Schlagwort: Impfung

Kinderkrankheit: Röteln

Gegenüber den anderen Kinderkrankheiten – insbesondere den Masern – sind die Röteln seit Jahren weit weg vom allgemeinen Interesse.

Ausgelöst werden sie durch das Röteln-Virus. Dieses breitet sich durch Tröpfcheninfektion aus. Das kann beim Sprechen passieren, aber deutlich stärker beim Niesen oder Husten oder beim Küssen. Die Ansteckung beginnt beim Infizierten etwa 1 Woche vor Ausbruch des Ausschlags und dauert bis eine Woche nach dessen Abklingen an. Sie geht also über zwei Wochen. Hinzu kommt, dass die Röteln als Krankheit in jedem zweiten Fall nicht erkannt wird. Das Risiko von einem Infizierten angesteckt zu werden ist also enorm hoch und in Schule oder Kindergarten kann man diesem Risiko praktisch nicht entfliehen.

Die Krankheit selbst ist für Kinder kein großes Problem. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen zeigt sich zunächst ein kleinfleckiger Ausschlag, der hinter den Ohren beginnt. Das erinnert zunächst an Masern, weswegen die Röteln im englischen Sprachraum auch „german measles“ heißen, da sie von einem Deutschen entdeckt wurden. Dieser Ausschlag breitet sich auf die Wangen und schließlich auf den ganzen Körper aus. Die einzelnen Flecken (Effloreszenzen) verschmelzen nicht miteinander. Nach knapp 3 Tagen bildet sich der Ausschlag zurück. Bei vielen Erkrankungen ist er im Übrigen so schwach ausgeprägt, dass eine Erkrankung überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Parallel mit dem Ausschlag treten teils schmerzhafte vergrößerte Lymphknoten im Nackenbereich und hinter den Ohren auf.

Jugendliche müssen häufig mit mehr Symptomen rechnen: Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und entzündete Bindehäute. Besonders bei Frauen können auch Gelenkschwellungen und -schmerzen (Finger/ Hand/ Knie) hinzukommen. Mit zunehmendem Alter nehmen auch die Beschwerden bei Röteln zu.

Die bei weitem schlimmste Komplikation bei Röteln ist die Rötelnembryopathie. Erkrankt eine Frau in den ersten 12 Schwangerschaftswochen an Röteln, so werden die Viren auf den Embryo übertragen, die in über 60% schwer erkrankt: Augenschäden, Taubheit, Herzfehlern und Hirnschädigungen sind die Folge. Wegen dieser extremen Erkrankung ist es so wichtig, die Röteln auszurotten, obwohl die Erkrankung für Kinder eigentlich ein Klacks ist.

Im klassischen Fall kann die Diagnose von einem Kinder- und Jugendarzt einfach gestellt werden. Häufig ist der Ausschlag aber so diskret oder er wurde überhaupt nicht gesehen, dass die Diagnose nur über Laborwerte gestellt werden kann. In jedem Fall wird die Immunität von Schwangeren immer bestimmt, um das potentielle Risiko für die Rötelnembryopathie sicher auszuschließen. Immerhin 3% aller Frauen haben keinen sicher nachweisbaren Schutz.

Zur Vermeidung der Röteln ist die Impfung die entscheidende Maßnahme. Sie gibt es nun seit fast 40 Jahren. Meist erfolgt die Impfung gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Mumps – sog. MMR-Impfung. Diese Impfung wird im Regelfall zweimal durchgeführt.

Kinderkrankheit: Mumps

Eine der klassischen Kinderkrankheiten ist Mumps, früher auch gerne Ziegenpeter genannt. Typisch für eine Kinderkrankheit ist, dass nach der Erkrankung eine lebenslanger Schutz (Immunität) bestehen bleibt.

Häufigkeit des Mumps im Jahre 2017 nach Datenlage des RKI. Foto: statista.de

Auslöser des Mumps ist das Mumpsvirus, das nur beim Menschen vorkommt. Übertragen wird es als Tröpfcheninfektion, durch direkten körperlichen Kontakt, aber auch indirekt über Gegenstände wie Löffel, die mit dem Virus benetzt sind. Mumpserkrankungen traten früher im Winter oder Frühjahr häufiger auf, kommen inzwischen aber ganzjährig vor. Bei noch nicht ausreichender Durchimpfung tritt Mumps weiterhin in Deutschland mit mehreren hundert Erkrankungen pro Jahr auf. In Baden-Württemberg waren bis Anfang Juli 30 Neuerkrankungen gemeldet worden. Damit bleibt die Häufigkeit aufs Jahr gesehen mit knapp 60 Fällen gleich hoch wie in den Jahren zuvor.

Mumps tritt nach einer Inkubationszeit von 2 1/2 Wochen (meist 16-18 Tage) auf und betrifft den ganzen Körper. Auffälligstes Symptom ist die Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis), die in 70-80% beidseitig auftritt und 3 bis 8 Tage lang andauert. Bei jedem zehnten Kind sind auch andere Speicheldrüsen betroffen. Diese typischen Symptome betreffen die älteren Kinder. Viele jüngeren Kinder machen die Infektion hingegen durch, ohne dass Krankheitszeichen auftreten: „inapparent“ nennen das die Mediziner. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass mindestens 30-40% aller Infektionen unbemerkt verlaufen.

Wenn jemand an Mumps erkrankt, ist er etwa 2 Tage vor Ausbruch der Erkrankung – also vor Auftreten der Schwellung vor dem Ohr – ansteckend. Die Ansteckung bleibt bis 4 Tage nach Symptombeginn hoch. Insgesamt kann die Ansteckung bereits 7 Tage vor Auftreten der Drüsenschwellung bis 9 Tage danach, also über 14 Tage betragen. Klar ist auch, dass nur die Impfung schützt. Tritt in einer Schulklasse also Mumps auf, haben sich bereits mehrere Kinder angesteckt bevor klar ist, dass es sich um Mumps handelt.

Viele Komplikationen sind beim Mumps möglich. Weitaus am häufigsten sind Komplikationen des zentralen Nervensystems. So kommt es bei bis zu 10% der Erkrankten zu einer aseptischen Meningitis, also einer nicht eitrigen Hirnhautentzündung. Diese heilt praktisch immer folgenlos aus. Die viel seltenere Hirnentzündung (Enzephalitis) kann in 1.5% auch tödlich verlaufen. Recht typisch ist auch eine Taubheit, die bei 4% der Erkrankten vorkommt. In den meisten Fällen ist sie nur vorübergehend. Auf 20.000 Mumpserkrankungen kommt es in 1 Fall zu einer bleibenden einseitigen Taubheit. In aller Regel zeigen sich alle diese Komplikationen 4-5 Tage nach Auftreten der Ohrdrüsenschwellung.

Von vielen Menschen sehr gefürchtet ist die Entzündung des Hodens (Orchitis). Diese tritt immerhin in 15-30% mit Mumps beim erwachsenen Mann auf und ist bei jedem vierten beidseitig. Die Zeugungsfähigkeit ist meist nicht bedroht, wenngleich die Spermien bei 25% der Betroffenen in der Folge auffällig bleiben. Die erwachsene Frau ist in 30% von einer Entzündung der Brustdrüse betroffen und in 5% von einer Entzündung der Eierstöcke.

Die Diagnose „Mumps“ ist bei typischem Verlauf einfach zu stellen. Manchmal kann die Erkrankung zunächst symptomfrei verlaufen und sich nur über eine der Komplikationen äußern. In diesen Fällen gibt es Laboruntersuchungen, um Mumps als Ursache zu bestätigen.

Eine spezifische Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Bereits erkrankte Kinder und Jugendliche können mit Schmerzmitteln unterstützt werden.

Wegen der fehlenden Therapie bleibt die Impfung die einzige Option, diese Kinderkrankheit zu verhindern. Die Impfung erfolgt – meist gemeinsam mit der Impfung gegen Masern und Röteln als MMR – in zwei Schritten: Die erste Impfung wird momentan im Alter von 11-14 Monaten empfohlen, die zweite mit 15-23 Monaten bei einem Mindestabstand von 2 Monaten zwischen den beiden Injektionen.

Impfungen in der Schwangerschaft

Die Diskussion über Impfungen ist in Deutschland angekommen. Gut so. Da macht es auch Sinn, einige Überlegungen zu Impfungen in der Schwangerschaft zu diskutieren, die für die besonders gefährdeten jungen Säuglinge bedeutsam sind.

Lange Jahrzehnte waren Impfungen in der Schwangerschaft schlicht tabu. Das war auch sinnvoll, denn es lagen nur spärliche Informationen zu diesem Thema vor. Das hat sich inzwischen geändert. Obwohl weiterhin Impfungen in der Schwangerschaft nur auf’s Nötigste beschränkt werden, gibt es Daten, die Abweichungen davon anregen. Kürzlich hat sich hierzu die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. geäußert.

Tetanus

Eine Impfung gegen Tetanus „in der Schwangerschaft gilt als unbedenklich, sowohl für die Mutter als auch für das neugeborene Kind“, schreibt die Kommission.

Influenza („Grippe“)

Hier schreibt die Kommission, dass „für Schwangere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wegen eines Grundleidens …..die Influenzaimpfung zum Eigenschutz unabhängig von der Schwangerschaftsphase in jedem Trimenon empfohlen“ wird. In vielen Ländern wie der USA und der Schweiz wird die Impfung generell in der Schwangerschaft empfohlen.

Pertussis (Keuchhusten)

Um die steigende Zahl der Keuchhustenfälle im frühen Säuglingsalter zu verhindern, haben die USA und Großbritannien im Jahr 2012 erstmals eine Keuchhustenimpfung für Schwangere eingeführt. Im Wissen, dass die vom Immunsystem der Mutter gebildeten Antikörper (Abwehrstoffe) auf das Baby im Mutterleib übergehen, hoffte man erfolgreich zu sein. Das gelang auch. Dabei wurde eine Schutzrate von 93% für Säuglinge in den ersten beiden Lebensmonaten ermittelt. Neue Untersuchungen aus Kalifornien zeigen darüber hinaus, dass jene Säuglinge, die trotzdem erkranken, einen abgeschwächten Krankheitsverlauf haben.

Die Impfung wird inzwischen in der USA, Großbritannien und der Schweiz angewendet. Bislang steht jedoch noch kein reiner Keuchhustenimpfstoff zur Verfügung. Deswegen wird ein kombinierter Impfstoff (Tdap) verwandt. Für Deutschland liegen noch keine allgemein gültigen Empfehlungen für eine Keuchhusten-Impfung von Schwangeren vor. Jedoch wird seit Jahren empfohlen, dass sich die Umgebung (Familie) vor Geburt eines Säuglings einen sicheren Schutz gegen Keuchhusten aufbauen soll, um dadurch das neugeborene Kind indirekt zu schützen.

Antoine de Saint Exupery. Foto: Patrizio Paolinelli

Somit sind einige felsenfeste Überzeugungen beim Impfen in Bewegung geraten. Dabei kommt einem Antoine de Saint-Exupery in den Sinn: Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Infekt- und Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe sind für Eltern und die betroffenen Kinder ein großer Schrecken. Und dennoch sind sie in den allermeisten Fällen nicht so schlimm wie sie im ersten Moment erscheinen.

Heute sprechen Mediziner meist vom Infektkrampf, weil dieser im Zusammenhang mit einem Infekt auftritt. Fieber muss nicht zwingend dabei sein, kann aber. Der Begriff Fieberkrampf alleine, schließt also die anderen Infektkrämpfe aus, die ohne Fieber auftreten.

Von Infektkrämpfen betroffen sind Kinder im Alter 6 Monaten bis 5 Jahren. In dieser Altersgruppe ist das kein seltenes Ereignis: 2 – 5% der Kinder erleiden einmal einen Infektkrampf, also nahezu jedes 20. Kind. Der Auslöser für den Krampf ist unbekannt. Gut bekannt ist hingegen, das dieser Krampfanfall häufig das erste Zeichen einer Infektionskrankheit ist. Nachdem Kinder zunächst etwas quengelig sein mögen und etwas lustloser, kommt – noch bevor Eltern das richtig bemerken können – mit dem ersten Anstieg des Fiebers gleich der Krampfanfall:

  • in der Regel symmetrische Zuckungen von Armen und Beinen
  • Verdrehen der Augen
  • die Kinder sind nicht ansprechbar
  • die Dauer des Krampfes liegt (ohne Maßnahmen) häufig bei 2 bis 3 Minuten

Abbildung 1. Nach der Impfung sinusförmiger Verlauf des Risikos für Infektkrämpfe.

Gehäuft treten Infektkrämpfe beim Dreitagefieber (Exanthema subitum auf). Auch nach Impfungen kann das Risiko kurzzeitig erhöht sein, um danach – wie in der nebenstehenden Abbildung gezeigt – ebenso kurzzeitig erniedrigt zu sein.

In seltenen Fällen können auch komplizierte Infektkrämpfe auftreten, die einer weitergehenden Untersuchung bedürfen. Folgende Faktoren können ein erhöhtes Risiko darstellen und führen zur Diagnose „komplizierter Infektkrampf“:

  • Dauer des Krampfes > 20 Minuten
  • wiederholte Krampfanfälle beim gleichen Infekt
  • einseitiges Krampfmuster („fokaler Krampf“)

Im Gegensatz zur Epilepsie, treten die Infektkrämpfe nur im Zusammenhang mit einer Infektion auf. Die Epilepsie hingegen zeigt in aller Regel Anfälle, die unabhängig davon stattfinden. Das spätere Epilepsierisiko für Kinder mit Infektkrämpfen liegt bei 2 – 4%. Auch wenn beide Krankheitsbilder Krämpfe machen, spricht man beim Infektkrampf nicht von einer Epilepsie.

Therapie

Im Zusammenhang mit einem Fieberkrampf äußern Eltern immer wieder die Sorge, dass sie doch lieber „ein Fieberzäpfchen vorher gegeben hätten“. Auch manche Ärzte empfehlen dies den Eltern. Dieses Vorgehen erzeugt bei den Eltern oft große Schuldgefühle, weil sie den ersten Fieberanstieg immer verpassen (müssen). Dieser Moment kann nicht von außen präzise erfasst werden. Studien belegen im Übrigen, dass Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen den Krampf nicht verhindern würden.

Viel wichtiger sind die Sofortmaßnahmen, die beim Auftreten eines Krampfes ergriffen werden sollten:

  1. Sturzrisiko: beim Anfall das Kind umgehend auf den abgepolsterten Boden legen
  2. Kind in Seitenlage bringen, um bei möglichem Erbrechen eine Erstickungsgefahr zu vermeiden (Aspirationsrisiko)
  3. wenn möglich: Dauer des Anfalls messen (auf die Uhr schauen). Subjektiv sind 2 Minuten Krampfdauer beim eigenen Kind sehr lang
  4. wenn möglich: kurzes Video in Bezug auf das Krampfmuster (z.B. durch eine weitere anwesende Person)
  5. danach Kinder- und Jugendarzt (tagsüber) oder Notdienst (nachts) informieren

Während des Krampfes ist es sinnvoll, dass die Eltern bei ihrem Kind sind und es beobachten. So gut wie immer kommt der Anfall nach wenigen Minuten spontan zu einem Ende. Danach sollte der Kinder- und Jugendarzt/in (tagsüber) aufgesucht werden. Er/sie kennt das Kind am besten und kann und kann am besten einschätzen, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. In aller Regel ist das nicht der Fall.

Tritt ein Krampfanfall bei einem Säugling (besonders wenn er jünger als 6 Monate ist) während Fieber auf, muss diese Untersuchung umgehend erfolgen. In diesem Alter kann ein Krampfanfall auch das erste Zeichen einer Hirnhautentzündung sein.

Was geht rum? 23. März 2019

Der Frühling ist da, es wird wieder bunter im Südwesten. Die Infekte – vor einem Monat noch so beherrschend – nähern sich schnell dem ganzjährigen Normalniveau. Die letzten Kinder und Jugendliche mit Grippe sind dabei sich zu erholen. Kaum einer spricht mehr von der Grippewelle, die in diesem Winter recht glimpflich ablief. Momentan sind es wieder die unspezifischen Virusinfekte, die im Vordergrund stehen: Schnupfen (oder manchmal vielleicht doch eine Pollenallergie?), Husten, etwas Fieber.

Kinderkrankheiten spielen nur regional eine Rolle. Dann aber heftig als Masern: Nordbaden (Ortenaukreis, Baden-Baden, Karlsruhe), Freiburg und Konstanz. Insgesamt sind 41 Menschen daran erkrankt.

Jetzt ist schon die Zeit der Zecken. Sie lieben die Wärme und beginnen im März, die Erreger der Borreliose und der FSME zu verbreiten. Einzelheiten zu diesen Krankheitsbildern haben wir vor einem Jahr im praxisblättle beschrieben.

Abbildung 1. Meldedaten für die FSME nach Quartal zwischen 2012 und 2017 (insgesamt 1932 Meldungen). Foto: RKI

Für alle, die gegen die FSME geschützt sein wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich mit der Impfung noch rechtzeitig in Stellung zu bringen. Denn – so zeigt die Abbildung 1 oben – bereits bis Ende März werden jedes Jahr Neuerkrankungen erfasst. In diesem Jahr sind bislang (Stand 22.03.2019) drei FSME-Infektionen in Baden-Württemberg gesichert, die letzte trat im Landkreis Biberach auf.

Unabhängig davon können auch Erkrankungen an Borreliose Kinder und Jugendliche bedrohen. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder jeden Abend auf Zecken untersuchen. Und sich selber am besten auch (gegenseitig).

Die Pollen sind weiterhin gut unterwegs. Am Oberrhein stiegen die Belastungen mit Birkenpollen seit zwei Wochen rasant an. Insofern lohnt sich für alle Allergiker der Blick in die Hausapotheke. Sind für Atembeschwerden ausreichend Medikamente vorhanden? Stimmt die Haltbarkeit? Notfälle wie ein Asthmaanfall kommen nicht unbedingt häufig vor, oft aber für die Betroffenen unerwartet. Dann aber sollten Medikamente wie das Dosieraerosol (z.B. Salbutalmol) sofort greifbar sein, um Stress und Lebensrisiko zu vermeiden. Vermutlich wird sich der Pollenflug zu Beginn der kommenden Woche legen, wenn die Temperaturen wieder zurückgehen.

Was geht in der Welt rum? Im Moment setzt das Dengue-Fieber seinen Zug durch die Welt fort. Es kommt in allen tropischen Regionen und besonders in Asien vor. Aber die Zahlen, die aus Brasilien gemeldet beunruhigen speziell: 76.474 gemeldete Erkrankungen allein in diesem Jahr (mit 44 gesicherten Todesfällen). Betroffen sind besonders die Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Grund genug, auch in Brasilien als Reisende gezielter auf den Mückenschutz tagsüber zu achten.

MMR-Impfung – gegen Masern, Mumps und Röteln

Diese Impfung wird im Praxisalltag häufig kontrovers diskutiert. Solange, bis die ersten Kinder regional an Masern erkranken. Dann ist der Impfstoff plötzlich schnell gefragt. Das ist ein menschliches Phänomen, dem wir oft unterliegen. Wie im Autoverkehr, wenn Lastwagen an Kreuzungen häufig Fahrradfahrer oder Fußgänger überfahren, wie schon mehrfach in diesem Jahr in Berlin. Erst wenn etwas passiert ist, reagieren wir.

Besser ist natürlich, sich in Ruhe zu informieren, bevor unter einem äußeren Druck entschieden werden muss. Dazu einige Anmerkungen:

Masern sind doch nur eine Kinderkrankheit – ?

Masern werden manchmal im Internet eher harmlos dargestellt. Als Krankheit sind sie brutal. Zum Glück treten sie in Deutschland nur sporadisch auf, weil die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist. Im Jahre 2016 hatten immerhin 92.2% der Kinder bundesweit zwei  Masernimpfungen erhalten. Damit waren sie vollständig geimpft. Die geringste Quote wurde übrigens – wie schon früher – im Ländle registriert. In Baden-Württemberg lag sie mit 89.5% am niedrigsten.

Die Bezeichnung Kinderkrankheit kommt daher, dass in der Zeit vor den Impfungen weitgehend alle Kinder daran erkrankten, weil diese Erkrankungen eine enorme Ansteckungsfähigkeit (Kontagionsindex) haben. Das bedeutet, schon bei einem flüchtigen Kontakt erkranken fast 100% aller Menschen, die der Krankheit noch nie begegnet sind. Der Begriff sagt aber nichts über die Schwere der Erkrankung aus.

Abbildung 1. Impfquoten verschiedener Infektionserkrankungen im Vergleich über die Jahre 2006, 2011 und 2017 (Stand April 2018) Foto: RKI

Die Impfung ist gefährlich?

Eltern überzeugen sich vor jeder Impfung, dass der Nutzen der Impfung bedeutend höher liegt als die mit der Impfung verbundenen Risiken. Das machen sie aus Verantwortung für ihre Kinder, für die sie das beste wollen. Dennoch ist über Impfungen teilweise ein Streit entstanden, bei dem der Austauch von Argumenten mit den Fanatikern nicht mehr gelingt. So kam auch vor 20 Jahren der Verdacht auf, die Impfung würde Autismus hervorrufen. Der Brite Andrew Wakefield hatte dies in einer 1998 erschienen Arbeit behauptet. Nur, Veröffentlichung war in  wesentlichen Teilen manipuliert und später wurde deswegen später zurückgezogen. Die Gegenüberstellung von Risiken der Erkrankung Masern gegenüber der MMR-Impfung haben C. Meyer und S. Reiter vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gut zusammengefasst (die Tabelle ist dieser Publikation entnommen)

Abbildung 2. Gegenüberstellung von Komplikationen der Masern (als Erkrankungen) und der MMR-Impfung. Foto. Bundesgesundheitsblatt, 2004

Warum soll zweimal geimpft werden?

Jede Impfung versucht dem Immunsystem vorzutäuschen, ein echter Krankheitserreger wäre in den Körper eingedrungen. Der Masern-Impfstamm ist den Masern sehr ähnlich. Die krankmachende Wirkung ist aber deutlich abgeschwächt. Dennoch kommt es vereinzelt zu unerwünschten Wirkungen (siehe Abbildung 2), die aber deutlich seltener und schwächer als bei der Krankheit Masern auftreten.

Ebenso lässt sich das Immunsystem durch diesen abgeschwächten Keim nicht zu 100% täuschen. Die Impfung ist also nicht zu 100% wirksam. Die Studien zeigen, dass erst durch die zweite Impfung ein Schutz von 93% – 99% erreicht werden kann. Die erfolgreich Geimpften sind nach bisheriger Studienlage vollständig geschützt. Und wenn genug Menschen vollständig geschützt sind (um die 95%), dann sind auch die übrigen – rein statistisch – geschützt. Sollte von denen einmal einer erkranken, wird sich die Krankheit nicht im Schneeballsystem ausbreiten.  Somit können indirekt auch Menschen geschützt werden, die einen Immundefekt haben und für die eine MMR-Impfung sogar gefährlich sein kann. Wer sich zweimal mit MMR impft, schützt also sich selbst und auch seine Umgebung. Das ist die soziale Komponente.

Wann erfolgen die Impfungen?

Ideal ist, nicht zu früh zu impfen. Nahezu alle Neugeborenen haben einen Schutz gegen die Masern, der sicher 6 Monate anhält. Danach schwindet er langsam. Ab dem 11. Monat kann davon ausgegangen werden, dass der übrig gebliebene Schutz des Babies den Impfstoff nicht mehr angreifen kann. Erst ab diesem Alter ist sicher, dass der Säugling einen eigenen Impfschutz mit dem MMR-Impfstoff aufbauen kann. Die Empfehlung für die Impfung laut RKI ist:

  • 1. MMR-Impfung im Alter von 11-14 Monaten 
  • 2. MMR-Impfung im 2. Lebensjahr im Alter von 15-23 Monaten durchführen zu lassen

Die vielen Masernausbrüche in der Welt bestätigen es immer wieder. Dort, wo Masern aus Armut nur unzureichend geimpft sind (Beispiel Madagaskar) erkranken innerhalb weniger Monate um die 100.000 Menschen, von denen etwa 1000 – ja, die Nullen sind richtig gesetzt – sterben. Dort, wo ein neuer Impfstoff zu früh eingesetzt wird und neue Nebenwirkungen die Menschen verunsichern und zur Ablehnung aller Impfungen führen (Beispiel Philippinen nach der Dengue-Impfung), passiert das gleiche. Bei uns in Europa führt der Wohlstand manchmal zur Überheblichkeit. Da jedoch (siehe oben oder in diesem herrlichen Video von der technischen Universität in Wien) die meisten Menschen geimpft sind, schützen diese die Verweigerer.

Kinderkrankheit Masern

Erinnern Sie sich noch an den Bereicht im praxisblättle über Masern in Madagaskar? Ende Januar waren dort 39 366 Kinder und Jugendliche an dieser Kinderkrankheit erkrankt, wovon 266 nach offiziellen Angaben verstorben sind. Oder anders. Von 148 Masern-Erkrankten starb eine/r. Im Lotto ist die Wahrscheinlichkeit einen Dreier zu bekommen (1:57) nur unwesentlich geringer. Inzwischen ist die Zahl der Masernerkrankungen sogar auf 79.274 Fälle (Stand 01. März 2019) angestiegen. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Konstanz am Bodensee. Mit nunmehr 581 Todesfällen liegt die Sterblichkeit mit jetzt 0.8% riesig hoch. Masern sind eine enorme Gefahr für Kinder, aber nicht nur in fernen Ländern.

Es gab sicher viele Gründe für die hohe Tödlichkeit auf Madagaskar, aber die nicht ausreichende Durchimpfung (Armut – diese Impfung muss in aller Regel von den Eltern bezahlt werden) war wohl der wichtigste. Die hohe Todesrate ist aber auch auf die chronische Unterernährung von 80% der Kinder und Jugendlichen in Madagaskar zurückzuführen. Bei mangelnder Ernährung leidet nicht nur die Körpergröße und das Körpergewicht, sondern auch das Immunsystem.

Kinderkrankheit hat immer das Flair von „Klein-Kinderkram“. Das Wort löst oft das Gefühl aus, als ob es sich nur um eine kleine Krankheit handele. Dabei drückt das Wort nur aus, dass die Krankheit allermeist im Kindesalter auftritt. Das wiederum kommt daher, dass Kinderkrankheiten sich dadurch auszeichnen, dass sie hoch ansteckend sind und daher schnell übertragen werden. Die meisten treten auch nur einmal im Leben auf (leider mit vielen Ausnahmen !). Deswegen denken viele, dass sie mit dem Erwerb des Führerscheins auch das Risiko an Kinderkrankheiten zu erkranken, verlieren würden. Dem ist nicht so.

Ursache der Erkrankung ist das Masernvirus. Dieses wird durch direkten Kontakt oder Tröpfcheninfektion übertragen und durchläuft danach einen typischen Weg:

  • Inkubationszeit von 8 – 10 Tagen.
  • Es folgt das Prodromalstadium von 3 – 7 Tagen mit Entzündung der Schleimhäute der Atemwege, wobei eine Bronchitis und eine deutliche Bindehautentzündung besonders auffallen. Fieber über 40 Grad ist häufig, Halsweh, deutliche Kopfschmerzen, schweres Krankheitsgefühl.
  • Am 12. oder 13. Tag nach Ansteckung tritt der typische Ausschlag im Mund (Enanthem) zusammen mit den Koplik’schen Flecken auf.
  • Am 14. oder 15. Tag folgt der typische Ausschlag am Körper (Masernexanthem).  Damit verbunden ist ein zweiter Fieberanstieg (typisch: 2-gipfliges Fieber)Damit ist die Diagnose klar. Der Ausschlag beginnt hinter den Ohren und steigt langsam ab. Der Ausschlag verbreitet sich in etwa 3 Tagen auf dem gesamten Körper aus.
  • Etwa einen Tag nach vollständigem Ausschlag sinkt auch das Fieber wieder, der Ausschlag wird blasser und die Erholung setzt langsam ein.

Das ist der normale, für jeden Betroffenen mühsame und leidensvolle Weg der Masern. Zu diesem treten bei fast jedem 5. Kind noch Komplikationen hinzu, die das grösste Problem bei dieser Kinderkrankheit darstellen.

  • Mittelohrentzündungen
  • Lungenentzündungen. Hiervon können verschiedene Formen auftreten. Dabei ist die primäre Masernpneumonie sehr gefürchtet. Hierbei greifen die Masernviren direkt das Atemwegssystem an. In der Folge können schwere Schäden wie Bronchiektasen (erweiterte Bronchien mit Eiterbildung) zurückbleiben. Damit verbunden sind ein lebenslang deutlich erhöhtes Infektionsrisiko und ein „Raucherhusten“ ohne Rauchen.
  • Meningoenzephalitis. Diese Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute tritt bei etwa jeder 1000. Erkrankung auf. Sie ist sehr schwerwiegend und oft tödlich.
  • In Deutschland muss auf etwa 1000 Masernerkrankungen mit einem Todesfall gerechnet werden (RKI – Daten für die Jahre 2000-2012). Dieser geht oft auf die Meningoenzephalitis zurück.
  • Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Hierbei kommt es zu einer schleichenden Entzündung des Gehirns, die innerhalb von 10 Jahren (!) spürbar wird und in 95% tödlich endet. Die Häufigkeit wird mit etwa 1:5000 Erkrankungen angenommen. 
  • Das Immunsystem wird bei der Masernerkrankung herunterreguliert. Dadurch sind betroffene Erkrankte anfälliger für jede andere virale und bakterielle Entzündungen. 

Eine spezifische Therapie um die Masern zu stoppen gibt es nicht. Lediglich bei manchen Komplikationen wie der Mittelohrentzündung sind Antibiotika hilfreich.

Abbildung 1. Häufigkeit der Masern und der Todesfälle an Masern in den USA. Foto: Von Dietzel65Eigenes Werk. Data source: „Reported Cases and Deaths from Vaccine Preventable Diseases, United States“ by the Centers of Disease Control. pdf file on this web site., CC0, Link

Die Masernimpfung stellt eine gute Vorbeugung dar. Während die Tödlichkeit im Nachkriegsdeutschland auch durch die schlechte Ernährung und Immunschwäche der chronisch unterernährten Kinder noch höher war, ist die Infektion und die Zahl der Todesfälle in den USA gezielt durch die Impfung massiv zurückgegangen. Vor Einführung der Impfung gab es etwa 500.000 Erkrankungen pro Jahr. Im Jahre 2007 waren es in den gesamten USA noch 43. Eine zweimalige Impfung erzeugt einen sehr guten Impfschutz.

Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

Pneumokokkenimpfung – Hilft sie meinem Baby?

Nach der Geburt müssen Eltern in kurzer Zeit viele Dinge entscheiden. Wir Kinder- und Jugendärzte sind uns dessen bewusst, dass gerade bei der Vorsorgeuntersuchung U3 im Alter von 3 – 6 Wochen enorm viele Entscheidungen anstehen. Diese betreffen Fragen der Ernährung, des Schlafrhythmus, der Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes und ……. der Impfungen.

Abbildung von Pneumokokken (rot dargestellt) im Elektronenmikroskop. Foto: TU Braunschweig

Den Tetanuserreger, ja den kennen alle Eltern. Aber Pneumokokken? Das sind auch Bakterien, die als semmelförmiges Pärchen – sog. Diplokokken – auftreten. Das Besondere an ihnen ist, dass sich die Pneumokokken (medizinisch korrekt: Strepotococcus pneumoniae) durch eine dicke Kapsel sehr gut gegen Angriffe von Antibiotika und des Immunsystems wehren können. Und dass es von ihnen nahezu 100 Varianten (sog. Serotypen) gibt. Pneumokokken kommen im Rachen vor und machen meistens nichts. Sie können sich aber durch Vermehrung ausbreiten und zu Mittelohrentzündungen und Lungenentzündungen führen. Besonders gefürchtet sind die invasiven Erkrankungen (invasive pneumococcal disease, IPD). Hierbei dringen die Erreger in sterile Räume des Körpers ein und führen zu schwersten Erkrankungen: Blutvergiftung (medizinisch: Sepsis) und Hirnhautentzündungen (medizinisch: Meningitis). Bei diesen Erkrankungen zeigen sie eine besondere Schwere des Verlaufs, besonders für Kinder in den ersten Lebensjahren und ältere Menschen ab 60 Jahren. 

Seit Jahrzehnten wurde versucht, diesem teilweise schrecklichen Erreger mit Impfungen entgegenzutreten. Dabei zeigte sich, dass der eine Impfstoff (Polysacharidimpfstoff– PPSV23) bei Kindern nahezu bedeutungslos und nicht half, diese IPDs – also die schweren Erkrankungen – zu verhindern. Um die Jahrtausendwende wurde ein neuartiger konjugierter Impfstoff (PCV-7) entwickelt, der erfolgreich seit 2006 allen Kindern unter 2 Jahren Lebensalter empfohlen wird. Die Entwicklung ging seither weiter. Nachdem zunächst nur 7 Serotypen im Impfstoff vertreten waren, sind es inzwischen 13 (PCV-13).

Inzwischen liegt eine Untersuchung von Raphael Weinberger (LMU München) und Mitarbeitern vor, die den Nutzen dieser Maßnahme untersucht haben. Es zeigte sich, dass gegenüber den Jahren vor Einführung der Pneumokkenimpfungen für Kinder unter 2 Jahren (2016) die Zahl der invasiven und schweren Erkrankungen an Pneumokokken (IPD) etwa um die Hälfte abgenommen haben. Die schwierige Frage bleibt, ob andere Serotypen – die nicht im Impfstoff enthalten sind – im Gegenzug in den nächsten Jahren mehr an Bedeutung gewinnen.

Im Moment kann also mit der Impfung gegen Pneumokokken in den ersten zwei Lebensjahren die Hälfte der schweren Infektionen (Blutvergiftung, Hirnhautentzündung) verhindert werden. Ein klare Empfehlung. Aufgabe der Medizin wird es sein, die künftige Entwicklung der Pneumokokken gut im Auge zu behalten, damit der momentan gute Schutz auch in Zukunft noch erreicht wird.

Kinderkrankheit Keuchhusten – gefährlich und stressig

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, kommt aber im Herbst und Winter gehäuft vor.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, „keuchenden“ Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet. Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.

Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten. Auf youtube können Sie den typischen Husten hören und mitfühlen. Die Hustenattacken sind vorwiegend nachts und diese Aufnahme macht nachvollziehbar, wie sehr und lange ein Kind leiden muss. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.

Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese
und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In einigen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere
Ansteckung rasch gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950-ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR!) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem „neuen“ sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: „Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ
schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen“, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). „Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.“ Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre.
Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der „Tetanus-Impfung“ zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollten. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©)-Impfstoffe enthalten.

Damit schützen Erwachsene sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

Abbildung 2: Kinder für den Keuchhustenflug vor der Fokker F. VII A, HB-LBO in Dübendorf. Foto: ETH Zürich

In Ermangelung von Antibiotika (sie wurden erst in den 1940-ger Jahren entwickelt) oder einer effektiven Impfung (ein erster Impfstoff wurde 1933 erprobt) hat man lange Jahre auf Keuchhustenflüge mit offener Kabine gesetzt. Die Überlegungen gibt eine zeitgenössische Bildbeschreibung des Swissair-Marketings wider: „Keuchhustenflüge: werden von der Swissair vom Flugplatz Dübendorf (Anmerkung: bei Zürich) aus durchgeführt. Die Kinder werden bei offenen Kabinenfenstern bis in eine Höhe von ca. 3000 m geführt, wo während längerer Zeit gekreist wird. Die Flugdauer beträgt ca. 1 Stunde. Bei einer Beteiligung von 6 Personen kommt ein Flugpreis von Fr. 50.- pro Passagier zur Anwendung, bei mindestens 8 Personen von Fr. 40.- oder mit einem 2-plätzigen Maschinentyp Fr. 45.- pro Person und Stunde. Die Flüge finden nur bei günstiger Witterung statt. Nach ärztlicher Statistik konnte in 80% der Fälle eine merkliche Besserung oder Heilung des Keuchhustens nach dem Höhenflug festgestellt werden.“ Wegen Flugzeugabstürzen wurden diese Flüge in der Nachkriegszeit bald eingestellt. Nach einer Veröffentlichung von Richard Rehsteiner (Kinderarzt aus St. Gallen) mit dem Titel „Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis“ (Nov. 1946) nutzte man die 1935 neu erbaute Säntisbahn. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Heute haben wir andere Probleme. Und eine insgesamt gute Therapie. Wir könnten fast allen Kindern helfen, wenn wir die Empfehlungen zur Impfung konsequent umsetzen würden. Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit, aber noch immer nicht harmlos (siehe das Video).