Schlagwort: Atemwegserkrankung

Was geht rum? 20. April 2019

Der Frühling ist da. Angenehme Temperaturen, zwitschernde Vögel, bunte Vielfalt an Blumen. Aber nicht nur die Blumen blühen, sondern auch Allergie auslösende Gräser, Büsche und Bäume. Und nicht zu vergessen die Zecken. Sie kommen zu voller Aktivität. In dieser Hinsicht haben sich seit letzter Woche keine grundlegenden Änderungen ergeben. Nur sind Pollen und Zecken noch aktiver als zuvor.

Abbildung 1. Flug der Birkenpollen im März und April 2019 (schwarze Balken) gegenüber dem langjährigen Durchschnitt (graue Fläche). Foto: pollenundallergie.ch

Was beim Ganzen oft in den Hintergrund gerät: die Sonne. Sie wärmt so herrlich und tut der Seele so gut. Aber, sie hat schon jetzt eine enorme Kraft. Für uns und unsere Kinder müssen wir also auch an den Sonnenschutz denken. Immerhin ist die Sonne heute so stark wie am 20. August, also mitten in den Sommerferien. Jetzt sind die Temperaturen halt angenehmer. Wie Sonnenschutz gut umsetzbar ist, finden Sie hier.

Abbildung 2: Praxisindex für Atemwegserkrankungen. Die rote Kurve (Saison 2018/2019) hat wie in den Vorjahren fast das Normalniveau wieder unterschritten. Die Infektwelle ist vorbei. Foto: AG Influenza

So bunt wie die Natur im April ist auch das Spektrum an Infektionskrankheiten. Die Grippe (Influenza) hat sich nahezu verabschiedet. Mit Ihr auch die anderen Infekte, wie die Abbildung 2 zeigt, ging der Praxisindex – er vermittelt die Veränderung bei den Atemwegserkrankungen – deutlich unter das Normalniveau zurück. Die Infektwelle ist zu Ende.

Die Zahl der Rotavirusinfektionen nimmt ebenfalls wieder ab. Weiterhin treten jedoch die einfachen Luftwegsinfekte auf, die selten von Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen begleitet sind. Streptokokkeninfektionen sowie vereinzelt Scharlach sind noch immer zu beobachten.

Was geht in der Welt rum? Mit Frankreich verbindet uns Deutsche ja eine enge Kooperation und Freundschaft. Leider sind wir auch bei den Masern auf einer Linie. In diesem Jahr sind in Frankreich bereits 573 Menschen daran erkrankt. Ganz besonders viele im Wintersportort Val Thorens (Region Auvergne-Rhône-Alpes) mit 53 Erkrankungen. Dort leben nur 800 Einwohner – aber übers Jahr kommen 300.000 Touristen. Die sollten sich vorher über den Stand ihrer Impfungen gute Gedanken machen.

Ich wünsche Ihnen frohe Osterfeiertage.

Was geht rum? 29. Dezember 2018

Der Trend zunehmender Atemwegserkrankungen setzt sich fort. Das wird deutlich, wenn man sich die neuesten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza ansieht. Diese liegen nun erstmals gezielt auch für Baden-Württemberg vor.

Abbildung 1. Dargestellt ist für verschiedene Altersgruppen, wie häufig sie sich beim Arzt vorgestellt haben. Die Kurve der 0 bis 4 Jahre alten Kinder (leuchtend grün) ist oben im Diagramm zu sehen, darunter die Kurve der 5 bis 14 Jahre alten Kinder (dunkelgrün). Die durchgehende Kurve (braun) zeigt die Daten aller Patienten der letzten Grippesaison. Foto: RKI

 

Aus der Darstellung (Abbildung 1) wird deutlich, dass die Atemwegsinfekte weiterhin zunehmen. Gegenüber dem Vorjahr liegen sie jedoch im erwarteten Bereich. Einzelne Grippefälle (Influenza) wurden in Baden-Württemberg gesichert, eine Grippewelle liegt jedoch nicht vor.

Im Wesentlichen treten momentan Atemwegsinfektionen durch Rhinoviren ausgelöst auf. Diese sind für den Einzelnen sehr lästig (Schnupfen, Husten, nächtliche Schlafstörungen, Müdigkeit), aber kaum gefährlich.

Infektionen der Atemwege sowie Verschlechterungen bei Erkrankungen wie Mukoviszidose und Asthma bronchiale werden durch viele Faktoren begünstigt. Unter diesen kommt dem Feinstaub eine zunehmende Rolle zu. Seit dem Dieselskandal ist dies fast schon Allgemeinwissen. Ab kommendem Jahr soll die Belastung der Luft durch Fahrverbote bekämpft werden. Fast einfacher erscheint es da, an Sylvester das Feuerwerk einzuschränken. Wie das Umweltbundesamt mitteilt, entspricht die durch Feuerwerk ausgelöste Menge an Sylvester 15.5% der Jahresbelastung an Feinstaub, die der Straßenverkehr in Deutschland verursacht.

In Bezug auf Kinderkrankheiten gibt es in Baden-Württemberg keine Trends.

Was geht in der Welt rum? Masern – und kein Ende. Die Zahl der Masernerkrankungen in Israel für 2018 liegt bereits bei 2700 Personen. Wie jetzt bekannt wurde, saß eine ansteckender  Passagier im Flug LY 356 der israelischen Fluggesellschaft EL AL, der am 16. Dezember 2018 um 19:30 Frankfurt verließ. Ehrenwert, dass eine Fluggesellschaft das bekannt gibt. Das darf auch als indirekter Hinweis zur Sicherstellung eines guten Impfschutzes angesehen werden. Aus Madagaskar gibt es keinen solchen Hinweis, aber die gemeldeten Erkrankungsfälle steigen weiter massiv an. Das Gesundheitsministerium gab bekannt, dass in den letzten 3 Monaten bis zum 21. Dezember insgesamt 15049 Menschen an Masern erkrankt seinen. Fast zwei Drittel kommen aus Antananarivo, der Hauptstadt, während die anderen Großstädte (Toamasina und Mahajunga) deutlich weniger betroffen sind.

Es liegt was in der Luft …. Feinstaub trifft alle, besonders die Kinder!

Luft wird nur durch Belastungen wie etwa Rauch oder Sand sichtbar. Aber schon die unsichtbare Luft enthält oft Stoffe, die die Gesundheit aller Menschen massiv belasten können. Die Affäre um Dieselautos hat dies nochmals gezeigt. Obwohl es hierbei mehr um den vertuschten Betrug als um die Belastung für die Gesundheit ging.

Es gibt zunehmende Belastungen für die Gesundheit aller Menschen. Sie treffen ganz besonders die jungen Menschen. Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) hat für das Jahr 2015 berechnet, dass weltweit eine Million Kinder im Alter unter 5 Jahren an einer Infektion der unteren Atemwege (LRI) verstorben sind. Zu diesen Infektionen gehören neben der Lungenentzündung auch die Verengungen der kleinsten Atemwege (Bronchiolitis) und Asthma bronchiale.

Abbildung 1. Sterblichkeit durch die Umwelt-Luft-Belastungen weltweit. Je dunkler eine Region gezeichnet ist, umso höher (jeweils bezogen auf 1000 qkm Fläche) ist die Zahl der Todesfälle, die über weltweiten den Durchschnitt hinausgehen. Foto: The Lancet

In einem Atmosphärenchemiemodell haben kürzlich die drei Forscher Jos Lelieveld, Andy Haines und Andrea Pozzer aus Mainz und London nun berechnet, welchen Einfluss die Umweltbelastungen auf die Gesundheit weltweit haben. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der angesehenen medizinischen Zeitschrift The Lancet veröffentlicht. Die wesentlichen Bedrohungen für Erkrankung und Tod gehen vom Ozon und ganz besonders vom Feinstaub aus. Bei letzterem sind vorwiegend die Teilchen bedeutsam, die extrem klein sind (Durchmesser bis maximal 2.5 µm – PM2.5) und die somit bis in die tiefen Atemwege gelangen können. Dort, im empfindlichsten Teil der Lunge, können sie bedeutsame Schäden anrichten.

Sie fanden heraus, dass im Jahre 2015 weltweit 237.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren an den Folgen der Feinstaubbelastung mit nachfolgenden unteren Atemwegsinfektionen (LRI) verstarben. Davon 107.000 im dicht besiedelten Asien und 128.000 in Afrika. Diese Todesfälle durch Feinstaubbelastung für die Atemwege sind weltweit für 18% des Verlusts an Lebenserwartung verantwortlich.

Sind unsere Kinder nun diesen Gefahren immer schutzlos ausgesetzt? Die Autoren betonen in diesem Zusammenhang, dass sehr wohl Besserung möglich ist. In Bezug auf die besonders Armen aber nur durch eine Mischung von drei Maßnahmen:

  1. massive Reduktion der Feinstaubbelastung
  2. Bekämpfung des Hungers, der die Abwehr des Körpers gegen vielfältige Belastungen – auch Infektionen –  herabsetze
  3. gezielte Behandlung umweltbezogener Gesundheitsstörungen

Dass dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt, zeigt die momentane Belastung mit Feinstaub. Weltweit stieg die Belastung mit PM2.5 von 40.5 µg/m3 seit dem Jahr 2010 auf 44.0 µg/m3 im Jahre 2015 – also in nur fünf Jahren. Auf welch dramatischem Niveau wir uns bereits bewegen zeigt die Einschätzung der WHO. Sie sieht alle Werte über 10 µg/m3 als kritisch an, der unbedenkliche Schwellenwert liegt bei 2.4 µg/m3. Weltweit liegt der Feinstaubwert momentan also beim 18-fachen des Unbedenklichen.

Abbildung 2. Quellen der Umweltbelastungen für Todesfälle. Die Prozentzahlen geben den Anteil des Umweltschädigers an den Todesfällen an Foto: The Lancet

Die Luftbelastungen sind je nach Land sehr unterschiedlich, wie die nebenstehende Abbildung für die USA und Indien zeigt. So ist die Hauptquelle für die Umweltbelastung in Indien der Energieaufwand im Wohnbereich (Kochen und Heizen), der in den USA relativ deutlich geringer ist. Umgekehrt wirken sich in den USA Landwirtschaft und Verkehr stärker aus.

Abbildung 3. Erhöhung der Sterberate bezogen auf 1000 Kinder unter dem Alter von 5 Jahren pro Jahr. Foto: The Lancet

Aus den spezifischen Belastungen einzelner Länder folgen auch unterschiedliche Risiken für die Kinder. Weltweit sterben auf 1000 Kinder pro Jahr 0.37 Kinder unter 5 Jahren. Die Graphik rechts – entnommen der zitierten Studie – zeigt, welche Sterblichkeit durch die Luftbelastung in den verschiedenen Ländern für Kinder im Alter unter 5 Jahren hinzukommt. Die ersten acht Plätze belegen Länder aus Afrika unter all den armen Ländern. Wer unter 5 Jahre alt ist und arm, leidet unter der Umweltbelastung am meisten.

Die Umweltbelastung mit Feinstaub hat auch erhebliche Folgen für Erwachsene: Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenkrebs sind die wichtigsten. Durch die Erwachsenen erhöht sich die Zahl der Opfer von Feinstaub um nochmals mehr als 4 Millionen Menschen jährlich.

Wir leben alle auf dem gleichen Planeten. Und, wie die Untersuchung zeigt, hat unser Verhalten in vieler Hinsicht Folgen für Menschen, die wir nicht kennen und die weit weg von uns leben. Grund genug, im Kleinen zu beginnen, die Umweltbelastung zu begrenzen. Ein Fahrrad kann beispielsweise auch ohne Sonnenschein benutzt werden.