Kategorie: Was tut gut?

TIPP Wie finde ich leckeres Eis ?

An diesen heißen Tagen kann neben dem Freibädern und Seen oft nur noch ein Eis weiterhelfen. Das sehen wohl alle Deutschen so. Denn immerhin soll jeder von Ihnen 124 Kugeln Eis im Jahr schlecken.

Wie òrange by Handelsblatt berichtet, ist beim Eis jedoch nicht nur der Preis unterschiedlich. Enorm sind auch die Qualitätsunterschiede. So gibt es zwar 9000 Eisdielen in Deutschland, aber nur ein gutes Drittel davon stellt Eis selbst her. Trotz der vielen Eisdielen: Das meiste Geld (81%) für Eis wird in Supermärkten, an Tankstellen oder Kiosken ausgegeben.

Interessant ist, dass der Preis fürs Eis sich in Eisdielen nach dem Gewicht berechnet, während die Industrie die Eismenge in Litern – also nach dem Volumen – bemisst. Dort wird einfach viel Luft ins Eis gepresst. Das macht die Süßspeise angenehm cremig für den Verbraucher und angenehm ertragreich für die Industrie.

Im Beitrag von òrange gibt einer der was davon versteht noch einen Tipp: Franco Collura vom Eiscafé Belluno in Düsseldorf verrät, dass die gute Qualität von Eis beim Pistazieneis am besten zu erkennen ist. Ist es hellgrün, so käme es vermutlich aus der Dose. Das frisch hergestellte Eis sollte durch ein „leichtes grün bis helles braun“ gekennzeichnet sein.

Reiseapotheke: Vorbereitung auf den Urlaub

Bald beginnt in Baden-Württemberg der Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub. Damit können auch unerwartete Probleme bei einem verzögerten Rückflug (z.B. infolge Pleite der Airline) vermieden werden. Es ist wichtig, Medikamente auf dem Flug im Handgepäck mitzuführen, da das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen kann! Für einige Arzneien verlangen die Grenzbehörden die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung. Dies gilt im Wesentlichen für Betäubungsmittel. Darunter fallen auch Arzneien wie Methylphenidat (z.B. Ritalin©).

Notfallmedikamente

Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur© oder Vomex©. Diese sind eine letzte Reserve und helfen weniger, als viele Menschen meinen. Wenn sie angewendet werden, dann als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Warum, das so ist lesen Sie hier. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.

Magen-Darm-Erkrankung

Erbricht ein Kind, so verliert es viele Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium). Die Therapie besteht also darin, diese dem Körper wieder zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird. Oder auch mit Apfelschorle, die die Kinder meist besser zu sich nehmen.

Durchfall? Dagegen gibt es tatsächlich auch Medikamente. Der Durchfall ist aber zunächst eine sinnvolle – wenngleich unangenehme – Begleiterscheinung von Magen-Darm-Infektionen. Sollte der dann extrem schlimm sein, ist es besser einen Arzt aufzusuchen. Zumal die verfügbaren Arzneien gegen Durchfall gerade für Kinder erhebliche Nebenwirkungen haben können. Also: kein Durchfallmedikament in die Reiseapotheke.

Schmerz- und Fiebermittel

Schmerzen können Kinder und Jugendliche im Urlaub schnell mal ereilen. So etwa Ohrschmerzen, bedingt durch eine Schwimmbad-Otitis (Entzündung des äußeren Gehörgangs), die sehr schmerzhaft ist. Hierfür ist es sinnvoll Medikamente wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© ,Dolormin©) dabei zu haben. Je nach Alter des Kindes müssen Eltern aber vorsichtig sein, diese Arzneien nicht zu oft einzusetzen. Je jünger das Kind ist, umso eher sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das ist nicht anders als zuhause, obwohl die Suche nach einem Arzt im Ausland schwieriger sein kann. In exotischen Ländern sind neben den Hotels auch die deutschen Botschaften als Ratgeber oft wichtig.

Verletzungen

Sie gehören zu den häufigen medizinischen „Notfällen“. Neben einem klassischen Pflaster ist ein Desinfektionsmittel wie Octenisept© wichtig. Verbandsmaterial kann in Apotheken und auch Drogeriemärkten günstig gekauft werden. Kleine Wunden lassen sich nach Desinfektion mit unterschiedlich großen Heftpflastern gut versorgen. So kann Hansaplast sensitiv© schon für unter 2€ einkaufen.

Mullbinden und eine Pinzette sind meist auch sinnvoll.

Mittel vor und nach Insektenstichen

Sie können gerade nachts ganz lästig sein: Insektenstiche. Zur Vorbeugung gibt es einige Präparate auf dem Markt. Für Kinder ist Europa meist  Icaridin (z.B. in Autan© Protection Plus Pumpspray) gut geeignet. Weitere Möglichkeiten finden Sie im praxisblättle hier beschrieben.

Wenn der Stich juckt hilft in der Regel nur eine cortisonhaltige Salbe. Dazu gibt es einige Salben auf dem Markt. Sie enthalten immer Hydrocort (0.25 – 0.5%).

Reisen in tropische Länder

Je nach Reiseland sind hier zusätzliche Medikamente sinnvoll. Dies sollte mit einem Arzt für Reisemedizin vorher abgeklärt werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

TIPP Reise-Krankenversicherung für den Urlaub

Bald sind Ferien und die gesamte Familie freut sich. Um diese Freude im Krankheitsfall nicht zu trüben, ist eine Reisekrankenversicherung in aller Regel ratsam.

Warum braucht eine Familie eine Reise-Krankenversicherung?

Innerhalb der Europäischen Union und in Ländern mit einem Sozialversicherungsabkommen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist die im Ausland angefallenen Kosten für stationäre und ambulante Behandlung. Das wichtige Wort ist meist. Manchmal wird nur der Teil bezahlt, der auch in Deutschland angefallen wäre. Bei manchen Krankenkassen werden zusätzlich Verwaltungsgebühren in Rechnung gestellt.

Behandlungskosten im Krankenhaus können schnell über 10.000 Euro betragen und werden von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt.

Richtig schwerwiegend sind Rücktransporte aus dem Ausland. Gerade bei Verkehrsunfällen können schwere Knochenverletzungen auftreten, die hierzulande leichter und oft besser operiert werden können. Auch andere plötzlich auftretende Erkrankungen wie schwerste Infektionen, Hirntumoren oder Krampfanfälle können so neben dem menschlich persönlichen Schicksalsschlag schnell zu finanziellen Katastrophen führen.

Noch schwieriger wird’s außerhalb der europäischen Länder. Dann werden von den Ärzten in den betreffenden Ländern immer Privatrechnungen gestellt, die teilweise happig sein können. Verständigungs- und Sprachschwierigkeiten tun ein weiteres. Gute Medizin ist bei weitem nicht in allen Ländern so günstig zu haben wie bei uns.

Kosten der Reise-Krankenversicherung?

Die Kosten sind teilweise sehr günstig. So gibt es Anbieter, die für eine Familienversicherung nur 20 Euro berechnen bei einer Urlaubsdauer bis 56 Tagen. Nähere Hinweise zu einzelnen Versicherern finden sich im Test-Heft der Stiftung Warentest (Juni 2019).

Wer sollte sich versichern lassen?

Diese Versicherung ist für alle gesetzlich Versicherten wichtig. Je nach Vertrag, brauchen aber auch privatversicherte Kinder und Jugendliche einen ergänzenden Schutz durch die Reise-Krankenversicherung. Hier gilt es, die Versicherungsbedingungen in Bezug auf Reisen zu studieren. Oft sind kürzere Reisen mitversichert, Rücktransporte aber eher nicht.

Ab sofort: erweiterte zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen

Wir haben schon im Januar hier im praxisblättle darauf aufmerksam gemacht: die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen für Kinder werden erweitert. Seit heute – also dem 01. Juli 2019 – können sie in Anspruch genommen werden. Was bedeutet das im Einzelnen?

Kürzel Name Alter
FU1 Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung 1 6.-9. Lebensmonat
FU2 Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung 2 10.-20. Lebensmonat
FU3 Zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung 2 an 21. Lebensmonat

Ziel der zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung ist es, die frühkindliche Karies frühzeitig zu entdecken und gezielt anzugehen.

Hitzewelle – was können Eltern für ihre Kinder tun?

Die Meteorologen sagen für heute extrem heiße Temperaturen für den Südwesten voraus. Möglicherweise wird es neue Hitzerekorde geben, vermutlich in der Region Mannheim. Dost wurden um 11 Uhr schon 31.4° Celsius gemessen. Aber was bedeutet das ganz praktisch für unsere Kinder?

Schutz vor Hitze

Das wichtigste heute ist der Schutz vor Hitze. Wenn die Umgebungstemperatur sich der Körpertemperatur von 37° Celsius nähert, fällt es dem Körper zunehmend schwer, nicht zu überhitzen.

  • In der Zeit von 10 Uhr bis 15 Uhr sollten Kinder sich vorwiegend im Schatten aufhalten.
  • Leichte Kleidung. Am besten locker sitzend und eher hell.Wer sich vor Insekten fürchtet, trägt am besten weiß. 
  • Aktive Kinder, die auch bei Hitze gerne rumtoben, werden auch eine Dusche mit dem Gartenschlauch genießen. Das macht Spaß und senkt die Körpertemperatur.
  • Aktiver Sport ist nur in den frühen Morgenstunden oder spät abends (nach 19 Uhr)  sinnvoll. Ansonsten stellt er eine erhebliche zusätzliche Belastung für den Körper dar.
  • Parallel zur Sonneneinstrahlung nimmt die Konzentration an Ozon wieder zu. Ozon ist ein Reizgas, das besonders bei Sport die Bronchien massiv reizen und bei hierfür empfindlichen Kindern und Jugendlichen Asthma bronchiale auslösen kann. Nebenbei führt es auch zu Reizungen der Bindehäute.
  • Ein Planschbecken im Garten aufstellen oder gleich ins Schwimmbad gehen. Auch dort ist der Sonnenschutz wichtig. Auch im Wasser. Die UV-Strahlung erreicht locker den ganzen Körper, auch wenn Kinder schwimmen!

ausreichend Flüssigkeit

Um der Überhitzung entgegenzuwirken können (und müssen) wir Menschen schwitzen. Diese Fähigkeit ist bei Kindern spürbar weniger ausgeprägt und bei Säuglingen ganz besonders gering. Wir dürfen also nicht von unseren eigenen Empfindungen ausgehen, sondern müssen uns auf die Säuglinge und Kleinkinder einstellen.

  • Immer wieder Flüssigkeiten anbieten.Kühle Flüssigkeit senkt nebenbei die Körpertemperatur. Und ein feines Speiseeis besteht auch zu fast 100% aus Wasser. 
  • Für Säuglinge: Die Muttermilch passt sich den Umweltbedingungen ohne unser Zutun an. Flaschenmilch sollte etwas dünner (Wasseranteil um 10% steigern) angemacht werden

Sonnenschutz

Im Moment haben wir die stärkste Sonneneinstrahlung des Jahres.Kinder und Jugendliche müssen gut geschützt werden, da sie der Sonne besonders lange ausgesetzt sind.

  • Schatten ist weiterhin der beste Schutz. Dies ist besonders wichtig zwischen 10 Uhr und 15 Uhr. Säuglinge sollten in dieser Zeit eher im Haus bleiben oder an einer besonders gut geschützten Ecke in der Natur.
  • Im Freien sollten Kinder immer eine Schildmütze tragen. Damit wird auch die Überhitzung des Gehirns („Hitzestich“) weitgehend vermieden.
  • Die Nachmittage und Abende sind lang. Wenn nach 15 Uhr draußen gespielt wird, ist eine Sonnencreme im Moment sinnvoll. Der Lichtschutzfaktor 30 genügt. Die Sonnencreme muss eher dick aufgetragen werden.
  • Auch im Wasser den Sonnenschutz sicherstellen. Die UV-Strahlung erreicht in 1 Meter Tiefe noch über 80% ihrer Stärke. Sinnvoll ist also ein T-Shirt oder ein anderes Bekleidungsstück, um den Oberkörper mit Schultern zu schützen.

Gefahr beim Grillen

Bei sommerlichem Wetter wird gerne gegrillt. Damit bestehen Risiken für Verbrennungen, wenn Kinder unbedacht in die Nähe des Grills kommen oder der Wind Funken in die Umgebung trägt. Am brennenden Grill sollte immer ein Erwachsener stehen, um schnell reagieren zu können.

Was noch wichtig ist

Es gibt noch viele andere Dinge, die an solchen Tagen günstig sind.

  • ganz effektiv: früh morgens und am späten Abend das Haus durchlüften. Danach die Rollläden an den sonnenbeschienenen Seiten schließen, um die erreichte Frische möglichst lange zu halten
  • Zum Mittagessen leichte kühle Kost. Ein gekühlter Pudding mit Erdbeeren kommt bei den meisten Kindern an. Man braucht nicht täglich eine warme Mahlzeit.
  • Kinder lieben süße Speisen. Und Wespen auch. 
  • Zecken lieben die Wärme auch. Abends sollte der Körper auf die Plagegeister untersucht werden.

Impfungen in der Schwangerschaft

Die Diskussion über Impfungen ist in Deutschland angekommen. Gut so. Da macht es auch Sinn, einige Überlegungen zu Impfungen in der Schwangerschaft zu diskutieren, die für die besonders gefährdeten jungen Säuglinge bedeutsam sind.

Lange Jahrzehnte waren Impfungen in der Schwangerschaft schlicht tabu. Das war auch sinnvoll, denn es lagen nur spärliche Informationen zu diesem Thema vor. Das hat sich inzwischen geändert. Obwohl weiterhin Impfungen in der Schwangerschaft nur auf’s Nötigste beschränkt werden, gibt es Daten, die Abweichungen davon anregen. Kürzlich hat sich hierzu die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. geäußert.

Tetanus

Eine Impfung gegen Tetanus „in der Schwangerschaft gilt als unbedenklich, sowohl für die Mutter als auch für das neugeborene Kind“, schreibt die Kommission.

Influenza („Grippe“)

Hier schreibt die Kommission, dass „für Schwangere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wegen eines Grundleidens …..die Influenzaimpfung zum Eigenschutz unabhängig von der Schwangerschaftsphase in jedem Trimenon empfohlen“ wird. In vielen Ländern wie der USA und der Schweiz wird die Impfung generell in der Schwangerschaft empfohlen.

Pertussis (Keuchhusten)

Um die steigende Zahl der Keuchhustenfälle im frühen Säuglingsalter zu verhindern, haben die USA und Großbritannien im Jahr 2012 erstmals eine Keuchhustenimpfung für Schwangere eingeführt. Im Wissen, dass die vom Immunsystem der Mutter gebildeten Antikörper (Abwehrstoffe) auf das Baby im Mutterleib übergehen, hoffte man erfolgreich zu sein. Das gelang auch. Dabei wurde eine Schutzrate von 93% für Säuglinge in den ersten beiden Lebensmonaten ermittelt. Neue Untersuchungen aus Kalifornien zeigen darüber hinaus, dass jene Säuglinge, die trotzdem erkranken, einen abgeschwächten Krankheitsverlauf haben.

Die Impfung wird inzwischen in der USA, Großbritannien und der Schweiz angewendet. Bislang steht jedoch noch kein reiner Keuchhustenimpfstoff zur Verfügung. Deswegen wird ein kombinierter Impfstoff (Tdap) verwandt. Für Deutschland liegen noch keine allgemein gültigen Empfehlungen für eine Keuchhusten-Impfung von Schwangeren vor. Jedoch wird seit Jahren empfohlen, dass sich die Umgebung (Familie) vor Geburt eines Säuglings einen sicheren Schutz gegen Keuchhusten aufbauen soll, um dadurch das neugeborene Kind indirekt zu schützen.

Antoine de Saint Exupery. Foto: Patrizio Paolinelli

Somit sind einige felsenfeste Überzeugungen beim Impfen in Bewegung geraten. Dabei kommt einem Antoine de Saint-Exupery in den Sinn: Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Frühzeitiges Training nach Gehirnerschütterung meist sinnvoll

Sport ist gut für die Gesundheit. Aber er ist auch mit Verletzungsrisiken verbunden. In jeder Sportschau ist zu sehen, wie der Schädel beim Kopfball oder Fouls deftige Erschütterungen hinnehmen muss. Im günstigsten Fall sind das einfache Schädelprellungen. Aber gerade auch Fußballer – natürlich noch mehr Boxer – erleiden dabei auch eine Gehirnerschütterung.

In Deutschland sind jedes Jahr – unabhängig vom Auslöser – 70.000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren von Schädel-Hirn-Traumata (SHT) betroffen.

Da die Grenzen zwischen den einzelnen Schweregraden der Verletzung fließend sein können, neigen viele Ärzte im Einzelfall zur Vorsicht. Die früher verordnete strikte Bettruhe von 2 Tagen ist längst verlassen. Aber noch heute gibt es eine große Unsicherheit, wie schnell sportlich aktive Kinder und Jugendliche wieder an körperliche Belastung herangeführt werden sollen.

Eine Studie der State University of New York in Buffalo untersuchte jugendliche Sportler nach einer Gehirnerschütterung. Die eine Hälfte der Betroffenen erhielt – als Placebo – 20-minütiges Stretching täglich, die andere Gruppe ein ebenfalls 20-minütiges aerobes Training. Dabei fanden die Forscher um John J. Leddy heraus, dass die Erholungsphase in der ersten Gruppe (Stretching) nach 17 Tagen abgeschlossen war, während dies bei der aktiven Gruppe schon nach 13 Tagen der Fall war. Darüber hinaus waren in der Stretching-Gruppe nach einem Monat 7 Jugendliche noch nicht beschwerdefrei, während es in der aktiven Gruppe nur 2 waren (was statistisch aber nicht bedeutsam war).

Insgesamt unterstützt die Studie folgendes Vorgehen nach einer Gehirnerschütterung:

  • Schonung nach dem Trauma für 24 bis 48 Stunden.
  • danach langsame Steigerung des körperliches Trainings.
  • bis zur vollständigen Erholung kein Sport mit direktem Körper-Kontakt (wie Fußball, Handball).

Die Maßnahmen sollten immer kinder- und jugendärztlich überwacht werden. Nur so können abweichende Verläufe rechtzeitig erkannt werden.

Käse im Kleinkindesalter schützt vor Neurodermitis

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung. Häufig beginnt sie bereits im Säuglingsalter und ist wegen ihres typischen Juckreizes eine schwere Belastung für das betroffene Kind und seine Eltern. Wegen der vielschichtigen Ursachen ist eine hilfreiche Therapie eine große und wichtige Herausforderung.

Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass die Umgebung vor und nach Geburt einen bedeutenden Einfluss auf die Neurodermitis – oder atopische Dermatitis (AD) wie wir Mediziner sagen – hat. Dazu zählt auch der Ort, an dem Kinder aufwachsen. Als günstig hat sich das Leben auf dem Bauernhof erwiesen mit engem Kontakt zu Tieren und Konsum von Milchprodukten.

Eine wichtige Studie in der Erforschung der allergischen Erkrankungen von Kindern ist die PASTURE study, die seit 2002 Kinder aus ländlichen Regionen in Europa (Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, Schweiz) fortlaufend untersucht, um das Risiko für eine atopische Dermatitis (AD) besser zu verstehen. Im Rahmen dieser Studie wurden 931 Kinder von Geburt bis zum Alter von 6 Jahren beobachtet in Bezug auf den Konsum von Käse.

Dabei zeigte sich, dass der Verzehr von Käse im Alter von 18 Monaten einen schützenden Effekt in Bezug auf das Auftreten einer Neurodermitis hatte. Das Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankung war für Kinder, die Käse gegessen hatten um 36% geringer als bei denen die keinen Käse aßen. Gerade Kinder, die verschiedene Käse aßen (das galt insbesondere für die französischen Kinder) hatten einen besonders guten Effekt. In aller Regel wurde Käse 1 bis 6 Mal pro Woche verzehrt.

Der Käsekonsum verringerte auch das Risiko für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie um fast 50%. Es zeigte sich auch eine günstige Tendenz in Bezug auf die Entwicklung von Asthma und Heuschnupfen. Der Effekt war aber statistisch nicht eindeutig.

Die PASTURE – Studie belegt also, dass der Verzehr von Käse im Alter von etwa 18 Monaten günstig ist, um die Entwicklung von Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie zu verhindern.

Lungenentzündung: Ist die Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol ungünstig?

Dass jedes Handeln meist mehr als nur eine Folgewirkung hat ist keine neue Erkenntnis. Und dennoch wird beispielsweise im Alltag so vorgegangen, als würde ein „Fieberzäpfle“ das Fieber senken – und das wär’s dann.

Das stimmt natürlich nicht. Es ist gut belegt, dass – um beim Beispiel der Fiebersenker zu bleiben – sowohl Ibuprofen wie Paracetamol den komplexen Entzündungsprozess des Körpers mindestens ebenso beeinflussen wie das Fieber.

Eine Studie aus Polen hat sich kürzlich diesem Problem gewidmet. Kinderpneumologen haben über drei Jahre in Warschau alle Kinder mit Zeichen einer ambulant erworbenen Lungenentzündung (pCAP – pediatric community acquired pneumonia) untersucht. Das sind all die Lungenentzündungen, die zuhause erstmals auftreten und nicht Folge einer stationären Behandlung sind. Nach dieser Zeit verglichen sie jene Kinder, die einen günstigen Krankheitsverlauf hatten (das waren 141 Kinder im Alter von 2 Monaten bis 17 Jahren) mit denen, die eine Komplikation (Pleuraerguss / Pleuraempyem – Flüssigkeit / eitrige Flüssigkeit um die Lunge; Lungenabszess und andere) erlitten hatten. Das waren 62 Kinder. Diese Daten wurden von den Wissenschaftler um Katarzyna Krenke auf mögliche Unterschiede untersucht.

In Bezug auf Alter, Größenentwicklung und soziale Lebensumstände waren beide Gruppen tatsächlich gleich. Interessant war jedoch, dass Kinder mit Komplikationen häufiger Ibuprofen erhalten hatten als solche, die einen normalen Krankheitsverlauf aufwiesen. Die Gabe von Ibuprofen erhöhte statistisch gesehen das Risiko für Komplikationen um den Faktor 3,3. Für Paracetamol ergab sich der gleiche Zusammenhang. Hier war lediglich der Faktor mit 2,6 etwas niedriger.

Die Gabe von Medikamenten zur Fiebersenkung sollte immer mit Bedacht erfolgen. Die Senkung des Fiebers schränkt immer auch die körpereigene Abwehr bis zu einem gewissen Grad ein. Wird Ibuprofen oder Paracetamol zur Behandlung vorn Schmerzen eingesetzt, sollte deswegen bei zunehmendem Bedarf an diesen Medikamenten die Richtigkeit der Diagnose überprüft werden. Nur so wird verhindert, dass die Gesamtdosis an Ibuprofen/ Paracetamol nicht ohne klare Überlegungen gesteigert wird. Ibuprofen und Paracetamol können eben auch eine bedrohliche Diagnose verschleiern. Da schadet es dann, wenn das Fieber zuvor immer schön gesenkt wurde.

Fieber können Kinder oftmals durchaus aushalten. Für Eltern, die ihren Kindern Verdruss ersparen, möchten ist das manchmal schwierig umzusetzen. Sie sollten versuchen, beim Fieber – in Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt – den Kindern auch ohne fiebersenkende Medikamente zur Seite zu stehen. Wie die Studie zeigt, wird zum Nutzen der Kinder sein.

Mama, mir ist schlecht – Reisekrankheit

In meiner Kindheit war das noch der Normalzustand: Einsteigen ins Auto, Fahrt über die vor 50
Jahren recht kurvigen und holprigen Straßen. Und nach wenigen Kilometern musste angehalten werden. Wir Kinder erleichterten uns am Straßenrand. Auf der weiteren Fahrt wiederholte sich das alle 30 bis 40 Kilometer.

Heute hat man dafür einen Namen, Reisekrankheit, medizinisch auch Kinetose genannt.
Die kommt heute jedoch selten vor. Kinder wachsen mit dem Auto auf. Vielen dient es fast schon als Schlafmittel. Und so verwundert es kaum, dass sie damit gut zurecht kommen.

Gibt es hilfreiche Medikamente?

Die Schwierigkeit bei der Reisekrankheit ist, dass hier viele verschiedene Reize im Gehirn ungünstig verschaltet werden. Dementsprechend wären auch unterschiedliche Arzneien notwendig, um gezielt und sicher zu helfen. Momentan kommen zwei davon häufiger zur Anwendung:

Scopolamin. Das ist als Anticholinergikum ein Gift, das aus Nachtschattengewächsen gewonnen wird. In niedriger Dosierung führt es zu leichter Hemmung des Brechzentrums und zur Beruhigung. Es kommt als transdermales Pflaster (TTS-S) zur Anwendung. Das Pflaster muss 6-8 Stunden vor drohender Reisekrankheit eingesetzt werden und wirkt dann nahezu 3 Tage lang. Wegen des hohen Risikos für Halluzinationen sind die Pflaster für Kinder überhaupt nicht (laut Herstellerangaben unter 10 Jahren nicht zugelassen) und für Jugendliche sinnvollerweise erst ab 16 Jahren geeignet.

Als zweite Arznei zeigt Dimenhydrinat (Vomex A©, Vomacur©) eine gewisse Wirkung, die aber auch bei unter 50% liegt. Wie bereits im praxisblättle beschrieben, ist der Einsatz dieser Substanz für Kinder und Jugendliche eher ungünstig.

Was tun, wenn Kinder doch unter der Reisekrankheit leiden und es ihnen oft übel wird?

Während der Autofahrt zu lesen oder in ein Tablet zu schauen ist ungünstig. Besser ist es, die Aufmerksamkeit des Kindes auf Dinge in weiterer Entfernung zu lenken. Dazu bieten sich Spiele an, damit Kinder angeregt werden dies zu tun. Zum Beispiel: „Wie viele Autos auf unserer Straße sind rot?“. Oder später das klassische Spiel mit den Tee-Kesselchen für die Älteren. Dabei gilt es Worte mit Doppelbedeutungen zu finden: „Maus“ – die Maus als Tier oder die Computermaus. Meist beschreibt ein Spieler was er sieht, etwa „Auf meinem Tee-Kesselchen wachsen Pflanzen“ = „Erde“. In diesem Fall die Erde vom Acker, aber Erde steht auch für
die Erdkugel.

Kinder müssen aus Sicherheitsgründen auf der Rückbank sitzen. Diejenigen, denen es gerne beim Fahren übel wird, sollten in die Mitte platziert werden. Dann können sie ihren Blick problemlos in die Ferne richten. Zum Seitenfenster hinauszuschauen ist ungünstig. Und: frische Luft ist immer gut.

Fazit. Weil die Reisekrankheit durch komplexe unterschiedliche Prozesse entsteht, gibt es bis heute keine einfache Therapie. Eine solche ist in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten. Die verfügbaren Medikamente sind eher schwach wirksam und weisen für Kinder (und Jugendliche) ein sehr ungünstiges Spektrum an unerwünschten Wirkungen (wie Halluzinationen) auf. Deswegen stehen weiterhin die Verhaltensmaßnahmen ganz im Vordergrund.