Kategorie: Was tut gut?

Entsorgung von Medikamenten

Die Frage taucht in der Praxis täglich auf: Wohin mit den abgelaufenen Arzneimitteln oder den übrig gebliebenen Medikamenten nach einer Erkrankung? Eines ist klar: nicht in die Kanalisation. Denn dort müssten diese chemischen Substanzen mühsam dem Wasser wieder entzogen werden, was nur mit hohem Aufwand funktioniert. Wenn das nicht gelingt, stellen sie ein Risiko für die Qualität des Trinkwassers dar.

Es gibt eine Reihe von Substanzen, die – übers Trinkwasser verbreitet – hormonaktiv sind oder werden können. Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat hierzu eine Zusammenfassung unter dem Titel „Hormonaktive Substanzen im Wasser“ erstellt. Erschreckend.

Welche Möglichkeiten es gibt, gute Wasserqualität sicherzustellen und was das kostet, dazu nimmt ein Papier Stellung, das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. in Auftrag gegeben hat.

Wie man regional am besten entsorgt, dazu gibt diese Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Hinweise.

 

 

Bedrohtes Trinkwasser

Wasser ist vermutlich das wertvollste Gut auf unserem Planeten. Das ist uns fast nie so recht bewusst – außer wir haben gerade keins dabei.

Und die Wasserqualität ist eine wichtige Grundlage für die Ernährung. Das gilt insbesondere für Säuglinge. Selbst unser so gutes Trinkwasser in Deutschland, ist für Säuglinge meist nicht geeignet. Das liegt sehr oft daran, dass die Belastung durch Nitrat zu hoch ist. Und die beruht auf der Düngung der Felder mit Fäkalien.

Dieses leidige Thema wird seit Jahren von der Europäischen Union gegenüber Deutschland angemahnt. Immerhin haben wir viele Biogasanlagen, die im Prinzip Gülle von Schweinen oder Rindern gut verarbeiten und in Energie verwandeln könnten. Aber: Der Biogas-Ertrag (mit 50-60% Methananteil) von Rindergülle liegt pro Tonne bei 25 m3, während er bei der gleichen Menge an Maissilage bei 202 m3 liegt. Deswegen wird Gülle nur in geringem Umfang zur Biogaserzeugung genutzt. Es wäre also eine klare Hausaufgabe für die Politik, hier entsprechende Anreize zu setzen. Aber eben auch ein Gebiet, wo man als Politiker vermutlich nur Minuspunkte sammelt. Vielleicht sollte man sich wieder eines Konrad Adenauers besinnen: Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernstgenommen.

Nitratgehalt im Wasser Foto: https://de.statista.com/infografik/19153/messstellen-mit-zu-hoher-nitratbelastung-im-grundwasser-in-deutschland/

In Deutschland haben wir eine sehr gute Wasserqualität. Aber auch die ist bedroht. Es hört sich schön an, wenn die Politik viel Geld für das Klima und die Umwelt in die Hand nimmt. Die Frage ist nur, was ist die Idee vom Ganzen? Was soll am Schluss erreicht werden? Abgesehen davon, es ist ohnehin immer unser Geld. Da wär’s schon ganz nett, man wüsste außer einer Summe auch ein Ziel und einen Zeitplan. Zumindest von außen betrachtet, sollte das nicht allzu schwierig sein, die Güllebelastung zugunsten der Ernährung zu senken. Und uns wieder Frühlingstage mit zarten Gerüchen zu bescheren.

Gutes Klima für unsere Kinder

Das Klima ist endlich zu einem der wichtigsten Themen in der Politik geworden. Zumindest in unserem Land. Die wissenschaftlichen Beobachtungen der letzten Jahre geben Anlass zu größter Sorge. Viele Daten belegen, dass wir Raubbau mit unserem Planeten betreiben. Die einzelnen Werte beleuchten das von verschiedenen Seiten. Wir müssen sie als Mosaiksteine betrachten. Dann kann am Gesamtbild kein Zweifel bestehen.

  • CO2-Anstieg. 
  • Temperaturanstieg der Luft
  • Temperaturanstieg in den Meeren
  • Abschmelzen der Gletscher
  • Abschmelzen des Pol-Eises 

Der Raubbau hat sich bereits verselbstständig. Selbst wenn alle Menschen heute einsichtig wären und ihr Verhalten schlagartig ändern würden: Bis wir dahin kommen, wo wie vor wenigen Jahrzehnten noch standen, würde es noch viele Jahrzehnte dauern. Da wir das bis jetzt nicht tun und beispielsweise in Brasilien die Feuer den Urwald im Amazonasbecken großflächig zerstören, wird sich das Tempo der beginnenden Zerstörung der Urwälder nicht verändern.

Der Wald ist wichtig. Für die Seele des Menschen und für die Gesundheit der Natur. Bäume vermögen das Klimagift CO2 unter Mitwirkung der Sonne in Sauerstoff zu verwandeln. Das haben wir im Biologieunterricht gelernt. Alte und gesunde Buchen produzieren beispielsweise 11.000 Liter Sauerstoff am Tag. Damit ist der Tagesbedarf von 26 Menschen gedeckt.

Als Eltern kümmern wir uns um unsere Kinder. Zuerst geben wir ihnen unsere Liebe. Aber wir verwöhnen sie auch mit einem Vanilleeis, einem Fahrrad oder einem Smartphone. Da sollte uns auch dran gelegen sein, dass sie an allem auch noch in Jahrzehnten viel Freude haben.

Wir müssen sie auch auf anderer Ebene unterstützen. Eine Greta Thunberg ist zum großen Symbol geworden. Jeder Politiker und Medienprofi, der etwas auf sich hält empfängt sie. Darum aber geht es nicht. Viele dieser prominenten Menschen hätten genügend Kontakte (network), politische Macht oder auch Geld um etwas zu bewegen. Leider ist jedoch mediale Wirksamkeit heute so wichtig und der ursprüngliche Gedanke der „Friday-for-Furture“-Bewegung wird zunehmend verwässert. In letzter Zeit scheint die Show wichtiger als das Klima. Wir Älteren sollten uns schämen, dass wir bisher so wenig getan haben. Und uns hurtig ans Werk machen. Jeder, so gut er kann. Als gutes Beispiel im Alltag für unsere Kinder.

Jede einzelne Tat ist wichtiger als die großen Reden sprachlich begabter Menschen.

Manchmal voller Zucker: Milch-Getreide-Breie

Wieder hat sich die Stiftung Warentest einem Thema gewidmet, das für den Alltag von Eltern enorm wichtig ist: dem Milch-Getreide-Brei. Wie bereits im praxisblättle mehrfach erwähnt, sind gerade diese Breie besonders stark gesüßt. Das ist nicht günstig für die Ernährung des Säuglings.

Warentest fand nur drei Milch-Getreide-Breie, in denen wenig Fruchtzusätze und Zucker vorkamen. Diese sind im Folgenden aufgeführt:

Name Note Preis/ 100g Getreideart
Hipp Bio-Milchbrei Gute Nacht Kinderkeks 1.9 0,79 € Weizen, Mais als Pulver
dm Babylove Bio Milchbrei Gries 2.1 0,48 € Hartweizen als Pulver
Alnatura Abendbrei Gries pur 2.4 0,52 € Weizen im Glas

Dies ist nur eine sehr knappe Übersicht. Es lohnt, wenn Eltern den gesamten Test (TEST-Heft aus dem September 2019) studieren, der über viele weitere wichtige Details informiert.

Tödliches Risiko für Erkrankungen mit Meningokokken

Besonders im ersten Lebensjahr finden viele Impfungen statt. Das geht darauf zurück, dass wir KinderärztInnen dem kindlichen Organismus Informationen geben wollen, die er noch nicht hat bzw. haben kann.

Das gesund geborene Kind hat beispielsweise noch nie Kontakt zu Meningokokken gehabt. Diese Bakterien können zu schwersten Erkrankungen führen. Mit einer Impfung lässt sich ein großer Teil verhindern. Die Information, die eine Impfung vermittelt regt den kindlichen Körper an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, um bei Kontakt mit dieser Erkrankung gewappnet zu sein.

Aber wie hoch ist das Risiko einer Meningokokkeninfektion?

Kürzlich sind die neuesten Daten für das Jahr 2018 im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass 295 Menschen – vorwiegend Kinder und Jugendliche – im letzten Jahr mit Meningokokken erkrankt sind. Von diesen starben 34 Kinder, also knapp 12% (im Vorjahr 23 Kinder). Bei 237 Kinder und Jugendlichen konnte der Erreger ermittelt werden. In 139 Fällen (59%) waren es Meningokokken der Serogruppe B.

Über die letzten Jahrzehnte sind die Erkrankungen durch Meningokokken insgesamt spürbar zurückgegangen. Für die Kinder bis 11 Jahre beispielsweise trat im Jahr 2018 noch eine einzige Infektion mit Meningokokken C auf – im Jahr 2006 waren es noch 48 Erkrankungen gewesen. Das geht vermutlich im Wesentlichen auf die Impfung gegen Meningokokken C zurück, die bereits seit 13 Jahren von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, Berlin) empfohlen wird.

Bei den Meningokokken der Gruppe B waren es im letzten Jahr noch 36 Erkrankungen gegenüber 109 Erkrankungen im Jahr 2006. Dieser Typ B der Meningokokken kommt in unseren Breiten schon immer häufiger vor als die anderen und betrifft in vielen Fällen bereits junge Säuglinge.

Wer sich durch weitere Datenberge über die Impfungen durcharbeiten möchte, kann hier den Link zum Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2018 öffnen.

Sicher mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs – ein Traum?

Ich habe den Eindruck, dass in den skandinavischen Ländern freier geforscht wird, wenn es darum geht den Alltag angenehmer zu machen. Das fing für mich vor Jahrzehnten bei der Sicherheit von Autos an (Volvo, Saab) und zieht sich bis heute durch.

Rad-„Autobahn“ in Kopenhagen. Foto: www.radzeit.de

Ich schaue nach Kopenhagen. Dort wird seit Jahren daran getüftelt, die Stadtwelt für alle Menschen sicherer und enspannter zu machen. So bekommen beispielsweise Fahrräder einen Freiraum, den sie sonst nicht haben. Fahrradtouren in der Stadt sind entspannt zu machen. Und für die Menschen im Alltag gibt es eine Art „Autobahn“ für Fahrräder und viele weitere  Erleichterungen. Dadurch ist das Rad übers ganze Jahr attraktiv und inzwischen für die Mobilität der Bewohner Kopenhagens wichtiger als das Auto geworden.

Der Berliner Tagesspiegel kam zum Schluss, etwas ähnliches auch in Berlin anzuregen. Er hat sich dieser Frage genähert und erstmal einen interaktiven Radmesser für Berlin erstellt. Diese Seite ist sehr spannend, weil sie das komplexe Problem von Unfällen sehr pfiffig angeht. Denn im Regelfall werden Radfahrer bedrängt und damit gefährdet, ohne sich zur Wehr setzen zu können. Und genau hier will der Radmesser Informationen sammeln und sichert mit ausgetüftelter Technik die exakten Daten.

Und was kam raus? Über 100 Probanden waren während 2 Monaten in den verschiedenen  Bezirken unserer Hauptstadt unterwegs. Von ihren Rädern aus wurden 16.700 Überholvorgänge gemessen und verarbeitet.

  • 56% der Überholvorgänge waren dichter als der vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Meter
  • wären alle die Verstösse geahndet worden, wären 282.060 € fällig gewesen
  • War ein Kind auf dem Fahrrad, hielten die Autofahrer einen geringen Mehrabstand von 8,4 cm ein. Gesetzlich sind aber 2,0 Meter – also weitere 50 cm – vorgeschrieben.
  • wer weit rechts fährt, wird dichter überholt
  • Aufgemalte Fahrradwege (Schutzstreifen und Radfahrstreifen) haben einen kleinen Effekt. 59% der Überholvorgänge auf Straßen ohne Radinfrastruktur sind zu dicht, bei Schutzstreifen sind es 51%, bei Radfahrstreifen 48%, auf Busspuren 44%. Auf baulich getrennten Radwegen wird man nie zu dicht von Autos überholt.

Diese Zusammenfassung der Daten aus dem checkpoint zeigt, dass die Risiken für Radfahrer in Berlin momentan sehr hoch sind. Das wird auf der Homepage auch noch mit aktuellen Videos aus dem Straßenverkehr belegt. Ab jetzt wird daran gearbeitet das zu ändern, um Fahrrad-Fahren auch in Berlin so angenehm zu machen wie in Kopenhagen.

Auf dem Lande dürfte das Risiko kaum geringer sein. Eine Radinfrastruktur vermisst man häufig, so dass nur baulich getrennte Radwege zwischen einigen Ortschaften ein vergnügliches Radfahren ermöglichen.

Immerhin liegen nun erste Daten vor, die zeigen, dass in vielen Fällen die Autos zu dicht am Fahrrad vorbeiziehen. Damit das weniger passiert, sollten Fahrradfahren nicht zu weit rechts fahren. Das ist eine erste kleine Information, die unseren Kindern im Straßenverkehr ein bisschen mehr Sicherheit bringt.

Antibiotikaeinsatz in Deutschland

Wenn es um Krankheiten geht, ist ein Lieblingsthema bei den Gesunden der Einsatz von Antibiotika. Der sei viel zu hoch und man „wird vollgepumpt“, ist da zu hören. Gut gebrüllt. Und wenn die gleichen Leute mit ihrem fiebrigen Kind vor dem Kinderarzt stehen: Dann ist unbedingt und sofort ein Antibiotikum nötig.

Wichtig, das sei hier nur am Rande genannt, ist immer eine gut gesicherte Diagnose. Antibiotika sind wunderbare Medikamente, wenn der Körper den Angriff von Bakterien selbst nicht mehr meistern kann. Aber auch nur dann. In vielen Fällen kann sich der Körper auch bakteriellen Infektionen gut entgegenstellen.

Im Vergleich zu anderen Ländern setzen deutsche Ärzte schon seit vielen Jahren Antibiotika meistens sorgsam ein. Sparsamer unter den reichen Ländern sind nur die Schweiz, Japan, Schweden, Singapur und ganz besonders die Niederlande.

Verordnung von Antibiotika in Deutschland, bezogen auf 1000 Versicherte pro Jahr im Jahre 2018. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Große Unterschiede gibt es allerdings innerhalb Deutschlands. Die nebenstehende Graphik zeigt die Häufigkeit von Verordnungen von Antibiotika. Je heller die KV-Bezirke umso weniger Antibiotika wurden verordnet. Am wenigsten in Sachsen, am meisten im Saarland. Insgesamt fällt eine Dreiteilung auf: geringer Verbrauch in den Ost-Ländern, mittlerer Verbrauch im Süden (Bayern und Baden-Württemberg), hoher Verbrauch im Westen.

 

 

 

Verordnung von Antibiotika nach Alter. Es fällt ein Rückgang der Versordnungen über alle Altersgruppen vom Jahr 2010 bis zum Jahre 2018 auf. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Das erfreulichste Ergebnis ist, dass trotz verbesserter Gesundheitsversorgung, die Verordnungen an Antibiotika seit dem Jahr 2010 kontinuierlich zurückgehen. Die Grundlage für diese Zahlen stammen von den kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Dort wurden alle über Rezept (Verordnung) im ambulanten Sektor verschriebenen Antibiotika erfasst, die „systemisch“ einzunehmen waren. Dabei handelt es sich um Medikamente, die den gesamten Körper betreffen und die häufig als Saft (Kinder), Tabletten, Kapseln oder Dragée eingenommen werden.

Verordnung von Antibiotika nach Altersgruppen. Der höchste Verbrauch zeigt sich im Alter der vielen Infekte (2-5 Jahre). In allen Altersgruppen gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Foto: modifiziert nach versorgungsatlas.de

Die Verordnung von Antibiotika in Deutschland kann sicher noch weiter verbessert werden. Man darf davon ausgehen, dass die Unterschiede innerhalb des Landes nichts mit unterschiedlichen Krankheitshäufigkeiten zu tun haben. Für zu viele Menschen sind Antibiotika Medikament, die bei Infekten mit hohem Fieber eingesetzt werden sollten. Wichtiger als das Fieber ist jedoch die Frage, ob es sich um einen Infekte durch Bakterien handelt: dann helfen Antibiotika. Oder ob es sich um eine Virusinfektion handelt. Die kann manchmal auch extrem schlimm sein, aber das Antibiotikum ist nicht hilfreich. Manchmal sogar schädlich.

Also erstmal: gut abgesicherte Diagnose. Dann kann bei bakteriellen Infektionen das Antibiotikum hilfreich sein, sofern der Organismus des Kindes der Schwer der Infektion nicht gewachsen ist oder wenn Langzeitfolgen bei zu langsamer Genesung zu erwarten sind.

Bessere Kindergesundheit durch weniger Verkehr?

Es ist noch nicht leicht zu bemerken. Aber das Auto befindet sich langsam auf dem Rückzug. Einen Hinweis gibt das Alter der Autos auf deutschen Straßen. Es nimmt – nach einem Plateau Anfang des Jahrtausends – stetig zu und liegt nun bei 9.5 Jahren. Für junge Menschen hat das Automobil als Statussymbol zumeist ausgedient. Der niedergelegte Golf ist ein Relikt, das nur noch selten anzutreffen sind. In den Städten werden schicke Autos von Schrammen bedroht. Deswegen findet man sie in den Citylagen kaum noch. Dort stehen to-go-Autos an jeder Ecke, um kurz mal die Getränke für das Fest am Abend einzukaufen.

„Ich bin auf das Auto angewiesen“ heißt es hingegen auf dem Land. Dort stimmt es auch meistens. Obwohl ein großer Teil der Mobilität auch zu Fuß, Fahrrad oder mit einem Roller zu machen wäre. Gerade viele aus der Generation X und Y haben halt gerne noch ihr Blech um sich. Auch bei Reisen innerhalb Deutschlands. Bahnfahren? Oder gar FlixBus?

In Berlin sind im Moment etwa 1.21 Millionen Autos zugelassen, darunter 2713 E-Autos (Stand Januar 2019). Die Zahl der Fahrräder ist nicht bekannt. Aber es gibt inzwischen 17 Zählstellen. An der Jannowitzbrücke, die vom Alexanderplatz den Weg über die Spree nach Süden ermöglicht, kommen wochentags bis zu 15.000 Fahrräder vorbei. Da nimmt sich die Zahl der Scooter in der Stadt mit momentan etwa 6000 eher bescheiden aus. Ein buntes Bild: Die Zahl der Autos steigt, die der Fahrräder ebenso und auch die der Scooter. Es wird also erstmal eng auf den Wegen der Stadt. Ob aber die Luft besser wird?

Zurück ins Ländle. Karlsruhe ist schon immer für seinen guten öffentlichen Nahverkehr bekannt. Dort wurden von den Verkehrsbetrieben im Jahr 2016 über 52 Millionen Zeittickets für Auszubildende verkauft. Gemessen an der Zahl der zugelassenen PKW gibt es fast dreimal so viele E-Autos wie in Berlin. Leider ist aber die Länge der Fahrradwege seit 5 Jahren unverändert. Auch hier kein eindeutiger Trend.

Das sieht noch nicht nach Veränderung aus. Aber Sie hat begonnen. In London hat 1952 der Great Smog ein Umdenken herbeigeführt. Inzwischen ist seit 2003 eine gebührenpflichtige Umweltzone (Low Emission Zone) eingeführt. Zusätzlich zu Gebühren für besonders umweltschädigende Autos gibt noch Staugebühren. So, und durch den gut organisierten Nahverkehr, werden Autos abgehalten, in die Innenstadt zu fahren. In Paris ist man auch sehr aktiv und hat in den letzten 5 Jahren das Netz der Fahrradwege um 50% vergrößert. Verkehrsberuhigte Zonen gibt es in den Metropolen wie in den Kleinstädten, Fußgängerzonen ermöglichen neue Freiräume. Gerade Städte wie Köln,  Birmingham, Mailand und Antwerpen – eher fürs Auto gebaut – stellen sich rasant um.

Wir haben einen Einfluss auf unsere Umgebung. Quelle: httpsimgur.comgallerysCvRIEd.gif

Und bei den Menschen ist das Thema Klima auch angekommen. Alle unterstützen Maßnahmen, die das Klima verbessern. Bei den praktischen Schritten aber hapert es noch. Welchen Unterschied es macht ob wir im Auto durch die Stadt fahren oder als Fahrradfahrer bzw. Mitfahrer in einem Eisenbahnwaggon, zeigt eine nette Animation.

Also einfach mal das Auto stehen lassen. Das Fahrrad nehmen – auch wenn’s regnet – oder auch den Bus. Es gibt viele Möglichkeiten, die entdeckt werden wollen.

Für die Kindergesundheit wäre es ein Segen. Für Kopenhagen in Dänemark haben Wissenschaftler um Henrik Brønnum-Hansen und Mitarbeiter kürzlich nachgewiesen, welchen Effekt Umweltverschmutzung in Städten auf Kinder hat. Sie zeigten auf, dass die Senkung der Belastung von NO2 in Kopenhagen auf übliche Werte, wie sie auf dem Lande erreicht werden, die Lebenserwartung im Jahre 2040 um über ein Jahr verlängern würde. Das war nur ein Wert. Ähnliche Veränderungen rufen beispielsweise auch die Reduktion des Lärms hervor. Es lohnt sich also zu bedenken, ob „freie Fahrt für freie Bürger“ (ADAC, 1974) es wirklich wert sind, unsere Kinder kränker zu machen.

Wann soll ich mich gegen Influenza impfen lassen?

Meist im September kommen die neuen Impfstoffe gegen Influenza (Grippe) auf den Markt. Aber, soll man sich dann sofort impfen lassen? Und auch die eigenen Kinder?

Das Problem bei den Impfungen gegen die Influenza besteht ja darin, dass sie zwar wirksam sind, aber nicht so gut wie beispielsweise Impfstoffe gegen Masern. Wir alle wünschen uns also dass die Grippeimpfung besser wäre. So erkranken manche Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene obwohl sie geimpft wurden. Andererseits erkranken manche nicht Geimpfte nicht. Das löst dann regelmäßig Diskussionen aus, die nicht sehr zielführend sind.

Zur Frage des schwindenden Impfschutzes hat sich eine Arbeitsgruppe um Jill M Ferdinands vom U.S. Department of Health and Human Services gebildet. In ihrer Studie untersuchten sie die Wirksamkeit der Impfung bei Personen ab 9 Jahren in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Impfung.

In ihrer Studie fanden die Forscher eine abnehmende Wirksamkeit der Grippeimpfung mit zunehmender Zeit nach der Impfung. Am besten war die Wirksamkeit der Impfung kurze Zeit nach der Impfung. Für das Influenza A-Virus (H3N2) und das B-Virus war die Wirksamkeit bereits nach einem Monat 7% niedriger. Für das Influenza A-Virus (H1N1) ging die Wirksamkeit in der gleichen Zeit um 6-11% zurück.

Wie bereits bekannt, ist es also sinnvoll sich kurz vor der erwarteten Grippesaison impfen zu lassen. Da die erste Grippewelle in aller Regel aber nicht vor Dezember stattfindet, scheint eine Impfung im später Oktober oder November die beste Strategie zu sein.

Sollten auch die eigenen Kinder geimpft werden? Die offiziellen Empfehlungen unterscheiden sich in vielen Ländern. In Deutschland wird die Impfung chronisch Kranken und alten Menschen empfohlen. Es ist jedoch erwiesen, dass die Grippe-Impfung gerade bei Kindern besonders gut wirksam ist. Das macht eine Impfung von Kindern und Jugendlichen trotz allem sinnvoll.

Eines ist jedenfalls sicher: Bei allen berechtigten Zweifeln, lohnt eine Influenza-Impfung. Auch wenn man nicht immer den idealen Impfzeitpunkt findet. Um die persönlichen Besonderheiten angemessen zu berücksichtigen, sollten Sie die Frage einer Impfung gegen die Grippe (Influenza) schon jetzt mit Ihrem Arzt besprechen.

Armut und mehr

Während in den USA ein Präsident lautstark twittert und Menschen verunglimpft, findet dort statt, was Fachleute „The Great Decoupling“ nennen: Breite Bevölkerungsgruppen werden vom Vermögenszuwachs des Landes abgekoppelt. Dazu gibt es prägnante Daten über die Trends der letzten drei Jahrzehnte:

  • Der Reichtum des obersten Prozents der US-Bevölkerung stieg um 21 Billionen Dollar
  • Das „Vermögen“ der ärmeren Hälfte der US-Bevölkerung ging um 900 Milliarden zurück

In den USA haben Milliardäre inzwischen wie George Soros und die Wald-Disney-Erben den Staat aufgefordert: Besteuert uns stärker!

Auch in Deutschland gibt es Armut. Von Armut spricht man hier, wenn ein Haushalt weniger als 60% des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Ein Beispiel: Wenn in einem deutschen Haushalt von zwei Erwachsenen und zwei Kindern netto weniger als 1926 Euro zur Verfügung stehen, sind diese beiden Kinder von Kinderarmut betroffen. In Deutschland gehören 19% aller Kinder in diese Gruppe. Nein, sie müssen nicht wie in vielen tropischen Ländern im Müll nach Essensresten suchen. Hunger ist bei uns nicht das Problem. Aber ihre Teilhabe im Alltag ist bedroht. Ausgaben für zu enge Turnschuhe oder ein Klassenausflug lassen sich nicht so einfach umsetzen, wie bei den anderen. Und der Druck, immer Klamotten einer angesagten Marke zu tragen ist enorm. Dem können Kinder in Armut nicht nachkommen. Sie sind bedroht, von der Gruppe ausgeschlossen zu werden, weil sie mit diesen Atributen nicht mithalten können.

Oft kommen mehrere Ursachen zusammen, die am Schluss in Armut münden. Und ist eine Familie dort angekommen, wird es schwer, diese Zone wieder zu verlassen. Viele der von Kinderarmut Betroffenen sind Kinder von Alleinerziehenden, meist Mütter. Deren Spagat, den Alltag zwischen finanzieller Sicherung der Kleinfamilie und dem Wohl des Kindes zu schaffen, ist eine maximale Herausforderung, der nicht alle Mütter oder Väter gewachsen sind.

Neben den sozialen Folgen hat die Kinderarmut auch klare Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder. Und auch da greifen viele ursächliche Umstände ineinander, angefangen von der häufig unausgewogenen Ernährung bis hin zu den schlechten Wohnverhältnissen.

Die Unterschiede zwischen arm und reich nehmen seit Jahren in fast allen Ländern zu. Das zeigt der Gini-Index auf, der die Daten für 157 Länder zusammenfasst: Je höher der Index (0 = keine Ungleichheit, 100 = maximale Ungleichheit) , umso ungünstiger ist die Verteilung des Reichtums. In den Tabellen ist in diesem Fall ein hinterer Platz günstig. So liegen die USA auf Platz 39, die Schweiz auf Platz 136, Deutschland auf dem günstigen Platz 144. Besser machen es noch Schweden (152) und am besten die Faröer Inseln (157).

Obwohl Deutschland eigentlich nicht schlecht dasteht, so sind es immerhin 2.5 Millionen Kinder, die hier von Sozialleistungen leben müssen. Das hat häufig Auswirkungen auf die Ernährung, wodurch Übergewicht besonders häufig vorkommt. Der soziale Druck führt auch häufiger zu Auffälligkeiten des ADHS und motorischer Defizite. Sogar die Zahl tödlicher Unfälle ist bei Kindern, die in Armut aufwachsen grösser.

Wir als Gesellschaft haben also eine ständige Aufgabe zu lösen, die teilweise durch Zuwendung von Geld stattfinden kann. Ebenso wichtig ist aber, dass wir im Alltag dazu beitragen, die oft ausgegrenzten Kinder wieder einzubeziehen. Das findet in kleinsten Handlungen und Gesten statt – oder halt nicht, wenn wir in diesen Situationen nicht sensibel sind.