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Kinderkrankheit Keuchhusten – gefährlich und stressig

Der Keuchhusten ist eine der klassischen Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird er durch das Bakterium Bordetella pertussis. Auf der Bronchialschleimhaut vermehrt es sich und bildet dabei verschiedene Gifte (Toxine), die zusätzlich die Abwehr des Körpers schwächen. Der Keuchhusten kann jederzeit auftreten, kommt aber im Herbst und Winter gehäuft vor.

Ein Problem dieser Erkrankung ist, dass sie in allen Fällen schleichend mit zunächst leichtem Husten beginnt, der schließlich jedoch lange anhält und bei vielen Menschen zu heftigem, „keuchenden“ Husten führt. Dadurch wird er spät erkannt und verbreitet sich leicht, sofern kein Impfschutz vorliegt.

Für Deutschland wurden im Jahre 2015 genau 13.895 Erkrankungen gemeldet. Am stärksten waren Säuglinge betroffen mit etwa 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner, am wenigsten wurden Erkrankungen bei über 80-Jährigen (4 pro 100.000 Einwohner) gemeldet. Keuchhusten ist hoch ansteckend mit einer Inkubationszeit von 9-10 Tagen (6-20 Tage maximal). Den Verlauf der Symptome unterteilt man traditionell in 3 Stadien:

Stadium catarrhale: Dies ist charakterisiert durch grippeähnliche Symptome mit eher leichtem Husten, Schnupfen und wenig Fieber. Es dauert 1 bis 2 Wochen.

Danach schließt sich das Stadium convulsivum mit einer Dauer von 4 – 6 Wochen an. In dieser Zeit tritt der typische stakkatoartige Husten. Auf youtube können Sie den typischen Husten hören und mitfühlen. Die Hustenattacken sind vorwiegend nachts und diese Aufnahme macht nachvollziehbar, wie sehr und lange ein Kind leiden muss. Fieber besteht teilweise, muss aber nicht vorliegen.

Im Stadium decrementi (Dauer 6 – 10 Wochen) nimmt die Heftigkeit des Husten langsam ab, die Ansteckung schwindet. Ein unbehandelter Keuchhusten ist also teilweise über 2 Monate lang ansteckend.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich der Keuchhusten vorwiegend als langanhaltender Husten. Deswegen wird er oft nicht oder sehr spät erkannt, während sich in der Umgebung schon viele anstecken konnten. Bei Säuglingen kann es im Gegensatz hierzu Verläufe geben, die zunächst ohne Husten aber mit Erstickungsanfällen (Apnoen) beginnen. Diese
und viele weitere Komplikationen machen den Keuchhusten besonders im Säuglingsalter zu einer extrem gefährlichen Krankheit.

Die Diagnose kann bei typischer Krankheit direkt gestellt werden. In einigen Fällen muss sie durch Abstriche (im Beginn) oder Blutuntersuchungen gesichert werden.

Als Therapie können Antibiotika eingesetzt werden, da der Keuchhusten durch Bakterien verursacht wird. Die Therapie vermag eine weitere Verschlechterung der Hustenproblematik oft zu verhindern. Eine Besserung oder gar rasche Beendigung ist nicht zu erwarten. Die Bedeutung der antibiotischen Behandlung liegt in erster Linie darin, dass die weitere
Ansteckung rasch gestoppt werden kann.

Durch die Schutzimpfung ging die Häufigkeit dieser Erkrankung in den 1950-ger Jahren soweit zurück, dass die Meldepflicht bereits 1963 aufgegeben wurde. Später tauchten medizinische Bedenken gegen den Impfstoff auf. Es folgte die Rücknahme der Impfempfehlung zwischen den Jahren 1974 und 1991 (in der BRD – nicht in der DDR!) und damit verbunden ein erneuter Anstieg der Fallzahlen. Mit der neuerlichen Empfehlung für eine Impfung (nunmehr mit dem „neuen“ sog. azellulären Impfstoff) nahm die Erkrankungshäufigkeit ab 1991 wieder deutlich ab. Die Achterbahnfahrten in Bezug auf die Impfempfehlungen zum Keuchhusten sind heute kaum mehr nachvollziehbar. Vielen Kindern haben sie das Leben, anderen – durch die Komplikationen – Lebensqualität gekostet.

Die Impfung der Säuglinge gegen Keuchhusten ist seit Jahrzehnten gut etabliert. Über 90% aller deutschen Säuglinge sind geimpft. Einen Schutz erreicht jedoch erst die 3. Impfung im Säuglingsalter, weswegen ein früher Start der Impfung (Beginn 3. Lebensmonat) angestrebt wird. Und dennoch: „Der Impfstoff gegen Keuchhusten ist derjenige mit der relativ
schwächsten Wirksamkeit von allen Impfungen, die wir allgemein empfehlen“, sagt Stiko-Mitglied Prof. Dr. Ulrich Heininger vom Schweizer Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). „Bei etwa zehn Prozent entwickelt der Impfstoff keinen Schutz. Deshalb kann Keuchhusten anders als Masern oder Kinderlähmung auch nicht ausgerottet werden.“ Die vierte Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag verlängert den Impfschutz für weitere 5 Jahre.
Bedeutsam ist, dass auch Erwachsene regelmäßig – im Rahmen der „Tetanus-Impfung“ zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft werden sollten. Dafür liegen mehrere Impfstoffe vor, die Diphterie, Tetanus + Keuchhusten (Boosterix©)-Impfstoffe enthalten.

Damit schützen Erwachsene sich selbst, aber noch viel mehr schützen sie wehrlose Säuglinge, die – altersbedingt – noch nicht geimpft werden konnten oder aber keinen effektiven Schutz entwickelt haben. Die Impfung ist – abgesehen von leichten Lokalreaktionen – gut verträglich.

Abbildung 2: Kinder für den Keuchhustenflug vor der Fokker F. VII A, HB-LBO in Dübendorf. Foto: ETH Zürich

In Ermangelung von Antibiotika (sie wurden erst in den 1940-ger Jahren entwickelt) oder einer effektiven Impfung (ein erster Impfstoff wurde 1933 erprobt) hat man lange Jahre auf Keuchhustenflüge mit offener Kabine gesetzt. Die Überlegungen gibt eine zeitgenössische Bildbeschreibung des Swissair-Marketings wider: „Keuchhustenflüge: werden von der Swissair vom Flugplatz Dübendorf (Anmerkung: bei Zürich) aus durchgeführt. Die Kinder werden bei offenen Kabinenfenstern bis in eine Höhe von ca. 3000 m geführt, wo während längerer Zeit gekreist wird. Die Flugdauer beträgt ca. 1 Stunde. Bei einer Beteiligung von 6 Personen kommt ein Flugpreis von Fr. 50.- pro Passagier zur Anwendung, bei mindestens 8 Personen von Fr. 40.- oder mit einem 2-plätzigen Maschinentyp Fr. 45.- pro Person und Stunde. Die Flüge finden nur bei günstiger Witterung statt. Nach ärztlicher Statistik konnte in 80% der Fälle eine merkliche Besserung oder Heilung des Keuchhustens nach dem Höhenflug festgestellt werden.“ Wegen Flugzeugabstürzen wurden diese Flüge in der Nachkriegszeit bald eingestellt. Nach einer Veröffentlichung von Richard Rehsteiner (Kinderarzt aus St. Gallen) mit dem Titel „Beeinflussung des Keuchhustens durch eine Fahrt auf den Säntis“ (Nov. 1946) nutzte man die 1935 neu erbaute Säntisbahn. Die letzten offiziellen Keuchhustenflüge gab es ab dem
Landesflughafen in Stuttgart im Jahre 1967.

Heute haben wir andere Probleme. Und eine insgesamt gute Therapie. Wir könnten fast allen Kindern helfen, wenn wir die Empfehlungen zur Impfung konsequent umsetzen würden. Ja, Keuchhusten ist eine Kinderkrankheit, aber noch immer nicht harmlos (siehe das Video).