Schlagwort: Ausschlag

Kinderkrankheit: Röteln

Gegenüber den anderen Kinderkrankheiten – insbesondere den Masern – sind die Röteln seit Jahren weit weg vom allgemeinen Interesse.

Ausgelöst werden sie durch das Röteln-Virus. Dieses breitet sich durch Tröpfcheninfektion aus. Das kann beim Sprechen passieren, aber deutlich stärker beim Niesen oder Husten oder beim Küssen. Die Ansteckung beginnt beim Infizierten etwa 1 Woche vor Ausbruch des Ausschlags und dauert bis eine Woche nach dessen Abklingen an. Sie geht also über zwei Wochen. Hinzu kommt, dass die Röteln als Krankheit in jedem zweiten Fall nicht erkannt wird. Das Risiko von einem Infizierten angesteckt zu werden ist also enorm hoch und in Schule oder Kindergarten kann man diesem Risiko praktisch nicht entfliehen.

Die Krankheit selbst ist für Kinder kein großes Problem. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen zeigt sich zunächst ein kleinfleckiger Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt. Das erinnert zunächst an Masern, weswegen die Röteln im englischen Sprachraum auch „german measles“ heißen, da sie von einem Deutschen entdeckt wurden. Dieser Ausschlag breitet sich auf die Wangen und schließlich auf den ganzen Körper aus. Die einzelnen Flecken (Effloreszenzen) verschmelzen nicht miteinander. Nach knapp 3 Tagen bildet sich der Ausschlag zurück. Bei vielen Erkrankungen ist er im Übrigen so schwach ausgeprägt, dass eine Erkrankung überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Parallel mit dem Ausschlag treten teils schmerzhafte vergrößerte Lymphknoten im Nackenbereich und hinter den Ohren auf.

Jugendliche müssen häufig mit mehr Symptomen rechnen: Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und entzündete Bindehäute. Besonders bei Frauen können auch Gelenkschwellungen und -schmerzen (Finger/ Hand/ Knie) hinzukommen. Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Beschwerden bei Röteln zu.

Die bei weitem schlimmste Komplikation bei Röteln ist die Rötelnembryopathie. Erkrankt eine Frau in den ersten 12 Schwangerschaftswochen an Röteln, so werden die Viren auf den Embryo übertragen, die in über 60% schwer erkrankt: Augenschäden, Taubheit, Herzfehlern und Hirnschädigungen sind die Folge. Wegen dieser extremen Erkrankung ist es so wichtig, die Röteln auszurotten, obwohl die Erkrankung für Kinder eigentlich ein Klacks ist.

Im klassischen Fall kann die Diagnose von einem Kinder- und Jugendarzt einfach gestellt werden. Häufig ist der Ausschlag aber so diskret oder er wurde überhaupt nicht gesehen, dass die Diagnose nur über Laborwerte gestellt werden kann. In jedem Fall wird die Immunität von Schwangeren immer bestimmt, um das potentielle Risiko für die Rötelnembryopathie sicher auszuschließen. Immerhin 3% aller Frauen haben keinen sicher nachweisbaren Schutz.

Zur Vermeidung der Röteln ist die Impfung die entscheidende Maßnahme. Sie gibt es nun seit fast 40 Jahren. Meist erfolgt die Impfung gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Mumps – sog. MMR-Impfung. Diese Impfung wird im Regelfall zweimal durchgeführt.

Kinderkrankheit: Ringelröteln („fünfte Krankheit“)

Eine neuere Kinderkrankheit stellen die Ringelröteln (medizinisch: Erythema infectiosum) dar. Der Ausschlag war schon lange bekannt. Schon vor über 200 Jahren hatte man die Krankheiten mit Ausschlägen gegeneinander abgegrenzt: die Masern (1. Krankheit), Scharlach (2. Krankheit), Röteln (3. Krankheit), Rubeola scarlatinosa („schwacher Scharlach“, 4. Krankheit). In diesem Zusammenhang hat der englische Arzt Clement Dukes diese Krankheit „fünfte Krankheit“ genannt.

Die genaue Beschreibung des Krankheitsbildes gelang erst 1983. Damals konnte belegt werden, dass das zuvor per Zufall entdeckte Parvovirus B19 der Auslöser dieser Krankheit ist.

In vielen Fällen verlaufen die Ringelröteln ohne Symptome und unbemerkt. Im klassischen Fall kommt es zu leichten Symptomen eines Atemwegsinfektes, gefolgt vom typischen Ausschlag: Im Beginn meist stärkere und symmetrische Rötung der Wangen („Ohrfeigenkrankheit“). Später folgt ein zunächst punktartiger Ausschlag (daher der Begriff „….röteln“), dessen Flecken immer größer werden und zuletzt girlandenförmig zusammenfließen ((„Ringel …“). Dieser Hautausschlag ist am besten an den Streckseiten der Oberarme, aber auch an Unterarmen und Oberschenkeln zu sehen. Er kann wenige Stunden, manchmal aber auch viele Tage (und Wochen) andauern. Die Stärke des Ausschlags wechselst häufig und ist bei Sonnenschein oder Erregung in der Regel stärker ausgeprägt. Typischerweise geht es Kindern fast immer gut, Jugendliche können gelegentlich etwas schlapp sein.

Neben dem Ausschlag tritt meist eine sehr milde Blutarmut auf, die sich aber praktisch bei Gesunden nicht auswirkt. Ganz selten treten leichte Gelenkschmerzen auf, die jedoch ohne weitere Behandlung folgenlos abklingen.

Eine Therapie der Ringelröteln ist nicht erforderlich.

Eine Impfung gegen Ringelröteln gibt es nicht.

Die einzig wichtige Problematik ist, dass Ringelröteln – wenn sie bei einer Schwangeren auftreten – auf das werdende Kind übertragen werden können. Dort befällt das Virus die roten Blutkörperchen (was es bei den grösseren Kindern auch macht, aber ohne erkennbare Auswirkungen). Das ungeborene Kind erleidet hierdurch häufig einen deutlichen Verlust an roten Blutkörperchen. Das kann schwere Komplikationen bis zum Tod zur Folge haben. Treten Ringelröteln auf, müssen Schwangere in der Umgebung unbedingt darauf hingewiesen werden. In aller Regel wird dann überprüft, ob sie diese Krankheit bereits durchgemacht haben. Ist dies der Fall, treten keine Probleme auf. Andernfalls muss das weitere Vorgehen individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden.

Kinderkrankheit: Scharlach

Scharlach ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Inzwischen wird sie aber von vielen nicht mehr als solche bezeichnet, da nach einem Scharlach durchaus weitere Erkrankungen an Scharlach auftreten können. Im Gegensatz zu beispielsweise Masern, die nur einmal im Leben auftreten, weil sich danach eine lebenslange Immunität gegen das Masernvirus ausbildet.

Was löst den Scharlach aus?

Die Erreger des Scharlach sind Bakterien: ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Seit ihrer Entdeckung durch Theodor Billroth und Paul Ehrlich ließen sich für diese Untergruppe über 80 verschiedene Serotypen (Variationen innerhalb einer Art von Bakterien/ Viren) nachweisen. Diese Streptokokken besiedeln in der Regel die Haut und den Rachen von gesunden Menschen. Unter gewissen Umständen können sie dort zu einer Erkrankung führen. Die Streptokokken im Rachen lösen dann eine eitrige Angina aus. Sitzen sie auf der Haut, können sie zu einer Wundinfektion führen.

Wie kommt es zum Scharlachausschlag?

Einige der Streptokokken tragen in sich einen sog. Bakteriophagen (ein Virus im Bakterium), das wiederum sog. Toxine – also eine Art Gift –  bildet. Diese Toxine sind es, die den Ausschlag beim Scharlach auslösen. Nach einer Erkrankung an Scharlach besteht eine vermutlich lebenslange Abwehr gegen das betreffende Toxin. Da es nach aktuellem Wissensstand aber mindestens 3 verschiedene Toxine gibt, kann jeder Mensch mindestens dreimal an Scharlach erkranken. Somit ist – streng genommen – Scharlach eigentlich keine Kinderkrankheit.

Gibt es auch Scharlach ohne Ausschlag?

Nein. Die genannten über 80 verschiedenen Streptokokken der Gruppe A können alle zu einer eitrigen Angina führen. Das nennt sich dann: Streptokokken-Angina. Erst wenn infolge der Wirkung der Toxine bei dieser Angina ein Ausschlag hinzu kommt spricht man vom Scharlach. Somit: Kein Scharlach ohne Ausschlag. Der kann manchmal aber durchaus sehr schwach ausfallen und besser fühlbar als sichtbar sein. Aber er muss klinisch vorhanden sein.

Wie läuft der Scharlach ab?

Scharlach wird als Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen. Er betrifft in aller Regel Kinder von 3 bis 14 Jahre (in den ersten beiden Lebensjahren gibt es die Erkrankung praktisch nicht). Nach der Pubertät ist er eher selten. Die Zeit bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) ist mit 1 bis 3 Tagen sehr kurz. Im klassischen Fall kommt es dann sehr rasch zu Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und Bauchschmerzen. Es ist verwirrend, dass die Halsschmerzen oft als letztes Symptom auftreten, obwohl der Blick in den Hals heftig geschwollene und rote Mandeln (Tonsillen) zeigt. Auch die Lymphknoten im Kieferwinkel schwellen an und schmerzen. Die Zunge ist meist weiß belegt mit kleinen Stippchen („Erdbeerzunge„). Dieses Symptom gibt es aber auch bei anderen Erkrankungen. Im weiteren Verlauf verschwindet der Zungenbelag und die Zunge wird lackartig rot: sog. Himbeerzunge.

Abbildung 1. Scharlach-Ausschlag. Foto: (ehem.) Behringwerke

Der für den Scharlach typische Ausschlag tritt meist 1 (bis 4) Tage nach dem Fieber auf und beginnt zumeist in den Leisten und Achseln. .

Der Scharlach hat sich über die letzten Jahre gewandelt. Heute gibt es Erkrankungen, bei denen sich das Kind noch recht wohlfühlt und kein Fieber hat. Der klassische Verlauf mit dem hohen Fieber und Krankheitsgefühl ist inzwischen fast schon die Ausnahme.

Etwa 2 Wochen nach der Erkrankung kommt es zu einem schuppenden Ausschlag, besonders häufig an den Fingerkuppen, manchmal auch die gesamten Füße und Hände betreffend. Die Schwere dieses Ausschlag geht oft parallel mit der Schwere der Scharlach-Erkrankung und bestätigt die Diagnose nochmals.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose kann immer klinisch gestellt werden. Der Krankheitsverlauf und der Ausschlag sind sehr typisch.

Ist ein Rachenabstrich wichtig?

Nein. Ein Rachen-Schnelltest auf Streptokokken ist für das Kind unangenehm und nicht erforderlich. Auf Grund verschiedener Untersuchungen ist heute klar, dass bis zu 25% der Menschen in Europa Streptokokken im Rachen hat – und dabei gesund sind: „Keimträger“. Ein Rachenabstrich ist für alle diese Personen positiv. Trotzdem sind sie gesund. Der positive Rachenabstrich kann nur in Zweifelsfällen eine Ergänzung sein. Die Diagnose des Scharlach ist mit typischen klinischen Verlauf und dem klassischen Ausschlag sicher.

Therapie

Die Therapie ist gerade im Wandel. In Mitteleuropa ist der Scharlach mit Antibiotika fast immer einfach und effektiv zu behandeln. Die betroffenen Kinder fühlen sich nach einem, allerspätestens nach 2 Tagen der Behandlung wieder richtig gut. Die Ansteckung ist 24 Stunden nach Beginn der Behandlung vorüber. Die Notwendigkeit der antibiotischen Therapie wird zunehmend diskutiert. Klar ist jedenfalls, dass ohne eine antibiotische Behandlung eine Ansteckung für etwa eine Woche (bis zum Abklingen der Symptome) besteht.

Entsprechend der neuen Leitlinie ist eine antibiotische Therapie bei entsprechender Indikation  für 7 (statt bisher 10) Tage erforderlich. Dabei wird in Deutschland Penicillin V empfohlen. In anderen Ländern (z.B. Spanien) ist dieses „einfache“ Antibiotikum häufig nicht mehr ausreichend.

Komplikationen

Scharlach hatte früher häufiger eine chronische Nierenerkrankung (Glomerulonephritis; APSGN) und das gefürchtete rheumatische Fieber zur Folge. Diese Komplikationen treten seit Jahrzehnten aus unbekannten Gründen extrem selten auf. Dies ist unabhängig von der Gabe eines Antibiotikums. Man geht davon aus, dass die besseren sozioökonomischen Verhältnisse und immunologische Faktoren zu dieser günstigen Entwicklung beitragen.

Wann kann das Kind wieder in den Kindergarten/ die Schule?

Nach einer antibiotischen Behandlung von 24 Stunden Dauer ist der Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung wieder möglich. Ohne antibiotische Behandlung ist dies nach Abklingen der Symptome möglich. Eine Bescheinigung hierüber ist nicht erforderlich.

Kinderkrankheit: Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum)

Das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) ist eine Infektionskrankheit, die ähnlich wie Masern hoch ansteckend ist. Ausgelöst wird es durch das durch das Humane Herpes Virus 6 (HHV-6).

Bedingt durch seine hohe Ansteckungsfähigkeit, tritt das Drei-Tage-Fieber häufig bereits im Säuglingsalter, spätestens aber im Kleinkindesalter auf. Dabei breitet es sich in regionalen Wellen aus. Wenn es also rumgeht, betrifft es schnell alle kleinen Kinder einer Region.

Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen tritt plötzlich sehr hohes Fieber (um 40° Celsius) auf fast ohne andere Krankheitszeichen. So ist der Rachen ist nur leicht gerötet. Manche Kinder sind stärker beeinträchtigt, die meisten trinken aber noch recht gut. In aller Regel verschwindet das Fieber im Laufe des vierten Tages innerhalb weniger Stunden, worauf der typische masernähnlich Ausschlag auftritt, der manchmal nur schwach und auch nur kurzzeitig zu sehen ist. Manchmal wird der Ausschlag überhaupt nicht festgestellt, wenn er nachts im Schlaf auftritt. Wenn er zu sehen ist, dann im Bereich der Brust, am Bauch und am Rücken. Damit ist die Diagnose sicher und es geht dem Kind deutlich besser. Bis zur vollen Genesung können aber manchmal noch einige Tage vergehen.

Beim Drei-Tage-Fieber kann auch eine Mittelohrentzündung auftreten. Recht typisch ist, dass bei dieser Krankheit mit sehr hohem Fieber das Risiko für Fieberkrämpfe erhöht ist. Das einmal durchgemachte Drei-Tage-Fieber tritt im weiteren Leben nicht mehr auf. Deswegen ist es eine Kinderkrankheit – die erste Kinderkrankheit.

Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Fiebersenkende Medikamente (Paracetamol, Ibuprofen) sind gelegentlich sinnvoll, um den Stress für das Kind zu reduzieren. Nicht sinnvoll sind Versuche, das Fieber verhindern zu wollen und „vollständig“ zu senken.

Eine Impfung gegen das Drei-Tage-Fieber gibt es nicht.

Eichenprozessionsspinner

Nun beginnt wieder die Zeit für die Raupenspinnerdermatitis. Darunter versteht man eine Entzündung der Haut ausgelöst durch die „Brennhaare“ der Eichenprozessionsspinner. Letzte Woche erschienen in der Presse erste Berichte über mehrere Nester dieser Raupe im Raum Fulda. Die Raupen des Eichenprossionsspinners tragen mit jeder weiteren Stufe der Larvenbildung vermehrt der sog. Brennhaare. Das sind feine Härchen, die Widerhaken enthalten. Schon bei leichter Berührung fallen diese ab und können im Luftstrom lange Strecken zurücklegen.

Abbildung 1. Raupenspinnerdermatitis. Foto: deacademic.com

Die häufigste Folge ist eine Hauterscheinung, die durch das Festhaken dieser Härchen an den unbedeckten Hautarealen auftritt. Die Ausschläge (siehe Abbildung 1) können verschiedene Ausprägung haben und werden meist durch mechanische Reizung ausgelöst. Die ersten Symptome mit Hautjucken beginnen nach weniger Minuten, die Hautreizung nimmt 1 – 2- Stunden später weiter zu. Knötchenbildung setzt meist nach 6 Stunden ein. Es sind auch Allergien möglich, für die bereits 7 verschiedene Allergene identifiziert wurden.

Therapeutisch ist ein sofortiger Wechsel der Kleidung (ggf. unter Nutzung von Handschuhen) wichtig. Dann kann versucht werden, mit Klebeband Brennhaare von der Haut zu entfernen. Im Anschluss ist ein Duschbad mit Haarwäsche sinnvoll. Medikamentös können Antihistaminika (wie Cetirizin) eingesetzt werden. Viele Fragen zu diesem Krankheitsbild sind noch nicht geklärt, da sich die Prozessionsspinner erst in den letzten Jahren bei uns ausgebreitet haben und der Bekanntheitsgrad der Erkrankung noch gering ist.