Kategorie: TIPP

Kurzsichtigkeit und Sonnenlicht

Kurzsichtigkeit (Myopie) wird in der Regel als schicksalhaft angesehen. Und in der Tat ist es so, dass die Erkrankung eine familiäre Häufung zeigt. Insbesondere stellt die Kurzsichtigkeit der Mutter einen Risikofaktor für das Kind dar.

Untersuchungen aus China und Dänemark weisen aber auf einen Umweltfaktor hin, den wir beeinflussen können: das Tageslicht. In der dänischen Untersuchung (Cui et al, 2013) wurde nachgewiesen, dass Kinder im Alter von 8-14 Jahren eine geringere Zunahme der Länge des Augapfels hatten, wenn sie sich im Durchschnitt 2782 Stunden im Tageslicht aufhielten gegenüber denen, die sich nur 1681 Stunden draußen aufhielten. Eine chinesische Untersuchung bei Kindern von 6-12 Jahren kam zum gleichen Ergebnis.

Aktivität draußen ist also nicht nur günstig zur Verhinderung des Übergewichts oder von Asthma sondern auch zur Vorbeugung von Kurzsichtigkeit. Schöner als drinnen vor Bildschirmen zu sitzen ist es allemal.

Ein Grund mehr unseren Kindern den Weg nach draußen schmackhafter zu machen. Das geht auch im Winter.

Tollwutimpfung? Vor jeder Reise eine wichtige Überlegung, gerade für Kinder

Tollwut ist in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgerottet. Aber ist das Problem damit aus der Welt? Mitnichten. In der Welt gibt es viel Tollwut mit erheblichen Folgen. Gerade für Kinder.

Was ist überhaupt Tollwut?

Früher sagten die Menschen, „ich kriege gleich eine Tollwut“ wenn sie sehr erregt waren. Aber die Tollwut (medizinisch: Rabies) ist eine virusbedingte Erkrankung. Weltweit kommt sie in mehr als 150 Ländern vor. Nach den neuesten Schätzungen sind im Jahr 2015 etwa 59.000 Menschen daran verstorben.

Tollwut wird in etwa 99% von erkrankten Hunden bei einem Biss auf den Menschen übertragen. Dabei löst sie eine schwere Hirnentzündung aus. Die Infektion ist für den infizierten Menschen nahezu sicher tödlich, sofern er keinen Impfschutz hat bzw. nach dem Biss keine sofortige aktive (+ ggf. auch passive) Impfung erhält (sog: Postexpositionsprophylaxe (PEP)) erhält. Die Impfung gegen Tollwut ist somit die einzige Maßnahme, die bei der Tollwut vor dem Tod schützt. Die Inkubationszeit bis zum Auftreten von Symptomen beträgt meist 2-3 Monate (!) und zeigt ein Spektrum von einer Woche bis zu einem Jahr.

Wer sollte sich impfen lassen?

Abbildung 1. Häufigkeit von Tollwut nach aktuellen Daten der Jahre 2010 – 2014. Foto: Datenblatt der WHO, 2016

Die Tollwut ist in manchen wenigen Ländern wie Deutschland ausgerottet und kommt einzig in der Antarktis nie vor. In Ländern Afrikas und Asiens – ganz besonders in Indien – ist sie häufig (siehe Abbildung 1). Reisende in diese Länder sollten sich bei einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt individuell beraten lassen, ob eine Impfung für sie wichtig ist. Von allen Menschen die sich durch einen Biss anstecken sind 40% unter 15 Jahre als. Kinder sind weltweit die häufigsten Opfer der Tollwut. Gerade bei Kindern, sollte damit eine Impfung eher großzügig erfolgen, wenn das Tollwut-Risiko für die Reise hoch ist. Dabei spielt das Reiseland weniger eine Rolle als die Art der Reise. Wandeln Sie auf Touristenpfaden (wie beispielsweise eine geführte Rundreise mit Besuch von Kulturdenkmälern) ist das Risiko deutlich niedriger, als beim Besuch von Hilfsprojekten auf dem Land oder in Armenvierteln.

Verhalten im Reiseland

Zuhause in Deutschland haben gerade Kinder ein unverkrampftes Verhältnis zu Tieren. So nähern sie sich auch Hunden sehr schnell und streicheln sie. Hunde in den Ländern Asiens oder Afrikas sind jedoch meist keine Haustiere sondern frei streunende Straßenhunde, die oft ein anderes Verhalten zeigen. Sie erleben freundliche Zuneigung eher selten. Eltern sollten mit ihren Kindern dies vorab besprechen.

Wenn ein Biss erfolgt, sollte die Wunde sofort mit Wasser und Seife gründlich für 15 Minuten ausgewaschen werden. Danach muss ein Arzt aufgesucht werden, um bei Ungeimpften die Impfung einzuleiten. In sehr exotischen Ländern kann es schwierig sein, einen Impfstoff zu bekommen. In diesem Fall empfiehlt es sich mit der Deutschen Botschaft des jeweiligen Landes Kontakt aufzunehmen oder mit einem Arzt in Deutschland, der ggf. mit Hilfe eines Tropeninstituts weiterhelfen kann. Es darf trotz der langen Inkubationszeit keine Zeit verschwendet werden.

In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Oftmals kommt es jedoch zu Lieferengpässen. Deswegen ist es für Reisende ratsam, sich frühzeitig um die Impfung zu kümmern. Bis zum erfolgreichen Abschluss der Impfung (meistens 3 Injektionen) werden 3-4 Wochen benötigt werden. Die Verträglichkeit der Impfung ist gut.

Schlank durch frühes Schlafen

„Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind“. Auch Kurt Tucholsky wusste um die günstige Wirkung des Schlafs. Dass auch Schlaf und Körpergewicht irgendwie zusammen hängen, steht für viele gefühlt fest. Seit das Schlaflabor zur Standarduntersuchung wurde, sind eine Reihe von Zusammenhängen klar geworden, die dieses Gefühl untermauern. Für die Gruppe der Kinder gibt es jedoch leider wenig Literatur.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Study of Early Child Care and Youth Development (SECCYD), durchgeführt vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), das Anfang der 1960er Jahre von der Schwester des amerikanischen Präsidenten John. F. Kennedy gegründet wurde, um Menschen mit Behinderung zu helfen.

Die SECCYD untersuchte ab 1991 den Einfluss der nicht-mütterlichen Versorgung auf die Entwicklung von 1364 Kinder und ihren Familien ab Geburt. Eine Forschergruppe um Sarah E. Anderson von der Ohio State University (Columbus) konnte inzwischen eine große Gruppe von ihnen (977 Probanden) nachuntersuchen. Für sie lagen Protokolle über Telefoninterviews vor, als diese Probanden durchschnittlich 4,7 Jahre alt waren. Zu dieser Zeit wurde das Schlafverhalten, Schlafrituale und viele weitere Umstände exakt festgehalten. Zusätzlich wurden in der Pubertät (etwa im Alter von 15 Jahren) die Körpermaße der inzwischen jugendlichen Probanden dokumentiert und diese mit dem Schlafverhalten 10 Jahre zuvor in Beziehung gesetzt.

Abbildung 1. Häufigkeit von Übergewicht („obesity“) in Prozent der Gruppe in Bezug auf die Zubett-Geh-Zeiten: links: vor 20:00 Uhr. Mitte: zwischen 20:00 und 21:00 Uhr, rechts: nach 21:00. Foto: Anderson et al, Pediatrics, 2016

In der Studie wurden die Zu-Bett-Geh-Zeiten mit der Häufigkeit von Adipositas (Übergewicht) in Beziehung gesetzt. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt bestanden hier große Unterschiede. In der Gruppe der Kleinkinder, die vor 20:00 Uhr zu Bett ging, lag die Häufigkeit für Übergewicht deutlich niedriger als bei den Kindern, die erst nach 21:00 Uhr zum schlafen gelegt wurden.

Diese Ergebnisse stammen aus einer gut durchgeführten Langzeitstudie. Umso mehr erstaunt, wie deutlich die Unterschiede in der Häufigkeit von Übergewicht in Bezug auf die Zu-Bett-Geh-Zeit waren. Die in der Abbildung dargestellten Unterschiede zwischen „sensiblen“ und „wenig sensiblen“ Müttern (helle bzw. dunkel-graue Säule) waren im Übrigen statistisch nicht sicher (nicht signifikant).

Was lernen wir daraus? Wenn Kleinkinder früher zu Bett gehen, scheint das ein wichtiger Faktor zu sein um künftigem Übergewicht vorzubeugen.

 

Vitamin D – Alles nur ein Hype?

Der Vitamin-D-Hype ist inzwischen am Abklingen. Eine gute Gelegenheit, den Stellenwert dieses Vitamins zu beleuchten. Versuchsweise ohne den Zeitgeist.

Vitamin D für Säuglinge

Unstrittig ist der Nutzen von Vitamin D für Säuglinge. Für Kinder von Geburt an bis zum Alter von 12 bis 18 Monaten ist eine ganzjährige Versorgung in unserer Klimazone auf natürliche Art nicht sichergestellt:

  • Zu schwache Sonnenstrahlung über lange Zeit des Jahres
  • Zu kleine Hautpartien sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt

Das Risiko, durch einen zu geringen Vitamin-D-Gehalt im Blut Wachstumsstörungen an den Knochen (Rachitis) mit Wirbelsäulenverkrümmungen zu erleiden oder gar Verkrampfungen der Muskulatur (Tetanie – nicht zu verwechseln mit der Infektionskrankheit Tetanus) kann nur durch die regelmäßige orale Gabe von Vitamin D (medizinisch: 1,25 [OH] 2D3 –  Calcitriol) sichergestellt werden. Empfohlen ist eine Ergänzung der Nahrung um 400 bis 500 IE Vitamin D3 pro Tag. Diese kann als kleine Tablette oder auch in Tropfenform erfolgen.

Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr?

Für Kinder nach dem ersten Lebensjahr liegt die angestrebte Aufnahme von Vitamin D bei 600-800 IE am Tag. Wie kann sie erreicht werden? Dazu gibt eine gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) mit folgenden Empfehlungen (zu den Details der Stellungnahme).

  • Regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Ein Aufenthalt von 5-30 Minuten in der Sonne in den Monaten April bis September (10 bis 15 Uhr) bei unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ist ausreichend.
  • Regelmäßiger Verzehr von Vitamin-D-reichen Fischsorten (z.B. Hering, Lachs) ein- bis zweimal pro Woche. Das ist nebenbei oft auch für die Jodversorgung günstig.

Seit Jahren weisen Daten darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von Vitamin D in mancher Hinsicht günstig sein könnte. So soll das Risiko von Infektionen durch die zusätzliche Gabe von Vitamin D gesenkt werden. Diese Effekte sind bis heute aber nicht zweifelsfrei belegt. Von einer ergänzenden Zufuhr von Vitamin D wird deswegen bei gesunden Kindern und Jugendlichen weiterhin abgeraten.

Gleiches gilt auch für die ungezielte Bestimmung von Vitamin D – Konzentrationen im Blut. Das spiegelt sich auch wider in den unterschiedlichen Normbereichen für diesen Laborwert. Gemäß manchen „Normwerten“ wären über 90% der Bevölkerung vom Vitamin D-Mangel betroffen. Auf dieser pseudowissenschaftlichen Linie bewegen sich viele Scharlatane: sie geben sich „wissenschaftlich“ mit den Vitamin-D-Werten und ziehen Schlüsse, die ihnen persönlich (Verkauf von Produkten im Zusammenhang von Vitamin-D) sicher helfen, dem Patienten mutmaßlich aber nicht.

Die Forschung hat die vielfältige Bedeutung des Vitamin D in den letzten Jahren besser verstehen gelernt. Wenn einzelne Studien positive oder negative Effekte beispielsweise hinsichtlich der Infektionshäufigkeit zeigen, so ist jedoch damit kein ausreichender Beweis für eine allgemeine Empfehlung erbracht. Vermutlich wird nach einer gewissen Zeit – ähnlich wie beim Hype mit Vitamin E – Ruhe einkehren und der Stellenwert des Vitamin D weniger aufgeregt diskutiert werden. Wir müssen also noch etwas warten.

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.

Jugendschutz – Was geht und was geht nicht?

Jugendliche drängen auf ihre Freiheit. Im Ablösungsprozess von ihren Eltern ist das richtig und wichtig. „Ich bin dann mal weg …..“ hören Eltern so nebenbei und müssen dann die Fragen stellen. Wohin will die/der Jugendliche? Wann kommt sie/er zurück? Mit wem zusammen  ziehen die Jugendlichen los?

Und schnell stehen Eltern unter Druck, weil sie nicht wissen was gesetzlich erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz bezieht sich immer nur auf den sog. öffentlichen Raum. Der private Bereich zuhause ist im Jugendschutzgesetz außen vor – der Staat greift hier nicht vorbeugend ein. Wichtige Eckdaten sollten Eltern bekannt sein, damit sie in diesen unerwarteten Situationen bewusst und informiert handeln können.

Umgang mit Alkohol und Energydrinks

Unter 16 Jahren, dürfen Jugendliche weder im Laden noch bei Festen in der Öffentlichkeit Alkohol jeglicher Art erhalten. Nach dem 16. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag dürfen sie leichtere alkoholische Getränke (Bier, Wein. Sekt) sowohl kaufen als auch trinken. Hochprozentige alkoholische Getränke sind erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt. Energydrinks sind in allen Altersgruppen erlaubt.

Tabakprodukte

Die Abgabe und der Konsum von Tabakwaren sind gemäß Jugendschutzgesetz grundsätzlich unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Aufenthalt in Clubs

Bis zum 16. Geburtstag dürfen Jugendliche nicht alleine auf öffentliche Tanzveranstaltungen gehen. In Begleitung von Eltern bzw. Vormund oder einer anderen erziehungsbeauftragten Person ist dies aber unbegrenzt erlaubt. Eine solche Begleitperson muss 18 Jahre alt sein und kann im Einzelfall von den Eltern vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut werden. Eltern können also eine/n erwachsenen Freund/in beauftragen, ihr jugendliches Kind zu beaufsichtigen. Sinnvoll ist es, diese/n mit dem „Muttizettel“ (siehe Muttizettel-Vorlage) auszustatten.

Insgesamt greift der Staat also behutsam in die Rechte der Eltern ein. Zuhause gibt es fast keine spezifischen Regelungen, die  das Elternrecht begrenzen. Wenn jedoch Dinge geduldet werden, die das geistige und seelische Wohl des Kindes beeinträchtigen, kann der Staat auch hier eingreifen. Das gilt auch für die Nutzung problematischer Internetangebote und Computerspiele.

Diäten: Manches ist gesichert, vieles nicht

Ist es fair – so kurz vor Weihnachten – das Thema Diät nach vorne zu holen? Das frage ich mich. Aber egal. Erstens ist die Adventszeit nach christlicher Auffassung ohnehin eine Fastenzeit und zweitens kann es nicht schaden, dem Kater nach Weihnachten vorzubeugen.

Mit dem zunehmenden Wohlstand kamen die Diäten. Bereits 1972 hat der Amerikaner Robert Atkins die erste Low-Carb-Diät propagiert. In seinem berühmt gewordenen Buch „Diät-Revolution“ empfahl er Übergewichtigen, auf Kohlenhydrate (englisch: carbohydrate) möglichst zu verzichten. Es folgten viele andere Diäten. In den letzten zwei Jahrzehnten kamen dann die Diäten bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten hinzu. Die gab es zwar in Realität schon immer, aber die Gruppe der Gefühlt-Betroffenen hat enorm zugenommen. Somit dürfte es für viele Menschen heute schwierig sein, sich spontan zu einem gemütlichen gemeinsamen Essen zu treffen ohne vorher zu klären was im Essen drin sein darf oder nicht.

Bei dem Durcheinander von sich widersprechenden Empfehlungen grenzt es fast an ein Wunder, dass sich vier Wissenschaftler mit unterschiedlichen Überzeugungen auf diesem Sektor zusammenfanden und in der angesehenen Zeitschrift SCIENCE gemeinsam einen Artikel veröffentlichten. In Dietary fat: From foe to friend? (in deutsch bedeutet das soviel wie: Fett in der Diät: vom Feind zum Freund) setzen sie sich mit der Bewertung von Kohlenhydraten und Fett in der Ernährung auch in Bezug auf chronische Krankheiten auseinander. Dabei arbeiten sie sieben Punkte von gemeinsamen Überzeugungen heraus. Daneben stellen sie auch die weiterhin kontroversen Überlegungen – und das sind natürlich mehr, nämlich neun. Was sind nun die Kernpunkte, in denen sie wissenschaftlich übereinstimmen?

  1. Mit einem Schwerpunkt auf gute Qualität in der Ernährung kann für ein breites Spektrum an verschiedene Diäten mit unterschiedlicher Kohlenhydrat – Fett – Mischung eine gute Gesundheit und ein geringes Risiko an chronischen Erkrankungen erreicht werden.
  2. Sterblichkeit. Veränderung des relativen Risikos im Rahmen einer Langzeitstudie (momentan 32 Jahre) bei 126.233 Männern und Frauen (Wang et al). Foto: SCIENCE

    Gesättigte Fettsäuren sollten durch (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren ersetzt werden.

  3. Ersatz von hoch verarbeiteten Kohlenhydraten (Getreideprodukte, Kartoffelprodukte, Zucker) durch wenig verarbeitete Kohlenhydrat-Produkte (Vollkorn, nicht-stärkehaltige Gemüse, rohe Früchte u.ä.). 
  4. Gesunde Menschen mit normalem Insulinstoffwechsel können verschiedene Diäten mit unterschiedlichem Verhältnis von Kohlehydrat/ Fett vertragen. Menschen mit Insulinresistenz (das sind nach Expertenansicht in Deutschland immerhin bis zu 20% aller Menschen) sollten eher Diäten mit wenig Kohlehydraten bevorzugen.
  5. Eine ketogene Diät kann für einzelne Menschen mit Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels sinnvoll sein. Langzeit-Studien zu dieser Frage stehen aber noch offen.
  6. Diäten mit niedrigem Anteil an Kohlehydraten und hohem Fettanteil benötigen keine speziell hohe Eiweißzufuhr oder tierische Produkte wie Fleisch. Als Ersatz sind fettreiche pflanzliche Produkte wie Öle, Nüsse, Samen und Avocado geeignet.
  7. Fragen betreffend Diät-bezogener chronischer Erkrankungen bleiben bestehen. 

Der Diät-Wahn hat auch für Kinder und Jugendliche Folgen. Genau genommen sogar schon, bevor sie zur Welt kommen. Denn auch Schwangere unterliegen den Einflüssen von Diäten und diese betreffen unmittelbar das werdende Baby. Es ist also gut, wenn sich Wissenschaftler zusammensetzen und herausarbeiten, was heute als gesichert anzusehen ist.

In der Novemberausgabe der Monatsschrift für Kinderheilkunde hat die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. den aktuellen Stand zu vegetarischen Kostformen im Kindes- und Jugendalter zusammengefasst.

Laufräder – Start zum sicheren Fahren

Laufräder sind eine prima Erfindung. Einfach zu nutzen: Aufschwingen und los geht’s. Und wenn’s mal schwierig wird und sich ein Auto in den Weg stellen sollte – der Absprung geht unkompliziert. Selbst motorisch wenig begabte Kinder können damit gut umgehen und sich Fähigkeiten erwerben, die beim Umstieg auf Roller und Fahrrad sehr hilfreich sind. Ein sinnvoller Kauf.

Aber welche Laufräder sind gut?

Da ist wieder einmal der Check der Stiftung Warentest eine gute Hilfe für uns technische Laien. Im neuesten Heft (12/2018) schreiben die Tester jedoch, dass „Schadstoffe in Griffen, Sätteln oder luftgefüllten Gummireifen“ die Testbilanz vermiesen. Letztlich werden 3 Laufräder für „GUT“ befunden, die im Folgenden kurz zusammengestellt sind. Alle sind für Kinder bis etwa 5 Jahre geeignet.

Name Preis Note Anmerkung
 Puky Laufrad LR1 73 € 2.2  Stahllaufrad mit Trittbrett, Seitenständer, 11 Zoll
 BTwin Runride 100 35 € 2.5  Stahllaufrad, 10 Zoll
 Kettler Speedy 10“ 40 € 2.5  Stahllaufrad, 10 Zoll

Ein gutes und bezahlbares Weihnachtsgeschenk? Zumindest dann, wenn man ein paar Gummistreifen an den Zimmerwänden in Kauf nimmt. Denn eines ist klar: Kinder werden schon am Heiligabend aufsteigen und in der Wohnung loslegen.

HPV-Impfung: Nun auch für Jungen eine Kassenleistung

Ganz aktuell kam gerade von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Nachricht, dass die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) nun auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren eine Kassenleistung ist. Darüber hatte das praxisblättle gerade vor einer Woche berichtet. Der genaue Wortlaut der KBV-Meldung:

Der entsprechende Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist am 30. November in Kraft getreten. Damit übernehmen jetzt alle gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Impfung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte den Beschluss zur Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie im September gefasst und damit eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) umgesetzt. Diese hatte sich im Juni für die Standardimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV) auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren ausgesprochen. Für Mädchen in diesem Alter ist die HPV-Impfung bereits seit Juli 2007 eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten

Humane Papillomviren können Krebserkrankungen auslösen. Eine Immunisierung sollte vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen.

Bei der HPV-Impfung sind im Alter von neun bis 14 Jahren zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten notwendig. Sollte die erste HPV-Impfung im Alter von 15 Jahren oder älter verabreicht werden, sind insgesamt drei Impfungen erforderlich. Eine Nachholimpfung sollte bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen. Ziel der HPV-Impfung von Mädchen und Jungen ist die Verringerung von durch HP-Viren hervorgerufenen Tumoren.

Impfung bei U11- sowie J1-Vorsorgeuntersuchung

Für die Impfung bieten sich insbesondere die U11-Vorsorgeuntersuchung (neun bis zehn Jahre) sowie die J1-Vorsorgeuntersuchung (zwölf bis 14 Jahre) an.

Für weitere medizinische Informationen möchten wir auf das praxisblättle vom Juni 2018 verweisen.