Kategorie: TIPP

Eine App für Pollen-Allergiker

Mit dem Frühlingsbeginn in dieser Woche werden in Baden-Württemberg täglich mehr Menschen von Pollenallergie geplagt. Je nach Höhenlage sind entweder die Birkenpollen (eher in mittlerern Lagen) oder gar schon die Gräserpollen (Oberrhein) bedeutsam vertreten.

Vor ziemlich genau 20 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der WHO die ARIA-Initiative von Experten ins Leben gerufen: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA) befasst sich seither wissenschaftlich mit dem allergischen Schnupfen und seinen Auswirkungen auf das Asthma. Die internationalen Experten von ARIA haben über die letzten Jahrzehnte viele Schritte in der weltweiten Harmonisierung von Diagnostik und Therapie von Allergien in die Wege geleitet.

Rechtzeitig sind nun im März 2019 im Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI) die neuen Schritte der ARIA  (Phase 4) veröffentlicht worden. Darin wird auch eine neue App vorgestellt, die über die letzten Jahre entwickelt in in einem Pilotversuch getestet wurde.

Wo gibt es mehr Informationen über die App? Allergy Diary

Abbildung 1: Allergy Diary App. Foto: allergydiary.com

Die anonymisierte App kann momentan in 23 Ländern (16 EU-Länder, Schweiz, Türkei, Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko) in 17 Sprachen genutzt werden. Bislang sind Informationen zum Asthma noch nicht implementiert. Dies ist aber geplant. Ein wichtiges Tool für alle Allergiker – gerade auch für Jugendliche, die mit dieser App mehr Informationen über ihre Allergie sammeln können. Damit kann der Allergologe später eine gezieltere Therapie ansetzen.

Spaß auf dem Trampolin

Die Temperaturen steigen und viele Kinder drängt es nach draußen. Um die neuen Kräfte durch Luftsprünge zu testen, sind Trampoline wunderbar.

Gerade rechtzeitig hat sich auch die Stiftung Warentest mit dem Thema befasst und die Sprungtücher auf ihre Sicherheit hin getestet. Überzeugt hat sie nach eigenen Angaben jedes zweite Modell (siehe Tabelle weiter unten).

Die allermeisten Kinder – gerade wenn sie körperlich geschickt sind – haben riesig Spaß daran, mit dem Trampolin in die Lüfte zu springen. Für die anderen, weniger geschickten, kann das Trampolin eine gute Möglichkeit sein, diese Freude – langsam – zu erfahren und ein besseres Körpergefühl sowie Koordination zu erlernen. Es dürfte jedoch klar sein, dass solch ausgelassene Bewegungen nicht immer gut gehen müssen.

Vor dem Kauf eines Trampolin sollten Eltern also einige grundsätzliche Fragen bedenken.

  • Wenn Kinder gemeinsam im Trampolin springen, kann der unterschiedliche Rhythmus dazu führen, dass sie sich ins Gehege kommen und zusammenstoßen.
  • Gerade bei Kindern mit unterschiedlicher Geschicklichkeit oder deutlich unterschiedlichem Körpergewicht erhöht sich dieses Risiko, weil das ungeschicktere oder leichtere Kind vom anderen „mitgerissen“ wird.
  • Beim Springen mehrerer Kinder ist eine Aufsicht durch Erwachsene sinnvoll, um ein Entgleiten des freudigen Spiels zu verhindern

In der Kinderarztpraxis sind Verletzungen durch das Trampolin seit über 10 Jahren regelmäßig und häufig zu beobachten. Oft kommt es durch die oben genannten Bedingungen dazu, dass ein Kind auf das seitliche Gestänge des Trampolins schlägt oder gar auf den Boden außerhalb. Frakturen sind nicht selten die Folge. Dabei sind Unterarmfrakturen am häufigsten, aber auch schwierige Oberarmfrakturen und Oberschenkelfrakturen kommen vor.

Ein Trampolin macht fast immer viel Freude. Damit das so bleibt, sollten Eltern also ihre Kinder immer dann beaufsichtigen, wenn sie gemeinsam im Trampolin sind. Und, sie sollten ein gutes Gerät anschaffen. Hierzu mag die folgende Tabelle einzelne Anregungen (Auszug aus dem TEST-heft vom April 2019) geben:

Name Note Preis Anmerkung
Springfree Medium Round R79 1,6 1300 € bestes Testergebnis
Hudora Fantastic 300V 1,8 380 € Randabdeckung innerhalb Netz
Decathlon Domyos Essential 300 1,9 190 € UV-Licht gefährdet Festigkeit Matte
Salta Comfort Edition 305 cm 2,0 265 € Randabdeckung innerhalb Netz
Exit Elegant Premium + DL-S-Netz 2,2 530 € Randabdeckung innerhalb Netz

Wenn’s juckt und man kratzen muss – Urtikaria

Einen Nesselausschlag hat wohl jeder schon erlebt, so er nicht ein Stubenhocker ist. Beim Spielen in der Natur streift man schnell mal eine Brennnessel und hat Quaddeln auf der Haut. In der Medizin nennen wir das eine Urtikaria.

Die Nesselsucht kommt zustande, wenn Histamin und andere Botenstoffe von den sog. Mastzellen freigesetzt werden. Histamin führt in der Haut zu einer Gefäßerweiterung und gesteigerter Gefäßdurchlässigkeit, so dass in der Folge eine Schwellung, also die Quaddel, entsteht, häufig umgeben von eine Rötung (Erythem).

Wann tritt eine Urtikaria auf?

Die Urtikaria kann akut auftreten. Tritt sie über einen Zeitraum von mehr als 6 Wochen auf spricht man in der Medizin von einer chronischen Urtikaria. Auslöser im Kindesalter können sein:

akut

  • im Rahmen von Infekten. Der Mechanismus ist bislang nicht sicher geklärt.
  • Medikamentenallergie: sehr selten
  • Nahrungsmittelallergie: eher selten, manchmal erstes Zeichen einer Milcheiweißallergie beim Säugling 

chronisch

  • chronisch spontane Urtikaria unklarer Ursache
  • physikalische Urtikaria durch Kratzen/ Reiben (Urticaria factitia), Kälte, Wärme, Licht
  • durch körperliche Anstrengung
  • durch erhöhte Körpertemperatur (bei Anstrengung/ Sauna/ Duschen) 
  • durch Kontakt mit Wasser 
  • Sonnenlicht

Wie sieht die Therapie aus?

Vor der Therapie steht immer eine exakte Diagnose. Das gilt auch für die Urtikaria. Leider gelingt es aber bei der chronischen Urtikaria in nahezu der Hälfte der Fälle nicht, den genauen Auslöser festzumachen.

Im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, hat die Urtikaria nur selten etwas mit Allergien zu tun. Kinder- und Jugendärzte mit dem Schwerpunkt Allergologie sind dennoch die besten Ansprechpartner, wenn es darum geht Zusammenhänge aufzudecken. Dabei können folgende sog. Triggerfaktoren die Nesselsucht auslösen und/oder am Laufen halten:

  • Autoimmunerkrankungen (insbesondere der Schilddrüse)
  • Einnahme von NSAID (Schmerzmedikamente wie Ibuprofen)
  • Infektionen: Mykoplasmen, Helicobacter pylori, Würmer
  • versteckte Allergene

Können solche Faktoren ausgemacht werden, besteht der erste Schritt darin, diese auszuschalten. Meist kommt es dadurch zum Abklingen der Nesselsucht.

Erst wenn diese Schritte durchlaufen wurden, macht eine medikamentöse Therapie Sinn. Details sind hier beschrieben (in Englisch).

  • Antihistaminika der 2. Generation: Cetirizin, Loratadin und andere.
  • Omalizumab (monoklonaler Antikörper; zugelassen ab 12 Jahren)

Die Urtikaria ist somit eine Diagnose, die sehr individuell („ganzheitlich“) aufgearbeitet werden muss. Die kurzfristige Einnahme von Arzneien (wie Antihistaminika) kann bei starkem Juckreiz sinnvoll sein. Mittelfristig sollte aber versucht werden, die Auslöser und Triggerfaktoren zu verstehen. Nur dann kann langfristig der Gesundheit gedient werden.

MMR-Impfung – gegen Masern, Mumps und Röteln

Diese Impfung wird im Praxisalltag häufig kontrovers diskutiert. Solange, bis die ersten Kinder regional an Masern erkranken. Dann ist der Impfstoff plötzlich schnell gefragt. Das ist ein menschliches Phänomen, dem wir oft unterliegen. Wie im Autoverkehr, wenn Lastwagen an Kreuzungen häufig Fahrradfahrer oder Fußgänger überfahren, wie schon mehrfach in diesem Jahr in Berlin. Erst wenn etwas passiert ist, reagieren wir.

Besser ist natürlich, sich in Ruhe zu informieren, bevor unter einem äußeren Druck entschieden werden muss. Dazu einige Anmerkungen:

Masern sind doch nur eine Kinderkrankheit – ?

Masern werden manchmal im Internet eher harmlos dargestellt. Als Krankheit sind sie brutal. Zum Glück treten sie in Deutschland nur sporadisch auf, weil die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. Im Jahre 2016 hatten immerhin 92.2% der Kinder bundesweit zwei  Masernimpfungen erhalten. Damit waren sie vollständig geimpft. Die geringste Quote wurde übrigens – wie schon früher – im Ländle registriert. In Baden-Württemberg lag sie mit 89.5% am niedrigsten.

Die Bezeichnung Kinderkrankheit kommt daher, dass in der Zeit vor den Impfungen weitgehend alle Kinder daran erkrankten, weil diese Erkrankungen eine enorme Ansteckungsfähigkeit (Kontagionsindex) haben. Das bedeutet, schon bei einem flüchtigen Kontakt erkranken fast 100% aller Menschen, die der Krankheit noch nie begegnet sind. Der Begriff sagt aber nichts über die Schwere der Erkrankung aus.

Abbildung 1. Impfquoten verschiedener Infektionserkrankungen im Vergleich über die Jahre 2006, 2011 und 2017 (Stand April 2018) Foto: RKI

Die Impfung ist gefährlich?

Eltern überzeugen sich vor jeder Impfung, dass der Nutzen der Impfung bedeutend höher liegt als die mit der Impfung verbundenen Risiken. Das machen sie aus Verantwortung für ihre Kinder, für die sie das beste wollen. Dennoch ist über Impfungen teilweise ein Streit entstanden, bei dem der Austauch von Argumenten mit den Fanatikern nicht mehr gelingt. So kam auch vor 20 Jahren der Verdacht auf, die Impfung würde Autismus hervorrufen. Der Brite Andrew Wakefield hatte dies in einer 1998 erschienen Arbeit behauptet. Nur, Veröffentlichung war in  wesentlichen Teilen manipuliert und später wurde deswegen später zurückgezogen. Die Gegenüberstellung von Risiken der Erkrankung Masern gegenüber der MMR-Impfung haben C. Meyer und S. Reiter vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gut zusammengefasst (die Tabelle ist dieser Publikation entnommen)

Abbildung 2. Gegenüberstellung von Komplikationen der Masern (als Erkrankungen) und der MMR-Impfung. Foto. Bundesgesundheitsblatt, 2004

Warum soll zweimal geimpft werden?

Jede Impfung versucht dem Immunsystem vorzutäuschen, ein echter Krankheitserreger wäre in den Körper eingedrungen. Der Masern-Impfstamm ist den Masern sehr ähnlich. Die krankmachende Wirkung ist aber deutlich abgeschwächt. Dennoch kommt es vereinzelt zu unerwünschten Wirkungen (siehe Abbildung 2), die aber deutlich seltener und schwächer als bei der Krankheit Masern auftreten.

Ebenso lässt sich das Immunsystem durch diesen abgeschwächten Keim nicht zu 100% täuschen. Die Impfung ist also nicht zu 100% wirksam. Die Studien zeigen, dass erst durch die zweite Impfung ein Schutz von 93% – 99% erreicht werden kann. Die erfolgreich Geimpften sind nach bisheriger Studienlage vollständig geschützt. Und wenn genug Menschen vollständig geschützt sind (um die 95%), dann sind auch die übrigen – rein statistisch – geschützt. Sollte von denen einmal einer erkranken, wird sich die Krankheit nicht im Schneeballsystem ausbreiten.  Somit können indirekt auch Menschen geschützt werden, die einen Immundefekt haben und für die eine MMR-Impfung sogar gefährlich sein kann. Wer sich zweimal mit MMR impft, schützt also sich selbst und auch seine Umgebung. Das ist die soziale Komponente.

Wann erfolgen die Impfungen?

Ideal ist, nicht zu früh zu impfen. Nahezu alle Neugeborenen haben einen Schutz gegen die Masern, der sicher 6 Monate anhält. Danach schwindet er langsam. Ab dem 11. Monat kann davon ausgegangen werden, dass der übrig gebliebene Schutz des Babies den Impfstoff nicht mehr angreifen kann. Erst ab diesem Alter ist sicher, dass der Säugling einen eigenen Impfschutz mit dem MMR-Impfstoff aufbauen kann. Die Empfehlung für die Impfung laut RKI ist:

  • 1. MMR-Impfung im Alter von 11-14 Monaten 
  • 2. MMR-Impfung im 2. Lebensjahr im Alter von 15-23 Monaten durchführen zu lassen

Die vielen Masernausbrüche in der Welt bestätigen es immer wieder. Dort, wo Masern aus Armut nur unzureichend geimpft sind (Beispiel Madagaskar) erkranken innerhalb weniger Monate um die 100.000 Menschen, von denen etwa 1000 – ja, die Nullen sind richtig gesetzt – sterben. Dort, wo ein neuer Impfstoff zu früh eingesetzt wird und neue Nebenwirkungen die Menschen verunsichern und zur Ablehnung aller Impfungen führen (Beispiel Philippinen nach der Dengue-Impfung), passiert das gleiche. Bei uns in Europa führt der Wohlstand manchmal zur Überheblichkeit. Da jedoch (siehe oben oder in diesem herrlichen Video von der technischen Universität in Wien) die meisten Menschen geimpft sind, schützen diese die Verweigerer.

Schrei-Baby: Wenn mein Baby mich zum Verweifeln bringt

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich die Lebenssituation der grösser gewordenen Familie enorm. Informationen aus Büchern und Ratschläge der Umgebung werden oftmals wertlos. Schnell zeigt sich die eigene Persönlichkeit des neu geborenen Babys. Die gilt es anzunehmen und in die Familie zu integrieren.

Bei Kindern, die ruhig schlafen und problemlos trinken geht das recht leicht. Manche Kinder können aber durchaus eine Herausforderung sein: Schrei-Babies. Wenn zarte Babies anhaltend schreien bedeutet das für gutmütige und verständnisvolle Eltern eine extreme Belastung. Sie sind wie vor den Kopf gestoßen – was sie als liebevolle Eltern aushalten – und verzweifelt, weil sie ihr Kind nicht „erreichen“ und kaum beruhigen können, wenn es schreit.

Was sind denn Schrei-Babies? In den 1950er Jahren hat Morris A. Wessel zusammen mit Mitarbeitern in einer Studie versucht, die Besonderheiten des exzessiven Schreiens von Babies zu erklären. Damals kam der Begriff der „Kolik“ auf, der heute als überholt gilt. Heute sprechen wir Kinder- und Jugendärzte von Regulationsstörungen. Mit Bezug auf die Arbeit von Wessel wird noch heute exzessives Schreien diagnostiziert, wenn Babies 3 Stunden am Tag, mindestens 3 mal die Woche während mindestens 3 Wochen schreien – „Rule of the Threes“.

Abbildung 1. Häufigkeit von exzessivem Schreien in Minuten in Bezug auf das Lebensalter in Wochen. Foto: Wolke et al, 2017

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahre 2017 hat die aktuellen Bedeutung der Schrei-Babies beleuchtet. In der Übersichtsarbeit, die 33 Studien aus verschiedenen Ländern umfasst, haben Dieter Wolke und Mitarbeiter von der Universität in Warwick (Großbritannien) gezeigt, dass das Problem in allen Ländern vorkommt. Das Schreien beginnt in aller Regel im Alter von 1 bis 2 Wochen und erreicht im Alter von etwa 6 Wochen seinen Höhepunkt, um danach wieder abzuklingen. In der Abbildung 1 links stellt die untere Kurve die sog. 50. Perzentile dar. Das bedeutet, dass die Hälfte aller untersuchten Babies im Alter von 5-6 Wochen mindestens 120 Minuten pro Tag schrien. Die obere Kurve ist die 95.Perzentile. Sie zeigt, dass zum gleichen Zeitpunkt 5% aller Kinder bis über 4 Stunden (250 Minuten) am Tag schrien.

Die Arbeit konnte folgende Ergebnisse darstellen:

  • Schrei-Babies mit Koliken gibt es in allen untersuchten Ländern mit geringen Unterscheiden.
  • Die Koliken starten im Alter von 1-2 Wochen, haben ihren Höhepunkt mit 5-6 Wochen und verschwinden nahezu bis zum Alter von 10-12 Wochen
  • In allen Ländern ist jedes fünfte Kind ein Schrei-Baby (17% – 25%). In Japan und Dänemark ist die Rate geringer, in Großbritannien höher
  • Gestillte Kinder schreien etwas häufiger.

Diese Studie zeigt nochmals, das Schrei-Babies in allen Kulturen vorkommen. So schlimm das für die betroffenen Eltern auch ist, scheint das exzessive Schreien eine „normale“ Variante zu sein, die ursächlich schwer zu erklären ist. Das exzessive Schreien endet nach drei Monaten spontan.

Was können Eltern tun, wenn sie ihr Baby anhaltend schreit?

  • Kinder- und Jugendarzt aufsuchen. Durch die Schilderung der Schreiattacken und die körperliche Untersuchung werden andere mögliche Ursachen ausgeschlossen, die dem Baby Probleme bereiten könnten, z.B. Nahrungsmittelallergien
  • Reizabschirmung (kein Besuch großer Feste, bei denen der neue Erdenbürger „herumgereicht“ wird u.a.) ist häufig günstig. 
  • Keine Medien. Fernseher sollten ausgeschaltet sein, die flimmernden Bilder (auch indirekt) sind irritierend. 
  • Rituale sind günstig. Das Einschlafritual sollte immer gleich ablaufen. Das gibt dem Kind Sicherheit
  • Ruhe bewahren – so gut es geht und so schwierig es ist. Die eigene Unruhe und Sorge verstärkt das Schreien eher. 
  • Zusammenarbeit der Partner (und Großeltern). Im Regelfall betreut nur eine Person das Kind, die andere versucht die Pause zur Erholung zu nutzen.

Wenn Sie als Eltern spüren, dass sie zunehmend überfordert sind, wenden Sie sich an den Kinder- und Jugendarzt. Sie/ er wird ihr Kind nochmals untersuchen und mit ihnen Wege aus dem Stress finden. Sie müssen nicht alles ertragen können. Suchen Sie also bitte Hilfe!

Kinderkrankheit Masern

Erinnern Sie sich noch an den Bereicht im praxisblättle über Masern in Madagaskar? Ende Januar waren dort 39 366 Kinder und Jugendliche an dieser Kinderkrankheit erkrankt, wovon 266 nach offiziellen Angaben verstorben sind. Oder anders. Von 148 Masern-Erkrankten starb eine/r. Im Lotto ist die Wahrscheinlichkeit einen Dreier zu bekommen (1:57) nur unwesentlich geringer. Inzwischen ist die Zahl der Masernerkrankungen sogar auf 79.274 Fälle (Stand 01. März 2019) angestiegen. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Konstanz am Bodensee. Mit nunmehr 581 Todesfällen liegt die Sterblichkeit mit jetzt 0.8% riesig hoch. Masern sind eine enorme Gefahr für Kinder, aber nicht nur in fernen Ländern.

Es gab sicher viele Gründe für die hohe Tödlichkeit auf Madagaskar, aber die nicht ausreichende Durchimpfung (Armut – diese Impfung muss in aller Regel von den Eltern bezahlt werden) war wohl der wichtigste. Die hohe Todesrate ist aber auch auf die chronische Unterernährung von 80% der Kinder und Jugendlichen in Madagaskar zurückzuführen. Bei mangelnder Ernährung leidet nicht nur die Körpergröße und das Körpergewicht, sondern auch das Immunsystem.

Kinderkrankheit hat immer das Flair von „Klein-Kinderkram“. Das Wort löst oft das Gefühl aus, als ob es sich nur um eine kleine Krankheit handele. Dabei drückt das Wort nur aus, dass die Krankheit allermeist im Kindesalter auftritt. Das wiederum kommt daher, dass Kinderkrankheiten sich dadurch auszeichnen, dass sie hoch ansteckend sind und daher schnell übertragen werden. Die meisten treten auch nur einmal im Leben auf (leider mit vielen Ausnahmen !). Deswegen denken viele, dass sie mit dem Erwerb des Führerscheins auch das Risiko an Kinderkrankheiten zu erkranken, verlieren würden. Dem ist nicht so.

Ursache der Erkrankung ist das Masernvirus. Dieses wird durch direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion übertragen und durchläuft danach einen typischen Weg:

  • Inkubationszeit von 8 – 10 Tagen.
  • Es folgt das Prodromalstadium von 3 – 7 Tagen mit Entzündung der Schleimhäute der Atemwege, wobei eine Bronchitis und eine deutliche Bindehautentzündung besonders auffallen. Fieber über 40 Grad ist häufig, Halsweh, deutliche Kopfschmerzen, schweres Krankheitsgefühl.
  • Am 12. oder 13. Tag nach Ansteckung tritt der typische Ausschlag im Mund (Enanthem) zusammen mit den Koplik’schen Flecken auf.
  • Am 14. oder 15. Tag folgt der typische Ausschlag am Körper (Masernexanthem).  Damit verbunden ist ein zweiter Fieberanstieg (typisch: 2-gipfliges Fieber)Damit ist die Diagnose klar. Der Ausschlag beginnt hinter den Ohren und steigt langsam ab. Der Ausschlag verbreitet sich in etwa 3 Tagen auf dem gesamten Körper aus.
  • Etwa einen Tag nach vollständigem Ausschlag sinkt auch das Fieber wieder, der Ausschlag wird blasser und die Erholung setzt langsam ein.

Das ist der normale, für jeden Betroffenen mühsame und leidensvolle Weg der Masern. Zu diesem treten bei fast jedem 5. Kind noch Komplikationen hinzu, die das grösste Problem bei dieser Kinderkrankheit darstellen.

  • Mittelohrentzündungen
  • Lungenentzündungen. Hiervon können verschiedene Formen auftreten. Dabei ist die primäre Masernpneumonie sehr gefürchtet. Hierbei greifen die Masernviren direkt das Atemwegssystem an. In der Folge können schwere Schäden wie Bronchiektasen (erweiterte Bronchien mit Eiterbildung) zurückbleiben. Damit verbunden sind ein lebenslang deutlich erhöhtes Infektionsrisiko und ein „Raucherhusten“ ohne Rauchen.
  • Meningoenzephalitis. Diese Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute tritt bei etwa jeder 1000. Erkrankung auf. Sie ist sehr schwerwiegend und oft tödlich.
  • In Deutschland muss auf etwa 1000 Masernerkrankungen mit einem Todesfall gerechnet werden (RKI – Daten für die Jahre 2000-2012). Dieser geht oft auf die Meningoenzephalitis zurück.
  • Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Hierbei kommt es zu einer schleichenden Entzündung des Gehirns, die innerhalb von 10 Jahren (!) spürbar wird und in 95% tödlich endet. Die Häufigkeit wird mit etwa 1:5000 Erkrankungen angenommen. 
  • Das Immunsystem wird bei der Masernerkrankung herunterreguliert. Dadurch sind betroffene Erkrankte anfälliger für jede andere virale und bakterielle Entzündungen. 

Eine spezifische Therapie um die Masern zu stoppen gibt es nicht. Lediglich bei manchen Komplikationen wie der Mittelohrentzündung sind Antibiotika hilfreich.

Abbildung 1. Häufigkeit der Masern und der Todesfälle an Masern in den USA. Foto: Von Dietzel65Eigenes Werk. Data source: „Reported Cases and Deaths from Vaccine Preventable Diseases, United States“ by the Centers of Disease Control. pdf file on this web site., CC0, Link

Die Masernimpfung stellt eine gute Vorbeugung dar. Während die Tödlichkeit im Nachkriegsdeutschland auch durch die schlechte Ernährung und Immunschwäche der chronisch unterernährten Kinder noch höher war, ist die Infektion und die Zahl der Todesfälle in den USA gezielt durch die Impfung massiv zurückgegangen. Vor Einführung der Impfung gab es etwa 500.000 Erkrankungen pro Jahr. Im Jahre 2007 waren es in den gesamten USA noch 43. Eine zweimalige Impfung erzeugt einen sehr guten Impfschutz.

Bald kommen wieder die Zecken – Risiko: Neuroborreliose

Vermutlich sind es nur noch Tage, bis die ersten Zecken wieder aktiver werden und sich auf Nahrungssuche begeben. Da kommen ihnen dann wandernde Menschen und Hunde gerade Recht.

Es wird geschätzt, dass in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und 200.000 Menschen an einer Borreliose erkranken. Unter diesen erkranken 3% – 15% an einer Neuroborreliose. Das bedeutet, dass die Erkrankung auch das Gehirn (zentrale Nervensystem) betrifft, teilweise mit entsprechend unangenehmen Folgen. Davon sind besonders Kleinkinder betroffen. Man vermutet einen Zusammenhang damit, dass junge Kinder gerne im Hals-/Kopfbereich von den Zecken gebissen werden.

Wichtig: Der Zeckenbiss wird nur von etwa 1 Drittel aller Betroffenen bemerkt. Wenn die anderen 2 Drittel erkranken, bringen sie somit ihre Symptome nicht mit einem Zeckenbiss in Verbindung. Wer keine Zecke an seinem Körper gesehen hat, kann also dennoch von einer Borreliose betroffen sein.

Wichtig: Zwischen einem Zeckenbiss und den ersten Symptomen einer Neuro-Borreliose vergehen nur sehr wenige Wochen.

In Europa zeigt sich eine neurologische Erkrankung im Rahmen der Lyme-Borreliose bei Kindern meist als Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis). Diese ist in über der Hälfte der Fälle von einer Hirnnervenlähmung (Fazialisparese) begleitet.

Wichtig: Die Lähmung eines Hirnnerven (Fazialisparese) ist bei Kindern oft das erste Symptom, das auf eine Neuro-Borreliose hinweist.

Die Hirnhautentzündung verläuft bei Kindern vielmals ohne schwere Symptome. Häufig bestehen Kopfschmerzen und Müdigkeit, manchmal auch Übelkeit und Erbrechen. Bei Verdacht auf eine Borreliose sollte im Zweifelsfall eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) erfolgen, um gezielt behandeln zu können. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika – in vielen Fällen oral – und ist bei frühzeitigem Beginn in den meisten Fällen erfolgreich. Nur in maximal 2% aller Kinder mit Neuro-Borreliosen treten nach Monaten oder Jahren Spätschäden auf.

Zecken auf der Haut sollten – wenn möglich – in den ersten 12 Stunden entfernt werden. Damit kann das Risiko für eine Infektion, also auch für eine Neuroborreliose, deutlich gesenkt werden.

Wichtig: Ab dem Frühjahr sollten Kinder jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen von ihren Eltern auf Zecken untersucht werden. Dabei ist es wichtig „kuschelige Körperpartien“ zu untersuchen, in die sich die Zecke gerne zurückzieht: behaarter Kopf, hinterm Ohr, Achselhöhle, Nabel, Genitalregion.

Wichtig: Zur Entfernung wird empfohlen, die Zecke mit einer Pinzette möglichst tief (also knapp über der Haut) zu fassen und senkrecht nach oben herauszuziehen. Alternativ: die Streichelmethode.

Hundebiss – nicht so selten

Bis zum 18. Geburtstag wird jedes zweite Kind von einem Hund gebissen. Also kein seltenes
Ereignis. Meistens sind es Kleinkinder, die sich gegenüber einem Hund nicht eindeutig verhalten und bei ihm eine – aus Sicht des Menschen – unangemessene Reaktion auslösen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie hat kürzlich nochmals darauf hingewiesen, dass Kinder zu über 90% von Hunden aus dem nahen sozialen Umfeld gebissen werden. Diese Situationen entstehen also kaum in fremder Umgebung, sondern meist im eigenen Haushalt, der unmittelbaren Nachbarschaft oder bei Freunden.

Bei inzwischen über 5 Millionen Hunden in Deutschland ergibt sich dieses Missverständnis von Mensch und Hund immer häufiger.

Was ist wichtig?

  • Bisse von Hunden sollten immer dem Arzt vorgestellt werden. Oberflächlich harmlos aussehende Verletzungen können in der Tiefe ausgedehnte Quetschungen verursacht haben, die sich durch den bakteriell belasteten Speichel des Hundes häufig infizieren.
  • Der Arzt muss auch seltene Wundinfektionen wie Tetanus, Gasbrand oder eine Blutvergiftung in die Überlegungen einbeziehen. Oftmals ist die Gabe eines geeigneten Antibiotikums sinnvoll.
  • Vorbeugend ist es wichtig, dass Kinder nie mit Hunden alleine gelassen werden. Das gilt auch gegenüber kleinen Hunden, die durchaus bedeutsame Verletzungen setzen könnten.
  • Vor Urlaubsreisen sollten Eltern mit ihren Kindern besprechen, dass es in vielen Ländern der Erde frei laufende Straßenhunde gibt, die ein völlig anderes Verhalten zeigen können, als die bisher bekannten Hunde zuhause. Und dass auch Tollwut vorkommen könnte.

Grell leuchtende Schulranzen: ein Stück Sicherheit

Zum Glück für die Kinder, dass es die Stiftung Warentest gibt. Sie nimmt sich vieler für Eltern wichtiger Themen an, beginnend von den Babymatratzen bis zu den Schulranzen. Letztere sind ein Schwerpunktthema im Februarheft 2019.

Schlimm genug dass in der Dämmerung gerne die grauen Autos unbeleuchtet durch die Gegend fahren. Dass ich selbst die Straße sehe, heißt noch lange nicht, dass mich die anderen auch wahrnehmen. Herrschen doch gerade am Morgen und am Abend die Grautöne vor. Und genau dann, wenn der Tag anbricht, brechen auch die Kinder in die Schule auf. Und sie sollten unbedingt gesehen werden. Bei den einigen Herstellern von Schulranzen hat sich das niedergeschlagen. Viele sind inzwischen mit grellen Farben ausgestattet.

Doch im Test haben nur acht der 22 Ranzen ein gutes Ergebnis erzielt. Wir wollen sie kurz vorstellen:

Produktname Note Preis Anmerkung
Ergobag Cubo: Neo Edition Illumibär GUT 1,7 259€ für Erstklässler geeignet
Ergobag Pack: Neo Edition Strahlebär GUT 1,7 259€ leuchtet tags am besten
Scout Alpha Commander (DIN) GUT 1,9 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step 2 in 1: Pegasus Dream (DIN) GUT 1,9 229€ Rücklehne einstellbar
Scout Genius: World Cup (DIN) GUT 2,0 250€ auch für kleine Erstklässler
Step by Step Touch2: Space Pirat (DIN) GUT 2,0 219€ günstigstes Set
McNeill Ergo Primero Champ (DIN) GUT 2,1 249€ auch für kleine Erstklässler
McNeill Ergo Light Pure Libelle (DIN) GUT 2,3 239€ im Dunkeln mäßig sichtbar

Der Preis aller GUT-getesteten Ranzen liegt klar über 200 EURO. Das eine Menge Geld. Die Investition ist aus Sicherheitsgründen kaum zu vermeiden. Gerade beim Tohuwabohu, das vor vielen Schulen vorherrscht, gibt man gehetzten und wenig achtsamen Autofahrer-Eltern ein zusätzliches Signal, die herumspringenden Kinder sicher zu erkennen.

Endlich! Zahnärztliche Vorsorge bei Kleinkindern als Kassenleistung

Es geschieht manchmal was Gutes und kaum einer bemerkt es. So Ende Januar 2019, als der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen als Kassenleistung genehmigte. „Wir sind froh, dass diese Präventionslücke endlich geschlossen wird“ erklärte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. Die Regelung soll ab 1. Juli 2019 in Kraft treten.

Welche Angebote gibt es nun für Kleinkinder?

  • Schon seit wenigen Jahren soll der Kinder- und Jugendarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen auf die Bedeutung des Zahnarztes hinweisen. Warum das schon mit 6 Monaten erfolgen soll bleibt ein Rätsel, wenn der Zahnarzt in den Mund des Säuglings schaut und allermeist keinen Zahn findet.
  • Bis zum vollendeten 33. Lebensmonat sind drei zahnärztliche zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen vorgesehen, inklusive eingehender Untersuchung, Beratung der Eltern und Anleitung zum täglichen Zähneputzen beim Kleinkind.
  • Kleinkinder haben einen Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal im Halbjahr

Sinnvolle Maßnahmen, um möglichst früh im Leben eine konsequente Zahnpflege auf den Weg zu bringen. Dies wird seit einiger Zeit von den Zahnärzten empfohlen, wie der Ratgeber der Bundeszahnärztekammer zeigt.

Auch wenn sich vieles gebessert hat, liegt die Rate der Milchzahnkaries noch immer bei 15%. Nuckelflaschen und später zucker- bzw. säurehaltige Getränke sind die Hauptursachen.