Kategorie: Was tut gut?

Kinderkrankengeld – was gilt es zu beachten?

Es ist Winter. Kinder machen viele Infekte durch und deren Eltern anstrengende Zeiten: Nachts mehrfach aufstehen, Trost spenden und mit-leiden.

In solchen Situationen bliebt meist ein Elternteil zuhause, um das Kind zu betreuen. Dafür besteht auch ein gesetzlicher Freistellungsanspruch, der im §616 BGB geregelt ist. Praktisch bedeutet dies, dass Eltern sich beim Arbeitgeber abmelden können, wenn der Kindergarten anruft, dass ihr Kind gerade mit Fieber erkrankt ist. Wie viele Tage der Arbeitnehmer zur Pflege seines Kindes  bei voller Bezahlung der Arbeit fernbleiben kann ist nicht konkret festgelegt. Oft gibt es hierfür Angaben in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen.

Die Lohnfortzahlung wird jedoch häufig von großen Firmen nicht gewährt. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber einige Regeln geschaffen, damit die Eltern für ihr Kind da sein können. So regelt der §45 Abs. 3 SGB V zunächst einen Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Ein Elternteil hat also das Recht, bei Krankheit des Kindes die Arbeit ruhen zu lassen. Eine Ausnahme besteht jedoch: Erkrankt das Kind von Auszubildenden, so besteht für den Arbeitgeber eine Pflicht zur Lohnfortzahlung.

Den Anspruch auf Krankengeld des Versicherten (Elternteil) regelt hingegen der §45 Abs. 1 SGB V. Dieser kommt zum Tragen, wenn ein krankes – ebenfalls gesetzlich versichertes – Kind noch nicht das 12. Lebensjahr erreicht hat und von einem Elternteil betreut werden muss. Im Einzelnen müssen folgende Bedingungen vorliegen

  • Das Kind ist gesetzlich versichert (also z.B. über die AOK oder TK)
  • Die Eltern sind ebenfalls gesetzlich versichert
  • Das ist noch keine 12 Jahre alt
  • im Haushalt lebt niemand, der sich um das Kind kümmern kann

Mit einem ärztlichen Zeugnis (Muster 21) bestätigt der Kinder- und Jugendarzt diese Krankheit.

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, bezahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag des Verdienstausfalles 90% des Nettolohns. Die Regelung ist also gleich wie beim normalen Krankengeld. Es gibt eine Höchstgrenze für das Kinderkrankengeld. Sie lag für das Jahr 2018 bei 103,25 € pro Tag.

Der Anspruch der Eltern richtet sich dann nach der Zeit, die der Arzt attestiert hat. Pro Kind ist das Krankengeld auf zehn Arbeitstage begrenzt, bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage. Insgesamt besteht pro Jahr ein Anspruch von maximal 25 Tagen (bei allein erziehenden Versicherten: 50 Tage). Bei schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, kann die Kasse die Regelung ausweiten.

Ist das Kind bei schwerer Krankheit stationär, also im Krankenhaus, aufgenommen, so stellt der Krankenhausarzt die Bescheinigung aus. Er bescheinigt in aller Regel, dass die „Mitaufnahme einer Begleitperson“ aus „medizinischen Gründen“ notwendig ist. Für die Erstattung des Verdienstausfalles der Begleitperson fehlt es bis heute an einer gesetzlichen Regelung. Hier muss eine Einigung mit der Krankenkasse erzielt werden, die häufig den Verdienstausfall erstatten. Dies ist dann aber eine freiwillige Leistung, die nicht über §45 SGB V geregelt ist.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Das gilt auch, wenn zwar das betroffene Kind privatversichert ist, die Eltern aber gesetzlich versichert sind.

Jugendschutz – Was geht und was geht nicht?

Jugendliche drängen auf ihre Freiheit. Im Ablösungsprozess von ihren Eltern ist das richtig und wichtig. „Ich bin dann mal weg …..“ hören Eltern so nebenbei und müssen dann die Fragen stellen. Wohin will die/der Jugendliche? Wann kommt sie/er zurück? Mit wem zusammen  ziehen die Jugendlichen los?

Und schnell stehen Eltern unter Druck, weil sie nicht wissen was gesetzlich erlaubt ist und was nicht. Das Gesetz bezieht sich immer nur auf den sog. öffentlichen Raum. Der private Bereich zuhause ist im Jugendschutzgesetz außen vor – der Staat greift hier nicht vorbeugend ein. Wichtige Eckdaten sollten Eltern bekannt sein, damit sie in diesen unerwarteten Situationen bewusst und informiert handeln können.

Umgang mit Alkohol und Energydrinks

Unter 16 Jahren, dürfen Jugendliche weder im Laden noch bei Festen in der Öffentlichkeit Alkohol jeglicher Art erhalten. Nach dem 16. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag dürfen sie leichtere alkoholische Getränke (Bier, Wein. Sekt) sowohl kaufen als auch trinken. Hochprozentige alkoholische Getränke sind erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt. Energydrinks sind in allen Altersgruppen erlaubt.

Tabakprodukte

Die Abgabe und der Konsum von Tabakwaren sind gemäß Jugendschutzgesetz grundsätzlich unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Aufenthalt in Clubs

Bis zum 16. Geburtstag dürfen Jugendliche nicht alleine auf öffentliche Tanzveranstaltungen gehen. In Begleitung von Eltern bzw. Vormund oder einer anderen erziehungsbeauftragten Person ist dies aber unbegrenzt erlaubt. Eine solche Begleitperson muss 18 Jahre alt sein und kann im Einzelfall von den Eltern vorübergehend mit dieser Aufgabe betraut werden. Eltern können also eine/n erwachsenen Freund/in beauftragen, ihr jugendliches Kind zu beaufsichtigen. Sinnvoll ist es, diese/n mit dem „Muttizettel“ (siehe Muttizettel-Vorlage) auszustatten.

Insgesamt greift der Staat also behutsam in die Rechte der Eltern ein. Zuhause gibt es fast keine spezifischen Regelungen, die  das Elternrecht begrenzen. Wenn jedoch Dinge geduldet werden, die das geistige und seelische Wohl des Kindes beeinträchtigen, kann der Staat auch hier eingreifen. Das gilt auch für die Nutzung problematischer Internetangebote und Computerspiele.

Diäten: Manches ist gesichert, vieles nicht

Ist es fair – so kurz vor Weihnachten – das Thema Diät nach vorne zu holen? Das frage ich mich. Aber egal. Erstens ist die Adventszeit nach christlicher Auffassung ohnehin eine Fastenzeit und zweitens kann es nicht schaden, dem Kater nach Weihnachten vorzubeugen.

Mit dem zunehmenden Wohlstand kamen die Diäten. Bereits 1972 hat der Amerikaner Robert Atkins die erste Low-Carb-Diät propagiert. In seinem berühmt gewordenen Buch „Diät-Revolution“ empfahl er Übergewichtigen, auf Kohlenhydrate (englisch: carbohydrate) möglichst zu verzichten. Es folgten viele andere Diäten. In den letzten zwei Jahrzehnten kamen dann die Diäten bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten hinzu. Die gab es zwar in Realität schon immer, aber die Gruppe der Gefühlt-Betroffenen hat enorm zugenommen. Somit dürfte es für viele Menschen heute schwierig sein, sich spontan zu einem gemütlichen gemeinsamen Essen zu treffen ohne vorher zu klären was im Essen drin sein darf oder nicht.

Bei dem Durcheinander von sich widersprechenden Empfehlungen grenzt es fast an ein Wunder, dass sich vier Wissenschaftler mit unterschiedlichen Überzeugungen auf diesem Sektor zusammenfanden und in der angesehenen Zeitschrift SCIENCE gemeinsam einen Artikel veröffentlichten. In Dietary fat: From foe to friend? (in deutsch bedeutet das soviel wie: Fett in der Diät: vom Feind zum Freund) setzen sie sich mit der Bewertung von Kohlenhydraten und Fett in der Ernährung auch in Bezug auf chronische Krankheiten auseinander. Dabei arbeiten sie sieben Punkte von gemeinsamen Überzeugungen heraus. Daneben stellen sie auch die weiterhin kontroversen Überlegungen – und das sind natürlich mehr, nämlich neun. Was sind nun die Kernpunkte, in denen sie wissenschaftlich übereinstimmen?

  1. Mit einem Schwerpunkt auf gute Qualität in der Ernährung kann für ein breites Spektrum an verschiedene Diäten mit unterschiedlicher Kohlenhydrat – Fett – Mischung eine gute Gesundheit und ein geringes Risiko an chronischen Erkrankungen erreicht werden.
  2. Sterblichkeit. Veränderung des relativen Risikos im Rahmen einer Langzeitstudie (momentan 32 Jahre) bei 126.233 Männern und Frauen (Wang et al). Foto: SCIENCE

    Gesättigte Fettsäuren sollten durch (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren ersetzt werden.

  3. Ersatz von hoch verarbeiteten Kohlenhydraten (Getreideprodukte, Kartoffelprodukte, Zucker) durch wenig verarbeitete Kohlenhydrat-Produkte (Vollkorn, nicht-stärkehaltige Gemüse, rohe Früchte u.ä.). 
  4. Gesunde Menschen mit normalem Insulinstoffwechsel können verschiedene Diäten mit unterschiedlichem Verhältnis von Kohlehydrat/ Fett vertragen. Menschen mit Insulinresistenz (das sind nach Expertenansicht in Deutschland immerhin bis zu 20% aller Menschen) sollten eher Diäten mit wenig Kohlehydraten bevorzugen.
  5. Eine ketogene Diät kann für einzelne Menschen mit Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels sinnvoll sein. Langzeit-Studien zu dieser Frage stehen aber noch offen.
  6. Diäten mit niedrigem Anteil an Kohlehydraten und hohem Fettanteil benötigen keine speziell hohe Eiweißzufuhr oder tierische Produkte wie Fleisch. Als Ersatz sind fettreiche pflanzliche Produkte wie Öle, Nüsse, Samen und Avocado geeignet.
  7. Fragen betreffend Diät-bezogener chronischer Erkrankungen bleiben bestehen. 

Der Diät-Wahn hat auch für Kinder und Jugendliche Folgen. Genau genommen sogar schon, bevor sie zur Welt kommen. Denn auch Schwangere unterliegen den Einflüssen von Diäten und diese betreffen unmittelbar das werdende Baby. Es ist also gut, wenn sich Wissenschaftler zusammensetzen und herausarbeiten, was heute als gesichert anzusehen ist.

In der Novemberausgabe der Monatsschrift für Kinderheilkunde hat die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. den aktuellen Stand zu vegetarischen Kostformen im Kindes- und Jugendalter zusammengefasst.

🎈 25 Jahre praxisblättle

Das praxisblättle wird in diesem Monat ein Vierteljahrhundert alt. Zu Beginn, in seiner ersten Ausgabe vom Dezember 1993 hieß es noch s’praxis-blättle.

Abbildung 1. Erstausgabe des praxisblättle aus dem Dezember 1993. Foto: ptw

Damals kam es tatsächlich noch auf Papier, als Blatt – als Blättle. Immerhin wurde das praxisblättle von Anfang an am Computer erstellt. Dessen Ausdruck wurde dann schlicht am Fotokopierer vervielfältigt. Meistens in irgendeiner Farbe, um’s ein bisschen peppiger zu machen. Die Abbildung rechts zeigt die Erstausgabe – in orange.

Fünf Jahre gingen ins Land, bevor das praxisblättle dann als Email erschien. In Abbildung 2 ist die Septemberausgabe aus dem Jahre 2002 in Auszügen wiedergeben. Mit der Email waren mehr Möglichkeiten für die Darstellung der Inhalte gegeben. Und der mühsame Zeitaufwand des Fotokopierens fiel weg. Und für alle Bezieher: Fortan war das praxisblättle kostenlos, nachdem zuvor jeweils 10 Pfennige zu berappen waren.

Abbildung 2. praxisblättle als Email aus dem September 2002. Foto: ptw

Es kamen immer wieder einzelne Verbesserungen, bevor die Email ein rundum neues Design – bunt und mit Bildern – ab Januar 2005 erhielt.

Abbildung 3. Artikel zum Thema Feinstaub aus dem August 2013. Foto: ptw

Mit Einführung des Blogs kam 2012 eine neue Ära. Die Verwaltung von Mail-Adressen fiel weg. Wer Interesse hatte konnte sich fortan jederzeit die Inhalte im Internet ansehen. Neue Beiträge im praxisblättle erschienen nun mehrmals pro Woche, meist drei Mal. Damit einher ging auch eine weitere Neuerung, die gut angenommen wurde: Die Kategorie: „Was geht rum?“. Jeden Samstag konnten die Leser nachsehen, was medizinisch Aktuelles vorlag.

In der aktuellen Form präsentiert sich das praxisblättle nach seit dem letzten Relaunch mit dem Jahreswechsel im Januar 2018. Das neue Format erlaubt längere Beiträge, verbunden mit gut lesbaren Hinweisen als Graphiken und auch Videos. Für Interessierte ist in aller Regel auch die Literaturquelle zu wichtigen Themen direkt mit einem Klick abrufbar.

Natürlich haben wir schon weitere Ideen um das praxisblättle weiter aktuell zu halten. Aber die müssen wie alles erstmal reifen.

An Geburtstagen darf man sich gemeinhin etwas wünschen, oder? Wir vom praxisblättle wünschen uns Rückmeldungen und Diskussionen mit unseren Lesern. Als wir die Häufigkeit unseres Blogs „Was-geht-rum?“ reduzieren wollten, haben viele von Ihnen uns rückgemeldet, wie wichtig Ihnen dieser Blog ist. Das war uns Anregung und Ansporn zugleich. Warum nicht auch zu anderen Themen?

Bleiben Sie uns auch in Zukunft gewogen.

Nichtrauchen ist angesagt

Rauchen ist ungesund. Nichts neues. Die Deutsche Krebsgesellschaft in Berlin hat errechnet, dass im Jahre 2013 etwa 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens verstarben. Dabei sind neben dem gefürchteten Lungenkrebs auch weitere Folgen des Rauchens (Darmkrebs, Leberkrebs, Tuberkulose, Diabetes Typ-2) berücksichtigt. Insgesamt sind 13.5% aller Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Abbildung 1. Rauchen und Nie-Rauchen unter 12-17 Jugendlichen in Deutschland. Foto: BILD

In den letzten Jahrzehnten sind enorme Erfolge erzielt worden, die Zahl der Raucher zu verringern. Mit großem Erfolg in der Europäischen Gemeinschaft und in Deutschland. Heute ist Rauchen bei Jugendlichen fast uncool. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 1, die auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beruht.

Die BZgA startete ihr Programm Be Smart – Don’t Start im Jahre 1997. Ab 2002 folgten bundesweit Erhöhungen der Tabaksteuer, Rauchverbote im öffentlichen Raum folgten im Jahre 2012. Inzwischen liegt die Rate der Nieraucher in der Altersgruppe der 12-17-Jährigen bei 80%, die der Rauchen hat bereits 2014 die 10-Prozentmarke nach unten geknackt. Ein gigantischer Erfolg.

Abbildung 2. Rauchen bei den Erwachsenen nach einer Untersuchung der BZgA von 2015 Foto; Deutsche Krebsgesellschaft

In Süddeutschland wird weniger geraucht als in Norddeutschland. Insgesamt ist aber – wie die Abbildung 2 zeigt – die Quote der Raucher unter Erwachsenen noch sehr hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Jugendlichen auch für die Erwachsenen „ansteckend“ sind. Wenn diese schon mit Stöpseln im Ohr die Jugendlichen imitieren, dann sollten sie das auch beim Rauchen machen.

Eltern sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht alles machen was Eltern wollen, sie ahmen langfristig die Eltern mehr nach als diese glauben. Gerade in der Pubertät sind Eltern oft verzweifelt. Dabei ist eines klar: wenn Eltern Nichtraucher sind, werden es ihre Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit auch. Und sie vermeiden damit, zu den 13.5% aller Todesfälle zu gehören, die aufs Rauchen zurückgeführt werden können. So erfolgreich kann Erziehung sein.

Pneumokokkenimpfung – Hilft sie meinem Baby?

Nach der Geburt müssen Eltern in kurzer Zeit viele Dinge entscheiden. Wir Kinder- und Jugendärzte sind uns dessen bewusst, dass gerade bei der Vorsorgeuntersuchung U3 im Alter von 3 – 6 Wochen enorm viele Entscheidungen anstehen. Diese betreffen Fragen der Ernährung, des Schlafrhythmus, der Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes und ……. der Impfungen.

Abbildung von Pneumokokken (rot dargestellt) im Elektronenmikroskop. Foto: TU Braunschweig

Den Tetanuserreger, ja den kennen alle Eltern. Aber Pneumokokken? Das sind auch Bakterien, die als semmelförmiges Pärchen – sog. Diplokokken – auftreten. Das Besondere an ihnen ist, dass sich die Pneumokokken (medizinisch korrekt: Strepotococcus pneumoniae) durch eine dicke Kapsel sehr gut gegen Angriffe von Antibiotika und des Immunsystems wehren können. Und dass es von ihnen nahezu 100 Varianten (sog. Serotypen) gibt. Pneumokokken kommen im Rachen vor und machen meistens nichts. Sie können sich aber durch Vermehrung ausbreiten und zu Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen führen. Besonders gefürchtet sind die invasiven Erkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD). Hierbei dringen die Erreger in sterile Räume des Körpers ein und führen zu schwersten Erkrankungen: Blutvergiftung (medizinisch: Sepsis) und Hirnhautentzündungen (medizinisch: Meningitis). Bei diesen Erkrankungen zeigen sie eine besondere Schwere des Verlaufs, besonders für Kinder in den ersten Lebensjahren und ältere Menschen ab 60 Jahren. 

Seit Jahrzehnten wurde versucht, diesem teilweise schrecklichen Erreger mit Impfungen entgegenzutreten. Dabei zeigte sich, dass der eine Impfstoff (Polysacharidimpfstoff– PPSV23) bei Kindern nahezu bedeutungslos und nicht half, diese IPDs – also die schweren Erkrankungen – zu verhindern. Um die Jahrtausendwende wurde ein neuartiger konjugierter Impfstoff (PCV-7) entwickelt, der erfolgreich seit 2006 allen Kindern unter 2 Jahren Lebensalter empfohlen wird. Die Entwicklung ging seither weiter. Nachdem zunächst nur 7 Serotypen im Impfstoff vertreten waren, sind es inzwischen 13 (PCV-13).

Inzwischen liegt eine Untersuchung von Raphael Weinberger (LMU München) und Mitarbeitern vor, die den Nutzen dieser Maßnahme untersucht haben. Es zeigte sich, dass gegenüber den Jahren vor Einführung der Pneumokkenimpfungen für Kinder unter 2 Jahren (2016) die Zahl der invasiven und schweren Erkrankungen an Pneumokokken (IPD) etwa um die Hälfte abgenommen haben. Die schwierige Frage bleibt, ob andere Serotypen – die nicht im Impfstoff enthalten sind – im Gegenzug in den nächsten Jahren mehr an Bedeutung gewinnen.

Im Moment kann also mit der Impfung gegen Pneumokokken in den ersten zwei Lebensjahren die Hälfte der schweren Infektionen (Blutvergiftung, Hirnhautentzündung) verhindert werden. Ein klare Empfehlung. Aufgabe der Medizin wird es sein, die künftige Entwicklung der Pneumokokken gut im Auge zu behalten, damit der momentan gute Schutz auch in Zukunft noch erreicht wird.

Plötzlicher unerklärter Säuglingstod

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein besonderer Glücksmoment im Leben. Doch diesem speziellen Tag folgten in der Geschichte der Menschheit vermutlich immer Perioden, die Eltern sehr belasteten. Früher – und heute noch in vielen Ländern Afrikas – kam die Sorge, ob das Kind angesichts von Not und Hunger die ersten Wochen und Monate überleben würde. Im Herzen Europas von heute müssen Eltern fürchten, dass ihr strahlendes Neugeborenes vielleicht am plötzlichen Kindstod sterben muss.

Der plötzliche Kindstod, oft auch SIDS (sudden infant death syndrom) genannt, ist in den vergangenen Jahrzehnten tief im Bewusstsein von Eltern verankert worden. Mit der Aufklärung wollten Mediziner dazu betragen, dass die Häufigkeit dieses heimtückischen Todes schnell gesenkt würde. Heute wird der Begriff SUDI (sudden unexpected death in infancy) verwendet, der auf die Unerklärlichkeit dieses Todes hinweist. Bis heute gibt es keine einfache und schlüssige Erklärung. Es ist zu vermuten, dass viele Faktoren zusammenwirken.

Abbildung 1. SIDS-Daten von 1979 bis 2017 aus Hamburg . Foto Jan P. Sperhake, DGKJ Leipzig 2018

Ganz wichtig ist aber zu wissen, dass die Häufigkeit dieses schrecklichen Todes massiv zurückgegangen ist, seit sich die Medizin intensiv damit auseinandersetzte. Die Daten aus Hamburg sind besonders aussagekräftig, weil dort am UKE (Universitätsklinikum Eppendorf) die Daten aller Todesfälle des Stadtstaates erfasst werden. Wie die nebenstehende Abbildung (Abb. 1) zeigt, ging die Häufigkeit des SUDI von 1979 bis 2017 von etwa 2.5 Todesfällen auf 1000 Neugeborene auf unter 0.25 Todesfälle zurück. Ein riesiger Erfolg!

Was hat dazu geführt? In den letzten 30 Jahren wurden zum einen Risikofaktoren für das Auftreten des plötzlichen Säuglingstodes identifiziert und – noch wichtiger – den Eltern vermittelt. Diese haben die Hinweise dann auch mehrheitlich umgesetzt, was eine riesige Leistung ist. Aus heutiger Sicht sind folgende Risikofaktoren besonders wichtig. Vermieden werden sollte:

  • Bauchlage (und Seitenlage) als Schlafposition.
  • Rauchen während der Schwangerschaft ….
  • …. und in der Umgebung des Kindes
  • Isolierende Kleidung, Bedeckung, Decken, Kissen.
  • „Bed-sharing“ (siehe im nächsten Abschnitt)
  • Nicht-Stillen

Abbildung 2. „The Family Bed“. Foto: amason.com

In den letzten Jahren ist das Bed-sharing vielen Eltern wichtig geworden: Die Eltern schlafen im gleichen Bett wie ihre Kinder. Das wurde vor 100 Jahren aus Not (Familien hatten meist nur ein einziges Bett) und vor 50 Jahren aus Überzeugung gemacht, wie das nebenstehende Buch verdeutlicht. Heute ist unstrittig, dass das Bed-sharing für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten am gefährlichsten ist: Je nach Studie liegt das Risiko für plötzlichen Säuglingstod 9-12 x höher! Danach sinkt es deutlich ab. Aus dieser Sicht empfehlen die Kinder- und Jugendärzte, den Säugling in seinem eigenen Bettchen im Schlafzimmer der Eltern zu haben und außer morgens zum Kuscheln, nicht ins Elternbett zu holen.

Der plötzliche Säuglingstod ist weiterhin ein enormes Risiko für Kinder in den ersten Lebensmonaten. Bei Beachtung einiger Faktoren, lässt sich dieses Risiko um über 90% absenken.

Kindermatratzen

Die Hälfte des Tages verbringen Kinder in ihrem Bett. Es ist also durchaus lohnend, ihnen einen angenehmen Ort zum Schlafen zu verschaffen. Darüber hinaus hat die Matratze auch eine hohe medizinische Bedeutung. Je nach Beschaffenheit erhöht sie das Risiko für den plötzlichen Kindstod – zu weiche Matratzen sind ungünstig, ebenso wie die Anwendung von Kopfkissen.

Zu weiche Matratzen haben beim neu veröffentlichten Test im Oktoberheft der Stiftung Warentest 2018 zu mangelhaften Ergebnissen geführt. Interessanterweise waren das die eher teureren Matratzen. Im Folgenden geben wir in wenigen Stichworten die Daten für die empfehlenswerten Matratzen mit der Note GUT wider:

Produkt Material Härtegrad Note Preis
Dänisches Bettenlager Jonas Schaumstoff hart 1,8 99 €
IKEA Skönast Schaumstoff mittel 2,0 70 €
Hessnatur Lena Kokos/ Latex mittel/ weich 2,2 179 €
Prolana Kati Plus Kokos/ Latex hart/ mittel 2,2 159 €
Paradies Sara Schaumstoff weich 2,3 129 €

Es ist also kein großes finanzielles Wagnis, für Kinder eine gute und sichere Matratze zu kaufen.

Kinderkrankheit Windpocken – es juckt so schrecklich

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten:
Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten, steckten sie sich schnell an. Diese Infektionskrankheiten traten somit sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die viele Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr mit diesem Virus. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-
Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos.

Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.
Die Windpocken haben das Wort „Wind“ in ihrem Namen, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem „Wind“ über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich.

Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach
unten (siehe Bild rechts mit dem typischen „Sternhimmelmuster“). Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei
von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten. In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale
Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen) angewandt, um den Juckreiz weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen, die eine Immunschwäche haben. Für diese kann die Windpockenerkrankung lebensgefährlich sein. Aus Fairness sollten also folgende Regeln für die Zeit der Ansteckung gelten:

  • Kein Kontakt zu Schwangeren. Das betrifft ganz besonders Schwangere, die kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen. Das Risiko für das Neugeborene an der Infektion zu sterben ist enorm.
  • Immungeschwächte wie Menschen unter Chemotherapie oder mit schweren Immundefekten
  • Alle Krankenhauspatienten. An Windpocken Erkrankte sollten niemals ein Krankenhaus aufsuchen, sofern dies nicht aus medizinischen Gründen notwendig ist und das Krankenhaus über die Erkrankung informiert ist. 
  • Alle Orte, an denen sich Risikopersonen (wie Immungeschwächte) aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr müssen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je
jünger die Kinder erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinder- und Jugendärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von
etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Husten – so nervig und doch meist sinnvoll

Husten wird in den nächsten Monaten viele Kinder und Jugendliche treffen. Das ist normal in der kalten Jahreszeit. Und es ist für die Betroffenen ärgerlich. Aber ist Husten wirklich nur ein Ärgernis? Was soll eigentlich Husten bezwecken und wie soll ein Betroffener damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stoßen Luft aus der Lunge wie bei einer Vulkanexplosion. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht es der Körper in aller Regel, ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge zu entfernen. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper echt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Abbildung 1. Bronchialschleimhaut mit Zilien (Flimmerhärchen) und eingelagerten Schleimzellen (Becherzellen).

Der häufigste Auslöser ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt. Infolgedessen sind sie vermehrt durchblutet und dadurch gerötet. Dies führt in der Folge dazu, dass auch die Schleimzellen (Becherzellen; siehe Abbildung 1 rechts) vermehrt aktiv sind und das tun was sie können: sie produzieren Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopf – „…. der Husten löst sich“. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Medikamenten zu tun sondern tritt bei Atemwegsinfektionen regelhaft ein. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur die Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex. Hierdurch wird der  angesammelte Schleim in großen Teilen dann in den Magen transportiert. Dort ist er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und wird in seine Einzelteile zerlegt.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet. Hierbei findet keine bedeutende Schleimproduktion statt. Der Husten ist und bleibt eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter zeigt sich der Infektkrupp mit einem sehr eindrücklichen Husten. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Bereich der Luftröhre. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schließt sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend „feuchter“ wird aber subjektiv immer sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialsystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens kommt es zu einer Verschleimung. Es besteht für eine kurze Zeit eine Überempfindlichkeit der Atemwege, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung hingegen ist die Lobärpneumonie. Auch diese wird in der deutschen Sprache „Lungenentzündung“ genannt. Im Gegensatz zur Bronchopneumonie tritt die Lobärpneumonie aber in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim, der schwer abhustbar ist. Beim Asthma steht die Enge der Atemwege im Vordergrund. Hierbei kann Luft recht gut in die Lunge eindringen. Das Abatmen ist jedoch erschwert, so dass bei den schwereren Verläufen Atemnot durch Überblähung der Lunge auftritt.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten. Dazu zählen Fremdkörper (z.B. Nüsse, die ins Bronchialsystem gelangen). Oder die Reizung der Bronchien durch giftige Gase wie etwa Zigarettenrauch. Eine Reizung der Bronchien kann auch mechanisch durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle) auftreten und sehr unangenehm sein. Zunehmend häufiger wird auch ein funktioneller Husten (etwa als Verlegenheitshusten) festgestellt, bei dem der Betroffene gesunde Atemwege hat, aber aber auf andere oft seelische Belastungen mit Husten reagiert. Die Mukoviszidose ist eine Erkrankungen mit häufig schwerwiegender Entzündung der Bronchien.  …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- ursprünglich nichts mit den Atemwegen zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muss erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was sie suchen. Das Problem ist nur: Alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiesen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken – vermeintlich – zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn die Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das bedeutet also: Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreiten kann.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen. Das brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind.
  • Brustwickel können den quälenden Husten lindern. Wenn Ihr Kind anderer Meinung ist, nehmen sie ihn wieder weg.
  • Mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften des Zimmers) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern.
  • Wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar. Trinken also anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen. Der wird klären, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, sich den Rachen ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: Mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!