Kategorie: Was geht rum?

Was geht rum? 20. April 2019

Der Frühling ist da. Angenehme Temperaturen, zwitschernde Vögel, bunte Vielfalt an Blumen. Aber nicht nur die Blumen blühen, sondern auch Allergie auslösende Gräser, Büsche und Bäume. Und nicht zu vergessen die Zecken. Sie kommen zu voller Aktivität. In dieser Hinsicht haben sich seit letzter Woche keine grundlegenden Änderungen ergeben. Nur sind Pollen und Zecken noch aktiver als zuvor.

Abbildung 1. Flug der Birkenpollen im März und April 2019 (schwarze Balken) gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (graue Fläche). Foto: pollenundallergie.ch

Was beim Ganzen oft in den Hintergrund gerät: die Sonne. Sie wärmt so herrlich und tut der Seele so gut. Aber, sie hat schon jetzt eine enorme Kraft. Für uns und unsere Kinder müssen wir also auch an den Sonnenschutz denken. Immerhin ist die Sonne heute so stark wie am 20. August, also mitten in den Sommerferien. Jetzt sind die Temperaturen halt angenehmer. Wie Sonnenschutz gut umsetzbar ist, finden Sie hier.

Abbildung 2: Praxisindex für Atemwegserkrankungen. Die rote Kurve (Saison 2018/2019) hat wie in den Vorjahren fast das Normalniveau wieder unterschritten. Die Infektwelle ist vorbei. Foto: AG Influenza

So bunt wie die Natur im April ist auch das Spektrum an Infektionskrankheiten. Die Grippe (Influenza) hat sich nahezu verabschiedet. Mit Ihr auch die anderen Infekte, wie die Abbildung 2 zeigt, ging der Praxisindex – er vermittelt die Veränderung bei den Atemwegserkrankungen – deutlich unter das Normalniveau zurück. Die Infektwelle ist zu Ende.

Die Zahl der Rotavirusinfektionen nimmt ebenfalls wieder ab. Weiterhin treten jedoch die einfachen Luftwegsinfekte auf, die selten von Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen begleitet sind. Streptokokkeninfektionen sowie vereinzelt Scharlach sind noch immer zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Mit Frankreich verbindet uns Deutsche ja eine enge Kooperation und Freundschaft. Leider sind wir auch bei den Masern auf einer Linie. In diesem Jahr sind in Frankreich bereits 573 Menschen daran erkrankt. Ganz besonders viele im Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) mit 53 Erkrankungen. Dort leben nur 800 Einwohner – aber übers Jahr kommen 300.000 Touristen. Die sollten sich vorher über den Stand ihrer Impfungen gute Gedanken machen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertage.

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Abbildung 1. Meldezahlen für Rotavirusinfektionen beim RKI für die Jahre 2010 bis 2015. Foto: Docplayer

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!

Was geht rum? 30. März 2019

Im Ländle ist der Frühling eingetroffen. Geringere Minustemperaturen am Morgen ändern nichts daran. Es blüht bunt allerorten.

Damit sind auch zahlreiche Pollen in der Luft. Die bedeutsamsten dieser Tage sind die  Birkenpollen. Am Oberrhein haben sie bereits Mitte dieser Woche starke Konzentrationswerte erreicht, wie die Abbildung 1 zeigt. Zum Wochenende werden die Konzentration auch in anderen Landesteilen weiter ansteigen und alle Allergiker erreichen, die gegen diese Frühblüher empfindlich sind. Für alle betroffenen Kinder und Jugendliche ist es vermutlich sinnvoll spätestens jetzt mit der Therapie eines Antihistaminikums einzusetzen. Auch dann, wenn in den höher gelegenen Orten, die Birkenpollen noch kaum präsent sind.

Abbildung 1. Birkenpollenflug in Basel. Die Farben symbolisieren die Konzentration der Pollen in der Luft. Die graue Fläche stellt die mittlere Belastung für die letzten 10 Jahre dar. Die aktuellen Werte sind als schwarze Säulen markiert. Foto: www.pollenundallergie.ch

Die Winterinfekte sind weiter auf dem Rückmarsch. Manche Kinder und Jugendliche sind noch immer nicht ganz gesund, da sich die Infekte oft über lange Zeit hinziehen.

Neu hinzugekommen sind regional vermehrte Erkrankungen mit Pfeiffer’schem Drüsenfieber (Mononukleose). Oft sind Jugendliche davon betroffen, aber auch Kleinkinder, die in Einzelfällen Fieber über Tage bis eine Woche haben und sich sehr krank fühlen. Windpocken zeigen gerade im Kreis Konstanz und der Region Mannheim eine Häufung. Daneben treten aktuell auch wieder Erkrankungen an Streptokokken und Scharlach auf.

Magen-Darm-Infektionen – meist der harmloseren Art – sind ganzjährig zu beobachten. Die Zahl der Norovirus-Infektionen ging zuletzt zurück, während Rotaviren in den letzten Wochen an Bedeutung zunahmen.

Was geht in der Welt rum? Die Tollwut ist eine Bedrohung in vielen Ländern. Eher unbekannt ist, dass sie auch in Südafrika vorkommt. Im letzten Jahr sind 16 Menschen daran verstorben, in diesem Jahr sind zwei Infektionen gesichert. Wie in den meisten anderen Ländern (z.B. Indonesien) auch ist der Hund meist der Überträger. Die Frage, ob für eine Reise diese Impfung wichtig ist, sollte mit einem Arzt für Reisemedizin / Tropenmediziner Monate vor Antritt der Reise geklärt werden.

Was geht rum? 23. März 2019

Der Frühling ist da, es wird wieder bunter im Südwesten. Die Infekte – vor einem Monat noch so beherrschend – nähern sich schnell dem ganzjährigen Normalniveau. Die letzten Kinder und Jugendliche mit Grippe sind dabei sich zu erholen. Kaum einer spricht mehr von der Grippewelle, die in diesem Winter recht glimpflich ablief. Momentan sind es wieder die unspezifischen Virusinfekte, die im Vordergrund stehen: Schnupfen (oder manchmal vielleicht doch eine Pollenallergie?), Husten, etwas Fieber.

Kinderkrankheiten spielen nur regional eine Rolle. Dann aber heftig als Masern: Nordbaden (Ortenaukreis, Baden-Baden, Karlsruhe), Freiburg und Konstanz. Insgesamt sind 41 Menschen daran erkrankt.

Jetzt ist schon die Zeit der Zecken. Sie lieben die Wärme und beginnen im März, die Erreger der Borreliose und der FSME zu verbreiten. Einzelheiten zu diesen Krankheitsbildern haben wir vor einem Jahr im praxisblättle beschrieben.

Abbildung 1. Meldedaten für die FSME nach Quartal zwischen 2012 und 2017 (insgesamt 1932 Meldungen). Foto: RKI

Für alle, die gegen die FSME geschützt sein wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Impfung noch rechtzeitig in Stellung zu bringen. Denn – so zeigt die Abbildung 1 oben – bereits bis Ende März werden jedes Jahr Neuerkrankungen erfasst. In diesem Jahr sind bislang (Stand 22.03.2019) drei FSME-Infektionen in Baden-Württemberg gesichert, die letzte trat im Landkreis Biberach auf.

Unabhängig davon können auch Erkrankungen an Borreliose Kinder und Jugendliche bedrohen. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder jeden Abend auf Zecken untersuchen. Und sich selber am besten auch (gegenseitig).

Die Pollen sind weiterhin gut unterwegs. Am Oberrhein stiegen die Belastungen mit Birkenpollen seit zwei Wochen rasant an. Insofern lohnt sich für alle Allergiker der Blick in die Hausapotheke. Sind für Atembeschwerden ausreichend Medikamente vorhanden? Stimmt die Haltbarkeit? Notfälle wie ein Asthmaanfall kommen nicht unbedingt häufig vor, oft aber für die Betroffenen unerwartet. Dann aber sollten Medikamente wie das Dosieraerosol (z.B. Salbutalmol) sofort greifbar sein, um Stress und Lebensrisiko zu vermeiden. Vermutlich wird sich der Pollenflug zu Beginn der kommenden Woche legen, wenn die Temperaturen wieder zurückgehen.

Was geht in der Welt rum? Im Moment setzt das Dengue-Fieber seinen Zug durch die Welt fort. Es kommt in allen tropischen Regionen und besonders in Asien vor. Aber die Zahlen, die aus Brasilien gemeldet beunruhigen speziell: 76.474 gemeldete Erkrankungen allein in diesem Jahr (mit 44 gesicherten Todesfällen). Betroffen sind besonders die Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Grund genug, auch in Brasilien als Reisende gezielter auf den Mückenschutz tagsüber zu achten.

Was geht rum? 16. März 2019

Die Atemwegsinfekte scheinen sich immer mehr auf dem Rückzug zu befinden. Da hat die Fastnacht glücklicherweise nichts dran geändert. Wie bei manch anderem Erreger, hat sich auch die Häufigkeit bei den Influenza-Erkrankungen abgeschwächt. Nunmehr stehen einfache Racheninfekte, öfter auch mit Mittelohrentzündung, im Vordergrund. Daneben treten auch Erkrankungen mit Streptokokken auf. MagenDarmInfektionen sind inzwischen vorwiegend auf Rotaviren zurückzuführen. Diese sind im Vergleich zum letzten Jahr um 50% häufiger seit Beginn dieses Jahres.

Im Gegenzug zum Rückgang der Infekte erreichten die Pollenbelastungen bis Mitte der Woche neue Höhenflüge. Erstmals in diesem Jahr wurden Birkenpollen – in noch schwacher Konzentration – im Bodenseegebiet gemessen.

Was geht in der Welt rum? In vielen tropischen Regionen der Welt gewinnt das Gelbfieber an Bedeutung. So wird bei der Einreise in die Dominikanische Republik aus Brasilien kommend neuerdings eine Gelbfieberimpfung verlangt. Hintergrund sind die vermehrten Erkrankungen der letzten Monate im Land am Amazonas. Von den 50 gemeldeten Erkrankten seien inzwischen 12 Menschen verstorben. Gelbfieber trat zuletzt auch in der Region Cochabamba in Bolivien auf. In dieser Gegend zwischen Altiplano und dem Amazonas auf immerhin 2500 Metern ü. M. würde man diese Krankheit weniger vermuten.

Was geht rum? 09. März 2018

In der letzten Woche haben die Pollen nochmals deutlich zugelegt. Im Südwesten blieb der Haselpollenflug bedeutsam, während die Erlenpollen einen fulminanten Start mit sehr hohen Pollenzahlen hinlegten. Manche Kinder und Jugendliche sind dadurch sofort vom Infekt in die Allergie gerutscht. Für die kommenden Tage gilt: Keine Sorge, das Wetter soll wechselhafter werden und die Pollenallergiker können sich vorerst mal entspannt zurücklegen.

Die Grippewelle belästigt noch immer viele Menschen. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Neuerkrankungen gegenüber der letzten Februarwoche um knapp 10% auf nunmehr 2474 Neuerkrankungen zurückgegangen. Damit sind bislang in diesem Jahr etwa halb so viele Menschen an Influenza erkrankt wie noch im letzten Jahr. Für die Noroviren liegen die Neuerkrankungen mit zuletzt 478 Meldungen pro Woche weiterhin hoch. Rotavirusausbrüche werden aus 12 Kindertagesstätten gemeldet.

Während manche Regionen noch von der Influenza beherrscht werden, ist es in anderen Regionen das RS-Virus, was den Kindern zusetzt. Betroffen sind hiervon meist Kinder unter 2 Jahren und ganz besonders Säuglinge, die durch eine Entzündung der kleinsten Bronchien – Bronchiolitis – in eine heftige Atemnot geraten. Gerade in den ersten Lebensmonaten sind für Kinder oft stationäre Behandlungen erforderlich.

Was geht in der Welt rum? Das Hauptthema des praxisblättle sind in dieser Woche die Masern. Laut einer Veröffentlichung der UNICEF sind aktuell nicht nur Madagaskar, sondern auch Brasilien und die Philippinen betroffen. Dort sind in diesem Jahr 12736 Menschen betroffen mit einer Tödlichkeit von 1,6% (203 Todesfälle). Noch schlimmer trifft es gerade die Ukraine, wo im letzten Jahr 35120 Menschen erkrankten. Sogar aus den USA, bislang immer Vorreiter beim Bemühen, die Masern auszumerzen, melden einen Ausbruch mit 70 Erkrankungen im Clark County im Staate Washington. Es zeigt, wie bedeutsam die Impfung gegen Masern bei Reisen in die Welt ist. Insbesondere auch deshalb, weil diese Erkrankung eine enorme Ansteckung hat. Bereits nach kürzestem Kontakt werden Masern ausgelöst.

Was geht rum? 02. März 2019

Das traumhafte Wetter im Südwesten war eine Labsal nicht nur für Kinder und Jugendliche. Inwieweit sich das im Immunsystem niederschlagen wird, zeigt vermutlich die kommende Woche.

Für Baden-Württemberg liegt die Zahl der Atemwegsinfekte seit 3 Wochen auf etwa einem Niveau, bei regionalen Unterschieden. Gegenüber den beiden Vorjahren treten die Erkrankungen in diesem Jahr bislang seltener auf (siehe rote Kurve in der Abbildung 1). Der in der Grafik dargestellte Praxisindex spiegelt die Zahl der Atemwegsinfekte wieder, wie sie in der ärztlichen Praxis wahrgenommen werden. Diese Zahl erreicht in der Grippewelle meist ihren Höhepunkt, wenn zu den „üblichen Infekten“ die vielen Erkrankungen durch Influenza hinzukommen.

Abbildung 1. Praxisindex für Baden-Württemberg. Dieser spiegelt die Häufigkeit der Atemwegsinfekte wieder. Als Normalwert wird 115 angesehen. Alle Werte darüber zeigen eine Häufung an Infektionen an. Foto: AG Influenza

Diese „üblichen“ Infektionen der Atemwege waren auch in der letzten Woche vorherrschend: vom einfachen Infekt des Rachens (Pharyngitis) bis hin zu den Lungenentzündungen (Bronchopneumonien). Die RSViren spielten eine geringere Rolle als in den ersten Wochen des Februars. Neu hinzu kam eine Häufung an Streptokokkenerkrankungen, teilweise mit Ausschlag: Scharlach. Regional, besonders im Rhein-Neckar-Kreis traten gehäuft Windpocken auf.

Die Magen-Darm-Infektionen mit Noroviren halten sich noch immer auf sehr hohem Niveau.

Die Pollen haben erstmals in diesem Jahr gezeigt, welche Macht sie haben. Gerade im Bodenseeraum wurde die Belastung mit Haselpollen als stark eingestuft. Sie verursachten Schupfen und Bindehautentzündungen (Rhinoconjunctivitis), in einigen Fällen auch allergische Ausschläge. Die Erlenpollen waren ebenso vorhanden, spielten aber eine untergeordnete Rolle. Mit der sich ändernden Wetterlage werden die Allergiker nun zumindest eine Verschnaufspause von einer Woche haben.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal steht das DengueFieber ganz im Vordergrund für  Reisende aus Deutschland. Besonders betroffen sind die asiatischen Staaten Indonesien (seit Januar 2019: 16.690 Neuerkrankungen), Malaysia (24.200 Neuerkrankungen in diesem Jahr) und Thailand (seit Januar 6500 Neurerkrankungen in Bangkok und den südlichen Regionen). Deutlich geringere Zahlen werden aus Réunion (723) und der Karibik (z.B. Dominikanische Republik: 191) gemeldet. Mückenschutz ist die wichtigste Maßnahme, besonders tagsüber.

Was geht rum? 23. Februar 2019

Bald kommt es zum Stresstest für die Infektionen. In den vielen Narrennestern von Baden-Württemberg wird sich zeigen, welche Kraft die Viren noch haben. Oder umgekehrt, wie gut die Kinder und Jugendlichen inzwischen ihr Immunsystem auf Trab gebracht haben.

Zunächst sind die Atemwegserkrankungen noch immer auf einem hohen Niveau, aber deutlich niedriger als im letzten Jahr. Eine Grippewelle wie im letzten Jahr scheint es für Baden-Württemberg nicht mehr zu geben, wie die Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza andeuten.

Abbildung 1. Nachweis von Influenzaviren durch PCR in Baden-Württemberg je Kalenderwoche in der Saison 2018/2019. Foto: AGI

Leider sind jedoch die Erkrankungen mit dem RSVirus noch immer sehr bedeutsam. Diese Infektionen sind für viele der betroffenen Säuglinge eine enorme Belastung. Oft dauert die Erkrankung bis zu 10 Tagen, ohne dass Arzneimittel zur Verfügung stünden, die Dauer zu verkürzen. Solche Arzneien gibt es für die sog. banalen Infekte bekanntermaßen auch nicht. Da sind jedoch so Mittel wie hinliegen und sich ausruhen oder ein Löffel Honig zur Hustenlinderung möglich.

Letzte Woche trat eine Häufung an obstruktiven Bronchitiden auf. Bei diesem Typ von Entzündung der Bronchialschleimhaut steht die Schwellung im Vordergrund. In der Folge kommt die Luft einfacher in das Bronchialsystem hinein als wieder hinaus. Hörbare Folge: eine pfeifende Atmung. Für das betroffene Kind spürbare Folge: Atemnot. Inhalationen sind meist sehr hilfreich. In jedem Fall sollte ein Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden.

Das schöne Wetter und die jahreszeitlich milden Temperaturen arbeiten den Pollen weiter in die Hände. Am Oberrhein sind die Pollenbelastungen durch Haselpollen bereits auf mäßigem Niveau. Für die kommende Woche wird mit weiterer Zunahme des Pollenflugs gerechnet. Allergiker sollten sich darauf einstellen und eventuell erforderliche Medikamente bereit halten.

Was geht in der Welt rum? In vielen Ländern der Erde zeigt das Dengue-Fieber weiterhin wozu es fähig ist. Da erscheinen die Erkrankungszahlen beim Coronavirus sehr gering. In Oman sind dort seit Ende Januar diesen Jahre 10 Infektionen sowie 4 Todesfälle festgestellt worden. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist, sich von Dremedaren fernzuhalten.

Was geht rum? 16. Februar 2019

Die Infektwelle geht weiter. Und sie wird weiterhin beherrscht von den Erkrankungen der Atemwege. Neben den unspezifischen Infekten treten weiterhin bei den Säuglingen gehäuft RSVirus-Infektionen auf. Im Kindergartenalter zeigt sich Krupphusten gehäuft. Die Influenza hingegen scheint sich auf dem Rückzug zu befinden. In manchen Regionen von Baden-Württemberg spielt sie aber noch eine bedeutsame Rolle.

In zwei Wochen ist Fasnet/Fasching. Selten im Jahr sind soviele Personen in den Häusern eng beieinander. Diese Zeit nutzen viele Viren, um den Menschen nochmal richtig zuzusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass den Influenza- und RS-Viren bis dahin die Kraft für eine neue Welle ausgegangen ist.

Bei allem Husten und Schnupfen dürfen die MagenDarmInfektionen nicht vergessen werden. Sie sind noch immer sehr häufig. Während die Rotaviren sich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, liegt die Zahl der NorovirenInfektionen etwa 30% höher als letztes Jahr um diese Zeit.

Auch wenn das schöne Wetter der letzten Tage die ansteckenden Krankheiten nicht verjagen konnte, so tat es uns allen einfach gut. Leider auch den Pollen von Erle und Hasel, die die ersten Strahlen als Wachstumssignal verstanden haben und sich auf den Weg in die Lüfte machten. Sie werden an diesem Wochenende einigen allergischen Menschen zusetzen.

Was geht in der Welt rum? Manche Erkrankungen beschränken sich auf gewisse Länder. Es dürfte wohl mehr an der zunehmenden Reisefreudigkeit der Menschen als am Klimawandel liegen, dass diese virtuellen Begrenzungen für Erreger im Schwinden sind. Das Dengue-Fieber ist das deutlichste Beispiel (siehe das Was-geht-rum der letzten Woche). Aber auch Gelbfieber zeigt diese Tendenz. Zuletzt in Brasilien, wo seit Dezember letzten Jahres 36 Erkrankungen bestätigt wurden mit bislang acht Todesfällen. Die meisten Infektionen traten im Süden des Bundesstaates São Paolo auf. Gelbfieber hat im Gegensatz zur „Gelbsucht“ – die besser als Hepatitis bezeichnet werden sollte – eine enorme Gefährlichkeit. Bei Reisen in den Süden Brasiliens sollte vorher mit einem reisemedizinisch versierten Arzt die Frage einer Impfung gegen diese Erkrankung geklärt werden. Wer bereits schon mal gegen Gelbfieber geimpft wurde, ist auf der sicheren Seite: eine Impfung schützt.