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Sind Grippeimpfungen für Kinder sinnvoll?

In der hochangesehenen Zeitschrift THE LANCET ist vor wenigen Tagen ein Artikel erschienen, der sich mit der Grippeimpfung von Kindern befasst.

Die Forschergruppe um Shuo Feng von der Universitätsklinik in Hongkong (China) untersuchte in den letzten 5 Jahren 15 695 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren im Rahmen von Krankenhausaufenthalten. In dieser Gruppe von Patienten mit Atemwegserkrankungen konnten bei 2500 (15.9%) Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Virus Influenza A oder B nachgewiesen werden. Alle Erkrankungsverläufe wurden in Beziehung gesetzt mit einer erfolgten oder nicht erfolgten Impfung. Die Impfung gegen Influenza erfolgte dabei fast immer im Monat Dezember (was für Hongkong der empfohlene Zeitpunkt für diese Impfung ist).

Dabei zeigte sich, dass die Grippeimpfung (Impfung gegen Influenza) hoch effektiv war. Sie konnte eine Grippe (Influenza A oder B) für die Monate September bis Dezember bei 79% der Geimpften verhindern. Danach ging sie für die Monate Januar bis April auf 67% und für die Monate Mai bis August auf 45% zurück. Die Forscher errechneten, dass die Wirksamkeit der Grippeimpfung pro Monat um etwa 2-5 % absank.

Was zeigt die Studie?

Erstaunlich ist zunächst, wie viele Kinder und Jugendliche untersucht werden konnten. Ganz besonders wichtig ist aber, dass bei Kindern die Grippeimpfung wirksam ist – und: sie wirkt gut. Dass sogar 6 Monate nach der Impfung noch ein Schutz von fast 50% besteht erstaunt und erfreut.

Nichtrauchen ist angesagt

Rauchen ist ungesund. Nichts neues. Die Deutsche Krebsgesellschaft in Berlin hat errechnet, dass im Jahre 2013 etwa 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens verstarben. Dabei sind neben dem gefürchteten Lungenkrebs auch weitere Folgen des Rauchens (Darmkrebs, Leberkrebs, Tuberkulose, Diabetes Typ-2) berücksichtigt. Insgesamt sind 13.5% aller Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.

Abbildung 1. Rauchen und Nie-Rauchen unter 12-17 Jugendlichen in Deutschland. Foto: BILD

In den letzten Jahrzehnten sind enorme Erfolge erzielt worden, die Zahl der Raucher zu verringern. Mit großem Erfolg in der Europäischen Gemeinschaft und in Deutschland. Heute ist Rauchen bei Jugendlichen fast uncool. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 1, die auf Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beruht.

Die BZgA startete ihr Programm Be Smart – Don’t Start im Jahre 1997. Ab 2002 folgten bundesweit Erhöhungen der Tabaksteuer, Rauchverbote im öffentlichen Raum folgten im Jahre 2012. Inzwischen liegt die Rate der Nieraucher in der Altersgruppe der 12-17-Jährigen bei 80%, die der Rauchen hat bereits 2014 die 10-Prozentmarke nach unten geknackt. Ein gigantischer Erfolg.

Abbildung 2. Rauchen bei den Erwachsenen nach einer Untersuchung der BZgA von 2015 Foto; Deutsche Krebsgesellschaft

In Süddeutschland wird weniger geraucht als in Norddeutschland. Insgesamt ist aber – wie die Abbildung 2 zeigt – die Quote der Raucher unter Erwachsenen noch sehr hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Jugendlichen auch für die Erwachsenen „ansteckend“ sind. Wenn diese schon mit Stöpseln im Ohr die Jugendlichen imitieren, dann sollten sie das auch beim Rauchen machen.

Eltern sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Auch wenn Kinder und Jugendliche nicht alles machen was Eltern wollen, sie ahmen langfristig die Eltern mehr nach als diese glauben. Gerade in der Pubertät sind Eltern oft verzweifelt. Dabei ist eines klar: wenn Eltern Nichtraucher sind, werden es ihre Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit auch. Und sie vermeiden damit, zu den 13.5% aller Todesfälle zu gehören, die aufs Rauchen zurückgeführt werden können. So erfolgreich kann Erziehung sein.

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.

Pfeiffer’sches Drüsenfieber – krank vom küssen

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber ist eine virale Erkrankung mit extrem unterschiedlichen Verlaufsformen. Bei vielen Menschen – besonderes bei kleinen Kindern – verläuft die Erkrankung unbemerkt oder wie ein leichter Infekt. In seltenen Fällen kann sie aber als extrem schwere Erkrankung auftreten mit Fieber über einige Wochen und dabei lebensgefährlich sein.

Die Ansteckung erfolgt häufig über Speichel. Deswegen wird das Pfeiffer’sche Drüsenfieber auch die Kusskrankheit (Englisch: kissing-disease) genannt. Im medizinischen Bereich ist der Begriff infektiöse Mononukleose üblich. Ansteckungen als Schmier- und Tröpfcheninfektion wird ebenso vermutet. Da die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung (Inkubationszeit) sehr variabel ist, ist die auslösende Quelle meist nicht zu bestimmen. Einige Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass auch Genesene den Erreger – das Epstein-Barr-Virus – noch ausscheiden und damit andere anstecken können. Das gibt es auch bei anderen Erkrankungen wie den Ringelröteln, weil sich ansteckende Menschen vollauf gesund fühlen und für andere nicht als krank zu erkennen sind.

Das Krankheitsbild selbst ist sehr variabel. Typisch ist Fieber über mehr als 5 Tage, eine oft deutliche Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich sowie eine Angina (Rötung der Mandeln mit Belägen). Daneben tauchen auch Ausschläge und viele weitere andere Symptome auf. Wenn bei falscher Einschätzung der Erkrankung Antibiotika zur Behandlung der Angina eingesetzt werden, sind die Ausschläge fast sicher. In diesen Fällen betreffen sie meist den Körperstamm und sind sehr unangenehm. Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichter Husten sind weitere Symptome. Die Milz ist häufig massiv vergrößert und ein sehr hilfreiches Zeichen, die Krankheit frühzeitig zu vermuten.

Die Diagnose kann durch Laboruntersuchungen gesichert werden.

Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Ausreichende Schonung – oft über einige Wochen – ist wichtig.

Die Gesundung kann altersabhängig länger dauern. Gerade bei Jugendlichen dauert es oft Wochen, bis sie sich wieder gut fühlen und voll leistungsfähig sind.