Schlagwort: Erbrechen

Vogelbeere – rote Verführung

Die Vogelbeere wird oft als giftig angesehen. Das stimmt in den meisten Fällen nicht. Nur in sehr großen Mengen kann sie Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Im Moment präsentiert sie sich an vielen Stellen in der Natur mit ihren apfelförmigen kleinen Beeren, die in engen Trauben zusammenhängen.

Die Beeren sind beliebte Nahrung für Insekten und Vögel, daher die Bezeichnung Vogelbeere. Naturmenschen nennen sie eher EberescheSorbus aucuparia). Da sie sehr weit verbreitet ist, auch in höheren Lagen wächst und in Bezug auf Böden sehr bescheiden ist gibt es noch zahlreiche weitere Namen.

Abbildung 1. Apfelförmige Vogelbeeren der Ebersche mit den typischen Blättern

Pflanze

Die Eberesche ist ein bis zu 15 Meter hoher Baum, dessen unpaarig gefiederte Blätter maximal 20 cm lang werden. Die scharlachroten Früchte enthalten in der Regel 3 rötliche Kerne.

Giftige Inhaltsstoffe

Die frischen Beeren sind schwach giftig. Nach dem Abkochen ist der Gehalt an Parasorbinsäure soweit vermindert, dass bedenklichen Beschwerden nicht möglich sind.

Kritische Dosis und Symptome

Erst bei Einnahme erheblicher Mengen an Beeren kann es zu Übelkeit, Erbrechen ausgelöst durch die Parasorbinsäure.

Auch wenn die Vogelbeere durch ihre leuchtenden Früchte Aufmerksamkeit bei Kindern auslösen kann, lassen diese wegen des uninteressanten Geschmacks bald von den Beeren ab. Die Vogelbeere speilt als Giftpflanze bei Kindern fast keine Rolle.

Vergiftung mit Zäpfchen gegen Erbrechen?

In der medizinischen Literatur sind in der letzten Zeit Artikel erschienen, die darauf hinweisen, das einige frei verkäufliche Medikament teilweise zu tödlichen Vergiftungen führen können. Dies betrifft insbesondere Dimenhydrinat, den Wirkstoff in den Arzneien Vomacur© und Vomex A©. Sie sind für jedermann frei in der Apotheke ohne Rezept erhältlich (sog. „OTC-Medikamente“).

Während gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten (Antibiotika, Cortison u.a.) oft Ängste vorhanden sind, werden apothekenpflichtige Medikamente teilweise ohne Bedenken eingenommen. Das ist jedoch ein Trugschluss. Frei verkäufliche Arzneien sind teilweise nicht unbedenklich.

Beim Wirkstoff Dimenhydrinat (in Vomacur© und Vomex A©) handelt es sich um eine Substanz, die – als Nebenwirkung – den Brechreiz senken kann. Dabei hat sie aber weitere Wirkungen an Herz und Gehirn. Dies muss immer bedacht werden. Deswegen ist es gut, dass die Apotheker in unserer Region gerade bei Kleinkindern immer erst eine Untersuchung beim Kinderarzt anraten, bevor solche Substanzen angewendet werden.

Für Deutschland sind 2 Todesfälle beschrieben, wobei beim letzten Fall bereits 2 Zäpfchen am gleichen Morgen gegeben diese fatale Folge hatte.

Fazit

  • Apothekenpflichtige Medikamente, die man ohne Rezept kaufen kann, sind nicht unbedingt unbedenklich und sollten nur sorgsam eingesetzt werden nach Hinweis des Apothekers bzw. des Beipackzettels
  • Manche Packungen enthalten 5, teilweise 10 oder gar 20 Zäpfchen/ Tabletten. Die Anzahl soll nicht dazu verführen, die Dosis ggf. kurzfristig zu steigern ohne sich beim Arzt oder Apotheker darüber zu informieren, ob das sinnvoll bzw. unbedenklich ist
  • Erbrechen hat viele Ursachen. Vomacur© und Vomex A© sind keine Abschaltknöpfe.

Spätestens, wenn nach einmaliger Gabe keine klare Besserung auftritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Durchfall – schon wieder!

Durchfallserkrankungen erleben Eltern bei ihren Kindern oft. Mal leichter Durchfall ohne weitere
Probleme, mal aber auch heftige Durchfälle mit Erbrechen. Und in diesem Fall droht immer auch ein bedeutsamer Flüssigkeitsverlust. Im Säuglingsalter lässt sich im Fall mehrfachen Erbrechens eine stationäre Behandlung nicht oft nicht verhindern.

Wie kann man Klein-Kindern helfen, wenn sie erbrechen?

  • Zunächst mal die Situation beruhigen: Das Kind trösten, ihm hilfreich zur Seite stehen und nicht die Frage stellen, die das Kind ohnehin plagt („Musst Du brechen?“) – sondern mit viel Ruhe und Geduld Mut machen.
  • Dann kann so nebenbei anfangen ein Getränk zu anzubieten. Langsam, schluckweise unter Zuspruch (und ohne die oben genannte Frage zu stellen!) und wenn möglich ohne den großen Eimer mit Erbrochenem im Angesicht. Das ideale Getränk ist die Elektrolytlösung (z.B. Oralpaedon©), in der sich Wasser – Zucker – Salze (Elektrolyte) in idealer Konzentration zusammenfinden. Das Problem ist oft: manche Kinder lehnen den Geschmack ab. Dann zunächst versuchen zu motivieren, selber probieren („schmeckt doch nicht so schlimm“ – was ja auch stimmt) und nochmals anbieten. Und wenn das nicht geht: Apfelsaft-Schorle: Apfelsaft (1 Teil) vermischt mit Wasser (2-3 Teile). Auch hier wieder: zunächst kleine Schlucke. Die Trinkmenge muss langsam gesteigert werden.
  • Vomacur©/ Vomex©- Dimenhydrinat? Der Einsatz ist nur bei heftigem Erbrechen sinnvoll, wenn Kinder aus dem Erbrechen trotz langsamer Trinkversuche nicht herausfinden. Als Saft? Wer Vomex©-Saft trinken kann, dem geht’s zu gut für dieses Medikament. Dann lieber Apfelschorle trinken. Insofern ist diese Medikation grundsätzlich als Zäpfchen vorrätig zu halten. Und: Für Kinder und Kleinkinder maximal 1 Zäpfchen pro Tag. Die Wirkung von diesem Medikament wird maßlos überschätzt. Da es zur Müdigkeit führt, sollte eher darauf verzichtet werden – siehe dazu auch das praxisblättle in drei Tagen

Sollte sich danach das Trinkverhalten nicht bessern oder das Erbrechen noch anhalten, muss ein Arzt oder ggf. das Krankenhaus aufgesucht werden. Dort wird dann weiter untersucht und ggf. auf eine Infusionsbehandlung umgestellt.

Dieses Vorgehen ist doch nicht neu? Nein, wir haben das im praxisblättle seit 25 Jahren immer wieder mal beschrieben. Nur, jetzt ist auch der Nutzen der Apfelsaftschorle wissenschaftlich untermauert. Stephen B. Freedman und Kollegen aus Toronto (Canada) konnten im JAMA (Journal of the American Medical Association) belegen, dass es besser ist Kindern Apfelschorle („diluted apple juice“) anzubieten, als sie zu nötigen, Elektrolytlösungen zu trinken. Die untersuchten Kinder waren um die 2 1/2 Jahre alt und brauchten eine Infusionstherapie nach Apfelschorle nur in 2.5%, während die Vergleichsgruppe mit Elektrolytlösung in 9% stationäre zur Infusion eingewiesen werden mussten.

Wie sagt man im Volksmund: „Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

TIPP Fanconi-Lösung – eine einfache Hilfe bei Erbrechen

Von Brechdurchfällen sind Kinder oft betroffen. Da kommt es dann vor, dass ein Kind von jetzt auf sofort spucken muss, manchmal mehrfach. Wir Eltern sind erstmal erschrocken und fragen uns, was da zu machen sei. In den meisten Fällen hilft es, das Kind zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und ihm langsam ein Getränk zuzuführen. Aber was?

Abbildung 1. Guido Fanconi, Schweizer Pädiater und wichtiger Wegbereiter für eine moderne Kinder- und Jugendheilkunde. Foto: Ze’ev Aleksandrowicz

Ideal sind die Elektrolytlösungen wie Oralpädon© (in verschiedenen Geschmacksvarianten). Das Problem ist nur, viele Kinder verweigern die an sich nicht schlecht schmeckenden Getränke schlicht. Dann kann man alternativ auf eine Apfelschorle (1 Teil Apfelsaft + 3 Teile Wasser, dazu etwas Salz direkt oder indirekt mit Salzstängele) zurückgreifen, die von fast allen Kindern gerne getrunken wird. Aber es gibt noch eine besser Möglichkeit, die den Namen vom berühmten Leiter vom Zürcher Kinderspital trägt:

Die „Fanconi-Lösung“

Diese Lösung ist für Kinder schmackhaft und in ihrer Zusammensetzung besser als die Apfelschorle (jedoch nicht ganz so gut wie die Elektrolytlösungen). Mit dieser Lösung gelingt es die Salzverluste nach dem Erbrechen wieder gut aufzufangen. Und so kann man sie herstellen:

  • 3 Esslöffel (Trauben-)zucker
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • beides zusammen in 300 ml Orangensaft auflösen und diese Mischung dann in
    1 Liter verdünnten Schwarztee geben

Alle diese Getränke werden zunächst löffelweise gegeben in langsam zunehmender Menge. Dabei sollte ein Kleinkind nach 30 min etwa 100 ml getrunken haben (nicht mehr!). Ist bis dahin kein Erbrechen mehr aufgetreten, kann das Kind so schnell trinken wie es mag. Im anderen Falle wieder zur löffelweisen Gabe der Flüssigkeit zurückkehren und von vorne beginnen. Immer sehr langsam, mit viel Geduld und ohne die Frage „Musst Du spucken?“. Denn dem Kind geht es meist schon schlecht genug und es ist besser, es geschickt durch Anschauen eines Bilderbuches oder anderes abzulenken.