Kategorie: TIPP

Wiesengräserdermatitis

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine beeindruckend große Pflanze mit riesigen Blättern von bis zu einem Meter Länge. Der Bärenklau ist keine Giftpflanze. Kinder kommen nicht auf die Idee ihn zu essen. Der Reiz dieser Pflanze liegt für Kinder darin, dass die Stängel beeindruckend groß und innen hohl sind. Beim Spiel in der Natur werden sie deswegen gerne abgerissen und von manchen auch als Blasrohr genutzt. Keine gute Idee!

Abbildung 2. Wiesenkerbel. Foto: ptw

In zarterer Variante und viel häufiger ist der Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – der Buchstabe W macht den kleinen Unterscheid. Der Wiesenbärenklau kommt typischerweise in vielen Wiesen Europas vor und ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine einheimische Pflanze. Er kann leicht mit dem harmlosen und viel häufigeren Wiesenkerbel (Abbildung 1) verwechselt werden, der jedoch locker gefiederte Blätter hat.

Sowohl der Riesen-Bärenklau wieder der Wiesenbärenklau sondern einen Saft ab, wenn die Blätter oder Stängel verletzt werden. Dadurch kann er dann auf die Haut oder Schleimhaut der Lippen treffen. Unter Sonneneinstrahlung führt er dort bald zu blasigen Hautveränderungen (phototoxische Reaktionen), die wie Verbrühungen 2. Grades aussehen. Im Bereich der Lippen ist dies besonders unangenehm. Zu diesen Veränderungen kommt es also, wenn Pflanzensaft + Sonne zusammenwirken.

Symptome

Abbildung 2. Typisches Bild einer Photodermatose durch Wiesenbärenklau. Foto: ptw

An den Stellen, wo Pflanzensaft der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war entwickeln sich bei wenig Sonne eine Rötung. Je nach Menge des Pflanzensaftes und der Strahlung treten deutlichere, teils auch große und pralle  Blasen auf der Haut auf (siehe Abbildung 2 rechts). Im Randbereich ist eine begleitende Entzündung. Der Befund ist teilweise mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Therapie

Behandlung wie bei einer Verbrennung + Gabe eines Schmerzmittels. Eine ärztliche Behandlung ist anzuraten.

Tipp

Suchen Sie in der Umgebung Ihrer Wohnung nach solchen Pflanzen und warnen Sie Ihr Kind davor. Besonders unangenehm sind Blasenbildungen am Mund, wenn Kinder den Pflanzenstängel als Blasrohr benutzen sollten.

Eichenprozessionsspinner

Nun beginnt wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die „Brennhaare“ der Eichenprozessionsspinner. Letzte Woche erschienen in der Presse erste Berichte über mehrere Nester dieser Raupe im Raum Fulda. Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Abbildung 1. Raupenspinnerdermatitis. Foto: deacademic.com

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge (siehe Abbildung 1) können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden. Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Nagelbettentzündung – Fußpflege hilft sie zu verhindern

Fußnägel werden gerne vergessen was ein Blick zu Boden im Schwimmbad schnell klar macht. Fingernägel hingegen erfahren seit Jahren höchste Zuwendung. Das bleibt nicht ganz ohne Folgen. Gerade bei Jugendlichen beobachten wir in den letzten Jahren zunehmende Fußprobleme. Mit verändertem Modebewusstsein und Freizeitverhalten sind davon inzwischen auch jüngere Kinder betroffen.

Bis Kinder das Laufen erlernen ist der Fuß ein wichtiges Greifwerkzeug. Sie erinnern sich bestimmt noch daran, als Ihr Kind 6 Monate alt war: Zu dieser Zeit vermögen Kinder mit dem Fuß Gegenstände zu fassen, sie benutzen die Füße als Greifwerkzeuge. Und sie erleben den Fuß auch ganz sinnlich, streicheln mit dem Fuß den eigenen Körper (oder gelegentlich auch den Unterarm des Kinderarztes, der sie gerade untersucht) – und sie nehmen die Füße in den Mund.

Das möchte man später eher nicht mehr tun, wenn der Fuß zum „Geh-Werkzeug“ reduziert und ansonsten wenig beachtet wird. Häufig wird er von Jugendlichen nur noch als lästig erlebt, er hat vielleicht einzelne Stechwarzen, hier und da einen Fußpilz und immer wieder beschwert sich jemand im Hause, dass man Schweißfüße hätte. Schwierig, diesen Teil des Körpers zu mögen. Und es geht doch. Aber wie?

Schweißfüße

Abbildung 1. Die Füsse eines Menschen. Pro Quadratzentimeter sind sie mit bis zu 600 Schweißdrüsen bestückt – je mehr Rotfärbung im Bild, umso dichter stehen die Schweißdrüsen. Foto: http://slideplayer.org/slide/2818504/

Füße haben Schweißdrüsen (siehe Abbildung 1). Die Anzahl der Drüsen ist bei Kindern ebenso groß wie bei den Erwachsenen, insofern haben es die Erwachsenen leichter – der kindliche Schweißfuß „wächst sich aus“. Wenn man ihm eine Chance gibt. Die Schweißdrüsen sondern Sekret ab, das auf die eine oder andere Art abziehen muss. Dazu sind hilfreich:

  • Schuhe, die die Feuchtigkeit entweder speichern können oder leicht abgeben. Aber auch der beste Schuh hat seine Kapazität nach 6 Stunden erreicht und dann ….
  • Wechseln der Schuhe so oft es geht.
  • In Gebäuden offene Hausschuhe nutzen oder barfuß gehen.
  • Tägliches Wechseln der Socken.
  • Regelmässige Fußpflege mit Waschen und auch Anwendung von Lotiones oder ggf. auch Pudern, je nach Hauttyp
  • Turnschuhe sind oft aus künstlichem Material und speichern kaum die Körperflüssigkeit – sie sind aber cool. Sie sollten nur begrenzt benutzt werden (man kann den Unterschied zum „guten Schuh“ leicht selbst feststellen: in Turnschuhen ist es oft sehr warm = wenig Belüftung.
  • ist der Schuh mal von Schweißgeruch befallen trägt man diesen „Makel“ durch die Welt. Fußpflege muss also regelmäßig erfolgen, wenn sie erfolgreich sein soll.

Nagelpflege

Abbildung 2. Schneiden der Nägel. Die Finger des Kindes sind gut fixiert, die Schere wird schräg angesetzt. Das Schneiden erfolgt in einem kleinen, halbmondförmigen Bogen. Foto: https://www.leben-und-erziehen.de/baby/babypflege/naegel-schneiden

Die Fußnägel werden oft sehr radikal geschnitten, was nicht nur schmerzhaft ist, sondern oft auch Folgen wie Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) nach sich zieht. Wie macht man/frau’s richtig?

  • Der Nagel sollte nicht zu kurz geschnitten werden, 1-2 mm dürfen gern als weißer Rand zu sehen sein.
  • der Nagel wird leicht bogenförmig geschnitten entlang der Zehenkuppe (siehe Abbildung 2). Dabei bleiben die Ecken etwas stehen (zum Schutz der seitlichen Nagelplatte) und werden mit der Feile nachträglich abgerundet („Kanten brechen“). Die Spitze
    der Schere sollte also unter keinen Umständen in den seitlichen Nagelbereich eindringen.
  • der Nagelfalz wird mit der Spitze der Nagelfeile (gerne auch seitlich angesetzt) gesäubert. Die Nagelhaut sollte dabei nicht verletzt werden.

Fusswarzen

Sie kommen immer wieder vor, weil Warzenviren an allen Ecken lauern. Das ist nicht weiter schlimm, sofern wir den Viren keine besonders guten Bedingungen schaffen (siehe die Bedingungen, die unter dem Kapitel „Schweißfüße“ aufgeführt sind). Warzen zu entfernen lohnt oft nicht, da sie gerne rasch wieder auftauchen. Und selbst so radikale Methoden wie die
Kryotherapie („Vereisen“) oder die chirurgische Entfernung weisen eine Rezidivrate von über 50% auf. Trockene, gut gepflegte Füße sind auch hier die beste Vorsorge. Und Gelassenheit: viele Kinder weisen im Alter von 6 bis 14 Jahren Warzen auf, die letztlich von selbst verschwinden und keiner weiteren Maßnahme bedürfen, solange sie beim Gehen nicht
störend sind.

TIPP Lesestart – App

Lesen ist ein entscheidender Meilenstein für die Entwicklung von Menschen – ob jung oder alt. Viele Kinder werden schon früh neugierig. Gelangweilt im Auto sehen sie die Buchstabenfolgen E X I T oder S T O P und bemerken, dass solche Zeichen eine Bedeutung für uns Erwachsene haben. Sie fragen nach, und lesen das erste Wort. Mit dem Lesen erwacht neues Interesse und die Sprache entwickelt sich schnell weiter.

Abbildung 1. APP Lesestart

Die STIFTUNG LESEN und das Bundesministerium für Bildung und Forschung haben vor vielen Jahren eine Kampagne gestartet mit dem Ziel Eltern zu unterstützen, ihre Kinder ans Lesen heranzuführen. Dabei spielen auch digitale Formate eine Rolle, wie verschiedene APPs, mit denen Kinder der Zugang zum Lesen erleichtert wird. Wir finden: das ist eine prima Sache!

Eine gute Hilfe für alle Eltern. Diese steht übrigens auch in Englisch, Polnisch, Türkisch und Russisch zur Verfügung.

Dicke Luft

Der Dieselskandal ist seit einem Jahr ein Top-Thema. Der eigentliche Skandal ist aber, dass Dieselfahrzeuge über die letzten Jahrzehnte steuerlich gefördert wurden. Dabei war längst bekannt was der Dieselmotor anrichten kann.

Zum Beispiel Pollenallergie in Japan. Dort wurde bereits 1986 die erste wissenschaftliche Arbeit von M. Muranaka und Kollegen zum Thema Dieselpartikel und Allergie im angesehenen Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) veröffentlicht. Diese bezog sich auf Untersuchungen an Mäusen. Eine zweite Publikation ein Jahr später von der gleichen Forschergruppe erhärtete nochmals im Tierversuch das Risiko. Sie folgerten, dass diese Daten wohl auch für Menschen bedeutsam seien.

Abbildung 1. Darstellung der IgE-Produktion von reinen B-Zellen in Anwesenheit von IL-4 plus CD40-Zellen Bezug auf Umgebungsbedingungen mit oder ohne PAH-DEP (DEP: Diesel exhaust particle). Foto: JACI, 1995

Takenaka und Mitarbeiter veröffentlichten schließlich 1995 die im Experiment nachgewiesenen Effekte am Menschen. Diese betreffen Dieselpartikel bzw. polyaromatische Hydrocarbone (PAHs = PAK: polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) aus den Dieselabgasen im Bereich der menschlichen Atemwege (siehe Abbildung 1).

Namhafte Allergologen und Immunologen haben also schon vor 23 Jahren schlüssig belegt, dass Dieselabgase negative Auswirkungen auf die Atemwege des Menschen haben. Über diese 23 Jahre lief die steuerliche Förderung der Dieselfahrzeuge in Deutschland munter weiter. Es bleibt der Eindruck, dass nichts unternommen wurde, um die Situation in über 2 Jahrzehnten zu verbessern.

Der Dieselmotor bleibt trotz allem eine gute Erfindung. Ein Vierteljahrhundert jedoch ungenutzt verstreichen zu lassen und nichts zu unternehmen, um den Abgasausstoß zu verringern ist erschreckend. Da beruhigt es auch nicht, dass heute alle alles besser wissen.

Abbildung 2. Luftqualität in Baden-Württemberg. Im Kästchen oben die aktuellen Daten von Reutlingen. Die weiteren Messstellen sind markiert, wobei die Farbe grün gute Werte anzeigt. Um Sigmaringen gibt es über weite Gebiete keine Messdaten. Foto: aqicn.org/map/stuttgart/de/

Immerhin. Die Gesellschaft ist etwas lernfähig. In Berlin gibt es eine Informationsseite, die den Menschen in der Hauptstadt zeigt, was so in der Luft liegt. Für Baden-Württemberg gibt es ebenfalls Daten (siehe Abbildung 2), die kontinuierlich gemessen und im Internet abrufbar sind. Ein erster  Anfang zur Transparenz ist also gemacht.

TIPP Urlaubsapotheke

Bald gehen viele Familien in den Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das Wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub lang ist. Damit können auch unerwartete Probleme beim Warten auf den Rückflug (Flugstornierung – denken Sie an Air Berlin im letzten Jahr) vermieden werden. Diese Dauer-Medikamente werden im Handgepäck mitgeführt. Das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen! Also Medikamente immer „am Mann“ – oder der Frau.

Notfallmedikamente

  • Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur©. Diese sollte immer als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.
  • Magen-Darm-Erkrankung. Hier ist es wichtig Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium) dem Körper zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird.
  • Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© oder Dolormin©).
  • Für gefährdete Kinder sind antiallergische Medikamente vielleicht wichtig. Dies gilt für schwere Allergien (Tierhaare, Insektengifte) wie auch für Pollenallergien. Hier ist es sinnvoll vor Reiseantritt das Risiko mit dem behandelnden Kinderarzt auszuloten.
  • Sonnenschutzmittel. Der wichtigste Sonnenschutz bleibt der Schatten, die Mütze und ein T-Shirt. Ansonsten sind je nach Reiseland Sonnenschutzmittel mit etwa SF 30 bei Kindern sinnvoll. Diese müssen mehrfach am Tag großzügig aufgetragen werden. Also genügende Mengen einpacken!
  • Je nach Reiseland sind sog. Repellentien wichtig. z.B. um Zecken abzuhalten (Osteuropa) oder Mücken (Südeuropa) oder gar tropische Erkrankungen.
  • Desinfektionsmittel wie Octenisept© sollten immer mitgeführt werden sowie Verbandsmaterial.

Allgemeine Hinweise

  • Fieberthermometer sind gerade bei kleinen Kindern sinnvoll.
  • Medizinische Dokumente (z.B. Impfpass, Allergie- oder Diabetikerausweis)

Im Einzelfall ist es sinnvoll den Kinder- und Jugendarzt einige Wochen vor Antritt des Urlaubs zu kontaktieren, um individuelle (bei speziellen Krankheiten) oder spezifische (bei speziellen Reiseländern) Fragen vor der Reise in Ruhe zu klären. Dabei sollte auch Zeit sein, um fehlende Impfungen nachzuholen.

Für einige Medikamente müssen ggf. Bescheinigungen ausgestellt werden für die Mitnahme im Handgepäck (z.B. Flüssigkeiten über 100 ml)  bzw. die Einreise im Zielland.

Ertrinken – meist lautlos und unspektakulär

Dieser Artikel ist im Internet auf www.ostsee24.net zu finden mit der Freigabe ihn auch hier veröffentlichen zu können. Weil er so eindrücklich die unscheinbare die Gefahr des Ertrinkens schildert, soll er in ganzer Länge erscheinen. 

Was man über das Ertrinken wissen sollte, um die Gefahr für Kinder und Erwachsene zu minimieren.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 400 Menschen durch Ertrinken. In vielen Fällen befinden sich weitere Badegäste in unmittelbarer Nähe und beobachten den Vorgang – weil Sie keine Ahnung haben, was dort gerade passiert. Kein Schreien, kein Winken und kein Gestrampel. Im Gegenteil, es ist ein leiser Tod und passt gar nicht in das durch das Fernsehen vermittelte Bild. Diesem Phänomen ist Mario Vittone, Rettungshubschrauberpilot und Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard in New Orleans, in seinem Artikel „Drowning Doesn´t Look Like Drowning” nachgegangen und hat damit für sehr viel Aufsehen gesorgt. Der folgende Artikel ist eine Übersetzung aus dem Original.

Wenn Ertrinken nicht nach Ertrinken aussieht

Ertrinken? Wohl kaum. Der Rettungsschwimmer sprang voll bekleidet von Board und spurtete durch das Wasser. Der ehemalige Rettungsschwimmer ließ das Opfer nicht aus den Augen, als er sich direkt auf die Bootseigentümer zu bewegte, die zwischen ihrem verankerten Sportfischerboot und dem Strand im Wasser schwammen. „Ich glaube, er denkt, du ertrinkst“, sagte der Mann zu seiner Frau. Sie hatten einander mit Wasser bespritzt und sie hatte geschrien, aber nun standen sie nur bis zum Hals im Wasser auf der Sandbank. „Uns geht es gut, was tut er da?“, fragte sie etwas gereizt. „Uns geht es gut!“, rief der Mann und winkte ihm zu, umzukehren, aber der Rettungsschwimmer schwamm unnachgiebig weiter. „Weg da!“, blaffte er, als er zwischen den erstaunten Bootseigentümern entlang spurtete. Direkt hinter ihnen, keine drei Meter entfernt, war ihre neunjährige Tochter gerade im Begriff zu ertrinken. Sicher an der Oberfläche in den Armen des Rettungsschwimmers, brach sie in Tränen aus: „Papa!“ Wie konnte der Rettungsschwimmer aus fünfzehn Metern Entfernung wissen, was der Vater aus nur drei Meter Entfernung nicht erkennen konnte? Ertrinken ist nicht der ungestüme, spritzende Schrei nach Hilfe wie die meisten Menschen erwarten. Der Rettungsschwimmer hatte durch eine fachliche Ausbildung und jahrelange Erfahrung gelernt, Ertrinken zu erkennen. Der Vater hingegen hatte im Fernsehen gelernt, wie es aussieht, wenn jemand ertrinkt. Wenn Sie Zeit auf dem oder am Wasser verbringen, dann sollten Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Freunde/Bekannten wissen, worauf zu achten ist, wenn Menschen ins Wasser gehen. Bis sie „Papa“ schluchzte, hatte sie keinen Ton von sich gegeben. Als ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache überraschte mich diese Geschichte überhaupt nicht. Das Ertrinken ist fast immer ein trügerisch ruhiger Vorgang. Das Winken, Spritzen und Schreien, auf das wir durch die dramatische Konditionierung (Fernsehen) vorbereitet sind, zeigt sich in der Realität nur selten. Die instinktive Reaktion auf das Ertrinken (The Instinctive Drowning Response) – so benannt von Dr. Francesco A. Pia, – ist das, was Menschen tun, um tatsächliches oder vermeintliches Ersticken im Wasser zu vermeiden. Und dies sieht nicht so aus, wie es die meisten Menschen erwarten. Es gibt wenig Gespritze, kein Winken und keine Schreie oder Hilferufe irgendeiner Art. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ruhig und wenig dramatisch das Ertrinken von der Oberfläche aus wirken kann, überdenken Sie Folgendes: Es ist der zweithäufigste Unfalltod bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren (direkt nach Verkehrsunfällen) – von den Kindern, die im nächsten Jahr ertrinken werden, werden die Hälfte in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil oder einem anderen Erwachsenen ertrinken. In zehn Prozent dieser Fälle wird der Erwachsene sie sogar beim Ertrinken beobachten und keine Ahnung davon haben, was gerade vor sich geht, denn Ertrinken wirkt nicht wie Ertrinken.

Auf was Sie achten müssen: Anzeichen des Ertrinkens

In einem Artikel im Coast Guard’s On Scene Magazine beschrieb Dr. Pia die instinktive Reaktion auf das Ertrinken so: 1. Außer unter seltenen Umständen sind ertrinkende Menschen physiologisch nicht dazu in der Lage, um Hilfe zu rufen. Das Atmungssystem ist auf das Atmen ausgelegt. Sprache stellt die zweite oder überlagerte Funktion dar. Die Aufgabe des Atmens muss erfüllt sein, bevor die Sprache stattfindet. 2. Der Mund ertrinkender Menschen sinkt abwechselnd unter die Wasseroberfläche und taucht wieder aus dem Wasser auf. Der Mund ertrinkender Menschen befindet sich nicht lange genug über der Wasseroberfläche, um auszuatmen, einzuatmen und um Hilfe zu rufen. Sobald sich der Mund eines Ertrinkenden über der Wasseroberfläche befindet, atmet dieser schnell aus und ein, da sein Mund bereits wieder unter Wasser zu sinken beginnt. 3. Ertrinkende Menschen können keine Hilfe herbeiwinken. Ihre Natur zwingt sie dazu, instinktiv ihre Arme seitlich auszustrecken und von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken. Von oben auf die Wasseroberfläche zu drücken ermöglicht es Ertrinkenden, ihren Körper nach oben zu drücken, um ihren Mund zum Atmen aus dem Wasser zu heben. 4. Während der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken können Ertrinkende die Bewegung ihrer Arme nicht bewusst steuern. Physiologisch gesehen sind Ertrinkende, die an der Wasseroberfläche kämpfen, nicht in der Lage, das Ertrinken aufzuhalten und bewusste Bewegungen auszuführen, wie beispielsweise das Winken nach Hilfe, die Bewegung auf einen Retter zu oder das Greifen nach einem Rettungsgerät. 5. Von Anfang bis Ende der instinktiven Reaktion auf das Ertrinken befindet sich der Körper eines Menschen aufrecht im Wasser, ohne Hinweise auf unterstützendes Treten mit den Füßen. Werden sie nicht von einem ausgebildeten Rettungsschwimmer gerettet, können diese Ertrinkenden nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche kämpfen, bevor sie untergehen. Das heißt nicht, dass eine Person, die um Hilfe ruft und um sich schlägt, nicht in ernsthaften Schwierigkeiten ist – sie erlebt eine Wassernotsituation. Eine Wassernotsituation tritt nicht immer vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auf und hält nicht lange an – aber anders als beim wirklichen Ertrinken, können die Betroffenen hier noch an ihrer eigenen Rettung mitwirken. Sie können nach Rettungsleinen oder -ringen usw. greifen.

Weitere Anzeichen des Ertrinkens

Achten Sie auf diese anderen Anzeichen des Ertrinkens, wenn sich Personen im Wasser befinden: * Kopf befindet sich tief im Wasser mit dem Mund auf Höhe der Wasseroberfläche * Kopf ist nach hinten geneigt und der Mund geöffnet * Augen sind glasig und leer und können nicht fokussieren * Augen sind geschlossen * Haare hängen vor der Stirn oder den Augen * Beine werden nicht benutzt – Vertikal * beschleunigte Atmung oder Schnappen nach Luft * versucht, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, kommt aber nicht voran * versucht sich auf den Rücken zu drehen. Sollte also ein Rettungsschwimmer über Bord gehen und es sieht so aus, als wäre alles in Ordnung – seien Sie sich nicht zu sicher. Manchmal ist der einfachste Hinweis darauf, dass jemand ertrinkt, dass er nicht so wirkt, als würde er ertrinken. Es wirkt vielleicht einfach so, als würde er Wasser treten und nach oben auf das Deck sehen.

Wie kann man sich wirklich sicher sein?

Fragen Sie: „Geht es dir gut?“ Wenn er das beantworten kann – geht es ihm wahrscheinlich gut. Wenn er mit einem leeren Blick antwortet – haben Sie vielleicht weniger als 30 Sekunden Zeit, ihn zu retten. Und an die Eltern: Kinder, die im Wasser spielen, machen Lärm. Wenn sie still werden, dann gehen Sie zu ihnen und finden Sie heraus, weshalb.

Herrliche Sonne – aber nicht unbedingt für die Haut

Die Sonne wird seit Monaten immer stärker. Wir merken das nicht nur an den längeren Tagen, sondern auch an der erwachenden Natur. Und an uns selbst: Es ist eine Labsal, die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren.

Abbildung 1. Lichtspektrum. Foto: www.optifog.de

Wirklich, immer eine Labsal? Für die Seele sicher. Aber für die Haut kann’s auch gefährlich werden. Das gilt besonders für die Kinder. Für sie ist ein guter Sonnenschutz wichtig. Als Kinder und Jugendliche erfahren die Menschen etwa 80% der UV-Strahlung ihres Lebens. Also gerade in diesem Alter ist ein konsequenter Schutz wichtig, um das Risiko für ein Melanom – den „schwarzen Hautkrebs“ – nicht zu erhöhen. Abbildung 1 zeigt, dass die UV-Strahlung von uns – im Gegensatz zur Infrarotstrahlung, die sich als Wärme äußert – subjektiv nicht wahrgenommen werden kann. Wir müssen also unseren Verstand walten lassen, bevor ein Sonnenbrand uns die Information im Nachhinein vermittelt.

Und lassen Sie sich nicht täuschen: Auch wenn die Temperaturen noch nicht so hoch sind, die Sonne ist schon stark. Die Sonne am 21. April ist ebenso stark wie die am 21. August. Hierzu war im praxisblättle letzte Woche der Beitrag „Sonne, liebe Sonne“ zu lesen.

Hier nun einige praktische Tipps, die einfach umzusetzen sind.

Intensive Sonne meiden

  • Die Mittagszeit im Haus verbringen
  • UV-Index (hier für’s Ländle) gibt Hinweis auf die Stärke der Sonne

Dichte Kleidung

  • Kopfbedeckung mit Ohren- und Nackenschutz
  • Kleidung mit Bedeckung der Schultern
  • Schuhe, die den Fußrücken schützen

Sonnenbrille

  • Kindersonnenbrille, wenn möglich seitlich geschlossen
  • ideal mit Kennzeichnung DIN E 836 und UV-400

Sonnencreme

  • Lichtschutzfaktor 30 mit UVA- und UVB-Schutz
  • Wasserfest
  • Dick auftragen
  • alle 2 Stunden neu eincremen + immer nach dem Baden im Wasser

Schatten

  • Schatten ist immer der beste Sonnenschutz
  • Schatten wandert mit der Sonne – also nicht einschlafen
  • ein breitkremiper Hut bietet dem Hals Schatten

Abbildung 2. Verschiedene UV-Wellenlängen und die Wirkung der Atmosphäre auf sie. Foto: Bundesamt für Strahlenschutz.

Letztlich ist es nicht so schwierig ein Kind gut vor der Sonnenstrahlung zu schützen. Einzig wichtig ist dabei, konsequent zu bleiben und immer daran denken: Der einfachste Schutz ist der Schatten. Beim Sparziergang einfach den Kinderwagen immer so fahren, dass das Kind keine direkte Sonne abbekommt. Denn je kleiner die Kinder sind, umso eher kann die UV-Strahlung Schäden an der Haut anrichten.

Und noch eines. Den absoluten Schutz vor UV-Strahlung gibt es natürlich nicht. UV-Strahlung geht durch die Kleidung hindurch (sehr abgeschwächt), auch durch einen Sonnenschirm (immerhin bis zu 50%) und sie erreicht uns auch im Schatten durch Streustrahlung.