Schlagwort: KIGGS-Studie

Es tut sich was: Kinder trinken weniger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke

„Zuckersüß“ hört man manchmal, wenn ein Kind sehr witzig daherkommt. Zucker war früher was besonderes und teures. Inzwischen hat sich die Rolle des Zuckers hat sich verändert. Zumindest in der Ernährung. Das haben wir kürzlich auch im praxisblättle beleuchtet.

Abbildung 1: Aufbau der KiGG-Studie. Foto: aus KiGGS

Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun im Rahmen der KiGG-Studie zeigen können, dass die Wirkungen des Zuckers von vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen verstanden wurden. Daten hierzu finden sich in der KiGGS (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland). Die nebenstehende Übersicht (Abbildung 1) zeigt schematisch den bisherigen Ablauf der Studie. In einer ersten Erhebung (Basis) wurden zwischen den Jahren 2003 und 2006 bei 17.461 Kindern und Jugendlichen an 167 Orten (Studienzentren) in Deutschland Daten zur Gesundheit erhoben. In der KiGGS-Welle 2 wurden an den gleichen Orten die gleichen Daten zwischen 2014 und 2017 nochmals bei 10.853 Kindern und Jugendlichen erhoben, die auch in der Basiserhebung teilgenommen hatten. Die dazwischenliegende Welle 1 bestand nur aus einer telefonischen Befragung.  Nunmehr liegen also Informationen vor, die einen Zeitraum von etwa 11 Jahren beleuchten.

Abbildung 2. Die linke Graphik zeigt die Daten von 2003/2006, die rechte die Daten von 2014/2017. Die Balken stellen die mittlere Konsummenge zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke (Milliliter/Tag)
nach Geschlecht und Alter dar. Foto: aus KiGGS

Es zeigt sich, dass sich in den 11 Jahren zwischen der ersten und der zweiten Untersuchung erhebliche Veränderungen ergeben haben. Zuckerhaltige Getränke wurden in allen Altersgruppen und bei Jungen wie Mädchen spürbar weniger getrunken (siehe Abbildung 2).

Abbildung 3. Mengenverhältnisse des Getränkekonsums. Links die Daten der Basiserhebung (2003-2006), rechts die Daten der Welle 2 (2014-2017) jeweils getrennt nach Kindern (oben) und Jugendlichen (unten). Foto: aus KiGGS

Auch die Zusammensetzung der Getränke hat sich über die Jahre verändert. Wie die nebenstehende Abbildung 3 zeigt, wird heute von Kindern und Jugendlichen mehr Wasser getrunken. Der Anteil an den  Erfrischungsgetränken (also beispielsweise Limonaden und Cola) ging ebenso zurück, wie der Verbrauch an Säften. Hingegen wird heute mehr Wasser getrunken (blaue Fläche). Das betrifft die Kinder von 3 bis 10 Jahren ebenso wie die Jugendlichen von 11-17 Jahren.

Das sind sehr günstige Daten. Sie belegen, dass Eltern gut begründete Informationen erkennen und für sich im Alltag umsetzen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeuten sie langfristig weniger Risiken für Erkrankungen, die einem erhöhten Konsum von zuckerhaltigen Produkten zugeschrieben werden. Weiter so.

Körperliche Aktivität von Kindern

Ernährung und Bewegung bleiben wichtige Themen, mit denen sich Eltern auseinandersetzen müssen. Nur bei wenigen Kindern stehen Nahrungszufuhr und körperliche Aktivität immer in einem guten Gleichgewicht. Das Angebot an Essen ist enorm und das zu günstigen Preisen. Und die Verführung wird von der Industrie hoch gehalten, in dem immer neue Produkte zum Verzehr einladen. Diese sind oft recht fett (Fett vermittelt besseren Geschmack) oder süß. Und meist beides zusammen.

Auf der anderen Seite werden Kinder und Jugendliche an Bildschirmen aller Art gehalten. Ob das nun Filme zur guten Unterhaltung sind, Chat-Räume um sich mit Freunden auszutauschen oder Spiele, die Geschicklichkeit verlangen – allesamt binden sie an ein Gerät und halten die jungen Menschen von der Lust an Bewegung ab. Hinzu kommt, dass viele Eltern den Kindern keinen Schulweg mehr „zumuten“ wollen. Zumindest nicht wenn es regnet, wenn es schneit oder heiß ist. Also fast immer.

Soviel Mathematik muss schon sein: Kalorienreiches Essen + weniger Bewegung = mehr Gewicht.

In Deutschland hat die KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wichtige Daten zu diesem Themenbereich beigetragen.

Abbildung 1. KIGGS-Studie. Kinder und Jugendliche, die täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sind (Prozentanteile an der gleichaltrigen Bevölkerung). Daten von 2014-2015 . Foto: Robert-Koch-Institut, Studie KIGGS Welle 2

Besonders auffällig ist, wie wenig sich Kinder bewegen. Selbst bei Vorschulkindern ist gerade mal jeder zweite Junge mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv. Bei den Mädchen sind es 10% weniger. Wie die nebenstehende Abbildung 1 zeigt geht die körperliche Aktivität mit zunehmendem Alter weiter zurück – und dies besonders bei den Mädchen. Als Jugendliche bewegen sich weniger als 10% der Mädchen noch regelmäßig.

Es dürfte schwierig sein, einen Jugendlichen mit Argumenten zu körperlicher Aktivität anzuregen. Die Chance gibt es ganz früh. Eltern sollten ab Geburt körperliche Aktivität vorleben. Das kann zunächst der Sonntagsspaziergang mit den Großeltern sein (peinlich?) oder ein Waldspaziergang mit dem Kinderwagen. Später gehen die Eltern mit dem Kind zu Fuß in den Kindergarten und zeigen, dass der Regen einen besonderen Reiz hat. Auf diese Art übernehmen die Kinder irgendwann dieses Vorbild. Mag sein erst 20 Jahre später. Aber immerhin.