Schlagwort: Hygiene

Hunde + Halter + Hygiene

Die Zahl der Haustiere in Deutschland nimmt seit Jahren zu. Dabei erhalten sich die Katzen in vielen Fällen noch Freiräume, indem sie nächstens draußen herumstromern. Hunde hingegen sind mehr an den Menschen gebunden – sie werden Gassi geführt.

Ziel dieser Spaziergänge ist in den meisten Fällen, dass der Hund sich seiner Notdurft entledigt. Und die findet sich dann auch zunehmend in den Städten, Stadtrandgebieten und inzwischen auch auf dem Lande an Orten aller Art. Abgesehen davon, dass soviel Kot nicht ansehnlich ist, stellt sich auch die Frage der Hygiene.

Dem hat sich nun eine Studie einer Arbeitsgruppe um Barbara Hinney vom Parasitologischen Institut der Universität Wien angenommen. Was die acht Forscher herausfanden ist spannend und entlockt einem auch ein leichtes Schmunzeln. Sie untersuchten die Hinterlassenschaft der Vierbeiner in allen Bezirken der Stadt Wien, in Mödling (16 km südlich von Wien) und in Wolkersdorf, einer ländlichen Gemeinde 24 km nördlich von Wien.

Dass im Kot viele Erreger zu finden sein würden, überrascht nicht weiter. Auch das Vorkommen von Toxacara cani – einem für Hunde typischen Parasit – verwundert nicht. In den etwa tausend Hundehaufen fanden die Forscher aber auch Trichuren mit einer Häufigkeit von 1.8%-7.5% sowie Giardia als die häufigsten Protozoen in 4.0%-10.8%. Die beiden letztgenannten Erreger sind auch für Menschen – und ganz besonders für Kinder – bedeutsam und krankmachend.

Es gab große Unterschiede in der Belastung mit diesen Parasiten. Es zeigte sich, dass Hundehaufen in Parkanlagen und auf Trottoirs mehr Erreger enthielten als solche, die ordentlich im Mülleimer entsorgt waren. Ob die Wohnbezirke dicht bewohnt waren oder nicht hatte jedoch keinen Einfluss auf die Belastung mit Parasiten. Auf dem Land war der Befall übrigens deutlich höher als in der Stadt.

Das bestätigten mir auch die Männer meiner Stadtreinigung auf ihrer Tour, die Kanalisation zu reinigen. Gerade im Stadtzentrum sei die Belastung durch offen-liegenden Kot und in Müllsäcken verpacktem Kot enorm. Auch andere Reinigungskräfte können uns direkte Berichte über die wahre „Ordnungsliebe“ unserer oft sittsam daherkommenden Zeitgenossen geben.

Die Forscher vermuten ein „unterschiedliches Hygienebewusstsein der Hundehalter“. Denn die ordentlich entsorgten Hinterlassenschaften der Hunde waren deutlich weniger von Parasiten befallen. Sie weisen nochmals klar darauf hin, dass Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere ordentlich in Tüten entsorgen sollten. Nur dadurch kann das Risiko für Mensch und Tier gering gehalten werden.

Gerade Kinder, die durch ihren Forscherdrang eher mal geneigt sind, sich dem Kot der Tiere zu nähern, sind besonders gefährdet. Aber auch auf Feldern versteckter Kot kommt irgendwann einmal in der Nahrungskette an und trifft uns dann alle.

Der Wasser-Wahn

Nach einem Regentag ist ein Waldspaziergang am Morgen eine intensive sinnliche Erfahrung. Noch gibt es leichte Bodennebel, die den Duft der Erde, des Getreides oder des modrigen Holzes zu einem Fest für die Nase machen. Beste Luftqualität, in feine Duftnoten verpackt und – kaum zu glauben – kostenlos.

Warum sollte ich auch für Luft bezahlen? Sie gibt’s in rauen Mengen allüberall auf der Erde. Und manchmal haben von der sauberen Luft sehr arme Menschen mehr als reiche, die in den Metropolen in einem Loft wohnen. Wird sich das mal ändern? Werden uns Unternehmen in wenigen Jahren Luft verkaufen? Abwegiger Gedanke?

Abbildung 1. Verbrauch an Mineralwasser aus Flaschen von 1970 bis 2017. Foto: de.statista.com

Beim Wasser haben sie es geschafft. In den letzten Jahrzehnten wurde uns mit geschickter Werbung nahegelegt, für Wasser zu bezahlen. Im Jahre 1970 lag der Verbrauch an Mineralwasser noch bei 12,5 Liter/ Einwohner in Deutschland. Wie die nebenstehende Graphik (Abbildung 1) zeigt, stieg dieser bis 2015 auf 149 Liter, um danach wieder leicht abzufallen. Die Werbung hat sich also gelohnt. Hinzu kam, dass wir in den letzten Jahrzehnten das amerikanische Verhalten kopierten: In allen Lebenslagen ein Getränk mit sich führen. Um die Ecke könnte ja die Wüste beginnen.

Aber brauchen wir Wasser von der Mineralquelle? In Deutschland und einigen anderen Ländern wie der Schweiz und Österreich ist die Qualität aus dem Wasserhahn hervorragend. Das hat zuletzt die Stiftung Warentest im August 2016 an 28 verschiedenen Orten in Deutschland nochmals eindrücklich belegt.

Eine genaue Betrachtung zeigt, dass es für Getränke aus der Flasche kaum vernünftige Argument gibt.

Das fängt bei den Kosten an. Ein Liter Leitungswasser kosten uns maximal 0,2 Cent. Ein Liter Mineralwasser aus der Flasche kostet im günstigsten Fall das 65-fache: 13 Cent. Das erscheint erstmal nicht viel zu sein. Wenn man den Wasserkonsum – manche trinken ja auch Kaffee, Säfte oder Bier – sehr konservativ mit 1 Liter pro Tag ansetzt kommen doch fast 50 € pro Jahr zusammen.

Die Kisten von Mineralwasser müssen irgendwie nach Hause kommen. Der Transport kostet erstmal Zeit, Kraft (meist einseitig und nicht günstig für die Wirbelsäule) und Aufwand (Pfandflaschen zurückbringen, Pfandbon nicht verlieren). Frisches Wasser aus der Leitung – der pure Luxus. Und fast kostenlos.

Nicht zu vergessen die Umweltbelastung. Heute trinken feine Leute in Hongkong Perrier aus dem Rhônetal. Für Amerikaner ist es hingegen hipper Fiji-Water (ein Wasser aus einem artesischen Brunnen in Fidschi) zu trinken. Da mutet der Transport von Flaschen in Deutschland recht harmlos an. Dazu kommt weiterer Energie- und Wasserverbrauch durch Reinigung der Flaschen und der Abfüllanlagen. Der Energieverbrauch soll das 500-fache gegenüber dem Leitungswasser betragen. Nicht zu vergessen die Müllbelastung für die PET-Flaschen, die nur zu etwa 20% wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Und der Müll landet am Ende oft im Meer – widersinnig, in der grössten Wasserquelle dieser Erde.

Auch die mikrobiologische Qualität ist letztlich beim Leitungswasser meist am besten. Es wird permanent untersucht. Im Bedarfsfall darf in Spuren eine Behandlung mit Chlor erfolgen, wobei die Wasserwerke zunehmend auf Desinfektion mit UV-Strahlen umstellen. Je nach Region können weitere unerwünschte Belastung auftreten durch Chrom, Pestizide, Nitrate und Medikamente. Diese Belastungen treffen jedoch auch die Mineralwässer (siehe Stiftung Warentest Juli 2017). Und je nach Wartezeit im Regal des Supermarktes, nimmt die Belastung mit Mikroorganismen zu.

Das ist alles reichlich seltsam. Und vielleicht ein Anstoß, dass wir selber unser Verhalten etwas ändern:

Wir können Kindern vorleben, dass Leitungswasser gut ist. Das gilt für alle Kinder ab 1 Jahr. Denn in landwirtschaftlichen Gegenden findet bis heute noch Überdüngung statt und die führt zu einem hohen Nitratgehalt, der für Kinder im Säuglingsalter problematisch sein kann. Immerhin nimmt sich die Politik langsam dieses Problems an.

Wer’s sprudelig mag, der kann sich seinen eigenen Sprudel aus Leitungswasser machen. Erste Hinweis hierfür gibt das Ministerium für Ernährung.

Als Trinkwasser wird Wasser mit hohem Mineralgehalt oft geschmacklich besser eingeschätzt. Das kommt in einigen Regionen direkt aus der Leitung – im Schwarzwald jedoch wegen des Granitgesteins weniger. Das Wort „Mineralwasser“ suggeriert, dass Flaschenwasser viele Mineralien enthält. Das ist heute nicht mehr so. Saskia von LIDL enthält beispielsweise je nach Quelle nur 140 mg/Liter (Löningen), das Leitungswasser von Bad Dürrheim enthält immerhin 700 mg/Liter.

Ein wachsendes Problem für Leitungs- und Mineralwässer sind die Medikamentenrückstände. Diese gelangen auf verschiedenen Wegen vom Patienten ins Abwasser. Vermutlich noch belastender als eingenommene Medikamente sind Cremes (Sonnencreme oder „Schmerzsalben“ wie Voltaren® Emulgel), deren Verbrauch riesig ist. Daten über die Umweltfolgen liegen jedoch nur spärlich vor. So ist bekannt, dass Diclofenac (Wirkstoff in Voltaren®) nachweislich die Nieren von Fischen schädigt. Zu diesem Thema gibt es eine aktuelle Publikation im Deutschen Ärzteblatt. Als Verbraucher können wir im Umgang mit Medikamenten vorsichtiger sein.

Abbildung 2. Wie viel Wasser wird in Europa aus Flaschen getrunken. Riesige Unterschiede. Klappt die Werbung in einigen Ländern besser? Oder trinken Schweden aus den zahlreichen Seen? Foto: www.reddit.com

„Trinken Sie viel“ – sagt so mancher Arzt. Außer in besonderen Lebenssituationen (mit eingeschränktem Bewusstsein) kann das kein vernünftiger Ratschlag für gesunde Menschen sein. Es sagt ja auch keiner, „atmen Sie genug“. Das sind Prozesse, die unser Körper selber regelt. Wer Durst hat trinkt. Wer nicht: nicht. Die nebenstehende Graphik (Abb. 2) zeigt, dass nicht alle Länder von diesem Wasser-Trink-Wahn befallen sind. Gerade die Schweden greifen wenig auf Flaschen-Wasser zurück.

Vergessen wir also selbsternannte „Experten“ mit halb gegorenen Studien. Und vertrauen wir  auf den Durst, der die Menschheit bis heute gut geleitet hat. Sorgen wir lieber mit unserem Verhalten dafür, dass auch unsere Kinder weiterhin vom guten Wasser trinken können.