Schlagwort: Durst

Fieber

Mit dem beginnenden Herbst kommt bald wieder die Zeit der Infektionen. Diese sind in vielen Fällen von Fieber begleitet, das den Kindern Stress und Eltern Angst macht. Dennoch: Fieber ist keine Krankheit. Es ist ein wichtiges Symptom, mit dem der Körper eine Fehlermeldung signalisiert – ähnlich wie die Kontrollleuchte in einem Auto.

Krankheiten bei denen Fieber auftritt sind sehr häufig. Mit Abstand am häufigsten tritt Fieber bei Infektionen mit Viren oder Bakterien auf. Diese Krankheitserreger können Stoffe freisetzen, die im Gehirn eine Veränderung des „Temperatur-Sollwertes“ herbeiführen. Das Gehirn (genauer die Region des Hypothalamus im Gehirn) gibt dem Körper dann beispielsweise den Befehl, statt einer Körpertemperatur von 37 Grad für eine Körpertemperatur von 39.2 Grad zu sorgen. Falls diese Veränderung rasch eintreten soll, kann der Körper dies mit einem Schüttelfrost „erreichen“. Durch die Muskelzuckungen wird der Körper einfach schneller warm. Aber auch andere Krankheiten können Fieber machen: Rheuma, Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder auch das sog. „Heufieber“, also der allergische Heuschnupfen. Fieber ist also nicht immer Zeichen für eine Infektion.

Wie messe ich die Körpertemperatur?

Die normale Körpertemperatur sollte im After (rektal) gemessen morgens in Ruhe immer unter 37.5 Grad Celsius liegen. Diese Messung ist die genauste. Rektale Temperaturen über 38.0 Grad sind immer auffällig und bedürfen einer Erklärung. Einigermaßen zuverlässig ist die Messung unter der Zunge, alle anderen Messungen weisen höhere Unsicherheiten auf. Bei der Messung mit dem Ohrthermometer wird oft eine zu niedrige Temperatur gemessen, wenn es nicht gelingt, das Trommelfell sicher anzupeilen.

Ist jede erhöhte Temperatur immer auch Fieber?

Nein. In den meisten Situationen ist der Sollwert des Gehirns korrekt, das Gehirn sagt also dem Körper: Halte die Temperatur bei 37 Grad. Es kann jedoch vorkommen, dass es dem Körper nicht gelingt, die auftretende Wärme abzugeben, wie bei einer Kissenschlacht. Es wird dann zu viel Wärme produziert und die Wärmeabfuhr ist vielleicht durch Wassermangel (z.B. hat ein Kind vor Aufregung auf dem Geburtstagsfest zu wenig getrunken) nicht ausreichend möglich. Auch Durst kann also die Temperatur ansteigen lassen, weil die Flüssigkeitsmenge für ein kräftiges Schwitzen nicht mehr ausreicht. Das nennt man medizinisch dann nicht Fieber, sondern HyperthermieIn diesem Fall will also der Hypothalamus dass die Temperatur bei 37 Grad liegt, aber der Körper kann das nicht umsetzen. Ein anderes Beispiel für eine Hyperthermie ist das zu warm angezogene Kind („….. es könnte sich erkälten“). Oder der Bauer, der im Sommer eine Wiese mit der Sense mäht und sich erschöpft unter einen Baum setzt. Wenn er dann Schatten hat und etwas trinkt, kommt die Temperatur von vielleicht 39 Grad innerhalb kurzer Zeit wieder auf Normalwerte zurück. Ohne dies zu messen spürt der Bauer, dass er wieder weitermachen kann.

Ist Fieber sinnvoll?

Im Infekt meistens. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Fieber zur Abwehr von Erregern wirksam ist. Aber es kann auch negative Folgen haben. Der Körper ist beim Fieber hohen Anstrengungen des Kreislaufs ausgesetzt. Fieber führt – wie wir alle erlebt haben – auch zu subjektiven Missempfindungen mit Angstträumen. Bei Kleinkindern können auch Fieberkrämpfe auftreten.

Was muss ich bei Fieber machen?

Zunächst muss mit den anderen Symptomen zusammen entschieden werden, ob Gefahr im Verzug ist. Fieber alleine ist meist kein Problem. Wenn aber zusätzlich Schläfrigkeit des Kindes auftritt, kann dies im schlimmsten Fall auch der Beginn einer Hirnhautentzündung sein. Bei grösseren Kindern und Jugendlichen ist das meist einfach zu klären, bei Kleinkindern sollte im Zweifelsfall ein Kinder- und Jugendarzt hinzugezogen werden.

Handelt es sich um einen „einfachen“ Infekt ist zunächst Flüssigkeitszufuhr wichtig. Daneben sollte das Kind warm zugedeckt werden, wenn sich sein Körper eher kalt anfühlt. Es sollte jedoch eher aufgedeckt werden, wenn es zu schwitzen beginnt. Das ist dann in aller Regel ein Hinweis auf die einsetzende Fiebersenkung. Unterstützend sinnvoll können Wadenwickel sein, wenn das Kind sie annimmt und die Beine warm sind (!).

….. und Medikamente?

Sie sind oft hilfreich, um unangenehmen Folgen des Fiebers entgegenzuwirken. So senken Arzneien wie Paracetamol (ben-u-ron© und andere) oder auch Ibuprofen (Dolormin©, Nurofen©) den erhöhten Sollwert im Gehirn. Der Körper bekommt also den Befehl „von oben“, statt beispielsweise 39.2°C die Temperatur auf 38.3°C zurückzufahren. Das Fieber sinkt. Meist aber nur für wenige Stunden. Aber das ist für den Kranken schon angenehm. Vergessen Sie dabei nie, wie Sie sich selbst mit Fieber fühlten! Diese Medikamente sind je nach Alter bei Temperaturen von 39.5 bis 40.5 Grad Celsius oft sinnvoll, aber teilweise auch bei geringeren Temperaturen, wenn gleichzeitig Schmerzen geklagt werden. Denn dagegen ist Paracetamol oder Ibuprofen auch hilfreich. Es ist auch verständlich, dass Fieber in der Einsamkeit der Nacht schlimmer ist, als wenn um das Kind herum tagsüber viel Ablenkung ist. Also, im Zweifelsfall zur Nacht eher mal großzügiger sein – und am Tag eher „geiziger“, wenn das Kind unter guter Beobachtung steht.

Gibt es Nebenwirkungen?

Ja. Deswegen sollte auch nicht bei jeder Temperaturerhöhung ein Medikament gegeben werden. Sie sind aber zum Glück selten. Unerwünschte Wirkungen treten bei einer Überdosis auf. Eine schwerwiegende Nebenwirkung von Paracetamol ist Fieber, also genau das, was wir eigentlich behandeln wollen. Das heißt, es kann schwierig sein, zu erkennen, ob das Fieber Krankheitszeichen oder bereits eine Nebenwirkung bei Überdosis ist. Wenn Sie die verordnete Dosis nicht überschreiten und z.B. Paracetamol maximal 3 Mal in der angegebenen Dosis am Tag geben, kann Ihrem Kind aber nichts passieren. Häufige Gabe von Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen über Jahre hat weitere, teils schwere Folgen. Das ist aber eher ein Problem von Erwachsenen.

Fazit

Wenn Ihr Kind also Fieber hat beachten Sie immer auch die anderen Zeichen: Wie geht es meinem Kind? Ist es wesensverändert oder jammert es nur über die Symptome Husten/ Schnupfen? Habe ich eine Erklärung für das Fieber? Eine Vorstellung beim Arzt ist umso wichtiger, je kleiner das Kind ist, also insbesondere bei Säuglingen. Im Zweifelsfall einfach beim Kinder- und Jugendarzt anrufen und nachfragen.

Der Wasser-Wahn

Nach einem Regentag ist ein Waldspaziergang am Morgen eine intensive sinnliche Erfahrung. Noch gibt es leichte Bodennebel, die den Duft der Erde, des Getreides oder des modrigen Holzes zu einem Fest für die Nase machen. Beste Luftqualität, in feine Duftnoten verpackt und – kaum zu glauben – kostenlos.

Warum sollte ich auch für Luft bezahlen? Sie gibt’s in rauen Mengen allüberall auf der Erde. Und manchmal haben von der sauberen Luft sehr arme Menschen mehr als reiche, die in den Metropolen in einem Loft wohnen. Wird sich das mal ändern? Werden uns Unternehmen in wenigen Jahren Luft verkaufen? Abwegiger Gedanke?

Abbildung 1. Verbrauch an Mineralwasser aus Flaschen von 1970 bis 2017. Foto: de.statista.com

Beim Wasser haben sie es geschafft. In den letzten Jahrzehnten wurde uns mit geschickter Werbung nahegelegt, für Wasser zu bezahlen. Im Jahre 1970 lag der Verbrauch an Mineralwasser noch bei 12,5 Liter/ Einwohner in Deutschland. Wie die nebenstehende Graphik (Abbildung 1) zeigt, stieg dieser bis 2015 auf 149 Liter, um danach wieder leicht abzufallen. Die Werbung hat sich also gelohnt. Hinzu kam, dass wir in den letzten Jahrzehnten das amerikanische Verhalten kopierten: In allen Lebenslagen ein Getränk mit sich führen. Um die Ecke könnte ja die Wüste beginnen.

Aber brauchen wir Wasser von der Mineralquelle? In Deutschland und einigen anderen Ländern wie der Schweiz und Österreich ist die Qualität aus dem Wasserhahn hervorragend. Das hat zuletzt die Stiftung Warentest im August 2016 an 28 verschiedenen Orten in Deutschland nochmals eindrücklich belegt.

Eine genaue Betrachtung zeigt, dass es für Getränke aus der Flasche kaum vernünftige Argument gibt.

Das fängt bei den Kosten an. Ein Liter Leitungswasser kosten uns maximal 0,2 Cent. Ein Liter Mineralwasser aus der Flasche kostet im günstigsten Fall das 65-fache: 13 Cent. Das erscheint erstmal nicht viel zu sein. Wenn man den Wasserkonsum – manche trinken ja auch Kaffee, Säfte oder Bier – sehr konservativ mit 1 Liter pro Tag ansetzt kommen doch fast 50 € pro Jahr zusammen.

Die Kisten von Mineralwasser müssen irgendwie nach Hause kommen. Der Transport kostet erstmal Zeit, Kraft (meist einseitig und nicht günstig für die Wirbelsäule) und Aufwand (Pfandflaschen zurückbringen, Pfandbon nicht verlieren). Frisches Wasser aus der Leitung – der pure Luxus. Und fast kostenlos.

Nicht zu vergessen die Umweltbelastung. Heute trinken feine Leute in Hongkong Perrier aus dem Rhônetal. Für Amerikaner ist es hingegen hipper Fiji-Water (ein Wasser aus einem artesischen Brunnen in Fidschi) zu trinken. Da mutet der Transport von Flaschen in Deutschland recht harmlos an. Dazu kommt weiterer Energie- und Wasserverbrauch durch Reinigung der Flaschen und der Abfüllanlagen. Der Energieverbrauch soll das 500-fache gegenüber dem Leitungswasser betragen. Nicht zu vergessen die Müllbelastung für die PET-Flaschen, die nur zu etwa 20% wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Und der Müll landet am Ende oft im Meer – widersinnig, in der grössten Wasserquelle dieser Erde.

Auch die mikrobiologische Qualität ist letztlich beim Leitungswasser meist am besten. Es wird permanent untersucht. Im Bedarfsfall darf in Spuren eine Behandlung mit Chlor erfolgen, wobei die Wasserwerke zunehmend auf Desinfektion mit UV-Strahlen umstellen. Je nach Region können weitere unerwünschte Belastung auftreten durch Chrom, Pestizide, Nitrate und Medikamente. Diese Belastungen treffen jedoch auch die Mineralwässer (siehe Stiftung Warentest Juli 2017). Und je nach Wartezeit im Regal des Supermarktes, nimmt die Belastung mit Mikroorganismen zu.

Das ist alles reichlich seltsam. Und vielleicht ein Anstoß, dass wir selber unser Verhalten etwas ändern:

Wir können Kindern vorleben, dass Leitungswasser gut ist. Das gilt für alle Kinder ab 1 Jahr. Denn in landwirtschaftlichen Gegenden findet bis heute noch Überdüngung statt und die führt zu einem hohen Nitratgehalt, der für Kinder im Säuglingsalter problematisch sein kann. Immerhin nimmt sich die Politik langsam dieses Problems an.

Wer’s sprudelig mag, der kann sich seinen eigenen Sprudel aus Leitungswasser machen. Erste Hinweis hierfür gibt das Ministerium für Ernährung.

Als Trinkwasser wird Wasser mit hohem Mineralgehalt oft geschmacklich besser eingeschätzt. Das kommt in einigen Regionen direkt aus der Leitung – im Schwarzwald jedoch wegen des Granitgesteins weniger. Das Wort „Mineralwasser“ suggeriert, dass Flaschenwasser viele Mineralien enthält. Das ist heute nicht mehr so. Saskia von LIDL enthält beispielsweise je nach Quelle nur 140 mg/Liter (Löningen), das Leitungswasser von Bad Dürrheim enthält immerhin 700 mg/Liter.

Ein wachsendes Problem für Leitungs- und Mineralwässer sind die Medikamentenrückstände. Diese gelangen auf verschiedenen Wegen vom Patienten ins Abwasser. Vermutlich noch belastender als eingenommene Medikamente sind Cremes (Sonnencreme oder „Schmerzsalben“ wie Voltaren® Emulgel), deren Verbrauch riesig ist. Daten über die Umweltfolgen liegen jedoch nur spärlich vor. So ist bekannt, dass Diclofenac (Wirkstoff in Voltaren®) nachweislich die Nieren von Fischen schädigt. Zu diesem Thema gibt es eine aktuelle Publikation im Deutschen Ärzteblatt. Als Verbraucher können wir im Umgang mit Medikamenten vorsichtiger sein.

Abbildung 2. Wie viel Wasser wird in Europa aus Flaschen getrunken. Riesige Unterschiede. Klappt die Werbung in einigen Ländern besser? Oder trinken Schweden aus den zahlreichen Seen? Foto: www.reddit.com

„Trinken Sie viel“ – sagt so mancher Arzt. Außer in besonderen Lebenssituationen (mit eingeschränktem Bewusstsein) kann das kein vernünftiger Ratschlag für gesunde Menschen sein. Es sagt ja auch keiner, „atmen Sie genug“. Das sind Prozesse, die unser Körper selber regelt. Wer Durst hat trinkt. Wer nicht: nicht. Die nebenstehende Graphik (Abb. 2) zeigt, dass nicht alle Länder von diesem Wasser-Trink-Wahn befallen sind. Gerade die Schweden greifen wenig auf Flaschen-Wasser zurück.

Vergessen wir also selbsternannte „Experten“ mit halb gegorenen Studien. Und vertrauen wir  auf den Durst, der die Menschheit bis heute gut geleitet hat. Sorgen wir lieber mit unserem Verhalten dafür, dass auch unsere Kinder weiterhin vom guten Wasser trinken können.