Kategorie: TIPP

Der Wasser-Wahn

Nach einem Regentag ist ein Waldspaziergang am Morgen eine intensive sinnliche Erfahrung. Noch gibt es leichte Bodennebel, die den Duft der Erde, des Getreides oder des modrigen Holzes zu einem Fest für die Nase machen. Beste Luftqualität, in feine Duftnoten verpackt und – kaum zu glauben – kostenlos.

Warum sollte ich auch für Luft bezahlen? Sie gibt’s in rauen Mengen allüberall auf der Erde. Und manchmal haben von der sauberen Luft sehr arme Menschen mehr als reiche, die in den Metropolen in einem Loft wohnen. Wird sich das mal ändern? Werden uns Unternehmen in wenigen Jahren Luft verkaufen? Abwegiger Gedanke?

Abbildung 1. Verbrauch an Mineralwasser aus Flaschen von 1970 bis 2017. Foto: de.statista.com

Beim Wasser haben sie es geschafft. In den letzten Jahrzehnten wurde uns mit geschickter Werbung nahegelegt, für Wasser zu bezahlen. Im Jahre 1970 lag der Verbrauch an Mineralwasser noch bei 12,5 Liter/ Einwohner in Deutschland. Wie die nebenstehende Graphik (Abbildung 1) zeigt, stieg dieser bis 2015 auf 149 Liter, um danach wieder leicht abzufallen. Die Werbung hat sich also gelohnt. Hinzu kam, dass wir in den letzten Jahrzehnten das amerikanische Verhalten kopierten: In allen Lebenslagen ein Getränk mit sich führen. Um die Ecke könnte ja die Wüste beginnen.

Aber brauchen wir Wasser von der Mineralquelle? In Deutschland und einigen anderen Ländern wie der Schweiz und Österreich ist die Qualität aus dem Wasserhahn hervorragend. Das hat zuletzt die Stiftung Warentest im August 2016 an 28 verschiedenen Orten in Deutschland nochmals eindrücklich belegt.

Eine genaue Betrachtung zeigt, dass es für Getränke aus der Flasche kaum vernünftige Argument gibt.

Das fängt bei den Kosten an. Ein Liter Leitungswasser kosten uns maximal 0,2 Cent. Ein Liter Mineralwasser aus der Flasche kostet im günstigsten Fall das 65-fache: 13 Cent. Das erscheint erstmal nicht viel zu sein. Wenn man den Wasserkonsum – manche trinken ja auch Kaffee, Säfte oder Bier – sehr konservativ mit 1 Liter pro Tag ansetzt kommen doch fast 50 € pro Jahr zusammen.

Die Kisten von Mineralwasser müssen irgendwie nach Hause kommen. Der Transport kostet erstmal Zeit, Kraft (meist einseitig und nicht günstig für die Wirbelsäule) und Aufwand (Pfandflaschen zurückbringen, Pfandbon nicht verlieren). Frisches Wasser aus der Leitung – der pure Luxus. Und fast kostenlos.

Nicht zu vergessen die Umweltbelastung. Heute trinken feine Leute in Hongkong Perrier aus dem Rhônetal. Für Amerikaner ist es hingegen hipper Fiji-Water (ein Wasser aus einem artesischen Brunnen in Fidschi) zu trinken. Da mutet der Transport von Flaschen in Deutschland recht harmlos an. Dazu kommt weiterer Energie- und Wasserverbrauch durch Reinigung der Flaschen und der Abfüllanlagen. Der Energieverbrauch soll das 500-fache gegenüber dem Leitungswasser betragen. Nicht zu vergessen die Müllbelastung für die PET-Flaschen, die nur zu etwa 20% wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Und der Müll landet am Ende oft im Meer – widersinnig, in der grössten Wasserquelle dieser Erde.

Auch die mikrobiologische Qualität ist letztlich beim Leitungswasser meist am besten. Es wird permanent untersucht. Im Bedarfsfall darf in Spuren eine Behandlung mit Chlor erfolgen, wobei die Wasserwerke zunehmend auf Desinfektion mit UV-Strahlen umstellen. Je nach Region können weitere unerwünschte Belastung auftreten durch Chrom, Pestizide, Nitrate und Medikamente. Diese Belastungen treffen jedoch auch die Mineralwässer (siehe Stiftung Warentest Juli 2017). Und je nach Wartezeit im Regal des Supermarktes, nimmt die Belastung mit Mikroorganismen zu.

Das ist alles reichlich seltsam. Und vielleicht ein Anstoß, dass wir selber unser Verhalten etwas ändern:

Wir können Kindern vorleben, dass Leitungswasser gut ist. Das gilt für alle Kinder ab 1 Jahr. Denn in landwirtschaftlichen Gegenden findet bis heute noch Überdüngung statt und die führt zu einem hohen Nitratgehalt, der für Kinder im Säuglingsalter problematisch sein kann. Immerhin nimmt sich die Politik langsam dieses Problems an.

Wer’s sprudelig mag, der kann sich seinen eigenen Sprudel aus Leitungswasser machen. Erste Hinweis hierfür gibt das Ministerium für Ernährung.

Als Trinkwasser wird Wasser mit hohem Mineralgehalt oft geschmacklich besser eingeschätzt. Das kommt in einigen Regionen direkt aus der Leitung – im Schwarzwald jedoch wegen des Granitgesteins weniger. Das Wort „Mineralwasser“ suggeriert, dass Flaschenwasser viele Mineralien enthält. Das ist heute nicht mehr so. Saskia von LIDL enthält beispielsweise je nach Quelle nur 140 mg/Liter (Löningen), das Leitungswasser von Bad Dürrheim enthält immerhin 700 mg/Liter.

Ein wachsendes Problem für Leitungs- und Mineralwässer sind die Medikamentenrückstände. Diese gelangen auf verschiedenen Wegen vom Patienten ins Abwasser. Vermutlich noch belastender als eingenommene Medikamente sind Cremes (Sonnencreme oder „Schmerzsalben“ wie Voltaren® Emulgel), deren Verbrauch riesig ist. Daten über die Umweltfolgen liegen jedoch nur spärlich vor. So ist bekannt, dass Diclofenac (Wirkstoff in Voltaren®) nachweislich die Nieren von Fischen schädigt. Zu diesem Thema gibt es eine aktuelle Publikation im Deutschen Ärzteblatt. Als Verbraucher können wir im Umgang mit Medikamenten vorsichtiger sein.

Abbildung 2. Wie viel Wasser wird in Europa aus Flaschen getrunken. Riesige Unterschiede. Klappt die Werbung in einigen Ländern besser? Oder trinken Schweden aus den zahlreichen Seen? Foto: www.reddit.com

„Trinken Sie viel“ – sagt so mancher Arzt. Außer in besonderen Lebenssituationen (mit eingeschränktem Bewusstsein) kann das kein vernünftiger Ratschlag für gesunde Menschen sein. Es sagt ja auch keiner, „atmen Sie genug“. Das sind Prozesse, die unser Körper selber regelt. Wer Durst hat trinkt. Wer nicht: nicht. Die nebenstehende Graphik (Abb. 2) zeigt, dass nicht alle Länder von diesem Wasser-Trink-Wahn befallen sind. Gerade die Schweden greifen wenig auf Flaschen-Wasser zurück.

Vergessen wir also selbsternannte „Experten“ mit halb gegorenen Studien. Und vertrauen wir  auf den Durst, der die Menschheit bis heute gut geleitet hat. Sorgen wir lieber mit unserem Verhalten dafür, dass auch unsere Kinder weiterhin vom guten Wasser trinken können.

Giftpfanzen: Cotoneaster

Eine beliebte Pflanze für Vögel und Kinder ist der Cotoneaster horizontalis (Zwergmispel), bei der die roten Beeren zum Verzehr einladen. Der Cotoneaster enthält Glykoside, aber auch andere Gifte. Durch seine Farbe ist seine Attraktivität für Kinder sehr hoch und es sind tausende Fälle von Vergiftungen bekannt.

Vorkommen

Ursprünglich kommt die Pflanze aus Asien (Himalayaregion). Inzwischen ist sie in unseren Gärten in Europa als Bodendecker sehr beliebt und somit häufig.

Symptome

Magen-Darm-Reizungen bei grösseren Mengen. Wegen des eher geringen Gehaltes an Glykosiden sind ernsthafte Vergiftungen nicht zu erwarten

Therapie

Bei Aufnahme unter 10 Beeren ist reichliche Flüssigkeitszufuhr ausreichend. Bei grösseren Mengen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

TIPP: Smartphone-App für Vergiftungsunfälle

Vergiftungen kommen bei Kindern zum Glück seltener vor als noch vor 10 Jahren. Aber dennoch: Jeder Vergiftungsunfall ist zunächst ein Notfall, löst Angst, Unsicherheit und oft Hektik aus.

Und diese Vergiftungsunfälle treten fast häufig in freier Natur auf. Da sind App’s auf den Smartphones eine große Hilfe. Als Eltern können Sie sich hierüber schnell und neutral
informieren.

Vergiftungsunfälle bei Kindern“ vom BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)

Am besten, die App sofort herunterladen und einige Notfälle mal nachsehen. Dann sind Sie im echten Notfall sicher, auch mit der App schnell umgehen zu können. Aufgeführt sind Informationen zu Chemikalien, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen.

Und übers Telefon: Vergiftungszentrale Freiburg anrufen: 0761 19240 (24h-Service)

Sonnenschutz: gute Produkte, dick aufgetragen

Mit der Sonnenwende im Juni hat die Sonne wieder ihren Rückzug angetreten. Sie wird also bis kurz vor Weihnachten jeden Tag ein bisschen weniger stark strahlen. Aber mit den Ferien sind die Kinder in den kommenden Wochen der Sonne deutlich häufiger ausgesetzt als bisher. Da lohnt es sich ein Blick auf den Sonnenschutz zu werfen.

Der beste Sonnenschutz ist der effektive Schatten. Dabei ist der Schatten von Häusern besser als der von Sonnenschirmen. Dieser Sonnenschutz ist kostenlos und ohne Nebenwirkungen.

Sonnenschutzmittel helfen in den Situationen, wenn Sonne unsere Haut bestrahlt. Sie sind auch in unseren Breiten wichtig, wenn wie uns in der Natur aufhalten. Zu den wichtigen Fragen hierzu haben wir im praxisblättle im April 2018 die wesentlichen Fragen beantwortet. Zentral für die Sonnenschutzmittel ist, dass sie dick (und nach jedem Schwimmen erneut) aufgetragen werden. Welche Sonnenschutzmittel sinnvoll sind, hat nun die Stiftung WARENTEST im Juliheft veröffentlicht. Im Folgenden sind auszugsweise für Kinder und Jugendlichem wichtige Lotiones aufgeführt.

Produktname Bewertung Preis pro 100 ml LF*  Anmerkung
 LIDL Cien Sun Sonnenmilch 1,3 1,18 € 30  zu Zeit im Angebot -18%
 Penny und REWE t.today 1,3 1,17 € 30
 dm Sundance Sonnenspray  1,4 2,23 € 50
 Real Sôi Sonnenmilch 1,4 1,50 € 30
 Aldi Ombra Sun Sonnenspray Easy Protect 1,7 1,97 € 30

*LF Lichtschutzfaktor    Preis ist zur besseren Vergleichbarkeit für jeweils 100 ml angegeben

Vergiftungen im Kindesalter

Der Frühling lässt in unseren Regionen Pflanzen im Garten erstmals aufblühen. Im Anfang steht meist die Zaubernuss, die bereits im Januar mit ihrem zartem Gelb uns Hoffnung auf Sommer macht. Mit der erwachenden Natur wachsen später zunehmend auch einige Giftpflanzen, die Kindern – und ebenso Erwachsenen – zum Risiko werden können.

Gift hat immer mit Dosis zu tun. Das wusste schon Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“. Wir brauchen Salz zum überleben. Aber zuviel Salz bringt uns um. Zum Beispiel wenn Menschen auf dem Meer treibend Meerwasser trinken. Oder: Alkohol berauscht viele, zuviel davon führt aber zur Alkoholvergiftung und im Extremfall zum Tode. Ähnlich ist es bei den giftigen Pflanzen im Garten. Insofern gelten nur solche als giftig, bei denen auch kleinere Mengen zu Problemen führen.

Generelle Überlegungen

Beim Gift kommt es immer auf die Dosis an. Deswegen werden wir immer darauf hinweisen, ob es sich um hochgiftige oder weniger giftige Pflanzen handelt. Kleine Giftmengen, die einem Erwachsenen wenig ausmachen, können aber einem Kleinstkind schon zur Bedrohung werden.
Die Kenntnis giftiger Pflanzen im eigenen Garten ist sinnvoll. Es gibt Pflanzen, die dort nicht vorkommen sollten, weil sie Kinder reizen können.

Wenn Giftpflanzen im Garten sind: Weisen Sie Ihre Kinder nicht darauf hin. Denn, was verboten ist hat immer einen besonderen Reiz. Beobachten Sie aber, ob Ihr Kind gerade sich für Beeren oder Blüten von Pflanzen interessiert und seien Sie wachsam.

In den kommenden Wochen werden wir im praxisblättle einzelne Giftpflanzen vorstellen. Das kann natürlich nur eine kleine Auswahl sein. Aufgenommen haben wir solche, die oft auftreten – aber nicht unbedingt gefährlich sind – und solche, die eine Gefahr darstellen.

Bei Unklarheiten gibt es die Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg, die rund um die Uhr erreichbar ist:

Telefon 0761 19240
Mail      giftinfo@uniklinik-freiburg.de

Wiesengräserdermatitis

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist eine beeindruckend große Pflanze mit riesigen Blättern von bis zu einem Meter Länge. Der Bärenklau ist keine Giftpflanze. Kinder kommen nicht auf die Idee ihn zu essen. Der Reiz dieser Pflanze liegt für Kinder darin, dass die Stängel beeindruckend groß und innen hohl sind. Beim Spiel in der Natur werden sie deswegen gerne abgerissen und von manchen auch als Blasrohr genutzt. Keine gute Idee!

Abbildung 2. Wiesenkerbel. Foto: ptw

In zarterer Variante und viel häufiger ist der Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – der Buchstabe W macht den kleinen Unterscheid. Der Wiesenbärenklau kommt typischerweise in vielen Wiesen Europas vor und ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine einheimische Pflanze. Er kann leicht mit dem harmlosen und viel häufigeren Wiesenkerbel (Abbildung 1) verwechselt werden, der jedoch locker gefiederte Blätter hat.

Sowohl der Riesen-Bärenklau wieder der Wiesenbärenklau sondern einen Saft ab, wenn die Blätter oder Stängel verletzt werden. Dadurch kann er dann auf die Haut oder Schleimhaut der Lippen treffen. Unter Sonneneinstrahlung führt er dort bald zu blasigen Hautveränderungen (phototoxische Reaktionen), die wie Verbrühungen 2. Grades aussehen. Im Bereich der Lippen ist dies besonders unangenehm. Zu diesen Veränderungen kommt es also, wenn Pflanzensaft + Sonne zusammenwirken.

Symptome

Abbildung 2. Typisches Bild einer Photodermatose durch Wiesenbärenklau. Foto: ptw

An den Stellen, wo Pflanzensaft der Sonnenbestrahlung ausgesetzt war entwickeln sich bei wenig Sonne eine Rötung. Je nach Menge des Pflanzensaftes und der Strahlung treten deutlichere, teils auch große und pralle  Blasen auf der Haut auf (siehe Abbildung 2 rechts). Im Randbereich ist eine begleitende Entzündung. Der Befund ist teilweise mit sehr starken Schmerzen verbunden.

Therapie

Behandlung wie bei einer Verbrennung + Gabe eines Schmerzmittels. Eine ärztliche Behandlung ist anzuraten.

Tipp

Suchen Sie in der Umgebung Ihrer Wohnung nach solchen Pflanzen und warnen Sie Ihr Kind davor. Besonders unangenehm sind Blasenbildungen am Mund, wenn Kinder den Pflanzenstängel als Blasrohr benutzen sollten.

Eichenprozessionsspinner

Nun beginnt wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die „Brennhaare“ der Eichenprozessionsspinner. Letzte Woche erschienen in der Presse erste Berichte über mehrere Nester dieser Raupe im Raum Fulda. Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Abbildung 1. Raupenspinnerdermatitis. Foto: deacademic.com

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge (siehe Abbildung 1) können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden. Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Nagelbettentzündung – Fußpflege hilft sie zu verhindern

Fußnägel werden gerne vergessen was ein Blick zu Boden im Schwimmbad schnell klar macht. Fingernägel hingegen erfahren seit Jahren höchste Zuwendung. Das bleibt nicht ganz ohne Folgen. Gerade bei Jugendlichen beobachten wir in den letzten Jahren zunehmende Fußprobleme. Mit verändertem Modebewusstsein und Freizeitverhalten sind davon inzwischen auch jüngere Kinder betroffen.

Bis Kinder das Laufen erlernen ist der Fuß ein wichtiges Greifwerkzeug. Sie erinnern sich bestimmt noch daran, als Ihr Kind 6 Monate alt war: Zu dieser Zeit vermögen Kinder mit dem Fuß Gegenstände zu fassen, sie benutzen die Füße als Greifwerkzeuge. Und sie erleben den Fuß auch ganz sinnlich, streicheln mit dem Fuß den eigenen Körper (oder gelegentlich auch den Unterarm des Kinderarztes, der sie gerade untersucht) – und sie nehmen die Füße in den Mund.

Das möchte man später eher nicht mehr tun, wenn der Fuß zum „Geh-Werkzeug“ reduziert und ansonsten wenig beachtet wird. Häufig wird er von Jugendlichen nur noch als lästig erlebt, er hat vielleicht einzelne Stechwarzen, hier und da einen Fußpilz und immer wieder beschwert sich jemand im Hause, dass man Schweißfüße hätte. Schwierig, diesen Teil des Körpers zu mögen. Und es geht doch. Aber wie?

Schweißfüße

Abbildung 1. Die Füsse eines Menschen. Pro Quadratzentimeter sind sie mit bis zu 600 Schweißdrüsen bestückt – je mehr Rotfärbung im Bild, umso dichter stehen die Schweißdrüsen. Foto: http://slideplayer.org/slide/2818504/

Füße haben Schweißdrüsen (siehe Abbildung 1). Die Anzahl der Drüsen ist bei Kindern ebenso groß wie bei den Erwachsenen, insofern haben es die Erwachsenen leichter – der kindliche Schweißfuß „wächst sich aus“. Wenn man ihm eine Chance gibt. Die Schweißdrüsen sondern Sekret ab, das auf die eine oder andere Art abziehen muss. Dazu sind hilfreich:

  • Schuhe, die die Feuchtigkeit entweder speichern können oder leicht abgeben. Aber auch der beste Schuh hat seine Kapazität nach 6 Stunden erreicht und dann ….
  • Wechseln der Schuhe so oft es geht.
  • In Gebäuden offene Hausschuhe nutzen oder barfuß gehen.
  • Tägliches Wechseln der Socken.
  • Regelmässige Fußpflege mit Waschen und auch Anwendung von Lotiones oder ggf. auch Pudern, je nach Hauttyp
  • Turnschuhe sind oft aus künstlichem Material und speichern kaum die Körperflüssigkeit – sie sind aber cool. Sie sollten nur begrenzt benutzt werden (man kann den Unterschied zum „guten Schuh“ leicht selbst feststellen: in Turnschuhen ist es oft sehr warm = wenig Belüftung.
  • ist der Schuh mal von Schweißgeruch befallen trägt man diesen „Makel“ durch die Welt. Fußpflege muss also regelmäßig erfolgen, wenn sie erfolgreich sein soll.

Nagelpflege

Abbildung 2. Schneiden der Nägel. Die Finger des Kindes sind gut fixiert, die Schere wird schräg angesetzt. Das Schneiden erfolgt in einem kleinen, halbmondförmigen Bogen. Foto: https://www.leben-und-erziehen.de/baby/babypflege/naegel-schneiden

Die Fußnägel werden oft sehr radikal geschnitten, was nicht nur schmerzhaft ist, sondern oft auch Folgen wie Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) nach sich zieht. Wie macht man/frau’s richtig?

  • Der Nagel sollte nicht zu kurz geschnitten werden, 1-2 mm dürfen gern als weißer Rand zu sehen sein.
  • der Nagel wird leicht bogenförmig geschnitten entlang der Zehenkuppe (siehe Abbildung 2). Dabei bleiben die Ecken etwas stehen (zum Schutz der seitlichen Nagelplatte) und werden mit der Feile nachträglich abgerundet („Kanten brechen“). Die Spitze
    der Schere sollte also unter keinen Umständen in den seitlichen Nagelbereich eindringen.
  • der Nagelfalz wird mit der Spitze der Nagelfeile (gerne auch seitlich angesetzt) gesäubert. Die Nagelhaut sollte dabei nicht verletzt werden.

Fusswarzen

Sie kommen immer wieder vor, weil Warzenviren an allen Ecken lauern. Das ist nicht weiter schlimm, sofern wir den Viren keine besonders guten Bedingungen schaffen (siehe die Bedingungen, die unter dem Kapitel „Schweißfüße“ aufgeführt sind). Warzen zu entfernen lohnt oft nicht, da sie gerne rasch wieder auftauchen. Und selbst so radikale Methoden wie die
Kryotherapie („Vereisen“) oder die chirurgische Entfernung weisen eine Rezidivrate von über 50% auf. Trockene, gut gepflegte Füße sind auch hier die beste Vorsorge. Und Gelassenheit: viele Kinder weisen im Alter von 6 bis 14 Jahren Warzen auf, die letztlich von selbst verschwinden und keiner weiteren Maßnahme bedürfen, solange sie beim Gehen nicht
störend sind.