Kategorie: TIPP

Hundebiss – nicht so selten

Bis zum 18. Geburtstag wird jedes zweite Kind von einem Hund gebissen. Also kein seltenes
Ereignis. Meistens sind es Kleinkinder, die sich gegenüber einem Hund nicht eindeutig verhalten und bei ihm eine – aus Sicht des Menschen – unangemessene Reaktion auslösen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie hat kürzlich nochmals darauf hingewiesen, dass Kinder zu über 90% von Hunden aus dem nahen sozialen Umfeld gebissen werden. Diese Situationen entstehen also kaum in fremder Umgebung, sondern meist im eigenen Haushalt, der unmittelbaren Nachbarschaft oder bei Freunden.

Bei inzwischen über 5 Millionen Hunden in Deutschland ergibt sich dieses Missverständnis von Mensch und Hund immer häufiger.

Was ist wichtig?

  • Bisse von Hunden sollten immer dem Arzt vorgestellt werden. Oberflächlich harmlos aussehende Verletzungen können in der Tiefe ausgedehnte Quetschungen verursacht haben, die sich durch den bakteriell belasteten Speichel des Hundes häufig infizieren.
  • Der Arzt muss auch seltene Wundinfektionen wie Tetanus, Gasbrand oder eine Blutvergiftung in die Überlegungen einbeziehen. Oftmals ist die Gabe eines geeigneten Antibiotikums sinnvoll.
  • Vorbeugend ist es wichtig, dass Kinder nie mit Hunden alleine gelassen werden. Das gilt auch gegenüber kleinen Hunden, die durchaus bedeutsame Verletzungen setzen könnten.
  • Vor Urlaubsreisen sollten Eltern mit ihren Kindern besprechen, dass es in vielen Ländern der Erde frei laufende Straßenhunde gibt, die ein völlig anderes Verhalten zeigen können, als die bisher bekannten Hunde zuhause. Und dass auch Tollwut vorkommen könnte.

Grell leuchtende Schulranzen: ein Stück Sicherheit

Zum Glück für die Kinder, dass es die Stiftung Warentest gibt. Sie nimmt sich vieler für Eltern wichtiger Themen an, beginnend von den Babymatratzen bis zu den Schulranzen. Letztere sind ein Schwerpunktthema im Februarheft 2019.

Schlimm genug dass in der Dämmerung gerne die grauen Autos unbeleuchtet durch die Gegend fahren. Dass ich selbst die Straße sehe, heißt noch lange nicht, dass mich die anderen auch wahrnehmen. Herrschen doch gerade am Morgen und am Abend die Grautöne vor. Und genau dann, wenn der Tag anbricht, brechen auch die Kinder in die Schule auf. Und sie sollten unbedingt gesehen werden. Bei den einigen Herstellern von Schulranzen hat sich das niedergeschlagen. Viele sind inzwischen mit grellen Farben ausgestattet.

Doch im Test haben nur acht der 22 Ranzen ein gutes Ergebnis erzielt. Wir wollen sie kurz vorstellen:

Produktname Note Preis Anmerkung
Ergobag Cubo: Neo Edition Illumibär GUT 1,7 259€ für Erstklässler geeignet
Ergobag Pack: Neo Edition Strahlebär GUT 1,7 259€ leuchtet tags am besten
Scout Alpha Commander (DIN) GUT 1,9 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step 2 in 1: Pegasus Dream (DIN) GUT 1,9 229€ Rücklehne einstellbar
Scout Genius: World Cup (DIN) GUT 2,0 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step Touch2: Space Pirat (DIN) GUT 2,0 219€ günstigstes Set
McNeill Ergo Primero Champ (DIN) GUT 2,1 249€ auch für kleine Erstklässler
McNeill Ergo Light Pure Libelle (DIN) GUT 2,3 239€ im Dunkeln mäßig sichtbar

Der Preis aller GUT-getesteten Ranzen liegt klar über 200 EURO. Das eine Menge Geld. Die Investition ist aus Sicherheitsgründen kaum zu vermeiden. Gerade beim Tohuwabohu, das vor vielen Schulen vorherrscht, gibt man gehetzten und wenig achtsamen Autofahrer-Eltern ein zusätzliches Signal, die herumspringenden Kinder sicher zu erkennen.

Endlich! Zahnärztliche Vorsorge bei Kleinkindern als Kassenleistung

Es geschieht manchmal was Gutes und kaum einer bemerkt es. So Ende Januar 2019, als der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen als Kassenleistung genehmigte. „Wir sind froh, dass diese Präventionslücke endlich geschlossen wird“ erklärte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. Die Regelung soll ab 1. Juli 2019 in Kraft treten.

Welche Angebote gibt es nun für Kleinkinder?

  • Schon seit wenigen Jahren soll der Kinder- und Jugendarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen auf die Bedeutung des Zahnarztes hinweisen. Warum das schon mit 6 Monaten erfolgen soll bleibt ein Rätsel, wenn der Zahnarzt in den Mund des Säuglings schaut und allermeist keinen Zahn findet.
  • Bis zum vollendeten 33. Lebensmonat sind drei zahnärztliche zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen vorgesehen, inklusive eingehender Untersuchung, Beratung der Eltern und Anleitung zum täglichen Zähneputzen beim Kleinkind.
  • Kleinkinder haben einen Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal im Halbjahr

Sinnvolle Maßnahmen, um möglichst früh im Leben eine konsequente Zahnpflege auf den Weg zu bringen. Dies wird seit einiger Zeit von den Zahnärzten empfohlen, wie der Ratgeber der Bundeszahnärztekammer zeigt.

Auch wenn sich vieles gebessert hat, liegt die Rate der Milchzahnkaries noch immer bei 15%. Nuckelflaschen und später zucker- bzw. säurehaltige Getränke sind die Hauptursachen.

Kurzsichtigkeit und Sonnenlicht

Kurzsichtigkeit (Myopie) wird in der Regel als schicksalhaft angesehen. Und in der Tat ist es so, dass die Erkrankung eine familiäre Häufung zeigt. Insbesondere stellt die Kurzsichtigkeit der Mutter einen Risikofaktor für das Kind dar.

Untersuchungen aus China und Dänemark weisen aber auf einen Umweltfaktor hin, den wir beeinflussen können: das Tageslicht. In der dänischen Untersuchung (Cui et al, 2013) wurde nachgewiesen, dass Kinder im Alter von 8-14 Jahren eine geringere Zunahme der Länge des Augapfels hatten, wenn sie sich im Durchschnitt 2782 Stunden im Tageslicht aufhielten gegenüber denen, die sich nur 1681 Stunden draußen aufhielten. Eine chinesische Untersuchung bei Kindern von 6-12 Jahren kam zum gleichen Ergebnis.

Aktivität draußen ist also nicht nur günstig zur Verhinderung des Übergewichts oder von Asthma sondern auch zur Vorbeugung von Kurzsichtigkeit. Schöner als drinnen vor Bildschirmen zu sitzen ist es allemal.

Ein Grund mehr unseren Kindern den Weg nach draußen schmackhafter zu machen. Das geht auch im Winter.

Tollwutimpfung? Vor jeder Reise eine wichtige Überlegung, gerade für Kinder

Tollwut ist in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgerottet. Aber ist das Problem damit aus der Welt? Mitnichten. In der Welt gibt es viel Tollwut mit erheblichen Folgen. Gerade für Kinder.

Was ist überhaupt Tollwut?

Früher sagten die Menschen, „ich kriege gleich eine Tollwut“ wenn sie sehr erregt waren. Aber die Tollwut (medizinisch: Rabies) ist eine virusbedingte Erkrankung. Weltweit kommt sie in mehr als 150 Ländern vor. Nach den neuesten Schätzungen sind im Jahr 2015 etwa 59.000 Menschen daran verstorben.

Tollwut wird in etwa 99% von erkrankten Hunden bei einem Biss auf den Menschen übertragen. Dabei löst sie eine schwere Hirnentzündung aus. Die Infektion ist für den infizierten Menschen nahezu sicher tödlich, sofern er keinen Impfschutz hat bzw. nach dem Biss keine sofortige aktive (+ ggf. auch passive) Impfung erhält (sog: Postexpositionsprophylaxe (PEP)) erhält. Die Impfung gegen Tollwut ist somit die einzige Maßnahme, die bei der Tollwut vor dem Tod schützt. Die Inkubationszeit bis zum Auftreten von Symptomen beträgt meist 2-3 Monate (!) und zeigt ein Spektrum von einer Woche bis zu einem Jahr.

Wer sollte sich impfen lassen?

Abbildung 1. Häufigkeit von Tollwut nach aktuellen Daten der Jahre 2010 – 2014. Foto: Datenblatt der WHO, 2016

Die Tollwut ist in manchen wenigen Ländern wie Deutschland ausgerottet und kommt einzig in der Antarktis nie vor. In Ländern Afrikas und Asiens – ganz besonders in Indien – ist sie häufig (siehe Abbildung 1). Reisende in diese Länder sollten sich bei einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt individuell beraten lassen, ob eine Impfung für sie wichtig ist. Von allen Menschen die sich durch einen Biss anstecken sind 40% unter 15 Jahre als. Kinder sind weltweit die häufigsten Opfer der Tollwut. Gerade bei Kindern, sollte damit eine Impfung eher großzügig erfolgen, wenn das Tollwut-Risiko für die Reise hoch ist. Dabei spielt das Reiseland weniger eine Rolle als die Art der Reise. Wandeln Sie auf Touristenpfaden (wie beispielsweise eine geführte Rundreise mit Besuch von Kulturdenkmälern) ist das Risiko deutlich niedriger, als beim Besuch von Hilfsprojekten auf dem Land oder in Armenvierteln.

Verhalten im Reiseland

Zuhause in Deutschland haben gerade Kinder ein unverkrampftes Verhältnis zu Tieren. So nähern sie sich auch Hunden sehr schnell und streicheln sie. Hunde in den Ländern Asiens oder Afrikas sind jedoch meist keine Haustiere sondern frei streunende Straßenhunde, die oft ein anderes Verhalten zeigen. Sie erleben freundliche Zuneigung eher selten. Eltern sollten mit ihren Kindern dies vorab besprechen.

Wenn ein Biss erfolgt, sollte die Wunde sofort mit Wasser und Seife gründlich für 15 Minuten ausgewaschen werden. Danach muss ein Arzt aufgesucht werden, um bei Ungeimpften die Impfung einzuleiten. In sehr exotischen Ländern kann es schwierig sein, einen Impfstoff zu bekommen. In diesem Fall empfiehlt es sich mit der Deutschen Botschaft des jeweiligen Landes Kontakt aufzunehmen oder mit einem Arzt in Deutschland, der ggf. mit Hilfe eines Tropeninstituts weiterhelfen kann. Es darf trotz der langen Inkubationszeit keine Zeit verschwendet werden.

In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Oftmals kommt es jedoch zu Lieferengpässen. Deswegen ist es für Reisende ratsam, sich frühzeitig um die Impfung zu kümmern. Bis zum erfolgreichen Abschluss der Impfung (meistens 3 Injektionen) werden 3-4 Wochen benötigt werden. Die Verträglichkeit der Impfung ist gut.

Schlank durch frühes Schlafen

„Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind“. Auch Kurt Tucholsky wusste um die günstige Wirkung des Schlafs. Dass auch Schlaf und Körpergewicht irgendwie zusammen hängen, steht für viele gefühlt fest. Seit das Schlaflabor zur Standarduntersuchung wurde, sind eine Reihe von Zusammenhängen klar geworden, die dieses Gefühl untermauern. Für die Gruppe der Kinder gibt es jedoch leider wenig Literatur.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD), durchgeführt vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), das Anfang der 1960er Jahre von der Schwester des amerikanischen Präsidenten John. F. Kennedy gegründet wurde, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Die SECCYD untersuchte ab 1991 den Einfluss der nicht-mütterlichen Versorgung auf die Entwicklung von 1364 Kinder und ihren Familien ab Geburt. Eine Forschergruppe um Sarah E. Anderson von der Ohio State University (Columbus) konnte inzwischen eine große Gruppe von ihnen (977 Probanden) nachuntersuchen. Für sie lagen Protokolle über Telefoninterviews vor, als diese Probanden durchschnittlich 4,7 Jahre alt waren. Zu dieser Zeit wurde das Schlafverhalten, Schlafrituale und viele weitere Umstände exakt festgehalten. Zusätzlich wurden in der Pubertät (etwa im Alter von 15 Jahren) die Körpermaße der inzwischen jugendlichen Probanden dokumentiert und diese mit dem Schlafverhalten 10 Jahre zuvor in Beziehung gesetzt.

Abbildung 1. Häufigkeit von Übergewicht („obesity“) in Prozent der Gruppe in Bezug auf die Zubett-Geh-Zeiten: links: vor 20:00 Uhr. Mitte: zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rechts: nach 21:00. Foto: Anderson et al, Pediatrics, 2016

In der Studie wurden die Zu-Bett-Geh-Zeiten mit der Häufigkeit von Adipositas (Übergewicht) in Beziehung gesetzt. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt bestanden hier große Unterschiede. In der Gruppe der Kleinkinder, die vor 20:00 Uhr zu Bett ging, lag die Häufigkeit für Übergewicht deutlich niedriger als bei den Kindern, die erst nach 21:00 Uhr zum schlafen gelegt wurden.

Diese Ergebnisse stammen aus einer gut durchgeführten Langzeitstudie. Umso mehr erstaunt, wie deutlich die Unterschiede in der Häufigkeit von Übergewicht in Bezug auf die Zu-Bett-Geh-Zeit waren. Die in der Abbildung dargestellten Unterschiede zwischen „sensiblen“ und „wenig sensiblen“ Müttern (helle bzw. dunkel-graue Säule) waren im Übrigen statistisch nicht sicher (nicht signifikant).

Was lernen wir daraus? Wenn Kleinkinder früher zu Bett gehen, scheint das ein wichtiger Faktor zu sein um künftigem Übergewicht vorzubeugen.

 

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.

Jugendschutz – Was geht und was geht nicht?

Jugendliche drängen auf ihre Freiheit. Im Ablösungsprozess von ihren Eltern ist das richtig und wichtig. „Ich bin dann mal weg …..“ hören Eltern so nebenbei und müssen dann die Fragen stellen. Wohin will die/der Jugendliche? Wann kommt sie/er zurück? Mit wem zusammen  ziehen die Jugendlichen los?

Und schnell stehen Eltern unter Druck, weil sie nicht wissen was gesetzlich erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz bezieht sich immer nur auf den sog. öffentlichen Raum. Der private Bereich zuhause ist im Jugendschutzgesetz außen vor – der Staat greift hier nicht vorbeugend ein. Wichtige Eckdaten sollten Eltern bekannt sein, damit sie in diesen unerwarteten Situationen bewusst und informiert handeln können.

Umgang mit Alkohol und Energydrinks

Unter 16 Jahren, dürfen Jugendliche weder im Laden noch bei Festen in der Öffentlichkeit Alkohol jeglicher Art erhalten. Nach dem 16. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag dürfen sie leichtere alkoholische Getränke (Bier, Wein. Sekt) sowohl kaufen als auch trinken. Hochprozentige alkoholische Getränke sind erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt. Energydrinks sind in allen Altersgruppen erlaubt.

Tabakprodukte

Die Abgabe und der Konsum von Tabakwaren sind gemäß Jugendschutzgesetz grundsätzlich unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Aufenthalt in Clubs

Bis zum 16. Geburtstag dürfen Jugendliche nicht alleine auf öffentliche Tanzveranstaltungen gehen. In Begleitung von Eltern bzw. Vormund oder einer anderen erziehungsbeauftragten Person ist dies aber unbegrenzt erlaubt. Eine solche Begleitperson muss 18 Jahre alt sein und kann im Einzelfall von den Eltern vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut werden. Eltern können also eine/n erwachsenen Freund/in beauftragen, ihr jugendliches Kind zu beaufsichtigen. Sinnvoll ist es, diese/n mit dem „Muttizettel“ (siehe Muttizettel-Vorlage) auszustatten.

Insgesamt greift der Staat also behutsam in die Rechte der Eltern ein. Zuhause gibt es fast keine spezifischen Regelungen, die  das Elternrecht begrenzen. Wenn jedoch Dinge geduldet werden, die das geistige und seelische Wohl des Kindes beeinträchtigen, kann der Staat auch hier eingreifen. Das gilt auch für die Nutzung problematischer Internetangebote und Computerspiele.