Schlagwort: Dengue-Fieber

Was geht rum? 10. August 2019

Viele Familien aus Baden-Württemberg sind jetzt im Urlaub. Wir daheim Gebliebenen erleben zwar auch Regentage, bleiben aber relaxt. In den Einkaufsmärkten sieht man neben Müttern auch viele Väter, wie sie mit den Kindern fürs Mittagessen einkaufen. In der Natur unternehmen die Familien Fahrradtouren. Und danach wird gegrillt: Stockbrot. Theodor Heuss, unser schwäbischer Bundespräsident kommt einem in den Sinn: „Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein“.

Allergiker können sich glücklich schätzen. Die meisten Pollen sind nur noch in geringer Konzentration in der Luft. Das gilt ganz besonders für die Gräserpollen. Diese können uns aber bis in den Oktober hinein begleiten und kurzfristig in der Nähe von Feldern Probleme bereiten. Stark in der Luft vertreten sind hingegen Pilzsporen. Die wiederum sind für Kinder und Jugendliche von sehr geringer Bedeutung.

Die Zecken-vermittelte FSME ist seit Wochen kein mediales Thema mehr. Tatsächlich liegen die Erkrankungszahlen in Baden-Württemberg unter denen des letzten Jahres. Bislang kommen in diesem Jahr 131 Neuerkrankungen zusammen, davon 12 alleine in der vergangenen Woche. Grund genug, den Impfschutz nochmals zu überprüfen.

Auch die Kinderkrankheiten machen keine Pause. In Freudenstadt wurden in der letzten Woche 6 Neuerkrankungen an Keuchhusten gemeldet. Deutlich höhere Erkrankungszahlen gibt es für die Windpocken aus der Regionen Freiburg und Karlsruhe. Übers Jahr gesehen sind im Ländle 3.683 Kinder und auch ältere Personen hieran erkrankt.

Die Magen-Darm-Infektionen hingegen gehen leicht zurück. Atemwegsinfektionen spielen im Moment kaum eine Rolle.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber ist in nahezu allen tropischen Ländern ein zunehmendes Problem. In den letzten 12 Monaten sind in Tansania (Tanga, Pwani und Daressalam) 6.680 Infektionen festgestellt worden. Noch höher liegen die Zahlen in Singapur. Hier sind im laufenden Jahr 9.321 Menschen neu an Dengue-Fieber erkrankt, nachdem es im Jahr zuvor „nur“ 3.285 waren. Das verwundert durchaus, legt der Stadtstaat doch besonderen Wert auf seine Sauberkeit. Die tagaktiven  Mücken scheint das jedoch wenig zu interessieren. Allen Reisenden ist mangels anderer Möglichkeiten dringend zu raten, einen guten Mückenschutz sicherzustellen.

In Baden-Württemberg wurden übrigens in diesem Jahr 120 Erkrankungen mit Dengue-Fieber gemeldet. Alle Erkrankungen sind importiert. Aber es verwundert nicht, dass sich die Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum im letzten Jahr (53) mehr als verdoppelt haben.

Was geht rum? 20. Juli 2019

Wir haben zwar ein Insektensterben in unserem Land. Dennoch gibt es viele Plagegeister, die uns und unseren Kindern zusetzen. Oftmals werden wir gestochen und haben kein „Mittelchen“ dabei, keine Creme, nichts. Doch eines ist immer bei uns: Speichel. Kurz die Einstichstelle mit Speichel einreiben ist immer günstig und kühlt etwas. Sind wir zuhause, ist meist eine Zwiebel zu Stelle: frische Zwiebel aufschneiden und direkt für einige Minuten auf der Einstichstelle einreiben. Danach aufpassen, dass kein Kind sich den Saft der Zwiebel in die Augen reibt. Viele käufliche Gels oder Cremes haben einen kühlenden Effekt, mehr aber nicht, solange ihnen kein Cortison zugesetzt (…“H“) wurde. Diese Kühlung kann auch ein schlichter Eiswürfel erzeugen.

Besser ist, die Kinder und Jugendlichen (und sich selbst) vorbeugend vor Insektenstichen zu schützen. Dazu gibt es Sprays mit Icaridin oder DEET. Diese sind über Stunden wirkungsvoll. Übrigens auch gegen Zecken, die in diesem Jahr – so die persönliche Erfahrung – sehr bissfreudig sind. Einzelheiten zu den Insektenschutzmitteln finden Sie hier im praxisblättle.

Die Pollen sind auf dem Rückzug. Große Belastungen für Gräserpollen gibt es nur noch in den Höhenlagen des Schwarzwalds oder den Alpen. Im Flachland ist die Belastung allenfalls mäßig. Auch die Pollen der Sommerkräuter fliegen im Moment kaum.

Impetigo contagiosa – Borkenflechte. Foto: pinterest

Der Sommer ist bekanntermaßen keine Infektzeit. Vereinzelt treten Durchfallserkrankungen auf. Typisch für die Jahreszeit ist auch die Impetigo contagiosa, deren deutscher Name wie die „Borkenflechte“ ebenso unbekannt sind wie der Fachbegriff. Dieser beschreibt eine nässende, schuppende und Blasen bildende Hauterkrankung, die durch Bakterien in kleinen Wunden ausgelöst wird. Meist sind Staphylokokken die Ursache, aber auch Streptokokken (die den Scharlach auslösen) können beteiligt sein. Diese Hautinfektion kann sich unter günstigen Bedingungen – Wärme und Feuchtigkeit – rasant ausbreiten. Im Moment stehen die Chancen für den Impetigo also gut, dass er sich ausbreitet, da er eine gewisse Ansteckung hat und das Wetter für ihn arbeit. Die frühzeitige Vorstellung beim Kinder- und Jugendarzt ist sinnvoll.

Was geht in der Welt rum? In den Tropen bleibt das Dengue-Fieber der Dauerbrenner. Besondere Schwerpunkte sind zur Zeit Tansania (in diesem Jahr 6.350 Infektionen), Réunion (16.000 Neuerkrankungen in diesem Jahr bei 850.000 Einwohnern), Laos (11.560 Neuerkrankungen), Kambodscha (13.000 Erkrankte in diesem Jahr), Brasilien (etwa 600.000 Erkrankungen in diesem Jahr) und die Cook-Inseln (66 Erkrankungen auf der Insel Rarotonga). Für alle Reisenden ist ein guter Mückenschutz tagsüber die wichtigste Schutzmaßnahme. Eine Impfung steht nicht zur Verfügung.

Preisunterschiede in Europa, gemessen am Durchschnitt. Foto: https://de.statista.com/infografik/18501/preisniveau-privater-konsumausgaben-in-europa/

Und noch ein kleiner Hinweis, ob sich auch Ihr Portemonnaie im Urlaub erholen darf oder nicht. Das Preisniveau in Europa klafft heftig. Im Südwesten ist sattsam bekannt, wie teuer die Schweiz ist. Dass Island noch teurer ist, mag man kaum glauben. Aber dorthin zieht es nur wenige. Die vielen Urlauber in der Türkei können sich hingegen freuen. Viel Geld gespart und das in einem Land mit so herrlichem Essen, wunderbaren Landschaften und vielen freundlichen Menschen wie dem neuen Oberbürgermeister von Istanbul.

Was geht rum? 29. Juni 2019

Das tropische Wetter bleibt. Für manche Menschen, besonders für Kranke und alte Menschen,  gibt es Gründe unter der Hitze zu leiden. Andere genießen die Sonne, die herrlichen Düfte in der Natur und das kühlende Nass im Planschbecken. Immerhin gibt es bei uns tropisches Wetter, ohne dass wir vom Dengue-Fieber – mehr dazu weiter unten – oder gar der Malaria bedroht würden. Also Tropen light!

Erfrischende Dusche im Park. Foto: ptw

Jetzt können wir Deutsche neues lernen. Dass Pasta in vielen Variationen fein zubereitet werden kann, haben uns die Italiener gezeigt. Und sie geben uns weiterhin Nachhilfe darin, dass wir gutes Eis aus der Eisdiele nebenan zur Verfügung haben. Jetzt kommt die nächste Lernstufe: die Siesta. Wie in Andalusien, sollten wir uns in der Mittagspause an einen schattigen und ruhigen Ort zurücklegen und genussvoll – mit einem Eis? – abwarten, bis es kühler wird. Was den Kindern darüber hinaus gut tut, können Sie hier im Beitrag des praxisblättle nochmal in Ruhe lesen, wenn Sie Ihre Siesta machen.

Stimmt, Infektionen gibt es auch noch. Aber nicht so viele. Häufig sind Erkrankungen mit Enteroviren. Herpangina und die Hand-Fuß-Mundkrankheit stehen im Moment an erster Stelle. Vermutlich ist auch die Magen-Darm-Grippe vieler Kinder vom gleichen Erreger ausgelöst, aber das lässt sich nicht so leicht feststellen. Sicher ist nur, dass die Rotaviren wieder auf dem Rückzug sind.

Regional sind die Windpocken wieder häufiger. Das gilt besonders für die Region Karlsruhe.

Pollen gibt’s natürlich auch noch. Aber so viel Hitze und Trockenheit gefällt denen auch nicht. Noch immer fliegen die Gräserpollen am stärksten, während Spitzwegerich oder Beifuß deutlich weniger unterwegs sind. Der Pollenflug ist im Moment in den höheren Lagen bedeutsamer als in den Ebenen.

Was geht in der Welt rum? Der Dauerbrenner bleibt weltweit das Dengue-Fieber. Besonders hohe Zahlen werden nun aus Brasilien gemeldet. Immerhin 596.380 Infektionen sind alleine in diesem Jahr neu aufgetreten. Im letzten Jahr waren es ein Drittel der Fälle. Es bleibt dabei: in allen tropischen Ländern müssen sich Reisende vor den Überträgern des Dengue-Fiebers – den tagaktiven Aedes-Mücken – schützen. Selbst im gepflegten Singapur ist das Dengue-Fieber ein Problem.

Was geht rum? 08. Juni 2019

Der Juni hat das warme Wetter nach Baden-Württemberg zurück gebracht. Damit gibt es beste Gelegenheiten, das Fahrrad aus dem Keller zu holen um die eigene Umgebung zu erkunden. Für Erwachsene mögen dabei Kindheitserinnerungen aufkommen. Noch wichtiger: Kinder können künftige Kindheitserinnerungen aufbauen – schönes Grün, zwitschernde Vögel, herrliche Düfte und ein einmaliges Vesper mit der Familie am Waldesrand.

.. und natürlich nie den Fahrradhelm vergessen. Kinder und auch die Eltern. Das gute Vorbild fährt immer mit.

Trotz oder gerade wegen des beginnenden Sommers sind regional wieder viele Kinder von einem Erkältungsinfekt – „Sommergrippe“ – betroffen. Dabei treten Halsschmerzen und viele Mittelohrentzündungen auf. Besonders auffällig sind die Bindehautreizungen.

Unter den momentanen Infektionen in Baden-Württemberg gehört die Erkrankung mit dem HantaVirus zu den wichtigsten. Aber wie es scheint, sind auch in der diesjährigen Welle Kinder und Jugendliche nicht betroffen, obwohl die Zahl der Neuerkrankungen in der letzten Woche mit 56 einen neuen Höchststand erreichte. Die meisten Infektionen traten bislang in der Region Stuttgart auf. Da prinzipiell auch Kinder und Jugendliche erkranken könnten, sollten sie vorsorglich bei Aufräumungsarbeiten in Gartenhäusern oder Speichern nicht beteiligt werden.

Nur für Allergiker wird’s leider noch schwieriger. Sie erleben an diesem Wochenende wohl den stärksten Pollenflug von Gräsern und Spitzwegerich in diesem Jahr. Neben der vom Kinder- und Jugendarzt verordneten medikamentösen Therapie sollten unbedingt auch allgemeine Maßnahmen umgesetzt werden, die den Weg der Pollen in die Atemwegen bremsen: Schließen der Fenster im Haus bei starkem Pollenflug – in der Regel von 05:00 morgens bis 21:00 abends. Abendliches Duschen der Betroffenen (inklusive Haarwäsche). Die Bettwäsche wird nur im Trockner oder im Keller getrocknet. Und: Autofahrten mit geschlossenem Fenster mit Klimaanlage. Zuvor auch sicherstellen, dass die Pollenfilter im Auto gereinigt sind.

Was geht in der Welt rum? Auf Réunion im Indischen Ozean hat sich das DengueFieber in diesem Jahr enorm verbreitet. Für 2019 werden bereits 13.000 Neuerkrankungen gemeldet. Dies ist in Relation zur Bevölkerung von 850.000 Menschen eine beachtliche Zahl. Leser des praxisblättle wissen bereits, dass bislang nur ein Mückenschutz tagsüber vor der Infektion schützen kann. Oder ein Urlaub in deutschen Landen.

Was geht rum? 18. Mai 2019

Verkehrssicherheit ist wieder ein Thema seit vermehrt E-Scooter und E-Bikes auf die Straßen und die Bürgersteige in Deutschland drängen. Die Frage, wer nun auf dem Bürgersteig fahren darf ohne die Fußgänger – und hier ganz besonders die Kinder – zu gefährden wird nun in aller Breite diskutiert. Gut so.

Abbildung 1. Verkehrstote auf den Straßen der USA. Seit 2010 ist das Risiko für Fußgänger sprunghaft gestiegen. Foto: Economist

Erschreckend ist eine Statistik, die der Economist in dieser Woche veröffentlichte. Diese befasst sich mit den getöteten Fußgängern im Straßenverkehr. Bezogen auf die gefahrenen Meilen amerikanischer Autos ist demnach das Risiko für Fußgänger im Verkehr getötet zu werden seit dem Jahr 2009 klar angestiegen. Dem Economist liegen Zahlen des Start-up-Unternehmens Zendrive vor, das die Nutzung des Smartphones im Auto im vergangenen Jahr nachvollziehen konnte. Demzufolge soll das Handy bei 60% aller Fahrten verbotenerweise zum Einsatz kommen. Das würde auch die Graphik erklären. Denn das erste iphone kam in den USA im Jahr 2007 heraus. Danach folgte ein Siegeszug der Smartphones. Heute gibt es in den USA fast so viele Smartphones (260 Millionen) wie Einwohner. Es sind vermutlich nicht nur die elektrisch betriebenen Roller und Räder die unsere Kinder bedrohen. Wir selber als Autofahrer sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko, besonders, wenn wir so nebenbei das Handy nutzen sollten.

Eine ständige Belästigung – und ganz selten auch eine echte Gefahr – stellen Infektionen für Kinder dar. Im Moment sind das besonders die Enterokokken, wie letzte Woche auch: Hand-Fuß-Mund-Krankheit und Herpangina sind die wichtigsten Vertreter. Einer Ansteckung haben Kinder unter 10 Jahren wenig entgegenzusetzen, da sie diesen Erkrankungen noch nicht so oft begegnet sind. Eine Impfung gibt es nicht, eine direkt wirksame Therapie auch nicht. Es lohnt auch nicht, Kinder „davor zu schützen“, indem man sie nicht in die Kindertagesstätte oder zu Freunden gehen lässt. Ihr Körper soll durchaus lernen, mit diesen Enteroviren umzugehen. Das geht leider nur, wenn man die Krankheit – hoffentlich in schwacher Form – durchmacht.

Eine weitere Erkrankung mit Ausschlag macht noch die Runde: die Ringelröteln. Dies ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die jedoch von den meisten Kindern ohne spürbare Probleme durchgemacht wird – bis auf den Ausschlag.

Abbildung 2. Krankheitshäufigkeit (Inzidenz) des Hantavirus in Bezug auf die gemeldeten Fälle der Landkreise mit Stand 6. Mai 2019. Foto: LGA Baden-Württemberg

Von den Hantaviren werden fürs Ländle enorm hohe Zahlen gemeldet: Allein 30 Neuerkrankungen in der letzten Woche gegenüber 11 Erkrankungen in den ersten 19 Wochen des letzten Jahres. Betroffen sind inbesondere die Landkreise auf der Schwäbischen Alb. Hier im praxisblättle finden Sie weitere Informationen, wie man das Risiko für eine Ansteckung mit dem Hantavirus deutlich verringern kann. Für Kinder durchaus wichtig!

Die Saison der Magen-Darm-Infektionen mit dem Rotavirus geht in diesem Jahr recht lange. Nachdem in der letzten Woche 121 neue Erkrankungen gemeldet wurden, liegen die Erkrankungszahlen im Vergleich zum letzten Jahr fast beim doppelten.

Abbildung 3. Gräserpollenflug der Region Münsterlingen. Foto: pollenundallergie.ch

Ach so die Pollen! Für sie läuft’s zum Glück aller Allergiker nicht so gut. Nun wird es zwar etwas wärmer. Die Meteorologen sagen aber auch öfter Regen voraus, so dass die Belastung mit Gräserpollen weiterhin eher gering bleiben dürfte.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber setzt seinen Siegeszug weiter fort. Davon betroffen sind auch verschiedene Touristendestinationen. Allen voran Brasilien (mit  282.414 Neu-Infektionen alleine in diesem Jahr), die Dominikanische Republik (1.400 Erkrankungen in 2019), Französisch Polynesien (39 Erkrankungen), die Malediven (1.900 Erkrankungen), die Philippinen (59.140 Erkrankungen), Tansania (1.122 Erkrankungen) und Réunion mit 9.200 Infektionen in diesem Jahr. Einzige effektive Schutzmaßnahme ist der Mückenschutz. Für Einzelheiten schauen Sie gerne nochmals hier im praxisblättle nach.

Was geht rum? 13. April 2019

Eine unspektakuläre Woche geht zu Ende. Die Pollen hatten trotz kühler Temperaturen immer wieder Chancen ihre Power auszuspielen. Die Birkenpollen haben bereits die höheren Lagen erreicht, während am Oberrhein leicht geringere Werte als in der Vorwoche gemessen wurden. Inzwischen sind auch die ersten Gräserpollen – in geringem Umfang – in den Lüften  unterwegs.

Abbildung 1. Meldezahlen für Rotavirusinfektionen beim RKI für die Jahre 2010 bis 2015. Foto: Docplayer

Nach den vielen Atemwegserkrankungen des Winters haben jetzt die Magen-Darm-Infektionen an Bedeutung gewonnen. Die Rotavirus-Infektionen haben landesweit in der ersten Aprilwoche um 101 Neuerkrankungen auf zuletzt 656 Infektionen im laufenden Jahr (Vorjahr: 383) zugenommen. Das erstaunt nicht, da im jährlichen Rhythmus um diese Jahreszeit die Zahl der Rotavirus-Infektionen ihren Höhepunkt erreicht (siehe Abbildung 1). Die Rotaviren sind weltweit die häufigsten Erreger einer Darminfektion bei Säuglingen und Kleinkindern.

Trotz allem gibt es noch Luftwegsinfekte, ganz vereinzelt kommt sogar Influenza bei Kindern und Jugendlichen vor. Daneben Streptokokkeninfektionen und weiterhin einzelne Erkrankungen an Drei-Tage-Fieber. Insgesamt also ein bunter Reigen von Krankheiten, bei jedoch niedrigen Erkrankungszahlen.

Nach einigen kalten Tagen werden die Temperaturen ab Montag wieder anziehen. Das wird die Zecken flügge machen. In den kommenden Wochen ist es ratsam, Kinder abends auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt in den Nabel schauen, hinter die Ohren, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche.

Was geht in der Welt rum? Das Dengue-Fieber hat weitere Urlaubsziele erreicht. Auf den Malediven wurden seit Jahresbeginn 1300 Infektionen registriert, auch in Singapur sind in diesem Jahr 2332 Menschen neu erkrankt. Und das, obwohl der Stadtstaat so viel Wert auf Sauberkeit legt. Die übertragenden Mücken hält es nicht davon ab, Menschen tagsüber zu stechen. Also auch hier: Mückenschutz ist immer auch tagsüber ratsam!

Was geht rum? 06. April 2019

In der letzten Woche ging die Häufigkeit von Infekten tendenziell weiter zurück. Zwar gibt es noch vereinzelt Erkrankungen an Influenza, aber die einfachen Virusinfekte überwiegen.

Regional tritt vermehrt das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) auf. Diese durch Viren verursachte Infektion ist sehr ansteckend, weswegen sie gerne bereits im Säuglings- und Kleinkindesalter auftritt. Damit verbunden ist auch ein etwas höheres Risiko für Infekt-/ Fieberkrämpfe.

Die Masern zeigen in der ersten drei Monaten dieses Jahres eine deutliche Häufung. Bis jetzt wurden 48 Erkrankungen im Ländle gemeldet (Vorjahr zur gleichen Zeit: 19). Allein in der letzten März-Woche traten in der Region Freiburg drei Neuerkrankungen auf.

Der erste massive Flug der Birkenpollen wurde durch die Kaltfront der letzten Tage erstmal ausgebremst. Mit den milderen Temperaturen der kommenden Woche wird sich das bald wieder ändern. Es bleibt also ratsam, die Antihistaminika (Cetirizin und andere) noch regelmäßig einzunehmen und abends die Pollen vom Körper abzuduschen. Die gute Seite des heftigen Pollenflugs: An Ostern dürfte das schlimmste vorbei sein und Birken-Allergiker können vielleicht in Ruhe Ostereier suchen.

Abbildung 1. Beginnendes Erythema migrans als erstes Zeichen einer Borreliose. Foto: ptw

Mit den erwarteten milderen Temperaturen der kommenden Woche werden auch die Zecken wieder flügge. Dann ist es ratsam abends die eigenen Kinder auf diese Tiere zu untersuchen. Zecken verkriechen sich oft in kuschelige Ecken. Also unbedingt den Nabel inspizieren, hinter die Ohren schauen, in Gelenkbeugen (Ellenbeuge, Kniekehle, Achsel) und auch im Genitalbereich nachsehen. Für Erwachsene gilt natürlich das gleiche. Sollte eine Zecke entfernt werden, muss die Einstichstelle über etwa 2 Wochen täglich beobachtet werden. Es könnte sich ein Ausschlag (Erythema migrans – siehe Abbildung 1) als Zeichen einer Borreliose ausbilden.

Was geht in der Welt rum? Es ist wieder einmal das Dengue-Fieber, das tropische Regionen heimsucht. Im Moment sind auch zwei typische Feriendestinationen betroffen: Die Region Mombasa in Kenia meldet 660 Verdachtsfälle. Auf Réunion sind es sogar 3.048 Erkrankungen und 5 Todesfälle. Mückenschutz tagsüber ist die bislang beste Möglichkeit, sich dieser Krankheit zu erwehren. Übrigens: Auch in Baden-Württemberg werden (mitgebrachte) Erkrankungen an Dengue-Fieber gemeldet. Bis 31. März 2019 waren es in diesem Jahr 36 Fälle (Vorjahr: 18). Ein diskreter Hinweis, dass diese Erkrankung weltweit immer mehr zunimmt und auch vor Touristen nicht halt macht. Warum auch!

Was geht rum? 23. März 2019

Der Frühling ist da, es wird wieder bunter im Südwesten. Die Infekte – vor einem Monat noch so beherrschend – nähern sich schnell dem ganzjährigen Normalniveau. Die letzten Kinder und Jugendliche mit Grippe sind dabei sich zu erholen. Kaum einer spricht mehr von der Grippewelle, die in diesem Winter recht glimpflich ablief. Momentan sind es wieder die unspezifischen Virusinfekte, die im Vordergrund stehen: Schnupfen (oder manchmal vielleicht doch eine Pollenallergie?), Husten, etwas Fieber.

Kinderkrankheiten spielen nur regional eine Rolle. Dann aber heftig als Masern: Nordbaden (Ortenaukreis, Baden-Baden, Karlsruhe), Freiburg und Konstanz. Insgesamt sind 41 Menschen daran erkrankt.

Jetzt ist schon die Zeit der Zecken. Sie lieben die Wärme und beginnen im März, die Erreger der Borreliose und der FSME zu verbreiten. Einzelheiten zu diesen Krankheitsbildern haben wir vor einem Jahr im praxisblättle beschrieben.

Abbildung 1. Meldedaten für die FSME nach Quartal zwischen 2012 und 2017 (insgesamt 1932 Meldungen). Foto: RKI

Für alle, die gegen die FSME geschützt sein wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Impfung noch rechtzeitig in Stellung zu bringen. Denn – so zeigt die Abbildung 1 oben – bereits bis Ende März werden jedes Jahr Neuerkrankungen erfasst. In diesem Jahr sind bislang (Stand 22.03.2019) drei FSME-Infektionen in Baden-Württemberg gesichert, die letzte trat im Landkreis Biberach auf.

Unabhängig davon können auch Erkrankungen an Borreliose Kinder und Jugendliche bedrohen. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder jeden Abend auf Zecken untersuchen. Und sich selber am besten auch (gegenseitig).

Die Pollen sind weiterhin gut unterwegs. Am Oberrhein stiegen die Belastungen mit Birkenpollen seit zwei Wochen rasant an. Insofern lohnt sich für alle Allergiker der Blick in die Hausapotheke. Sind für Atembeschwerden ausreichend Medikamente vorhanden? Stimmt die Haltbarkeit? Notfälle wie ein Asthmaanfall kommen nicht unbedingt häufig vor, oft aber für die Betroffenen unerwartet. Dann aber sollten Medikamente wie das Dosieraerosol (z.B. Salbutalmol) sofort greifbar sein, um Stress und Lebensrisiko zu vermeiden. Vermutlich wird sich der Pollenflug zu Beginn der kommenden Woche legen, wenn die Temperaturen wieder zurückgehen.

Was geht in der Welt rum? Im Moment setzt das Dengue-Fieber seinen Zug durch die Welt fort. Es kommt in allen tropischen Regionen und besonders in Asien vor. Aber die Zahlen, die aus Brasilien gemeldet beunruhigen speziell: 76.474 gemeldete Erkrankungen allein in diesem Jahr (mit 44 gesicherten Todesfällen). Betroffen sind besonders die Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Grund genug, auch in Brasilien als Reisende gezielter auf den Mückenschutz tagsüber zu achten.

Was geht rum? 02. März 2019

Das traumhafte Wetter im Südwesten war eine Labsal nicht nur für Kinder und Jugendliche. Inwieweit sich das im Immunsystem niederschlagen wird, zeigt vermutlich die kommende Woche.

Für Baden-Württemberg liegt die Zahl der Atemwegsinfekte seit 3 Wochen auf etwa einem Niveau, bei regionalen Unterschieden. Gegenüber den beiden Vorjahren treten die Erkrankungen in diesem Jahr bislang seltener auf (siehe rote Kurve in der Abbildung 1). Der in der Grafik dargestellte Praxisindex spiegelt die Zahl der Atemwegsinfekte wieder, wie sie in der ärztlichen Praxis wahrgenommen werden. Diese Zahl erreicht in der Grippewelle meist ihren Höhepunkt, wenn zu den „üblichen Infekten“ die vielen Erkrankungen durch Influenza hinzukommen.

Abbildung 1. Praxisindex für Baden-Württemberg. Dieser spiegelt die Häufigkeit der Atemwegsinfekte wieder. Als Normalwert wird 115 angesehen. Alle Werte darüber zeigen eine Häufung an Infektionen an. Foto: AG Influenza

Diese „üblichen“ Infektionen der Atemwege waren auch in der letzten Woche vorherrschend: vom einfachen Infekt des Rachens (Pharyngitis) bis hin zu den Lungenentzündungen (Bronchopneumonien). Die RSViren spielten eine geringere Rolle als in den ersten Wochen des Februars. Neu hinzu kam eine Häufung an Streptokokkenerkrankungen, teilweise mit Ausschlag: Scharlach. Regional, besonders im Rhein-Neckar-Kreis traten gehäuft Windpocken auf.

Die Magen-Darm-Infektionen mit Noroviren halten sich noch immer auf sehr hohem Niveau.

Die Pollen haben erstmals in diesem Jahr gezeigt, welche Macht sie haben. Gerade im Bodenseeraum wurde die Belastung mit Haselpollen als stark eingestuft. Sie verursachten Schupfen und Bindehautentzündungen (Rhinoconjunctivitis), in einigen Fällen auch allergische Ausschläge. Die Erlenpollen waren ebenso vorhanden, spielten aber eine untergeordnete Rolle. Mit der sich ändernden Wetterlage werden die Allergiker nun zumindest eine Verschnaufspause von einer Woche haben.

Was geht in der Welt rum? Wieder einmal steht das DengueFieber ganz im Vordergrund für  Reisende aus Deutschland. Besonders betroffen sind die asiatischen Staaten Indonesien (seit Januar 2019: 16.690 Neuerkrankungen), Malaysia (24.200 Neuerkrankungen in diesem Jahr) und Thailand (seit Januar 6500 Neurerkrankungen in Bangkok und den südlichen Regionen). Deutlich geringere Zahlen werden aus Réunion (723) und der Karibik (z.B. Dominikanische Republik: 191) gemeldet. Mückenschutz ist die wichtigste Maßnahme, besonders tagsüber.

Was geht rum? 09. Februar 2019

Die Infekte ziehen weiter durchs Land. Die Influenza („Grippe“) ist in diesem Winter auch dabei. Diesmal aber eher als Begleiter und nicht als Hauptdarsteller unter den Infekten. Diese Aufgabe haben im Moment die – nicht näher zu bestimmenden – Virusinfekte übernommen. Sie verursachen Halsschmerzen und natürlich Husten. Dieser ist zu oftmals so trocken, dass er zeitweise zum Krupphusten wird. Und: es sind viele Kinder und Jugendliche von diesen Infekten betroffen. Im Übrigen spielt auch das RS-Virus – besonders in der Gruppe der Kleinsten – leider noch eine große Rolle.

Abbildung 1. Wetter, gestern in Ihringen am Kaiserstuhl. Foto: meteomedia

Folgendes Zeichen der Hoffnung auf den kommenden Frühling ist zugleich ein Hinweis auf harte Zeiten für Allergiker: Am Oberrhein stiegen die Temperaturen gestern erstmals wieder auf zweistellige Werte an. In Ihringen am Kaiserstuhl waren es am frühen Nachmittag 10,7 Grad Celsius. Auch Erlen und Haseln das finden gut. Ein leichter Pollenflug wird kurzzeitig einsetzen.

Obwohl in vielen Regionen von Baden-Württemberg noch Schnee liegt: Jetzt ist die Zeit noch günstig, sich gegen FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis) – also „gegen die Zecke“ – impfen zu lassen. Für weitere Informationen verweisen wir auf das praxisblättle vom März letzten Jahres.

Was geht in der Welt rum? Die höchste Infektionsgefahr – nach den Durchfallserkrankungen – besteht für Touristen wohl durch das Dengue-Fieber. Das ist weltweit auf dem Vormarsch. Mit regional unterschiedlichen Häufigkeiten. Sind es seit Anfang dieses Jahres in Kambodscha 15.240 und in Malaysia 15.790 Neuerkrankungen, so sind die Zahlen für die Karibik deutlich niedriger: in Jamaika 339, Guadeloupe 23 (seit November 2018) und Dominikanische Republik 40 (nur erste Januarwoche 2019). Dem Touristen stellt sich dennoch das Problem, dass er sich auch tags vor Mücken schützen muss. Damit ist die Unbeschwertheit im Urlaub ein Stückchen kleiner.

Vor zwei Tagen meldete die New York Times einen Ausbruch von Masern im Staat Washington (Nordwesten der USA). In dieser Region leben viele Impfgegner.