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Kinderrechte nicht vergessen, Herr Gabriel!

Heute ist Samstag. Sonntagsreden kommen also erst morgen. Wir können also Klartext reden. Unser Außenminister, der sich den Ruf erwarb, ein guter Diplomat zu sein, geriet in die Schlagzeilen. Er will das Amt behalten. So war es ihm wohl versprochen worden – Demokratie hat Grenzen. Da kommt Ärger auf, wenn statt dessen Herr Schulz zulangen will.

Aber dann kommt von Sigmar Gabriel noch der Satz: „„Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: ‚Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht‘.“

Geht’s noch? Warum muss ein erfahrener Politiker seine 5-jährige Tochter zitieren, um seinem Gegner einen Schlag unter die Gürtellinie zu versetzen? Hat er dieses Zitat mit ihr vorher abgesprochen? Ist das respektvoll? Kurt Beck, einer seiner Vorgänger im Amt, hatte vor 12 Jahren den Obdachlosen Henrico B. angegriffen: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job“. Haben SPD-Vorsitzende also ein Bartproblem?

Vermutlich nicht. Aber wenn Menschenrechte gerade in der SPD zu Recht im Zentrum stehen, sollte ein Politiker wie Sigmar Gabriel es ebenso halten wie Kurt Beck: Eine Entschuldigung bei seiner Tochter Marie wäre angebracht.

Er hat sie instrumentalisiert und in eine zentrale politische Aktion hineingezogen. Ob er ihr Vertrauen missbraucht hat kann nur er selbst wissen. Mir fällt dazu Kurt Tucholsky ein: „Nichts ist schöner und nichts erfordert mehr Charakter als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“……Nein. Marie darf nicht in einem politischen Streit als Waffe instrumentalisiert werden.

Apropos. Was sagt der Koalitionsvertrag eigentlich über Kinderrechte?