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Tuberkulose bei Kindern in Deutschland: Hatte die Migration einen Einfluss?

Tuberkulose ist eine der bedeutsamsten Infektionskrankheiten. Weltweit erkranken daran 10 Millionen Menschen jedes Jahr. Von diesen versterben an dieser Erkrankung 1.8 Millionen. Damit ist die Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit des Planeten. Die größte Verbreitung hat die Tuberkulose in Asien (besonders Indien und Indonesien), Afrika und Osteuropa.

Kinder unter 5 Jahren sind besonders empfänglich für eine Ansteckung mit Tuberkulose, da ihre Immunität noch nicht ausgereift ist. Dennoch sind Lungenentzündungen anderer Ursache (andere Bakterien wie Pneumokokken und Viren) weltweit gesehen für Kinder und Jugendliche die häufigste Todesursache.

Abbildung 1. Tuberkulose-Bakterium auf einem Makrophagen (weiße Blutzelle). Foto: aerzteblatt.de

Ausgelöst durch sog. säurefesten Stäbchen (Bakterien – siehe Abbildung 1) kann die Tuberkulose viele Organe betreffen. Ganz im Vordergrund steht die Lunge (82.5% bei den Kindern), gefolgt von den Lymphknoten. Damit steht auch das Symptom Husten an erster Stelle. Bedingt durch den langsam schleichenden Verlauf dauert es aber häufig recht lange bis die Erkrankung als solche entdeckt und dann behandelt wird. Langwierige stationäre Behandlungen für Kinder sind inzwischen in Deutschland eher selten.

Abbildung 2. Häufigkeit der Neuerkrankungen an Tuberkulose bei Kindern (graue Kurve unten) und Erwachsenen (hellblaue Kurve oben) in Deutschland für die Jahre 2002 bis 2017. Die dunkelblaue Kurve zeigt die Gesamthäufigkeit an. Foto: RKI

Für die industrialisierten Länder wie Deutschland, stellt sich die Situation in Bezug auf Tuberkulose komplett anders als in vielen Ländern der Erde dar. Bedingt durch eine gute Ernährung der Bevölkerung, gesunde Wohnverhältnisse und eine für alle Menschen gute medizinische Versorgung ist die Tuberkulose in Deutschland seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. Die Tuberkulose kommt in den Städten häufiger vor (Hamburg 13.1 Neuerkrankungen auf 100.00 Einwohner) als im ländlichen Raum (Niedersachsen 4.4, Schleswig-Holstein 4.8). Auch die Migrationsbewegungen seit dem Jahr 2015 haben daran wenig geändert (siehe Abbildung 2). Die Häufigkeit bei Kindern ist gegenüber den Erwachsenen nochmals niedriger. Die neusten Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) geben für das Jahr 2017 für Kinder und Jugendliche 238 Neuerkrankungen an. Damit liegt die Erkrankungsrate bei Kindern bei 2.2 Erkrankungen auf 100.000 Kinder. Das entspricht der Rate des Jahres 2004. Den niedrigsten Wert konnte das RKI für Kinder im Jahre 2008 ermitteln (1.1).

Die Tuberkulose ist eine meist schwerwiegende Erkrankung. Die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern in Deutschland liegt auf sehr niedrigem Niveau. Daran haben die Migrationswellen der letzten Jahre nur wenig geändert.

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.