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Sylvester ….. echte Freunde oder Facebook

Heute ist Sylvester. Den Abend verbringe ich mit echten Freunden. Wir treffen uns und haben viel Spaß bei gemeinsamen Spielen. Monopoly natürlich nicht, es geht ja nicht um Macht und Überlegenheit oder gar Streit. Es gibt inzwischen so viele Spiele wie Wizzard oder Qwirkle, die allen gemeinsam Spaß machen, alle zum Lachen bringen und bei denen es manchmal sogar witziger ist zu verlieren. Zumindest ist es keine Schande.

Heute um Mitternacht werden vermutlich die Computer der sozialen Medien wie Facebook auf Hochtouren laufen. Da senden dann Menschen weltweit ihre aber(?)-witzigen Bilder aus dem wahren Leben an Tausende von Freunden, die sie oftmals gar nicht richtig kennen.

Abbildung 1. Werbeumsätze von Facebook. Quelle: Handelsblatt

Facebook hat ja auch mal angefangen als Plattform für Freunde –  junge Freunde. Seit Jahren wollen nun auch die Alten jung sein: Sie tragen Kopfhörer, machen einen auf cool und sind auf Facebook. Obwohl: Facebook wird immer älter. Die Jungen springen zunehmend ab und haben andere Kommunikations-Plattformen.

Und eines sollte klar sein. Facebook ist nicht für uns. Sondern für den Profit bestimmter Leute. Dafür müssen wir User halt Werbung ertragen. So wird ein amerikanischer Nutzer im Jahre 2018 nach neuen Berechnungen 102,30 US Dollar eingespielt haben. Unsere Adressen und unsere Daten sind viel wert. Nur bekommen andere den Ertrag, indem sie uns ein paar Häppchen vorsetzen und wir überglücklich hineinbeißen.

Experten haben herausgefunden, dass jeder Mensch – gemäß neuesten Untersuchungen – 3,7 echte Freunde im Durchschnitt hat (brandeins 12/18). Die stehen wahrscheinlich mit ihm auf dem Balkon und genießen gemeinsam den Beginn des neuen Jahres. Auf Facebook kann ich verzichten. Solange die Freunde um mich herum sind.

Smartphone oder Schlamm?

Das Internet hat die Welt in zwei Jahrzehnten umgekrempelt. Das bestreitet kaum einer. Ob dies aber gut sei oder eher negative Folgen hat ist wird eifrig diskutiert. Der Facebook-Skandal im letzten Monat hat allem eine neue Dimension gegeben. Aber das soll hier erstmal kein Thema sein.

Die Vorteile der engeren Vernetzung von Menschen über Computer oder Mobiltelephon bringen es mit sich, dass wir auch leichter und leiser – unbemerkt – überwacht und kontrolliert werden können. Wer ist dieser big brother, der uns steuern will? Selbst große Unternehmen und Regierungen werden durch Cyberattacken erfolgreich angegriffen. Aber auch wir alle sind für die ungebetenen Gäste interessant. Wir werden ausspioniert, unser Kaufverhalten wird untersucht und die Daten an Firmen verkauft, die uns dann spezifischer locken kann. Das ist nun mal das Geschäft vieler, ob sie nun Facebook heißen oder Payback.

Als ich mir vor knapp 30 Jahren meinen ersten Computer zulegte, lachten alle meine Freunde, weil ich mir eine riesige Festplatte mit 64 kB leistete. Ja, 64 kB – nichts für heutige Begriffe –  schien damals Speicherplatz für die Ewigkeit zu bieten. Ein EDV-Betreuer in der Praxis meinte 10 Jahre später, das Internet sei etwas für Spezialisten und nichts für unsereins. Zwei Jahre danach im Jahre 1998 hatte ich mit Hilfe meines Sohnes die Homepage www.kids-doxx.de (inzwischen im Ruhemodus) hochgeladen. So schnell kann man sich irren.

Was auffällt: diese elektronische Veränderung ist längst im Säuglingszimmer angekommen. Wurde früher dem schreienden Säugling schon mal der Hausschlüssel hingehalten, ist es heute das Smartphone. Kleinkinder werden mit dem ipad schon mal ruhig gehalten wenn Besuch kommt. Aber ist das gut? Internet eröffnet Möglichkeiten und Chancen. Eltern wird nahegelegt ihr Kind möglichst frühzeitig mit diesen Medien vertraut zu machen. „Man kann nicht früh genug anfangen, die Technik verstehen zu lernen“ ist zu hören. Ich widerspreche.

Eines ist sicher. Unsere Kinder werden schon in der Schule und bald danach im Arbeitsleben sehr viel mit elektronischen Medien zu tun haben – ob sie wollen oder nicht. Das sollte zur Folge haben, dass wir ihnen in den ersten Jahren ihres Lebens diese Geräte eben nicht anbieten. So können sie Erfahrungen über Sehen/ Hören/ Riechen/ Fühlen und andere Sinne machen, die im späteren Leben nicht mehr nachgeholt werden können. Auch nicht mit einem „Ergo-Rezept“.

Schlamm und Matsch ist so eine Ur-Erfahrung. Vor unserer Haustüre im Pfrunger Ried geht das sehr leicht. Kinder können über matschige Wege hüpfen, Wasser kanalisieren oder morsche Bäume verschieben, die in torfiger Erde verschwinden. Erinnern Sie sich noch, wie gerne Sie im Dreck gespielt haben? Ich schon. Und auch, dass es danach gerne mal Ärger zuhause gab. Und am nächsten Tag haben wir uns wieder schmutzig gemacht, im Dreck gewühlt, Würmer gesucht und auch mit Schlamm aufeinander geworfen. Das mögen Kinder heute ebenso. Sie müssen nur die Chance dazu geboten bekommen. Auch beim Backen im zähen Teig mantschen ….. wie herrlich. Eine wunderbar sinnliche und beim Naschen schmackhafte Erfahrung, die es locker mit den Reizen eines Smartphones aufnimmt.

In unserer ländlichen Region fehlt manchem vielleicht ein Opernhaus (mir nicht!). Aber unsere Kinder haben ein Paradies vor der Haustüre. Gönnen wir es ihnen! Lassen wir sie bei Wind und Wetter spielen und sinnliche Erfahrungen sammeln die heute Spaß machen und später kaum nachgeholt werden können. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen entwickeln sich Kreativität und Wissen. Und lernen wir aus den Erfahrungen in Korea, wo die digitale Technik (Samsung!) Kindern schon lange zugänglich ist. Dort beobachtet man zunehmend Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Ebenso auch emotionale Verflachung und allgemeine Abstumpfung. Man nennt das dort schon digitale Demenz.

Das ist übrigens auch für Eltern eine einmalige Chance mitzumachen. Genießen Sie die sinnliche Erfahrung.