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Migration: Im Gesundheitswesen schon lange Alltag

Abbildung 1. Weltweite Migrationsströme im Jahre 2017. Quelle: Steingarts Morning Briefing

Das Thema Migration hat Deutschland im September 2015 auf einen Schlag erreicht. Zuvor wurden Berichte über die Migration in den Nachrichten meist  kaum beachtet. Dabei gab es zu allen Zeiten Menschen auf der Erde, die ihre Heimat aus unterschiedlichsten Gründen verlassen haben und an andere Orte gezogen sind. In den letzten Jahren stand Europa mehr im Zentrum als zuvor. Und dennoch: Die größten Migrationen finden noch immer innerhalb Asiens statt, wie die nebenstehende Graphik verdeutlicht.

Das gilt ebenso für Ärzte. Und nicht erst seit heute. In früheren Jahrzehnten waren die Bewegungen oftmals politisch geprägt. So sind vor vielen Jahrzehnten aus „Bruderländern“ viele Ärzte nach Kuba geschickt worden, um dort die Revolution zu unterstützen. Inzwischen hat sich das geändert. Nun sendet Kuba Ärzte in die Welt. Nach Angaben der Regierung sollen momentan 15.000 Ärzte in Venezuela tätig sein, in Afrika seien es 2166 Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Politisch ist dort wenig zu gewinnen. Heute regiert in vielen Fällen das Geld. In Afrika errichtet China häufig Kliniken, um einen guten Ruf in der Bevölkerung zu bekommen. Dieser wird genutzt, um günstig an Bodenschätze und Land zu kommen. Ein komplexes Thema.

Abbildung 2. Migrationsbewegungen im europäischen Gesundheitswesen im Jahre 2012. ROT Patientenbewegungen, BLAU Ärzte und Pflegekräfte, die nach Deutschland kamen GRÜN Ärzte und Pflegekräfte, die Deutschland verlassen haben. Foto: Deutsches Ärzteblatt

Für Europa fasst die nebenstehende Abbildung die Migrationsströme im Gesundheitssektor der letzten Jahre gut zusammen. Dabei wird klar, dass die Migration nicht nur Ärzte und Ärztinnen, sondern auch Mitarbeiter aus dem Pflegebereich und Patienten umfasst. Aus verschiedenen Gründen – meist ist es Geld – sind Menschen bereit lange Wege auf sich zu nehmen. Patienten suchen günstigere Behandlungen im Ausland (Zahnersatz, Hüftoperationen). Pflegepersonal und Ärzte zieht es in Länder mit besser geregelten Arbeitszeiten (z.B. Schweiz) und/ oder besserer Bezahlung. Ärzte aus anderen europäischen Ländern besetzen die freigewordenen Stellen. Nicht vermerkt ist, dass eine hohe Zahl von europäischen Ärzten aus Ländern wie den USA nach einigen Jahren auch wieder zurückkommen.

Abbildung 3. Anteil der Ärzte eines Landes, die im Ausland ausgebildet wurden bezogen auf das Jahr 2015 oder früher. Quelle: Statista

Der Anteil von „ausländischen Ärzten“ – also Ärzten, die nicht im Land ihrer Tätigkeit geboren wurden, ist in Europa sehr unterschiedlich. Das zeigt die nebenstehende Abbildung 3. So sind in der Türkei und Italien gerade mal 0.2% bzw. 0.8% im Ausland ausgebildete Ärzte. Ganz anders in Großbritannien und der Schweiz mit 27%. Spitzenreiter aber sind Norwegen (38.1%) und Irland (39%).

Es zeigt sich also, dass viele Länder Europas in Bezug auf Mitarbeiter im Gesundheitswesen eng verflochten sind. Das macht Trennungen – wie die Verhandlungen beim Brexit zeigen –  so kompliziert.

Tuberkulose bei Kindern in Deutschland: Hatte die Migration einen Einfluss?

Tuberkulose ist eine der bedeutsamsten Infektionskrankheiten. Weltweit erkranken daran 10 Millionen Menschen jedes Jahr. Von diesen versterben an dieser Erkrankung 1.8 Millionen. Damit ist die Tuberkulose die tödlichste Infektionskrankheit des Planeten. Die größte Verbreitung hat die Tuberkulose in Asien (besonders Indien und Indonesien), Afrika und Osteuropa.

Kinder unter 5 Jahren sind besonders empfänglich für eine Ansteckung mit Tuberkulose, da ihre Immunität noch nicht ausgereift ist. Dennoch sind Lungenentzündungen anderer Ursache (andere Bakterien wie Pneumokokken und Viren) weltweit gesehen für Kinder und Jugendliche die häufigste Todesursache.

Abbildung 1. Tuberkulose-Bakterium auf einem Makrophagen (weiße Blutzelle). Foto: aerzteblatt.de

Ausgelöst durch sog. säurefesten Stäbchen (Bakterien – siehe Abbildung 1) kann die Tuberkulose viele Organe betreffen. Ganz im Vordergrund steht die Lunge (82.5% bei den Kindern), gefolgt von den Lymphknoten. Damit steht auch das Symptom Husten an erster Stelle. Bedingt durch den langsam schleichenden Verlauf dauert es aber häufig recht lange bis die Erkrankung als solche entdeckt und dann behandelt wird. Langwierige stationäre Behandlungen für Kinder sind inzwischen in Deutschland eher selten.

Abbildung 2. Häufigkeit der Neuerkrankungen an Tuberkulose bei Kindern (graue Kurve unten) und Erwachsenen (hellblaue Kurve oben) in Deutschland für die Jahre 2002 bis 2017. Die dunkelblaue Kurve zeigt die Gesamthäufigkeit an. Foto: RKI

Für die industrialisierten Länder wie Deutschland, stellt sich die Situation in Bezug auf Tuberkulose komplett anders als in vielen Ländern der Erde dar. Bedingt durch eine gute Ernährung der Bevölkerung, gesunde Wohnverhältnisse und eine für alle Menschen gute medizinische Versorgung ist die Tuberkulose in Deutschland seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. Die Tuberkulose kommt in den Städten häufiger vor (Hamburg 13.1 Neuerkrankungen auf 100.00 Einwohner) als im ländlichen Raum (Niedersachsen 4.4, Schleswig-Holstein 4.8). Auch die Migrationsbewegungen seit dem Jahr 2015 haben daran wenig geändert (siehe Abbildung 2). Die Häufigkeit bei Kindern ist gegenüber den Erwachsenen nochmals niedriger. Die neusten Daten des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) geben für das Jahr 2017 für Kinder und Jugendliche 238 Neuerkrankungen an. Damit liegt die Erkrankungsrate bei Kindern bei 2.2 Erkrankungen auf 100.000 Kinder. Das entspricht der Rate des Jahres 2004. Den niedrigsten Wert konnte das RKI für Kinder im Jahre 2008 ermitteln (1.1).

Die Tuberkulose ist eine meist schwerwiegende Erkrankung. Die Erkrankungshäufigkeit bei Kindern in Deutschland liegt auf sehr niedrigem Niveau. Daran haben die Migrationswellen der letzten Jahre nur wenig geändert.