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Was geht rum? 05. Mai 2018

Der Frühsommer hat in dieser Woche eine kleine Pause bei den Temperaturen eingelegt. Die Infekte sind dennoch auf einem niedrigen Niveau geblieben und ohne besondere Trends.

Ein anderer Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Besonders Jugendliche, auch Schulkinder, werden immer öfter mit Nagelbettentzündungen (medizinisch: Panaritium) vorstellig. Das kommt besonders oft in den warmen Monaten vor. So auch in den letzten Wochen, in denen die Temperaturen wieder deutlich angestiegen sind. Wir werden uns bald mit diesem Thema ausführlicher befassen.

Abbildung 1. Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland im Jahre 2017. Foto RKI-Twitter

Die Erkrankungen an FSME nehmen nach den neuesten Informationen des Robert-Koch-Instituts in Berlin weiter zu. Auffallend ist, dass gut geimpfte Personen davon praktisch nicht betroffen sind. Das heißt auch, dass die Impfung gut wirksam ist. Die Zahl der von FSME betroffenen Landkreise nimmt weiter zu. Thüringen weist nun als erstes Land im Osten eine hohe Anzahl an Zecken auf, die mit dem Virus infiziert ist.

Was geht in der Welt rum? Aus der Schweiz wird ein kurioser Fall einer Tularämie berichtet. Eine Frau war als Joggerin von einem Bussard von hinten angefallen worden, der sie mit seinen Krallen oberflächlich verletzte und ihr diese schwere Krankheit zufügte, die sonst nur Nager und Hasen befällt. Sie benötigte eine mehrwöchige antibiotische Therapie um zu genesen.

Attacken von Bussarden sind auch dem Autor dieses Berichts aus eigener Erfahrung bekannt. Beim Joggen in den Wäldern um Pfullendorf (nördliche Bodenseeregion) wurde er zwischen etwa 1996 und 2000 mehrfach hautnah angegriffen, aber nie verletzt. Die Ursache für das auffällige Verhalten des sonst scheuen, aber großen Greifvogels blieb unklar.

Was geht rum? 21. April 2018

Endlich ist der Frühsommer da. Mit ihm finden auch die Zecken wieder Freude am wandern und somit an uns Menschen – besonders an Kindern. Ab sofort sollten Kinder jeden Abend auf Zecken hin untersucht werden: in der Achsel, hinter den Ohren, im Nabel und in der Genitalregion sollte speziell nachgeschaut werden. Trotzdem keine Angst vor Feld und Wiesen. Sie bereiten allen Kindern viel Spaß. Das Risiko der Zecken ist in aller Regel gut beherrschbar.

Kinder erkranken weiterhin an Infekten, ohne dass ein spezieller Trend auszumachen wäre. Bedenkt man die Heftigkeit der Influenza noch vor vier Wochen, so sind die Infektionskrankheiten betreffend paradiesische Tage gekommen. Wenn nicht ……..

….. mit den Birkenpollen die erste Allergiewelle über so viele Schleimhäute ziehen würde. In aller Regel ist davon auszugehen, dass die betroffenen Kinder und Jugendliche bis Mai Beschwerden haben werden. In den Bergen bleibt die Belastung etwas schwächer.

Und was geht in der Welt rum? In Indonesien gibt es viele Alkoholvergiftungen. Dabei wird illegaler Alkohol konsumiert, der sehr billig angeboten wird und dann auch bedeutende Mengen des giftigen Methanols enthalten kann. Daran sind in den letzten Wochen bereits über 80 Menschen verstorben. Sicher kein Risiko für Kinder, aber Erwachsene müssen aufpassen, wie weit sie sich auf ein fremdes Land einlassen. Nicht nur in Indonesien.

FSME-Impfung? Jetzt ist es höchste Zeit. Aber nicht für alle.

Ein medizinisches Dauerthema in den Sommermonaten wird erneut die Impfung gegen FSME („Zecken“) sein. Wenn die Zecken im Frühling wieder aktiv werden, kommen auch die Ängste vor einer schweren Zeckenerkrankung wieder auf. Diese kleinen Spinnentiere sind bekanntlich sehr angriffslustig und jeder Mensch in Deutschlands Süden kennt sie.

Die Zecke selbst ist hässlich. Viel hässlicher aber sind die beiden bedeutsamen Erkrankungen, die sie übertragen kann.

Abbildung 1. Häufigkeit der FSME-Erkrankungen in Baden-Württemberg im Jahre 2017. Foto: Landes-Gesundheitsamt Baden-Württemberg

1. FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis): durch Viren übertragen, und im Erkrankungsfall bis heute nicht mit Medikamenten ursächlich behandelbar. Mit zunehmendem Alter besteht ein ansteigendes Risiko für eine Meningoencephalitis (vereinfacht oft „Hirnhautentzündung“ genannt).

2. Borreliose: sie ist etwa 500 Mal häufiger und auch mit dem Risiko für eine Hirnhautentzündung verbunden. Aber: die Borreliose ist mit Antibiotika behandelbar, sofern ihre ersten Anzeichen rechtzeitig erkannt werden. Die Behandlung der Komplikationen sind oft schwierig und nur zum Teil erfolgreich. Eine allgemeine Impfung gibt es bislang nicht.

Abbildung 2. Zecken-Endemiegebiete der Schweiz (rot eingezeichnet). Die Hauptregion grenzt unmittelbar an den Bodensee und den Hegau in Deutschland. Foto: Bundesamt für Gesundheit der Schweiz

Dass die Impfung gegen FSME für Erwachsene medizinisch gut begründet ist, ist unter Fachleuten unbestritten. Schwieriger wird die Informationslage bei Kindern. Für das Land Baden-Württemberg wird die Impfung vom Landesgesundheitsamt ab dem ersten Geburtstag empfohlen. Schaut man sich die Datenlage hierzu an, wird die Begründung aber fragwürdiger. Da macht es Sinn, sich mal in unserem Nachbarland umzusehen. Zecken kennen ja keine Grenzen und so dürfte das Risiko für die angrenzende Schweiz in etwa unserem vergleichbar sein. Auf der Karte des Bundesamtes für Gesundheit der Schweiz von 2015 (siehe Abbildung 2 rechts) zeigt sich, dass das Endemiegebiet der Schweiz direkt an das von Baden-Württemberg angrenzt. Die roten Flecken hören an der Grenze zu Deutschland auf und sind auf der entsprechenden deutschen Karte (z.B. des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg) dargestellt.

Prof. Dr. Christoph Berger von der Universitäts-Kinderklinik in Zürich hat sich in einer Arbeit 2011 mit dieser Frage auseinandergesetzt. In den gezeigten Endemiegebieten (Abb. 2) sind etwa 1% aller Zecken Träger des FSME-Virus. Nach einer Inkubationszeit von 1-2 Wochen treten bei geschätzt 10-30% der infizierten Personen grippeartige Beschwerden auf: Kopfschmerz, Müdigkeit, Gliederschmerz, ggf. auch Fieber. Nach kurzer Beschwerdefreiheit kann danach die Erkrankung der Hirnhaut (Meningitis; M) oder der Hirnhaut und des Gehirns (Meningocephalitis; ME) folgen.

Die schweren Verläufe gibt es fast ausschließlich bei Erwachsenen. Im Rahmen der sehr seltenen neurologischen Folgeerkrankungen der Kinder tritt in 70-80% eine Virus-Meningitis auf, die jedoch folgenlos abheilt. Die schwerwiegendere ME, die mit Krämpfen und Lähmung einhergeht ist seltener. Auch diese heilt bei Kindern fast immer folgenlos ab, so dass Todesfälle bei Kindern kaum beschrieben sind. Bleibende Lähmungen nach dieser schweren Komplikation treten bei Kindern nur in 0.5% aller Betroffenen auf. In der Schweiz werden pro Jahr etwa 2 FSME-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren gemeldet. Diese und andere Fakten führen dazu, dass in der Schweiz die Impfung allen Kindern ab 6 Jahren empfohlen wird.

Dieses Vorgehen möchten wir auch allen Eltern in unserer Region Nördlicher Bodensee empfehlen, weil es wissenschaftlich gut begründet ist. Sollten Eltern jedoch eine frühere Impfung gemäß den Regelungen in Baden-Württemberg wünschen, wird sich kein Arzt versperren. Nur muss dann auch klar sein, dass durch den Akt des Impfens selbst das Vertrauensverhältnis Kind-Arzt in einer sehr sensiblen Lebensphase zusätzlich belastet wird. Das kann sich im Einzelfall negativ auswirken, wenn dadurch die Untersuchung bei schweren Krankheitsbildern durch das fehlende Vertrauen des Kleinkindes erschwert wird.