Schlagwort: HPV-Impfung

Was geht rum? 14. Juli 2018

In schnellen Schritten geht’s auf die Sommerferien zu. Die meisten Klassenarbeiten sind geschrieben. Jetzt schauen die Lehrer in den Schulen die Noten an und die Kinder Filme. Oder sie machen Ausflüge.

Dabei begegnen sie im Südwesten noch immer vielen Gräserpollen, die weiterhin in den Pollenwolken führend sind. In den Bergen ist die Belastung momentan sogar höher als im flachen Land. Bei Ausflügen in den Schwarzwald sollten Kinder und Jugendliche mit allergischem Asthma also mit einem Notfallspray ausgerüstet sein.

Die Enteroviren haben mit ihrem breiten Krankheitsspektrum manche Familien im Griff: Magen-Darm-Infektion (Durchfall), Herpangina (Halsweh), Ausschläge (Hand-Fuß-Mund-Krankheit) – um nur die wichtigsten zu nennen.

Nochmal Urlaub. Die Urlaubsapotheke (Schmerzmittel, Verbandmaterial u.a.) sollte langsam in Angriff genommen werden für alle, die bald auf Reisen gehen. Reichen allfällige Dauermedikamente (z.B. bei Epilepsie oder Asthma) über die Urlaubszeit? Ist ausreichend Sonnenschutzcreme (siehe dazu das praxisblättle von Anfang Juli) im Gepäck?

Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) empfiehlt inzwischen die Impfung gegen HPV (Humanes Papilloma Virus), besser bekannt unter dem Namen der Gebärmutterhalsimpfung auch für junge männliche Heranwachsende. Damit steht die medizinische Empfehlung. Es wird erfahrungsgemäß weitere 1-3 Jahre dauern, bis die finanziellen Fragen bei den Krankenkassen geklärt sein werden. Bei 150 € pro Injektion ist dieses Thema nicht ganz ohne Sprengkraft. Mildernd für die Geldschatulle wirkt sich nur aus, dass deutschlandweit ohnehin nur 45% der Mädchen bislang geimpft sind. Bleibt zu hoffen, dass Jungen und Mädchen gemeinsam die Quote für diesen wichtigen Impfschutz hochtreiben.

Und was geht in der Welt rum? In Laos und Myanmar hat die Zahl der Erkrankungen an Dengue-Fieber deutlich zugelegt. Bei Reisen in diese Länder sollte der Schutz vor den tagaktiven Mücken, die diese Erkrankung übertragen, beachtet werden. Als effektivstes Mittel empfiehlt sich DEET (Diethyltoluamid z.B. in Anti-Brumm©, Nobite©, Care Plus Anti-Insect DEET©, Autan Family Care©). Eine Impfung gibt es zwar und sie ist auf den Philippinen zugelassen. Dabei kann es jedoch zu schweren Krankheitsverläufen kommen, wenn das betreffende Kind nicht bereits vor der Impfung eine natürliche Infektion durchgemacht hat.

HPV-Impfung – nun endlich auch für männliche Jugendliche

In diesem Monat kam die überraschende Vorabinformation der STIKO (Ständige Impfkommission) am RKI (Robert-Koch-Institut, Berlin): Sie „empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert“. Diese Empfehlung war aus medizinischer Sicht seit Jahren überfällig.

Neue Erkenntnisse stehen nicht dahinter, wie SPIEGEL-online suggeriert. Eigentlich ist einfachste Logik ausreichend. Wenn heterosexuelle Mädchen an Gebärmutterkrebs erkranken, dann findet die Übertragung beim Sex statt. Bei dieser Gruppe von jungen Frauen sind also die männlichen Partner die Überträger. Das dürfte wohl bekannt sein. Im Übrigen ist auch bekannt, dass Analkrebs und Peniskrebs durch die HPV-Viren ausgelöst werden kann.

Es ging vermutlich mal wieder ums Geld. Die Impfung ist mit jeweils 150€ pro Dosis außerordentlich teuer. Und je nach Alter sind 2 oder 3 Dosen erforderlich, also pro Proband mindestens 300€ für eine wirksame Impfung. Schade, dass da nicht offen drüber gesprochen wird. Warum bei Geld immer die Scham so bedeutsam wird? In Australien wird die Impfung für die männlichen Jugendlichen schon seit 2013 angeboten. Die Impfung wird auf dem fünften Kontinent von den Jugendlichen gerne angenommen, die Erfolgsquoten sind entsprechend gut.

Ein ähnliches Thema war unter Kinderärzten früher die Rötelnimpfung. Bis in die 1990ger-Jahre wurden nur Mädchen geimpft, um deren Babies vor der Rötelnembryopathie zu schützen. Es dauerte lange, bis allen klar war, dass es in der Welt auch (ungeimpfte) Männer und Väter gibt. Die ein stellen ein gleich hohes Risiko für den Nachwuchs dar wie alle anderen Menschen auch.

In diesem Zusammenhang sollte vielleicht auch in der Medizin über einen Männerbeauftragten diskutiert werden. Seit zwei Jahren hat Matthias Becker diese Funktion in Nürnberg inne. Seine Aufgabenstellungen sind vermutlich andere. Aber das Thema Impfung scheint durchaus auch einen Stellenwert in der Gender-Forschung einnehmen.