Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 15. Juni 2019

Die nächsten vier Wochen werden uns die meisten Sonnenstunden des Jahres bescheren. Zumindest, solange die Sonne durchkommt. Genau genommen, kommt sie aber auch durch Wolkenschichten sehr wohl durch, so dass der Sonnenschutz für Kinder und Jugendliche in den nächsten Wochen immer bedeutsam ist. Wer die wichtigsten Dinge nochmals nachlesen möchte kann das hier im praxisblättle machen.

An diesem Wochenende gehen die Temperaturen im Südwesten etwas zurück und es soll auch wieder regnen. Damit bekommen alle Allergiker eine Verschnaufpause, nachdem sie die letzten zwei Tage eine sehr starke Konzentration bei den Gräserpollen ertragen mussten.

Die Infekte in Baden-Württemberg werden weniger. Vielleicht ist das dem Urlaub geschuldet. Traditionell gehen viele Familien um Pfingsten nach Südtirol und den Gardasee. Noch gibt es Luftwegsinfekte, die oftmals von Mittelohrentzündungen begleitet sind. Darminfektionen hingegen sind eher selten geworden, was typisch für diese Jahreszeit ist.

Was geht in der Welt rum? In Irland gibt es seit Anfang diesen Jahres vermehrt Erkrankungen an Mumps. Bisher wurden über 1300 Neuerkrankungen gemeldet. Im gleichen Zeitraum traten in Baden-Württemberg nur 24 Fälle auf. Familien, die mit ihren Kindern nach Irland reisen, sollten den Impfschutz kontrollieren. Kinder und Jugendliche sollten zwei Impfungen mit MMR-Impfstoffen (z.B. Priorix©) aufweisen.

Was geht rum? 08. Juni 2019

Der Juni hat das warme Wetter nach Baden-Württemberg zurück gebracht. Damit gibt es beste Gelegenheiten, das Fahrrad aus dem Keller zu holen um die eigene Umgebung zu erkunden. Für Erwachsene mögen dabei Kindheitserinnerungen aufkommen. Noch wichtiger: Kinder können künftige Kindheitserinnerungen aufbauen – schönes Grün, zwitschernde Vögel, herrliche Düfte und ein einmaliges Vesper mit der Familie am Waldesrand.

.. und natürlich nie den Fahrradhelm vergessen. Kinder und auch die Eltern. Das gute Vorbild fährt immer mit.

Trotz oder gerade wegen des beginnenden Sommers sind regional wieder viele Kinder von einem Erkältungsinfekt – „Sommergrippe“ – betroffen. Dabei treten Halsschmerzen und viele Mittelohrentzündungen auf. Besonders auffällig sind die Bindehautreizungen.

Unter den momentanen Infektionen in Baden-Württemberg gehört die Erkrankung mit dem HantaVirus zu den wichtigsten. Aber wie es scheint, sind auch in der diesjährigen Welle Kinder und Jugendliche nicht betroffen, obwohl die Zahl der Neuerkrankungen in der letzten Woche mit 56 einen neuen Höchststand erreichte. Die meisten Infektionen traten bislang in der Region Stuttgart auf. Da prinzipiell auch Kinder und Jugendliche erkranken könnten, sollten sie vorsorglich bei Aufräumungsarbeiten in Gartenhäusern oder Speichern nicht beteiligt werden.

Nur für Allergiker wird’s leider noch schwieriger. Sie erleben an diesem Wochenende wohl den stärksten Pollenflug von Gräsern und Spitzwegerich in diesem Jahr. Neben der vom Kinder- und Jugendarzt verordneten medikamentösen Therapie sollten unbedingt auch allgemeine Maßnahmen umgesetzt werden, die den Weg der Pollen in die Atemwegen bremsen: Schließen der Fenster im Haus bei starkem Pollenflug – in der Regel von 05:00 morgens bis 21:00 abends. Abendliches Duschen der Betroffenen (inklusive Haarwäsche). Die Bettwäsche wird nur im Trockner oder im Keller getrocknet. Und: Autofahrten mit geschlossenem Fenster mit Klimaanlage. Zuvor auch sicherstellen, dass die Pollenfilter im Auto gereinigt sind.

Was geht in der Welt rum? Auf Réunion im Indischen Ozean hat sich das DengueFieber in diesem Jahr enorm verbreitet. Für 2019 werden bereits 13.000 Neuerkrankungen gemeldet. Dies ist in Relation zur Bevölkerung von 850.000 Menschen eine beachtliche Zahl. Leser des praxisblättle wissen bereits, dass bislang nur ein Mückenschutz tagsüber vor der Infektion schützen kann. Oder ein Urlaub in deutschen Landen.

Was geht rum? 01. Juni 2019

Im Juni und Juli wird die Sonneneinstrahlung bei uns den Höhepunkt erreichen. Grund genug, öfter als sonst eine Sonnenbrille zu tragen. Dabei geht es darum, die Augen vor den unsichtbaren UV-A- und UV-B-Strahlen zu schützen. Einfach abgedunkelte Brillen bringen da kaum was. Sie können sogar schaden, weil der Schutzreflex der Pupille unterbleibt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sonnenbrillen im Fachhandel gekauft werden. Nur dort ist sichergestellt, dass die Kennzeichnung EN 1836:1997 oder das CE-Zeichen und die Aufschrift ISO 12312-1 an der Innenseite des Bügels auch korrekt ist. Und damit besteht ein fast 100%-iger Schutz. Eine Reduktion des Anteils an Blaulichts (400-470 nm) auf unter 10% durch die Gläser wäre zusätzlich wünschenswert.

Im Alltag bleibt es wichtig, dass Kinder nicht zu lange der intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Das kann der Schatten am besten. Um die Mittagszeit (12:00 – 15:00 Uhr) bleiben Kinder wenn möglich im Haus bzw. im schattigen Garten. Außerhalb der Wohnung – auch im Schatten – ist eine Schildmütze eine weitere Hilfe.

In dieser sonnigen Jahreszeit spielen die Infektionen eher eine geringe Rolle. Das gilt leider nicht für das HantaVirus. Das löst oft medizinisch heikle Erkrankungen aus, kommt aber „relativ“ selten vor. Inzwischen sind die Neuerkrankungen in Baden-Württemberg auf über 40 in der vergangenen Woche angestiegen. Vorsicht ist geboten beim Ausmisten von Gartenhäuschen, Speichern und Kellern in den Regionen der Schwäbischen Alb.

Weiterhin treten MagenDarmInfektionen auf. Regional gibt es Parapertussis, eine dem Keuchhusten ähnliche Infektion. Sie wird ausgelöst durch Bakterien, die im Rahmen der Keuchhustenimpfung nicht erfasst werden. Ein kleiner Trost: der Parapertussis verläuft schwächer als der Keuchhusten, ist dabei aber noch sehr belastend. Ohrenschmerzen sind ebenfalls gehäuft und sollten im Einzelfall beim Kinder- und Jugendarzt abgeklärt werden.

Die Pollen finden in den kommenden Tagen ideale Voraussetzungen sich zu verbreiten. Das trifft für die Gräser– wie die Pollen des Spitzwegerich ganz besonders zu.

Was geht in der Welt rum? Eine bei uns zuletzt seltene Erkrankung zeigt einen Ausbruch in Japan: die Röteln. Dort sind in diesem Jahr bereits mehr als 1300 Menschen daran erkrankt. Im vergangenen Jahr waren es fast 3000 gewesen. Zum Vergleich: in Baden-Württemberg sind zuletzt 0 Fälle (Jahr 2017) gemeldet worden. Die Röteln sind für betroffene Kinder und Erwachsene wenig belästigend. Für Embryonen sind sie jedoch mit schwersten Folgen von weitreichenden Missbildungen bis hin zum Tod verbunden. Schwangere, die keinen effektiven Schutz aufweisen, müssen also ein erhebliches Risiko in Japan befürchten. Vor einer Reise sollten sie sich unbedingt beraten lassen.

Was geht rum? 25. Mai 2019

Frühling. Alle Menschen drängen nach draußen. E-Scooter sind in den Metropolen auch dabei. Was meinen Sie als Eltern? Sollen sie auf den Gehsteigen fahren dürfen? Oder muss man die zarten und leisen Gefährte neben den Autos fahren lassen? Werden Kinder gefährdet? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Mit dem wärmeren Wetter drängt es auch Kinder und Jugendliche nach draußen. Roller oder Fahrrad fahren, schaukeln, auf dem Fußballplatz bolzen. Jede körperliche Aktivität tut der Seele gut, kann aber auch ein Risiko darstellen. Also Helm auf beim Fahrradfahren, Vorsicht vor Verbrennungen am heimischen Grill. Und in vollen Zügen genießen.

Der Eichenprozessionsspinner macht wieder von sich reden. In Bretten mussten kürzlich zwei Schulen geschlossen werden, nachdem bei Schülern typische Symptome an Haut und Atemwegen aufgetreten waren. In der Nähe wurde der Befall eines Baumes mit den Raupen dieses Schmetterlings gefunden. Hier finden Sie im praxisblättle hierzu einen Beitrag aus dem letzten Jahr.

Die Gräserpollen haben für die kommenden Wochen Hochzeit. Allergiker können sich recht gut helfen, wenn sie folgende Maßnahmen – zumindest so gut es geht – umsetzen:

  • abendliches Duschen, um die Pollen von der Haut abzuwaschen. Das verhindert nebenbei auch durch Pollen ausgelöste Hautausschläge
  • Bei starkem Pollenflug sollte das Fenster im Schlafzimmer nur von 21:00 bis am Morgen um 05:00 Uhr geöffnet sein. Schon dann beginnt ein bedeutsamer Pollenflug
  • Gräserallergiker mähen nicht den Rasen. Das müssen andere Familienmitglieder übernehmen
  • Mit offenem Verdeck oder auf dem Motorrad zu fahren macht echt Spaß. Ein Allergiker muss überlegen, ob der nachfolgende Stress dafür eingegangen werden sollte. Oder ob eventuell sogar ein schweres Asthma ausgelöst werden kann. Eltern sollten diese Entscheidung für Ihre Kinder abwägen.

Ja, auch im Frühling gibt es noch Infekte. Da sind einmal die MagenDarmErkrankungen, die  noch immer recht oft vorkommen. Daneben spielen die Zecken eine größere Rolle. Immerhin sind in der vergangenen Woche 7 FSME-Erkrankungen im Ländle neu aufgetreten. Das HantaVirus ist mit 30 Neuerkrankungen Erschreckend bedeutsam. In der Summe aber spielen Infekte aber kaum eine Rolle. Gut so!

Was geht in der Welt rum? Auf den Malediven ist das ChikungunyaFieber ausgebrochen. Über 800 Personen sind in diesem Jahr bereits erkrankt. Das Chikungunya-Virus führt meist zu einer grippeähnlichen fieberhaften Erkrankung, die sich durch extreme Gelenkschmerzen zeigt. Diese können über längere Zeit anhalten. Eine Impfung gibt es nicht, konsequenter Mückenschutz – tagsüber- ist die wichtigste Maßnahme.

Was geht rum? 18. Mai 2019

Verkehrssicherheit ist wieder ein Thema seit vermehrt E-Scooter und E-Bikes auf die Straßen und die Bürgersteige in Deutschland drängen. Die Frage, wer nun auf dem Bürgersteig fahren darf ohne die Fußgänger – und hier ganz besonders die Kinder – zu gefährden wird nun in aller Breite diskutiert. Gut so.

Abbildung 1. Verkehrstote auf den Straßen der USA. Seit 2010 ist das Risiko für Fußgänger sprunghaft gestiegen. Foto: Economist

Erschreckend ist eine Statistik, die der Economist in dieser Woche veröffentlichte. Diese befasst sich mit den getöteten Fußgängern im Straßenverkehr. Bezogen auf die gefahrenen Meilen amerikanischer Autos ist demnach das Risiko für Fußgänger im Verkehr getötet zu werden seit dem Jahr 2009 klar angestiegen. Dem Economist liegen Zahlen des Start-up-Unternehmens Zendrive vor, das die Nutzung des Smartphones im Auto im vergangenen Jahr nachvollziehen konnte. Demzufolge soll das Handy bei 60% aller Fahrten verbotenerweise zum Einsatz kommen. Das würde auch die Graphik erklären. Denn das erste iphone kam in den USA im Jahr 2007 heraus. Danach folgte ein Siegeszug der Smartphones. Heute gibt es in den USA fast so viele Smartphones (260 Millionen) wie Einwohner. Es sind vermutlich nicht nur die elektrisch betriebenen Roller und Räder die unsere Kinder bedrohen. Wir selber als Autofahrer sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko, besonders, wenn wir so nebenbei das Handy nutzen sollten.

Eine ständige Belästigung – und ganz selten auch eine echte Gefahr – stellen Infektionen für Kinder dar. Im Moment sind das besonders die Enterokokken, wie letzte Woche auch: Hand-Fuß-Mund-Krankheit und Herpangina sind die wichtigsten Vertreter. Einer Ansteckung haben Kinder unter 10 Jahren wenig entgegenzusetzen, da sie diesen Erkrankungen noch nicht so oft begegnet sind. Eine Impfung gibt es nicht, eine direkt wirksame Therapie auch nicht. Es lohnt auch nicht, Kinder „davor zu schützen“, indem man sie nicht in die Kindertagesstätte oder zu Freunden gehen lässt. Ihr Körper soll durchaus lernen, mit diesen Enteroviren umzugehen. Das geht leider nur, wenn man die Krankheit – hoffentlich in schwacher Form – durchmacht.

Eine weitere Erkrankung mit Ausschlag macht noch die Runde: die Ringelröteln. Dies ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die jedoch von den meisten Kindern ohne spürbare Probleme durchgemacht wird – bis auf den Ausschlag.

Abbildung 2. Krankheitshäufigkeit (Inzidenz) des Hantavirus in Bezug auf die gemeldeten Fälle der Landkreise mit Stand 6. Mai 2019. Foto: LGA Baden-Württemberg

Von den Hantaviren werden fürs Ländle enorm hohe Zahlen gemeldet: Allein 30 Neuerkrankungen in der letzten Woche gegenüber 11 Erkrankungen in den ersten 19 Wochen des letzten Jahres. Betroffen sind inbesondere die Landkreise auf der Schwäbischen Alb. Hier im praxisblättle finden Sie weitere Informationen, wie man das Risiko für eine Ansteckung mit dem Hantavirus deutlich verringern kann. Für Kinder durchaus wichtig!

Die Saison der Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus geht in diesem Jahr recht lange. Nachdem in der letzten Woche 121 neue Erkrankungen gemeldet wurden, liegen die Erkrankungszahlen im Vergleich zum letzten Jahr fast beim doppelten.

Abbildung 3. Gräserpollenflug der Region Münsterlingen. Foto: pollenundallergie.ch

Ach so die Pollen! Für sie läuft’s zum Glück aller Allergiker nicht so gut. Nun wird es zwar etwas wärmer. Die Meteorologen sagen aber auch öfter Regen voraus, so dass die Belastung mit Gräserpollen weiterhin eher gering bleiben dürfte.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber setzt seinen Siegeszug weiter fort. Davon betroffen sind auch verschiedene Touristendestinationen. Allen voran Brasilien (mit  282.414 Neu-Infektionen alleine in diesem Jahr), die Dominikanische Republik (1.400 Erkrankungen in 2019), Französisch Polynesien (39 Erkrankungen), die Malediven (1.900 Erkrankungen), die Philippinen (59.140 Erkrankungen), Tansania (1.122 Erkrankungen) und Réunion mit 9.200 Infektionen in diesem Jahr. Einzige effektive Schutzmaßnahme ist der Mückenschutz. Für Einzelheiten schauen Sie gerne nochmals hier im praxisblättle nach.

Was geht rum? 11. Mai 2019

In der Natur ist der Aufbruch zu spüren. Es grünt, es duftet, es blüht. Damit verbunden bewegen sich – weitgehend für unser Auge unsichtbar – Pollen durch die Lüfte. Noch ist die Zeit für die große Attacke nicht ganz gekommen. Es war zu kühl und hat zuviel geregnet. Das zeigt die Grafik zum Pollenflug der Gräser am Oberrhein (Abbildung 1) sehr klar.

Gräserpollenflug der letzten Woche am Oberrhein (Basel). Foto: pullenundallergie.ch

Die aktuellen Wettervorhersagen deuten aber an, dass sich das Wetter ab Sonntag zum Besseren wendet. Aber nicht für die Allergiker. Sie müssen dann mit einem Anstieg des Pollenflugs rechnen.

Infektionen gibt es auch jetzt noch, aber deutlich weniger und andere als noch vor einem Monat. Zur Zeit sind dies – verursacht durch sog. Enteroviren – die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (näheres hierzu in einem früheren Beitrag des praxisblättle’s). Daneben treten vermehrt Erkrankungen auf, die an den Keuchhusten erinnern: Parapertussis. Ursache sind ebenfalls Bakterien. Das Krankheitsbild verläuft in aller Regel jedoch schwächer als beim Keuchhusten.

Wie bereits geschrieben, sind Zecken schon seit Wochen aktiv. Das spiegelt sich auch in den Meldungen der FSME wieder. So sind alleine in der letzten Woche 5 Neuerkrankungen in Baden-Württemberg gemeldet worden. So viele, wie in den ersten fünf Monaten des Jahres 2018. Damit stieg die Zahl der Neuerkrankungen auf 12. Für alle nochmals eine Erinnerung, dass die FSME-Impfung günstig sein könnte. Diese ist ganz besonders für Erwachsene bedeutsam. Für Einzelheiten rufen Sie gerne nochmals den Beitrag im praxisblättle vom letzten Jahr auf. Was da drin steht ist zwar ein Jahr alt, aber auch in diesem Jahr unverändert aktuell.

Was geht in der Welt rum? Unser – an Einwohnern – kleiner Nachbar Schweiz hat das gleiche Problem wie unser Ländle: die Masern. Waren im letzten Jahr noch 49 Menschen davon betroffen,, sind es in diesem Jahr bereits 155 (in 2019 zwei Todesfälle!). Hört sich zunächst harmlos an. Aber bei einer Bevölkerung von 8.5 Millionen ist das immerhin ein Masernfall auf 55.000 Menschen. In 4 Monaten! In Baden-Württemberg sind es mit 1 Fall auf 182.000 Einwohner deutlich weniger Erkrankungen. Deutlich erschreckender ist da Madagaskar, wo im letzten halben Jahr eine Masernerkrankung auf 175 Menschen zu beklagen war. Wie gut, wenn sich ein Land ein gutes Gesundheitssystem leistet – und leisten kann.

Was geht rum? 04. Mai 2019

Die Natur ergrünt und blüht und damit steigen die verschiedenen Pollen in luftige Höhen. Vorreiter im Südwesten ist wie in jedem Jahr die Region am Oberrhein. Inzwischen liegen die Daten für die letzte Woche vor die zeigen, dass die Birkenpollen (siehe Abbildung 1) massiv zurückgehen und im Gegenzug die Gräserpollen (siehe Abbildung 2) ihren Flug hin zu dem Schleimhäuten der Menschen antreten. Der wird bis Sonntag zunächst zum erliegen kommen. Aber im Laufe der kommenden Woche sollten Gräserpollenallergiker auf anstrengendere Tage vorbereit sein. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, die Kinder- und Jugendärztin aufzusuchen, um mit ihr / ihm zu besprechen, wie die Belastungen für den Organismus gering gehalten werden können.

Abbildung 1. Birkenpollenflug der letzten Aprilwoche für Basel. Foto: pollenundallergie.ch

Abbildung 2. Gräserpollenflug der letzten Aprilwoche für Basel. Foto: pollenundallergie.ch

 

Kinder und Jugendliche waren in der letzten Woche vornehmlich von Luftwegsinfekten betroffen, die meist ohne weitere Komplikationen abliefen. Besonders aus dem Südschwarzwald – ganz besonders in der Region Waldshut – wurden viele Magen-Darm-Erkrankungen mit Rotaviren gemeldet. Die Erkrankungen hierfür liegen fast 60% über denen des letzten Jahres.

Eine weitere Häufung betrifft die relative seltene Hantavirus-Erkrankung (siehe auch das praxisblättle der letzten Woche). Nachdem im letzten Jahr bis Anfang Mai gerade mal 11 Erkrankungen in Baden-Württemberg registriert worden waren, sind es in diesem Jahr bereits 148. Mithin eine Steigerung um das 13-fache! Beim Betreten von Scheunen, Gartenlauben und Kellern sind Schutzmaßnahmen (Mundschutz, Handschuhe) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Moment sehr ratsam.

Was geht in der Welt rum? Die Tollwut wird seit 2018 in Thailand wieder häufig beobachtet. Betroffen ist die Hauptstadt Bangkok sowie der Nordosten und der Süden des Landes. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres sind 17 Menschen an der Krankheit verstorben. Streunende – infizierte – Hunde sind die häufigste Ursache der Erkrankung. Für Touristen, die in Hotels untergebracht sind und geführte Touren unternehmen besteht nahezu kein Risiko. Andere, die einen langen Aufenthalt in Thailand planen und sich häufig von den Touristenpfaden entfernen sollten eine Impfung zusammen mit einem Reisemediziner in Erwägung ziehen.

Was geht rum? 27. April 2019

Baden-Württemberg ist bei den Erkrankungen mit dem Hantavirus schon immer führend in Deutschland. In diesem Jahr übertrifft sich das Ländle aber selbst. Waren im letzten Jahr um diese Zeit gerade mal 11 Infektionen gemeldet worden, so sind es allein in der letzten Woche schon 12 und für das gesamte Jahr 2019 bislang 117 Hantavirus-Infektionen. Die relativ seltene Erkrankung mit Hantaviren wird in aller Regel über die Ausscheidung infizierter Mäuse übertragen. Interessant ist, dass diese durch die Einatmung (Inhalation) von infiziertem Staub erfolgt. Dies sollten alle Menschen beachten, wenn sie Gartenhäuser, Keller oder den Speicher kehren. Ob das mit dem Ordnungssinn der Schwaben zu tun hat, ist nicht untersucht. In jedem Fall sind verschiedene vorbeugende Maßnahmen wichtig beim reinigen solcher Räume: zunächst gutes Durchlüften. Grundsätzlich sollten Handschuhe und Mundschutz getragen werden. Zur Vermeidung von Staubaufwirbelungen ist feuchtes Wischen günstiger. Verschmutzte Flächen sollten desinfiziert werden. Detaillierte Hinweise gibt das Robert-Koch-Institut hier.

Mit den fast sommerlichen Temperaturen der letzten Tage, haben sich auch die Krankheitsbilder für Kinder und Jugendliche geändert. Natürlich gibt es weiterhin Luftwegsinfekte, aber eben nicht sehr viele. Und diese sind auch lange nicht so heftig, wie es die Influenza (Grippe) noch vor wenigen Wochen war. Dagegen treten manche Infekte mit einem leichten Infektkrupp (Krupphusten) auf.

Gut untersucht ist das Verhalten der Pollen. Ideal sind Wärme und Wind, besonders wenn es zuvor mal geregnet hat. Letzteres war in den meisten Gebieten im Ländle eher nicht der Fall, Wärme und Wind sehr wohl. Im Ergebnis (Abbildung 1) war die Belastung mit Birkenpollen um die Osterfeiertage – außer am Oberrhein – sehr stark. An diesem Wochenende geht die Belastung für alle Birken-Pollen-Allergiker spürbar zurück.

Abbildung 1. Birkenpollen-Belastung am Bodensee um Ostern. Foto: www.pollenundallergie.ch

Was geht in der Welt rum? Zwei Krankheiten sind für Fern-Reisende seit Monaten bedeutsam. Das ist einmal das Dengue-Fieber, das im Moment vorwiegend in Asien (Philippinen, Singapur), Karibik (Dominikanische Republik) und im südlichen Afrika (Kenia, Réunion) eine große Rolle spielt. Die andere Krankheit sind die Masern. Sie spielen auch bei uns (Baden-Württemberg in 2019 bislang 59 Erkrankungen) eine Rolle, besonders aber in Madagaskar (123.100 Neuerkrankungen) und auf den Philippinen (28.360 Neuerkrankungen in 2019). Sogar in den USA, wo die Masern vor 10 Jahren nahezu ausgerottet waren, wurden in diesem Jahr 555 Masern-Infektionen festgestellt. Meist in Gemeinschaften, die sich dem Impfen verweigern („Inselgruppen“). Momentan betroffen sind: Oakland County im Bundesstaat Michigan und Clark County im Bundesstaat Washington.

Was geht rum? 20. April 2019

Der Frühling ist da. Angenehme Temperaturen, zwitschernde Vögel, bunte Vielfalt an Blumen. Aber nicht nur die Blumen blühen, sondern auch Allergie auslösende Gräser, Büsche und Bäume. Und nicht zu vergessen die Zecken. Sie kommen zu voller Aktivität. In dieser Hinsicht haben sich seit letzter Woche keine grundlegenden Änderungen ergeben. Nur sind Pollen und Zecken noch aktiver als zuvor.

Abbildung 1. Flug der Birkenpollen im März und April 2019 (schwarze Balken) gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (graue Fläche). Foto: pollenundallergie.ch

Was beim Ganzen oft in den Hintergrund gerät: die Sonne. Sie wärmt so herrlich und tut der Seele so gut. Aber, sie hat schon jetzt eine enorme Kraft. Für uns und unsere Kinder müssen wir also auch an den Sonnenschutz denken. Immerhin ist die Sonne heute so stark wie am 20. August, also mitten in den Sommerferien. Jetzt sind die Temperaturen halt angenehmer. Wie Sonnenschutz gut umsetzbar ist, finden Sie hier.

Abbildung 2: Praxisindex für Atemwegserkrankungen. Die rote Kurve (Saison 2018/2019) hat wie in den Vorjahren fast das Normalniveau wieder unterschritten. Die Infektwelle ist vorbei. Foto: AG Influenza

So bunt wie die Natur im April ist auch das Spektrum an Infektionskrankheiten. Die Grippe (Influenza) hat sich nahezu verabschiedet. Mit Ihr auch die anderen Infekte, wie die Abbildung 2 zeigt, ging der Praxisindex – er vermittelt die Veränderung bei den Atemwegserkrankungen – deutlich unter das Normalniveau zurück. Die Infektwelle ist zu Ende.

Die Zahl der Rotavirusinfektionen nimmt ebenfalls wieder ab. Weiterhin treten jedoch die einfachen Luftwegsinfekte auf, die selten von Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen begleitet sind. Streptokokkeninfektionen sowie vereinzelt Scharlach sind noch immer zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Mit Frankreich verbindet uns Deutsche ja eine enge Kooperation und Freundschaft. Leider sind wir auch bei den Masern auf einer Linie. In diesem Jahr sind in Frankreich bereits 573 Menschen daran erkrankt. Ganz besonders viele im Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) mit 53 Erkrankungen. Dort leben nur 800 Einwohner – aber übers Jahr kommen 300.000 Touristen. Die sollten sich vorher über den Stand ihrer Impfungen gute Gedanken machen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertage.

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Abbildung 1. Meldezahlen für Rotavirusinfektionen beim RKI für die Jahre 2010 bis 2015. Foto: Docplayer

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!