Kategorie: Witzig und Wahr

Kindernamen und Tiernamen: die Unterschiede schwinden

In der kinderärztlichen Praxis lassen sich die Trends bei der Namensgebung sehr leicht feststellen. Gelegentlich kann es dann vorkommen, dass in den Patientendaten ein Name für sieben verschiedene Kinder herhalten muss. Das ist tatsächlich meistens Müller in Kombination mit dem aktuell beliebtesten Vornamen. Das Lieschen hat aber als Vorname schon längst ausgedient.

Im letzten Jahr waren Emma (mit 2.04%) bei den Mädchen und Ben (mit 2.01%) bei den Jungen die beliebtesten Namen.

Auf dem Spielplatz kann’s aber kompliziert werden. Da können den Eltern schon mal sabbernde Vierbeiner statt ihrer Kinder entgegenkommen, wenn sie „Emma, komm her!“ rufen. Denn Emma ist bei den Mädchennamen zwar auf Platz eins, bei den Hündinnen aber immerhin auch auf Platz 5. Bei Mia (Platz 2 bei Mädchen) könnte eine Katze angeschlichen kommen, für die liegt dieser Name an fünfter Stelle.

Bei den Jungens ist’s ähnlich. Hier führen Felix (bei Katzen Platz 3) und Max (bei Hunden Platz 10) zu Verwechselungen.

Früher mussten andere Namen wie Muschi, Mausi, Mohrle, Pussy für die Tiere herhalten. Deren Inhalt hat sich geändert, keiner würde solch ein Wort ohne Gesichtsröte in der Öffentlichkeit rufen. Die Tiernamen haben sich also den Namen der Kinder in dem Maße angenähert, wie sie auch von den Menschen eingeschätzt werden. Immerhin bezeichnen 90% der Familien das Haustier als „vollwertiges Familienmitglied„.

Wie sagen Tierärzte so treffend: „Das letzte Kind hat Fell“

Hunde + Halter + Hygiene

Die Zahl der Haustiere in Deutschland nimmt seit Jahren zu. Dabei erhalten sich die Katzen in vielen Fällen noch Freiräume, indem sie nächstens draußen herumstromern. Hunde hingegen sind mehr an den Menschen gebunden – sie werden Gassi geführt.

Ziel dieser Spaziergänge ist in den meisten Fällen, dass der Hund sich seiner Notdurft entledigt. Und die findet sich dann auch zunehmend in den Städten, Stadtrandgebieten und inzwischen auch auf dem Lande an Orten aller Art. Abgesehen davon, dass soviel Kot nicht ansehnlich ist, stellt sich auch die Frage der Hygiene.

Dem hat sich nun eine Studie einer Arbeitsgruppe um Barbara Hinney vom Parasitologischen Institut der Universität Wien angenommen. Was die acht Forscher herausfanden ist spannend und entlockt einem auch ein leichtes Schmunzeln. Sie untersuchten die Hinterlassenschaft der Vierbeiner in allen Bezirken der Stadt Wien, in Mödling (16 km südlich von Wien) und in Wolkersdorf, einer ländlichen Gemeinde 24 km nördlich von Wien.

Dass im Kot viele Erreger zu finden sein würden, überrascht nicht weiter. Auch das Vorkommen von Toxacara cani – einem für Hunde typischen Parasit – verwundert nicht. In den etwa tausend Hundehaufen fanden die Forscher aber auch Trichuren mit einer Häufigkeit von 1.8%-7.5% sowie Giardia als die häufigsten Protozoen in 4.0%-10.8%. Die beiden letztgenannten Erreger sind auch für Menschen – und ganz besonders für Kinder – bedeutsam und krankmachend.

Es gab große Unterschiede in der Belastung mit diesen Parasiten. Es zeigte sich, dass Hundehaufen in Parkanlagen und auf Trottoirs mehr Erreger enthielten als solche, die ordentlich im Mülleimer entsorgt waren. Ob die Wohnbezirke dicht bewohnt waren oder nicht hatte jedoch keinen Einfluss auf die Belastung mit Parasiten. Auf dem Land war der Befall übrigens deutlich höher als in der Stadt.

Das bestätigten mir auch die Männer meiner Stadtreinigung auf ihrer Tour, die Kanalisation zu reinigen. Gerade im Stadtzentrum sei die Belastung durch offen-liegenden Kot und in Müllsäcken verpacktem Kot enorm. Auch andere Reinigungskräfte können uns direkte Berichte über die wahre „Ordnungsliebe“ unserer oft sittsam daherkommenden Zeitgenossen geben.

Die Forscher vermuten ein „unterschiedliches Hygienebewusstsein der Hundehalter“. Denn die ordentlich entsorgten Hinterlassenschaften der Hunde waren deutlich weniger von Parasiten befallen. Sie weisen nochmals klar darauf hin, dass Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere ordentlich in Tüten entsorgen sollten. Nur dadurch kann das Risiko für Mensch und Tier gering gehalten werden.

Gerade Kinder, die durch ihren Forscherdrang eher mal geneigt sind, sich dem Kot der Tiere zu nähern, sind besonders gefährdet. Aber auch auf Feldern versteckter Kot kommt irgendwann einmal in der Nahrungskette an und trifft uns dann alle.

🎈 25 Jahre praxisblättle

Das praxisblättle wird in diesem Monat ein Vierteljahrhundert alt. Zu Beginn, in seiner ersten Ausgabe vom Dezember 1993 hieß es noch s’praxis-blättle.

Abbildung 1. Erstausgabe des praxisblättle aus dem Dezember 1993. Foto: ptw

Damals kam es tatsächlich noch auf Papier, als Blatt – als Blättle. Immerhin wurde das praxisblättle von Anfang an am Computer erstellt. Dessen Ausdruck wurde dann schlicht am Fotokopierer vervielfältigt. Meistens in irgendeiner Farbe, um’s ein bisschen peppiger zu machen. Die Abbildung rechts zeigt die Erstausgabe – in orange.

Fünf Jahre gingen ins Land, bevor das praxisblättle dann als Email erschien. In Abbildung 2 ist die Septemberausgabe aus dem Jahre 2002 in Auszügen wiedergeben. Mit der Email waren mehr Möglichkeiten für die Darstellung der Inhalte gegeben. Und der mühsame Zeitaufwand des Fotokopierens fiel weg. Und für alle Bezieher: Fortan war das praxisblättle kostenlos, nachdem zuvor jeweils 10 Pfennige zu berappen waren.

Abbildung 2. praxisblättle als Email aus dem September 2002. Foto: ptw

Es kamen immer wieder einzelne Verbesserungen, bevor die Email ein rundum neues Design – bunt und mit Bildern – ab Januar 2005 erhielt.

Abbildung 3. Artikel zum Thema Feinstaub aus dem August 2013. Foto: ptw

Mit Einführung des Blogs kam 2012 eine neue Ära. Die Verwaltung von Mail-Adressen fiel weg. Wer Interesse hatte konnte sich fortan jederzeit die Inhalte im Internet ansehen. Neue Beiträge im praxisblättle erschienen nun mehrmals pro Woche, meist drei Mal. Damit einher ging auch eine weitere Neuerung, die gut angenommen wurde: Die Kategorie: „Was geht rum?“. Jeden Samstag konnten die Leser nachsehen, was medizinisch Aktuelles vorlag.

In der aktuellen Form präsentiert sich das praxisblättle nach seit dem letzten Relaunch mit dem Jahreswechsel im Januar 2018. Das neue Format erlaubt längere Beiträge, verbunden mit gut lesbaren Hinweisen als Graphiken und auch Videos. Für Interessierte ist in aller Regel auch die Literaturquelle zu wichtigen Themen direkt mit einem Klick abrufbar.

Natürlich haben wir schon weitere Ideen um das praxisblättle weiter aktuell zu halten. Aber die müssen wie alles erstmal reifen.

An Geburtstagen darf man sich gemeinhin etwas wünschen, oder? Wir vom praxisblättle wünschen uns Rückmeldungen und Diskussionen mit unseren Lesern. Als wir die Häufigkeit unseres Blogs „Was-geht-rum?“ reduzieren wollten, haben viele von Ihnen uns rückgemeldet, wie wichtig Ihnen dieser Blog ist. Das war uns Anregung und Ansporn zugleich. Warum nicht auch zu anderen Themen?

Bleiben Sie uns auch in Zukunft gewogen.

Schwiegermutter und Kinderzahl? Ja, da gibt’s was.

Großeltern sind für viele Familien im Lebensalltag nicht wegzudenken. Sie betreuen die Kinder, wenn Eltern arbeiten und häufig auch, um sie zu entlasten. Damit ermöglichen sie eine andere Familienplanung, denn sie sind im Notfall für Eltern erreichbar.

Das steht im Gegensatz zum früheren Bild der bösen Schwiegermutter, die vor über 200 Jahren von den Gebrüdern Grimm beschrieben wurde. Aber dennoch werden sie heute noch so erlebt. Der geliebte Sohn ist ausgezogen und in ihrer Einsamkeit fangen sie an zu nerven, um Aufmerksamkeit zu bekommen: ungefragte Ratschläge für Haushalt und Kindererziehung, ständige Anrufe und Besuche. So kann die Beziehung zur Schwiegermutter ordentlich belastet werden.

Tabelle 1. Darstellung der Daten der einzelnen Länder. Foto: Originaltabelle aus Huber S et al., 2017

Forscher vom Departement für Anthropologie der Universität Wien haben sich nun wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt. Susanne Huber, Patricia Zahourek und Martin Fieder werteten die Daten von nahezu 2,5 Millionen Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren aus 14 Ländern aus (siehe Tabelle 1 rechts). Dabei zeigte sich, dass nur knapp 13% aller Mütter in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrer eigenen oder der Schwiegermutter lebten. Die Mehrheit lebte als Kernfamilie ohne die Elterngeneration. In den USA waren das 97,11% (Daten von 1980), im Irak waren es aber nur 45,67% aller Frauen, die alleine mit ihrem Ehemann und den Kindern lebten (Daten von 1997) .

Tabelle 2. Alter der Mutter (x-Achse) und Kinderzahl (log – Darstellung in y-Achse). Nur die Eltern leben im Haushalt (schwarze Kurve) , die Mutter der Mutter lebt im Haushalt (grüne Kurve), die Mutter der Vaters lebt im Haushalt (rote Kurve). Foto: aus Studie von Huber S et al., 2017

In allen durchgerechneten Modellen fanden die Forscher, dass in allen Ländern außer im Irak (wo die meisten Familien zusammen Mutter und/oder Schwiegermutter im Haus lebten) vergleichbare Verhältnisse vorlagen: Mehr Kinder hatten Familien, wenn Eltern ohne Mütter oder Schwiegermütter im Haushalt lebten (siehe Tabelle 2 rechts). Hingegen führte bessere Bildung (beider Partner) sowie Leben in der Stadt zu einer geringeren Kinderzahl.

Ergänzend muss hinzugefügt werden: Die Daten stammten aus verschiedenen Epochen – zwischen 1973 (Pakistan) und 2010 (Sambia). Europäische Länder waren nur gering vertreten. Nur Griechenland und Rumänien. Klar ist auch, dass kulturelle Einflüsse nur schwer statistisch fassbar sind.

Dennoch, der Effekt der Mütter/ Schwiegermütter auf die Zahl der Kinder einer Familie ist gut belegt. Wie man das deuten soll, bleibt einer breiten Diskussion vorbehalten.