Kategorie: Was tut gut?

Plötzlicher unerklärter Säuglingstod

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein besonderer Glücksmoment im Leben. Doch diesem speziellen Tag folgten in der Geschichte der Menschheit vermutlich immer Perioden, die Eltern sehr belasteten. Früher – und heute noch in vielen Ländern Afrikas – kam die Sorge, ob das Kind angesichts von Not und Hunger die ersten Wochen und Monate überleben würde. Im Herzen Europas von heute müssen Eltern fürchten, dass ihr strahlendes Neugeborenes vielleicht am plötzlichen Kindstod sterben muss.

Der plötzliche Kindstod, oft auch SIDS (sudden infant death syndrom) genannt, ist in den vergangenen Jahrzehnten tief im Bewusstsein von Eltern verankert worden. Mit der Aufklärung wollten Mediziner dazu betragen, dass die Häufigkeit dieses heimtückischen Todes schnell gesenkt würde. Heute wird der Begriff SUDI (sudden unexpected death in infancy) verwendet, der auf die Unerklärlichkeit dieses Todes hinweist. Bis heute gibt es keine einfache und schlüssige Erklärung. Es ist zu vermuten, dass viele Faktoren zusammenwirken.

Abbildung 1. SIDS-Daten von 1979 bis 2017 aus Hamburg . Foto Jan P. Sperhake, DGKJ Leipzig 2018

Ganz wichtig ist aber zu wissen, dass die Häufigkeit dieses schrecklichen Todes massiv zurückgegangen ist, seit sich die Medizin intensiv damit auseinandersetzte. Die Daten aus Hamburg sind besonders aussagekräftig, weil dort am UKE (Universitätsklinikum Eppendorf) die Daten aller Todesfälle des Stadtstaates erfasst werden. Wie die nebenstehende Abbildung (Abb. 1) zeigt, ging die Häufigkeit des SUDI von 1979 bis 2017 von etwa 2.5 Todesfällen auf 1000 Neugeborene auf unter 0.25 Todesfälle zurück. Ein riesiger Erfolg!

Was hat dazu geführt? In den letzten 30 Jahren wurden zum einen Risikofaktoren für das Auftreten des plötzlichen Säuglingstodes identifiziert und – noch wichtiger – den Eltern vermittelt. Diese haben die Hinweise dann auch mehrheitlich umgesetzt, was eine riesige Leistung ist. Aus heutiger Sicht sind folgende Risikofaktoren besonders wichtig. Vermieden werden sollte:

  • Bauchlage (und Seitenlage) als Schlafposition.
  • Rauchen während der Schwangerschaft ….
  • …. und in der Umgebung des Kindes
  • Isolierende Kleidung, Bedeckung, Decken, Kissen.
  • „Bed-sharing“ (siehe im nächsten Abschnitt)
  • Nicht-Stillen

Abbildung 2. „The Family Bed“. Foto: amason.com

In den letzten Jahren ist das Bed-sharing vielen Eltern wichtig geworden: Die Eltern schlafen im gleichen Bett wie ihre Kinder. Das wurde vor 100 Jahren aus Not (Familien hatten meist nur ein einziges Bett) und vor 50 Jahren aus Überzeugung gemacht, wie das nebenstehende Buch verdeutlicht. Heute ist unstrittig, dass das Bed-sharing für Kinder in den ersten 3 Lebensmonaten am gefährlichsten ist: Je nach Studie liegt das Risiko für plötzlichen Säuglingstod 9-12 x höher! Danach sinkt es deutlich ab. Aus dieser Sicht empfehlen die Kinder- und Jugendärzte, den Säugling in seinem eigenen Bettchen im Schlafzimmer der Eltern zu haben und außer morgens zum Kuscheln, nicht ins Elternbett zu holen.

Der plötzliche Säuglingstod ist weiterhin ein enormes Risiko für Kinder in den ersten Lebensmonaten. Bei Beachtung einiger Faktoren, lässt sich dieses Risiko um über 90% absenken.

Kindermatratzen

Die Hälfte des Tages verbringen Kinder in ihrem Bett. Es ist also durchaus lohnend, ihnen einen angenehmen Ort zum Schlafen zu verschaffen. Darüber hinaus hat die Matratze auch eine hohe medizinische Bedeutung. Je nach Beschaffenheit erhöht sie das Risiko für den plötzlichen Kindstod – zu weiche Matratzen sind ungünstig, ebenso wie die Anwendung von Kopfkissen.

Zu weiche Matratzen haben beim neu veröffentlichten Test im Oktoberheft der Stiftung Warentest 2018 zu mangelhaften Ergebnissen geführt. Interessanterweise waren das die eher teureren Matratzen. Im Folgenden geben wir in wenigen Stichworten die Daten für die empfehlenswerten Matratzen mit der Note GUT wider:

Produkt Material Härtegrad Note Preis
Dänisches Bettenlager Jonas Schaumstoff hart 1,8 99 €
IKEA Skönast Schaumstoff mittel 2,0 70 €
Hessnatur Lena Kokos/ Latex mittel/ weich 2,2 179 €
Prolana Kati Plus Kokos/ Latex hart/ mittel 2,2 159 €
Paradies Sara Schaumstoff weich 2,3 129 €

Es ist also kein großes finanzielles Wagnis, für Kinder eine gute und sichere Matratze zu kaufen.

Kinderkrankheit Windpocken – es juckt so schrecklich

Was früher den Alltag von Eltern schmerzlich mühsam machte, ist fast aus dem Blick geraten:
Kinderkrankheiten. Als solche bezeichnet man Krankheiten, die einmal im Leben durchgemacht werden und dann nicht mehr auftauchen. Und da die Menschen früher sehr eng zusammenlebten, steckten sie sich schnell an. Diese Infektionskrankheiten traten somit sehr früh – also im Kinderalter – auf.

Das stimmt heute so nicht mehr. Wir leben heute meist nicht mehr eng aufeinander. Dadurch hat sich das Infektionsrisiko vermindert. Zum anderen gibt es Impfungen, die viele Kinderkrankheiten in Deutschland zu seltenen Ereignissen gemacht haben. Aber: da wir deutlich länger leben, können die angeblichen Kinderkrankheiten im Alter erneut auftauchen. Der Schutz reicht häufig eben nicht für 95 Jahre.

Die Windpocken sind ein gutes Beispiel für eine hoch ansteckende Viruserkrankung. Der Erreger ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das auch für die Gürtelrose verantwortlich ist. Vor der Impf-Ära erkrankten in Deutschland etwa 750.000 Menschen pro Jahr mit diesem Virus. Die Zahl ging bis zum Jahr 2015 auf 23.130 Fälle (gemeldete Erkrankungen beim Robert-
Koch-Institut) deutlich zurück. Seit 2009 werden zwei Impfungen empfohlen. Damit konnte die Rate der Erkrankungen nochmals deutlich gesenkt werden. Die Windpocken sind in aller Regel sehr lästig, aber in der Nachschau eher harmlos.

Dennoch können Komplikationen (siehe weiter unten) und Todesfälle (in 2015: 3) auftreten.
Die Windpocken haben das Wort „Wind“ in ihrem Namen, weil sich die Erreger nicht nur per Tröpfcheninfektion (also aus der Nähe) übertragen, sondern teilweise mit dem „Wind“ über weitere Strecken. Auf diese Art sind Ansteckungen in grösseren Räumen (z.B. Einkaufsmärkten, U-Bahnen und Bussen) möglich.

Nach einer Inkubationszeit von meist 14 Tagen (frühstens nach 10 Tagen, spätestens nach 21 Tagen) tritt zunächst ein leichter Schnupfen und etwas Fieber (um 38-39 Grad) auf. Kurz danach beginnt der Ausschlag im Kopfbereich (auch im Bereich der Haare!) und wandert von dort nach
unten (siehe Bild rechts mit dem typischen „Sternhimmelmuster“). Wenn die ersten Bläschen an den Beinen ankommen, sind die Flecken im Gesicht bereits verschorft und damit nahezu frei
von Ansteckung. Diese beginnt bereits 1-2 Tage vor Ausbruch des Ausschlages und hält an bis das letzte Bläschen abgetrocknet und verschorft ist. Das dauert meist eine Woche (bis zu 10 Tagen).

Windpocken können in einzelnen Fällen auch zu Komplikationen führen. Bei Kindern sind das vorwiegend Mittelohrentzündungen und sehr selten auch Lungenentzündungen. Auch eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis) ist möglich, aber selten. In der Regel wird das Krankheitsbild durch den massiven Juckreiz geprägt. Gebessert wird dieser durch die lokale
Therapie mit adstringierenden Mitteln (z.B. Tannosynth© Lotio), die auf pflanzlicher Basis zum schnelleren Abtrocknen der Bläschen beitragen. Daneben werden zur Nacht auch innerliche Medikamente (Cetirizin; Fenistil©-Tropfen) angewandt, um den Juckreiz weiter zu senken.

Wegen der hohen Ansteckung ist es wichtig, andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen, die eine Immunschwäche haben. Für diese kann die Windpockenerkrankung lebensgefährlich sein. Aus Fairness sollten also folgende Regeln für die Zeit der Ansteckung gelten:

  • Kein Kontakt zu Schwangeren. Das betrifft ganz besonders Schwangere, die kurz vor der Geburt stehen und keinen Schutz gegen Windpocken aufweisen. Das Risiko für das Neugeborene an der Infektion zu sterben ist enorm.
  • Immungeschwächte wie Menschen unter Chemotherapie oder mit schweren Immundefekten
  • Alle Krankenhauspatienten. An Windpocken Erkrankte sollten niemals ein Krankenhaus aufsuchen, sofern dies nicht aus medizinischen Gründen notwendig ist und das Krankenhaus über die Erkrankung informiert ist. 
  • Alle Orte, an denen sich Risikopersonen (wie Immungeschwächte) aufhalten könnten (z.B. öffentliche Verkehrsmittel, Versammlungen)

Gesunde Kinder nach dem ersten Lebensjahr müssen nicht geschützt zu werden. Für sie ist es günstig, früh einen Schutz zu bekommen. Entweder durch die Impfung (zweimalig) oder – wenn diese nicht gewünscht ist – durch den direkten Kontakt. Im letzteren Falle macht es durchaus Sinn, sich die Ansteckung gezielt bei einem betroffenen Patienten abzuholen. Je
jünger die Kinder erkranken (nach dem ersten Geburtstag) umso besser. Ab der Pubertät sind Windpocken sehr unangenehm und auch gefährlicher.

Die Impfung gegen Windpocken wird von den Kinder- und Jugendärzten in der Regel angeboten. Empfohlen ist sie mit Beginn des 12. Lebensmonates (unter spezifischen Bedingungen bereits ab dem 9. Monat). Die erste Impfung hinterlässt einen Schutz von
etwa 65%, nach der zweiten liegt er dann über 90%.

Husten – so nervig und doch meist sinnvoll

Husten wird in den nächsten Monaten viele Kinder und Jugendliche treffen. Das ist normal in der kalten Jahreszeit. Und es ist für die Betroffenen ärgerlich. Aber ist Husten wirklich nur ein Ärgernis? Was soll eigentlich Husten bezwecken und wie soll ein Betroffener damit umgehen?

Beim Husten arbeiten alle Muskelgruppen des Brustkorbes zusammen und stoßen Luft aus der Lunge wie bei einer Vulkanexplosion. Dieser heftige Vorgang kann durch den eigenen Willen ausgelöst werden oder durch den Hustenreflex. Damit erreicht es der Körper in aller Regel, ungewollte Substanzen (vermehrter Schleim, Schmutzpartikel oder gar Fremdkörper) aus der Lunge zu entfernen. Husten kann also bei ganz unterschiedlichen Zuständen auftreten und ist immer nur ein Symptom. Und dieses Symptom macht meistens Sinn (z.B. bei der Bronchitis), kann aber gelegentlich auch sehr lästig sein ohne dem Körper echt weiterzuhelfen.

Welche Ursachen hat Husten bei Kindern?

Abbildung 1. Bronchialschleimhaut mit Zilien (Flimmerhärchen) und eingelagerten Schleimzellen (Becherzellen).

Der häufigste Auslöser ist der Racheninfekt (Nasopharyngitis). Hierbei besteht eine Entzündung des Nasen-Rachenraumes. Die Schleimhäute sind gereizt. Infolgedessen sind sie vermehrt durchblutet und dadurch gerötet. Dies führt in der Folge dazu, dass auch die Schleimzellen (Becherzellen; siehe Abbildung 1 rechts) vermehrt aktiv sind und das tun was sie können: sie produzieren Schleim. Der läuft entsprechend der Schwerkraft aus dem hinteren Nasenteil (den vorderen Anteil versenken die Menschen gerne im Taschentuch) über die Rachenhinterwand gen Kehlkopf – „…. der Husten löst sich“. Das hat aber nichts mit irgendwelchen Medikamenten zu tun sondern tritt bei Atemwegsinfektionen regelhaft ein. Nun möchte die Lunge – für die der Kehlkopf den Eingang darstellt – nur die Luft zum Gasaustausch aufnehmen und keine weiteren Körpersekrete. Also wird durch die Schleimstrasse an der Rachenhinterwand ein Husten ausgelöst, der den Schleim wieder nach oben schleudert. Meistens folgt dem Husten (zumindest bei Kindern) ein Schluckreflex. Hierdurch wird der  angesammelte Schleim in großen Teilen dann in den Magen transportiert. Dort ist er in der Auseinandersetzung mit der Magensäure chancenlos ist und wird in seine Einzelteile zerlegt.

Eine seltenere Ursache ist die Laryngitis, die öfter bei Jugendlichen als bei Kindern beobachtet wird. Hierbei ist die Rachenregion unterhalb der Zungenebene entzündet. Hierbei findet keine bedeutende Schleimproduktion statt. Der Husten ist und bleibt eher trocken. Dabei kommt es zu einem manchmal unangenehmen Reizhusten, ohne dass Schleim bewegt würde.

Im Kindesalter zeigt sich der Infektkrupp mit einem sehr eindrücklichen Husten. Die Entzündung liegt eine Stufe tiefer als bei der Laryngitis: Im Kehlkopfbereich bzw. im oberen Bereich der Luftröhre. Auch hier überwiegt ein sehr trockener Husten mit einem typisch bellenden Charakter. Dieser Husten ist sehr laut und erinnert an das Bellen eines Hundes. Meist ist er sehr schmerzhaft, so dass Kinder von sich aus sich so verhalten, dass sie möglichst wenig Husten müssen.

Unterhalb der Kehlkopfregion schließt sich die Luftröhre an. Entzündungen in diesem Bereich nennen wir Tracheitis. Sie sind tendenziell eher bei Jugendlichen zu beobachten. Dabei beginnt die Erkrankung meist mit einem sehr quälenden trockenen Husten, der zunehmend „feuchter“ wird aber subjektiv immer sehr unangenehm ist. Hierbei gibt es gelegentlich schwere Verläufe durch grössere Schleimbeläge, die schwer abhustbar sind.

Die Bronchitis ist etwas, was jeder schon erlebt hat. Das Bronchialsystem ist entzündet und nach einer kurzen Phase trockenen Hustens kommt es zu einer Verschleimung. Es besteht für eine kurze Zeit eine Überempfindlichkeit der Atemwege, bronchiale Hyperreagibilität.

Die Bronchitis, also die Entzündung der Bronchialschleimhaut, geht in einigen Fällen in das umgebende Gewebe über. Das nennt man dann eine Bronchopneumonie, im Deutschen übersetzt mit Lungenentzündung. Diese ist für Kinder- und Jugendliche eigentlich nicht gar so schlimm, sondern eher als eine schwere Bronchitis zu verstehen, die natürlich gut und konsequent behandelt werden muss.

Eine schlimme Erkrankung hingegen ist die Lobärpneumonie. Auch diese wird in der deutschen Sprache „Lungenentzündung“ genannt. Im Gegensatz zur Bronchopneumonie tritt die Lobärpneumonie aber in einen Teilbereich oder in einem ganzen Lungenlappen auf. Das ist eine sehr gefährliche und schwere Erkrankung. In aller Regel ist hier eine stationäre Behandlung und intensive Therapie über viele Wochen erforderlich, um Komplikationen zu vermeiden.

Das Asthma bronchiale ist eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Produktion von besonders zähem Schleim, der schwer abhustbar ist. Beim Asthma steht die Enge der Atemwege im Vordergrund. Hierbei kann Luft recht gut in die Lunge eindringen. Das Abatmen ist jedoch erschwert, so dass bei den schwereren Verläufen Atemnot durch Überblähung der Lunge auftritt.

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Husten. Dazu zählen Fremdkörper (z.B. Nüsse, die ins Bronchialsystem gelangen). Oder die Reizung der Bronchien durch giftige Gase wie etwa Zigarettenrauch. Eine Reizung der Bronchien kann auch mechanisch durch kleinste Teilchen (z.B. nach Arbeiten mit Glaswolle) auftreten und sehr unangenehm sein. Zunehmend häufiger wird auch ein funktioneller Husten (etwa als Verlegenheitshusten) festgestellt, bei dem der Betroffene gesunde Atemwege hat, aber aber auf andere oft seelische Belastungen mit Husten reagiert. Die Mukoviszidose ist eine Erkrankungen mit häufig schwerwiegender Entzündung der Bronchien.  …… Die Liste der Erkrankungen mit Husten ist sehr lang und schließt auch viele Erkrankungen mit ein, die – wie die Refluxkrankheit des Magens- ursprünglich nichts mit den Atemwegen zu tun haben.

Wichtigste Konsequenz: Husten ist nicht gleich Husten. Husten muss erst als Symptom einer bestimmten Krankheit verstanden werden, bevor eine Behandlung eingeleitet werden kann (sofern so etwas überhaupt sinnvoll ist). Und bis zum Beweiß des Gegenteils ist Husten erst einmal sinnvoll.

Also Hustensaft? Was ist das eigentlich?

Wenn man ehrlich ist, ist Hustensaft ein Beruhigungsmittel für die Eltern. Das klingt brutal. Eltern machen sich Sorgen, sie leiden mit ihrem hustenden Kind mit und wollen ihm helfen. Also bietet die Industrie Ihnen was sie suchen. Das Problem ist nur: Alle diese Säfte wie der bekannte Mucosolvan©-Saft, helfen eigentlich nicht (zumindest hat bis heute niemand bewiesen, dass Mucosolvan© bei den genannten Erkrankungen etwas entscheidend verändern würde). Und die anderen Säfte (wie Codipront©) senken – vermeintlich – zwar den Hustenreiz. Aber ist das sinnvoll? Wenn die Bronchien im Rahmen einer Entzündung vermehrt Schleim produzieren, dann muss dieser wegtransportiert werden. Das bedeutet also: Husten. Wenn man den Husten unterdrückt, bleibt Schleim liegen mit dem Risiko, dass sich die Entzündung bis hin zur Lungenentzündung weiter ausbreiten kann.

Was können Sie als Eltern also tun?

  • Sie können Ihr Kind immer trösten, ihm beistehen, ihm Mut machen. Das brauchen nicht nur Kinder und Jugendliche, wenn sie krank sind.
  • Brustwickel können den quälenden Husten lindern. Wenn Ihr Kind anderer Meinung ist, nehmen sie ihn wieder weg.
  • Mit guter Luft (kein Zigarettenrauch, oft Lüften des Zimmers) können Sie den Reiz für die Bronchien mindern.
  • Wenn Ihr Kind gerne trinkt wird darüber der Schleim flüssiger und leichter abhustbar. Trinken also anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Und wenn der Husten schlimmer wird: dann müssen Sie den Arzt aufsuchen. Der wird klären, wie der Husten zu verstehen ist. Dafür wird er die Lunge abhören, sich den Rachen ansehen und manchmal auch die Nasenschleimhaut

Es hat sich beim Infekthusten leider nichts entscheidendes verändert: Mit Medikamenten dauert er 1 Woche, ohne Medikamente 7 Tage!

Kinderkrankheit Keuchhusten – gefährlich und stressig

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, kommt aber im Herbst und Winter gehäuft vor.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, „keuchenden“ Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet. Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.

Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten. Auf youtube können Sie den typischen Husten hören und mitfühlen. Die Hustenattacken sind vorwiegend nachts und diese Aufnahme macht nachvollziehbar, wie sehr und lange ein Kind leiden muss. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.

Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese
und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In einigen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere
Ansteckung rasch gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950-ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR!) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem „neuen“ sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: „Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ
schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen“, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). „Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.“ Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre.
Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der „Tetanus-Impfung“ zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollten. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©)-Impfstoffe enthalten.

Damit schützen Erwachsene sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

Abbildung 2: Kinder für den Keuchhustenflug vor der Fokker F. VII A, HB-LBO in Dübendorf. Foto: ETH Zürich

In Ermangelung von Antibiotika (sie wurden erst in den 1940-ger Jahren entwickelt) oder einer effektiven Impfung (ein erster Impfstoff wurde 1933 erprobt) hat man lange Jahre auf Keuchhustenflüge mit offener Kabine gesetzt. Die Überlegungen gibt eine zeitgenössische Bildbeschreibung des Swissair-Marketings wider: „Keuchhustenflüge: werden von der Swissair vom Flugplatz Dübendorf (Anmerkung: bei Zürich) aus durchgeführt. Die Kinder werden bei offenen Kabinenfenstern bis in eine Höhe von ca. 3000 m geführt, wo während längerer Zeit gekreist wird. Die Flugdauer beträgt ca. 1 Stunde. Bei einer Beteiligung von 6 Personen kommt ein Flugpreis von Fr. 50.- pro Passagier zur Anwendung, bei mindestens 8 Personen von Fr. 40.- oder mit einem 2-plätzigen Maschinentyp Fr. 45.- pro Person und Stunde. Die Flüge finden nur bei günstiger Witterung statt. Nach ärztlicher Statistik konnte in 80% der Fälle eine merkliche Besserung oder Heilung des Keuchhustens nach dem Höhenflug festgestellt werden.“ Wegen Flugzeugabstürzen wurden diese Flüge in der Nachkriegszeit bald eingestellt. Nach einer Veröffentlichung von Richard Rehsteiner (Kinderarzt aus St. Gallen) mit dem Titel „Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis“ (Nov. 1946) nutzte man die 1935 neu erbaute Säntisbahn. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem
Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Heute haben wir andere Probleme. Und eine insgesamt gute Therapie. Wir könnten fast allen Kindern helfen, wenn wir die Empfehlungen zur Impfung konsequent umsetzen würden. Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit, aber noch immer nicht harmlos (siehe das Video).

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.

Fieber

Mit dem beginnenden Herbst kommt bald wieder die Zeit der Infektionen. Diese sind in vielen Fällen von Fieber begleitet, das den Kindern Stress und Eltern Angst macht. Dennoch: Fieber ist keine Krankheit. Es ist ein wichtiges Symptom, mit dem der Körper eine Fehlermeldung signalisiert – ähnlich wie die Kontrollleuchte in einem Auto.

Krankheiten bei denen Fieber auftritt sind sehr häufig. Mit Abstand am häufigsten tritt Fieber bei Infektionen mit Viren oder Bakterien auf. Diese Krankheitserreger können Stoffe freisetzen, die im Gehirn eine Veränderung des „Temperatur-Sollwertes“ herbeiführen. Das Gehirn (genauer die Region des Hypothalamus im Gehirn) gibt dem Körper dann beispielsweise den Befehl, statt einer Körpertemperatur von 37 Grad für eine Körpertemperatur von 39.2 Grad zu sorgen. Falls diese Veränderung rasch eintreten soll, kann der Körper dies mit einem Schüttelfrost „erreichen“. Durch die Muskelzuckungen wird der Körper einfach schneller warm. Aber auch andere Krankheiten können Fieber machen: Rheuma, Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder auch das sog. „Heufieber“, also der allergische Heuschnupfen. Fieber ist also nicht immer Zeichen für eine Infektion.

Wie messe ich die Körpertemperatur?

Die normale Körpertemperatur sollte im After (rektal) gemessen morgens in Ruhe immer unter 37.5 Grad Celsius liegen. Diese Messung ist die genauste. Rektale Temperaturen über 38.0 Grad sind immer auffällig und bedürfen einer Erklärung. Einigermaßen zuverlässig ist die Messung unter der Zunge, alle anderen Messungen weisen höhere Unsicherheiten auf. Bei der Messung mit dem Ohrthermometer wird oft eine zu niedrige Temperatur gemessen, wenn es nicht gelingt, das Trommelfell sicher anzupeilen.

Ist jede erhöhte Temperatur immer auch Fieber?

Nein. In den meisten Situationen ist der Sollwert des Gehirns korrekt, das Gehirn sagt also dem Körper: Halte die Temperatur bei 37 Grad. Es kann jedoch vorkommen, dass es dem Körper nicht gelingt, die auftretende Wärme abzugeben, wie bei einer Kissenschlacht. Es wird dann zu viel Wärme produziert und die Wärmeabfuhr ist vielleicht durch Wassermangel (z.B. hat ein Kind vor Aufregung auf dem Geburtstagsfest zu wenig getrunken) nicht ausreichend möglich. Auch Durst kann also die Temperatur ansteigen lassen, weil die Flüssigkeitsmenge für ein kräftiges Schwitzen nicht mehr ausreicht. Das nennt man medizinisch dann nicht Fieber, sondern HyperthermieIn diesem Fall will also der Hypothalamus dass die Temperatur bei 37 Grad liegt, aber der Körper kann das nicht umsetzen. Ein anderes Beispiel für eine Hyperthermie ist das zu warm angezogene Kind („….. es könnte sich erkälten“). Oder der Bauer, der im Sommer eine Wiese mit der Sense mäht und sich erschöpft unter einen Baum setzt. Wenn er dann Schatten hat und etwas trinkt, kommt die Temperatur von vielleicht 39 Grad innerhalb kurzer Zeit wieder auf Normalwerte zurück. Ohne dies zu messen spürt der Bauer, dass er wieder weitermachen kann.

Ist Fieber sinnvoll?

Im Infekt meistens. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Fieber zur Abwehr von Erregern wirksam ist. Aber es kann auch negative Folgen haben. Der Körper ist beim Fieber hohen Anstrengungen des Kreislaufs ausgesetzt. Fieber führt – wie wir alle erlebt haben – auch zu subjektiven Missempfindungen mit Angstträumen. Bei Kleinkindern können auch Fieberkrämpfe auftreten.

Was muss ich bei Fieber machen?

Zunächst muss mit den anderen Symptomen zusammen entschieden werden, ob Gefahr im Verzug ist. Fieber alleine ist meist kein Problem. Wenn aber zusätzlich Schläfrigkeit des Kindes auftritt, kann dies im schlimmsten Fall auch der Beginn einer Hirnhautentzündung sein. Bei grösseren Kindern und Jugendlichen ist das meist einfach zu klären, bei Kleinkindern sollte im Zweifelsfall ein Kinder- und Jugendarzt hinzugezogen werden.

Handelt es sich um einen „einfachen“ Infekt ist zunächst Flüssigkeitszufuhr wichtig. Daneben sollte das Kind warm zugedeckt werden, wenn sich sein Körper eher kalt anfühlt. Es sollte jedoch eher aufgedeckt werden, wenn es zu schwitzen beginnt. Das ist dann in aller Regel ein Hinweis auf die einsetzende Fiebersenkung. Unterstützend sinnvoll können Wadenwickel sein, wenn das Kind sie annimmt und die Beine warm sind (!).

….. und Medikamente?

Sie sind oft hilfreich, um unangenehmen Folgen des Fiebers entgegenzuwirken. So senken Arzneien wie Paracetamol (ben-u-ron© und andere) oder auch Ibuprofen (Dolormin©, Nurofen©) den erhöhten Sollwert im Gehirn. Der Körper bekommt also den Befehl „von oben“, statt beispielsweise 39.2°C die Temperatur auf 38.3°C zurückzufahren. Das Fieber sinkt. Meist aber nur für wenige Stunden. Aber das ist für den Kranken schon angenehm. Vergessen Sie dabei nie, wie Sie sich selbst mit Fieber fühlten! Diese Medikamente sind je nach Alter bei Temperaturen von 39.5 bis 40.5 Grad Celsius oft sinnvoll, aber teilweise auch bei geringeren Temperaturen, wenn gleichzeitig Schmerzen geklagt werden. Denn dagegen ist Paracetamol oder Ibuprofen auch hilfreich. Es ist auch verständlich, dass Fieber in der Einsamkeit der Nacht schlimmer ist, als wenn um das Kind herum tagsüber viel Ablenkung ist. Also, im Zweifelsfall zur Nacht eher mal großzügiger sein – und am Tag eher „geiziger“, wenn das Kind unter guter Beobachtung steht.

Gibt es Nebenwirkungen?

Ja. Deswegen sollte auch nicht bei jeder Temperaturerhöhung ein Medikament gegeben werden. Sie sind aber zum Glück selten. Unerwünschte Wirkungen treten bei einer Überdosis auf. Eine schwerwiegende Nebenwirkung von Paracetamol ist Fieber, also genau das, was wir eigentlich behandeln wollen. Das heißt, es kann schwierig sein, zu erkennen, ob das Fieber Krankheitszeichen oder bereits eine Nebenwirkung bei Überdosis ist. Wenn Sie die verordnete Dosis nicht überschreiten und z.B. Paracetamol maximal 3 Mal in der angegebenen Dosis am Tag geben, kann Ihrem Kind aber nichts passieren. Häufige Gabe von Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen über Jahre hat weitere, teils schwere Folgen. Das ist aber eher ein Problem von Erwachsenen.

Fazit

Wenn Ihr Kind also Fieber hat beachten Sie immer auch die anderen Zeichen: Wie geht es meinem Kind? Ist es wesensverändert oder jammert es nur über die Symptome Husten/ Schnupfen? Habe ich eine Erklärung für das Fieber? Eine Vorstellung beim Arzt ist umso wichtiger, je kleiner das Kind ist, also insbesondere bei Säuglingen. Im Zweifelsfall einfach beim Kinder- und Jugendarzt anrufen und nachfragen.

Lärm – nicht nur laut!

Die Umwelt wird immer lauter. Im Sommer fallen da erstmal die Motorräder auf, die mit röhrenden Motoren Aufmerksamkeit erregen wollen. Und das meist dort, wo viele Menschen sind, die sich dann umdrehen. Auto-Poser haben vier Räder unter sich, aber die gleiche Intention. Lärm machen natürlich die üblichen Verdächtigen, über die alle Menschen im Chor sich beschweren: Flugzeuge, Industrie, Baustellen, Autos in der Masse. Der Rasenmäher (des Nachbarn), der Hund (des Nachbarn) und wiederum der Nachbar, wenn er grillt.

Lärm machen wir aber sehr oft selbst. Kaum ein Betrieb, in dem nicht eine Hintergrundmusik läuft, kaum ein Restaurant, das ohne Beschallung auskommt. Und wenn diese Musik mal nicht läuft, laufen viele Menschen durch die freie Natur – mit Ohrhörern. Ob in-ear oder on-ear.

Für Kinder kommen Spielzeuge in der Art Kinderpistolen und Trillerpfeifen als Lärmverursacher spezifisch hinzu. Später, als Jugendliche, ist Musik in Clubs ein enormer Faktor, abgesehen von der zusätzlichen Schallbelastung im Alltag mit lauter Musik über Ohrhörer.

Der Lärm in Städten verteilt sich nicht gleichmäßig. Eine Lärmkarte aus Berlin zeigt, welche Bedeutung der Luftverkehr hat (oranger Streifen im oberen Teil der Karte). Für die übrigen Bezirke ist die Nähe der jeweiligen Wohnung zur nächsten Straße von Bedeutung.

Das Gehör wird gerade im Kindesalter oft als gesund vorausgesetzt. Prävention wird praktisch nie betrieben, weil das Hören auch im Alltag von Erwachsenen wenig beachtet wird. Dabei zeigte schon der Kinder-Umwelt-Survey (KUS), dass bereits 12.8% der Kinder von 8-12 Jahren eine zumindest leichte Hörbeeinträchtigung haben.

Lärm hat aber noch wesentlich gravierendere Langzeitfolgen in Bezug auf Blutdruck, Schlaf und seelische Gesundheit.

Der Wasser-Wahn

Nach einem Regentag ist ein Waldspaziergang am Morgen eine intensive sinnliche Erfahrung. Noch gibt es leichte Bodennebel, die den Duft der Erde, des Getreides oder des modrigen Holzes zu einem Fest für die Nase machen. Beste Luftqualität, in feine Duftnoten verpackt und – kaum zu glauben – kostenlos.

Warum sollte ich auch für Luft bezahlen? Sie gibt’s in rauen Mengen allüberall auf der Erde. Und manchmal haben von der sauberen Luft sehr arme Menschen mehr als reiche, die in den Metropolen in einem Loft wohnen. Wird sich das mal ändern? Werden uns Unternehmen in wenigen Jahren Luft verkaufen? Abwegiger Gedanke?

Abbildung 1. Verbrauch an Mineralwasser aus Flaschen von 1970 bis 2017. Foto: de.statista.com

Beim Wasser haben sie es geschafft. In den letzten Jahrzehnten wurde uns mit geschickter Werbung nahegelegt, für Wasser zu bezahlen. Im Jahre 1970 lag der Verbrauch an Mineralwasser noch bei 12,5 Liter/ Einwohner in Deutschland. Wie die nebenstehende Graphik (Abbildung 1) zeigt, stieg dieser bis 2015 auf 149 Liter, um danach wieder leicht abzufallen. Die Werbung hat sich also gelohnt. Hinzu kam, dass wir in den letzten Jahrzehnten das amerikanische Verhalten kopierten: In allen Lebenslagen ein Getränk mit sich führen. Um die Ecke könnte ja die Wüste beginnen.

Aber brauchen wir Wasser von der Mineralquelle? In Deutschland und einigen anderen Ländern wie der Schweiz und Österreich ist die Qualität aus dem Wasserhahn hervorragend. Das hat zuletzt die Stiftung Warentest im August 2016 an 28 verschiedenen Orten in Deutschland nochmals eindrücklich belegt.

Eine genaue Betrachtung zeigt, dass es für Getränke aus der Flasche kaum vernünftige Argument gibt.

Das fängt bei den Kosten an. Ein Liter Leitungswasser kosten uns maximal 0,2 Cent. Ein Liter Mineralwasser aus der Flasche kostet im günstigsten Fall das 65-fache: 13 Cent. Das erscheint erstmal nicht viel zu sein. Wenn man den Wasserkonsum – manche trinken ja auch Kaffee, Säfte oder Bier – sehr konservativ mit 1 Liter pro Tag ansetzt kommen doch fast 50 € pro Jahr zusammen.

Die Kisten von Mineralwasser müssen irgendwie nach Hause kommen. Der Transport kostet erstmal Zeit, Kraft (meist einseitig und nicht günstig für die Wirbelsäule) und Aufwand (Pfandflaschen zurückbringen, Pfandbon nicht verlieren). Frisches Wasser aus der Leitung – der pure Luxus. Und fast kostenlos.

Nicht zu vergessen die Umweltbelastung. Heute trinken feine Leute in Hongkong Perrier aus dem Rhônetal. Für Amerikaner ist es hingegen hipper Fiji-Water (ein Wasser aus einem artesischen Brunnen in Fidschi) zu trinken. Da mutet der Transport von Flaschen in Deutschland recht harmlos an. Dazu kommt weiterer Energie- und Wasserverbrauch durch Reinigung der Flaschen und der Abfüllanlagen. Der Energieverbrauch soll das 500-fache gegenüber dem Leitungswasser betragen. Nicht zu vergessen die Müllbelastung für die PET-Flaschen, die nur zu etwa 20% wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Und der Müll landet am Ende oft im Meer – widersinnig, in der grössten Wasserquelle dieser Erde.

Auch die mikrobiologische Qualität ist letztlich beim Leitungswasser meist am besten. Es wird permanent untersucht. Im Bedarfsfall darf in Spuren eine Behandlung mit Chlor erfolgen, wobei die Wasserwerke zunehmend auf Desinfektion mit UV-Strahlen umstellen. Je nach Region können weitere unerwünschte Belastung auftreten durch Chrom, Pestizide, Nitrate und Medikamente. Diese Belastungen treffen jedoch auch die Mineralwässer (siehe Stiftung Warentest Juli 2017). Und je nach Wartezeit im Regal des Supermarktes, nimmt die Belastung mit Mikroorganismen zu.

Das ist alles reichlich seltsam. Und vielleicht ein Anstoß, dass wir selber unser Verhalten etwas ändern:

Wir können Kindern vorleben, dass Leitungswasser gut ist. Das gilt für alle Kinder ab 1 Jahr. Denn in landwirtschaftlichen Gegenden findet bis heute noch Überdüngung statt und die führt zu einem hohen Nitratgehalt, der für Kinder im Säuglingsalter problematisch sein kann. Immerhin nimmt sich die Politik langsam dieses Problems an.

Wer’s sprudelig mag, der kann sich seinen eigenen Sprudel aus Leitungswasser machen. Erste Hinweis hierfür gibt das Ministerium für Ernährung.

Als Trinkwasser wird Wasser mit hohem Mineralgehalt oft geschmacklich besser eingeschätzt. Das kommt in einigen Regionen direkt aus der Leitung – im Schwarzwald jedoch wegen des Granitgesteins weniger. Das Wort „Mineralwasser“ suggeriert, dass Flaschenwasser viele Mineralien enthält. Das ist heute nicht mehr so. Saskia von LIDL enthält beispielsweise je nach Quelle nur 140 mg/Liter (Löningen), das Leitungswasser von Bad Dürrheim enthält immerhin 700 mg/Liter.

Ein wachsendes Problem für Leitungs- und Mineralwässer sind die Medikamentenrückstände. Diese gelangen auf verschiedenen Wegen vom Patienten ins Abwasser. Vermutlich noch belastender als eingenommene Medikamente sind Cremes (Sonnencreme oder „Schmerzsalben“ wie Voltaren® Emulgel), deren Verbrauch riesig ist. Daten über die Umweltfolgen liegen jedoch nur spärlich vor. So ist bekannt, dass Diclofenac (Wirkstoff in Voltaren®) nachweislich die Nieren von Fischen schädigt. Zu diesem Thema gibt es eine aktuelle Publikation im Deutschen Ärzteblatt. Als Verbraucher können wir im Umgang mit Medikamenten vorsichtiger sein.

Abbildung 2. Wie viel Wasser wird in Europa aus Flaschen getrunken. Riesige Unterschiede. Klappt die Werbung in einigen Ländern besser? Oder trinken Schweden aus den zahlreichen Seen? Foto: www.reddit.com

„Trinken Sie viel“ – sagt so mancher Arzt. Außer in besonderen Lebenssituationen (mit eingeschränktem Bewusstsein) kann das kein vernünftiger Ratschlag für gesunde Menschen sein. Es sagt ja auch keiner, „atmen Sie genug“. Das sind Prozesse, die unser Körper selber regelt. Wer Durst hat trinkt. Wer nicht: nicht. Die nebenstehende Graphik (Abb. 2) zeigt, dass nicht alle Länder von diesem Wasser-Trink-Wahn befallen sind. Gerade die Schweden greifen wenig auf Flaschen-Wasser zurück.

Vergessen wir also selbsternannte „Experten“ mit halb gegorenen Studien. Und vertrauen wir  auf den Durst, der die Menschheit bis heute gut geleitet hat. Sorgen wir lieber mit unserem Verhalten dafür, dass auch unsere Kinder weiterhin vom guten Wasser trinken können.

Zucker……nur süß?

Zuckersüß. Zucker ist süß. Aber ist er so nett, wie er oft verstanden wird?

Zucker wird in einigen Ländern zunehmend kritischer gesehen. Um Schäden durch Zucker zu vermeiden, haben manche Staaten Regelungen – „Zuckersteuer“ – getroffen, um den Konsum von Zucker insbesondere für Kinder einzuschränken. Die skandinavischen Länder, Frankreich, Ungarn, Mexiko und zuletzt Großbritannien waren in dieser Hinsicht aktiv. Neue Daten, vor 2 Wochen im angesehenen Fachjournal Lancet von Robert Marten et al. veröffentlicht belegen, dass die Maßnahmen in Mexiko gegriffen haben. Im ersten Jahr sank der Verkauf an zuckergesüßten Getränken um 5%, im zweiten Jahr bereits um nahezu 10 Prozent. Dennoch weist in Deutschland die zuständige Ministerin Julia Klöckner die Aufforderung nach einer Steuer auf zuckerhaltige Produkte zurück.

Die medizinischen Grundlagen sind komplex. Tatsächlich sind vereinfacht gesagt Kalorien nicht gleich Kalorien. Das hängt unter anderem mit dem glykämischen Index (GI) zusammen. Dieser wird aus dem Vergleich des Blutzuckeranstiegs nach einer Mahlzeit ermittelt (in Relation zu Traubenzucker). Je höher der Wert liegt, um so eher wird das Hormon Glucose-abhängiges Insulinotropes Peptid (GIP) freigesetzt. Dieses führt zur Fettleber und Insulinresistenz, wonach der Körper weniger auf das Hormon Insulin reagiert.

In der Summe führen nach verschiedenen Studien der Konsum von Kohlehydraten mit hohem glykämischem Index sowie der Zuckerkonsum zu Adipositas. Die Adipositas ihrerseits führt wiederum zu Diabetes mellitus Typ 2.

Tabelle 1. Verschiedene Nahrungsmittel und ihr Zusammenhang mit Glykämischem Index (GI) und Glykämischer Last (GL). Quelle: http://www.symptome.ch/blog/uebergewicht-metabolisches-syndrom/

Nahrungsmittel mit hohem GI sind beispielsweise Limonaden, Fruchtsäfte, Weißbrot, weißer Reis und Cornflakes. Dieser Wert alleine ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die gylkämische Last beschriebt den Zusammenhang genauer, da bei dieser Zahl auch der prozentuale Anteil der Kohlenhydrate am Gesamtgewicht mit einfließt. Die nebenstehende Tabelle 1 gibt einen kleinen praktischen Einblick in die Konsequenzen.