser Infektion zu erkranken (siehe Abbildung 1).

Übertragung

Ausgelöst wird die Erkrankung von einem der vier Dengueviren, die beim Biss der Stechmücken Aedes aegypti oder Aedesalbopictus übertragen werden. Wer an einer Infektion mit einem der Viren (z.B. DENV-2) erkrankt war, behält für nur kurze Zeit einen relativen Schutz gegenüber den anderen 3 Typen. Menschen erkranken in Endemiegebieten also häufiger an der gleichen Infektion.

Symtome

Bei einer Erkrankung an Denguefieber treten die folgenden Symptome in unterschiedlicher Deutlichkeit auf. Es gibt auch Krankheitsverläufe, die nahezu unbemerkt verlaufen. Die Inkubationszeit – also die Zeit vom Stich bis zum ersten Symptome – liegt in aller Regel bei 4-7 Tagen.

  • Fieber
  • Schmerzen im oder hinter dem Auge
  • Muskelschmerzen
  • Knochenschmerzen
  • Ausschläge
  • Blutungsneigung: Unterblutungen der Haut oder am Auge, blutiger Urin, Nasenbluten

Es gibt ein schwerere Form der Erkrankung, die hämorrhagisches Denguefieber genannt wird. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass eine verstärkte Durchlässigkeit von Blutgefässen auftritt, so dass „Wasser“ in den Bauchraum (Aszites) oder in den Brustkorb (Pleuraerguß) übertritt. Blutungszeichen sind deutlich ausgeprägt. Das Fieber dauert 2 bis 7 Tage.

Die gefährlichste Form ist Dengue-Schocksyndrom. Dabei ist der Verlust von „Wasser“ (Plasma) so groß, dass Schocksymptome auftreten.

Häufigkeit und Schwere der Erkrankung

Abb. 1 Denguefeiber. Häufigkeit in Lateinamerika. Foto: UpToDate

Weltweit wird angenommen, dass jährlich 390 Millionen Menschen erkranken, wovon 96 Millionen die Erkrankung ohne Beschwerden („inapparent“) durchmachen. Dies gilt besonders für Kinder. Bei Auftreten von Fieber bei Kindern in Asien, liegt in 10% ein Denguefieber vor.

Denguefieber kommt besonders in Asien, Lateinamerika (siehe Abbildung 1) und Afrika vor. Hinzu kommen akute Ausbrüche in anderen Ländern.

Eine Zweiterkrankung mit Denguefieber ist in aller Regel stärker ausgeprägt. Somit ist das Risiko für Urlauber, die erstmals in eine Denguefieber-Gebiet reisen gering.

Therapie

Da es sich um eine Virusinfektion handelt, ist eine direkte und ursächliche Therapie nicht möglich. Zur Linderung der Beschwerden bzw. der Komplikationen sind in schweren Fällen immer Behandlungen im Krankenhaus erforderlich.

Vorbeugung

Die beiden Überträgermücken sind tagaktiv. Damit kommt den Insektenschutzmitteln (Repellentien) die entscheidende Funktion zu. Details hierzu im praxisblättle vom August 2018 Die Schwierigkeit ist immer, diesen Schutz konsequent (Urlaubsstimmung!) durchzuhalten.

Impfung

Die Impfung gegen Denguefieber wäre ideal. Es gibt einen Impfstoff (CYD-TDV), der in einigen Ländern Asiens und Lateinamerikas zugelassen ist. Diese Impfung ist jedoch nur für Menschen sinnvoll, die bereits eine Erkrankung gegen Denguefieber durchgemacht haben. Für Menschen, die noch nie an Dengue-Fieber erkrankt waren, kann die Impfung hingegen zum Risiko werden. In Deutschland ist die Impfung gegen Dengue-Viren nicht zugelassen und auch nicht verfügbar.