Schlagwort: Masern

Was geht rum? 08. Dezember 2018

Abbildung 1. Konsultationsinzidenz in Deutschland pro 100.000 Einwohner von der KW 40 in 2017 (Anfang Oktober 2017) bis heute. Foto: RKI

In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Atemwegserkrankungen seit Wochen weiter an, wie die Arbeitsgemeinschaft Influenza meldet. So stieg der Praxisindex der Atemwegserkrankungen in den letzten vier Wochen von 92 auf zuletzt 125 (47. KW). Dabei gelten Werte bis 115 als Hintergrundaktivität – also normal. Dieser Trend ist außer in Bayern und Sachsen-Anhalt aber auch in den anderen Bundesländern zu beobachten (siehe Abbildung 1). Es zeigt sich, dass insbesondere die Kinder unter 4 Jahren (rote Linie) erkranken – die Erwachsenen kaum (blaue Linie).

Abbildung 2. Rate an grippeähnlichen Infektionen (ILI) für die Saison 2016/2017 (Kinder: gestrichelt orange), 2017/2018 (Kinder: orange) und jetzt (Kinder: rote Linie). Foto: GrippeWeb

In den untersuchten Proben (Nasen-Rachenabstriche) stehen die Rhinoviren ganz im Vordergrund. Bislang wurden nur einzelne RS-Viren oder Influenza-Viren gefunden. In der 47. Kalenderwoche konnten in Deutschland in 81 untersuchten Proben Grippeviren nachgewiesen werden. Dennoch liegt gerade für Kinder die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen (ILI – siehe Abbildung 2) spürbar über dem Niveau der letzten Jahre. Kurz gesagt: die Infektwelle hat für Kinder begonnen, aber noch nicht für Erwachsene.

Daneben gibt es Hinweise, das Keuchhusten (Pertussis) wieder häufiger auftritt. Schon bevor klar ist, ob sich das weiter bestätigt, sollten alle Eltern den Impfschutz ihres Kindes und von sich selbst überprüfen. Auch Erwachsene können an Keuchhusten erkranken – was eine erhebliche Belastung für die Betroffenen ist. Und: ein höchstes Risiko für Kinder, inbesondere Säuglinge. Die Impfung gegen Keuchhusten ist bei abgeschlossenem Impfzyklus hoch wirksam.

Was geht  in der Welt rum? In Japan ist ein Ausbruch an Röteln in Tokio sowie den Präfekturen Chiba, Kanagawa, Aichi, Ibaraki und Saitama auf der Insel Honshu zu beobachten. Seit Beginn des Jahres sind über 2000 Erkrankungsfälle registriert worden. Wichtig ist, den eigenen Impfschutz vor einer Reise nach Japan zu überprüfen.

Inzwischen hat sich die Masern-Endemie in Madagaskar weiter verschärft. Nach der neuesten Meldung von midi-madagasikara von gestern (07.12.2018) sind inzwischen 8215 Erkrankungsfälle bekannt. Davon erhalten 575 Kinder eine Behandlung im Krankenhaus.

Was geht rum? 21. Juli 2018

In der kommenden Woche starten die Sommerferien. Manche Familien verlassen in dieser Woche den Südwesten und reisen mit ihren Kindern in Länder wie Dänemark, Italien oder gar nach Thailand. An diesem Wochenende ist Zeit, nochmals wichtige Absicherungen zu prüfen: Ist die Urlaubsapotheke zusammengestellt? Sind alle Dauermedikamente in ausreichender Menge vorhanden, so dass auch ein verzögerter Rückflug nicht zum medizinischen Problem wird? Brauche ich eine ärztliche Bescheinigung um beispielsweise einen Adrenalin-Autoinjektor (z.B. bei Allergie gegen Erdnüsse) mit an Bord des Flugzeugs nehmen zu dürfen?  Sind die Impfungen komplett – besonders bei Reisen außerhalb Europas?  Habe ich eine Auslands-Krankenversicherung für alle Notfälle? Mit diesem Netz an Absicherungen lässt sich der Urlaub entspannt genießen.

Im Südwesten haben sich die Infekte kaum verändert. Die Erkrankungen mit Herpangina und einzelne Durchfallserkrankungen sind die häufigsten. Daneben treten fallen Bindehautreizungen auf. Und noch immer sind die Zecken sehr aktiv. Es bleibt weiterhin wichtig, Kinder am Abend auf diese Krankheitsüberträger von FSME und Borreliose zu untersuchen. Laut den Gesundheitsbehörden in Baden-Württemberg sind im ersten Halbjahr 2018 bereits 128 nachgewiesene Infektion an FSME aufgetreten. Das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr. Spitzenreiter war der Kreis Ravensburg mit 14 Neuerkrankungen.

Problematisch ist das hämolytisch-urämische-Syndrom (HUS), das in den vergangenen Wochen vier Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren in Baden-Württemberg getroffen hat. Das HUS ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung, die zu Veränderungen im Blut (akute Blutarmut und Absinken der Blutplättchen) sowie der Nieren führt. Je nach Ausmaß kann diese Erkrankung zum Nierenversagen führen und auch tödlich verlaufen. Als Ursache vermutet das Landesgesundheitsamt die Übertragung problematischer Erreger (EHEC) durch Wiederkäuer. Deswegen rät es Eltern, nach Tierkontakt zu Rindern, Schafen und Ziegen die Hände gründlich zu desinfizieren.

Was geht in der Welt rum? Für alle Globetrotter ergeben sich nach Daten der WHO neue Aspekte in Bezug auf die Impfung gegen Tollwut. Es empfiehlt sich gerade für junge Menschen, die sich gerne fernab der Touristenpfade – off the beaten track – in Afrika oder Asien bewegen, sich aktuell zu informieren. Masern bleiben in diesem Jahr ein Problem. Sowohl in Deutschland (siehe praxisblättle vom 02. Juni 2018), als auch in Frankreich (Seit November 2017 über 2600 Erkrankungen mit bislang 3 Todesfällen) und der Tschechischen Republik mit 150 Fällen.

Was geht rum? 02. Juni 2018

Der Hochsommer kam in diesem Jahr schon im Mai (wärmster Mai seit 1889). Mit ihm sind die Allergien – ganz vorne die gegen die Gräserpollen – auf einem Höhepunkt. Der hohe Pollenflug wird am Wochenende nach dem Regen wieder Fahrt aufnehmen. Wenn das Wetter weiterhin fast tropisch bleibt, werden uns die Pollenbelastungen noch eine Weile erhalten bleiben.

Das Landesgesundheitsamt meldet, dass verstärkt Masern in Baden-Württemberg auftreten. Bis Mitte Mai waren es 54 Erkrankungen, darunter 36 Kinder. In Köln beobachtet man ebenfalls Mai einen regionalen Ausbruch mit bislang 68 Erkrankungen. Leider ist vielen Menschen die Brutalität dieser Kinderkrankheit nicht klar. Immerhin kommt auf etwa 1000 Erkrankungen ein Todesfall. Die Zahl der Komplikationen an verschiedenen Organen ist noch weitaus höher. Wohl dem, der aus dieser Krankheit heil rauskommt. Impfen ist die zentrale Vorbeugung.

Natürlich gibt es viele weitere Infektionen. Allen voran eine Bindehautentzündung, die viele Kinder betrifft und nach wenigen Tagen abheilt. Eine antibiotische Therapie mit Augentropfen ist nur in Einzelfällen sinnvoll. In aller Regel handelt es sich um einen „Schnupfen der Augen“. Der ist durchaus ansteckend (wie ein Schnupfen ja auch) aber doch ungefährlich. Daneben treten auch verschiedene Hautausschläge wie der sog. Stropholus infantum auf. Hier ist eine Klärung beim Arzt sinnvoll, wenn der Ausschlag Juckreiz hervorruft, mit weiteren Beschwerden wie Fieber verknüpft ist oder einige Tage anhält.

Was geht in der Welt rum? Nördlich von Denver (Weld county und Larimer county)  in den USA wurde beobachtet, dass mehr Stinktiere und Fledermäuse als üblich von Tollwut befallen sind. Menschen sind bislang nicht erkrankt. Diese Information von den amerikanischen Gesundheitsbehörden kann aber ein zarter Hinweis sein, dass bei Kontakt mit fremden Tieren manchmal Vorsicht geboten ist.

Was geht rum? 28. April 2018

Jahreszeitlich bedingt treten weiterhin wenig Infekte auf. Die Art der Infektionen betrifft alle Organe vom Magen-Darm-Trakt bis hin zu den Atemwegen. Weiterhin ist kein eindeutiger Trend auszumachen. Gut so.

Die sehr flugfähigen Pollen der Birke sind zusammen mit anderen (Esche, Pappel) noch immer aktiv. Sie sollen bis zu 700 Kilometer zurücklegen können. Damit mag die Birke des Nachbarn ärgerlich sein. Medizinisch bedeutsam ist sie kaum. In Kürze ist mit Belastungen durch die Pollen der Gräser zu rechnen. Betroffenen Allergikern sei die baldige Vorsorge an Herz gelegt.

Bleiben wir bei den Allergien. Die Blüten freuen sich auf den Besuch der Bienen – oben ein Bild aus dem März, als sie sich noch mit dem Heidekraut begnügen mussten. Bienengiftallergiker benötigen im Notfall einen Adrenalin-Injektor. Ist der vom letzten Jahr noch funktionstüchtig?

Was geht in der Welt rum? Seit einem halben Jahr breiten sich in Serbien die Masern aus. Bisher wurden knapp 5000 Erkrankungen erfasst, darunter 13 Todesfälle. Alle Menschen, die Serbien in den kommenden Monaten besuchen, sollten auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Kinder und Jugendliche mit 2 MMR(V)-Impfungen gelten als gut geschützt.