Schlagwort: atopisches Ekzem

Käse im Kleinkindesalter schützt vor Neurodermitis

Die Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung. Häufig beginnt sie bereits im Säuglingsalter und ist wegen ihres typischen Juckreizes eine schwere Belastung für das betroffene Kind und seine Eltern. Wegen der vielschichtigen Ursachen ist eine hilfreiche Therapie eine große und wichtige Herausforderung.

Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass die Umgebung vor und nach Geburt einen bedeutenden Einfluss auf die Neurodermitis – oder atopische Dermatitis (AD) wie wir Mediziner sagen – hat. Dazu zählt auch der Ort, an dem Kinder aufwachsen. Als günstig hat sich das Leben auf dem Bauernhof erwiesen mit engem Kontakt zu Tieren und Konsum von Milchprodukten.

Eine wichtige Studie in der Erforschung der allergischen Erkrankungen von Kindern ist die PASTURE study, die seit 2002 Kinder aus ländlichen Regionen in Europa (Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, Schweiz) fortlaufend untersucht, um das Risiko für eine atopische Dermatitis (AD) besser zu verstehen. Im Rahmen dieser Studie wurden 931 Kinder von Geburt bis zum Alter von 6 Jahren beobachtet in Bezug auf den Konsum von Käse.

Dabei zeigte sich, dass der Verzehr von Käse im Alter von 18 Monaten einen schützenden Effekt in Bezug auf das Auftreten einer Neurodermitis hatte. Das Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankung war für Kinder, die Käse gegessen hatten um 36% geringer als bei denen die keinen Käse aßen. Gerade Kinder, die verschiedene Käse aßen (das galt insbesondere für die französischen Kinder) hatten einen besonders guten Effekt. In aller Regel wurde Käse 1 bis 6 Mal pro Woche verzehrt.

Der Käsekonsum verringerte auch das Risiko für die Entwicklung einer Nahrungsmittelallergie um fast 50%. Es zeigte sich auch eine günstige Tendenz in Bezug auf die Entwicklung von Asthma und Heuschnupfen. Der Effekt war aber statistisch nicht eindeutig.

Die PASTURE – Studie belegt also, dass der Verzehr von Käse im Alter von etwa 18 Monaten günstig ist, um die Entwicklung von Neurodermitis oder einer Nahrungsmittelallergie zu verhindern.

Neurodermitis

Die Neurodermitis (auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem genannt) ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die meistens schon im Kindesalter auftritt.

Viele Faktoren prägen diese Erkrankung. Im Zentrum stehen ein Störung der Architektur der Haut, eine Fehlregulation der Abwehr in der Haut sowie eine Veränderung der Besiedlung der Haut mit Keimen. Auslöser hierfür sind verschiedene genetische Varianten, die z.B. über die Bildung eines fehlerhaften Fillagrins (ein wichtiges Eiweiß in der Haut, das für die Vernetzung der Haut bedeutsam ist) dazu führen, dass die Haut an Stabilität verliert und weniger Wasser halten kann. Somit ist die Haut trockener als es günstig wäre. Das macht die Haut insgesamt auch durchlässiger, so dass unerwünschte Stoffe in den Körper eindringen können. Hierdurch wird das Auftreten von Allergien begünstigt.

Oftmals wird Neurodermitis mit Allergie gleichgesetzt. Das ist ein Mythos. Aber: Die Strukturprobleme in der Haut sowie die veränderte Haut-Immunologie erleichtern möglichen allergischen Substanzen wie Nahrungsmitteln leichter in die Haut einzudringen. In der Folge treten gerade bei schweren Formen der Neurodermitis auch häufiger Nahrungsmittelallergien auf. Diese sind aber fast nie die Ursache der Erkrankung, sondern deren Folge.

Typisch für das atopische Ekzem – diesen Begriff verwendet die Medizin heute bevorzugt – ist eine trockene Haut. Dadurch wird ein Juckreiz ausgelöst, in dessen Folge durch Kratzen sich die Haut entzündet. Dies verstärkt wiederum die Schädigung der Haut und somit den Juckreiz, was vielfältige Folgen für das eingeschränkte Wohlbefinden und die Haut hat.

Diesen Teufelskreis von trockener Haut – Juckreiz – Kratzen – verstärkte Schädigung der Haut zu verhindern steht im Zentrum der Therapie. Um ihn grundsätzlich zu vermeiden, wird deswegen eine regelmäßige Hautpflege empfohlen. Eine ergänzende medikamentöse Therapie ist nur erforderlich, wenn durch Komplikationen Bezirke der Haut entzündet sind.

Welche Pflegemaßnahmen sind sinnvoll?

Es gibt ein Bündel von Maßnahmen, deren Ziel es letztlich ist, die Feuchtigkeit der Haut zu verbessern und hierdurch auch die Integrität der Haut. Dadurch spielt der Juckreiz eine geringere Rolle und Komplikationen aller Art sind seltener. Jeder Betroffene findet selbst heraus, was besonders günstig ist, welche Creme/ Salbe besser vertragen wird und was für den Betroffenen selbst weniger wichtig ist.

  • Reinigung der Haut ist wichtig. Sie sollte wenn möglich mit pH-neutralen Waschmittel erfolgen.  Hiedurch wird die Belastung mit Keimen verringert. Die feuchte Haut wird danach eher abgetupft als abgerieben.
  • Duschen ist häufig besser als Baden.
  • Badezusätze sind nicht erforderlich
  • Regelmäßige Rückfettung der Haut ist wichtig. Salben und Cremes sollten dabei immer dünn aufgetragen und wohlig eingerieben werden.
  • Als Kleidung eignet sich solche aus Baumwolle am besten. Schafwolle ist meist nicht günstig und oft kratzig-unangenehm. Synthetische Materialien können reiben und Reizungen der Haut verursachen (z.B. Leggins).

Welche Umgebungsfaktoren sind zu beachten?

Die Haut ist unser Grenzorgan zur umgebenden Welt. Sie ist der Umwelt immer ausgesetzt. Es ist folgerichtig sinnvoll, auch hier einige Dinge zu beachten.

  • Rauchfreie Umgebung – in der Wohnung sollte nicht geraucht werden
  • Felltragende Haustiere führen zu vermehrter Reizung der Haut
  • Bei Waschmitteln sollten solche ohne optische Aufheller verwendet werden. Weichspüler sind für einige Betroffene günstig, weil sie die Wäsche flauschig machen.
  • Schwimmbad– und Saunabesuche sind oft günstig. Wichtig ist aber, die Haut vor dem Verlassen des Schwimmbades zu cremen.

Und die Ernährung?

Kurz gesagt. Sie spielt für Kinder- und Jugendliche mit Neurodermitis so lange keine Rolle, wie keine Allergie bekannt ist. Nahrungsmittelallergien sind bei leichter Neurodermitis ebenso häufig wie bei gesunden Säuglingen und Kleinkindern (etwa 2-6% aller Säuglinge und Kleinkinder). Bei ausgeprägter Neurodermitis ist das Risiko einer Allergie höher.

Den großen Markt von Nahrungsergänzungsmitteln sollte man meiden. Sie sind für alle Beteiligten ein gutes Geschäft – ohne sachliche Grundlage. Dies hat eine Übersichtsarbeit (Cochrane Review) durch Fiona Bath-Hextall und Mitarbeiter nochmals deutlich gemacht.

Trockene Haut im Frühjahr

Draußen blühen die Schneeglöckchen. Die Tulpen schieben auch in höheren Lagen ihr Triebe durch das Unterholz um an das Sonnenlicht zu kommen.

Das ist die Zeit, wenn die Haut vieler Kinder sehr trocken ist. Viele Monate musste die Haut  auf die Sonne verzichten. Sie musste die trockene Luft in den Wohnungen ertragen und auch viel Kleidung, die an ihr rieb. Ganz besonders trifft dies für Kinder mit Neurodermitis zu, aber auch andere können im März und April Hautprobleme haben.

In diesen Wochen empfiehlt es sich, die Haut regelmäßig zu cremen. Dazu braucht es keine speziellen Crèmes, einfache und günstige Produkte reichen oft aus. Dabei sind Lotionen und Crèmes den zu fettigen Salben vorzuziehen. Es sollten eher einfache Produkte zum Einsatz kommen, ohne Duftstoffe und andere „Verkaufsargumente“. In Deutschland gibt es Produkte, die gut und günstig sind, und auf eine 100 Jahre alte Tradition zurückschauen. Sie sind in jedem Supermarkt zu finden.

Diese Hautpflege ist im Frühjahr jeden Abend und bei akutem Bedarf sinnvoll. Dabei trägt man das Pflegeprodukt dünn auf und reibt es sanft mit kreisenden Bewegungen ein. Bezirke mit besonderem Bedarf sind oft die Augenregion, die Arme und die Beine (eher in Stammnähe). Wenn es der Haut wieder besser geht, vergessen viele Kinder und Eltern diese Maßnahme. Insofern braucht es von Seiten des Arztes keine Festlegung auf die Dauer der Anwendung.

Eine letztlich einfache Maßnahme, die grösseren Problemen vorbeugt.