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Wenn Lehrer in Stress kommen: Chronisch kranke Kinder

In der Schule arbeiten nicht nur Lehrer. Schon immer gibt es Hausmeister, Reinigungspersonal und seit einigen Jahren auch Sozialarbeiter und Psychologen. Was es in aller Regel noch nicht gibt: Schulgesundheitsfachkräfte. Also spezialisierte Fachkräfte, die Kindern und Jugendlichen in Sachen Gesundheit zur Seite stehen.

„Ich habe Bauchweh“. Diese Aussage führt Kinder meist ins sog. Krankenzimmer. Dort werden sie nach kurzer Betreuung von den Eltern abgeholt oder – wenn es ganz dringend ist – auch mal vom Lehrer zum Kinder- und Jugendarzt gebracht. Politisch gut geregelt ist das nicht unbedingt.

Praktisch keine Hilfe steht bereit, wenn chronisch kranke Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen. So vertritt das Kultusministerium in Baden-Württemberg den Standpunkt, dass für eine medizinische Assistenz die Krankenkassen in der Pflicht seien. Diese wiederum zeigen sich in aller Regel zugeknöpft, wenn es um die Erstattung von Extrakosten geht, die durch ausgebildete Kräfte vor Ort in der Schule erbracht werden müssen.

Aber das Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Heute wird eine einfache Lungenentzündung (Bronchopneumonie) mit Unterstützung des niedergelassenen Kinder- und Jugendarztes zuhause behandelt. Das dauert meist um die drei Tage. Die gleiche Krankheit führte vor 50 Jahren noch zu einem Krankenhausaufenthalt mit Isolation für mehrere Wochen. Eltern durften vom Balkon des Krankenhauses durch die Fenster ihre Kinder sehen, sie konnten an die Scheiben klopfen, aber sie nicht in den Arm nehmen.

Das ist heute anders, weil Eltern Assistenzaufgaben übernommen haben. Heute haben alle Eltern gute Grundkenntnisse in der Medizin und der Arzt kann sich darauf verlassen, dass sie die Therapie – grosso modo – zuhause entsprechend gut durchführen.

Hinzu kommt, dass die medizinische Therapie erheblich komplexer wurde. Das erleichtert das Leben von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen wie etwa Diabetes mellitus, Epilepsie oder Asthma bronchiale erheblich. Andererseits verlangt es aber auch eine exakte und oftmals aufwendige Mitarbeit Dritter, weil ansonsten schwere Krankheit mit Krankenhausaufenthalt drohen.

Und jetzt haben wir die Ganztagsschule mit dem Anspruch, dass die Schule für ein Drittel des Tages der Lebensmittelpunkt für Kinder ist. In dieser Situation muss die Schule auch die Aufgaben übernehmen, die Eltern sonst zu Hause erfüllen. Eine Rückstufung der Schüler in spezielle Förderschulen wäre hier eine Diskriminierung und würde die Laufbahn des Kindes oder Jugendlichen gefährden. Trotz allem kommt so etwas auch heute noch vor. Die Lehrer sehen diesen Widerspruch klar und lösen die Problematik, indem sie kurzerhand auch medizinische Aufgaben übernehmen. Damit kommen sie aber in juristische Grauzonen und fühlen sich darüber hinaus überfordert, weil ihnen für diese medizinische Aufgabe die Ausbildung fehlt. Dabei geht es oft nicht nur um eine Tablette (die regelmäßig verabreicht werden muss), sondern auch um eine Notfallspritze, die beispielsweise ein Kind mit einer schweren Nussallergie im allergischen Notfall schnell braucht.

Im Moment ist gerade in Baden-Württemberg noch keine umfassende Regelung gefunden. Für Eltern bleibt damit die Aufgabe, bei den verschiedenen chronischen Erkrankungen mit dem jeweiligen Lehrer Kontakt aufzunehmen und um Unterstützung zu bitten:

  • Bei Kindern mit Diabetes mellitus: Dass man ihnen einen Rückzugsort für die Durchführung der Blutzuckermessung und der Injektion der Insulindosis gewährt.
  • Bei Asthma bronchiale: Dass der Lehrer kurz nachfragt, ob vor akuter Belastung im Sport das Notfallspray inhaliert wurde.
  • Bei schweren Allergien: Dass der Lehrer bereit ist, an einer Kurzschulung beim Kinder- und Jugendarzt teilzunehmen, um im Notfall im Umgang mit dem Adrenalin-Injektor sicher zu sein.
  • Bei Epilepsie: Dass das Notfallmedikament sicher (im Lehrerzimmer?) gelagert werden kann und alle Fachlehrer damit umzugehen wissen. 
  • Bei den vielen weiteren Erkrankungen wie Mukoviszidose werden die Anforderungen an die Schule nochmals höher und komplizierter.

Eine gute Zusammenarbeit von Eltern, Kinder- und Jugendarzt und Schule ist möglich. Sie erfordert aber einen erheblichen Aufwand aller Beteiligter und eine gute schriftliche Dokumentation der medizinischen Hilfsmaßnahmen.

Mit einer spezialisierten Schulgesundheitsfachkraft wären die differenzierten Aufgaben in guten Händen. Eltern und Lehrer sollten ihre Möglichkeiten nutzen, diese beim Kultusministerium einzufordern. „Wir sind ein reiches Land …..“ heißt es an dieser Stelle immer. Wichtiger ist aber, dass wir ethische Ansprüche an uns selbst haben müssten, damit unsere Kinder mit den speziellen Bedürfnissen ein weitgehend normales Leben führen können. Das wäre dann echte Inklusion – leider auch wieder so ein überstrapaziertes Wort.

TIPP: Smartphone-App für Vergiftungsunfälle

Vergiftungen kommen bei Kindern zum Glück seltener vor als noch vor 10 Jahren. Aber dennoch: Jeder Vergiftungsunfall ist zunächst ein Notfall, löst Angst, Unsicherheit und oft Hektik aus.

Und diese Vergiftungsunfälle treten fast häufig in freier Natur auf. Da sind App’s auf den Smartphones eine große Hilfe. Als Eltern können Sie sich hierüber schnell und neutral
informieren.

Vergiftungsunfälle bei Kindern“ vom BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)

Am besten, die App sofort herunterladen und einige Notfälle mal nachsehen. Dann sind Sie im echten Notfall sicher, auch mit der App schnell umgehen zu können. Aufgeführt sind Informationen zu Chemikalien, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen.

Und übers Telefon: Vergiftungszentrale Freiburg anrufen: 0761 19240 (24h-Service)

TIPP Urlaubsapotheke

Bald gehen viele Familien in den Urlaub. Was soll dann ins Gepäck um gegen medizinische Notfälle gewappnet zu sein?

Dauermedikamente

Das Wichtigste ist natürlich, Dauermedikamente (z.B. Medikamente gegen die Epilepsie oder bei Asthma) nicht zu vergessen. Der Vorrat sollte mindestens eine Woche länger reichen als der geplante Urlaub lang ist. Damit können auch unerwartete Probleme beim Warten auf den Rückflug (Flugstornierung – denken Sie an Air Berlin im letzten Jahr) vermieden werden. Diese Dauer-Medikamente werden im Handgepäck mitgeführt. Das Fluggepäck durchaus um Wochen verspätet oder auch überhaupt nicht ankommen! Also Medikamente immer „am Mann“ – oder der Frau.

Notfallmedikamente

  • Arzneimittel gegen Erbrechen wie Vomacur©. Diese sollte immer als Zäpfchen mitgeführt werden, da bei Erbrechen ein Saft oder Tabletten nicht erfolgreich eingenommen werden können. Das gilt sowohl für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Erwachsene. Die Anwendung von Vomacur© sollte im Kindesalter nur ein einziges Mal pro Tag erfolgen. Erbricht das Kind dann weiter, ist es sinnvoll einen Arzt aufzusuchen.
  • Magen-Darm-Erkrankung. Hier ist es wichtig Elektrolyte (also Körpersalze wie Natrium und Kalium) dem Körper zuzuführen, wenn das schlimmste Erbrechen beendet ist. Das geht gut mit Oralpaedon© – einem Pulver, das mit Wasser zu einer idealen Trinklösung gemischt wird.
  • Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol (z.B. ben-u-ron©) oder Ibuprofen (z.B. Ibuflam©, Nurofen© oder Dolormin©).
  • Für gefährdete Kinder sind antiallergische Medikamente vielleicht wichtig. Dies gilt für schwere Allergien (Tierhaare, Insektengifte) wie auch für Pollenallergien. Hier ist es sinnvoll vor Reiseantritt das Risiko mit dem behandelnden Kinderarzt auszuloten.
  • Sonnenschutzmittel. Der wichtigste Sonnenschutz bleibt der Schatten, die Mütze und ein T-Shirt. Ansonsten sind je nach Reiseland Sonnenschutzmittel mit etwa SF 30 bei Kindern sinnvoll. Diese müssen mehrfach am Tag großzügig aufgetragen werden. Also genügende Mengen einpacken!
  • Je nach Reiseland sind sog. Repellentien wichtig. z.B. um Zecken abzuhalten (Osteuropa) oder Mücken (Südeuropa) oder gar tropische Erkrankungen.
  • Desinfektionsmittel wie Octenisept© sollten immer mitgeführt werden sowie Verbandsmaterial.

Allgemeine Hinweise

  • Fieberthermometer sind gerade bei kleinen Kindern sinnvoll.
  • Medizinische Dokumente (z.B. Impfpass, Allergie- oder Diabetikerausweis)

Im Einzelfall ist es sinnvoll den Kinder- und Jugendarzt einige Wochen vor Antritt des Urlaubs zu kontaktieren, um individuelle (bei speziellen Krankheiten) oder spezifische (bei speziellen Reiseländern) Fragen vor der Reise in Ruhe zu klären. Dabei sollte auch Zeit sein, um fehlende Impfungen nachzuholen.

Für einige Medikamente müssen ggf. Bescheinigungen ausgestellt werden für die Mitnahme im Handgepäck (z.B. Flüssigkeiten über 100 ml)  bzw. die Einreise im Zielland.