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Giftpflanzen: Goldregen

Seine Blüte ist vollmundig und erfreut ab April über viele Wochen die Menschen durch ihr intensives Gelb, das durch die keimenden Blätter schön zur Geltung kommt: der Goldregen (Laburnum anagryoides).

Goldregen ist hochgiftig durch das darin enthaltende Cytisin. Dies kommt in allen Bestandteilen des Goldregens vor, besonders aber in seinen Früchten und Samen. Selbst das Lutschen an den Blüten bedeutet für Kinder eine Gefahr!

Symptome

Etwa 30 min nach Verzehr: Speichelfluss, Schweißausbruch und Brennen im Mundraum. Danach tritt Erbrechen auf, das bis zu 2 Tagen anhalten kann sowie kolikartige Bauchschmerzen. Das Erbrechen als zentrales Vergiftungssymptom verhindert
in aller Regel eine tödliche Vergiftung.

Therapie

Anruf in der Vergiftungszentrale sowie rasches Aufsuchen einer Klinik. Zuhause sollten keine Versuche unternommen werden, das Kind zum Erbrechen zu bringen.

Prävention

Kinder bitte nicht auf diese giftige Pflanze hinweisen, solange sie sich ihr nicht aktiv nähern. Denn: „Was verboten ist, das macht uns grade scharf“ (Wolf Biermann)

Vergiftungen: Herbstzeitlose

Die vermeintlichen Krokusse, die jetzt an vielen Orten sprießen, sind keine verspäteten Frühblüher, sondern typische Vertreter des Herbstes: Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) . Sie drehen den Rhythmus der Natur um.

Im Herbst zeigen sie sich in ihrer herrlichen farbigen Blüte, um nach einer kurzen Winterpause bis zum Frühjahr ihre kräftigen Blätter zu präsentieren. Dann sind sie eine große Gefahr, weil sie von Menschen mit dem Bärlauch verwechselt werden können. Und: Diese Verwechslung könnte tödlich sein.

Die Pflanze enthält verschiedene Alkaloide und als führendes Gift Colchicin. Die Konzentration des Giftes soll in den Blättern besonders hoch sein. Die Gefahr ist schon jetzt hoch, weil sie eine der wenigen blühenden Pflanzen ist, die Kinder anlocken könnten. Die höchste Gefahr lauert aber im Frühjahr. Dann können die frischen Blätter verwechselt werden mit dem beliebten Bärlauch.

Symptome

Die Vergiftung läuft heimtückisch ab. Etwa 2 bis 6 Stunden nach Aufnahme kommt es zu schwerem Erbrechen und massiven Durchfällen. Diese können über einen Schock zum Herz-Kreislaufversagen führen. SEHR GIFTIG.

Therapie

Sofort die nächste Kinderklinik aufsuchen.

Giftpflanzen: Tollkirsche

Seit dem Altertum ist die Tollkirsche (Atropa belladonna) bekannt. Durch ihre berauschende Wirkung und die Erweiterung der Pupillen wurde sie im Mittelalter gerne als „Partydroge“ eingesetzt. Heute ist sie den meisten Menschen aus der homöopathischen Therapie als Belladonna bekannt.

Die Tollkirsche enthält Atropin und andere sog. Alkaloide, wie sie auch in anderen Pflanzen wie dem Stechapfel vorkommen. Atropin ist ein Anticholinergikum, das in der Medizin (Augentropfen, Anti-Parkinson-Mittel) Anwendung findet.

Symptome

Nach kurzzeitig langsamem Herzschlag kommt es typischerweise zu einem schnellen Herzschlag (Tachykardie). Die Pupillen sind geweitet (Mydriasis), die Stimme wird heiser, die Haut – gut sichtbar auf den Wangen – wird zart-rötlich, die Schleimhäute trocken. Gleichzeitig tritt motorische Unruhe mit Halluzinationen auf. Der Vergiftungsprozess beginnt langsam
und dauert über 8 bis 24 Stunden an.

Vergiftungen

Die Früchte der Tollkirsche sind dunkel und laden zunächst nicht zum Verzehr ein. Aber sie schmecken süß, was Kinder gerne dazu bringt mehrere zu probieren. Häufig werden die Früchte aber in großen Stücken verschluckt, so dass die Giftfreisetzung geringer ausfällt. Eine tödliche Gefahr besteht bei Kindern aber bereits ab 2 bis 5 Beeren. Weil Kinder heute viel weniger in der Natur unterwegs sind, kommen Vergiftungsunfälle durch die Tollkirsche jedoch deutlich seltener vor als früher.

Aktuell sind Atropin-Augentropfen bei weitem problematischer. In aller Regel werden diese beim Augenarzt verwendet, um durch die Erweiterung der Pupillen eine gute Beurteilung des Augenhintergrundes zu ermöglichen. Daneben findet Atropin aber auch Anwendung bei einigen Erkrankungen des Auges und sind dadurch in manchen Haushalten vorrätig. Dort können sie dann von Kindern gefunden und „getestet“ werden.

Therapie

Die Behandlung einer Vergiftung mit Tollkirsche oder Atropin (Augentropfen) sollte immer in einer Klinik erfolgen. Zum einen, weil die Vergiftung möglicherweise extrem gefährlich sein kann, zum anderen, weil die Medizin über ein wirksames Gegenmittel verfügt. Glücklicherweise kommt es hierdurch extrem selten zu Todesfällen.